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Full text of "Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung"

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EX LIBRIS 
MARTIN R NIL5S0N 



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MITTHEILUNGEN 



DES KAISERLICH DEUTSCHEN 



AKCHlE(ILÜ(ilSliHE.\ liSTIT[TS 



ATHENISCHE ABTHEILUNG 



BAND XXV 

1900 

MIT SECHZEHN TAFELN. 




ATHEN 

BARTH & VON HIRST 
1900 



1.— Druck Ton GKIlUrLOrR I'EliRI? — L\Uir[;..s- f Irasso, 



I NH ALT 



Seile 



\V. Amelung. Zum Apoll vom Belvedere .... 286 
J. G. C. Andeisson, The Apamean exemplum of the 

Asian Calentlar inscription 111 

J. BoEHLAU, Die jonischen Augenschalen .... 40 

R. Delbrueck, Über einige Grabhüt^el bei AgiaTriada. •292 
w » Eine archaische Jiinglingsfigur des Akropolis - 

Museums (Tafel XV. XVI) 373 

» « und K. G. \'oLLMOELLER. Das Brunnenhaus des 

Theagenes (Tafel VII. VIII) . ... 23 

C. Fredrich, Hippostratos von Milet (Tafel IV^) . . lUÜ 

A. FuRTWAENGLEH, Dei' 'Apollo Sti'oganoft" . 280 
F. Hiller von Gaeutrincen, Archilochosinschrift aus 

Paros (Tafel l-lll) . 1 

w ») und St. Saridakis. luscliril'ten aus Rhodos. . 107 
R. Knopf, Eine Thonscherhe mit dem Texte des Va- 
terunser 313 

A. KoERTE, Zu dem Ehrendekret für die Phylekiimpfer. 392 

» rt ivleinasiatische Studien VI 398 

P. Kretschmer, Bilinguis aus Dorylaion .... 445 
F. NoACK, Neue Untersuchungen in Aiexandrien (Ta- 
fel IX-XI) 215 

11. VON Prott, Das Psephisma des Arcliinos . . . 34 
C. RoRERT, Die Fusswaschung des Odysseus auf zwei 

Reliefs des V. Jahrhunderts (Tafel XIV) . . 325 

0. RiRENsoiiN, Paros I (Tafel V. VI) 341 



St. SaRIDXKIS S. F. llrLLKIl von G.VERTniNM.EN . . . 107 
R. G. N'OLLMOKLLKH S. R. DeLHRUECK 23 

C. ^^'AT/^^(;ER, Zur Porosstatue in München . . . ^M 
Th. WiEGAND, AntikeSculpt.inSamos(TafelXII.XIII) 1-45 

A. Wilhelm, Epigramm aus Delphi 306 

P. Wolters, Prähistorische Idole aus Blei II . . . 339 

Litteratur 112.451 

Funde 114.308.452 

SitzungsprotokoUe 127.471 

Ernennungen 144.471 



"t^^H-o- 




DIE ARCnilOCBOSCnOTTE hZV FAROS 



ARCHILOCHOSINSCHRIFT AUS FAROS 
(Hierzu Tafel I- III) 

Der Boden Ägyptens, dem wir soviel danken, hat uns kürz- 
lich nach vielen lierrlichen litterarischen Schätzen auch zwei 
Pnpyrnsfelzen bescheert. auf denen der Herausgeber, R. Reit- 
zenstein, mit glücklichem Rück Reste der l']poden des Archi- 
lochos erkannte '. Mit Ägypten kann es Griechenland in die- 
ser Beziehung nicht aufnehmen; seine Erde ist doch immer 
noch zu feucht, um den eiupfindlichen Stoff des Papyrus durch 
Jahrtausende zu erhalten. Aber anders steht es tuit den be- 
schriebenen Steinen, und wenn sie auch zu den Ausnahmen ge- 
hört, so hat die Wand von Oinoanda doch gezeigt, dass man 
auch längere litterarische Texte gelegentlich dem schwerer zu 
bewältigenden , aber dauerhafteren Stein anvertraute. Einen 
solchen Fall können wir aus Paros vermelden. Auch hier ist 
Archiiochos beteiligt — und wenn wir es in allem übrigen 
dem Herausgeber der Papyri nicht gleichthun können, wollen 
wir uns doch wenigstens darin an sein Wirbild halten, dass 



' 6ilzung.sl)criclile der lierliiier Akademie iS'J'J S. 857 ll". 

ATHEN. MlTTHElLUNGliN X.W. 



'2 F. HILLEH VON GAliHTHlNGEN 

wir uns möglichst beeilen, den Fund der ÜITentlichkeil vor- 
zuleben. Bei der Lesung und Er^änzuni»- hat mich U. von VVi- 
lamoNvitz-Möllendoi'ß' vielfach beraten; iinn wird verdankt, 
dass manches Richtige im Text steht und noch mehr, dass 
manches Falsche rechtzeitig verschwunden ist; wenn sein An- 
teil nicht in jedem einzelnen Falle gekennzeichnet wurde, so 
geschieht das nur in seinem Sinne. 

Der Stein ist rechtwinklig, 1,255'" lang, 0,625 hoch, 0,195- 
0.205 dick. Die linke Seite bildet eine rohe, schlecht bear- 
beitete Fläche: rechts ist slatte Anschlusstläche, oben und 
unten ist von vorn an etwa 0,07-0,085'° breit glatte, weiter 
hinten lauhe Fläche. Auf der Oberseite sind am linken und 
rechten Rande, aber ungleich entfernt von der Vorderkante, 
Löcher für U-förmige Klammern. Auf der Vorderseile waren 
ehemals etwa 3 ^3 Kolumnen Schrift eingehauen, davon ist die 
erste, vom linken Rande beginnend, 0,32 breit, die An- 
fänge der vierten, die auf den rechts angrenzenden Stein über- 
griff, 0, 125. Rechnet man auf die beiden Interkolumnien zu- 
sammen etwa 0,05'", so bleiben (ür die Mitte noch 1,255 — 
(0,32 + 0,05 4-0,125)= 1,255 — 0,495 = 0,70, was also 
wahrscheinlich zwei etwas grösseren Kolumnen von je 0,36- 
0,37 und einem Intervall von etwa 0,03 entsprach. Die Ko- 
lumnen von Steininschriften pflegen nicht genau gleichmässig 
zusein. Beim Recht von Gortyn schwankt ihre mittlere Breite 
nur zwischen 0,67 und 0,69 (Comparetti,7l/o/i. Ant. III S.93), 
beim Testament der Fpikteta zwischen 0,325 und 0,340 (nach 
llalbherr bei \\'\cc\,Mon. Ant. II S. 85: non tanto prrö che 
il tulto non dia i inipressione di iina certa regolaritä 
d' insienie). Somit würde ein Schwanken zwischen 0,32 und 
rund 0.37 nicht unerhört sein'. Von der vierten Kolumne hat 
sicher der grössere Teil auf dem rechts anslossenden Stein ge- 
standen, und wenn dieser Stein auch niclit ebensoo;ross sewe- 



' Kegeliiiiissiger sind die Kolumneiibrcilen der Insclirifl von Oinoanda, 
vgl. Hcberdoy und Kaiinka, Bull, de curr. hell. XXI, 18'J7, S. 353 f., wo die 
Verfasser mit Heciil den Brauch der Papyrusrollen als massgebend für diese 
Anordnung der Inscliriftlexle hinstellen. 



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ANEYaae N F I KA/,; 






\BCHILOCHüSINSCHRIFT AUS FAROS 3 

sen sein wird wie der linke, wäre es doch unwahrscheinlich, 
auf ihm nur diese Zeilenreste anzunehmen ; viel eher wird 
man glauhen, dass hier noch wenigstens eine, vielleicht auch 
mehrere Kolumnen folgten, wonach die ganze Inschrift ehe- 
mals wenigstens 5-6 Kolumnen gehaht haben würde. Für al- 
les weitere, besonders den Charakter der Schrift und der ein- 
zelnen Buchstaben ( Durchschnittshöhe etwa 0,007"") verweise 
ich auf M. Lübkes Zeichnung auf Tafel II. III. Für diese be- 
merke ich, dass ihm meine Abschrift vorlag, zugleich aber 
mehrere Abklatsche und scharfe, leider immer noch in viel 
zu kleinem Masstabe gefertigte Photographien '. Lübke hat nur 
aufgenommen, was er selbst auf Grund dieser Vorlagen ver- 
antworten zu können glaubte, und dabei mehrfach die Lesung 
sicher gefördert, mehrfach jedenfalls Wünsche, welche ich 
selbst für die Ergänzung hatte, energisch durchkreuzt. Bei 
der gemeinsamen Revision habe ich ihn nur da veranlasst zu 
ändern, wo ich sicher im Recht zu sein glaubte; in zweifel- 
haften Fällen habe ich ihn gewähren lassen, wenn ich mich 
von der Möglichkeit seiner Auffassung oder von der Un- 
möglichkeit etwas Besseres zu finden überzeugte, besonders 
in den ersten und den letzten Zeilen der ersten Kolumne. So 
stellt die Zeichnung einen Kompromiss zwischen meiner und 
Lübkes Lesung dar. Ich hoffe aber nunmehr auf die ein- 
dringende kritische Arbeit der durch ihre Sachkenntniss 
berufenen Männer und glaube, dass die Nachprüfung an 
Stein und Abklatsch mit o-anz anderer Aussicht auf Erfolg 
wieder aufgenonimen werden kann, nachdem sie alle Möglich- 
keiten der Verbesserung und Ergänzung vorgebracht haben 
werden; der Ertrag aller Mühen möge dann der Ausgabe im 
Corpus zu Gute kommen. Fördern wird jeder, auch der kühn- 
ste und vom Standpunkte vorsichtiger Methode scheinbar 
leichtsinnigste Ergänzungs- oder Anderungsvorschlag, sei es 
dass wir ihn zu bestätigen oder zu verwerfen oder auch mit 
einem non liquet zu beantworten in der Lage sein werden — 



• Photographien des arch. liisliUUs, Paros Nr. 'JG. 07. 



4 F. HILLEH VON GAEHTIUNGEN 

keineswegs aber hat der Herausgeber von Inschriften oder 
anderen Texten das Hecht, einen sachlich ausgesprochenen 
Zweifel aucli an den scheinbar sichersten I^esungen irgend 
einem Fachi»enossen zu verübeln. 

Aus den Zeichnungen geht namentlich die Unregelmässig- 
keit der Arbeit deutlich hervor, die Flüchtigkeit, die am Ende 
der ersten Kolumne am ärgsten ist. u. a. m. Nach den Tafeln 
wird man sich auch die Schwierigkeiten der Entzifferung vor- 
stellen können, die nicht gering waren und auch dann viel- 
leicht nicht an allen Stellen sicher zu überwinden wären, 
wenn nicht noch ganz besonders schwere Schäden hinzukämen. 

Denn in Paros liebte man, wie die auch gerade in dieser 
Beziehung sehr lehrreichen Ausgrabungen Hubensohns ge- 
zeigt liaben. die Errichtunij; o-posser Grabmonumente und ver- 

~ ■ DD 

wandte dazu immer wieder dieselben Steine. Flüche wie der 
uns auf der Nachbarinsel los und ähnlich an vielen Orten 
entgegentretende: y.Ti^k öicXaTa tc>.(i)ty; t^.TiSs yri ßaTvi o{n)zi<; av 
aoYi TÖv Xiöov ToöTov wären in Paros auch sehr am Platze ge- 
wesen , hätten dort aber kaum gefruchtet. So nahm denn 
auch, nicht vor dem dritten Jahrhundert nach Clir , ein 
solcher Frevler den Stein, drehte das Untere nach oben, ar- 
beitete vom nunmehrigen unteren Rand an ein 0,69 langes, 
0,45 hohes, 0,07-0,08 tiefes rechtwinkeliges Loch ein, und 
deutete darüber einen rohen Giebel an mit einem Schild im 
Felde und drei Akroterien. In das Loch selbst konnte dann 
ein Grabrelief eingefügt werden; die vertiefte Fläche war ganz 
rauh gelassen, was den Vorteil zeitigte, dass der zur V^erbin- 
dung mit der Einlage nötige Mörtel besser haftete. Und zu 
beiden Seiten brachte man die Inschriften für die neuen 'Grab- 
herren' an ; rechts : 

'II ßo'jV/) Jtc 6 h'ri^.oc, (JTE'pa.voi ypuToi rjTefpivco ^TepTiviav KXi- 
TOTiu.'/i (so) TCpou.oipw; ßicocacav, 

WO man mit A. de Hidder zweifeln kann, ob KXiTOTt[xr)[v] oder 
KAiToxiar,^;] beabsichtigt war, da wir auch eine EüoSia llxv- 














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AltCHILOCHUSINbCHlUFT AUS FAROS 5 

Kkiiry)<; auf Paros, und auch anderwärts in später Zeit häufig 
Menschen, die keinen legalen Vater hatten, nach der Mutter 
genannt finden, oline dadurch berechtigt zu sein, immer gleich 
an das uralte Mutterrecht zu denken. Links liest man : 

'0 Sy5[{/.o; (j]T£(p(a)voi ycursGi ((j)T6'pxvti) IlovTiav So'j[)t]}t£<jTav 

Und dann brachte man noch auf der Rückseite des Steins aus 
dem durch Löwys Aufsatz (Arch.-epigr. Mitth. aus Österreich 
XI, 1887, S. 176 ff.) bekannten Musterbuch von Grabreliefs 
zwei gar nicht zusammenhängende Typen an, eine in Vor- 
deransicht stehende Fic;ur mit Taube und Traube in den 
Händen und vier auf einer Kline, vor welcher der übliche 
dreibeinige Tisch steht, gelagerte Personen. Eine Abbildung 
dieses jetzigen Zuslandes giebt Tafel 1 ; die Reste der älteren 
Inschrift (I, 1) standen fortan natürlich auf dem Kopf. 

Aus der Nekropole wurde der Stein nach seiner VViederauf- 
findung in den Hof der Kirche der Ilavayia KaxaTcoXiavyj oder 
'ExxTovTa7:u>.iavYi gebracht, wo er unter dem Säulengange in 
sehr ungünstigem Licht stand. Dort sah ihn A. de Ridder, 
dem wir die Kentniss mancher wichtigen Inschrift von Paros 
und Naxos danken, erkannte aber nur die beiden späten Kranz- 
inschriften, von denen er die linke verölTentlichte [Bull, de 
corr. hell. XXI, 18U7, S. 17, Nr. 2), die rechte als effacce 
bei Seite lies. Als Breite giebt er durch einen Druckfehler 
0,27 statt 1,27. Auch A. Wilhelm sah den Stein und nahm 
einen vollständigen Abklatsch, besass aber die Entsagung, 
die kurze ihm für Paros verfügbare Zeit ganz der \'orarbeit zu 
seiner mustergiltigen Ausgabe des neuen Marmor Parium zu 
widmen. Er trat mir nachher auch alle Rechte, die ihm aus 
der Priorität erwachsen konnten, in freundlichster Weise ab 
und brachte mich an einer wichtigen Stelle (Z. lO ttcegoek;) 
bei der Lesung auf die richtige Spur. So wäre ich wol ver- 



' Vgl. Fliolugrapliion des arcli. Iiislüuts, Varos Nr. 91. 95. 



F. HILLEK VON GAEHTRINGBN 



pflichtet, lür den Stein dasselbe von meiner Seite zu leisten, 
was er (iir die parische Chronik rjjethan iiat. Und wenn mir 
dies nicht ^elin^t, will ich die Schuld nicht auf den Zustand 
des Steins schieben, sondern lieber hoffen, dass andere, und 
in erster Linie Wilhelm selbst, meine Arbeit berichtigen und 
weiterführen werden. 



Kolumne I Z. 1-17 

[ ^J'^[^] ^■^IfJl'Sai; OU [i.6vo[v] TTTSpi _ - - - 

[...., äj>,>.[ä )t]a[i xä;] äp)^a[i;] a[ü]T7i(; 'Apy^i^oy__ - - - - 

s\)n[i)^Bix(; xal xric, Tvepl ttjv 7ra[TptSa- ] 

[ TüJv] etc' aÜTOiv ■7r67rpaY{j!.£v(o[v ~ ~ ~] 

5 [. . . 7i:o>.]X[(ö]v [icajl [jL[s]ya[>,](ov (xya6[oli]v - - - - - 
.... TOu (XVYifyJaywj^ÖTO? (so!) TaÜTa i - - - 
[. . . . 7rpo(j]y£ypacpsv Se 6 Avi{jt,£a<; exacra [töv TUETrpxyjxe]- 
[v(o]v )t[a]i y£ypa[i.{X£V(i)v üttÖ 'Ap^[i]X6j^ou xa^x' ap^ovxa] 
[i.]y.c(.aTOv , y.a.1 '/)p/CTat (Xtco ap^ovro«; Trpwxov Eüp[- -, scp' ou a.7r]- 

10 atp£i TTEvxYi/tovxopo? MtXiTjiwv 7vp£(J§£ti; ay[o'jaa £t; flapov]" 
xai ava)t[ol|xiCo[Jt.£V"iri ly MiXyjxou SiacpQap'^va[i iv xö TCopöjxo)] 
xcö Na^iax.(i), y.ai cwOvivai k'vot xiv«. auxoiv (pvo[(;.a Koipa]- 
[v]o; uttÖ o6>.^ivo<; ävaXviacpÖEvxa )cal £x,7i:£T6v[xa eI; xtiv vyidov] 
[xy)v] Supiwv, [)tali . . . . ei; (?) xi(; . .i Xaov aovcp[u>.ov - -] 

15 e<i>)t£ie£v [ol]1 X AZI/ lANTIAESn - - 

£<(u)>xi vGv a[vxpov ]ou Ko[i]pave[iov Seikvu]- 

[x]a[o ..---.:-- 

Gleich der Anfang giebt viele Rätsel auf, und es war mir 
nicht möglich, die Lesung mit dem, was der Sinn verlangen 
könnte, völlig in Einklang zu bringen. Jedenfalls beginnt die 
Kolumne mitten im Satze, es fehlt also nicht wenig, sodass 
es nahe liegt einen einst über diesem Stein liegenden zweiten 
Stein anzunehmen, der die Rolumnenanfänge enthalten haben 
würde. Wir lernen hier zum ersten Male einen Sciiriftsteller 
Demeas kennen, wahrscheinlich aus Paros selbst gebürtig. 
Z. 1 erwartet man etwas wie yEypacpe Sk x.ja[i] Ariafia? ; vorher 



ARCHILOCHOSINSCHRIFT AUS PARGS 7 

war also ein anderer Autor angeführt. Z. 2 ist das, was vor 
äp/a; sieht fraglich ; man glaubt zunächst A, YF.d zu lesen, 
also /.ai [uTTsJp, oder auch -y[äp], aber das trügt wol ; auszu- 
gehen ist von ou y-övoNj, das jedenfalls ein iXXä kx\ verlangt. 
Ob apxä[?] die Anfänge oder die Behörden von Faros be- 
zeichnet, lasse ich dahingestellt; gewünscht wird eine Er- 
wähnung der Archonten, auf die Z. 4 Itz' aüräiv zurückweist 
und für die sonst kein Platz zu sein scheint. Der in Z. 2 zuerst 
genannte Archilochos muss, wie der ganze Verlauf der In- 
schrift klar macht, als Gewährsmann oder Quelle des Üe- 
meas genannt sein, also etwa 'Apya6/[o'j fy-vn-rOsl; --; von ei- 
nem solchen Participium würden dann auch die folgenden Ge- 
netive abhängen. Von diesen ist der eine, Z. 6, mir erst ganz 
zuletzt klar geworden. Ich las vorher 7roXjX[ü>]v [xajt {x[g]ya[X]wv 
ayaOidi^v [Trapatrio; eyevlsTO (u> äv:np AmNOZ, o? raura i[y]?a.[^s, 
sah in dem fraglichen Worte etwas wie ijxwy.o? und liess mich 
dadurch bei der Revision der Zeichnung bestimmen. Eine 
Nachprüfung gewisser Bedenken ergab aber Z. 6 TOY/xNH 
r'ArftXOTOZ mit genügender Sicherheit, und liess eine 
Form von ävÄyco erkennen, die man allerdings ungern fest- 
stellen wird: tou avnyayco^ÖTOc, verschrieben für ävayyjyo/ÖToc. 
Dahinter scheint EU ^A zu stehen, wo man das vierte Zeichen 
sehr verschieden auffassen kann; an £[yjpx['}£ hatte ich zuerst 
gedacht. Es wird s'!; px- oder elq öa- oder sl; Oa- sein. Die 
Genetive in Z. 2-6 können lauter von einander unabhängic^e 
Personen und Sachen bezeichnen , welche Demeas alle er- 
wähnt bat, man kann aber auch gewisse Zusammenhänge an- 
nehmen, wie (nur dem Sinne nach, auf den Wortlaut ver- 
zichte ich lieber) Z. 2/3 'Ap/aö/LO-J .u.vy-,Ö£i; svsxa xr.; -pö; toÜ; 
Oeoü? (dies letztere doch wahrscheinlich trotz gewisser frag- 
würdiger Beste, zu denen auch das gezeichnete ü gehört) sO- 
(j{i)^iix(;^ /tat T^; Tzipi t7]v 7ra[TptSa aTO-j^ri; - - -. Das wäre 
wahrscheinlich alles auf Archilochos zu beziehen; Z. 3. i 
wünschte man, wenn Platz da wäre, etwa : xai xdiv ap/övxwv 

' Sicher Slt'iiiiiielzfehlcr : verbessert aus EYIBHAI. 



8 F. HILLEK VON GAKIITHINGEN 

xal Tüivl 67r' aÜTüiv 7:£-pxYtx£v(i)[v. Dann miiss , wenn nicht 
mehr von Archilochos die Rede ist. eine andere Person ein- 
geführt sein, die nach Z. 6, 'dieses liinaufgeführl liat auf, 
oder 'hingeführt hat nach', obgleich ich meinen sollte, dass 
es nicht unmöglich wäre, eine Ero;iinzuno zu linden, welche 
alles von Z. '2-7 in letzter Hinsicht auf das Verhältniss 
des Demeas zu Archilochos bezieht. Denn Z. 7-9 heisst es 
direkt, dass Demeas die [Thaten und] Schriften des Archi- 
lochos unter die einzelnen [Archonten] verteilt hat. Daraus 
ist wenigstens der allgemeine Sachverhalt klar; er wird es 
noch mehr durch das Folgende. Demeas und sein Werk, über 
dessen Entstehungszeit wir nichts erfahren, ist die unmittel- 
bare Quelle des Mannes, der hier aus irgend einem Grunde 
den Text für die Niederschrift auf Stein zurechtgemacht hat; 
Demeas ist aber nicht die Hauptperson, sondern die ist von 
Anfang bis zu Ende, soweit wir beide erhalten haben, in Ko- 
lumne 1 wie in Kolumne IV Archilochos. Nicht dem Demeas, 
sondern dem Archilochos gilt der Stein und eignete der Bau, 
zu dem wol als VVandquader der Stein gehört hat. Wenn die 
Bürger von Priene ihrem altberühmlen Mitbürger, dem wei- 
sen Bias. ein Bixvteiov errichtet haben, wie H. Schrader Arch. 
Anzeiger 1897 S. 183 mitteilt, so hatten die Parier allen Grund, 
ihrem grossen Dichter ein 'Ap/iXö/etov zu erbauend 

Aber auch der gelehrte Vermittler, Demeas, verdient un- 
sere Achtung. Er hat benutzt, was er konnte, eine parische 
Archonlenliste und die Gedichte des zeitgenössischen Dichters. 
Anders hat es Aristoteles, als er in seiner athenischen Staats- 
verfassung das Werk Solons darstellte, auch nicht gemacht. 
Eine Frage bleibt freilich offen: wie konnte Demeas die von 
Archilochos erwähnten Ereignisse und das lieben des Archi- 
lochos selbst in der Archonlenliste unterbringen? Hat Ar- 
chilochos denn die Archonten genannt? Aber dann wäre wol 
seine Chronologie den alten Grammatikern minder zweifel- 



' F'ür seine EÜjeCsia gal) es auf l'aros oiii vollgilli^^cs Bclogsli'ick, sciiio 
Kullliedcr aii Herakles (Frg. 119) und an Demeter und Köre (1^2^). 



ARCHILOCHUSINSCHRIFT AUS PAHüS 9 

haft gewesen, als sie es ihatsächlich war. Freilich in dem für 
Faros auf Stein gehauenen und dafür mit dem Namen des 
jüngsten parisclien Archon vom Jahre 263 vor Chr. versehenen 
Auszuge einer attischen Chronik, den man jetzt nur teilweise 
richtig das Chronicon Parium nennt, lesen wir heute das Jahr, 
in dem Archilochos nach Thasos zog oder seine Blüte er- 
lebte ; aber es ist alles ergänzt. Immerhin wusste Aristoxenos 
ein Jahr für sein Bekanntwerden anzugeben (bei Eusebios ; 
Stellen und Ergänzungen bei Flach, Chronicon Parium S. 
16ff'. ; näheres bei Crusius, Real- Encyclopädie II S. 488 ff. 
Busolt, Griech. Gesch. ^ I S. 458 f.). Die Hilfsmittel, welche wir 
haben, die von Archilochos erwähnte Sonnenfinsterniss und die 
assyrischen Chroniken, welche uns die Jahre seines Zeitgenos- 
senGyges von Lydien lehren, hatten die Alten, hatte Demeas 
nicht. So wird er oft die Ereignisse, die er dem Dichter ent- 
nahm, nach Gutdünken unter die Archonten verteilt haben — 
hat es doch Diodor stellenweise, wie für die Zeit der Pente- 
kontaetie, nicht anders gemacht. Aber wer will ihn darum 
tadeln? Wenn wir den Stein in einem besseren Zustande hät- 
ten, würde, glaube ich, keiner F3edenken tragen, ihn als das 
Marmor Parium xax' ä^o/yjv zu bezeichnen, und hätten wir 
den Demeas selbst — nun, dann wären unsere Kenntnisse von 
vielen wichtigen Dingen ganz andere als sie jetzt sind. 

Z. 9-17 enthält den Anfang des Geschichtswerks des De- 
meas, die Erzählung von Roiranos und seiner wunderbaren 
Rettung durch den Delphin. Sie ist litterarisch überliefert aus 
Phylarch , dessen Geschichtsw^erk etwa die Jahre ^T^-^^O 
vor Chr. umfasste (Wachsmuth, Einleitung in die alte Gesch. 
S. 546), bei Athenaeus XIII 606 r/- /', und genauer in zwei 
von einander unabhängigen Brechungen einer und derselben 
Quelle bei Plutarch, De soll, an i mal. 36 S. 984/5 und Ae- 
lian, Nat. animal. VIII, 3 (daraus Apostolius V, 96 bei 
Leutsch, Paroemiogr. Graec. II S.362). Die neuere Litteratur 
führt Usener an: Die Sintlluthsagen, Bonn 1899, S. 1 'i8 f. Es 
wird sich empfehlen, die Texte nebeneinander zu setzen. 



10 



F. HILLER VON GAEHTRINGEN 





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ARCHILOCHOSINSCHRIFT AUS FAROS 11 

Eine Betrachtung dieser Berichte ergiebt, dass Aelian nicht 
aus Plutarch gescliöpft haben kann. Zwar hat Plutarch im 
Allgemeinen mehr, aber eine Einzelheit ist dem Aelian eigen- 
tümlich, die er nur aus einer mit der Örtlichkeit selbst ganz 
vertrauten Quelle haben kann, die x-/.poL. Beide haben also aus 
einer gemeinsamen Quelle geschöpft. Diese Quelle — oder ihr 
Vorbild — hat aber auch Phylarch benutzt, jedoch nur flüchtig 
und ungenau; aus dem Parier Koiranos wird durch ein Miss- 
verständniss, zu dem die Ma-ociwv avSps? Anlass geben, ein Mi- 
lesier. Aber sicher ist es: die primäre Quelle liegt vor Phy- 
larch, also im dritten Jahrhundert oder vorher. Damals hatte 
man in Paros historische Interessen, ein Parier redigirte für 
seine Heimat im Jahre 263 die attische Chronik. Die Quelle 
der Koiranosgeschichte citirt auch, falls dies nicht eigene Remi- 
niscenz des Plutarch ist, den Archilochos, ebenso wie Demeas. 
Freilich wird dies jeder parische Autor gethan haben , und 
es wird auch nicht nur einen solchen Autor gegeben haben. 
Also, um vorsichtig zu sein : man könnte sich sehr wol den- 
ken, dass Demeas in diese Zeit gehört, könnte auch weiter es 
wagen, Identifikationen vorzunehmen mit der Quelle der Koi- 
ranosgeschichte bei Phylarch, Plutarch und Aelian und dem 
Redaktor des Marmor Parium.aber Bestimmtes lässt sich nicht 
sagen; auch die Erkenntniss der Möglichkeit kann schon 
nützlich sein. 

Von der rührenden Delphinengeschichte geht uns der erste 
und dritte Akt nichts an, um so mehr der zweite. Es stand 
also schon bei Archilochos, dass Koiranos von 50 Männern, 
d.h. von der Bemannung einer TrevTr^övropo; , allein durch die 
Huld des Poseidon am Leben blieb. Koiranos war nach Plu- 
tarch und Aelian Parier; Phylarch hat, wie wir sahen, nur 
durch Missverständniss einen Milesier aus ihm gemacht. Das 
SchilT kehrt von Milet zurück und hat Mi>.r,Gicüv nvi; ivSpa; 
an Bord. So Plutarch und Aelian; man wird also auch ^e- 
neigt sem, m der Inschrift Maraiwv nicht zum vorangehenden 
7r£VTYi)covTOüo<;, sondern zum nachfolgenden Tzpic^n- zu ziehen ; 
die Parier holen diese auf ihrem Schiff ein. Wir kennen aus 



12 F. HILLEH VON GAKHTHINGKN 

Herodot einen Fall, in dem uingekehrt parische Scliiedsrichter 
von den Milesiern erbeten worden sind (V, ^S). Nach Plu- 
tarch und Aelian war Koiranos Kapitän . nacli der Inschrift 
eU Ti? vom Schiffsvolk; dies letztere wird echt sein, das an- 
dere eine nahe liegende Umbildung, die uns rlitlich macht, 
zwischen Phylarch-Plutarch-Aelian und der Quelle einen Mit- 
telsmann einzuschieben, dem dann auch die Verbindung der 
parischen Sage mit ähnlichen Tiergeschichten zuzuschreiben 
wäre, sowie vielleicht auch der erste und dritte Akt der Hand- 
lung'. Das Schiff geht unter im Kanal zwischen Faros und 
Naxos. Hier herrscht meist eine starke Strömung {Mediter- 
ranean Pilot IV^, 1892, S. 115); stürmische Nordwinde ma- 
chen sich hier oft weit mehr fühlbar als zur gleichen Zeit an 
anderen, benachbarten Stellen, wie ich aus mehi'facher Er- 
fahrung bestätigen kann. Moderne Dampfer finden dann auf 
der offenen Reede von Naxia keinen Schutz, sondern müssen 
weiter südlich in der abgelegenen Prnkopiosbai ankern la a.O. 
S. 1 14). Das von Phylarch genannte iMykonos liegt genau in 
der nördlichen Verlängerung dieser Meerenge, besagt also we- 
sentlich dasselbe. 

Den Schiffbrüchigen rettet der Delphin (einer genügt; von 
einer Vielheit redet nur Aelian , der gern den Mund voll 
nimmt) und bringt ihn ans Land. In der Inschrift geht schon 
von Z. 11 an die direkte Rede in die indirekte über; auch 



' Es ergiebt sich also das Stcnima: 

Arcliilocilos und die von ihm hcnulzte parische 
Sage von Koiranos (VII. .Jahrhundert vor Chr.) 

Demeas erzählt die Koiranos -Sage (etwa 
erste Ilälfle des III. Jahrhunderts vor Chr.) 

___^_^_^_^^^ [ ^^_^___ 

1. Verbindung der Sage mit 2. Die parische Inschrift 

anderen Sagen von dankba- (etwa I. Jaluliuiidert 

ren Tieren ( um 250 vor Chr.) vor Chr.) 

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1. Phylarch 2. Philareh ü. Arliaii 
(um2t)0vor (I.Jahrhun- i HI. Jahrhun- 
Chr.) dcrt nach Chr.) dert nach Chr.) 



ARCHILOCHOSINSCHRIFT AUS FAROS 13 

das ist der Quelle entnommen, da auch Plutarch hier Xe'Yo-jit 
hat. Wir verlangen liyizon in Z. 11 hinter Sia96acr,vai , aber 
es ist dort schwerlich Platz genug vorhanden für eine solche 
Ergänzung; eher könnte in Z. 15 c^]xni enthalten sein. In Syros 
landet er, geht aber von da (Z. 15 Ix.eiOev) weiter, also nach 
seiner gegenüberliegenden ' Heimatinsel Faros; die Zwischen- 
station dient, wie es nach den Resten scheint, um Leute zu sam- 
meln — Xaov <i'jv(p['j>,ov(?) (xysipei — damit er nicht allein, sondern 
mit einer stattlichen Eskorte zurückkehrt oder wie sonst zu er- 
gänzen ist. Hier ist aus Plutarch und Aelian, deren unmittelbare 
Vorlage die Zwischenstation als überflüssio; und auch nicht im 
Sinne des alten Mythos liegend gestrichen hat, die Koiranos- 
Grotte zu ergänzen (Z. 16 f. dem Sinne nach etwa: [otucj] | exi vOv 
a[vTpov £7i:i tou aiytaXloO Ko[i]p!Xv6[tov SsixvulTjaLtJ). Plutarch und 
Aelian zusammen ergeben für diesen Ort eine axpa, eine Land- 
spitze, und eine uxavTco; izirpx, einen von einer Grotte unter- 
schnitlenen Felsen. Den plutarchischen Namen üixuvOo? haben 
Wesseling, Reiske und mit ihnen jetzt auch Usener (s. u.) in 
Swivo'j, Klement ( Arion, Wien 1898, S. 33) in Küövo-j ändern 
wollen. Auf Grund des Phylarch könnte man auch auf M'j- 
;c6vou kommen. Dieses, oder etwa ein aus der Inschrift, der 
es sonst freilich gar nicht gerecht würde, zu entnehmendes 
HüpoD, würden durch ihre geographische Lage, wie ein Blick 
auf die Karte lehrt(s. S. 1 4). immer noch weit eher in Betracht 
kommen als das ganz von der Linie Milet-Paros abliegende 
Sikinos, um von Kylhnos ganz zu schweigen. Eine paläogra- 
phisch wie geographisch leichtere Deutung verstalten uns die 
neuen Ausgrabungen 0. Biibensohns. Er hat im Juli 1899 auf 
einer Höhe nördlich von Parikia, der alten Stadt Paros. in 
einem Temenos einen archaischen Grenzstein der Athenaie Kyn- 
thie gefunden, und ebenda eine VVeihung an Artemis Delie (s. 
in dieser Zeilschrift 1899 S. 353). Also haben wir dort ein 
ganzes Delion mit allen daselbst verehrten Ilauplgötlern anzu- 



* Mail iiiöchlt' ficrn i-^;]avTt o' l; n[asov crgäiizoii.dücli sclioinl das niclit 
zu gehen. lANTIAEin ist sicher. 



l'i F. HILLER VON GAERTRINGEN 

nehmen. Athenaie Rynthie ist vom delischen Kyntliosberge 
genannt und kann auf Paros diese lokale Beziehuno- verloren 
haben, mindestens ebenso wahrscheinlich aber ist es, dass 
mit den Göttern auch der Götterberg ii;e\vandert ist, wie dies 
vom Olymp, dem i.ykaion und anderen geographischen Na- 
men allbekannt ist. Dann dürfen wir also bei Plutarch t7;(; 




{ti) Kiivöou xaTx a-KTilxio^ einsetzen , unter Annahme einer 
leichten Ditlographie. Und dann ist auch die Höhle nicht 
weit. Verlässt man die schöne, grosse llafenbucbt von Pari- 
kia und biegt um das Vorgebirge, das die englische Seekarte 
Nr. 1842 Fikas nennt ^ nach Nordost um. so sieht mnn rechts 
nach kurzer Fahrt ^ an der Steilküste etwas über dem Meere 



' Der ricliligc Name ist, wie Herr A. Miliarakis freundliciist feslstelile 
"At (I>iuxä{ ("Ayios <I>a)xa{) ; vgl. AifAEvoSeixTris xoü N. F. KoTaoßiXXri, 1899, S.71. 

2 Im kleinen Boot brauchten wir: auf der Hinfahrt bi.s zum Kap rudernd 
16 Minuten, von da gegen massigen Wind rudernd und kreuzend bis zum 
SUand unter der Grolle vT Miiiiilcn, ztiriick iiiil dem Winde segelnd für 
die ganze Strecke '.^7 Minuten. 



ARCH1L0CH0SIN8CHRIFT AUS FAROS 15 

eine Grotte, auf welche alle Anzeichen gut passen. Die Vignette 
auf S. 1 zeigt sie vom Boot aus aufgenommen ^ eine kleine 
Klippe im Vordergrund. Sie ist etwa 12 Meter breit, ebenso tief 
und ungelähr 9-10 Meter hoch; in halber Höhe über dem 
ßoden weist die Rückwand eine Art natürliche Stufe auf; Spu- 
ren von Bearbeitung haben 0. Rubensohn und ich nicht wahr- 
nehmen können. Aber sie heisst heutzutage tö aTcr,Xaiov toO 'Ap- 
■/iXd/ou. Diesen Namen hörte ich von den verschiedensten Sei- 
ten, einmal mit der naiven Begründung, dass Archilochos ein 
reicher Mann war und dass ihm aller Grund und Boden in der 
Gegend gehörte ; nur ein einziger Parier bildete daraus, un- 
serem Stande zu Ehren, ein '77ry)>^aiov tou 'Ap/atoAÖyo-j 2. In wie 
alle Zeit die Benennung hinaufgeht, kann ich nicht feststellen; 
immerhin wäre es seltsam, wenn die Grotte des Archilochos 
nur durch ein neckisches Spiel der Volksphantasie und des 
Zufalls da angesetzt wäre, wo wir die Grotte des von Archi- 
lochos gefeierten Koiranos so gern ansetzen möchten. 

Auf den Mythos vom Delphinenreiter und seine Deutung 
wollen wir hier nicht eingehen, ebensowenig auf die Littera- 
tur; ich verweise auf Usener, Sintfluthsagen S. 1 '18 ff. und 
sonst, der diese Fragen mit umfassendem Material und im 
weitesten Zusammenhange behandelt hat. 



Neben dem verhängnissvollen Kranz ist in Z. 18 noch -o]u 
{j(.vy)u.Y)[v- zu erkennen, was sehr wol die Einleitung zu einem 
Dichtercitat sein kann. Dann erst wieder Z. U-51 Anfang 
ein zusammenhängendes Stück, I']rzälilung. Dichtercitat und 
wieder Erzählung, die letztere als Erklärung und Ausführung 
des Citats. Leider fehlt von der ersten Erzählung und dem 
Citat beidemale der Anfang, sodass wir hier nur raten kön- 
nen. Z. 'i 1 f . hatte ich ergänzt: [(piXjrocTou; ©[aoiwv >.e]Y[o]uaiv 



* Vgl. Pliülograpliieu des arch. Instituts, Paros Nr. 38. 37 a. b. 
2 Um den Öclicr^ zu verstehen muss man sich die moderne Aussprache 
vergegenwärtigen. 



16 F. HILLER VON GAERTRIN6EN 

näpioi £a[uToü;j|ä7ro)ca6i(jTa<Tr6at Tcavxa] ; dafür wird mir vorge- 
schlagen, was ich in den Text setze: 

40 >__-._ _ Tot Se xpy)]- 

[jj.]otTa TOÜ? ©[paxa; * >.6]y[o]'J(Jiv Ilaptoi la[uTOi(;] 
(i7ro>caötcrTa(T[6at Trxvxa, Sjiasafpei Se T[aOTa xavl- 
T[a] auTO? ['Apj(_i\o;(_0(;' 

Z. 43 Mitte bis i5 unbrauchbar. 

46 £1X6 TTTat^Ilei'jKjTpäTO'j |l^!Xv[S]pa[;..]ti) 

vü). . .a?, aüXöv X(Xt Xupriv avvjp aywv || et? ©äaov ■p.Tt 
öpyi'i^iv Söp' £y<ov a^vipaTOV || j^puaöv, oix,£tw<(?^ 
Se /.epSsi ^öv' iTTOiTidav xa)tx || , oti tou<; 0pa>ta<; 

50 aTCoPI rsivavxe? aÜToi ol p.sv auxoJv ÜTcö Ilapi- 

(ov af ] X[Y)](jTa? SotTua? utco tcöv 0[p]a- 

[)CJ(ÖV(?). 

Hier giebt es viele Verderbnisse, die zum Teil dem Stein- 
metzen selbst zur I^ast fallen müssen. Es ist hier auch von 
ihm korrigirt worden; zwischen Z. 49 und 50. die etwas wei- 
ter auseinandergerückt sind, stehen einzelne Buchstabenreste, 
wie es scheint wieder ausradirt, weil der Zeilenabstand zu 
klein war; nun fing man die Zeile von vorn unter diesen Re- 
sten an. Z. 46 avS[p]xZ oder av[S]pa X ; der Sinn verlangt den 
Plural, da ein Mann doch mehrere führen wird. Die nähere 
Bestimmung zu avSpa? ergänze ich nicht. Z. 47 Ende (p\ ZI 
von Lübke gelesen ; cpTiut würde den Vers stören , (pepet was 
mir vorgeschlagen wird, nicht zu den Besten passen, ebenso- 
wenig c^xii. .Mso non liquet. Z. 4<S OPHIZIN steht da, Ar- 
chilochos selbst aber hat des Metrums wegen Wpei^tv schrei- 
ben müssen, wie auch bei ihm in Fragment 3'2 ©ptt^ her- 
gestellt werden karm. Über den Namen hat U. von VVilamo- 



* OPAK passt sehr gut zu den Resten; auf der Rückseite des Abklalsclies 
sehe ich es jetzt noch schimmern. Danach ist das Faksimile zu berichtigen. 
^ .Mit II bezeichne ich die Versschlüsse beim Dichter. 



AHCHILOCHOSINSGHRIFT AUS PAHOS 17 

witz, Kydathcn S. 129 Anm. 49 gehandelt; ob kürzlich 0. 
llofTmann, Griech. Dialekte III S. 501 f. nicht zu viel auf die 
hierin schwankenden llerodolhandschriflen ^^ebaut hat. möchte 
ich, ühwol auf diesem Gebiet nicht sachverständig. zu erwägen 
geben. Z. 'i8 o'!x.£i(ü<(c) VVilamowitz. Das Adverbium war der 
Zeit des Steinmetzen geläufig. Z. 50 Lübkes Lesung iTroPirei- 
vavre,; befriedigt sprachlich nicht. Oft glaubte ich auch vordem 
sicheren e-.vavTs; ein M zu erkennen, was auf ä-o Lücke)a£ivxvT£; 
führen würde. Aber a7roy.£vsiv ist im Allgemeinen intransitiv in 
der Bedeutung übrig bleiben; nach dem Thesaurus: aiibi 
cum ÜTTouLevEiv conf'usuni, einem Verbum, welches erwarten 
oder auch ertragen bedeuten kann. Gewaltthätiger, aber dem 
vorangegangenen iizf^irim^ •if.xyCx entsprechend wäre der Versuch 
ä7co[)CT]6ivavT£(; einzusetzen. Z. 51. Die Reste scheinen mehr 
auf 0[p]3c|[>c](üv als auf 0a|[(ji](ov zu führen, umgekehrt der 
Sinn. Aber was bedeutet das Ganze? Und ist es möglich, 
durch gelinde oder auch gewaltsame Behandlung des Textes 
einen halbwegs erträglichen Sinn herauszubekommen? 

Die Parier, d. h. die parischen Kolonisten in Thasos, sagen, 
dass ihnen die Thraker das [Geld] wiedergegeben haben, [das 
sie vorher bekommen hatten]. Dafür wiril Archilochos ange- 
führt, der anscheinend emen sonst unbekannten Sohn des 
Peisistratos erzählen lässt, wie Jemand mit anderen Männern 
und seinen Musikinstrumenten, P'löte und Lyra, nach Tha- 
sos kam, um den Thrakern, also wol den noch auf Thasos 
verbliebenen Sapern , Gold als Tribut oder Bestechung zu 
bringen. Sie aber. d. h. die Gesandtschaft, nicht die Thra- 
ker, wie das Folgende zeigt, haben mit eigenem Gewinn ge- 
partes Böse gethan — natürlich den Tlirakrrn. Dazu passt die 
birkläriing des Grammatikers d. h. des Demeas , dass sie die 
Thraker töteten Toi»; 6pÄKa<; äTro[5tTl£ivavT£;. .Aber dies scheint 
erst im Folgenden ausgedrückt zu sein, wo oi asv trotz des 
.\ugenscheins nicht auf die Gesandten . sondern auf die 
Thraker gehen muss, d. h. dem Sinne nach: ol aev xöjv öpx- 
x.(üv Otto ll-/i'.cuv i-coAOvTO , oi fsi Ar.Trai — x— at ötto tcö^ Ha'iiwv'. 
Die Thasier sind hier die älteren Kolduisicn die Parier die 

\THEN. MIT'I'HKIl.l'Nr.K.N .\XV. 2 



18 I". HILLRH VON ÜAEHTRINGKN 

neu hinzufirekommenen ; die XyiTrat Saxai sind als ein thraki- 
scher Stamm, dessen Namen iibrigens ausdrücklich aus Ar- 
cliilochos bezeugt wird ( lilustath. Dion. Per. 767, Archiloclioa 
Frg. 'iD), den o- [xev auTcöv ( = 0pax,(iv) entgegengestellt. Der 
Akkusativ Xv)TTä; 2x7ra<; ist aus einer anderen Konstruktion 
[liyo'jni) herübergenommen ; hier ist gekürzt, und offenbar 
ohne Sinn und Verstand gekürzt. Gehen wir so weit, dann 
können wir auch a7wo[>c.T]£ivavT6? stehen lassen, würden aber 
dahinter, wenn es sich um einen handschriftlich überlieferten 
Schriftstellertext handelte, das Zeichen einer Lücke setzen. 

Bemerkenswert ist der Bote avSpa; — aüXöv y.xl Xuoyiv äv/ip 
aywv 6'!; ©xaov. Wer denkt dabei nicht an Archilochos? Der 
mit anderen iTrixoupoi (vgl Frg. l'i. 'i'i j nach Thasos kam, 
und in Frg. 58 so drastisch das Bild eines Rriegshauptmanns 
zu zeichnen weiss; der auxö; s^xpjr^wv -pö<; aü>.öv Ae'jSiüxv 
7ra'-ir)0va (Frg. 7() j und der sf^aeXf,; t' iye'veTO jtyiTCtSe^io«; '(■n:ex xe. 
TToietv 7rpö;>.upav t' äsiSeiv (Anth. Pal. VII, ßß't, mehr bei 
Crusius, Beal- Encyclopädie II S. 502). Mit dem Sohn des 
Peisistratos,der vorher genannt war, scheint dieser Mann nicht 
identisch sein zu können. Ist es unmöglich, ihn dem Archilo- 
chos gleichzusetzen ? Dagegen könnte man anführen, dass er 
als Träger reicher Geschenke genannt sei, während sonst im- 
mer seine Armut hervorgehoben wird — ^^aber das Gold, das 
der Bote trägt, gehört nicht dem Boten. Dagegen spricht fer- 
ner der Tadel, der doch wol in oiitsico 61 x.epSet ^Ov ' iTroiriTav 
)tax.ä liegt; von den )ta>tä, welche die Leute angerichtet, schweift 
der Gedanke leicht weiter zu den kolkx, die sie nachher, wie 
als Strafe, erduldet haben : Wxiiji t'x 6x<ti:o)v. oO t'x Mayv/iTcüv 
xay.x'(Frg. 20). Sind diese Bedenken entscheidend, um die 
natürliche Erklärung, die sich jedem aufdrängen muss, abzu- 
lehnen und einen unbekannten Doppelgänger des Archilochos 
zu suchen ? Ich lasse die Sache in der Schwebe; der erste 
Herausgeber soll lieber zu wenig wissen wollen als zu viel. 

Es folgen Z. 52 tY. 

Mera txütx [7r]x).iv yivexai apywv 'Aa- 
[^i]Tip.o;. Kai iv to'j[t]oiI; [X]ia(ia(p6i TriXiv w; 



ARCHILOCHOSINSCHRIFT AUS FAROS i9 

£[v]iy,Yi«Tav [7r]avT6[>]üi(; tou? Na^io-j;, Xeycüv 
55 [o]Ct(ü- TüJvS' EANTYA Tvi'c] TO/r,? Xaö; TcapaTTaQei;* 

[tU t]'J £ X. T Ü TU ; . 

Von einem Naxier soll schliesslich Archilochos selbst in der 
Schlacht getötet sein (Plutarch, De sera niun. vind. 17 S. 560 
u. sonst); der hier bezeugte Sieg der Parier über die mäch- 
tige Nachbarinsel ist neu. 

Beim Reste der Kolumne verzichte ich gegenwärtig auf jede 
Deutung, gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass man hier 
noch einmal weiterkommt. 

Von der zweiten Kolumne ist nichts erhalten, von der drit- 
ten nur einige Zeilenenden. Etwa 1 16 Zeilen sind uns so ver- 
loren, vielleicht noch viel mehr, wenn oben noch ein Stein 
auflag. 

Kolumne IV Z. 1 ff. 

Se Itti (7TpaTÖ[v oder dergleichen - -] 

v'jvdepyp, £va---- 
71 7){x[6t]; (ö; £p - - - - 

5 (X6V0? II ä>. XI 17.(0 - 

rar oxi §£ YloL^y/J ir^ xara 0a]- 

oov (?) u.x/ri ■/tpaT'ö(j[a? (?) - - - ] 

%t)kol 6 xoiYiT[r,]'; [>-£'y(j)v - - -] 

ov xai cppEva •^Tps^ij/ - TrarptSo; (?j] || 

vaT0>.[7,r, <3a;a£- 
L>ivJYl>>£(; (?) II OLr/jJ.ri xai - - - 
aov 8' £a>c£v 'Kx\ ya[X)t - - -] 
. .a. . v.c, TYjv 0ä(joi_v- - - -] 

15 TT] af. 3t]ai Trap' ETafipai; (?) - - -] 

. . Ti; TOtaura" - - - 

. . . G. . ä^rTcllfffllV 



20 F. HlLLElt VON GAERTIUNGEN 

.V [t]?)!; Qxaou xat - - - 
'i?0 ... .y.iX' OTt S' y.'krjßri ypicpei -] 

iiTZip TaÜTr,(; ttj? 7:[6X£(oc, Sr/>,oi 6 Tror/iTrjC. ^sycov "j 
Tocös' ytXiou(;Yapav[Spa(;- - - i'j- 
[TuJeiTa yuvaixag £ - - - - 

Das Folgende ist wieder dank dem unseligen Kranze ganz 
unbrauchbar geworden : Z. '•25 -sk t-?:; -, 56f. -v, on S' ä>.Yi[6y5 
>£y£'., SyiTvOi Ö TCO'.yiTv;? -, - a iy.Ttv - (?) oder i'x. tivo? (-(ov), 28 
-eiTTV), 31 oi y.xa-, 3-2 -aoi/.a U. s. w. 'i 4 duv S' iy.-, 45 -o]v 
äucpi?-. H]twas besser steht es mit dem Schluss. 

.(j)[v? öjoupaT' iy. TZ - 

. .£ TCiv Ö£ Oap.v[ - - - 'A] 

r, V oc i "O A i ö ; II ä y. (p 

£GaV -pO. . . TpiX[ - - vipEJ- 

50 7rT07Topyoi;äu.(p de 

. .a[. . £]y XiQcöv £^£[1^ - -] 

. £[ . ajUTOi A£(jSi(i3[v - -] 

G£ ZeÜi; '0>.Uf^.7Ul(i)[v TraTYip - -] 
55..v7iv£7:7iyo[v- - - -&]- 
araTav -ov£[o(A£voi || - -] 

a V £ ü a £ V [ vi ] >t a A - 

h]s ist leider nicht viel mit diesen Kesten anzufangen — falls 
es nicht anderen gelingt — was um so trauriger ist, als schon 
die Sprache verrät, dass ein guter Teil wörtliche Dichtercitate 
sind. Dieser Dichter wird ausdrücklich viermal oingelCihrt. 'O 
r.o'.-nz-'n; ist sonst Homer, wofür es genügt an Strahon zu erin- 
nern ; hier ist es Archilochos. Wenn der ganze Stein, das ganze 
Denkmiii ihm geluH'te. versteht sich das von selbst: aber auch 
sonst würde man sich nicht wundern, wenn er in Paros der 
Diclilcr x.xt' :;o/r,v war — hat ihn doch auch an ;ind(M't!n Or- 
ten die litlerarische Kritik dem Homer gleichgestellt. Seine 



AUCHlLOCHUijINSCHHlFT AU-S FAHOS 21 

Sprache stand vielfach der episclien nahe; das zeigt gleich Z. 
3 sEpyaeva, Vgl. Ilias iü, 89 vom Giesshach : tov S' out' xp ->. 
Y£(p'jpai 6spY(;.£'v3ti iiy^avöüxjiv , wo Aristarch und Nauck iep- 
y.i^x: schreihen. Der in Z. 6 angeredete Glaukos ist uns aus 
den Fragmenten des Archilochos wol bekannt: Frg. 14 er- 
mahnt ihn 'ein e7ri<toupoi; ävy^p ist nur so lange beliebt, als er 
kämpft'; 54 schildert die Schrecken der gemeinsamen stürmi- 
schen Überfahrt; 57 scherzt über seine künstliche Frisur; 70 
spricht zu ihm von dem Wechsel der menschlichen Gemüts- 
verfassung , wobei er rXaOjts AeTTTivew tzxX angeredet wird. 
Man fühlt sich versucht, dieser Betrachtung über den O-jaö; 
die Reste Z. 9 ff. anzuschliessen , die einen Umschlag der 
Stimmung ('pcsvo, rs-:pi'\>[e, Subjekt Zeus?) und wol eine weh- 
mütige Erinnerung an die Jieimische] Erde (Z. 10) nach ei- 
nem kühnen (Z. II etwa ToXaYiTx; a£[y'.aTov i'pyov) aber wol 
misslungenen kriegerischen Unternehmen erwähnen. Z.13 oöv 
S' ET/.sv /.xl /xXx.- geht vielleicht auf den Sinn des .\ngerede- 
ten, wie Uli robur et aes triplex circa pectus erat — also 
etwa -^Top oder -mp zu ergänzen. Ob Z. 15. 16 mit der Hof- 
lährligen die untreue parische Geliebte Neobule gemeint ist, 
die Ai'cliilochos nachher mit seinen Sciimähiingen verfolgte, 
ist sehr fraglich, obwol man an sie zunächst denkt; denn das 
Lokal ist hier überall (Z. 6/7, 1 'i ?, 19) Thasos, das auch Z. 
21 mit ÖTTEo Ta'jT-/i; TTiC, x[6X£(o; gemeint ist; vgl. Archilochos 
h^rg. l'"29 0z(Tov Vi. T7)v xpiToi^upiriv 7r6>.iv. Z. ^^ denkt man bei 
den 1000 Männern an Frg. 59 'iTcrä yxp v£)tp(öv TriTÖvxwv, oo; 

£aip^|/ay.£v xOTiv, yiXtoi (&ovr/£i; etixev'. Z. 32 xoi/.a geht wol auch 
auf Thasos Der Schluss schihlcrtt' ('ingcheiid den Hau eines 
Turmes (Z. 50 TrOpyo?; -/^piJTUTo wäre Plusquamperfectum von 
ioE-po), bedachen). Was Z 52 die Lesbier sollen, ist unklar, 
wenn es sich iiiclil wie in dem oben angcluhrlen Fragment 
Nr. 70 um (»in lesbisciics Lied liandcll. das .\ri'liilochos selbst 
( aÜToi) dazu ansliniint oder wenigstens gedichtet hat. .Vtlienaie 
und Zeus, i\i'v älinlicli wie Frir. 7 'i Z-ö: r.x-r.a "OX-jaTitcov i;e- 
nannt wird . wertlen dem Werke IVenndlieh gewesen sein ; 
jedenfalls schliesst die Kolumne mit einem guten Wolle £Ü- 



2i? F.HILLEH VON GAKHTRINGEN, AHCHILOCHOSINSCHHIFT AUS PAHOS 

aiMTi -/.xl-. Wns die nächsten Kolumnen brachten, entzieht 
sich unserer Walirnehniung. 

Der Stein giebt zu wenig für unsere Wünsche, und es 
wird auch dann zu wenig bleiben, wenn ein Glücklicherer 
über ihn kommt, dazu ist das Zerstörungswerk, das die Hin- 
terbliebenen der Pontia und Stertinia hier angerichtet haben, 
ein zu grausiges. Aber müssen wir den Barbaren nicht noch 
dankbar sein,dass sie bei der Herrichtung des Steins für ihren 
Zweck so unglaublich liederlich gewesen sind und soviel 
von dem sie doch nur hindernden alten Texte übrig gelassen 
haben ? Und auch sonst brauchen wir nicht ausschliesslich 
Trauer und Entrüstung zu empfinden über den ruchlosen Van- 
dalismus. Aus den Resten tritt uns doch mancherlei entgegen, 
was geeignet ist, das Bild eines der grössten griechischen Dich 
ter und eines kleinen, aber doch durch seine Gelehrsamkeit 
verdienstvollen Lokalantiquars wieder zu beleben — und wenn 
der griechische Boden solches bringt, darf man die HofTnung 
nicht aufsehen, dass er noch andere Schätze biru;t, denen es 
vielleicht nicht so schlimm ergangen ist. wie dem Steine des 
Archilochos. 

Berlin, Januar 1900. 

F. HILLER VON GÄRTRINGEN. 



^o-m^^^^Msi-c 



VII. 




UEBER5ICHTSPLAN 
DER AUSGRABUNGEN 
IN MEGARA 

MA55TAB 1:2000 

Die Zahlen bezeichnen Meereshöhen 
der Lei'ungsrinrie m Mefern 



O 

3». Ö7 



|]>.o' 






w 



DAS BRUNNENHAUS DES THEAGENES 
(Hierzu Tafel VII. VIII) 

Die Ausgrabungen an der athenischen Enneakrunos haben 
neben der grossen Wasserleitung nur wenige Reste des pisi- 
stratischen Brunnens geliefert und ein Verständniss dieser 
Trümmer war fast unmöglich, so lange nicht ein besser erlial- 
tenes Brunnenhaus des sechsten Jahrhunderts zum Vergleiche 
benutzt werden konnte. Herr Dörpfeld erwartete eine solche 
Anlage in Megara zu finden, dessen /.p-/;v/i Pausanias rühmend 
erwähnt und das die Heimat des Eupalinos war, des berühm- 
ten Brunnenbaumeisters der Tyrannenzeit, im Jahre 1898 
beo;ab er sich de?halb gemeinsam mit Herrn Wilhelm nach 
Megara und ermittelte dort die Beste einer alten Leitung, die 
bis in kleine Eiu;entümlichkeiten denen von Samos und Athen 
gleicht. Man kann diese Leitung von dem Punkte yl des Über- 
sichtsplanes (Taf. 7), im Norden der Stadt, verfolgen bis weit 
hinein in die Ebene; dort teilt sie sich in drei Zweige, die bis 
an den Fuss der Berge hinanreiclien. Die nähere Erforschung 
dieser Leitung wird holTenllich in nächster Zeit erfolgen kön- 
nen. 

Den gesuchten Brunnen . das eigentliche Ziel der Gra- 
bungen , erwähnt Pausanias am Anfang der Beschreibung 
Megaras mit folgenden Worten (I, '»O.!): "E^ti Se ev rr, tcö- 
Xei x.pv)vyi, Kai «rcpiatv (Ö/<,oS6l/.7)(T£ Sioiyi^r.i; . . . outo; 6 ©Eaye'vr,; t'j- 
pxvv^'Ta? (.'))coö6{jt.y;(T£ xriv xsv;v7)v agyeOo'j; k'vg/.a y.xl /tOTao'j Kai i; tÖ 

TrXyiÖog Tüjv Kiovwv Osai; ä^tav. Der Perieget wendet sich bald 
hernach zu den Denkmälern der östlichen Akropolis Karia, 
es waren also die Überreste des Baues an dem der Stadt zu- 
gewandten Fusse der Karia zu suchen. 

Herr l)r)rpfeld beauftragte die beiden Verfasser von iliesen 
\'oi';iusselzuni^eii ausgehend die i^eituni;' zu verfoliien und das 
Brunnenhaus zu suchen. Die Grabungen (hiuerlen vom II. 
bis zum 23. Dezember 1891). Die Tafeln des vorliegenden 



H. DKLnUUECK UM) K. G. VOLl.MOKLLEH 



Berichtes sind von \'ollin()ller gezeiclinel , der Text von Del- 
brück geschrieben worden. Die Ausgrahnngen sollen fortge- 
setzt werden, sobald die Bauerhöfe gekauft sind, in deren Bo- 
den das Brunnenhaus liegt. 

Die aufgedeckten Beste sind auf Taf. 7 mit blauer Farbe 
eingetragen, das Brunnenhaus selbst ist in grösserem Masstabe 
auf Taf. 8 wiedergegeben. Rs wurden im Ganzen freigelegt: 
zwei längere und eine kürzere Strecke der Leitung (^, B,D), 
ein Einsteigeschacht (C), Teile des Brunnenhauses {E, F), 
Ableitungsrohre i G). 

Der Zusammenhang der aufgedeckten Leitungsstücke unter 
einander und mit dem Brunnenhause wird bewiesen durch 
ihre technische Ausführung und die folgenden Niveauzahlen: 
die Meereshöhe der Leitung auf der Sohle der oberen Binne 
gemessen beträgt: bei A 43,30™, bei ^42,93"', beim Ein- 
flüsse in das Bassin 42'", die Meereshöhe des Bassinbodens 
ist 40,75"'. 

Die Leitung läuft von A aus in der tiefsten Senkung; zwi- 
sehen den beiden Akropolen, entlang dem Fusse der Karia. 
Wo das Terrain nach Süden zu fallen beginnt, ist das Bassin 
des Brunnenhauses in den Boden eingelassen. 

Um die Anlage der Leitung zu veranschaulichen dienen 

der Querschnitt Fig. 1 und der 
Längsschnitt Fig. 2, bei diesem sind 
in der linken Hälfte dieThonröhrt^n 
der Wasserrinne ebenfalls durch- 
schnitten, in der rechten dagegen 
in ihrer Aussenansicht dargestellt. 
Die Wasserrinne liegt in einem bis 
zu Mannstiefe in die Erde geschnit- 
tenen Graben. Die Wände dieses 
Grabens werden gestützt von star- 
ken Porosplatten; es sind entweder 
Fig. 1.— Quersdm in der Loitung. einzelne hohe Steine verwendet wor- 
den , oder zwei kleinere über ein- 




ander gestellt. 



In ganz ähnlicher Weise ist der Stollen der 



DAS BHU.NiNENHAUS DKS THEAGENES 



athenischen l^eitung gebaut, soweit er nicht in den Felsen 
geschnitten ist. Um die Standfestigkeil der Platten zu sichern 






l<RoEH.FCE;.jß.' ^-'■•• .;..;~.::-c::.;!^.:l_c 




POROS- 



PLATTEN 




>^-.;.l 



T^RINNE 



°^6o-l-l f TT}' 



^^j^^^jJM^^f i 'ir^ w/i" M ig z 






Fig. 2. — Längsschnilt der Leitung. 



ist der Zwischenraum fusshoch mit Erde gefüllt, dariil)er liegt 
eine breite Thonrinne, deren Querschnitt einem Di-eiviertel- 
kreise gleicht; die einzelnen Stücke sind an den l^]nden ver- 
stärkt, in einander gefalzt und mit Stuck gekittet; im Innern 
hat sich dicker Sinter niedergeschlagen. DerTlion ist hart und 
spröde, mit kleinen Krystallen und Steinchen gemischt, im 
Innern blass feuerrot gefärbt, nahe der Oberfläche graugelb, 
aussen mit einer hellgelben dünnen Engobe überzogen. 

Über diese Rinne wurde später eine zweite gelegt, diese von 
rechteckigem Querschnitt; die Enden der Stücke haben auch 
hier Verstärkungswülste und die Bodenplatten sind in einan- 
der gefalzt. Die Art und Qualität des Tliones unterscheidet sich 
nicht von dem der unteren Rinne, nur fehlt die Engobe. Der 
Sinterüberzug im Innern ist sehr stark. 

Im unteren Teile der Strecke B sind an zwei Stellen die 
Poros|)latten des Grabens herausgenommen und durch Qua- 
dermauern mit Kalkverband ersetzt worden, auf ein längeres 
Stück auch nur durch ein schlechtes Gemäuer mit viel Kalk. 
Jedenfalls wai- der Graben im .Vltertum mit Deck|)Ialten ge- 
schlossen. doch sind sie in den gut gebauten Teilen nicht mehr 
vorhanden; nur dort, wo die Leitung bei B in der Erde ver- 



26 U. DELÜHUECK UND K. G. VÜLLMOELLEH 

schwindet, liegen starke rohe Platten über den späten Qua- 
derwänden. 

Auf den Strecken Ä und B verläuft die Leitung dicht unter 
der heutigen Oberfläche ; antike Fundamente, die bei A an den 
oberen Rand des Grabens stossen, machen (iir die alte Zeit 
den gleichen Zustaml wahrscheinlich. Vom südöstlichen Ende 
der Strecke B an liegt sie unter einer hohen Aufschüttung. 

Es ist noch zu bemerken, dass auf der Strecke Ä ein von 
Süden kommendes f31eirohr etwas oberhalb der Rinne in den 
Graben mündet; seine Öffnung wurde durch ein bleiernes 
Sieb verschlossen gefunden (vgl. Fig. 2) 

Folgende Teile des Brunnenhauses sind ausgegraben wor- 
den (vgl.Taf. 8, wo die freigelegten Teile dunkeler, die dar- 
nach ergänzten heller gefärbt sind): im Hofe des Dimitrios An- 
dren : Die Nordwest- Ecke der Stützmauern des Bassins mit 
grossen Teilen der nördlichen und westlichen Mauern und mit 
drei Säulen. Der obere Teil der Nordmauer stand schon vor 
der Ausgrabung im Hofe und im Hause über der Erde, ebenso 
im Hause einige Quadern der Ost-Mauer ; den Besuchern von 
Megara wurden diese Reste oft als Stützmauern des Olympi- 
eions gezeigt. 

Im Hofe des Pappasideris : ein Teil der Südmauer des Bas- 
sins mit vorgelegtem Plattenpflaster, nördlich davon Reste ei- 
ner Quermauer, an der Südwest-Ecke ein Stylobat im ersten 
Stalle nach Osten ein weiterer Teil der Südmauer, im zweiten 
Stalle ein Stück der Ostmauer. 

Die Gesamtlänge der Schmalseiten des Bassins ist 13,70'", 
die der Langseiten 19'". Die Masse beanspruchen keine abso- 
lute Genauigkeit, da sie unter erschwerenden Umständen ge- 
nommen sind. 

Die nördliche und östliche Mauer und der ncH'dliche Teil 
der westlichen sind Stützmauern. Sie bestehen aus grossen 
Quadern des grauen, megarischen Kalksteines, die mit Aus- 
nahme der rohgelassenen Rückseitig mit dem Spitzhammer 
geebnet sind; die Seitenfliichen haben Anschlussleisten. Die 
Steine wurden in gleichhohen Schichten mit ziemlich regel- 



CRUNDRISS DES | 
BASSINS 

MA5STAB ETWA 1 ; 125 
POR05 

GRAUER KALKSTEIN 



ST^ 



P.55^ 



u-"- 




US5 ^ 




DAS BRUNNENHAUS DES THEAGENES 



27 



mässifjem Fuiijen Wechsel ohne Dübelung versetzt; einicremale 
sind Quadern nicht ganz rechteckig geschnitten oder Keile in 
den Kcken einureschohen. Im Hause des Dimitrios Andreu ist 
die Mauer bis zur llölie von neun Schichten = 5,50'", sonst von 
sechs bis sieben Schichten erliaken. Von der Art des Mauer- 
werks gi(;bt Fig. 3 (Nordwest-Ecke) eine Vorstellung. Die zwei 




Fig. '.i. — Nordwesl-Eckc des Bassins. 



untern Schichten bis zur Höhe von 1,55'" tragen einen iinger- 
starken Überzug aus feinem festem hellrütlichem Stuck. Dar- 
über legt sich eine dicke Sinterschicht. Dicht bei der VVest- 
ecke am oberen Rande des Sockels ergoss sich das Wasser der 
Leitung durch einen handhohen vierseitigen Kanal in das 
Bassin. 

Der Boden stösst in ziemlich scharfem Winkel an den Fuss 
der Mauer an, ohne den gerundeten oder schrägen Übergang, 
der spateren \\'asserbassins eigen ist. Fr besieht aus einer 
Stuckschicht, die über eine Lage von massig grossen Feldstei- 
nen ausgebreitet ist. Über dem Stuck liegt nicht sehr starker 
Sinter. 

1,98'" von der Nordwand, '2,10'" von der Wostwand fand 
sich aufrecht der noch bis zu Brusthöhe reichende Stumpf ei- 



28 lt. UKLUHllECK UND K. G. VüLl.MOin.LKIt 

ner achtseitigen, Ü,5ü'" starken Pomssäule ; 2,33'" östlicli der 
Stumpf einer zweiten; "2,33"' siullicli die Standspur einer 
dritten. Die Säulen sind fundamenlirt mit (piadratisclien Po- 
rosplatten ; erst als sie versetzt waren, legte man die Stuck- 
sclucht, sodass nur der freiliegende Teil der Fundamentqua- 
der von ihr bedeckt wird. Die Säulen selbst sind anscheinend 
nicht stuckirt, sondern der dicke Sinter hat sich direct auf den 
Porös setzen können. Es wurde die kleine obere Trommel ei- 
ner Säule gefunden, die mit Stuck überzogen ist und keinen 
Sinter hat. Auf der Oberiläche des westlichen Stumpfes sieht 
man das bei der Verdübelung der Trommeln benützte qua- 
dratische Loch. 

Nach den erwähnten Massen sind sechs Querreihen von je 
fünf Säulen mit Sicherheit zu ergänzen. Die siebente Quer- 
reihe würde zu nahe an die Quermauer nördlicli der Süd- 
wand herangerückt werden müssen und ist darum in der 
Zeichnung auf Taf. 8 fortgelassen. Über die Höhe der Säulen, 
den Charakter ihres Kapitells, die Art der Ikdachung de? Ge- 
bäudes ist nichts bekannt. 

I^ei der Nordwest-Ecke des Bassins. l,iü"' von der West- 
mauer entfernt, läuft in der Höhe der oberen Kante des stuckir- 
ten Sockels eine gutgearbeitete Porosrinne von Norden nach 
Süden, die nur in einer Länge von etwa 1 Y/" fi'eigelegt wer- 
den konnte. 

Von der südlichen, der Fassadenseite, des Brunnenhauses 
fand sich folgendes : 

Zunächst der Stuckboden des Bassins in derselben iMeeres- 
llülie und .Vusliihrung wie im nördlichen Gehöft. Daran stösst 
südlich eine schmale niedrige Porosmauer mit einer Kalk- 
steinbrüstung. Die Oberiläche der untersten Schicht der Po- 
rosmauer liegt etwas tiefer als der Bassinboden, dann folgt 
eine Lage Orthostaten, darauf eine Lage niedrigen' Plinthoi, 
endlich die Kalksteinbrüstung; vgl. den Durchschnitt Fig. 4, 
in welchem Porös cinraeli. Kalkstein krcu/Avcise schrallirt ist 
Die Steine der Porosmauer sind gcglältiU und sorgfältig ver- 
nasst, aber nicht verdübelt. Die Aussenseite war von Erde ver- 



DAS BRUNNENHAUS ÜES THEAGENES 



29 



deckt (s. u. ); die Innenseite zeigt denselben Stuck wie der 
Bassinboden, darüber dicken Sinter. 

Auf die Fuge zwisclien der obersten Scbiclit der Porosmauer 
und der Kalksleinbrüslung stösst an der Aussenseile des Bas- 
sins ein Pflaster aus grossen Kalkplalten, das auf einer Fun- 
damentirung von scblecliten Porosplatlen rulit. Die Seilen - 
fläcben der Steine sind raub gespitzt mit Anscblussleislen Das 



KALKSTEIN-BRVSTVNG- 
WASSERLINIE /^^ ■ 



PLATTEN 
PFLASTER 







Fi'', 'i.— Scliiiill durch den südliclien Teil des Bassins. 



Pflaster kommt im näcbsten südliclien Geböft im Keller wie- 
der zum N^orscbein.im Wcslen sliess es wol gegen den später zu 
erwäbnendeii West-Slylobal, die Ost-Grenze konnte nicbt frei- 
gelegt werden Die Platten sind sebr stark ausgetreten, so sebr, 
dass da, wo sie an die Brüstung anscbliessen. ibre h'lacbo um 
Handbreite scbräg ansteigt. In .Vbsliinden von je zwei Subrit- 
len, dicbt vor der Mauer, sind kleine unregelmässige Gruben 
in den Stein geböblt, wie als sei dort Wasser lange Zeil berab- 
gefallen. Die Abnützung der Platten, die Scbmalbeit und Nie- 
drigkeit der Mauer, die sieb nur um Knieböbe über ilas Plla- 
ster erbebt, beweisen, dass man von bier aus das Wasser des 
Bassins benüt/.te. Die auf eint' Länge von 3'" woleiballeiie 
Kalksleinbrustimg zeigt dt's .Xäbercn, wie das gescbab. 



30 



R. DELBBUECK UND K. G. VOLLMOELLEB 



Vom Plaltenpflaster aus steigt dieser Stein an der Aussenseite 
bis zu Knieliölie senkrecht auf, daran scliliesst sieh eine liand- 
breite Ahscliräi^ung. Die tjanze Fläche ist rauh gespitzt gewesen 
und dann stark abgenützt worden. An der Nord- Seite, der 
Innenseite des Bassins, ist die Mauer in der Hiihe von 1 7o™ 
sichtbar: die Oberkante der Kalksteinbrüstung lag also nur 
0.^2.")'° über dem Wasserspiegel. Die Fläche dieser Seite lallt von 
der Oberkante aus zunächst gerundet ab ; :2r/"' tiefer zieht sich 
die Quader rasch ein wenig ein und ist von da ab ziemlich eben. 
Etwas vorstehend linden sich dicht iiber der Unterkante der 
Quader Stellen, die rauh gespitzt sind und Spuren von Stuck 
aufweisen. Die ganze übrige Fläche ist glatt, aber leicht und 
unregelmässig bewegt. Dicht aneinander. oben nur durch Stege 
oder Grate getrennt sind hohle Geleise in die Fläche geschlif- 
fen, die verschieden tief beginnend, z. T. noch in der Poros- 
quader, von schmalem flachem Anfang sich verschieden stark 
erbreitern und vertiefen, von denen die tiefsten sogar in die 
Vorderttäche der Steine einschneiden. Die Abbildung Fig. 5 
zeigt die Brüstung mit diesen Ausschleifungen vom Inneren 




Fig. 5. — Brüstung vtuii Innern des Bassins Ihm- goselion. 



DAS BRUNNENHAUS DES THEAGENES 31 

des Bassins her gesehen, links Brüstung und Erdreich durch- 
schnitten. Arn Westahliange der Burg in Athen ist eine Kalk- 
steinquador ausgegraben worden in deren Oberkante in ganz 
ähnlicher Weise die Geleise einer jetzt verlorenen ausgeschiif- 
fenen Brüstung übergreifen'. 

Es wird so sein, dass die ganze Quader anfänglich rauh ge- 
spitzt war, wie an der Vorderseite und an der Rückseite dicht 
über der unleren Fuge. Lange Zeit hindurch kamen wasser- 
liolende Frauen an das Bassin, traten die Platten des Pflasters 
ab, glätteten durch die Beibung ihrer Kleider die rauhe Aus- 
senseite der Brüstung, zogen die schweren Krüge an der In- 
nenseite des Steines herauf", sodass Stuck und Kalk abgeschlif- 
fen wurden und jene Geleise entstanden. Die starke gleich- 
massige Auswuschung der unteren Hälfte der Quader wird sich 
daraus erklären, dass das oft bewegte Wasser des Bassins dort 
anschlug. An der tiefsten Stelle der tiefsten Geleise spülte das 
Wasser über die Brüstung; und es entstanden im Pflaster davor 
an diesen Stellen die kleinen Gruben, von denen gesprochen 
wurde. Da diese Gruben, und also vermutlich sehr tiefe Ge- 
leise, in bestimmten Abständen wiederkehren, könnte man 
denken, dass dort den Geleisen vorgearbeitet gewesen sei. 

Man schöpfte das Wasser nicht aus dem grossen Reservoir, 
sondern aus einem Vorbassin; 1 '/4"' hinter der Brüstung wurde 
an zwei Stellen eine nur bis zu Mannshöhe erhaltene starke 
Quermauer aus Porosquadern freitjelegt, die an beiden Seilen 
mit Stuck und bis zur Wasserhöhe mit Sinter bedeckt ist (vgl. 
Fig. 4). Sie muss Öffnungen gehabt haben, durch die das 
Wasser des grossen und des kleinen Bassins in \'erbindung 
stand. Über den weiteren Aufbau dieser Schranke ist nichts 
bekannt; man könnte die zum Teil während der .\usgrabung 
gefundenen, zum Teil in die Häuser verbauten llaibsäulen 
vermutungsweise hierher beziehen. 

An der Südseite befanden sich ferner zwei Wasserabflüsse 
zur lilntleerung des Bassins. Erhalten sind am Bassinboden 



' V-l. AIIkmi. Millli. 1S!I;' S. 'i.'i;{. 18<li S. 505. 



32 R. "DELBRUECK UND K. G. VOLLMOELLER 

La<ier iiir die Fläline an der West-Ecke und etwa in der Mitte 
der l^^ionl; das Nvestliclie l^ager zeiü;te noch grüne Ox}'d-Spu- 
ren und der Besitzer erzählt, dass dort ein eherner Gegenstand 
von sieben Oka ( = fast 9 Kilogramm) Gewicht herausgenom- 
men worden sei. Das Wasser lief ab in mannsbreiten Poros- 
gängen. die aus Bodenplatte und zwei Seitenplatten bestan- 
den; am West- Auslluss ist nur die Bodenplatte erhalten ; beide 
Gäniie sind etwas schräs; zur Front Gestellt. Sie lie2;en heute 
unbedeckt, ob ursprünglich das Plattenpllaster darüber hin- 
ging, ist nicht gewiss zu sagen, doch höchst wahrscheinlich. 
Am West-.\usfluss ist etwa in Pflasterhöhe ein kleiner Poros- 
balken mit Kalk rechtwinkelig an die Porosbalken der Süd- 
wand angesetzt; der Balken und die Wand sind mit dickem 
schlechtem Sluck bedeckt. 

Bis hinunter zu der allein erhaltenen Bodenplatte des West- 
austlusses war diese Stelle mit der grauen Masse gefüllt, die als 
Abfall entsteht, wo mit Asche gewaschen wird. Man hat dort 
wol, als der Bau nicht mehr gepllegt wurde, Platten heraus- 
genommen und eine Grube für den Abfall hergestellt. 

Am Südende liegt der Westwand des Bassins eine 1 '/'i'" 
breite Schicht aus zwei in einander greifenden Beihen starker 
Porosplatten an, von der ein kleines Stück freigelegt werden 
konnte. Sie reicht nach Süden um 1,75™ über die Ecke hin- 
aus; ihre Oberfläche liegt 5"" tiefer als das Plattenpllaster; 
an der Westseite haben die Platten Anschlussfläche. Nach 
Westen tritt unter dieser Schicht eine zweite ähnliche zu Tage. 
Im Süden stösst die obere Schicht an eine in gleicher IKihe 
liegende von Westen kommende \\e'\\\e nur 0.80'" breiter Po- 
rosquadern ; die östlichste Quader dieser Schicht greift um 
Handbreite über die Ostseite der breiten Schicht über; dies 
übergreifende Stück ist etwas breiter als die übrigen Steine 
der schmalen Schicht. Es scheint als habe hier die Ante einer 
Säulenreihe gestanden, die zu Schulz und Schmuck der schma- 
len Südseite vorgelegt war. Elf Meter nach Westen von der 
,\nl(r entfernt findet sich im Souterrain des heutigen Hauses 
in gleicher Höhe eine zweite, 2,15'" breite Schicht aus mehre- 



DAS BP. CNNKNHAUS DKS THKAGENES 33 

ren ReiliPii stiirkor KalkslpinphUlen.die der W psiwand des Bas- 
sins parallel läufl. Die Schicht ist eine Platte tief. Die Seiten- 
flächen haben nach Osten Anschlusslläche. nach Westen sind 
sie loh gelassen, enden also im Terrain Die Ausdehnung die- 
ses Pflasters nach Norden ist unhekaimt: Siiulenspuren sind 
nicht vorhanden, doch miu-hte man glauhen. dass die slai'- 
ken Platten eine Halle i-etragen hätten. Herr Dörpfeld hält es 
Itjr m()glich, dass an der llinterwand dieser Halle, der West- 
wand des Bassins, das Wasser ans I^öliren geflossen sei. 

15'" südlich des Bassins (hei (r) landen sich fünf kleine 
Bohre aus rotem hartem Thon nahe nebeneinander von Nor- 
den nach Süden laufend. Sie müssen als .\hzugsrohre oder 
zur Forlleitung des Wassers in andere Stadtgegenden gedient 
haben. 

Nach Beendigung unserer Grabungen stiess man gelegent- 
lich städtischer Erdarbeiten auf das Schöpfbassin eines zwei- 
ten, viel kleineren Brunnenhauses, das ähnlich wie der Brun- 
nen des Theagenes aus sluckirlen Quadermauern besteht und 
an der einen Seite die «anz erhaltene Ralksteinbi'üsluni]; auf- 
weist. Das Gebäude liegt am Westfusse der Burg des .VIkathoos; 
auch seine völlige Aufde(;kung soll später versucht werden. 

H ICH ARD DELBRÜCK 

KARL GUSTAV VOLLMÜLLER 



-<>*v*-Ä^'<*" 



ATHRN. MITTHEILllNGKN .\XV. 



DAS PStCPHlSMA DES AllCIIINOS 

Die wichtige athenische Urkunde, die Ziebaitli in diesen 
Millheilungen 1898 S. 57 ff. veröffentliclit liut, bedarf, sowol 
was den Text wie was seine Verwertung angelit , einer er- 
neuten Behandlung. Ich lege zunächst (S. 35) das Ergebniss 
meiner Vero-leichung der Inschrift vor und zwar nur in Um- 
Schrift, da eine Wiederholung in epigraphischen Charakteren 
nicht nötig scheint. Ich bemerke dabei, dass die Lesung mit 
Ausnahme einiger durch Corrosion halb zerstörter, undeut- 
lieber Buchstaben, die durch untergesetzte Striche gekenn- 
zeichnet sind, überall gesichert ist, auch da, wo Ziebarth ab- 
weicht oder gar nichts verzeichnet. Buchstaben , die noch 
zum Teil erhalten sind, habe ich durch untergesetzte Punkte 
bezeichnet. Die Zahl der fehlenden Buchslaben ist durch 
Punkte angedeutet. Auf Seite a sind die beiden ersten, auf 
der vorspringenden Profilirung stehenden Zeilen, auf Seite b 
das Wort Aiyr/iSo; Rol. 11, 10 durch grössere Buchstaben als 
Überschriften gekennzeichnet. Für die Ergänzung ist zu 
beachten, dass aus eben dieser Überschrift AlyviiSo?, die Zie- 
barth entüfangen ist, eine der ersten erhaltenen noch vorher- 
gehende Kolumne auf Seite b mit Sicherheit erschlossen wer- 
den kann. Denn den Phyleten der Erechtheis muss so gut wie 
denen der Aigeis der Name ihrer l^byle Torangesetzt gewesen 
sein. Dieser fehlt aber im Anfang von Kolumne I, welche also 
nicht die erste des Namenverzeichnisses gewesen sein kann, 
jedenfalls aber die zweite, nicht erst die dritle oder vierte ge- 
wesen sein muss. Entsprechend fehlt auf Seite a rechts von 
dem letzten A in Z. \ die Breite einer Kolumne, d. h. etwa 
1'2 Buchstaben. 

Im Einzelnen ist nur noch zu bemerken : 

a : Z. \ Ende: y.aTsX wahrscheinlicher als •Ao.za.'k. Z. 9 ist 
nach 'AOrvaioi: ein Buchstabe getilgt; nach tö; Se folgte u oder t. 

b- l.-iAEPTINN^. 



DAS PSEPHISMA DES AHCHINOS 



35 






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36 H. VON PROTT 

Dass (lieso rrkimde mit i\c\- lilIciMiiscli iilitMlit^lcrlcii Hc- 
loliniiiii; der Männer von Pli}le ii-i!;en(l\vie zusammenhängen 
muss, lieiil auf der Hanil : Aiseliines III. 187 sv toivuv twi u.n- 
Tcco'.o)'. TZOLOX t6 (iou).6UTr,piov y)v £(^0T£ (^copsitv Toi^ äaö 'I^'j'Xr,; osü- 
yovTa Tov (S-ö_u.ov x.axayavoü'jiv s'fTriv ifuiv. r,v u.av yjtp 6 tÖ Jz-^cpiay-a 
Ypida; xal vixtj'jä; Apyivo; 6 £x. Koi'Xr,;. £i? twv xaxayayövTOJv xöv 
8>}u.c,v. £ypa(]/s Se TcpcÖTOv p.6v auTOic ei; öuGiav /tat ävxÖir;ii.xTa Sou- 
vat y.Aia; (5payu.äc { Kai toOt' icTTiv i'XaTTOv t^ ö£>ca Spayaai xax' 
avfipa s/.acTOv), s-sixa x.cXs'Jsi cTSCpavoöfrOat OaXXou rixe^ävci)'. auxüv 
k'x.aaxov ä>.A' o'J ypuccöf xöxs u.£v yäp yjv 6 xoö Oa'X>,oO axecpavo«; xi- 
ü.ioc, vuv; (Nk Kx'i ö yzurso'j;, )caxa7Tecpp6vY;xat. >iai oüok xouxo eix.yit 
Twcy.^at >t:A£U£'. äXX' äx.pioüii; xrjv ^ouX'ov Gx.stia[;.£viriv, önoi auxcjv etc' 
4>'jAr(t £-oAiop)trjOri'7av, cx£ Aa/tsSaiuövtoi v.ai ol xpia>tovxa TrpodE- 

^jv.'k'kryj xoi; x.axaXaßouTi 'I'uXfjV I UO iva (^s u/r, aTrox^avö) ütta? 

aTwö X'?;; O-oOegew:, ävayvojriExai öaiv 6 ypa[j.aar£u; xö STtyp^y.ux 
ö STctyi'ypaTrxai xoi; xno 'V'j'kriC, xov (V/iy.ov Kaxayayo'' iiv. 

EllirPAMMA 

toüi'V äpsX'O^ £V£x,a rrxeoavoti; £y£'patp£ xa'XaiyOcüv 
Syjjxo; 'AOrivaitov, oi' 7:ox£ xou; ämxoi; 

ÖE'JL/.oi; ap^avxa; Trpcüxoi ttÖ'Xeco^ x,axaTaij£iv 
7ip;av /.ivo'jvov cwu.acrtv äpay.evoi. 

Nacli Ziebarlli wäre waiirsclieinlicii an!" dem Stein der Anfang 
dieses l^sepliismas erhalten. Dieser enthalte dieVerleiliung des 
Bürgerrechtes an die Phyle - Kämpfer ( 'AÖTivatoi: evai aüxoic 
xal £}työvo'.; aüiojv 1 und getrennt davon die \'erleihung ver- 
mutlich {\{'\' IsoU'lic an die iMunichia - Kämj)fer ( Z. 9 [ evai Se 
auxoi; tToxfXE'.av y.a0z7C£[p 'AO^Tjvaiot:. Da die Neuordnung der 
Verhältnisse sich noch zwei Jahre hinzog, sei es erst im Jahre 
\(i\ unter dem Arclion Xenainetos (Z. '..> Z£vatv£x-o; -öpye ), dem 
einzigen nnicr den .\i'chonten ilieser Jahre, dessen Name auf 
-0? endige, /.ii dem cndgülligen Beschlüsse gckoniincii. 'Iiir 
den ehen die genauen l'nterscheidnngtMi unter den zu He- 
lohnenden charakterislisch gewesen zu sein scheinen'. 

Durch die.se Darstellung wird der Zusammenhang mil der 
lillerarisclien L'herliereriing eigenllicli wieder zerrissen und in 



DAS FSEPHISMA DES AHCHINOS 37 

Frage gestellt und sie ist an sicli nicht folgerichtig. Die Über- 
lieferung bei Aischines sagt nichts von Bürgerrechtsverleilmng. 
Den Phyle- Kämpfern konnte zudem mit dieser Formel das 
ßürgerrechl gar nicht verliehen werden, da sie. zum grossen 
Teile wenigstens, Bürger waren. Die Unterscheidung jener 
beiden Kategorien der 15elohnlen wird ohne Gnind in die In- 
seln ifl hineingetragen Sehr auflalleMd endlich wäre, wenn 
sowol die wackeren Patrioten liher zwei Jahre auf ihre ver- 
diente Auszeichnung als die Gottheit auf den Dank der Men- 
schen hätte warten müssen. Es war also mindestens die 
Frage aufzuwerfen, ob nicht die Urkunde aus dem Jahre der 
ivap/^ix (40 '«/3), dem Archontat des Pythodoros, statt aus dem 
Jahre der endgültigen ^ta^ÜTeii; ( 'lOl/'iOO), dem Archontat des 
Xenainelos. stammen könne. 

Mir scheint in der That unzweifelhaft, dass dieser Beschluss 
unmittelbar nach der [{ückkehr des Demos gefasst ist. Noch 
unter dem Archontat des Pythodoros landen die vorläufigen 
^txXXayai ' statt und wurden die öipy^xl (Z. 6) eingerichtet 
(Xen. 'EXX. II, 'i, '«3), denn von diesem Jahre an rechnet 
Aristoteles ('AOr,v. ttoX. '»I, 1) sogar die neue Verfassung. Die 
c'jvOy);tai der Parteien und die £;oix,YiTt<; der Oligarchen fanden 
erst unter Eukleides statt im Jahre MVA/'l (^'AO/)v. zoX. 39,1). 
Damals erwarb sich Arcbinos durch die kluge Massregel der 
Beschränkung der .\nmeldungsfrist für die £;oix.Y)T'.; das Ver- 
dienst, viele Burger in Athen zurück zu halten. Erst nachher 
(p.sra TaO-x Aristoteles) stellte Thrasybulos den .\ntrag, allen 
Toi; EX. Ihipa'.w;. unter denen sich sogar Sklaven befanden, das 
Burgerrechl zu erteilen, ein Anirag.den .Arcbinos mit h]rfolg 
durch dieypxcpri ,-xpxvöacuv bekämpfte ('AOriv ttoX. 'Hl ^?. .\isch. 
III. 1115. iPlul.l (iioi ^Ux pyiT. 835 1". Maximus Planudes zu Her- 
niogenes V 3'i3.VValz) Auf dasJahr 'liW/'A könnte in der In- 



' l)i(s isl der Lcoliiiisclic Ausdruck, tk-r Z. ',1 sitdi liiidel : l.sukr. Wll 1, 
17 und ■'')-, öiaXXäJai Xeil. 'KW. II, 'i , .'!(S ; otaXXa/.Til Alislol. 'AO»)v. ;:oX. 
;i8, i. Üer dcliniliv«- \'ciU;it,' licissl ayvOrjy.a-. Uiikr. Will, l'.l II'. .\ii>l<il. 
'AOnv r.oX. ;i'.l. I. 



38 H. VON PHOTT 

Schrift auch die allerdings ijanz imij;e\vöhnliche Formel in Z. 5 
£!i/r,(pi<T6ai 'AOyivaioii; ZU deuten scheinen ; dass i'l>n<^iaQa.i nicht 
absolut stehen und nicht mit Ziebarth 'Aör^vaioi; elvai aüroi? xai 
gxyövoi? konstruirt werden kann, ist klar. Aber aus dieser F'or- 
mel auf einen noch ungeordneten politischen Zustand, etwa 
auf ein Fehlen der [iouXr; zu schliessen ist nicht gestattet. Denn 
eben Archinos brachte den Antrag des Thrasybulos zu Falle 
8i3c tö ä7:poSo'j>.£'jTov v.axyßr,\x'.. Vielmehr hat sich die stets 
hervorgehobene Mässigung der Athener bei der Wiederherstel- 
lung der Verfassung auch darin gezeigt, dass sie die bestehen- 
den Organe der Regierung zunächst nicht antasteten , und so 
haben sie auch ruhig die neuen Beschlüsse nach dem oli- 
garchisch gewählten Archonten datirt, dessen Namen man spä- 
ter nicht gern als eponym brauchte (Xen.'EXX. II, 3, 1 ; vgl. 
Lysias VI 1,9). Für die l^rgänzung des Namens des Pythodo- 
ros ist auch ein äusserlicher Anhalt vorhanden. Die Über- 
schrift ist fjToi/riSöv angeordnet und man wird gern annehmen, 
dass die kürzere zweite Zeile symmetrisch unter die erste 
gestellt war. 

Die ersten Zeilen der Urkunde handeln von der Verleihung 
einer Auszeichnung an die, ocrot T-jvxaxyiXOov äxö <I>uX7i;. Das 
sind sicher nicht die Männer von Phyle, welche in einem 
Psephisma nur als ocrot xaT^iAÖov oltzo «t'jXTi? bezeichnet werden 
konnten ', vielmehr die, welche sich ihnen angeschlossen hat- 
ten, also Nicht-Athener, die daher in den die Begründung 
fiir die .\us/.('iclinuiig ciillialtenden Zeilen 7-(S als a-ju.-j.a/oi l)e- 
zeichnet wtMtlcn. Gemeint kiuinen damit nur MetTtken sein 
und diesen .Met(">keii kann nur das Bürgerrecht verliehen wor 
den sein. Denn die an!' der Bückseile verzeichneten Männer 
— unzweil'ellial't dieselben, von denen das Psephisma liaiulelle — 
sind nach Plivlen geordnet, also Burger unter ihnen aber ist 



* Bei Arislolelcs 'AOr)v. roX. 40, 2 ev wi jxeteBiSou ttJ; TzoXittias r-äii toij eV. 
ris'.pai^ü)? auyxate XOoüai ist aüv nalürlicii durch einen in Gedanken zu er- 
gänzenden Dalivus (aürwi d. h. ©paouSoüXwi) gerechll'erligt, wie Aiscli. III, 
11).") t)saaJ6ouXov - - eva tojv i uyxaTEXOovTojv aunöi inö 'l>uX^^. 



DAS PSEPHISMA DES AHCHINOS 39 

doch wol der T)ta<3py)<p6po; (?) Bendiphanes (Kol. II, 1) ein ehe- 
maliger Metöke. Von diesenn Anfange der Urkunde, der \'er- 
leihung des Bürgerrechtes an die bei der ersten Besetzung 
Phyles beteiligt gewesenen iMetöken, berichtet Aischines nichts, 
weil es ihm nur auf die Hauptsache, die Auszeichnung der 
ganzen Schaar, ankam. Diese, nämlich die Bekränzung der 
Phyle - Kämpfer . die Anweisung von Geld für Opfer und 
Weihgeschenk, wol an Athena (vgl. Xen. 'Ell. II. \, 39), 
die Anordnung der Untersucbung über die Teilnehmer des 
Zuges wird in der That, wie Ziebarth vermutet, den wegge- 
brochenen Schluss der Inschrift gebildet haben Auf der Rück- 
seitewaren dieNamen der Teilnehmer und zwar, wie es scheint, 
getrennt, zuerst die nur nach dem Berufe bezeichneten Neu- 
bürger, dann die anderen verzeichnet und darunter blieb reicii- 
lieh Platz nicht nur für Kränze sondern auch für das Rpi- 
gramm, das auf Stein kaum anders als unter dem Namenver- 
zeichniss der Bekränzten gedacht werden kann. 

Athen. 

H. VON PHOTT. 



■-oXvÄvXO"-- 




DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 



^VaTays? rrotEovra; xuXiyvav ino T»)ixv. 

Wenn icli dem im FoliJ^enden behandelten Maleriale zurGe- 
schichte der griechischen Keramik den \>rs des Alkaios als 
Motto vorgesetzt habe, so geschah es nicht, weil ich in den 
Augenschalen die teischen mit Sicherheit wiedergefundt'n zu 
haben glaubte, aus denen der Dichter getrunken hat. Ich halte 
es heute noch für unthunlich sch\varz(iü;uri<jre osturiechische 
Gelässgattungen italischen l'iiiidorts einer bestimmten Stadt 
zuzuweisen. Nur den Kulturkreis wünschte ich zu bezeichnen, 
innerhalb dessen die Heimat der Augenschale zu suchen ist. 

Sie ist ein echtes Kind der jonischen Sonne. .Ionisch ist 
die Gründung der schönen Form, die sich zu den vorbei' üb- 
lichen Trinkgetiissen. namentlich mutterländiscben Gebrauchs, 
etwa wie ein edles venezianer Glas zu einem schweren deut- 
schen Humpen verhalt. .Ionisch ist der Geschmack der Deko- 
ration, die Freude an der Buntheit, an der Zierlichkeit, das 
Zurücktreten des inhaltlichen Interesses gegenüber dem lor- 
malen. .Ionisch ist, wie der Schmuck des 'rrinkgelässes dem 
Preise des Dionysos gilt, und echt jonisch ist, wo sie einmal 
zu ihrem Rechte kommt, die h^rzählung mit ihrem alle .Sebran- 
ken durchbiechenden Naturalismus. ilii(!r walirlialleM irrri- 
bilitä. Gern denken wir uns Schalen wie die unsrii;en in den 
Händen jonischer Herrn bei der bunten l'iaehl und dem iin- 
gebandigten Leben ihrer Symposien. 



DIE JOMSCHIiN AÜGENSCHALEN 41 

Wie kaum eine andere Schöpfung verkörpert sie uns auch 
den weitreichenden Einfluss jonischci' Kunst. In Italien lial sie 
neben den attischen Krzeuo;nissen lano;e den Markt behauptet. 
In Attika selbst fand sie KiniJ;anii-, und ganze Werkstätten 
niüssen mit der iXacliahmung (ur den h^xport beschaltigt ge- 
wesen sein. Sie bürgert unter den ersten die dionysische Male- 
rei in Attika ein, sie bringt die Getässtbrm nach Attika, welche 
die Werke der grossenV'asenmaler des Zeitalters der Perser- 
kriege tragen sollte. Ja bis an die ostasiatischen Küsten ist sie 
gedrungen und hat hier, wenn wir Kennern glauben dürfen, 
zu ornamentalen Neubildungen in der chinesischen Kunst An- 
lass gegeben '. 

Wie wichtig l'ur die attische Keramik die Augenschalen 
seien, hat zuerst l.öschcke ausgesprochen ( Horeas und Orei- 
thyia S. 8). Ihm war damals von jonischen Originalen nur 
die Phineusschale bekannt. Wolters und mir gelang es, in den 
Sammlungen zu W'ürzburg, München und Berlin mehrere 
weitere unzweifelhalt aus jonisehen Werkstätten herrührende 
Exemplare aufzufinden, deren Behandlung und VerötTenl- 
lichung ich nach i>;emeinsamer N'erabredunt; übernahm*. In- 
zwischen ist die berliner Schale (unten S. .-)() Nr. '2 ) hinzuge 
kommen, und Kndl hat in den Beiträgen zur jonischen Va- 
senmalerei S.34tT. neben der Phineusschale dieser sowie der 
von Löschcke bei Bulle. Silene S. 7 .\iim. 1 und S. S Nr. I i 
angegebenen llorenliner Schale und castellanisclieii .\m|)liora 
seine Aufmerksamkeit gewidmet. Ich stelle, im l'olgenden die 
Wolters und mir bekannt gewordenen jonisehen Originale und 
die attischen Kopien dvi l'vptMi /nsanniien. die uns in joni- 
sehen Originalen nicht erhallen sind In der /usammenslellung 
des Materials stimmen wir uberein ; die N'cranlworliing liir 
die daran geknüpften Bemerkungen habe ich allein zu tragen 



* F. WicklioH" in den Feslf^aln'ii zu Eliifii M. Biidingfisjniisliiiick 1898, 
S. 464. Auf der von ihm ahgebildelcii alti-liinesisclien \'ast' wi'itloii iiliiii;ens 
dieselben llankeninolive verwand!, w ii' an! der Ain|iliiiia inil den .Viiueii im 
Hiitisli Mu.seiim B, l.'t'i. 

2 Vgl. (iiaef, Arcli. An/.eiger IS'.lii .S. 17. 



42 J. BOEHLAU 

I. Schalen von der Form der Pliineusschale. 

[)er Körper der Schale ist randlos. Die Henkel, die ann An- 
salze thonfarbig gelassen sind, befinden sich dicht unter der 
Miindiing. Der eigenartig gestaltete niedrige Puss wird durch 
einen meist rot bemalten Wulst mit dem Körper verbunden. 

Mit einem Stern bezeichne ich die Schalen, deren Herkunft 
aus der jonischen Fabrik zweifellos ist. 

1. Das wichtigste Stück der Gattung ist die aus Vulci 
stammende Schale inWürzburg, Urlichs Nr. 854, die nach einer 
Darstellung der Innenseite die Phineusschale genannt wird '. 
Sie ist srleich ausgezeichnet durch ihre Grösse wie durch den 
Reichtum ihres malerischenSchmuckes.Die Inschriften machen 
sie für die Geschichte der antiken Keramik vollends wertvoll. 

Leider hat das seltene Gefäss schlimmere Schicksale gehabt 
als irgend ein anderes der auf uns gekommenen. 

Der Thon, aus dem es besteht, ist sehr weich und mürb. 
In Folge dessen ist die Oberfläche überall da, wo sie nicht 
vom Firniss gedeckt war, von der Bodenfeuchtigkeit stark an- 
gegrilTen, so dass sich die Figuren und Inschriften jetzt in 
flachem Relief vom Grunde abheben. Dass Sittl in dem Anm. 
1 angeführten Programm hier eine neue keramische Technik 
erkannte, ist nicht sein «-rösstes Vergehen an der Schale "e- 



' Die Innenseite der Vase ist Muiunn. dell' insl. X Taf. 8 piililicirl worden 
(danacii in den Wiener Vorlcgeljlättcrii Serie C Taf. 8, Baumeister III 8. 
1331 u. ö.) und, in einer Pliolugrapliie, bei Sittl. Dionysisches Treiben und 
Dichten. Würzhurg 1898, Taf. 1 ; die Aiissonseite mit dem l'aiilhcrkopfe 
bei Endt, Beiträge zur jonisclien Vasenmalerei S .Ti Abb li. Sic ist be- 
sprochen von Brunn, l'ullellinu I8().") S. öO 11. ; l'^lascli, Aitnali I87'i S. 
18211".. Arch. Zeitung 188(1 S. i:i8: Diihn, Festschrift zur karlsriiher l'hilo- 
logenvcrsammlung verlassl von den pliil. Collcgcn der heidelberger Univer- 
sität, 1882, S. M'i ir.; Sittl, Die I'liineiisscbale und ;iliiilie!i(^ Vasen mit be- 
malten Flachreliefs, Würzhurg 1892. Zu den Insi-bririen sind ;uisser den 
Genannten zu vergleichen : Urliciis, Bcilriige zur Kimstgeschi(dilc S. .'{(I ; 
Duhn. Arch. Anzeiger 1892 S. 133 (dessen Angaben Studniczka, .lahrbuch 
1896 8.268 Anm. 111 bestätigt); Krctschmer, Griechische Vaseninschriflen 
S. 55. 



DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 



43 



wesen. Die erwähnte Beschaffenheit des Thons verursachte 
nämlich bei der Grösse der Schale, deren Durchmesser 38,4"° 
beträgt, wiederholte Brüche. Schon im Altertume war sie zer- 
brochen und war in der üblichen Weise mit Klammern ge- 
flickt worden (Sitll glaubte die Klammerlöcher für Fäden 
zum Aufhängen der Schale bestimmt); im Grabe oder beim 
Ausgraben zerbrach sie aufs Neue. Die Flickarbeit der ita- 
lienischen scavatori hielt die weit ausladenden \\'andungen 
nur notdürftig zusammen ; zwei weitere Reparaturen sind noch 
durch Sitll veranlasst worden, nicht zum Vorteil der Schale. 
Ihr Zustand ist traurig. Längs der Brüche ist viel zerstört 
worden, und die verschiedenartigen zur Verwendung gekom- 
menen Bindemittel decken dort die alte Oberfläche. 

Von einer Neuaufnahme der sämtlichen Darstellungen, wie 
sie durch die Bedeutung des Stückes und durch die Mangel- 
haftigkeit der bisherigen Publikationen notwendig gemacht 
wird, habe ich unter diesen Umständen abgesehen. Für die- 
sen Zweck müsste die Schale von berufenen Händen noch- 
mals auseinander genommen, vom Unräte der Flickereien ge- 
reinigt, untersucht und zusammengesetzt werden. Ich habe 
mich für jetzt mit der Wiedergabe der Aussenseiten begnügt 
(Fig. 2 und 3). Diese ebenso wie die Gesamtansicht Fig. 1 




Kig. 



46 J. BOEHLAU 

sind von Herrn Reichliold gezeichnet, dessen Aufnahmen Bulle 
und ich revidirt haben*. Die Aussenseiten schienen uns bei 
der Spärlichkeit des Materials, das zur Beurteilung der Ma- 
lerei in der Heimat der Augenschalen zur Verfügung steht, 
zu wiclitiijf, um sie weafen des anslössii»en Inhalts zu unter- 
drücken oder auch nur zu verstümmeln, wie das den Sile- 
nen des Amasis (J H.S. 1890 Taf. 5) und aus Daplinä (Jahr- 
buch X, 1893, S. 'i3) widerfahren ist. 

Die V^erteilung der Figuren auf den Aussenseiten erhellt aus 
der Gesamtansicht Fig. I. Auf der gegenüberliegenden Seite 
wird die Nase durch einen offenen Palmettenfächer bekrönt, 
derauf den volutenförmig auslaufenden Augenbrauen ruht; 
zu den Seiten stehen dort menschliche Obren mit einem run- 
den, mit Kosette geschmückten Scheibchen (s. Fig. 'i und 3). 

Da ich das Zeugniss der Inschriften für die Herkunft der 
Schale nicbt missen mocbte, habe ich sie eingehend unter- 
sucht, ich durfte mich dabei der treuen und hingebenden Hilfe 
Bulles erfreuen, dem das grösste Verdienst an der Feststellung 
der zweifelhaften Buchslaben zukommt. Für die gegebene Le- 
sung stehen wir beide ein ; Bulles Fig. 4 ff. wiedergegebene 
Facsimilia suchen zu verdeutlichen, was wir sahen. Ich gebe 
einen kurzen Kommentar zu den einzelnen Inschriften. 

1. Frau hinter Phineus. Brunn und Flasch: ERIXOn. 
Urlichs, Verzeichniss Nr. 354: '(a?)PRIAO, der erste Buch- 
stabezerstört, der zweite und vorletzte deutlich'. Uriichs, Bei- 



' Zur Technik ist zu Itcuierken, dass das Weiss der Hornhaut der Augen 
uiuiiiUell)ar auf den Thongrund gesetzt ist, sonst auf schwarzen Firniss. Es 
ist an den Augen verschwunden, aber mit .Sieherheil aus dem inneren Rande 
der schwarzen Einfassung der Hornhaut zu erschliessen. Aul' der einen 8eile 
der Vase ist dieser nämlich auf 1-1 Va"'™ glänzend schwarz, während er sonst 
hier rot geworden ist, auf der anderen ist er aussen glänzend schwarz, in- 
nen mall. All dieser Stelle schülzle also eine Deekschiclil den Firniss, und 
da der schmale Rand nicht zweifarbig gewesen sein kann, nuiss dies über- 
greifendes Weiss von der ilornhaul gewesen sein. Auch diese Thatsache, 
die Bulle beobachtet hat, zeugt für die Bemalung des Gelasses auch mit den 
Deckfarben vor dem Brand (vgl. Jahrbuch I8'.)8 S. 23). Bemerkenswert ist 
dieausg(!dehnle Verwendung von feinster Vorzciehnung für die (Jraviruiigen. 




DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 47 

träge: PRIXOn. Charakteristisch Sittl (Phineusschale, 1892, 
S. 19): 'deren gefälschten Namen Erichtho der Weingeist ver- 
flüchtigte' Auch Üuhn, Studniczka und Endt glaubten noch 
'Epi/Oü) lesen zu können, 1884 habe ich noch alle sechs Buch- 
staben des Namens gelesen; heute hat die Arbeit an dem durch 
den Namen gehenden Bruch und die Be- 
handlung mit Weingeist die zwei mittleren 
Buchstaben verdorben, aber EP.. Oft ist 
deutlich zu'erkennen, vgl. Fig. \. 

Dies Resultat wird durch die Überein- pjg. /, 

Stimmung namentlich mit Brunns und 
Flaschs Lesung bestätigt, mit der sich im Grunde auch die 
von Urlichs in den Beiträgen mitgeteilte deckt. Es ist als zwei- 
fellos zu bezeichnen, dass der Name 'Eoi/Oq hier stand. Den 
abgehenden Strich des Rho zu finden, ist uns nicht geglückt, 
wir lasen P, hier wie unten Fig. 0. Da Brunn mehr gesehen 
haben kann, muss diese Frage unentschieden bleiben. 

2. Phineus. Brunn: L' iscrizione, benche guasta, 
(t)..EV€. Flasch : presso la testet di Fineo Brunn ancora 
distinse tre letteve del nome <t)..EV^; ora anche qiieste 
sono impiaslrate. Sittl: 'von der griechischen Bei- 
schrift ist nur der erste Buchstabe geblieben '. Auch r,-., 

Vir • 

Endt sah nur diesen. ' 

Unsere Lesung giebt Fig. 5. An der Stelle des E ^'^' ^ 
steht noch ein Stückchen Firniss und eine unklare Spur. 

3. Frauen vor Phineus. Wir konnten feststellen , dass 
beiden Frauen Namen beigeschrieben waren. Leider spotteten 
die Spuren des bisher übersehenen der zweiten, unmittelbar 
vor Phineus stehenden , jedes V'ersuches der Deutung. Der 
Name endete oder begann dicht oberhalb des Zopl'endes und 
beschrieb einen Bogen, der sich dem stumpfen Winkel ein- 
schmiegle, in welchem Fuss und Unterschenkel des liegenden 
Phineus zusammenstossen. Die Spuren bestehen aus schwa- 
chen, formlosen Erhöhungen, deren Aussehen und regelmäs- 
sige Abstände aber über die Thatsache keinen Zweifel Hessen, 
dass sie von einer Inschrift herrühren. Diese füllte übrigens 



48 .1. Kl) i; Hl. AI 



den Iccrcii Kaum an dicsor Sicllc NdrlrcIVlicIi aus (iiid war 
schon nach N'er^leich (hM' tMilspifchenih'n Function ch-r lilii'i- 
gen IVischril'ten voraiiszuselzen. 

Üher den Namon (h^r vorderen Krau sagt Brunn : si po- 
trehbc rawisur il iiomc drUc Orc; nui rcsNtno nhjiianto in- 
(•('/•/<' 1(1 si'coitdd, tci'zd c (jiiintd lettcvd. lu' gieht, was er 
zu seilen üihuihle, so wieder: HO PAG. Fhisch führt aus. der 
Name (h^r Hören sei (hircli moderne Restauration verdorhen : 
H sei modern, weil der Firniss anders und der Buchstahe ohne 
Keiler sei. O sei neugemalt und hedecke wol ein ursprüng- 
liches n. weil unten die Kurve des antiken Buchstabens nicht 
mit der des modernen stimme. IJntei' dem ganz modernen letz- 
ten Buchstaben sehe er keine antiken Beste ausser einer Ver- 
tikalhasta. So schlägt er vor QPAI zu lesen, lässl aber auf der 
'Pal'el der Monunirnli HOPAO drucken. Urlichs im \>r- 
zeichniss liest; 'HOAAO ; der zweite und dritte Biu'hstabe 
teilweise neu gemalt, vielleicht "Üoxi)'. Sittl : H, 'welches bei 
Betu|)fung sofort verschwand ; dann folgte ein hellerer Fleck. 
wol die Spur einer Säure. Was dahinter sonst noch deutlich 
war. ist auch jetzt erhöht stehen geblieben nämlich Ol. wobei 
von der S|)itze der llasta rechts ein kurzer diagonaler Strich 
auszugehen scheint'. h]r denkt an ein N und schlägt (XI)ON(H) 
oder (XO)ON(IA) vor. Duhii [\m\ Studniczka glaubten HOPAO 
zu erkennen. Unsere Lesung giebt Fig. b ; 
u rs ^^''' ci'iiünzen MOP, 0^1. 

' Flasch und Urlichs bezeugen eine Uberma- 

Fig. 6 lung. die Brunn anscheinend entgangen war. 

Die l<^äls(dier haben offenbar die scImmi damals 
schwer deutbaren Buchstabenreliefs ihrer Arbeit zu Grunde 
gelegt. So erklärt sich die auf d(M' Tafel der Xtontimrnli 
w iederueiicbene i^^orm ihres H, wcUdies dem \on uns er- 
kantileii M enlsprach. und das, frei enlwoiTen. wol eine aii- 
der(\ natürlichere Vi\v\\\ bekommen hätte Auch die Interpre- 
lalion des letzten Biiehslabens seitens der l'älscdicr streift an das 
liiehrige, wenn unsere Ergänzung stiidihaltig ist (O statt Q). 
i\ur ihi- A (an Stelle des (J) ) wurde eine freie Frfindung sein. 



c r. /v ^ '. > 



biK JONISCHKN AlGKNSCHAI.EN' 49 

Auf (1er Schule konnten wir trolz eilVi''en Sucliens nicht mehr 
als die drei ersten huchstahen lesen, die wir aher als sicher 
bezeichnen können. DieOherniiche ist hinter dem P so unjj;leich 
verwittert, dass zahlrei(;lie Mriiöhunj^en vorhanden sind, die 
sich bei iänucrcr Betrachtun'^ bald hier bald da zu Buchstaben 
zusammen zu fügen scheinen'. 

4. Boreaden. Ihre Namen sind am besten erhalten. 

Noch heute lie.st man KAAAI€, wie es Brunn und Flasch 
sahen, nur ist der (^)uerstrich des Alpha 
verschwunden. Vgl. Fig.'?. Urlichs KAUAIS 
ist wol nur ein Druckfehler. Endt giebt mit 
Bestimmtheit an, dass das Sigma dreistrichig Fig. 7 

geschrieben sei,wir müssen seine Angabe aber 
nach wiederholter l^rüfung, zu der sein Buch veranlasste, als 
irrig bezeichnen. 

Den Namen desZetes lasen wir wie Brunn und Flasch. Was 

Fig. 8 giebt ist, wie überall, das sicher \\v- 

kennbare; <i;ele<<entlich scheinen die drei milt- 

* ■ f f I 

leren Buchstaben deutlicher. Urlichs CJETOS •• ' ■' < 

wird wieder ein Druckfehler]sein. Siltl über- Fig. 8 

geht den Namen. 

* Mop-ydi ist lickaniillicli tlt-r Ht-iiiainr fiiit-r ApIiiiMlilt' in Sparta (Paus. 
III, 15,11). DiT NaiiH' wild Vdii Tiim|»i'l wdI liclili;; mit uop^vo; nnd Moz- 
ipEÜ; ziisaiiiiiieiigclM'aclit und auf eiin' clillionisrlio Gottlicil godeulet, wn/u 
die Fussfcsseln und der Selilcier des Kultbildes stininicu (Sani Wide, I.a- 
konisclie Kulte S. l'iOf.). Für das Auftreten der Moridio im Pliineusnivthus 
ist es wieliliu;, dass sie naeli Lyk"»!''"'*'^ '*'•' •'"" ''^•^P /''MTUIIios in Thrakien 
verehrt wurde I Wide S.-JfiS). Die 'hiinkle' |)assl zur iMichtlu» (Chtlntnia), 
die nach T(i|)ilers einleuehtender Bemerkung auf der Schale als Tochter des 
lioreas sieht (AltischeGenealogie S. 115, "2)1 demnach als Frau des Phineus, 
wieauoh ihre isolirte Stellung beweist.uud als solche an Statlder sonst he- 
kannlen l'rau des Phinens, der H(»reastochter Kleopalra. M(ir|tho wie Kri- 
chlho sind als chthnnische (icstalten in der Niihc der Winddamonen ver- 
ständlich ( Wilamowit/. , Herakles- II S. ?(■»•.'). Aus Krichthc» wird 'jene 
vampvrartige Zauherin und Tcdenhescliwörerin l'jichlho Lucans [Pliarsalira 
VI. 5(i;{ll. ), welche liei Pharsalus dem S. Pompeius erscheint und aus To- 
teumunil die Wahrheil kund thut'(nuhn, Festschrift S. Iv'.!), Dantes Rri- 
tun rridla und (iölhes 'dosiere Fridilho'. Morplio inid deren (Jelahrtin 
werden der Eiichlho und des Phineus Töchter sein, der Maler kannte also 

ATHEN. MITTHEII-UNGKN X.W. 4 



50 J. »»OKHl.AÜ 

5 Harpvien. Brunn und Flascli stimmen in Jer I^esnng 
API liluMfin. und Hnmn hcniorkt, «lass der drille Buclislabe 
kein lVa»nienlirtes Pi sondern ein lola zu sein scheine A und 
ein 'dreieckii^es Blio' lial aueli Silll ^eselien. l rliclis hat die 
Insehrilt lihersehen. h]ndl hat nur ihis Alplia erkannt Wir 
können das AP heslälii^en. Das Iota, d. h. di(» (h'itle veilikale 
Hasla, würden wir anzweifehi. wenn nielil Brunn sie gele- 
sen hätte, der ini'tglicherweise noch Firniss darauf sah. Es 
laufen hier so viele zufällig«; l^lrhöiiungen uher den Grund, 
dass äussersle Vorsicht o;ehoten ist. Die Fraii;e, oh die llasta 
der Rest eines Pi gewesen sei, muss jedenfalls offen hieihen. 

(). Auf tier Biickseite haben wir das einstige V'orhanden- 

sein einer Namensheischrifl beim vordersten Silen,den Prauen 

zunächst, konstalirl. Sie läuft von links nach rechts auf 

sein Knie zu; leider sind die Spuren undeutbar. Dass auch 

die anderen Figuren benannt waren , erscheint 

danach sicher. Fig. 9 gebe icli, was wir vom 

Namen des Dionysos lasen, hauptsächlich auch 

zur Widerlegung von Endts Behauptung, dass die 

Sigma der Schale dreistrichig geschrieben seien. 

'2. Berlin; luv. Nr. 3^28^2. Aus Vulci, Arch. Anzeiger 1895 

S. 35, '23. Die Aussenseilen ab- 
gebildet bei Endt, Beiträge S. 
35 Abb. 15; nach der für Endt 
ausgefidiilen und von ihm gü- 
tigst zur Verfügung gestellten 
Zeichnunüf Lühkes sind die Fi- 

o 

guren zwischen den Augen Fig. 
1(1 und 1 I wiederholt. 

Innen: thonfarhiges Bund in 
der Mitte. Die Figur jeder Aus- 
senseile sieht zwischen Augen, 
Menschenohren mit kleinen ro- 



C 



Fig. 9 




die Version vnin Kicvtl des riiinciis ,iii srim-i rillen flalliii iiml ilfit'ii Söh- 
nen a<s Ursaclie der l'.lintlliril nielit. — Znni IMiiniiisnivIlius \^l. die schönen 
Auslühiungcn von iMannhaidl,\Viild- und Keldknlle 11 S. '.Mlll". und 8.206. 



blE JONISCHEN AUGRNSCHALEN 51 

ten Knöpfen im Läppchen und von den Henkeln ausgehenden 
Palmetten '. 

Nach der gut erhaltenen Schale müssen wir uns die Wir- 
kung der Phineusschale vergegenwärtigen. Die Buntheit und 
vor allem die zierliche und suhlile Ausführung kommt hier 
besser zur Geltung. liin Kahinetstück ist in dieser Hinsicht die 
Mänade. Koloristisch ist die überlegte Anordnung des schwar- 




zen Mantels bemerkenswert, der mit dem Haar und dem Saume 
zusammen einen wirkungsvollen Hahmen fürden hellen Kitrper 
bildet. Die Körperformen sind unter den Gewändern in feiner 
Gravirung angegeben, Details wie das Halsband, das Schlüs- 
selbein ', Ohren, Augen, der Mäander am Saume des Chitons 
sind gleichfalls sauber eingeritzt. Gelb sind die Tupfen des 
Chitons, rot ausser dem Chiton die Sandalen, Armbänder, Olir- 



' Kiiie als inil der l»i'rliiit'r slilislisch üheiciiistiiiiiiitMul gfscliildt-rle Schale 
mit einer Mänade in ^eln|ireileni Gewände auf der einen Seile war I89ri im 
ilalieiiisehen KiinNliiaiidi! und kam nacli Kurland. 

-' An ein zweiles llalstiand inil einer hiilla. wir i-s aut daiilin.iiselien \'n- 
sen hJinli^ v»iik(unmt. ist iiielit zu denken, da die Ausliie^:un^ stets (auch 
auf der Phineusschale Fig. ^3l nach oben ollen ist. Auch wäre das melallene 
Anhant^'sel wid ml gemalt worden, wie die Aiuihiinder. Kür das obere eng- 
anliegende rad.-narli^v Halsband v-l. Alben. Millb .\.\lll. IS'.)8, Tai'. G 
und Antike Üenkmaler II Tal'. „M. 



5? J. BDEHI.AIJ 

sclieibclien und der Haarreit". alier aiicli der Augapfel und ilie 
Lippen sind rol an gesehen — und auf der Backe sitzt ein unver- 
kennljares rotes SchönlieitsplUisterchen. Mir ist eine derartige 
Angabe der Lokalfarben wie hier an der Lippe aus der Vasen- 
malerei nicht bekannt. Rs ist einleuchtend, dass sie bei den 
kleinen Figuren der Gelasse wirkungslos ist und nur stört, 
da sie die Linien des Mundes verdeckt. Deshalb vermeidet sie 
selbst ein sonst so ins Einzelne gehender Maler wie der des klazo 
menischen Sarkophages Denkmäler II Taf. '2(). Ls ist eine 
Übertragung aus der grossen Malerei ; von dort hat sie unser 
Maler entlehnt '. Der Kopf auf der Würzburger Schale Nr. 5 
Fig. 13 zeigt dieselbe Eigentümlichkeit. Das Schönheits- 
pflästerchen ist in der archaischen Kosmetik bisher noch nicht 
nachgewiesen \vorden , ist aber kaum eine überraschende 
Neuheit für uns. Wenn irgend wo, so ist es im jonischen Osten 
an seinem Platze, für dessen äSpoaüvr, es ein charakteristischer 
Zug ist. 

* 3. Schale in Florenz, Miiseo Elriisco Schrank XI. Von 
Löschcke bei Bulle, SileneS. 8, Anm. 1 nachi>ewiesen. Mir lie«;! 
eine von Zahn freundlichst zur V'^erfügung gestellte Skizze vor. 
Im Inneren nur ihonfarbioer Kreis. Aussen zwischen Palmet- 

o 

ten und Tierohren je ein geduckt hüpfender Silen. 

Die Ohren sind abweichend von dem sonstigen Brauche nach 
aussen gewandt und gefleckt. Bei den Palmetten setzt der Bö- 
sen mit dem Fächer nicht auf die Banken, sondern auf ein 
breites wulstiges rotes Zwischenglied auf. 

* 4. Fragment einer Schale im Akademischen Kimstmuseum 
zu Bonn. Fi«;. 1'2 nach einer Zeichnung, Lübkes im Masslabe 
von 5:0 abgebildet. Löschcke bin ich durch die liberale Über- 
sendung der Scherbe zu besonderem Danke verpflichtet. 



' Cäretaner Gemälde Aldi. Z<'ilijiig X.\X. lS7l,T;if. HS; eoiiicIantM Grab- 
gemälde aus der tumba del cilaredo: Annali IHCi.J Taf. M, 1. Oli das Hol auf 
deu Backen der Frauen auf diesem Gemälde die Cainalion andeulen scdl, 
oder etwa auch als Scliönhoilspnäslerchen aufzufassen ist, lässt sich nach 
dem einen Kopfe nicht entscheiden. 



DIE JOMSCHEN AL'GENSCHALEN 53 

Der Silen ist der rechte Bruder des von der berliner Schale, 
mit dem er die Stellung, Körperbildun|r^ und Physiof^nomie 
semoin hat. Auch l^inzelheiten wie die Haar-ßnden, die 
hinter dem Rucken zum Vorschein kommen, das Ansetzen 
der Seil wanzhaare an dieWiirzcl und die Zeichnung; der liiust- 
warzen stimmen uherein. 

'T). Wiiizhiiri'er Schale aus Vulci; Urliclis Nr. .'J'iO. Ilfdie 




*,)"", Duirhuiesser v\S"". hinfii kleiner I h(infarl)ii;er Kreis in 
der Mitte. Die eine Aussenseite Fig. 13, der Kopt nach ei- 
ner Pause Rulles Fig. 1 H'^ in git)sserem Masslahe wiederholt. 
Aul" der andrrt'u Seite steht zwischen i\en .Augen eine Nase 
mit einer Lotosblume gekrönt. 

Der Kopf ist ausserordentlich zierlich in der AusIVilnung. 
Der llelm in der Fm in einer dem Oherkitple eng auliegeiulen 
Kappe mit hohem KidirenlMisch, ohne Schirm, an Stelle des 
(fx\o<i mit einer lilule uhei- der Stirn geschmückt, ist aus der 
jonisch beeinllussten archaischen attischen \ asenmalerei be- 



J. MOEHLAU 



kannt'. Das Scliönheilsptlästerchen wurde S. 52 erwähnt Be- 
sonders wichtig sind fiir uns die beiden oberen Enden grosser 
Sohulterniigel, die rechts und links vom Kopfe über dem 




Fig. 13 



Rande des Bildfeldes sichtbar werden. Die Deutung des Kopfes 
aufAlhena wird dadurch sicher gestellt ^ und wir gewinnen 
damit einen weiteren Beleg für den Ty- 
pus der geflügelten Athena, den Savi- 
gnoni auf einem hellgrundigen schwarz- 
figurigen Napfe nachgewiesen hat, der 




Fig. i;{a 



in enger Beziehung zu unseren Augen - 

schalen steht '. 

*C). Munchener Schale aus Vulci; Jahn 
Nr. 1316. Höhe 6,1"", Durchmesser 16 6"". Abbildung der 
Seite mit dem Blatte bei Lau Taf. 17,4. Der Kusswulst ist 
schwarz Innen kleiner thonfarbiger Kreis. 

Die eine Seite ist fast Zug um Zug eine Wiederholung der 
llauptseile der Würzburger Schale Nr. 5 ; sie zeigt zwischen 
Palmetten, 'rierohren und Augen (h-n belielmlen Kopf einer ge- 
tUigelten Athena. Die Buckseile mit dem Blatte giebt Fig. I 'i 
wieder. Im Ausschnitte ist ein Durchschnitt durch dm Fuss 



' Thiersch,TyirlieniscI)c Aiii|)lnirfii S. IJT; 'K^rjaept; äp/. ISSd Taf S,3. 
■■* Kine Allienaliiislt! mit Melm.Agis und gf/iicklfiii SpciM ImhiiiiiI aiiT der 
aUischeii Aiigriisclialf Mimclirii KI'.IS .laiiii vor. 

3 Rom. Mitlli. .Xn, IH'.IT, 'l'af. I;'; vgl. iiiilni S. 7'.) Aimi. 1. 



DIE JONMSCHl'N AUGENSCHALEN 55 

gezeichnet. Das Blatt ist entweder ein Feigenblatt oder einWein- 
blalt: Botaniker pllegen in der l^estimmiing nicht zu sehwan- 
ken lind »'ikläien sich einstimmig für die Üeutiing auf ein Fei- 
genblatt l)ie genau übereinstimmenden Blätter auf den 
Drachmen von Idyma in Karien werden auch allgemein als 




Fig. li 

Feigenblätter aufgefasst^ Aber die Stilisirung der Weinblätter 
an der liebe über der Quelle auf der Phineusschale ist trotz 
Abweichung in der Zahl der Einschnitte sehr ähnlich in der 
rundlichen La[)|»ung des Blattes. Es bleibt also die Möglich 
keit olTen, dass ein Weinblatt i^emeint ist. 

7. Münchener Schale aus \'ulci; Jahn Nr. 05.!. Höhe "J,5'"', 
Durchmesser 27,5"". Die Henkel setzen tief an und sind bis 
zum Ansätze schwarz. Innen ein bärtii^es Gorgoneion. Die 
eine Seite "iebt Fiy;. 15; die andere ist dieser gleich Paralle- 
len zu der Art, wie hier die Augen auf die Flügel gesetzt sind 
und deren äussere Umrisse decken, bieten eine Hydria des Bri- 
tish Museum B..Tr2 und eine Amphora bei Micali, Sfo/zd laf. 
85,^», auf denen durch Ansetzen von Köpfen. N'ogelschwänzen 
und Beinen die Augen in Sirenen verwandelt sind. 



* Imliodl- lilimior nml Keller. Tliici hikI IMl.iii/.i'iiliiMer .Tiif Miiiuoii und 

( iciiiiiicii, IScS'.l, 'l';ir. '1, l.l l'i liiil r Uliiiiiii «cisl l'('ij;fiiltl;iUor aiit'li auf 

Miin/.i'n von Iv.iiiiiio.s naoli. 



56 



•T. BÜtHLAU 



*8. Münchener Schale aus Vulci ; Jahn Nr. 711. Höhe 
10.1"", Durchmesser '20,5"". Die Henkel sind his zum .\nsalze 




Fig. 15 




Fi-. Ki 



schwarz. Innen tlionfarhiger Kreis, h^ine (Jesamlaiisii lit ijjiehl 
Fi^. 10; die andere Seile isl gleich dekorirl. 



DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 



57 



9. Schale in der Villa di Papa Giulio zu Rom von der Form 
der Phineiisscliale, die Wolters 1895 notirte. oline sie iinter- 
suclien zu können. Auf der Au?senseite helinden sich Augen 
mit einer rudimentär gezeichneten Nase und Lotosknospe, zu 
heiden Seilen stall der Ohren h'higel. die aus (h'iii iinlHieii 
Rande des Bildfpldfs lieivorwaidisen . \V»u den Henkeln '^elien 
Palinetlen aus Wolters bemerkt, dass die Zeichnung keiuen 
sicheren Schluss auf die llerkunfl aus einer jonischen Werk- 
statt zulasse; die schwarze Färbung der linrnliaiit spiiclit 
sogar dagegen '. 

10. Miinchener Schale, in Scherben, die aber eine sichere 
l^rgänzung erlauben, von Arndt in dem Keller der Glyptothek 
(Jahrbuch I (S'J.") S [.".1) oefnnden. Aborebildet Fis;. 17. Die 




Henkel sind bis zuiu Ansalze schwarz und setzen tief an. Die 
beiden Seilen siml gleich dtkoiiil. Der I'Ikmi ist der gleiche, 



' Ausser dieser i;ielil es iiocli eine, wo! eehl ioiiiselie Aiigeiiscliaie dersel- 
l»eii l'\iiiii in der Siiiiimliiiii? , die sieli Zahn noliil lialle : weisse Augen 
Nase und iiienselilielie Ohren (Schlank .\1, 11 Nr. 77i). 



58 



.1. HOKHl.AU 



mürbe, den Rinfliissen des Bodens gejjenüber wenig wider- 
slaiidstiilriie wie bei dei- Phineiisscbale, doch ist er lieller. 
Die Aiisscbiniickuno; des Fusses mit der jonisidien Fpheugiiir- 
lande ist sitüiilär. Eine Neueruno, die ausüedelinlere \'er- 
wtMiiliinü; ut'funden hat. ist der Slrahleiikorb. \u,\. zu Nr. 11. 
IL .Miinchener Schale aus \'ulci ; Jahn Nr. 1057. Abge- 
bildet bei Micali, Monuni. ined . Taf. i3,'i und hier Fig 18. 




Fig. 18 



Höhe 11'"' Durchmesser 3Ü,3"". Henkel und Fuss schwarz ge- 
firnisst. Die Henkel setzen tief an. Im Inneren ein bärtiges 
Gorgoneion. Die nicht abgebildete Seite zeigt ebenfalls eine 
Dionysosmaske. Die Hornhaut der Augen ist thonfarbig. 

Bei gleicher Form mit Nr. 1-0 zeigt diese Schale ein ande- 
res Dekorationssystem, das erheblicher wie das der Nr. 10 von 
dem der obengenannten abweicht. I )('r schwarze h'irniss-Streif 
ver.schwindel vollständig, vom Fussansatze wachs«Mi helle und 
diiiikle Siiahien auf, und zwischen dem Strahieiifeld und dem 
Bildfeld bleibt nur ein schmaler lieller Streifen. Gleichsam 
zum Ersatz sind nicht nur die Henkel, wie (»fti-rs, sondern ist 
auch der sonst stets hell gelassene Fuss gelirnissl. Die Ohren 



DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 59 

sind fortgeblieben, dafür sind die Augen vergrössert. Ausser- 
dem ist der Raum unter den Henkeln, ^velehen \on den uns 
bekannten Scbalen nur die Phineusscbale mit einem leicht 
hingeworfenen Motiv bedachte (Eule und Rosette), mit einem 
in der bekannten Weise sich vertlechtenden Weinstocke ge- 
füllt, dessen Reben sowol in das Feld unter dem Henkel, wie 
in das Bildfeld hineinwachsen und hier den Umriss des Au- 
ges bis zur Thränendruse begleiten, wo sonst die Spirallinie 
von der Nase zum Ohre lauft. Über das Verhältniss dieser De- 
koration zu der Dekoration der vorher angeführten Schalen 
s. weiter unten. 

II. Schalen anderer Form. 

Der Körper bleibt stets randlos. Nur die Form des Fusses 
ist eine andere, als bei den unter I aufgezählten Schalen. 

* 12. Münchener Schale aus Vulci; Jahn Nr. 1239. Höhe 8"", 
Durchmesser 19, S'". Abbildung bei Lau Tat. 17.5. 

Der Fuss der Schale ist echinusförmig. Die Henkel sitzen 
hoch. Fuss und Henkel sind schwarz gefirnisst. Der Schalen- 
körper ist wie auf Nr. 1 ff. eingeteilt. Innen ein rundes thon- 
farbiges Feld , aussen beiderseits zwischen Palmelten und 
Ohren Augen und Nase mit einer Lotosblume gekrönt. 

* 13. Münchener Schale; Jahn Nr. 'i28. Höhe 6,7"". Durch- 
messer 15,8"". 

Die Schale hat einen hohen stieltormigen Fuss, der schAvarz 
ffefirnisst ist. Die Henkel setzen hoch oben an, und sind bis 
auf eine kurze Strecke am Ansätze schwarz gelirnissl. Die 
Finleihing dos Schalenkörpers ist wie bei Nr. I ff. innen ein 
llioiilarbiges lUiiul, auss^Mi beiderseits Nase uiil aulgeselzler 
Blüte zwischen Augen, 'l'ierohreii uiul Palmelten. 

l'i. Miinchener Schale aus Vulci ; Jahn Nr. (».'.(l. Abgel)il- 
det bei Micali, Monum. ined. Taf. i3.5. Fig. 19-20 geben 
die Gesamtansicht und die aulgeiollle anilere Seile, die Vi- 
gnette S. 'lO das Gorgoneion des Innenbildes. 

Wie auf Nr. l I so sind auch hier die Ohren liureh die über- 



60 



.1. ii()i:iii.AU 



Cross srebilfleten Aiii^on vonlriinnt Die Hornhaut ist tlioni;i'iin- 
(liir. UnltM- (•••11 llcukt'ln sirlicii Palmetlen sehr lockerer For- 




Fii;. l'.l 




FiK. ^0 



iiH'um'ljiiii;; ; Weiiii'cheii wachsen uii()i';:,aiiisch ins liildlehl 



hinein. 



1)IE JONISCHEN AUfiENSCHAI.RN 



6t 



Mit (lern Kriei!;erkopfe der Rückseite, dessen Unheliolfen- 
lieit zu der Hollen Zeichnung namentlich des Pliohoskopfes der 
Vorderseile nicht stiniiut. muss es seine hesondeie F^Nvandl 
niss liahen. \'i«'lh^icht ist er von Schülerhand nach einer 
Frauenhüste wie der Nike Fit;;. 15 kopirl und ungeschickt in 
eine Kriegerhüste umgemodelt. Wenigstens passt der Helm 
schlecht zum Motiv des Bliimenhaltens und zum Armijand 
und sitzt schlecht auf dem Kopf, und auch der Bari wächst 
nicht recht organisch aus d»Mn Gesicht heraus. 

15. Berliner Schale; Furtwängler Nr. i>05G. Höhe 1 ,d"\ 
Durchmesser 17, .""»"". Ahgeh. hei Gerhard, Akademische Ab- 
handlungen Tai'. ()7,4.5 und hier Fig. ^21. 5^2 sowie in der 
Vignette am Schluss des Aufsalzes. 




Fiff. ^?l 



Der Bückü;aniT des dekoraliven Gefidils macht sich in der 
nüchternen Ode des Gesamleindrucks und in dem Missverhall- 
niss zwischen den Teilen der Dekoration zueinander und die- 
ser zum Ganzen bemerkbar. Dabei ist das Geläss durchaus 
soriilälliiT bemalt. Palmellen, Ohren und Banken unter i\en 
Auiien fehlen, die llornhaul der Aui;en ist schwarz i^elirnisst. 

Zu den hinter einander gesetzten Büsten der N'orderseite, 
für die wol an Dionysos mit Semele oder Ariadne zu denken 
sein wird, ist die reiche Schale BiilL NapoU'tano N. S. VI, 
1858, Taf. \\\ zu vergleichen, welche durch die Inschriflen 
als attisch gesichert scheint. 

IG. Berliner Schale; Furlwän-ler Nr. ISil.i. Höhe 11,5"", 



65 



.1. nOEHl.AÜ 



Durchmesser'?!),.-)"", rig. 'y.\ und \^'i. Innen tlionfarbiges Rund. 
Die Abbildunir Kiür. '2 'i orieltl tue nicht ergänzte Seite, auf der 




nach Furtwänglers Angabe nur der Ohrring durch einen Scha- 
den weggefallen zu sein scheint. 




Fig. n 
DiePalinetten haben eine andere Form als die gewöhnlichen, 




Vis. 21 



1)1K JOMSC.HKN Aür.i:NSf:HALi:N 



63 



Oliren und Augen sind \vejj;i!;e(allen. So erinnert die Schale 
an Werke der Kleinnicisler, von denen sie sich aher durch die 
Form und dur(th die \Vuchliji;keit und Schwere der Dekora- 
tion deutlich untcrseheich-t. Sie repriisentirt das Knde der 
Enlwickelung, die (hiich (his h'orlhissen der Ohren und der 
Nase eingeleitet wird Ahnlich verdrängen die Darstellungen 
auf Schalen wie Nr. 17 die Augen : vgl. die schöne nnünchener 
Schale mit den schlangenleibigen Nymphen Philologus L\'ll. 
1898, S. 51;}. 

Wenn die Schale attischer Fabrik sein sollte, woran u^h 
zvveitte, so ist sie doch eine Kopie nach einem jonischen Vor- 
bilde, denn die Palmetlen in den Händen der Frauen sind 
unaltisch Vgl. weiter unten S. 87. 

17. Berliner Schale, Furtwängler Nr. 2054. Höhe 11,5'". 
Durchmesser 30,5"". Fig. '25 und 56. 




Fig. 25 



Ich bilde das sicher attische Stuck hier ab, einmal um den 
geläufigen Typus der attischen Augenschale zu zeigen, Cur t\en 
jonische Vorbilder uns fehlen , andererseits wegen des Or- 
naments des Inneren , das unattisch ist Vgl. weiter unten 
S. 88. 

I^^in Fragment miige am Schlüsse unserer /usammenslellung 
wegen seines Fundortes, der atheni.schen Akrcipolis, erwiihnt 
werden, mit Uesten des Aug«'s,des Ohres und dn v» ibindfii- 
den Banken. Ob es jonischer oder atliseher Fabrik ist, lässt 
sich bei der Cieringfügigkeil des h'rhalletien nicht bestimmt 
sagen, doch scheint mir der ümsland.dass das Hildleld weiss 
grundirt ist, ferner eine gewisse Laxheit der Zeichnung eher 



6'. 



,1. iti)i:iii,\n 



für spiileivn al tischen ürspruni^ zu spreclicn. Durch die weisse 
Grundii'uni:; hihlel, es ein weiteres Band zwischen den Auii;en- 
sclialcn und dou S. 7") Anui. I erwähnten Gelassen. 

Zu der im N'orslelienden i>eii;ehiMien Auswald ' ha he ich Fol- 
gendes zu heuierken. i^^ine Kntscheiduni«;. oh ein jonisches Ori- 
ginal oder eine altische Kopie 
vorlieot. lässL sich nicht immer 
treffen. Sie hängt im letzten 
Griuide auss(diiiesslich von der 
Beurteilung des Materials, des 
Thons und des Firnisses , ab, 
und diese ist wiederum Sache 
der Erfahrung, hieiht also sub- 
jektiv, 'rechnischen und stili- 
stischen Beobachtuni>en darf 

ö 

aber so lange kein ausschlagge- 
iMMuler Wert zugemessen wer- 
den, als wir die Geschichte der Fabrik der Augenschalen nicht 
kennen, und in Folge dessen die Grenzen nicht abzuschätzen im 
Stanilo sind, innerhalb deren Zeit und Persönlichkeit der Ma- 
ler differenzirend gewirkt haben können^. 

Wir müssen uns unter diesen Umständen da, wo auf unsere 
Frage nur die Originale antworten können, auf diejenigen Stü- 
cke beschränken, deren jonischer Ursprung durch ihre Über- 
einstimmung miteinander und mit der inschriftlich als jo- 




' Scherl)en von zwei Augenselialoii Jonisclior t'alnik Ijcliiulrii sich aiicli 
in der Sammliiiig in I leidet l)eig, worauf niieli 11. Zaiin IVeundiicIisl liinweist. 

2 Gewiss sind die tdten aiifgefülirlcii leelniisflieii Hesttudei iieilcu, wie die 
Bildung des Fusses auf Nr. 111"., der ludie llcnkt'lansal/., das ungflirnissle 
Sliiel; am llcnkflansalz wiclitigc Merkmale. Alter einerseits linden siidi 
At)weicluingen auf sielier jonisclien l'Jxemplaren (ich erinnere an den Fuss 
von Nr. 12 und 1.') nml andrerseits ahmen aUische Töpfer diese Besonder- 
heilen nacli (vgl. dtMi l'nss von Fig. IH; hoelisilzende Henkel an der sicher 
attischen spätiüi Sehale Jahn Nr 1;{(»S). Seihst, dass die llornliant ■ auf Fig. 
LS und l'.t thungrundig gelassen ist, seheint mir kein Beweis gegen jimisehen 
Ursprung, da der Schritt von d(M' weissiiher/.ogenen th(ini.'rundii,'en Ihirn- 
haul zur Üionfarbigen nahe liegt. IjsI wenn sie sehwarz geliniissl wird, ist 
wfd der aUischc Ursprung sicher. 



Dlli JONISCHEN AUC.KNSCIIAI.KN 65 

niscil ljejjlaul)ij;lpn Pliineusschale zweifellos gemaclil wird. 
Das sind l-fl und <S von der ersten. 1*2 und 13 von der zwei- 
ten Gruppe:*.) konnte nicht untersucht werden. Kl ist zu zer- 
stiirt, um ein Urteil zu ermöglichen. 

Dass man an dem jonischen Ursprung der ScIialeNr. 7 mit 
dem Nikekojire und dov stilverwandten Nr. I i mit dem Krie- 
gerkopfe zweifeln wird , erwarte ich. ohwol ich heide nach 
wiederholter Piüfunij; lür ionisch halte. 

Nr. 11 mit der Dionysosmaske ist attisch, denn sie ist aus 
derselhen Hand hervorgegangen wie die Amphora in Berlin . 
Furtwängler Xr. 3997, die sich aus der attischen Ueihe nicht 
herausnehmen liisst. Ebenso ist Nr. 17 sicher attisch, da sie 
sich durch nichts von der Masse der sicher attischen Augen- 
schalen unterscheidet, und Nr 15 gebe ich als wahrscheinlich. 
Nr. 16 als möglicherweise attisch Preis. 

Die zweifelhaften und die sicher attischen Stücke habe ich 
aufgenommen, damit sie uns die Dienste thun. welche Kopien 
verlorener Originale thun können; sie sollen unsere V'orstelluniT 
von den Motiven und der Syntax der Dekoi-ation innerhalb 
der Fabrik der Augenschalen erweitern. Interpolationen brau- 
chen wir nicht zu fürchten. Es ist gegen die Gewohnheit der 
archaischen altischen Keramik ohne bestimmten Zweck an dem 
überlieferten iypus zu andern, und die Thatsacbe, dass die 
Augenschalenilekoi'ation auf die randlosen Schalen beschränkt 
ist, dass aber diese sie ausschliesslich verwenden, erhöht für 
unseren Fall die Sicherheit. Vielfach bestätigt auch die Ana- 
lyse der Dekoralion diese \'oraussetzung. 

Die Schalen form. 

Im 7. .lahi'hunderl ist in Anika die Schale noch nicht hei- 
mis(di. Man Irinkl aus dem Skyphos,der in dci- Icl/ten IVuli- 
attischen und in der Keramik, welche wir nach \iii'\;'i be- 
nennen, voi'koniml . und aus (Mnem primitiven Kanlharos. der 
sich aus geomelrischen X'orstufen herleiten lässt'. Daneben 

< Allini Miiih. .\V, IS'.KI, Tn\. 1(1. 

ATHEN. MITIHEII.UNOEN -X.VV. 5 



66 J. ÜOEIILAU 

sind die niedrige <piä"Xy) syrisclien Ursprungs und das Hörn 
in Gebraui'li. In Korinlli dient als Trinkgescliirr gleieldalls 
der Skyphos, der ini Aiiillerlande zuerst im j)el()p()nnesi- 
selien Kreise, unmittelbar nach dem h^nde der m^kenischen 
Periode auftritt, aber ohne dass V^orstufen Tür ihn nach- 
zuweisen wären. Neben dem Skypiios und der cptiAr, be- 
nutzt man einen Napf tiefen, gewölbten Körpers, mit ab- 
setzender, steiler Lippe, zwei wagrecliten Henkeln und ei- 
nem niedrigen, teils echinusl'iu'migen teils konischen Fusse: 
die sog. korinthische Scliale. Sie ist ein wurzeleclit festländi- 
sches Gewächs, ihr unmittelbarer Vorläufer ist der protoko- 
rinthische Napf fast identischer Gestalt, der wieder im For- 
menschatze der Dipylonkeramik so nahe Verwandte hat, dass 
an gemeinsamer Abhängigkeit von einem Vorbilde nicht zu 
zweifeln ist. Dass chalkidische oder eretrische Kunst andere 
Trinkgelässe gestaltet haben soll, wie das Festland, ist nicht 
wahrscheinlich, auch deshalb nicht, weil wir von diesen dann 
Spuren in der attischen oder b(")Otischen Töpferei haben würden. 
I^ange haben auch die kleinasiatischen Griechen keine andere 
Schalenform besessen als eben diesen korinthischen Napf. 
Sie kehrt in einer der ältesten Vasengattuni;en dort wieder, 
deren Eigentümlichkeit die polychrome Malerei auf schwarzem 
Grunde ist'. Als der Bucchero seine Formen aus Kleinasien 
ableitet, ist dort eine andere Schalenlbrm noch unbekannt, 
denn er verwendet nur die napfartige korinthische. Und wäh- 
red diese im Mutterlande inzwischen längst durch die neuen 
IVildimgen abgel()st ist. spielt sie in deren Heimat, in Jonien 
noch eine Uolle : noch um ."»•.)() ist sie auf Samos neben dm 
anderen nachzuweisen. 

Im Anfange des ü. Jahrhunderts kommen zwei Schalenfor- 
men nach Attika-. Neben dem alten korinthischen Napf ver- 



' Aus ionischf'ii uiid iinlisclien NekiniKilni S. S'.i IV. 

'^ Es lassen sich (hiicli lif()l)aclilun|,'t'ii tlt-r ScIialriiiltiioliscIiiiiUf wiclilige 
Aufsclilüsso liir eine Gcscliichli^ der Sclialr gewinnen, liier soll nni su vi»;l 
Kegelien weiden, da^s das \'ei li;illnis>< der i.uidliisen l'(irni im den übrigen 
und itire Enbleliung hervorUitl, 



Olli .IONISCHEN Al'GKNSCHALEN (J* 

wendet sie schon Exekias: die randlose Form unserei- Augen- 
schale (Wiener Vorlegeblältei" 1888 Taf. 7. I) und eine an- 
dere hochfüssige mit absetzendem Rande. Diese unterscheidet 
sich aher von der korinthischen durch das Prolil des Bandes, 
der bald mehr, bald weniger einbezogen ist, und durch(]en Um- 
stand, dass — in den ausgebildeten Exemplaren des Typus — 
die Wandungen des Schalenkörpers sich oberhalb des Nen- 
kelansalzes nicht zusammenziehen, sondern hier kurz und 
schar!" absetzen. Die Durchschnitte Kig. '27 -'29 (nach Lau, 




Fig-. 37 
Koi iiilliisclio Schale. 




Fig. 28 
Attische Schale. 




Fig. 29 
Ausenschale. 



Tal'. 7,-2. IG, '2 und 17. T)) veranschaulichen den Unterschied. 
Varianten dieser Form sind es, wenn der Scbalenkörper ohne 
Absatz in den Hand iibergeht, und sich das Profil der Schale 
somit unzerschnitlen im hande ausschw ingt. o<ler wenn der 
hand, die ProliUulirung des Kin'pers wiederholend, nicht ein- 
gezogen, sondern ausgebogen ist wie bei der korinthisclien 
Schale. 

Das gleichzeitige Auftreten der beid»Mi neuen Formen macht 
es wahrscheinlich, dass sie aus der Frem(Je eingeluhrt sind, 
und Zeit und Umgebung, in der sie aultreten, iiisst nur an 
Jonien als ihre Heimat denken. Heide gehiiren sie wol zu dem 
Gute, das die Handwerker aus detn jonisehen Osten mitbrach- 
ten, welche das durch Solons Gesetze verheissene liOrgerrecht 
zur Ansiedcdunij; im attischen Kerameikos bewou:en hatte. 

Gesonderte Heobachtuncen an beiden scheinen unseren 
Schluss zu bestätigen. 

Die Schale mit dem geschwungenen Hände tritt, vielleicht 
etwas liüher als in .\ltika, schon in Korinth auf, aber erst im 



CS .1. HOlllI.AP 

BeiM^icli (ItM- r()llli()nii;oii K(M';miik, die ihre teclmist'licn iXeiip- 
runiien um] niil iliiion. wie i;(nv()linlicli, nianclip Fiirmcn vom 
Osten (Millt'liiil hat. Sit' ist lonioi' dio wcilaus Itclirhlcstc Vorn] 
der zalilreiclicn iindckorirLen jonisclicn Schalon. wio sie sich 
niassenhafl in der saniisclien Noki'opnle fanden nnd von Klein- 
asien aus nacli Xanlvralis und naeli Italien exportirL wurden. 
Wir faiidiMi sie weiterhin in dov kh'inen jonischen (iriippe in 
Gehrauch, die ich Nekropolen S. 133 herühil hahe, mit, (h'r 
aUei'tüuiIich reiclien Dekoration durch ifehäul'te niedrii;e ()r- 
nainentslreilen. Nach .lonien liehiu-en die lih'ichiiehihhMen 
miinchener Schalen Jahn Nr. ()70 und 117 1. die sich am he 
sten an die Gruppe der Northamplon - .\mphora anschliessen 
dürden. leidlich sind die Metallscliah'n.die auf i\on ausseid iess- 
licli jonisch heeinlkissLcn älteren Grahfresken in Coi-nelo be- 
nutzt werden, von derselben Form ^ 

\)ov Schritt von der allkorinthischen S(diale zu der juni;!'- 
ren jonischen Uandschale ist kein grosser, und der binc^Mide 
i^eweif, dass er nicht schon im Mutterlande in korinthischen 
Kreisen geschehen sei. liisst sich nicht erbringen. I^^iir die 
randlose Schale machen aber di(^ eihaltenen und oben aidge- 
zählten jonischen Vorbilder den jonisclien Ursprung gewiss. 
Denn die jonischen Schalen als von attischen Vorbildern beein- 
llusst aufzulassen, verbietet sich schon durch das \'erhiiltniss 
der Formen. Die der jonischen ist altertümlicher, wie die hoch- 
sitzenden Henkel beweisen, und in der (jeslaltung (\i'^ H'iisses 
individuell. Den ihr ganz fremden l^'uss ahmt die attische Ke- 
ramik gidegentlich nach (vgl. Nr. I I ), dui'chgehends aber v.v- 
seizt sie ihn durch die ihr ü;eliiurni;en Formen, und d(Mi höchst 



' I lirrciiislimiiiciul scliililci ii die l'.ildcr inis die ScIkiIcii als wril aiisla- 
driid mit ciMM'giscli (■inliif.giMidi'iii Haiidi', liidirm l''iissc und /.\\i\ llcnlxciii, 
dfüfii Scliwiiiit: wir an uiisficn 'I'iiiinscliajcn wo! nur dcslialli nidil wicdcr- 
^'c^'idti-ii linden, ufil er ilirer 'i'iTlinik /,ii grosse Seli\vieiii;kcilin lioi. Der 
GraldieiT in dii zu den ällolen (iiäJM'in utdiürendi-n hnnha drlla Iroiicssa 
liäll eint! sulrlir Melallscliale , tiie den \'iiriiililii n dfi aMiselieii Klt^iii- 
nieisliT ein/iiK'ilien isl: zwisclitin tirn iienkr||LilnirMi'ii siml /w.i aiilrin- 
andri y.n I1ii'i;rnde VTisel /.\>isclien l.iiwcn daiüeslelll. 



DIE JONISCHEN AU(3ENSCHALEN 69 

bezeiclinenilen ulterlümliclien Zui; der lioclisilzenden Henkel 
finden wir schon an den ülleslen altisclien Rxeinplaren , wie 
z. B. der Schale des l^xekias (Wiener \'^orh'i;eljl;iller 1<S<S.S Taf. 
7, 1 ) nicht rnelir. 

Dass die lletdvt'l an unseren Schalen uninillelhar iinüM- dem 
Kund ansetzen und diesen beträchtlich üherrauen, ist i^e^en 
den sonstigen, offenbar auC statischen und ästhetischen Erwä- 
^un{i,en begründeten Brauch der antiken Kei'amik. Bei deren 
anerkannt konservativem (Charakter ist es nolwcndij;, l'iir diese 
Abweichunir eine h]rkläruni>- zu suchen Sie liegt in der Eni- 
stehung dieser Schalent'orni. Die Henkel sind nämlich Ijei den 
Augenschalen genau an der Stelle des Körpers angebracht, an 
der sie sich auch bei den übrigen Schalen zu befinden pfle- 
gen, an der Stelle der weitesten Ausladung des Sehalenkörpers, 
nur dass den Aiigenschalen eben der l^and fehlt, der sich bei 
jenen dann oberhalb dieser Stelle entwickelt. So hat es den 
Anschein , als ob die Form der Augenschale durch Unter- 
drückung des l^andes aus der älteren Form enlstanden sei 
Mit dieser hängt sie auch durch die llenkelpalmelten zusam- 
men, welche für die Bandschalen charakteristisch sind, und in 
deren Dekoration hinein[)assen, während sie zu der Ausstallung 
mit Augen, Ohren und Nase schlecht stimmen und neben die- 
ser sich wie ein mitgeschlepptes Ornament ausnehmen. 

Wer die grosse Bolle bedenkt. welche in der Geschichte der 
Gelässformcn das Hinzufügen und Abnehmen accessorischer, 
für die Besliuimung des Gelasses nicht wesentlicher Bestand- 
teile spiell, wird diese l']rkl;irnng nicht von d{.'i' Hand weisen. 
Dass man nach der N'eränderung der h'orm die Henkel nicht 
sofort hinabrückte, ist zum Teil auf Bechnung des Beharrens 
IxMiu alten Brauche zu setzen, /.um Teil mag es seinen Grund 
darin haben, dass man die dadurch bi'diugte Stt'iriing der De- 
koration vermeiden wollte, welche neue, erst s[)äter gel()sle Pro- 
bletne stellt«'. 

Selbstverständlich isl die randlose h\)v\n nielil zulällig in 
h'olge willkürlichen Fxperimeniirens aus der alleren enlstan- 
den. N'ielnu'hr nuiss der l"]inlluss i'iner anderen l'orm im 



70 .1. RÜEHLAU 

Spiele gewesen sfin, tlie zu Versuchen in dieser Uichlun«; an- 
regle, und als solche bietet sich ungesuchl die (pixXyi dar, die 
flache Trinkschale, deren llerkunCl uns die erhaltenen pliiuii- 
kischen SchaU^i bezeugen und deren V^'rl)reilunü; und He- 
liehlheit als Trinkgeschirr die N'asenbilder beweisen. Die Aii- 
genscliale ist eine Kreuzung der Handschale und der (pia^-io, 
jene hat den Aufbau des Kiu'pers. diese die freie Rndigung 
der W'andunii dazu <;:ey;ebeu. Wieder lielert die Dekoration 
einen Heleii; für den Zusammenhan<j; der Aui^enschaie mit der 
9'.x>r,, mit der sie allein von allen Schalen die concentrische 
Ausstattung tles inneren Schalenrundes gemeinsatn hat (vgl. 
unten S. 7.') ). 

Als Vorstufe zu unseren jonischen randlosen Augenschalen 
hätten wir also Handschalen mit Augen und dem übrigen 
Schmuck an Nase, Ohren u.s.w. vorauszusetzen. Damit wurde 
sich eine Anschauung bestätigen, die mir Wolters von An- 
fang an nahe zu legen suchte: dass die randlose Schale nicht 
ursprünglich die Trägerin der Dekoration gewesen sein könne, 
weil ihre Korm fast am wenigsten von allen Gefässformen den 
Verhältnissen eines menschlichen Gesichts entspreche. Der 
Hand, der sich wie eine Stirn über Augen und Nase aufbaut, 
würde dem im Wesentlichen abhelfen ; die liefere Wölbung 
der Schale in älterer Zeit würde das Übrige tliun. 

Die schöne Form der Augenschalen, die uns aus dem Werke 
der grossen Schalenmaler so <j;eläuliü; ist. erscheint vielleicht zu 
einfach und zu selbstverständlich, als dass man nach ihrem 
Werden fragen dürfte. Aber eine Umschau unter den auf uns 
gekommenen Hesten älterer griechischer Keramik belehrt uns 
eines Anderen. Die randlose Schale von der Gestalt eines Ku- 
gelsegments fehlt unter ihnen vollständig. 

Wie in jeder primitiven Keramik so sind auch in der lioi- 
schen, kypriselien, und in der von den Kykladen randlose 
lialbkugelf()ruiige'rrinkgeschirre üblich gewesen, aber sie sind 
mit ihren K(dluren verschwunden, ohne zu neuen Hildimgen 
Anregung zurückgelassen zu haben. Dasselbe gilt von der be- 
kannten ultböotischen Schale. Dann taucht gegen iMide der 



DIE .IONISCHEN AUGENSCHALEN / 1 

geomelrisclien Periode, etwa den protokorinlhischen Gefässen 
mit inytliologisclien Darstellungen und den früliallisclien gleich- 
zeilig, eine Art randloser Schalen auf, beiderseits verziert 
mit einem stehenden Vogel zwischen Metopen mit Rhomhen- 
fülking ',aber &ie ist ausgesprochen napfartig, mit Wandungen, 
die oherhalb (]e\' Henkel nach innen umbiegen. Zeitlich nicht 
weit von dieser geometrischen Schiissel.der Form nach eher den 
böotischen ähnlich, stehen die grossen randlosen, halbkugol- 
formigen l>oa'ls aus Naukratis, die sich in ihrer Dekoration als 
unmittelbare Fortsetzung altmilesischer Keramik zu erkennen 
geben. Ihnen hat K. Gardner wegen ihrer ähnlichen Technik 
zwei GrupjxMi von 'i'rinkgefiissen angereiht, die er mit den 
grossen Schusseln als E/yc-don'l lt//je zusummanhssl {Nriii- 
kratis II S. 'i I )'^. Sie haben aber in der Form weder mit die- 
sen noch mit unseren Augenschalen zu lliuii Die eine Gruppe 
wird durch den Doppclnapf vertreten, den iUioikos im '{'e- 
nienos der Aphrodite weihte [Ndukratis II Taf. 7,1). Fs ist 
ein Napf wie die oben erwähnten geometrischen Vogelschalen, 
inil dcMien er auch durch die ganz geometrische Einfassung des 
Bildfeldes zusammenhängt. Auch die Häufung der Gefässe ist 
eine im Dipylonstile nicht 
seltene Spielerei '. Die andere ^ 
Gruppe ist, wie Fig. 30 (nach 
Naitkratis 1 Taf. 10, II er- 
gänzt) zeiiit, den Voiielscha- .,. ,, 
len wie der Khoikos- Schale 
in dei'l'^Min \erwandt. Ihre häufigste Dekoration ist nach Gard- 




' l'alliU, Allicii. Mitlli. XXll, IS'.iT, S. -272. 

2 Vgl. diizii iuirli Miinay, Siiiilli, ^\';llk'|■s, E.iravaliuns in Cj/i'ru.'i S. IUI. 

•' Din Hcsk' üImt der ((lieioii Schalt', die auf driii Lifiitdiiifki- (lardiicis 
sirlilltar wcrdiMi, riiliri-ii, wii; ans einer von A. S. Miiiiav mir };iili,ust tnil- 
geteillen Ski/.ze liervorgclit, \\o\ nielil vun einem Hamle sdiiderii von einer 
drittf^i Schale her. Anl diesen liesleii sind nämlich die Kmlen der verliea- 
\('\\ lOiiilassungssUiche des liildfeldes, wie sie auch auf den linieren Scha- 
len >.ieh linden, siehthar. 



72 J. BOEHLAU 

ner a.a.O. ein Auiirnpaar, f/Zr// wil/i n coiivciitioiKil (iriuin- 
gcnunt (>/' Spinds öchrcc// thcni to lu'pnsciü ti iiost'. Sicsiiiil 
lins also wcrLvollo /('ii<;en t'iir die IViilu' Ik'liublliciultM* Anucn- 
(lokoralion ini OsLen ; mit der Foiiu unserci' Aui^ensclialcn 
stehen sie in keinem Zusammen lianjic. 

\'or dem (i. .lalirliundt'i'l l'elileii alle Spuren einer randlosen 
Sclialenlorm. \>'as wir aher aus dem (>. Jalirliundert be- 
sitzen, von den jonisclien Au<;ensclialen und ihren atiischen 
Nachahmungen abüesehcn, ist i^anz vereinzelt. Mir ist nichts 
bekannt geworden ausser der Schale des iM'üOlimos Wiener 
Vorle«j;ebUilter l<S(S,S TaC. i, "2, mit (hn' die spätkorinlliische 
Momimcnli X 'l'al'. 5-2 in der Form übereinstimmt, und den 
clialkidisch beeinllussten Masco O/ci^oria/H) II Tal". 7'2,l { = 
Taf. 68,1 Ausgabe /^) und Lau, Tal. IS.I (Miinelien..lahn Nr. 
335) mit den Knopfhenkeln. Fs isl,als ob man die neue l^]r- 
findiing als fremdes hjgentum respektirt habe. Das gilt be- 
sonders von den attischen Werkstätten, die weder die Form 
noch die Dekoration zu eigenen Versuchen benutzen, son- 
dern sie fast zwei Generationen hindurch bewahren , wie 
sie überkommen war. Weder haben sie auf die randlose 
Schale andere Dekorationen verpllanzl, noch die Dekoration 
d(M' Augenschalen auf ilie mit Uand versehenen. Für letzteres 
erinnere ich mich nur einer Ausnahme, die ich 189.") im Nea- 
peler Museum sah , aber die Augen sassen auf dieser Schale 
zu beiden Seiten der Henkel und waren seitwiirls gerichlet. 
Für Übertrauunnen einer anderen Dekoi'ation auf die Auuen- 
schale aber kann ich nur wenige Beispiele anluhren so Mu- 
sco (]rc"j^()ri.(Ui() II Taf. n8,"2 ( = Taf. (i'i,'2 Ausgabe // i ni- 
kosthenischer .\rt und 7-2,'2 ( = G8,''2 ), die berliner Schale 
oben Nr. I 'i und die nikosthenischen Wiener NOrlegeblälter 
1880 Taf. 7.1. -2 und I 8'.)0/'.l I Taf. .5. -2. ."!. \'.)ii .li(>sen ist 
di<' erste m()glicherweise noch selbst joniscli, uiul die übri- 
gen linden eben ihre l'jlJiirung darin, dass sie \on dem iiii- 
beriMdienbaren und stets zum l'^xperimenlii'en atd'geleglen Ni- 
koslhenes herridiren. Übrigens zeigen dri'i \on ihnen wenig- 



DIE IONISCHEN AUGENSCHALEN 73 

stens in dci- InnencJelvoi-ulioii den Zusammenhang mit den 
Augrnsclialcji (vgl. unten S. T'i)'. 

Schliesslich nuiss noch des eigenlünilichen Kusses der Au- 
gensühalen gedaehl werden, wie er an (h^n meisten jonischen 
Exemplaren. aher auch au einer attischen Nachahmung (Nr. 1 I , 
vgl. Nr. 9) aultritt. Seine Vonu erklürt sich wenn man an 
ringförmige Untersätze wie die gliisernen jonischen aus Samos 
(Nekropolen Tal". 15. ](ij oder die höheren thünernen iürAm- 
phoren (Hartwig. Meistersciialen Taf. 7) denkt. Denn aus 
einem Untersatze wird wol dieser Fuss so'Mit wie so viele an- 
dere herausgehildet sein. Auch für Mündungen wird eine 
ähnliche l^'orm in östlichen Kreisen gehrauclit,so an einer un- 
verzierten archaischen Amphora aus Rhodos im british Mu- 
seum, an der Ideinen Kanne in Kassel, Arch. Anzeiger 1898 
S. 191 Fig. 9 und an einer Gruppe bauchiger Lekylhen mit 
farbigen Streifen auf schwarzem Grunde z. B. Berlin, Furt- 
wängler Nr. 11-27. 11 -28; andere F.\emplare in Wurzburg, 
Wien (aus Skopelos) u.s.w. 

I) i e I) e k ü 1' a t i o n . 

Am vollstäniligstcn veranschaulicht die IMiineusschale den 
reichen Schmuck, welchen die jonischen Kunstler für die 
jüngste in der Reihe i\rv Schalenformen hereil hatten. 

Innen eine apolropäische Maske in (\vi- Mille, am llande 
herum ein Bildstreifen. Die Maske kommt ausser auf der IMii- 
neussehale, wo ein spit/.ohriger Silenskopf in Slabeinfassun^ 
dafür gewiilill ist. nur noch aid' (Im wahrselieinlicli joiiischcn 
Schalen 7 und 1 i (mit tlem Nikekopf und dem Kriegerk(ij)f ) 

' Nie-Iil iminlcii'ssiiiil ist, wie der Maler diT psciuln - ciiiciam'r Kaiiiif, 
die aus di-r Saiiiinliiiii; iMHilaiia nach (liiUiii;.;eii i;vlv""iiiicii is| — Ich ver- 
danke ihre Keiiiiliiiss Dillhey.s (iülc — die gesuiiile Dekorahoii mmi einer 
Augen.schale an! dir Kanne üherlragl, die .\iijien, in deren Mille die Silens- 
inaske, nnd /.tischen Alleen nnd .Maske einmal ein (Jewäehs, das andere 
Mal einen .Iiinj^Iini;, dessen llerkinill ans einem ditmysisehen Thiasos man 
noch an den i^nissen (Hel.)Mvei-en merkt. Auch der Maler der tdien S. C,.", 
erwähnlcn atlisclu-n .\m|diora eiillelmi srin,- 1 t..knr,,i j,,|, naiiirlieh vnii einer 
Aiii2eii>eliale. 



11 ,1. HOKIII.Al' 

vor, WO sie (li(> jj;t'\V(')linliclio h'orm einer l^liohosiiuislve lial; der 
hikistrcif findet sich nur aid' (\i'v Pliineiisscliale. Sonst zeinrn 
namentlich die jonischen l'lxeniphire als einzii;e Belehiinu; des 
Inneren das ihonfarhige Kund in tier Mitte ( •?, .'i, 5, (J, 1'2, 13). 
()lVenl)ar giebt uns aher die IMiineusschale niclil eine Aus- 
nahme, sondern das, was iVir die grossen, sorglälliiijen, Inr den 
altischen Markt heslimmlen Stücke die Kegel war. Denn die 
Phobosmaske, das Gorgoneion. ist ein beliebter Schmuck der 
attischen schwarzliiiiiriüeu Au^enschalen. und i^ern wird ihr 
inneres lUiiid zu üinireni'iMchen , conccnlrisch angeordneten 
Darstellungen beniilzl. Ich erinnere an die nikoslhenischen 
Bt'ispielc mit den Schilderungen des Ackerbaus, der Wein- 
lese, diu* Palastra /'Wiener Vorleuieblatler liSS'J Tal'. 7,1.'..'. 
1890/91 Tat'. 5,3), an die aus seiner Werkstatt stammende 
"rosse Schale des Cabitiet des Mcdaillcs mit der Heerschau 

o 

{.]Jonum. deW last. IX Tat'. 9- 1 1 ; Walters B, i-2(»), an die 
londoner Schale B, \'l~i mit dem Thiasos, die mimchener 
Jahn INr. 185 mit den r)up.7TrX£y{j(,aTa, nicht zuletzt an JL.xekias 
gross gedachtes Bild der Ankunft des Dionysos (Wiener N'ur- 
legeblülter 1888 Tat'. 7,1 a), wo dem Gegenstand zu Liebe die 
concentrische Anordnung aut'ijeyeben wird. 

o Co 

Das Gorgoneion wird für das Innenbild der Schale schon 
in der hellthonigen korinthischen Keramik benutzt'. Aber ich 
glaube kaum, dass die Dekoration der Augenschalen auf diese 
Anregung zurückzuführen ist, denn der korinihische Vorgang 
ist. soviel ich sehe, bis auf die Augenschalen ohne Nachfolge 
geblieben. Und vollends fremd ist der archaischen Schale der 
innere Bildstreifen. Kr verbot sich von selbst durch die tiefe 
Wölbung der alten Schale, und wenn die jüngere ihn hin 
und wieder auch angenommen hat - , so bleibt bei ihr doch 



' Poniicc, Jahrbiicii XllI, 1.S!IS, Tat. 12 S. -Jon. 

■^ Mir sind mir wenige licispitilc bclvaniit. So ans kniinlliisclicii Ivici.scMi 
Munum. XI Taf. \\, aus Kyrciic Dullclin de rorr. hell. XVII, |,S'.):5, H. -227,1. 
•JliH.fi Dazu kduiiiicii die 8ill)crselialcu des ."i. .Jaliiliundeits iiniiplr-rriuhi IS8I 
Taf. \,'A-',. Dureli die .Vualdijic der rliddisclien Tt-Iler isl die AusslaUun.ndor 
Scln'issel A'auhralis II Tal'.li mit der coiiet'iilriMdicu Iiiiii'iidi'kni;ilinii /.n ci- 
klärcn. 



DIE .lON'lSr.HEN AUGENSCHALEN 75 

die Beschränkung auf das Mittelfeld Ke^el , das durch eine 
Sehne zur Aufnahme vertikalen lij:;urlichcn Schinuckes her- 
gerichtet wird. 

Beides, Gorgoneion wie Bildstreifen, wird von den Belief- 
schalen entlehnt sein, die in der Art — und unter dem Ein- 
flüsse — der syrischen Metallschalen mit einem Miltelornament 
und concentrischen Streifen verziert waren. Schon Löschcke, 
Arch. Zeitung XXXIX, 1(S<S1, S. 37 hat heide in Verhindung 
gebracht. Unser Denkmälervorrat weist keine genau überein- 
stimmenden Beispiele auf, aber wir können ihre Existenz für 
das 7. und 0. Jahrhundert nachweisen. Vor allem am Schilde 
des Herakles und seines gleichen, den uns Studniczka aus dem 
Wüste von Missdeutungen herausgeholt hat'. Er bezeugt die 
Üekorationsart mit dem Medusenhaupte in der Mitte und den 
Figurenfriesen ringsherum für die Metallurgie des frühen 7. 
Jahrhunderts. Eür das 5. haben wir die cpii).ai vom Zeustem- 
pel zu Olympia und aus dem Schatze der Brauronia CIA. II 
652,/^ Z. f) und (■»()() Z. Ö'i/.jT), ohne andere Verzierung als 
eine Medusenmaske in der Mitte ■^. Zwischen diesen beiden 
Grenzpunkten liegt die Innendekoration der Augenschalen, d.h. 
ihr Vorbild. Auch die archaische Omphalosschale kommt 
hier in Rclraelit mit ihren Friesen im Inneren der Schale um 
den W^x\<jc, herum, der die Stelle dei' Maske einnimmt. Sie 
ist schon in der allkorinthischen Keramik bekannt, wie das 
prächtige Exemplar des athenischen Xationalmuseums (Nr. 
536)beweist, mit den zwei liuKMilViesen, dem einen tanzender 
Frauen, dem anderen ausgelassener bakchischer Dämonen. 
Und die grosse Zahl der aus allen Zeiten antiker Kultur bis 
zumCanoleins iiinab erhaltenen Beispiele der ümphalossrhale 
trägt tleu IJildschmuck innen in concenlrischer Anoi'dnuiig 
um den ümphalos luMiim '. 



' Serla Ilarlcliana S. .")0 IV. 

2 Benndorf, Ulicr den Ur^|iniii{,^ (k'iC.iflpolaknttriiiMi , .lalin-^lu-U.' des 
üslerr. arch. Insl. II, IS'.I'.I, S. St. 

'■• Um t»ei den lU-ispicIeii des (i. und ."i. .lalii Iniiiilri |s /n lilcilicn, erinnere 
|cli an dii' eaimancr Schale Audi. ZeiUmi; ISSI Tal'. .">, an die hionzenen 



76 



J. ItOKHl.AU 



Standes Gor<i;onoions haben auisclie Au^ensclialen ii;elegent- 
licli ein centrales Ornaiiienl im Millelrund so unsere Nr. 17 ', 
oder aiicli einzelne Figuren, so die niüncliener Schalen Jahn 
Nr. 5ß 1 . 1 170. \'2'M) na. lAHzleres wird eine Üherlraunn^ von 
der Dekoration des iMiltelrnndcs der lUindsciialen sein, und 
es ist nicht zu entscheiden, ührii;ens auch ohne Gelang zu wis- 
sen, ob sie gelegentlich schon in jonischen \Verkstiitt(Mi vori^e- 
noinmen worden ist. Frsteres halte ich bei dein enlschieden 
unattischen Charakter des Ornaments für einen Zug-, i\cn wir 
dem Bilde von dci' Drkoralion der jonischen Schale einfügen 
können '. 

Fs sind olTenbar die Aussenseiten gewesen, die durch ihren 
eii^enartii-en Schmuck des weithin leuchtenden weissen An- 
genpaars unseren Schalen ihre Beliebtheit und ihre X'crbrei- 
luniT verschafft haben. Der Schmuck ist alt, und ist von den 

c 

Malern unserer Schale wol zuerst dekorativ voll ausgenutzt, 
abei" nicht von ihnen erfunden worden. 

Sein Zweck ist ursprünglich ein apotropiiischer. Das unbe- 
lebte Dinc; wird sehend gemacht, um seinen Besitzer und Ti'ii- 
ger vor Zauber schützen zu können. Denn mit Augen versehen 
ey.TraXtv SiSop/.e, wie der Phobos am lleraklesschilde nach Stud 
niczkas treffender Interpretation, und man hat sich gegen sei- 
nen Blick zu schützen. Ein Auge genügt für diesen Zweck: 



olviiipisclicii Olympia IV Taf. 52, 880 - ^<8•,^ die iiiil den Siloiiskiiprcii aii> 
(l(;m Kul-Uba Cuinple-rendti 1870 Tnl'. i , '.i. Hl und die scli\vai7.,muiidigcii 
mit bunter Dekoralioii, wie sie in und aii^M'iliaili Alln-ns sicli liudru. Sa- 
ndten kiMuml aucli die Dckoraliou der Ausscuscile vm-, so liei den spälko- 
linlliiselirn Seliali-u iu Kassel, Aroli. Anzeii^er 181)8 S. I'.M I-'ig. Ti, 7, der 
Seliale aus Ol.ympia IV Taf. 5-2, Nr. 88:5 und uauieullieli liäuli.n' an den aul' 
Va.senhildern dargeslelllen, meist mil \i\M\ ■ oder Ivn(»>iM'n\vei k vcrzierlen 
spixÄa;, z. ]}. Munum. l Taf. .Vi und uiuMidlieli nfl auf Darslelluiiiicn vuu 
Symposien. 

' Älinlicl) Lall Tal'. I7,:i, von (;iner Seliale in drr l-'iuin unserer Au,:;eii- 
selialen, dii; aber aussen seliwaiz j^eliruissl ist. 

^ Kaum atliscli snnd(;rii wol aus einer joiiiselicn Weikslall liervoi^i-uan- 
gcnisldie wuiidcrvulle silberne Umplialosseliale AnlujuiU's de la Srijlhic'VüL 
'2'.J,2ir., die um die Wende des j. zum 'i. Jalirbiinderl anzuselzi'ii isl. Audi 
sie ist nur mit einem Millelornamenl reichster Ausbildunj,' verzieil. 



Dir, .lONlSCHKN AIT.KNSCIIALKN 7( 

nur eins Irngon liiiiiliu die Schilde, so der des Kriojiers auf ei- 
nor (lor sclnnicii liolljj;nindi^pn milesisclien Sfdiorlton aus Nau- 
kratis im Brilisli Museum ', und des .lünjilin'^s auf der weiss- 
grundijren altisclien Lekyt.lios Honnei- Studien Taf. 1'2"^. Aber 
wo die Form des auszusLalleuden Gegenstandes die svmme- 
Irische Anbriniiuni^ zweier Au";en ermöi'liclit, wird die Ge- 
legenlieit benutzt, ihn dadurch einem lebenden \\Vsen ähn- 
licher zu tnachen. Seit dem H. Jahrhundert fiintft die Kunst 
an, sich die Sitte in ausgedehnterem Masse zu Nutze zu ma- 
chen ''. Ihr ist es kaum mehr um i\vn schützenden Zaubei- 
zu thun , sondern sie benutzt den Vorwand, um mit einem 
unverkennbaren Humor Lebloses zu beleben und durch im- 
provisirte Interpretationen längst gewohnten Formen neue 
l^eize abzu2;ewinnen. In der Keramik finden sich Auuen 
zuerst neben den sog. Schnäbeln der Kannen mit blattför- 
mig gestalteter Mündung, so an der rrühattischen Oinoclioe 
Jahrbuch II. hSST. S. 'i() Fig. (1. an der br)otischen Jahrbuch 
111, 18<S(S. S. l'iO Fig. -.M , an kyprischen Kannen plifmi- 
kischer Zeit wie Potlier, Vasrs du Louvrc Tal. <S. A I 1 i. an 



♦ Iliillciillicli (Mr;iliicii die Hi'iiclisliickc, vüii (li'iioii NaukrnlisW Taf. ."i,'i-(j 
nuroino iiiigi-migcmlc Voistclluiiii' ücIhmi, hald eine sorgfältiL'e BoarliciUmg; 
uiifl ViMlilVciUlicIuiiiii. Sic sind niclit nur tocliiiiscli und stilislisch licrvor- 
rageiidn Lcishmsieii Jonisclicr K'iinst, sondorn auch inlialllicli wiclilii;. Für 
(las .Xaithralis 11 Taf. ."t,'i aligeliildcli- l'rigintMil liiidi' ich keine andere Deii- 
Uinj^' als die auf eine Danaid(^ mit dem ahgesch laue neu Ilaiiple ihres Bräu- 
ligaiiis. Auf eiiirm anderen schein! I^iiis (uler Aineas IJellinig durch Aphro- 
dite dari^cslelll, den Angritl" des i'eh'us auf Thetis und Alientem^- de>< )d\s- 
seus glauhe icii auf anderen zu erkiiimen. 

'^ Es könnte dies für einen Zusanimenhaui,' mit (h'in iigv|ili->ch<«« Amulet 
des Osirisauges spreclien, an das auf den Augcnschalen auch die -«piralig 
sich einrollende Kaiike unter den Augen erinnert. 

^ Ich kenne von mvkenisehcn Monumenlen kein Beispiel, wenn nicht »lie 
Unigeslailnng des Hankenendes zu einer ArlVngelkopf M\ken. Vasen Taf. 
!}(), ;>(i'i hierher gehiiren sollte, i'^raglich ist, oh die rnndi'n ()ll'nunj,'en am 
Hug der L)ip.\ loiischilVe als Augen gemeinl sind, oder nur dem praklisclien 
/i\V(;ckc als Aukerklüsen dienen. Sonst wän^ das liannnschilV v(»n der Ari- 
slonophosvase der ersif Heleg für die liekannte SchiiVsverzierung. Ungeheu- 
erlich»^ Konse(|uenzi'n ha! diese unter elinskiselnn ll;tndi'M ufliahl: \\x\. 
PoUicr, Vascs ilu Loiivir Taf. J'i, D lÖU. 



«y .1. HOKUI.Ar 

milesisclien, sainisclicn, an scliNvarzj;i'LinLli^eii mit polychro- 
mem Schmuck. Hier hat die schnahelarlige Form des Ausgusses 
dir Aiiiien herbeigezogen, hei Aon melischen Amphoren wie 
.lahrhuch IL ISST, Taf. !".>. 'Ivjr.aec-; i^y. IS«).'^ Taf. h> war 
lue llenkeHorm. auf dem iuiphorhosteller das Ornament die 
N'ei'anhissimg '. Der Maler der samischen Amphora Nekropolen 
S T) \ Fig. 1-2 interpretirt in ebenso überzeugender wie sicherlich 
bewusst humoristischer Weise den Hals der Amphora durch 
Augen und Nase als Gesicht, das nun unmittelbar und ohne 
X'ermittelung eines Halses auf dem dicken Kiu'per stellt; ihm 
ahmen die iMaler der altischen , aber stark jonisch beein- 
(lussten Polyphem-Amphora British Museum B, 15'! und der 
attischen Amphora .1/^/.s^o Grep;or/n/>() \\ Taf. 30,1 (="29,1 
Ausgabe ß) nach. Jonischen Kreisen gehören — direkt oder 
indirekt — wie die Mehrzahl der eben genannten Gefässe, 
auch die oben S.7I IT. besprochenen naukratischen Xiipfe an, 
zu deren hoher rundlicher Form die Ausstatlung mit Augen 
nicht übel passt. Man empfindet diesen Beispielen gegenüber 
deutlich, wie missverstanden und unorganisch die Augen auf 
Schulter um] Bauch attischer Amphoren, Hydrien oder gar 
Jx^kythen angebracht sind. 

Wir haben üesehen. dass unsere Schalen mit d(Mn .Vuijen- 
schmuck verziert waren, als ihre Form in ihren X'erhiiltnissen, 
namentlich dem der Hi'die zur Breite, besser dem mensclili(dien 
Gesichle entsprach. Aber den antiken Markt hat sich die ,\ugen- 
schale in der Form erobert, die unsere Fxemplare zeigen, (Muer 
V<n\x\ die von allen am schlechtesten zu V^ersuchen anthropo- 
morpher Bildung taugte. Wir müssen daraus schliessen, dass 
sich das Interesse nochmals geändert halle, welches man der 
Augendekoration entg(;genl)rachle. Das alte inhaltliidie an dem 
wirksamen Zauber war durch ein formales abgelTtst worden, 
wie wir sahen, dies formale hatte sich mitllerweile zu einem 



* A. S. Mmray vordanko ich iIcmi Hinweis auf zwei andiTc Tfllri der 
i:l(Mclir'ii Zi'il ans Kaniinis im Hrilish Mnsouni (A.li'.IT. (l'.IS), dii-, der eine 
mit /\Vfi,(lcr andcif niil vier Paar y\ng(!n und Nasen da/.«isclirn uin.inii'n- 
tiit sind. 



I)il: .iomschdn aimiün^chalkn 79 

ausgesprochen inal<Misclien »ewandell, flem alles an einer be- 
friedigenden N'erLeilunü; von Hell und Dunkel lau. ^fan ver- 
i;Iei<;lie ein einl'aclies Heispiel wie Xr. <S. Das Weiss der Augen 
liält die dunkeln Slellcn des Feldes zusammen, die sich sym- 
metrisch auf beiden Seiten wiederholen: die Augensterne 
und die Palmeltenfjicher. Zwischen diesen Flecken spielt, den 
Grund belebend, ein lebendig loses iJniengesehlinge, die ran- 
kenartig gezeichneten Ohren, Nase, Augenbrauen. Dem fein 
abgewogenen VVeclisel von Weiss, Rot und Schwarz auf dem 
gelblich- rötlichen Grunde lässt sich ein koloristischer Heiz 
ni(dit absprechen. 

Mit dieser Hichtiuig des Interesses des Malers erklärt es sich 
au(di. wie die Menkelpalmetten von der i^andschale her bei- 
bclialtcn werden konnten, die zu der Ausstattung mit Augen, 
Nase und Ohren so wenig passen. Der Maler des 7. Jahrhun- 
derls hätte sie der vollständigeren Illusion wegen wol unter- 
drückt oder zu ersetzen gewusst'. 

' Es gielil noch zwei oder drei Vaseiil'onii(.'ii diesL-r Zeit, die almlicli kmi- 
■>laiil wie unsere Sciiale an dem Schinucke der Au},'en feslhallen.der aiit die 
aiidrrt'n — Amphoren, Ilydrien ii.s.w. — nur gelegentlich übertragen wird. 
Das sind in erster Linie die Kelle oder .Scliöpftasse mit lioliem, meist pla- 
sliseh ausgestalteten Henkel, modern g(5W(ilinlieh /.jaOo; genannt ( Mieali, 
Munuin. inrd. Taf. ".)',), 'i-li. Lau Taf. lü,L Furlwängler, Berliner Katalog Nr. 
•AI8'.)--J(I'.)8| sodann der sog. (iaaTÖ; (Mieali ebenda Taf. 09,2. Lau Tal". iy,4, 
München, Jahn Nr. :!.").'i. Würzhurg, Urlichs Nr. 'i27. British .Museum, 
B. (181 ; das älteste mir ln-kannle Beispiel der Form, dies natürlich ohne 
Augen, ist das altkdiintliisehe im athenischen Nationalmiiseum Nr. rr^.") ) 
und endlich der Napl mit altstehendem Rande, mit oder ohne Henkel, /.. B. 
Köm. Milth. XII, IS'.IT, Tai' IC. Lau Taf. r,l,(i. Mastos und Napf verzichten 
liäuliger als die Tasse auf die Augen. Diese drei Gefässformen, hesonders 
di(^ beiden ersigenaniilen haben auch das miteinander und mit der Augen- 
seliale gemein, dass sie ihre Figuren oder ihre Darstellungen, welche die 
Augen gelegenilich verdrängen, meist dem dionysischen Kreise entneh- 
men, und dass >ie viel (.iebraueii \oii den Hebzweigen machen, wie unsere 
Nr. ll,l'i u.a. Der Hiim. Mitlh. XII, 18'.I7, Taf. 12 abgebildete Napf trägt 
das stark joniseli anmutende Bild einer gellügellen Alhen(\ Die l•^>rm der 
Tasse wird von Nikostlienes ge[»flegl, der zwei seihst signirt (Klein- Nr. 
rj'i.öri), und Nikostlienes steht auch s(mst in Beziehungen zu der Fabrik 
der Augenschalen. Di-r Sehluss liegt nahe, dass alle drei Formen dieser 
enislammen, es ist mir aber nitdit gelungen, ihn durch den Nachweis eines 
unzweifelhaft Joniselien l-lxemplars biindig zu machen. 



80 .T. noi: iii.au 

DtMi vollon Si'lmuiek (I(M' Aiii;on, Nasr und OIiiumi (r;iii;on 
Ikm woileni nicht alle Sclial(Mi : Imif zoi^en ilin auf hoidon Sei- 
len(*l. \S, 10. *|-2, *I3). eine auf {\ev l^iickseile (*.'>). Auf 
der Vorderseite von *5 sowie auf den beiden Seiten der übri- 
njen wii'd die Nase durch einen Kopf, eine Maske oder eine 
Kiuiir ersetzt (*"2, *3, *(>, 7, II, I i fi". ). Die Piiineusschale (*l ) 
scliiebt figürliche Darstellungen an Stelle der llenkelpalmelten 
ein. Ks wiederholt sich hier also der Voroanuf. den wir in der 
korinthischen Keramik und an den samischen Fikelluravasen 
beobachten kininen. dass eine ursprünglich rein ornamentale 
Dckoralion durch Eintugen von figürlichen Darstellungen ge- 
sprengt wird, die einem gr()sseren Zusammenhange entnom- 
men sind. Der Process, welcher sich schon auf den sicher 
jonischen Originalen anspinnt, vollendet sich auf den attischen 
Augenschalen, wie Nr. 17 sie repräsentirt. An Stelle der Ein- 
zelfigur werden kleine Darstellungen in der Mitte eingeschoben 
und ihnen zu Liebe die Auo;en zur Seite "erückt und die 
Ohren beseitigt. Schon der grossen iMasken wegen ( J I und 
1 'i ) war zu diesem Auskunftsmittel gegrilTen. Schliesslich 
weichen unter Umständen auch die Au2;en der über das "ranze 
liildl'eld ausgedehnten Schilderung. Wieweit hier noch joni- 
sclie Vorbilder massuebend wai-en. muss zunächst Zweifel- 
haft bleiben. Jedenfalls ist unter den sicher jonischen Schalen 
keine, die eine mehrfisjuri^e Darstelluns; zwischen den Auü;en 
aufwiese. Wol kann das Beispiel der Phineusschalc dazu er- 
mutigen auch das pyinschieben von solchen schon für die jo- 
nische Fabrik vorauszusetzen, imd es i»iebt Bilder auf attischen 
Augenschalen, die man gern auf Vorlagen von derscdben Stelle 
jonischer Schalen zurückfidiren möchte. Ich erinnere an den 
auf dem Seepferde reitenden Nereus bei Gerhard, A. V. 'i'af. 3, 
der als Schutzherr ties Weines iur Anika eine ungewidiuliche 
Darstellung ist, (U'innei'e an die gciirclial't aufgefasste Scencv 
wif Herakles im Olwalde den uemeisehen Litwen abhiiutet, 
Gerhard. A. V. Tal". I33. !;;'., I . •.> und Jahn Nr. :.(;:{= Lau 
Tal, 17,1 : man suche in attischen Kreisen eine Parallele zu 
dem Bealismus in der Schilderung des grünenden und des vor- 



DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 81 

trockneten Ölbaums auf dein münchener Exemplar'. Aber 
andrerseits fällt docb die Ziirückliallung auf. mit der die jo- 
nisclie MalertM die urspriinj^liclien Bestandteile der Dekoration 
der Au^^enscliale durch figürliche ersetzt. Es selieint, als ob 
diese im Wesen der jonischen Kunst begründet liege 

Man bat für den geschilderten Vorgang der Sprengung ei- 
nes ornamentalen Zusammenhangs durch figürliche Darstellun- 
gen in der korinthischen iVIalerei wol die Krklärung gefunden, 
dass das Ornament in Folge der aufkommenden Erzählungs- 
lust allmählich durch die immer reicheren fisrürlichen Dar- 
Stellungen verdrängt worden sei. Die Eifahrung, dass ein 
Neues in der Kunst sich nicht tropfenweise einstellt, hätte vor 
diesem Irrweg bewahren sollen. Auch bandelte es sich in der 
korinthischen Malerei nicht um etwas Neues, um die er- 
wachende Lust am Schildern und die herangereifte Fälligkeit 
dazu, sondern um den Ausi>leich zweier verschiedener Deko- 
rationsslile. Analog ist rlas Auftreten der Figuren auf den 
Fikellura- Amphoren und auf unseren Augenschalen zu be- 
urteilen; die Figuren sind aus einem anderen Zusammenhange 
entlehnt, nur dass wir die Quellen vorläufis; nicht kennen, 
aus denen die Maler sie geschöpft haben. Nicht naive Er- 
zählungslust ist es also, welche die Figuren auf die Aussen- 
seiten unserer Schalen bringt, sondern ein wol überlegtes Expe- 
riment. Die leeren Innenseiten grade der jonischen Schalen, 
von der Phineusschale abgesehen, beweisen zur Genüge, dass 
die Erzählungslust nicht so gross war. Auch wissen wir jetzt, 
dass die Jonier in ihrer dekorativen Kunst. die wir Itisher allein 



' Ähnlich iiiüchti' ich liculc lihcr die fiii Allika zu iiiii:c\\ü|iiilichcii solilan- 
gi'nit'ihi^'cii N.ym|)licii iiml ilio '/At'y^v.w im Wcinh('ij;e auf tliT iiiiiiichcncr 
Sclialc 'iliS .Jahn (l'hihiluKiis LVII, 18'.)8, S.r.i;{| iirtcihMi. I^as liäuli-ieiv Voi- 
koninicn von Dai-.stellungon.dio von den aUisclien Bildern in dcrAulVassnng 
oder im Inliall ahweiolieninnerlialh eine r Vasengatlung heslärkl den Ver- 
dacht IVennlcr llerkunü, der sich für jede einzelne schwer Iteweisen lässt. 
Den ohij;«'!! Beispielen wiire vor allen der Silen anl" der iniineliener Schale 
GUI Jahn anznreihen, der anl' einem l'elsen in Vordei ansieht silzend die 
Doppciriöle bläst. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X.KV. 6 



8v j. HO khi.au 

kennen, von nichts woiler eiufernt waren, als von dctn NN'un- 
sclie zu er/älilen '. Aul' den klazonienisclien Sai'koplia*j;en sind 
die oberen Felder kaum etwas anderes als Ornainentslreil'en, 
deren Clement die inensehliclie Piii;ur isl; jeder noch so scharf- 
sinniäe N'ersuch cinei' Deulinii; niusste hier scheilern. Danach 
sind auch die liilder auf den Aussenseiten der Augenschalen 
zu heurleilen. Der Maler versucht auf den nicht nur lür 
den heimischen Markt, sondern auch l'ur den Kxport berech- 
neten Schalen die l^intönigkeit zu vermeiden, indem er die 
allen Heslandleile der Dekoration diiich malerisch gleichwer- 
liiie aber inhaltlich reichere ersetzt. Ev könnte auf diesem 
VVeue natürlich auch bis zur Fintührunu; von Darslellun'»en 
iielanat sein. Aber dies zu erhärten man<<elt das Material. 

Mit liestimmtheit können wir dagegen eine andere Durch- 
brechung des ursprünglichen Dekorationss^'slems als schon in 
lonien erfolgt ansprechen, nämlich die Anordnung der Strah- 
len um das Unterteil der Schale, wie sie Nr. Kl und I 1 zeigen, 
und wie sie dem weitaus grössten Teile der attischen Augen- 
schalen eigentümlich ist. Die Veranlassung zu ihrer Finfüh- 
runü; ist verständlich. Sobald die Henkel wieder tiefer am 
Körper der Schale angebiacht wurden, dem wolbegründeten 
Brauche der griechischen Keramik entsprechend (s. oben S. 
bO ) , ver£;rösserte sich auch der Bildstreifen. Dies geschah 
aber auf Kosten der schwarz gelirnissten unteren Hälfte, die 
nun in ein Missverhältniss zu dem oberen hellen Teile kam, 
dasdurch den üblichen. das schwai'ze i^^dd schneidenden llion- 
farbigen Streifen eher verschlimmert als verbessert wurde. 
l<'io. I!) giebl eine gute Anschauung daxon Man half sich, 
indem man den unteren Teil (hd\orirle: man setzte die Schale 
in einen Blatlkorb.d. h. umgab den Fussansatz mit Strahlen. 
Dass dies schon in den jonischen Werkstätten geschehen ist, 
beweist die von aller attischen Art abweichende und dennoch 
bei den Augens(dialen fast unveibrüchlich beibehaltene Art der 
Strahlen. Sie sind nämlich nie alle s(diwarz gefirnisst, sondern 



' \'gl. Wiiilcr im Arcli. Au/.rÄ^i'S IS'.IS S. 1701'. 



DiK Jonischen .auciknschalkn 83 

entweder alle lliongrundig, oder, und das ist die Regel, ab- 
wechselnd scliwaiz lind llionf'arljiii:. iidlrnisst und konturirt. 
Ks ist eine eclit jonisclie ZierlicIilvHil uder besser gesagt Freude 
an lebhaftem Farbenwechsel, deren nächste Parallele die ab- 
wechselnd schwarz weiss und roten Strahlen der cäretaner 
Hvdrien sind. In i\t^\' attischen Keramik ist diese ßehaiidiung 
der Strahlen ebenso ungewöhnlich wie etwa der doppelte 
'Strahlenkorb'. Ich kenne sie wenigstens nur von attischen 
Augenschalen und ausserdem bezeichnender Weise von zwei 
Kannen des Nikosthenes (Wiener Vorlegeblätter 1890/91 Taf. 
4,1/2), deren eine auch in ihrer Ornamentik entschiedene 
Anklänge an die der Augenschalen zeigt'. 

Gleichfalls durch die heruntergerückteu Henkel bedingt und 
deshalb ebenso gewiss wie die Strahlen schon ein jonisches l)e- 
k(jiationselement sind die Weinstöcke, die unter dem Henkel 
aufwachsend durch ihre Kelten sowol den neu entstandenen 
leeren Raum liber dem Henkel füllen, als auch, die IbMikel- 
palmette ersetzend, zwischen Augen und Henkel sich lullend 
einschieben (Nr. II. 1 'i, 17). Die geschickte und anmutige 
Verwenilung des pilauzlichen Motivs fugt sich gut in die \'or- 
stellung, die wir nach dem Bihl»^ der Rückseite der IMiineus- 
schale mit seiner reichen Schilderung vegetati\en Lebens, dem 
Palmbaum und der epheubeschalleten Ouelle, von der Male- 
rei ihrer Heimat machen müssen. Auch das Feigenblatt ge- 
hört in diesen Zusammenhang ( Fig. I 'i ), und unwillkürlich 
richtet sich dei' Rlick wieder auf die Hiiiime der mimcheiier 
Augenschale Jahn Nr. 503 (Lau. Taf. 17.1), den grünenden 
und d(Mi vertrockneten Ölbaum, in der attischen Malerei des (1. 
Jahiliuiiderts beispiellose iMscheimingen. So zeugen auch die 
Reste der ^mischen Kunst, die uns hier beschäftigen, Inf den 

' Vgl. unten S. 88. Keinen iiiiiiiiUi'lli;in'ii Ziisaiiiiiicnli.niu mit tirii .""^ir.tli- 
len unserer Sclialeu lialicn tlii> aliwtH'lischul hellen uml iluiiklcn Slialileii 
auf der IVülialiiselien Dose .iaiiiliueli II, ISST, S. ri."i Ti:;. 1',). Für sie isl das 
hell und dunkU; Flt^eliUiaiid dt;s niüneh(>ner iVüliaUisi-hi-n Kännehens hau 
Taf. 7,'l inid dir ;ti;iui'lisclie Kaum' Allieu. Millh X.Kll, IS'.IT, S. 3!:t mit 
dem weeliscliiil Ih'II und duulvlcii llahurnameul, die Aris(uuo|)hu»vase mit 
iliien Koselleu u. a. zu veigleielien. 



8-4 J. BOEHLAU 

stark realistischen Zui;. tliM- uns so oft an ilir überrascht. Es 
ist, als ob das Interesse der niykenischen Periode auch an den 
niederen Oriianisrnen, wie an Pllanze und Muschel, in der jo- 
nischen Knnsl weiterlebte, während es im Mutterlande durch 
die seomelrische Periode mit den Wurzeln ausgerottet ist. 

Und noch liir etwas andcM-es ist der Weinslock auf den Au- 
iienschalen ciiarakleristisch : es ist echt jonisch die Trinkge- 
tässe mit dem i^reise des Gottes Dionysos und seiner Gabe 
zu schmücken. 

Wol ist man auch im Mntterlande frühzeitig; auf den Ge- 
danken i>;ekommen, die für das frohe Gelage bestimmten Ge- 
fässe anders zu dekoriren als mit den Schilderungen des llei- 
renlebens. mit den immer wiederholten Thaten der lieben 
Heroen , mit den ei-müdend eintönigen Tierreihen. Aber 
man kam aus den stoillichen Grenzen nicht hinaus, in de- 
nen sich ilie Kunst nun .lahrhunderte lano- beNNCiite. Schil- 
derimgen der Zechgelage im stets wiederholten Typus der auf 
ihren Klinen lagernden Männern mit den Tischen vor sieh, die 
Schalen in der Hand, und Darstellungen der hässlichen dä- 
monischen Tänzer grotesker Bildung und bäurischen Hu- 
mors, in den stereotypen Bewegungen des Kop^aH : das ist al- 
les, was die miitterländische Kunst zum Preise des Weines zu 
saeen weiss. So war es in Korinth : ich brauche keine Bei- 
spiele anzuführen. So in Attika, wo wir auf den N'asen aus 
Vurvä die eiste Darstelluno; eines Gelages finden (Athen. 
Milth. XV, 1890, Taf. 12, 2), und wo die tyrrenischen Am- 
phoren uns die Komostänze in zalilreichen Beispielen vor- 
führen. So scheint es anfangs auch in der jonischen Kunst 
gewesen zu sein. Wir IretYen die gleichen Tänzer auf den sa- 
mischen Fikellura-Amphoren, auf dem spätmilesischen 'l'eller 
Nauhdtis II Taf. II, 1.2, und auf den grossen Kesseln 
(den sog. Deinoi),die zur Gattung dei- Northampton - Amj)hora 
gehören'. Aber in lonien ist zum ersten iVIale der Bann alter 
Trudition durch einen neuen Gedanken durchbrochen. Man 



« Nacii I^jüier, /;. C. IL 189.3 S. \Vi bei Endl, Beiträge S. 21. 



DIR JONISCHEN AUGENSCHALEN 85 

Stellte den Spender des Weinstocks, den flenn alles Wer- 
dens und Wachsens in der Natur, den Gott Dionysos selbst 
dar, begleitet von der wilden Jagd derSilene und der von die- 
sen unzertrennlichen Nymphen', und die Scene ihres 'J'rei- 
bens, vorher kaum bezeichnet, wird jetzt durch die Weinstöcke 
und Heben als des Gottes eigenstes Gebiet, die W'eint'elder 
draussen, charakterisirt. Die neue tlionysische Malerei, um sie 
kurz so zu bezeichnen , hat dem freudlosen Wesen der fest- 
ländischen Dickbiiuche ein rasches und «friindliches Rnde ge- 
bracht. Ihre \\ irkung in ihrem ganzen L'uit'ange zu ermessen 
und zu würdigen, ist heute noch nicht möglich. Aber dass sie 
gross war, fühlen wir. wenn wir etwa die dionysischen Sce- 
nen der Phineusscliale mit den besten Darstellungen der Ko- 
mostänzer vergleichen oder wenn wir sie mit der Erzählung 
der Phineusgeschichte auf der einen Hallte der Innenseite zu- 
sammenhalten 2. Dort nichts, was nicht ein clialkidischer oder 
attischer Maler ebensogut dargestellt hätte: die ganze unper- 
sönliche, konventionelle Feierlichkeit archaischer Darstellungs- 
weise, liier frischestes, ungebundenes Leben, rasch aufgefasst 
und keck geschildert. Wie selbst ein Amasis lebendig wird, 
den sonst die Fesseln der Konvention und der csavÖTr,; am 
engsten umschliessen, wenn er von Dionysos und seinen Ge- 
treuen erzählt, zeigt die wiirzburger Amphora, die Karo im 
J.H. S. XIX, 1899, Taf. :^ veröffentlicht hat. In den dio- 
nysischen Scenen war der Malerei ein Stoff geschenkt, an dem 
sie ihre Kräfte frei und voll entfalten kuniilf. liier halte noch 



' Es ist eine interessante Bcobaclitung Thierschs (TvnlKMiiscIie Ampho- 
ren S. 23f.), dass aut den alleion lyncnisclien Vasen noch die t-'iaucn IVh- 
len, und dass gleifhzeiliK niil den l'ranen auch die vSik'iic erscheinen. .\uch 
in der korinthisclien Malciei konnncn tanzende aher hekieidele l'ranen 
in Geselischall der Koniaslen erst .ml (hii spaten .Schalen vor (ebenda 
S. '29 Anni. 1). Diese diinionischen und menschlichen Koinaslen dienen 
ihrem Herrn — denn das ist Llionysos, der auf dem Toller yaukralis II Tat. 
il, I. v' unter ihnen weilt, und den sie auf Liischckes jonischem Am- 
phoriskos he};leiteii — andi'rs, einseitiger als ihre jtiuischen Veitern. 

- .Vlinlieh ist der Unlcrschicd auf der von l>öscheke nachgewiesenen ca- 
slellanischcn Amphora aus der Fabrik iler Augen>chalcn, s. unten S. 95. 



86 .1. noKHi-AU 

keine Tradilion den Tvpiis jeder Scene festij;ele<i;l, . von der 
AiilTassunj; des iMonients Itis /.u den Motiven der handelnden 
Personen. Tnd eine VüWe dankitarer Aufsahen, einen Reich- 
Uim an Motiven harjj; er in sich, die zu schr)|)len und zu ge- 
stalten Generationen von Künstlern voMaui' geniii; hatten. 

NW» diese neue dionysische iMahM'ei zuerst aiiliiiekounnen ist. 
wissen wir heule uocli nicht. .leihMilalls ahcr hatte die Meiuiat 
unserer AugenschahMi keinen geringen Anteil au ihr. Die See- 
neu auf der Phineusschale gehitren zu dem Besten, was uns 
von ionischer Malerei erhallen ist. Und keineswegs üherall 
in Jonien hatte die Kunst volles Verslänilniss für den neuen 
SlotY oder Kraft genug, ihn sich anzueignen. So unterscheidet 
sich das Gehahren der Silene auf dem Kessel B.C. II. XV'II, 
1(S9.'?, S. i'2'i h^ig. 1 trotz der eingefügten Nymphen wenig 
von dem der Komasten,<lie eigentlich auf der Gattung zu Hause 
sind ( l<:ndt. Beiträge S. ^M , Nr. XII. XIII, X\' ) Liul auch 
auf den dionysischen Darstellungen der unten (S.IKS Anm. 1) 
zusammeng(\s|elit<Mi. wo! ostgriechischen Vaseuklasse, und auf 
den(Mi der schwarzligurigen Vasen ist nicht viel von dem Bealis- 
mus zu spüren, der die Malereien der Augenschalen durchweht. 

Wo wir aher den Ursprung der neuen Malerei auch zu su- 
chen hahen. wir werden sie nicht auf den Gefiissen entstan- 
den und ausgehildet denken, sondern auf den Wändet» eines 
Dionysostempels imd ^Wv Bankelthallen der Vornehmen h^ine 
Malerei wie die. von wcdcher die Augenschalen zeugen, ent- 
wickelt sich nirhl an rein dekorativen .Vufgahen, und die jo- 
nische Kunst hat an dem dekorativen Gharakter der Gelass- 
tnalerei stets festgehalten. Die detaillirte farhige Ausstattung 
der Kopfe auf Nr. *'2, *5 wies uns schon liher die Geläss- 
malerei hinaus. 

Von der Ornamentik <\cv Heimat unserer Schalen kiuinen 
wir nur schwer eine X'orstellung gewinnen weil wir zunächst 
no(di auf die ausschliesslich mit den Augen verzierten Scha- 
len angewiesen sind Zweierlei liissl sudi feslslclleii. was Ikm 
Nermehrtem Maleriale eiuuial ziu' Lokalisiruug i\rv Sclialeii 
heitraaen kiinnte. 



Dil: .[(»NISCHEN AIJGKNSCHALKN 87 

l*]inm;il der riclii'.iiic.li einer (iimcwitlinliehfn Lotosblumen- 
lonii. die si(;li aiil" I ('» lind 17 findet. Da sie unallisch ist, auf 
zwei mit den jonisclien Auf^ensclialen znsainmenliän^enden 
allisclien Schalen — wenn IG attisch sein sollte — anftrilt, 
und da ausserdem Nikoslhenes sie tj;leichfalls auf einer Au- 
o;enscliale verwendet ( Vorle^ehlätler 1890/91 'l'af. 5, li), so 
dürfen wir sie wol der jonischen Heimat (\ev Au^enscdialen 
zuschreiben. Sie unterscheidet sich von der gewöhnlichen da- 
durch, dass sie in den äusseren Kelch einen zweiten inne- 
ren selzl, lind in diesen ein Mittelblatt, oder ein Mittelhlalt 
zugleich mit raiimfullenden losen I*almettenbUiltern zwi- 
sehen den Kelchblältern. Rrsteres findet sich auf der Niko- 
slhenesschale , letzteres auf der Fij;. •?.'^) abgebildeten Seite 
der Schale Nr. IG deutlich, weniger klar auf dem Innenor- 
nament von Nr. 17. Die Fi«». "^ 4 ab";ebildete Seile von Nr. 
IG unleidnickt den zweiten Kelch und das iMiltelblatl und setzt 
die lullenden Palmettenblätter unverständlich iienui; isolirl in 
den liaiiptkelch : die andere Seite hilft diese Abkürzung ver- 
stehen. h]s ist die Frage, ob diese j^'orm mit der besonders aus 
i\e\' Ornamentik der milesischen Vasen uns geläufigen fünf- 
blällerigen Lotosblume zusammenhängt. Diese ist im 7. und G. 
.lahihiindert nicht eben häufig, kommt aber grade in ioni- 
schen Kreisen hier und da vor. z IV auf den cärelaner und 
auf den pontischen Vasen. Daneben ist aber eine andere Mög- 
lichkeit zu erwägen, nämlich, dass der äussere Kelch aus ei- 
ner lieliandliing der äusseren Kelcliblälter hervorgegangen sei. 
wie ihn z U. eine cärelaner llvdria (Fndt. Beiträge S. I i .Vldt 
7), dit! seliminter Simen (l)()r|)leld, Verwendung von Terrakot- 
ten am Geison und Dache griech. Hauweike Berlin ISSI/j'af. 
?. ^ .'?) u. a. zeigen, wo d(>r untere Teil dieser Kelcliblälter 
vom ober(>n, auch durch d\v h'arbe, gelrennl und selbständig 
gemacht isl. Die Voiru unserer .Xugenschale kommt wieder 
vor auf den manierirlen .Vmphoren, für Lolosblumen sowid 
wie für den Donnerkeil des Zeus'. Auch hierdurch werden 



' D<Mailig stilisiiti.' Hliiiiirii liinlrii sich aiif ilni Am|ilHin'ii Münclion TC 



88 



J. BOKHI.Ai; 



wir auf den Osten »ewiesen. zu dem diese Vasenklasse die 
allernächsten Kc/iidum^en hat. In Anika kann ich sie nur noch 
einmal nacdiweisen, niindich aid" dei' Sima von der Akropolis 
Denkmäler I Tat". ;i8, B,\>. 

Wichtii; für die Cdiaraklerislik dei' ornamentalen Richtung 
der Kiinsl in der llcimal i\vv Aujj;ensclKilen ist neben der Lo - 
toshiume die eii^enlundiche Uankenfiilirtinj;, wie sie aul" \r. 
17 seitlich von den ueüenständiircn r)lumen spielt'. Sie lindet 
ihresi;lei(dien in den llenkelornamenlen einer kleinen Gruppe 
weissüirundiuer Oinochoen , welche der Werkstatt des Niko- 
sthenes entstammen oder doch in nJiclislcr N'erhindun«:; mit 
ihr stehen, «ileichzeilifi aber durrh ihre hellen und dunklen 
Strahlen sich zu unseren Auj:;en schalen stellen ^ Dazu kommt 
von dem mir erreichbaren Materiale ein iMa- 
stos des British Museum ( B, 6(Sl) und dif 
Fig. 31 abgebildete Kanne des berliner Mu- 
seums Furtwängler Ni*. 19'?'2 , deren un- 
gewöhnliche Form und Dekoration es nahe 
legt, in ihr die Nachbilduni' eines fremden 
Fabrikales zu sehen \\ ir linden hier überall 
die langen , meist ladenartig gezeichneten 
Kardien , die in sehr weiten Schwingungen 
von ihrer Wurzel ausijehend eine kleine i.o- 
losbliiteauf der Spitze tragen. Charakteristisch 
fiir sie ist.dass sie in ihren Finbiegungen sel- 
ten spiralige Finrollungen oder Palmetlen ansetzen lassen ; 




(Karo .I.II.S. \l\ 1899, S. lülMF. II, Ki) iiiut .■iiiciii iMapim^iil im Miisro 
)iiunicipale zu Oivieh» (Kani a. a. O. II, l."t?i; nin gleicli slilisiitcs I5lit/,- 
tniiKli'l auf flor oivielaner Auipliora iu Kloienz (Kam I. I ). 

' l'uii\\;iiif>tf>r '\\n ti(;iiiufr Kalaln«? > vprpleichl (Iniiil nchlij; das Mitlcliu 
iianifut ilnr aUiscIuMi Aiigcnsclialo Lau Tal'. 17, .i das (iljeufalls idiiisiil. 
\'oii dr.'u Kaiitkf'ii aligcsi-licu eiitspriclil die Slilisiiiiiip flrr Knos|M'ii der auf 
dem S. 79 Amu. I gcuaniilr-u Maslos. 

^ Es sind dif v(tu Nil\(»s||icnps siguiitin Uiudrlinru WnMii'i \'ni IcLrciiial- 
\HT 1890/91 Tai", i, I uuil ;'. daiiu «li.' Lcidr-n uiclil sipiiiilcu limdonci H,(;;'ll 
^^J.II.S. I Taf. Vi und (i;'| und dj(> mci kwürdipc Kaiiuo ('i>llrrlii,n A. Ca- 
atellani, 188'i, Taf. I niil der i,il\viu, die dfu l'jlirr uicdüi icissl.di'f saugen- 



DIR .lOMi^r.HKN AUGENSrHALKN 



89 



SO bekommt (las Ornamont ftwas Leeres. Paflenarfiges. Die 
Linie der l^anke \Nir(| als das naii|(lelement emptiinden und 
heliandell. und diesen l'^iiidriick verstärkt die nehensäcldiclie 
Reliandluni; und Kleinlieil der kritnenden leinten. Das kleine 




l'i«-. ;{h 



Ilenkelornanient auf Fij;. 1!). •.'() stimmt ^iit damit uberein, 
und es will mir scheinen, als ob die rankenarti^e Zeichnung 
um die Augen herum, wie sie sorgfältige I'^xemplare zeigen, 
i)esonders die N'erbinduni; der Ohren unter den Aujien hin- 
weg in diese Kichtung der Ornamentik hineinpasse. 

Die Analogien zu diesen Bildungen sind bekannt. Die Pianke. 
ni(dit nur in einseitiger l'^ntwickrliing als Slreifcnoniauieiit .son- 
dern auch in melirseili<jer, als von einem Punkte ausu;ehendes 
Cenlralornament. ist ein riiema, über das sich die griechische 
Ornamentik scIkhi in. S. aber namentlich im 7. und (i. Jahr- 
hundert in iiiiendliclien \'ai'iali(iueii eruehl'. liiler diesen 



den Kuli, ficm lli<'ü:<^n<lf'ii Adler iiihI ilciii ii;itiii;ilistisclirii liaiiiii, dti aiuh 
auf B, HxO >icli (iiidrl. hic l;.iiikin kdiiniirn ,nif den licidcii loiKlinii'r iiml 
auf der pariser .NikosUieiies- ( )iiincli(ie vor ( H-nieiusaiii ist diesoii Kauneii 
mit den >.~i'J Aimi. I atil^ezahlleii (ielasseii iilii i:,'eiis die N'orlielte für pla- 
stisclie Verzieniiij; diireli Ktiiife, Sclilaiit;eii ii.s.w . die sicli aueh auf der al- 
tisclieu Auj:;eiiscliale in Herliu l'iMl\\aiii;ler .\r. .Ml.".;* in sinmd.irer \\'ei>e 
äussert: zwi.sclien l-'iiss uml i\iii|ii'r der Schale jsj lijcr ein niannlielM ^ ( llied 
plasliscli angeliraelit. 

' Mil dorn Vfin einem Millr||iunkl aus /.\\ei - nd.'r vier>eiii^ >icli entwickeln- 



90 J. HOKHI.AU 

nehmen die ohen ziisammengestellteiK welche wir (Km* l'^ahrik 
(h^r Augenschalen zuschieihen zu können glauben, einen selir 
beslinmilen und (hirchaiis charakleristisehen Slandpunkl ein. 

Zeit und II ei mal. 

Die zeitliehe Anselzung der Augenschalen wiinl durch ihr 
X'erhiiltniss zur attischen Keramik erleichtert. Ihre Entste- 
hung, d. h die des Typus, muss spätestens in den .Anfang des 
0. .lahihunderls lallen, da nicht lange darauf Kxekias ihn 
schon vorlindet und verwendet. Dieser Ansatz stimmt zu den 
Seliälzungen , welche für die Keste jonischer Keramik heule 
ver.iuchl werden können, und die im Wesentlichen auf der Da- 
tirung der griechischen Ansiedelung in Daphnii unil auf dem 
Vergleich der klazomenischen und attischen Malerei heruhen K 
Die t'ihallenen ionischen Auüenschalen bestimmten .lahrzehn- 
ten des Jahrhunderts zuzuweisen, fehlt jeglicher .Anhalt. In 
Attika ist der Typus besonders von der Generation des Ni ko- 
st henes gepllegt worden. Seiner W'eikstatt oder doch seiner 
Richtung; «»ehört die ij rosse Masse der erhaltenen attischen Au- 
genschalen an. Der Kreis des Rpiklet übernimmt sie nach ihm 
als einen der llaupttypen seiner h]rzeugnisse 

Weniger biindii' ist, was sich über die Heimat der Au'^en- 
schalen feststellen lässt. 

Alphabet und Dialekt dw Inschriften der Phineusschale 
lehren in unwidersprechlicher Weise, dass sie in einer joni- 
schen Werkstiitle entstanden ist ^. Dort sind also auch die oben 
als sicher jonisch bezeichneten Sidialen gefertigt, und dort ist 
der 'l'ypus überhaupt geschalTen worden. 

Das in Fraire kommende Gebiet hat hjidl, Beitrages. 'M 
einzusclii'iitdven versucht, indem er die huelislabenformen für 
inseljonisch erkliirte. Nach Hulles imd meiner Revision (oben 



(loii I{;iiits<'ii iiiil I'aliiitM'.cii iiiul liliiinciihilimii;- iiml Kiiiminj; li.iii^;! aiicii 
<lif llciikflpalmctle ziisarnincii, die von ji'iiciii ali.uM^ioilfl ist. Ich Imllc driii- 
riaclist aiisriilirlicl) aiil' din i'"rago ziinick/.iikomiiieii. 

' Zalm, Allii'u. MiUli. XXIII, 1898, 8. r,4. 77. 

- Krcischiner, Griecliisclic Vaseninscliriflcn S. ö5 f. 



DIR .lOMSCHKN AUGENSCHALEN 



91 



S.47fF.) fallen die Gründe für diese ikhauptun-j; fort, vor al- 
lem der einzij^r wiclilij^ere, dass \i[n in HOPAO als llaueli- 
zeiclien gelle. Wir lasen ferner P (nicht R), nnd ^ ( nicht 5) 
\^'arunl aher die Form des X für die Inseln Ansschlag gehen 
soll, gestehe ich nicht zu hegreifen. 

Weiter als die Inschriften helfen uns die stilistischen Reo- 
l.achtungen /Jiniichst nicht. Was wir hei der Untersuchung 
der Dekoration dvv Schalen an charakteristischen Eigentüm- 
lichkeiten heohachU'ten, ist für uns, hei unserem rnvermi.gen 
die einzelnen jonischen Stile zu unterscheiden. noch Kigenlüm- 
lichkeit der ionischen Knust iiherhanpt So die iiuntheil der 
Erscheinung, die uns in des Asios Versen nicht minder wie an 
den chiolischen Koren und auf der Northampton- Amphora als 
wesentlicher Zug des Äusseren jonischer Kultur entgegentritt. 
So auch die preliöse Zierlichkeit, die dem Schnuickhedürfniss 
alle Rücksicht auf organischen Zusammenhang opfert, eine 
i^pooov-o Nvie sie sich auf unseren Schalen z. H. in der Auf- 
lr)sunn von iNase und Ohren zu Üaidcen. in der Kriuiung der 
Nase mit einer zierlichen Knospe (»der in der l^nfassung der 
Panthermaske auf Kig. I. in den Sch(»nlieilspllaslerchen und 
zahlreichen Dingen mehr äussert. So endlich auch der Healismus 
lind, wo si(> ihr Feld lindet, 'die rücksichtslose Kraft der Cha- 
raklerislik, welche die jonische Kunst zum Sauerteig \.»n ganz 
llrllas werden liess" ( Loschcke, Athen. Millli. MX. I81l'i, 
S. T)!'?), Eigenschaflen die sich nehen der vorheigenannten 
oft so schwer verstehen lassen. Alles das ist für uns gemein - 
jonisch l'nd gemeinjonisch ist auch, was wir an nicht alli- 
schen, nichl lestliindischen l^nzeiiieilen l.eol.aelilen: die pferde- 
füssigen Silene. die Doppelllugel der Dämonenpaare auf der 
Phinensschale. die Kellngelung der .Mliena auf der wiirzhnr- 
«ror und <ler miinehener Schale, die llaarlraehl . i\v\- Pantlier- 
kopf, das aehl.speichige Wagenrad. i\vv V\sc.\\ des IMiiiu-iis mit 
dem leheiidiu slilisirUMi dritten lU'ine' u a m. 



' Blümner, Die iSpeiscIiscIie der Giicclu'ii. Arcli. Zfiliiiii; .XI.II. ISR'i, S. 
18r),4-7,cilirl für (lit'st> l-'oiiii iidcIi riii clialkitliM'lios Hcispicl, von der Adre- 
slosvase Arcli. ZoiUiiib' X.XIV, 18W1 Taf. iOtl, 1, und /.«oi von coruolaiicr 



92 J. RdEHLAU 

Einiuje traclitii;escliii'litli('lit' Hesonderheiten scheinen uns in- 
dessen in bestimmlere Riclitunt!; zu weisen. Die Chitone der 
Boreaden sind unterhalb der Gürtel und an der Schulter ebenso 
slilisirt wie die kurzen Mannerchitone auf den chalkidischen 
Vasen ; dasselbe */\\l auch von den Chitonen der llarpyien, 
mit den rechts und lirdvs über denGiirlel herabhängenden ko"X- 
-ii^o'. ; auch die Ceslall i\ov Morpho tnil ihrer Blume sowie 
die ihrer Genossin und die der Erichlho haben nahe Pa- 
rallelen auf chalkidischen Vasen bildern. Dazu koinniL. dassauf 
unseren Schalen das Miiunerau^e in der abgekürzten Weise wie- 
dergegeben ist, ^^ie wir es auf Bildern (ies Mutterlandes aus- 
schliesslicli zu sehen ge\\(»liiit sind, und dass die Sille,die dar- 
geslellten l'ersonen mit Inschiirten zu versehen, dem Mutter- 
lande eigentumlich ist, nicht dem jonischen Osten. Aus diesen 
Gründen, wie ich vermute, nimmt Studniczka, Jahrbuch XI, 
1896, S. "268 an, dass die Phineusschale 'zur Zeit des mei- 
stens unterschätzten mutterländischen Rinflusses' im Osten ent- 
standen sei. \'on anderen Fachuenossen wird sie dagegen vom 
asiatischen Jonien aut eine der jonisch redenden Kykladen 
versetzt, unmittelbar in das Einflussgebiet, wie man meint, 
der chalkidischen Kunst. 

Der stark chalkidisirende Stil wenigstens der Darstellung 
des l^hineusabenteuers ist unleugbar'. Auch seine Erklärung 
durch chalkidischen Einttuss aut" die Pabrikslälte ist nach un- 
serer heutigen Kennlniss wahrscheinlich, und es ist eines der 
wertvollsten Daten für deren Bestimmung, dass intensive Be- 
ziehungen zu Chalkis durch die politischen und llandelsver- 
hällnisse für sie nicht ausgeschlossen sein dtirlen. Die weiter- 
gehende Folgerung aber, welche die Augensehalen di'in asia- 
tischen lonien abspricht, müssen wir als unbeweisbar ablehnen. 
Wol sind die Beischrifleu seilen .mr usluriechisehen V^isen. 



Gralirioskfii, Miisn, (irrf/oriaiio FI Tfil". 04.95 (= I T;il. HU. in.' AiinK'«'"' B). 
Ifli kann koin wr-ilercs hin/,iifiif;cM hir I'oini (in spciMfll rli.ilkidisrli aii- 
/iisprfchfii reicht das Material niclil ans. 

' Noch stärker äussert sich die VerwanilKrhall ant di r iinlcn S. ^i.". Anni. 
",' aii^'ffiihrlrii ,\ni|iliora aus der Fahrik dri AnK''iiscliali'n. 



DIE JONISCHEN AUGENSCHALEN 93 

aber es giebt doch nicht ubziileuj^nende Falln*. und schliess- 
lich könnten wir in den BiMschrillen so ^ul wie in der Stili- 
sirun^' der Gewander chalki<lisehen l^niluss zu sehen haben. 
Dasselbe i^iit IVir das in der Weise multerländischer Kunst 
gezeichnete Männerauge. Überdies ist es mindestens verfrüht, 
dies der Malerei des asiatischen Joniens abzusprechen: im Ge 
genteil, daallem Anscheine nach diese Abkiirzung, die Thiersch 
(Tyrrhenische Amphoren S. lO'J) richtig auf technischeGründe 
zurückgeführt hat, gleich auf den ersten schwarzfigurigen Ma- 
lereien des Festlandes auftritt, so ist es wahrscheinlich, dass 
sie nicht erst dort aufgekommen ist, sondern schon in den 
kleinasiatischen,inschwarzriguriger Technik arbeitendenWerk- 

stälten 11 1)1 ich war. 

So bleibt es bei dem weiteren Kreise, innerhalb dessen wir 
die Heimat der Augenschalen zu suchen haben, und die Vor- 
stellungen, die wir im Laufe der Untersuchung von ihr ge- 
wonnen haben, sind mit wenigen Ausnahmen so allgemeiner 
Natur, dass wir nur raten, nicht bestimmen können. Eine 
jonische Stadt des asiatischen Festlandes oder der Inseln, im 
besitze einer hoch entwickelten Kunstthiiligkeit . in regem 
Verkehr mit Chalkis, wahrscheinlich ein Mittelpunkt des Die 
nysosdienstes,der den rechten Roden für die iMit wickelung der 
dionysischen Malerei gab, vielleicht nicht ohne Beziehungen 
zur nordischen Kolonisation, worauf das Interesse am Phineus- 
mytlius hinzuweisen scheint: es bleiben genug Städte, die 
diesen Bedingungen nach unserer Kenntniss soweit gerecht 
werden , dass sie auf die Augenschalen .\nsprnch machen 
könnten-. Samos und Milet nur scheinen mir nicht in Frage 



' Es sind dor Rupliorbosteller, dio naukratische Sclierhe Nnukralis \l 
Taf. 5, 6 mit unverständlicher Beischrift, der Arytiallos mit dem troisclien 
Pferd Jahrlxieli Vll, ISOJ, Tal". •? (vgl. Düinniler, Aroli Anzei?.'er 189-2 
8. 751, dessen Beischriflen gleichfalls verdorben sind, und die vulcenter 
Amphora Gerhard, A. V. Taf. 205,3. 'i. Die keische Amphora Monumenti 
VI VII Taf. 78 lasse ieh als ' inseljonisch ' aus dem Spiel, die Arkesilas- 
schaic könnte in dieser Beziehung;- unter korintiiisehem Kinllusse stehen. 

2 Duhn benutzt in der oben iS. 'i^Anm. ! eilirten Festschrift die Bestim- 
munt; der nordliclien Vegetationsgrenze der Palme, wie sie Tli Fischer in 



94 J. HOKULAU 

7,11 k(inim(Mi, dieses wetzen seiner erhilteiten Feiiulscliafl mit 
CJialkis, die kulliirelle Heniilifun^cn <l(»eli wol aiisscliloss, je- 
nes, weil hei den lialiiclisclicn Aiisiiiialjuni^en in der polykia- 
liselien Nekrojxde sieh nnlci' Tausenden von Sehcrhcn i!;rade 
\(in SchaU'n nur NUN e i n er Anij;enschale P^rajjjnienlc im Schulte 
{^el'unden haht'ii ( Xcdvropoh'U S. T)!). 

b^iner anspreehenih'n Konihinalion niiiss aher zum SehUisse 
•ie(hiehl werden, die mir Wohers nahelegte: dass wir in un- 
seren Augenschah'u NJcMeiehl dieTr/izi jcuXi/vai des Alkaios vor 
uns hahen. iM-cilieh müssen wir uns die Schah'ii, aus denen 
heim Kollahos die l'roplen noi^cn . wol von Metall «iielertigl 
denken, denn der ani^cklchlc ihiMierue Henkel hülle den An- 
t"orderunjj,tMi.die das vSpiel an seine llallharkeil sUdlle, seh wei- 
lich geniiiil hamil ist aher der Anspruch unserer Augenscha- 
len auf die alkiiisehe iM'wähmiui!; nicht erledigt. Ihrohen dai'- 
gelegler Zusannneuhang mit den cpiiAai p-ecöp-fpa^oi in der Korm 
und mit Kyalhos und Mastos in der Ornamentik, drei ausge- 
sprochenen Metalltbrmen, spricht IVir <'ine intensiv hetriehcne 
Melalluri»;ie in ihrer Heimat, und wie es zweifellos metallene 
'l'assen und Näpfe der ohen S. 79 Anm. I heschriehrnen Art 
gah, so gewiss auch metallene Augenschalen, deren Schmuck 
für reich eingelegte Arljeilen wie berechnet ist. Metallene Scha- 
len, in der ersten llälfle des C» .lahrhunderls in Gehrauch. in 
ihrer h]igenai't nacdi i^'orm und Schmuedv vom gleichzeitigen 
Handwerk durch ganz Hellas anerkannt: das setzen die Al- 



P.'lcrmaniis Minciliiii^cti,t]r^';iM7.iiMfi-sli;iii(l XI V, 1880 1881 Nr. (Vi ffslorslellt 
lial, um die in t'raLic kniniiiciiili'u Mü^liclikcilcii zu vci linucrii. Fisclicr lässl 
sie iiünllicii Villi Mild iiihI iioidiisljicli \uii S.uiiiis vuiiilifi' (liiicli ('liitis 
(Stral)oXIV, I, ;{.■)) auf IOiil»üa /.ii.i;i'li(!ii. I)ic riiiin-ussclialc iiiil iliicm aii- 
.scliaulicli gescliildei'tcii l'aliiUMiliaiii iiiiiss|)> :ilsu in Mild ^i'iiiarlit sein. Ich 
glaube nicht, ilass inaii (liese(Ji'('n/,h<'sliiiiiiiiing so ^'rnaii ndiinen daiLWcim 
Kpliesüs auf seine Münzen (;iii l'aline sdzl ( Iiiiluior- Lilninei iiiid < ). Kdler, 
Thit'i - lind Pnaiizenhildci' Tat. 2, 3(i), su luli;! daraus ddcli wnl, il.i^s eine 
soldic ilml an rincin Ilt-iligluiuc oihir son^l .iii Ini vorragender Sldlir siaiid, 
und l'aliiuii koiiiineM heule noch in Sinyma Inil. IJherdies konnle der Ma- 
ler die Palmen auch aussfrlialh seiner lleimat gcsehm halicii. Iltidl a.a.O. 
inaelil darauf aurnn-i ksaui, dass auch auf dein klazumenisehen Saiki)|iliage 
n 1)11 ^deii eine l'almc voikomml. 



Uli; JÜNIJ^CHEN AUGENSCHALEN 95 

kaiosverse voraus, und das trifll auf die Anjjpnsclialen zu. Und 
'IVos enlspi'iclit auch den ol»en skizzirlen Vorstellungen von 
deren lieiinal in besonderer Weise. Rine reiche Sladl im Mit- 
lelpunkle jonischer Kiilliir, der Sitz eines hochherühmlen 
Dionysoskullus, war sie mit Clialkis durch IJande der Slam- 
mesverwaiidlschalt \erhunden , deren Gedüchtniss nicht nur 
die Gründernanicn sondern auch staatsrechtliche Benennungen 
aulrecht erhielten'. Die Kolonisation \on Ahdera und IMiana- 
i^oria aher, die ii» der Zeit der ersten Persernol erfolgte, setzt 
voraufi;egan'jene längere Beteiligung an dem norilischen Handel 
voraus. Natürlich wird durch dies ZusammenlrelTen Wollers 
Kombination nicht über die Geltung einer Hypothese erhoben. 
Wer des Alkaios >t'//a/vai in einer der zahlreichen Arten der 
Handschalen sehen will, z.B. den zierlich ornameiilirten Scha- 
len der Kleinmeister oder deren jonischen \orbildern, ist nicht 
zu widerlegen. Für unsere Untersuchung hat sie aber jeden- 
falls den Wert, dass sie deren Besultale in bündiger und kon- 
kreter Weise zusammenfasst. 

Ve !• wan d tes. 

Rine Fabrik, welche die Hohe technischer Meisterschaft er- 
reicht hat. die unsere joniscdien Augenschalen bezeugen, hat 
sich gewiss nicht auf die Herstellung ei ner Gelässgattung be- 
schränkt. Und da der Wrtrieb ihrer Waren nach der verhält- 
nissmässig ni<dit unbedeutenden Zahl auf tms gekommener 
Au*'enschalen ein i-eger war. so ist zu li(»IVen, dass sich uiiIim- 
der Masse schwarzliguriger Vasen italischen l'undorles noch 
man<die ihrer sonstigen l^rzeugniss(> linden. Auf die Wahr- 
scheinlichkeit - wir kitnnen noch nicht sagen (iewissheil — . 
dass Kyathoi und Mastoi mit der Dekoration der .\iigen>-elia- 
Ini in dei'en Heimat gefertigt seien , habe ich oben S 7'.) 
Anm. I hingewiesen. Ferner bat Li'iselicke - eine heute \er- 
scholleneAmpboia mit der Buckfuhrnng des HephaistosderFa- 



' I5iis(ill, (;riri-li. (l.'Mliirlitr l S. Jl 7,7 (S. .!! ;M (l.'i /«fiti'H Aullagc). 
■J IVi Biiitc, Sil.-ii.-S. S, li . Alli.ii. Miltli \i.\, l.S'.'i, S- ."'l'.'. 



96 



J. HOKHLAU 



brik ilei- Au^j;ensclialen zugewiesen. Icli liabe auf die Publika- 
tion der Miii- tiiiliiist /.iii'\VrtViiiuni!; licstcllUMi Pausen verziehlet, 
da Zahn aus deutschen und ilalisehen Museen eine griissere 
Anzalil von Amphoren znsanimengebrachl hal, die er gleich- 
falls auf unser»» l'^ahrik /.unn-kriihren /.ii können glaubt. Seine 
X'erötTenllitdiuug steht bevor. 

So besehranke ich mich heule darauf, die l']in\virkung un- 
serer Augensclialen auf eine andere jonisclie Fabrik aufzuzei- 
gen. Ich binle eine solche in den Fig. 3"2-34 abgebildeten 




Fig. 32 



Amphoren ans Mijnchen und Leiden. zu denen eine diille lei- 
dener koniml. die an Stelle des Delphins auf l^'ig. .'> i einen 
Hasen setzt'. Der Finfluss der Auj^enschalen scheint mir uu- 



' Fig 32 und .'^3 bild<!ii dio luinicheiier y\iii|)li(»ra .laliii Nr. 1(108 ah, Fig. 
3'» die Ifjdener Amphora. Sic sind, wie die h'ideiier inil dem Hasen, von 
Eiidl, Beiträge S. (jl erwalinl. Irrig ist dr-ssen Angahe: '8aninilung Six ', 



DIE JOMSCHEN AUGENSCHALEN 97 

verkennhar. Niclit mir in dtM- W'rwpncJunif der Augen. Die 
Art wie diellörner der Tierköple auf der niüncliener und die 
Schlangen auf der leidener Ainpliora durcli ihre Linie die Au- 
genbrauen ersetzen, wie auf jener die Zweige, auf dieser die 
vSchlangen den unteren Uniriss des Auges begleiten, erinnert 
an die Verwendung der VVeinrehen auf den Schalen Fi^. 18-'20. 




Die Knospe über dem Bockskopl'e gemahnt an die slüiidiüe 
Krönung der Nasen auf unseren Schalen, und zu der Anbrin- 
gung der Tierköpfe überhaupt wäre der Pantherkopf von der 
Phineusschalt' zu vergleichen. Keinesfalls sind die Amphoren 
Originale aus der Fabrik der Augenschalen, (higegen spricht 
schon die ganz versidiiedene, sehr minderwertige Technik der 
dickwandigen schweren Gelasse mit ihrer stum|)fen 'i'honfarbe 
und ihrem iingleichmässigen h'irniss. I']s sind aiidi kaum Ko- 
pien von .Amphoren aus unserer Fabrik. Die Dekoration ist 
zu schwer, und die Alt wie der Maler der münchener Am- 
phora durcli lliii/.iil'ugen iler Stirnlocken und des Diadems 
etwas pedanti.sch eine weitere .Vnähnlichung an das mensch- 
liche (jesiclit \eisii('lil luil. enlspricht wenig der überlegenen 



Iteiile Amplioit'ii hfliiidcii sich iiii Iriilnicr Alli'i liiiiisiiiiisciiiii. ."~^t;ilt Miiii- 
clicii luv. Jli'i isi lii'i iliiii zu lesen: .lalm Nr. HldS. Die l'lioldijiMphie iler 
leidener Ain|i|i(M;i xerd.inki' ieli .1. Si\, die Krlaulmiss zur ruldikalioii Di- 
reklor IMevto. Vorder- und liiickseile der leidi'iier .\niidi(iren isl gleich. 

ATHEN. MrriHEII.I NliKN .V.XV. 7 



98 J. HdKHI.AU 

Handliahunü (Irr l-^orincn auf dtMi Aiij^enscIialtMi ' . \\(tl ahor 
ki'miilt' man sich (lenken dass eine lilicrlraminii' slaltücrnnden 




l'ig. U 



habe. Auch die. Auswalil der 1'iere, die auf den Amphoren 
verwendet werden, fällt in den Sloflkreis der .Vn^ensciialen. 



' Ich halle es für wahischiiiilirh, (li(s> Kndl sie iiiil Üechl dei jonischeii 
V.iseiigaUuns ziif,'eteill hat, deren Ilaiipiveilreter die hcriiner Amphora 
rurlwäiiKh-r KlTCi mit dem Tiilon niid dem silzenden Dionysos und Apollon 
(Gerliard A. V. Tal', '.t, Kndt 8. (i.i, (i'i Ahlt. \1 und 'i3) und die niünche- 
ner Jahn lOriCi mil dem liihli' des Odysseus unter dem Widder fMieali, .S/orm 
Taf. 99,1(1 isl. Charakleristiseh für sie sind die laufenden (leslallen (Män- 
ner, .lüii^lin^ie, Frauen ) mil grossen Epheuhlällern an spiralig ger(dllcn 
Stilen, die dekorativ eine von den Figinen ganz, uuahhängige Rolle spielen. 
Vgl. ausser der Abbildung bei Micali Hauser im Jahrbuch 1896 S. 178 Nr. 2. 



DIE JuNlSCHliN AUGENSCHALEN 



99 



Slior und Bock. Sclihinge iin<l — in Joiiien ! — Delphin sind 
des l)i()nys(js heilig«' Tiere, und den Nasen sehen wir so oft 
in der Hand seiner Beo;leilerinnen, der Manaden, dass wir wol 
nielit fehl gehen, wenn wir aucli ihn für dionysisch erklären. 
Zu einem Bedenken an dieser Deutung könnte der dreieckige 
Fleck aul" der Stirne des Stierknjjfes der münchener Amphora 
veranlassen, das /eichen des Apis, dessen Gegen hild man als 
den Bock von Mendes zu erklären versucht sein könnte. .Aher 
dei" ganze Zusammenhang, namenilich auch die leidener Am- 
phoren mit Hasen, Delphin und Schlangen sprechen dagegen. 
Dass in der Gestaltung des Stirnlleckeus, vielleicht auch in 
der Bildung der Hörner eine Beminiscenz an ägyptische .Apis- 
bilder vorliegt, wäre natürlich möglich, und hei den Beziehun- 
gen Joniens zu Ägypten auch nicht verwunderlich. 

J. BÖ HI. AU 



Zu den von lOndt aurj^ozählten kann ich liinzut'iigen, sichr'ilicli ohne (hmti. 
den uns erhaltenen Bestand zu eischöplen : zwei Tassen München, Jalin 
lÜiG. 1(J48, einen einlieniiligen Kanlhaios ohne Fuss ebenda Jahn l(i(J7, ei- 
nen eliensolclien mit Fuss Neapel 900, alle mit laufenden Frauen mit Blat- 
tern. i'Y'rner die würzhurger Amphora Urlichs 3i<9: l)ionysos zwischen M.i- 
nade und nitnsrhentnssi^i'm Sili.'n,t{iickseite: Ilephaislos (ohne Andeutung 
der Verkrüppelung) auf Maultier sit/.end zwischen zwei Männern, deren ei- 
ner (Dionysos?) das Tier am Zügel führt; eine tlorentiner Amphora: Dio- 
nysos, laufend zwischen zwei mensclienfüssigen Silenen und Nymphe t 
Rückseite: Mann und gezäumtes Pferd; eine Amphora in Bonn: gleichfalls 
mit Dionysos, Silen und M.'inade, Rückseile: sitzendi- umschauoiKlr S[)hin\, 
Mit den 'pontischen" X'asen hat die Klasse nichts zu thun. Sjo gi-hiiil ei- 
ner Richtung an, die etwa derjenigen der Norlhanipton-Ampliora iiml ihrer 
Verwamlten parallel ist. 




Nr. 15 



MIPPOSTUATOft VON MILET 
(Hierzu Talel IV) 

In dem vorlauligen Bericht über die von den Königlichen 
iVluseen l)eg(innenen Ansgrahungcn in Milel hat W. Rekule 
von Stradonitz hei der Besprechung der gefundenen Inschriften 
ein l<]hrendekret des Bundes der lonier für Hippostratos, Hip- 
podemos Sohn aus Milet, erwähnt'. In der Aprilsitzung der 
berliner Archiicdogischen Gesellschaft habe ich darui die nähe 
ren Mitteilungen über den Fund gemacht, welche im Folgen- 
den wiedergegeben werden. 

Die Inschrift steht auf einer stattlichen Stele von bläulichem 
Marmor, welche oben und unten mit Profilen geschmückt ist; 
ihre Höhe beträft 1,94'", ihre Breite oben 0,55, unten 0,61, 
die Dicke 0/2 i. Die Höhe der Buchstaben schwankt zwischen 
0,01 undO,Ol'«, der Zeilenabstand ist 0,013. Das obere Pro- 
fil ist 0,085, das untere 0,10 hoch. Die Frhaltung ist bis auf 
Verletzungen an iliesen und geringe Versinterung gut. Auch 
der Finsatzzapfen ( Höhe 0, 13 ) ist erhalten. Nach einem leeren 
Baume von 0,11'" Höhe folgt das Dekret (vgl. Taf. 4); der 
untere Teil der Stele von 0,698"' Höhe ist leer geblieben. 



^licyO'j x.at nrpxTrr^oc, im tcüv tjo^eojv tgjv 'Icovwv 
5 JtädT'/ii TÜu. tcoXecüv -Axi xo'.vYit "Icorrt yptöaevo; Six- 



' Silzungsljeiiclitt' tlur Ivgl. |jieusbi>>chcii Akademie der Wis.senscliaften 
zu Herlin 1900 S. III f. 



IV. 




HIPPOSTRATOS VON MILET 101 

T6^£i" äyaOf,! TÜy^ri'.' Ssbö/Oat zun /.o'.vöj'. tcI)'. 'lob- 

v(i)v exaiveijai 'iTTTröarpÄTOv 'ItvtcoStol/.ou äps- 

TT); evg/.e y,at S'jvoia; yjv eyojv oiaTEAe'. ttoo«; 

TO xoivov TO loivcjv y.ai eivai aOröv dtTsV?) ttävtcüv iv <^Tai?)> 

IG ■Ko'kim Tai; IwvoiV xä aüxä oe ÖTcapyeiv 'iTCTrooTpä- 
Tü)i a'JxoJ'. x.al s/.yovo'.;' «TT'O'jai Se aüroO >tai Ei/cövot 
yxXy.yiv 6^' itttco'j iw. llaviwviwi" gXg'aOai Se ttöXei? 
öüo riöT] alrive; 67ri{/,£XY)(TovTai OTUtoi; av ri si/tojv 
Y) 'iTrTCOTTpzTO'j (jTaOyii x.aTx Täy^o;, tva xai oi XoiTol 

15 TrävTg; £'!Scü»jtv ort Iwve; tou; )taXoü? xat äva- 
Öoü; avSpa; -/tai ypeiaf;. xapey^ojjivoui; rat; TcöXe- 
ci Tiu-cöcrt (Jcopeai; tai; 7rpo5r))tou«Tai;' äTreveyxeiv ^k 
ix.6i.G70\j<; Thiu. ßouXe'jTüiv rä iyvtüajy.eva "Iwciv 
st; Toc; iSia; TröXei;, ÖTCto; \jT:<x.pyn<. äv toi? Srv-ocioi; 

20 ävayEYpap.[jt.eva xä eyvoi'jiji.eva Otto 'Iwvtov' 

xö §£ S6y[Jt.(x xoSe ävayp«ij;ai ei? xö ßaOpov x-/5; el- 
xövo; xrj<; 'IxTuocrxpäxou iit. Ilaviüiviut xai exäfT- 
x'/iv xüiv ttÖXewv Trapä a6x"^t et(; txtjXvjv XiOi- 
vriv. 7:6>£i<; y)'p£^'1<jav MiXy)TO? 'Apcivöeia. 



25 £7CI TeXETlO'J IlaVTOfXOl). 

tÖ i|;y)(pi'j(xa tÖ Ix Ilavtcoviou x'jpcüÖEv eSo^e xcii 
Sy)Uü)i ävaypa(];ai eI; xö S-maöitov rjpif)r,csx'j Se 
xat ETriTxaxai xt)«; Ei/.6vo(; x^^i; ^'iTTTcoTxpäxo'j xoO 
'iTCTCod'/Qf^.O'j y.axö. xö ',}/Y)<pi(jiJi.a xö '|r)(pioÖ£v ÜTtö 'I(o- 
30 v(i)v 'ApyiSnao; 'ApKjxoxpäxO'j, 'Aü.Eivix; KpaxEO-j. 



E7C'. TEXEdtO'j A-ovaiüivo<;. 
i'^oCE xfjt ßo'jXrii" ripci>xöp.ayo; IluXiou eittev ottw? 
ai xi[y.ai ai '^yj'ptiOeiaai 'iTTTro'ixpaxwt xöJi 'iTTZo^yjao-j 
ütco xoO xoivoö xoO Io)vtüv T'jvxEXcüvTai xaxx xx- 
3.) yo<; öEöoyftai xr^i [io'jX-?it xou; XEiyoTTOio'j; etti- 
p.EXir)Orivai xai (XTrOfjLtaOuj'jai xt)v Epyarriav ttj; 
gxyjXtk; xai xr)v ävaypa(pr)v xoüv yvcüGOEvxcüV 



102 C. FREDniCH 

Tov Se Ta[xiav tov Tap.u'jovTa tÖ[x (JL^iva röv 
Ayjvaiüiva ÜTryipereiv ex, tcöv T£iy07V0tx,(öv. 



Rlwa •? 1 Zeilen des Dekretes waren schon dureli das ent- 
sprechende KxernpUir von Srnyrna bekannt, welches im Jahre 
187^ nacli Athen o;eIanp;te und sich jetzt im 'EOviköv MouTsiov 
helindet ( I )itlenherger, 5^//r)^v '' I (S9 ) Der 0, lO'" hohe, ebenso 
breite und 0,1 'i dicke Stein stammt von einer Stele blauen 
Marmors; er zeij^t nur noch links die urspnmiiliche Rearbei- 
tunjj;, sctnst ist er in späterer Zeit j^latt abi^earbeitet und zwar 
oben und rechts ausserdem noch stark aus^eschlis.-en. Da eine 
neue V ergleichung des Orij^inales durch II. von Prott.dem ich 
auch die vorstehende heschreibuni; des Steines verdanke, eine 
Reibe von Verbesseruni;en ergeben hat und die Ergänzungen 
sich mit Hilfe des milesischen Stückes richtiger gestalten las- 
sen, so mag der ganze Text noch einmal hier stehen: 



1 "Eoo^ev 'Iwvcjv Tcüt xoivwi twv Tp£[i'j/.ai- 

Sexa TTÖ'Xewv eTTEiör, 'Irxö'JTpaTo; 'l7r7r[oSr)- 
u.ou MtXyjTiOi; 'ptXo? wv toO ßaotX£ü)[; Aucrt- 
{/.aj(_ou >tai arpaTT/yo? stti iG)^. 7töX£[(i)v 

T) TüJv 'Iä8(i)v x.y.xcft.nxa.hiii cixEtw; )c[ai ^i- 
>.avOcti)7:(i): x.ai lötat IxäiTYii Töiu. ^[öXEtov 
•/.%'. y.otv/i'. "{(Jim /p(o[JLevo; otaT£>,£i' äya[07i'. tu- 

TOV 'I-TTO^-^U.OU ' Ml^TiTtOV äp6Tvi? £V£;t[£ y.Oii 

(I E'jvoia(; r)"^ [^j/'^'' öiaT£>.£i Trpö? t6 /toiv^öv t6 
'Iwvcjüv Äxi tiva'. aürov iTcXrj tcxvtwv e v raCc 
tcöXeoi Tai; tcüv Icovwv" Taüra o£ üzap[y£iv 
'lTr7C0TTp[i]T(i)'. auTCJi y.a; £>tY6voi:' TTy;<Ta['. o£ aü- 



' Zwisclion (A iiDil befand sich solioii bei der Einim-issoluii;,' des Dotvio- 
Ifs ein Riss von dfi HieilP eines lintlisialtfns; er lial aiieli in den folj,'en(b'n 
Zeib-n ein/rlncii Hin hslaben gescliadel. 



HIPPÜSTRATOS VON MILET 103 

69)'. y-aTÖt Tayo;, tva xoci oi XoitcoI TrävTs; [eioüi- 

avSpac y.ai yptiaij. Trapsy^oaevo-j? Txi[; tcoXs- 
'20 Ti Tiu.cöii Süipsai; Ta^ Trpoa-iriJtO'JTat;' [äTrevey- 

va "IfaXTi ei; xa; iSia? tc6),6'.? otcw? Oxa[p/Y)'. ev 
TOi; ^njAOcrioK; avay£Ypa(;.u.£'va tx ifyvüj'j- 
p.eva ÜTirö 'IcJvojv tÖ Se Söyp.a xöSe [ävaypä- 
55 ']/a]i £1? tÖ [iaÖpov xrii; £i/t6vo; TV^i; 'If^TCOTTpi- 
TO'j £l[7. Il[avi]cj[v]tü)[i Jtat] £>t[xloTn[v Töiv t^oXeov 
[T^apa auTYJi ei; aTr)X7)v ^töivYiv.] 



Bei einei' N'prgleiciumg der beiden 1>xle maelien sich eine 
Reihe redaktioneller Versehiedeniieiten i)emerkhar. am mei- 
sten Nvol der Zusatz in dem l^^xempiar von Sinyrna tüjv Tpsf-.c- 
xaij^Ex.a 7r6>>£(i>v zu der gewöhnlichen Sanklionst'orinel eSo^ev 'lü- 
v(ov T(i)i x.otvtü'.. Alan darf vernuilen. dass er mit einem gewis- 
sen Stolze nur in dieser Stadt gemacht worden ist. deren \\ ie- 
deranfnalinn^ in den hiind nach Beendigung der Nengründung 
derselbe König Lysinundios bewiikl halte'. Die neue Urkunde 
giehtnnsdie Bestimmung über die NiederschriTt des Besehlus- 
ses auf Stein lür alle Bundessljidte. wie sie auf dem llliien- 
dekict IVir Kiniig Antioehos II steht (Michel. Ixrcucil Nr. 
486), und die \ainen der beiden Städte, welche die Aiisriihiiing 
des ehernen Beilerstandbildes im l'aiiionion besorgen sollen: 
Milet, die Vaterstadt des Geehrten, und Arsinoeia. die be- 
deutendste Neiignindung seines Indien GiMiin-rs, das verlegte 
l'lphesos. Sirabo (\l\'. (iid) und Slephanos von Byzanz (s v. 



' l'Js müsstf lici N'ilniv l\', I; ruitis (Mcli\es\ loru posl>-a ri'iji<i Altali el 
Arsinoi': heiwjiciu Sinijni'icorum civilds inlrr hmis est rtcepta für rcgis 
Allali violiiirlii reyis Lyniinaclii lit-isseii. Vgl ÜiUciilji'iger a.a.O. Ann». I. 



lOi C. FftEDlUCH 

"'E96ao;) nennen sie Apatvövi. während auf Münzen nur die 
Abkürzung 'Apii vorkoinnit ' : liier erscheint der Name in der 
übliclien hellenistischen Form. 

Dem Beschlüsse des x.o-.vov hat das Volk, von Milel unter 
dem Archon Telesias im Monat Panemos zu^^estimmt. I'^s 
beschliesst die Eintragung der Ehrung ihres Mitbürgers in die 
städtischen Akten und wählt zwei Männer, welche gemäss 
dem der Stadt zugelallenen Ehrenamle mit zwei anderen aus 
Arsinoeia die Commission für das Keiterdcnkmal bilden sol- 
len. Archidemos. Aristokrates Sohn", und Ameinias. den 
Sohn des Krateas. 

Der dritten Forderung, welche der Rundesbeschluss enthält, 
konnte olTenbar der Rat allein, ohne das Volk zu fragen, nach- 
kommen. Er hat sich dieser — ihm wol pekuniär lästigen — 
Pflicht erst im Monat Lenaion unter demselben AicIkmi erin- 
nert, hat sie dann aber sofort erfüllt. Auf Antrag des Prolo- 
machos. Pylios Sohn, beschliesst der Hat, die Tei/oTro-oi sollten 
die Aniieleuenheit in die Hand nehmen, die Arbeit der Stele 
und die Aufschrift der Beschlüsse verdingen; die Ausgaben 
solle ihr Schatzmeister des laufenden Monats aus seiner Kasse 
(ra TEiyoTcoDca) bestreiten. TeiyoTcoioi kann es in jeder befestigten 
Stadt im Bedarfsfalle gegeben haben; bezeugt waren sie bisher, 
soviel ich sehe, nur in Athen und Oropos (Dittenberger, »Sj// • 
lose'^ 516). In Milet haben sie seit dem Jahre 334 sicherlich 
öfter zu llniii gehabt. Ihr Schatzmeister leistet in diesem 
Falle aus seiner noch gelullten Kas.se die Zahlung, wie in 
Athen der ray-ix? twv aTpaTiwTDcoJv ähnliche Ausgaben seit dem 
vierten Jahrhundert so häufig auf die seinige übernimmt. 
Wieviel Zeit zwischen dem Volks- und dem Batsbeschlusse 



' L. Miillfi, Dit; Miiiizni dos lliiacisclioii Königs Lv^inl;lcllll^. lvMpciili;>j:cii 
18.'j8, S. 80. Ilead, Coinage of Ephesus, Nunnsmativ chnj/nrir 188(1 S. !2UI; 
18«! S. 18 f. 

2 Kui Aiislokratns ( vicllficlil drisi-llic i kuimiil aiir cinrr |)idi.i(liiih' mhi 
Milel aus der Zi-it zwisclicii iidO und J.M) V(»i : Cal/ihnjuc <if (irccii mins in 
Ihe. Hrilnh Museum, lunia S. 101 Nr. 81. 



HIPPOSTHATOS VÜN MILET 105 

veifloss, lUssl sich noch nicht mit Beslimmlheil sagen. Neun 
sicher milesische Monatsnamen sind mir hekannl. aher ilire 
Reihenfolge ist noch unsicher Doch entspricht vermutlich 
der Panemos, der noch auf einer Bauinschrifl in Diilyma vor- 
kommt', dem attischen llekatomhaion , der Lenaion dem 
Gamelion. 

Als Zeilgrenzen ftir die Abfassung des Ehrendekretes hat 
Dittenherger die Jahre 295 und "287 angegeben. Letzleres, weil 
der Bund der lonier dreizehn Städte zähle und von diesen Le- 
bedos und Kolophon bei Gelegenheit der Neugründung von 
Ephesos durch Lysimaehos zerstört \vorden seien (Paus I, 9, 8; 
VII, 3. 2). Zu der Neujjrimdimij; scheint der Köni^ aber nach 
den politischen Verhältnissen erst im Jaiire 287 etwa Zeit ge- 
habt zu haben -. Das neue vollständige Exemplar zeigt, dass 
dieser Schluss nicht das Richtige traf: Arsinoeia besteht, und 
der Bund zählt dreizehn Städte. Den Ausweg, der Beschluss 
sei in einer kurzen Zwischenzeit zwischen der Gründung von 
Arsinoeia und der l^roberung von Lebedos und Kolo|»lion ge- 
fasst worden, wird man nicht suchen wollen. Man wird viel- 
mehr folgern, dass die beiden Städte zwar genommen, aber 
nur um einen Teil ihrer Bewohner geschwächt worden sind. 
Ebenso sind, um nur ein Beispiel zu nennen, die Nachbarorte 
zu Gunsten von Lysimacheia behandelt worden Lebedos und 
Koloj)lion sind ininlgc der Verluste im Kampfe und durch die 
Überfidirnng von zahlreichen Bürgern thatsächlicli für einige 
Zeit vernichtet und lur immer geschädigt worden, aber sie 
blieben als (Gemeinden bestehen \ und die heilige Zahl von 
dreizehn Bnmlesstädten blieb bis auf .Aiirelian'^ und langer 
erhalten. Da nun das .lalir 2(S7 uniielähr als Gründuniiszeit 



' licrue de phil. IR'.I',) S. i'. Haussoullicr lial ,*;icli imln lacli mil «Ifiii t\a- 
leiidn- von Mild lic>cliiini;;t (a.a.O. S. 'i f: -JS.'i f ). 

' Kulnli'. Iici .uiiccli. Hniiiaii S. 7."i Aiim. iMnyx'ii, tii'>rli do licllt'- 
lli.siiiiis 1 1, J S. ;'."(S. 

■' \'-l. aiirli Scliu.liliai.lt, Alli.ii. MiUli. ISS(i S. '. | i IV. 

^ Vgl. L.'iiscliaii, /'(• rr/'/rv l'ruiii-nstuin \ \.r\\>/\^r\- Sliidifii .\ll, IS'.t(l) 

ö. 18;l 



lOfi C. FUEDinCH, HIPPOSTHATOS VON MILKT 

von Arsiuoeia. soweit mau jol/,t iiileilon kann, viel Inr sieh 
hat, so i'iiclvl (las l'lhiendekret fiir llipposliatos ' in die Pe- 
riode zwischen "2S7 und \'SI, (his Todesjahr des K('»nijj;s Ly- 
simaehos ^. 

C. FHEÜUICH 



5<3f^45^| 



* Lüders lial gemeint ( Bullettino dcli Innliluto \81i S. 2'i8(T.), dersellie 
Hippostratos lialie sclion unter Atitigonos eine Rolle gespielt (im Jahr 317/6. 
niodor XIX, 46, 5). Das miiss imsichor Idoilten (vgl. Ditleiiheiger a.a.O.); 
aber ein Nachkomme von ihm S-jj^iaTpaTo; 'l7i7:oaxpaTou ist -cau.'«: in Didyma 
gewesen {C. I. G. 2857= Hanssoullier, Rcvi<r de pinl. 1897 S IHO). 

- Eine kleine Serie von Miinzen mit der Anfschrilt Eupuß-.x^iov und dcm- 
selhen weihlichen Kopfe, den die ohcn iMw/ilinlcn von Arsinonia tragen, hat 
Satlet in Vcrhindung mit Ephesns gchraclit, weil ein .Stiick (h)rt gpriiiiden 
ist und als Bei/cichcn die Biene hat ( Bcselireiliun.ü der antiken Münzen der 
Kgl. Museen zu Berlin 11,1880, S Hl W CalohH/ur (ifGnrh n)ins in Ihr llnlish 
Mitseum, /onia 8. 06). Sie lassen die \'eruniliin)i aiirkninuien, I.vsiiMnelios 
liahe das langwierige Werk der Nenjiründun^' s<'liiin nach der ICndieinng 
v(Mi ?9."i hegonnen und die Stadt nach seiner Tnehter Kurvdike henannt ; 
t);ieli der Ver.stussung der Tnehter aher und der naehniali^en Hrnherung der 
Gegend durch henietrios um ■.'8K die Neuj;rün(Iun,L; in ruluizeren />eilen titrl- 
gesetzl, heendi^M und seiner «'inllussreiehen (ienirihlin zu Ehren Arsinneia 
gelaul't. Nach dein Tdde des Kiinigs n.diui die Shiill solnil wieder den .dien 
Namen Efdifsns au ( Slepli. Bvz. s. v. "I'j^coo;; Mieliej. Krrnnl Nr. iSli). 



INSCHRIFTEN AU- RHODOS 
(Vgl. oben XXHI S. 390fr.) 

106. "E/. pyiiTO-j XiOo'j 9x100, /.avoviy.dx; Texpa^öo'j Et? rpoxov 
(üiT£ vo[Ai<i£i6v (XV Ti? Tcpiovi SixipeOrivai TTiV öXmv ixtypa'pT.v £t; tuoX- 
Xä; [y-oipa:. "E^aTTOv ttoi/siov r/£i ü'];o<; 0,0"2, tcVov toO (!>, £/,ov- 
TO? 0.0-?r) )ca'. TO'j O. £/ovTO? 0,015. Myiko; toO >.iOo'j 0.'.)8, t:>.x- 
T0<; (>.V*7, x.ai Tca/o; 50. 'ATTEx-a^OcpOvi Si jv t(I) äypö toö Xar^'/i 
'A-/a£T, xEiasvw e'v txi? 'Evvia 'O^oi; ( Doqus Soqaq). 'Eypxcpn 
SiaxoTio'j(; ayeSov iv.xuToü; — po XpiTTOÖ. 

a . yöprjv A'JGiorpäT o[u DJESiäöa 

(jT£©av<i)0£i(jav ütco täv ßouXzv ttXeovxx.'.; "/p'J- 
oeok; «jT£ipävoi<; x.ai av^piivTaiv x.ai T^poTWTrwv 
ipyupEüiv ävaOEiEai Kai viKacJocoav "A^Eia Guvwpirti 
7:oj>i>ta, <TT£<pavG)6t(TXV (so) ^£ /.ai »jtcÖ AivSiwv xa- 'Ia>'j<7iwv 
•KOL'. Kxaipe'cov Kai ijtco tcLv ivTt^EÖvxwv ev toi? a9pjx- 
XTOt; AuaiarpaTO? 'Ayr,(iavSpo'j llcöiEU? /.ai AttoX- 
>oivia 'A7ro>.>,(ovio'j 'ApyEta xäv 6'jyaT£pa x.ai 



Hieraus er'iieltt sich inil lliltV Her Inschrift IG. Ins. 1 ? I i 
{ = Gr Dl III ;i8,S8j tol-t"iiiIrr Slainmhaiim : 

'Ayy)(jav^po(; 'A7co».(ovio<; I 

AuiiarpaTO? l]ES'.£'j:--'A7ro».covia 'ApyEia 'Av^pörviKo;] 
t)-ayopyi Ih^'.a: '>) 'Atco>>.covio; II IhS-su; — 'AvSpov^Ka] Bpaaia 

DieVerbinciiingder Nainm Lysislralos iiikI .\|ii>ll«>iiii)S wnrdr 
erst durch dir Ehe des Lysislralos iiiil der rotiiln- des \\uA- 



' In Z. 1 sind dif HiirlislalMii mit wcittHii All^l.llHlt•n ^osilnielien. 



108 F. HlLLhR VON GAICHTUINOEN und ST. SARIDAKIS 

lonios hergestellt: also ist ein Mann, der beide Namen ver- 
einigt, frühestens ein Sohn dieses Pares. Nebenbei gehören die 
drei verschiedenen Demolika sämtlich zu Lindos. 

107. 'EX-^cpOri iy, (TipeXaTO; Xg'j/.oö [xapaapo'j, ä7ro)caXu<pO£VTo; ^v 
T-?i ETrauXei 'Avarjraoio'j AirijXYiTpiöcSou, ijXTcöpou, Trapä xä Kotkivoö. 
Mtixo; to'j >i6o'j O,,")'?, iz'Kxzo<; 0,55, xäyo; 0,40. "E)caoTOv ypi^Lf.fxa 
£yEi jj,ri>co(; O.Ol ttXtiv toO 0, ovto; [xajtpoTe'pou. 'O XiOo; (pepei ouo 
•/.'jcioLC -^ponö^ii^. 'EtvI t7i; jj.iöc; (A) eirriv £Y)t6»toXaa[ji,evoi o'Jo «tte- 
<pavoi e/. (p'JXXwv iXata; , x.at ötco toÜ(; cte^xvo'j; r) t^-eyacXri Itti- 
ypa'yö. 'Etc'. Se ry): erepac; (B) TupoTÖtLiea);, Tfj; OTriaOev T^i; etpYifxe- 
vYi;, Ei'ji O'JO srepoi (JTe'tpavot, ö aev ix. OaXXoö, ö os sx. cpüXXcüv Xeük?)«;, 
lo; STT'.v ei/.xnai aTTO to'j nyr,^.oLxoc,. 1 tco o£ tou; (TT£(pavo'j; toutou? 
f, g-jvToiJ.o? TjSe ^TTtypafpyj' 

(B) A'.ov'jffOf^wpou 'AXe^avSpEw; äp)(_epaviaTa. 

(A) 'läxyou xal A'.ovuffoSwpou 'AXs^avbpEwv £'j£py£T3cv 

Tipia6£VTtov OTTO TO'J X-Oivou E'jEpyEiiai y.ai 
(XT£X£iai TrävTcov Sia ßiou, x.ai axE^avcoOEvrojv 
£7raivcüi, OaXXoO OTEfpxvwu TtaaOEVTO? os 
5 Aiov'jrjoowpo'j xai ÜTirö tou /.oivou toö 'AXtaffxav 
(XTEXEiai TrävTwv otö. ßio'j kolI ivayopEucEi täv ti- 
i;.av iizi xoiv tÖticjv jcai (iT£(pava)0£VTOi; £7:aivoic 
67ui Twv TOTCtov ei(; tÖv xeI ypövov rijj.aOevTo; 

o£ X.ai 'jTcö TO'J x.oivoü TO'J Aiov'jTia'jTav E-jEpyE^i- 
10 at xat «.TeXfiiai tcocvtcüv Siöc ßtO'j, x.al rtxE^avwOEv- 
TO; ETCaivojt ypuaibx. (TT£<pava)i ett' äoETÖcr 
xai Aiovudtou AXEQavfipEG); /cai 'lOax,*/); i^oXiSoi;. 

'Aij.'pOTEpa', at ETTiypa'pa'. acpopüiiv £'!^ tÖv 'AXe^avSpEa Aiovuffoöü)- 
pov, TCEpi o'j yivExai aax.pö^ Xoyo; iv ty) ETr'.ypaipri I.G.Ins. I 155. 
Etil Se (iTro'jSaiat axE TToprjiaiai y)(^-1'>' fä KÜpia öv6p,aTa la^jro? 
X3t'. lOrjtY), a.TtEp TcpwTO'pavy] £v xai; 'PoSiaxat; 67i:iypa(pai<;. No[;.t^(i) 
de 0); y.ev Ia)tyO(; äocX'po? T'jy/av£i to'j Atovjio^wpo'j TrpedS'Jxe- 
po;, 7) oE lOxjcY) yjvT) toü Aiovuaooü)pO'j, 6 Vi £v t(x) 15. nxift^ Aio- 
voTio? 'jio; (paivExai to'Jxou. 



INSCHHIFTEN AUS RHODOS 109 

Auf Grund dieser Insclirift wird es sich verlohnen, die zeit- 
liche Foli>;e der auf dem erwähnten Steine /. G. Ins. 1 155 
{ = Gr. D. I. III 3830) angtdjrachten L'rivunden nochmals zu 
untersuchen, nachdem Ziebarth', im N'erein mit ü. von \Vi- 
lamowitz, gegen die in den LG. Ins. angenommene Reihenfolge 
Bedenken erhöhen lial. Abgesehen davon , dass sich jener 
Stein ausschliesslich auf die Person des Üionysodoros bezieht, 
nicht auf seine Angehörigen, enthält er erheblich mehr, so 
den lieschluss der Paniasten (III 7 'i IT ). Es entsprechen in 
unserer Inschrilt den belrelTenden Urkunden des bekannlen 
Steines, soweit als Üionysodoros in Betracht kommt ; 
Z. 1-'. = /. G. Ins. I 155. 105 IT. { = c). 
Z. 4-8 = /. G. Ins. I 155, 1 ly. [ = (1) 
Z. 8-1 { = /. G. Ins. I 155. W) IT. ( = «)• 
Dieses dürlte damit endgiltig als die richtige Zeitfolge der 
drei Urkunden c, d, a festgestellt sein. 

108. IJunkler Stein, lang 0,63. hoch 0.3"2, tiel 0,75. Huch- 
stabenhöhe 0,01. Formen: O O Q, Fi, Z, M \\i\(\ M. ^ usw., 
(Querstriche an den lilnden. Fin grosser Teil der Schrift ist 
zerstört durch eine im oberen Teile tles Steines angebrachte 
iiebräische Grabinschrift. Auf dem Judenfriedhof von Sari- 
dakis vor einiger Zeit abgeschrieben. 

(Der Anfang fehlt). 
^6'j;, Eu<jTp«Ta MsO-juLvata ( corr. My)- oder Ma- ) xal 'Aptx- 

SvY) Tav ä[v£t|;iäv, Tiaaöeiaav aev] 
£v Tat; -juvoSoti; y.at ev Tai; a>Xai<; xaO' [eto? Travay'jpsot (?) vj- 

aeßeca;] 
xai aperz; vnxx xat süvoia; xal (piXoSo^ia; [a; eyo'JTa SiaTs^ei 

s; TÖ] 
'Acx,Xa-;riaGTav NtxaTiüJvsiüiv ()>.ua7naoTav [xoivov. TiuaÖeiaav %V. 
5 xal iJT^o Sajxoöpa/CtauTav 'A(ppoSi(Gia)'7Tav [/toivoO 
(V /eilen r.'hlcn) 

CUvO'JTilv ----------- 

{ 'l Zeilen fehlen ) 



Das griecli. Vercinsweseii S. 15. 



INSr.HlUFTKX AUS nHODOS 



1 1 EuspyEdia? [tä^ e; (rav) Trirpxjv xav 'EpaxiSav - 
[Tiixaöeiiav §£ -/.xl] y^puae'cüi arecpxvtot kxI [£!)t6vi(?) - 



Z. I I lial Saridakis nur eine Lücke von 6 ßuclislaben an- 
i?eü;eben. 

r)as X.01VC.V ^Aa/CkxTzixnTX'J Ni/.arjicovEiwv OXua-jrtasTav ist von 
einem Nikasion und einer Olynipias gestiftet. Da uns in der 
Urkunde /. G. Ins. I 1*27 das V'erzeicliniss von Slillern und 
VVoltliätern eines xoivov vorliegt, unter denen ein Nikasion I 
und seine Gemaldin Olympias 1 und seine Kinder Nikasion II 
und Olympias II vorkommen, nacli welclien letzteren zwei 
Phylen des xoivöv genannt sind, liegt es nahe und ist es fast 
unabweisbar, für beide Steine denselben Aufstellungsort an- 
zunehmen , der sieh jetzt allerdings nicht mehr feststellen 
Iässt,da beide weit verschleppt gefunden worden sind Der neue 
Stein liefert uns nunmehr den Namen der Genossenschaft. 

Zu Z. 8 c?'jv6uTav könnte man aus /. G. Ins. I 157,5 'Po- 
Staarxv irzi^x^ixfjxdt^ ergänzen, was zu dieser meist aus Frem- 
den zusammengesetzten Gesellschaft gut passen würde. 

Zu Z. 11 'EpariSäv vergleiche man to 'Eparjc^eitov xoivov 
LG. Ins. I 40,3 und Pindar Ol. VII 93 Böckh das iaiysische 
Geschlecht der 'EpariSav. 



Theru und Rhodos. 



F. IIILLER VON GÄRTllINGEN 
STYLIANOS SARtDAKIS. 



■ < • i f i '* > ■ 



THK AFAMi:iAN EXEMl'LUM OF TUE ASIAN CALENüAli 
INSCIUPTION 

Im ediliiiii llie lexl ol' llie Prieiie inscriplion relaling lo ihe 
inlnxlucLion of tln' Asiuii Calendar [Mitt/i. XXIV p. '288 ff.), 
Prof. \\ ilaiiiow ilz - Moj'IN'ikIoiIT iioles sevcial discrejjancies 
helweeii il ainl llic Apaiiit'iaii f.vcfn/)liini (astiisfii \nC.I G. 
3^57/^ and B.C. IL X\ II |> 3 I T) j und lenutrks llial lUe Ab- 
schriften sind in der Anot dnuti'^ itn^etinti. Tlie fault lies 
willi AI iierard's c(t|)V. wliioli is allogellier strangely inaccu- 
raU.'. In 1897 I [iiade copies, and Look impressions, of Ijolli 
slones ; and as my Version düTers considerably IVoni tlial of 
iM. Berard and conlirms two or ihree of Prof. Wilamowitz's 
resloralions, il seems worlli publication here. Coliimns II and 
III were inscribed on lliree blocks, Iwo of wliicli survive, 
wliile ihe lliird seems to liave perislied. The firsl contains 
llie beginnings of tlie lines of col. II, llie second llie ends of 
ibese lines and llie beginnings of the lines of col. UM The 
first pari of col. II need not be repeated in ils entirely, as il 
is correclly given in C./.G., except for the Omission of some 
lelters al the edge of the slone, which are here given in their 
correct position. 

Col. II Co). III 

5:H n/d'l MINTHITQN 
n '///// ////BOIMENKAIEI 
A E //://// Y X I A I A n E I 
ZX '////MAANQ P0QI E N 
ö I O '//// 1 N H A I I T A A N A E 
T DNEYTYXHMA EHE 
O AABOITOYTOATQI 
NA lOEITINnEPAI 
NN I-ITAIKAIEÜEIO YAE 
10 IE ilTOIAlONEKAI 
OP MAIHTH in All N 
AI NEITONAYTONTAI I 
N //,MXHNEIIOAOY 



AHAONOTIKATATINAGEIANr.: 

nPOTETYnaM£NHIINAA<J)OPMh 

TONTIMHIKAIErTElAYIKOAON 

AYTOYEYEPrETHMAIINKATII 

PEKAITAEniNOHIAIMENTPOn 

^^'1 '! 'i! ll'l !/.i '': '/,N0PanOITHNKO 

::'!,' ' r rr !i' niT::, .ynpoirENHTAi 

// ;/ ; , AOKEIMOinAIQ 

AN , / , ,/,'/;; H N NE AN NOYMH 

lAPOI //AlONEKEINHTEnANT 

HTIIEITINnPOENNEAKAAANAQN 
TEPONTIMH0H I H PO Z A A BOMENI 7, 
MAAAONnAlINTEINHTAirNQP 



' The stone is uscd as a biiso td sii|i|Hiit a wndilcn inll.u iii ilic voiamlali 
of a liuiisc; licnce Iho ga|i in llic middlo (»1 Ihe iiisciipliuii. 



MO l.lTTEHATl'H 

Col. I. \j. I Trji, as reqiiired. 1^. "? i)Tz[o\ik\^oiu.iy . Tlie B ean 
just be deciphered on tlie Impression. L. 3 SiaTUEi-rov. L. 7 
ATQI sie. 

Col. II. i-i. 1 >caTX Tiva ÖEiav ; /ta[Ti Tiv]a Ov/av Pr. L. 3 Ti- 
fxr,;; T£tar,: Pr. E-sl ; £X£iS^ Pr. L. G NOPQnoiT sie tbr 
[a]v6pcl)7:ot;. L. 10 ijceivr, ; £/t£tvr,v Pi". L. 1 '"2 TturjOviL ; T£iaT(9ir) Pr. 

L. 13 yEivTixai ; y^"^'>''i"^o" Pi'- 

J. G. C. ANDERSON 

"^'i^^^O' 



LITTHHATUR 

tptXoXoytxög aüA^oyo; llitpvaGGo?. EllKiiiPii: IV, Athen 1900. 
Darin U. a. S. lÜi. M. Xpu'jo/öoc;, 'II ^EpaüXri ('Op[;.uXia). — 
S. 114. A. S/tta?, 2C'ji;.€oAal sti; ttjv Torroypacpiav tt); BotwTtac. — 
S. 140 r. ScoTYipta^Yi;, llspl zriq xoxoypacpta; xöiv ap^^^atwv Öyi- 
^(iv. — S. 191. A. Xp-/icrTOu.avo;, Oavapj^ata jj.eTaAXa [Analysen 
von antikem Blei ]. 

II. IvAHHAAIAi:, TÖ lEpÖv TOU 'A(J/t"Xy)7riOU 6V 'ETTtSauCü) Axi 7) 

OspaTTsia xöiv äoöevüiv. Athen 1900. 

ri. A. KOMNHNOX, 'ApxaStJta xpooariptxa ^tal ywpoypaipta xpot- 
GTOpt/.75<; 'ApxaSia;. 1. Athen 1900. 

r. AAMIlAKlIi:, 'II aovTj Aa9vto'j [XETOt tx<; £7ri(7X£uäc. Atiien 

1899. 

II. G. LoLLix;, KaxäXoyo^ xoG £v 'A6-/)vati; l-typaipt/.oO Mou- 
TEiou. 1. 'Apyaiicai ävaO-ouaxi>ca,t dxiypa'pai. Athen 1899. 

N. r. IIOAITMX:, M£A£xat Trept xoü ßtou xat x-?i^ y'Xw'iar,; xoO 
'EXVovixoü ).a&u. Ilapotaiat. I. Athen 1899. 

E. ^TAMATIAAIIi:, 'Etcexyici;; xr/<; "Hy£u.ovia^ Säaou Stä x6 i'xo; 

1899. Samos 1899.. 

lJ;iriii S. r.O kurzer Bcriclit iiImt ilas Musoiiiu in V.iltiy. 
A. ^TEIMMorAIAHi], Kaxä>.oyo? xöiv uttÖ xyi<; A. T^F. xou ocvxt- 
€aai)i£Cü(; xr/; Alyüzxo'j XeXü.'o A€€a; IlacTa Scopr/OEiccuv aiy'jrrxia- 
x,öiv äpya.ioxr/X(i)v st; xö {xouoeiov xoü £v i^xao) IIuÖayopEtou yjava- 

cto'j. Samos 1900. 



LITTER ATUR ll3 

A<-)HNA, 'j'jyYpatAfxa. TreptoSixöv xri^ iv 'A6r,va'.; eTUicTrijjLOviJtTJ? 
exaipEia?. XI, '.. XII, I, •>. Athen 1899. 1900. 

Darin U. a. S. (j.'j. II. N. lla.Ka.'(z<Mp-({otj, Kupia? Ösa; Mä? avixr^TOJ Enr,xdou 
vaÖ5 SV 'Eoe'aar, rf, Maxeoovtx^ (BooevoI?;. — S. 89. Derselbe, HiaaaÄoviV.rj? üxtü* 
EvsTziYpaipa ävay^^yip* ivc'xSora. 

ApMONIA, £7wI'7T'/;l/.ovi>'.ov TreptoJ^'./.öv rnjyYpau.aa. I, I-C. Athen 
1900. 

Darin U a. S. (j. W. Harlli, 'Ap/atoAoyixi ^r,Tr;aaTa. I. To Tajpaov oTiAa. — 
S. 19. K. M. KtovjTavTOTTOjXos, 'AvExooTO'. £7iiYpaifai l;:tTÜtj.6toi /piaTiavtxöiv '/po- 
vtov. — S>. (j,"k I. ÜCoptüvo;, Att'.xÖv ÄaV/.ov fjiiEpciXdyiov, f^ ^too^dpo; toü 'Ay. 'K- 
XsuOeptou. — S. 202. n. KapoXiB?)?, 'H Ioott) twv pd8o)v. — S. 222. K. P. Zr[ato;, 
Ke^aXXijvt'a; /piaTiavtxai (ip/ai()T7)T£?. — S. 263.<"). •t'iXaS£X(p£Ü;,'IaTopia tojv 'A6t)- 
vöiv u;:o xoj 'AOrjvaioj Stoaj/.äXoj 'I'oavvoj MrtEvi^Aoj. — S. .3(lß. W. Barth, 'Ap- 
■/aioXoYt/.ot ^/(Trlixa-ca. 2. 'II ir.iy.r'fiv.o; a;:ovOT|. — S. .»IG. K. M. KfovaTOVTO-ouXo;, 
Ai eTciYpa-jai toj Mjarpä. — S. .3."i2. F. KwvctTavTiviOT);, 'ETiiYpa^i-, e; 'Axapvavta; 
[Aus A. Vassiliits, Thyrrcion, wiid folgendes Epigramm milgelelll: 

0'j[8]c za-T[p a£, ^eTvoi, ö oüaij-opo; O'joe' (jle aäTr,p 

vuii^ioitov OaXaiAfüv EOpaxov ä;:To'a£vov, 
(iXXä ;:apö; oti vjxTa xara 7:TdXiv "Ap£V XuYP'ti 

'jtoTÖ5 uicö aTuyspäcs ouXd[x£vov naXa|j.a;, 
EixoaijrEVTaETT); o^ y*^^"» JctvuToTo Zevwvo; 

Nixap/o; li-üaTai? aiAtitYa vatETatov 
ouOE •io'^iü'31 är.oorjut; yaptv . . . to [ie'y«; "AtSst 

To'v [IE xaTaxTEivavca al'](a xaTaaropE'aat;. 

In V. 1 ist /u Anl'ang OYt^E lilitMlicrcrt : in V. :» ist kfini' Liicki' ange- 
geben. 

AEATION xr,; «v 'AXf^-upoi iptXapyaio'j exaiOEia; « xyi? "OÖouo? » 
T60/0? A' (Volo I.S99). ir (Athen 1899). 

Der ISOii gef,'riin(b'te Verein f,'iebt im ersten 11. l'i kurzen Heriobl üb.'r 
seine Tliätit;k('il, Ihwcrlmiipen, Vorträge, areli;iu|..t;isflie Anslliiüv nnil die 
AusgrabniiK ''incs 'rnnmlus in Alos, im zweiten Vfrüdcnlliclil er die bisher 
gesamnirllcn inscliririi'n. 

AiEHNiis E'i'iiMi^iMi: xr.i; voaiTu.aTt)CYii; apyaioXoyia;. .liiiiiMiiil in- 
ternational (rai'cli. nmnisniatiquo. II. 'i . III, I. Athen. I.S!)',). 
1900. 

Darin u. a. S. 303. M.P. Vlaslo, Les monnaies d'or d«' Tarenle.— S. 3iJ. 
I. N. iCCopwvo;, Bu^avTiaxi voimaaTixä ^'i-'i^u''*- — ■'~^. I. K- D- J. Dntilli, 
Hislori(|u»' des oolh'clions numismati(|iies du Musee Greeu - liomain d"Ale- 

.\THEN. MITTHEILUNGE.N X.W. 8 



1 I I FUNDE 

\anclri»\ — S. 31. I. N. Xloopwvo;, i^xOpo;. — S. 51. Derselbe, NojjL'apiaTa twv sv 
Atj'Xoj 'A9T)vai(ov xXrjpo'j/^wv. — S. .">"). 11. KauTpiiuTrjs, EtOTjTrjpiov toü ip/aiou 0:»- 
xpou Tfjt MsY^^'J'tcJXEw;. — S. 59. I. N. i]6ocwvo», Koipavo; ö riatpio; xai tö Koi- 
pav£iov.— .^. WA. J. Si\, Bio-iapliie de ^[. .T. V. Si\. 

E«i>HMEPis APXAiü.\üriKH, 1 8'J*) Hell '(. Allien US'.IU. 

Darin: S. 177. A. N. llxia;, 'Ejiiypa^at 'EXeuoTvo;. — S. 021 . K. Koupouvioi- 
tt;;, Tot^poi zatiaptoioi 'Epexpia;. — S. '2'.]\. Dei'sellie, (">u[j.iaTrJpta ; — S. TM 
A. N. 2jxia;, 'AOr^va'.'xat iTztypaaai £7:1 ßpä/ou. 

N.vciiRiCHTEN des russischen archäologiscljen Instituts in 

Konstantinopel. IV. V, 1. Sophia 1899. Odessa ]9()0. [üus- 

siscli]. 

Darin u. a. IV, 1 S. 152. B. Piiarinakowsky, Die Lescl)e ilcr Knidicr in 
Delphi.— IV, 2 S. 9. .1. Pargoire, Hieria.— IV, 1^ H. ICC. M. Rusldwzew, 
Inscliririen aus Makedonien. 

To IlEPiOAiKON MAS. I, 1-7. Pirüus 1900. 

Darin u. a. .~^. 10. I. ApayaTaT);, '() ap/aTo; Ilsipaisü?. — S. 25. Derselbe, 
flEipatxai «p/atoT/iTEc. — S. 57. Derselbe, '11 sixoatTiEVTaeTrjpU xo'j yEpaavixoü Iv- 
(iTiTOJTou. — S. ll'i. Derselbe, Mta sjtt'axe'l'!? eic tÖv äp/alov 'EXXtjvixÖv Naü- 
(jTaOuov. 



FUNDE 



In .\ltilva wurde wieder einmal angeblieli das Gral) des 
Sophokles entdeckt. Diese Nachricht, die iiiclil nur in Taji'es- 
hlätler iliren Wf'J, gefunden hat (Berliner phil. \\ ochenschrifl 
1900 S. 70.J, allerdings mit sehr berechtigter Skepsis) beruht 
nur auf einem Aprilscherz, der an die wirklich in der Nähe 
des Kolonos vorgenommenen Ausgrabungen ankniipfle (vgl. 
diese Mittheilungen 1899 S. 349). 

In I^eonidi (Kynuria) hat sieh in dem Geschäflshaiise des 
Xp. AauLacito; ein kruglT)rmig gearbeiteter Stein grIVindcn, der 
auf der gerundeten Oberiläehe eine lieliefdarslellung (sitzende 
und .stehende Person) zeigt. l)ort ist au(;li ein Sarkojdiagdeckel 
mit d«'r Inschrift 

NOS AXAPNKTi: llArXAPItiN 
gefunden worden. ("Aitu 10 Nosaß. 1899). Man kann sich des 
Verdachtes nicht erwehren, dass beide Stücke atiischen Ur- 



Sprunges seien, ersteres als Grabvase, letzleres wegen des De- 
motikon. Sie miisslen dann, im Altertnm oder in der Neuzeit, 
versehleppt worden sein. 

Beim üorfe Aouau^a [Qta^j'k'x) im Gebiet des alten Andan ia 
ist ein Mosaik römischer Zeit von etwa G'" Länge und o'" Breite 
gefunden worden, in dessen Mitte ein Tiergefecht, zehn ver- 
schiedene wilde Tiere und zwei Tierkämpfer, dargestellt ist. 
Die ornamental verzierte lilinfassung umschliesst acht kleinere 
Bilder, vier weibliche Brustbilder und die viermal wieder- 
kehrende Darstellung eines jugendlichen Kriegers auf einen» 
von l^anthern gezogenen Wagen. Bei diesen Kriegern stehen 
Beischriften: E'jvoüSx?, Eürviwv, 'lepwvo?, die vierte ist nicht 
zu lesen. In der Nähe des Mosaiks ist ein grosser Peribolos 
aus regelmässigem Ouaderwerk erhalten. Kavvadias ist ge- 
neigt hier das Karnasion zu suchen. Ausgrabungen sind 
beabsichtigt und bringen hoffentlich die Bestätigung dieser 
Vermutung. ("A<ttu 28 Matou 1900). Weitere vorläufige Un- 
tersuchungen haben an derselben Stelle noch Beste von zwei 
anderen Mosaikböden festgestellt. ("Attu IG. '10 'louvio-j 1900). 

Im Dorfe ^oöX-. (Demos l.ykosura) ist eine Stele mit stark 
beschädigter Inschrift (es wird nur vom Ende das eine Woi't 
'Ep(x6ia? angeführt) durch N. MTroßepo; entdeckt und der Be- 
hörde übergeben worden. {'EgxIv. ':?9 'AttciXio-j 19(1(1. Arr-rj 3(1 
'AxpiXiou 1900). 

Im Dorfe TityyeXi bei Almyros wurde beim Ackern ein 
überlebensgrosser bärtiger Marmorkopf gefunden und in das 
Museum in Almyros iiberführt. Das Gesicht ist zerstört, der 
Hinterkopf ist mit Gewand in regelmässigen Fallen bedeckt, 
die Arbeit wird als archaisch bezeichnet. ("Act-j 17 Maij-j 
1900). 

Aus Eretria wird der zufällige Fund zweier Gräber im 
Acker des X. Ka-oxlrit; berichtet. Der Inhalt war ärnilich. Im 
einen fand sich eine Thonlampe und ein Bronzespiegel, im an- 
dern vier Tbongelässe. 'Sa)tpuppöai'. Die Funde übernahm die 
Behörde. ("A'jt'. 19 'l-eßo. 1900). 

Wichtiger sind die h^rgebnisse der diesjährigen Ausgrabun- 



Illi FUNllK 

2;en des Herrn K. Kiii'uiiiolis. Kv hat das Heili2;Uim des 'A- 
TÖXXwv Aacv^^popo; resiii;eslellt. l.eiiler ist es selir zt'rsliu'l. vom 
Tempel ist nur der liUerbaii und wenige arcliitektonisclie 
(jli(Hler aus Porös erhallen. An liünzelfunden sind ausser In- 
schriften zu nennen: zwei archaische männliche Köpfe und ein 
Urkundenrelief. Artemis ujul Ajiollo heim Omphalos. ("A-ttu 
30 Maio'j M.IOO). 

im ätolischen Dürfe XpuaoSiTaa (bei Agrinion) fand ein 
HaiH'r zulällig etwa ^MH) Terrakotlen ; die meisten stellen Mäd- 
chen mit Gelassen auf dem Haupte dar. Ausserdem fanden sicii 
etwa 100 ganz kleine Gefässe verschiedener Form; nur ein(; 
grössere Lekylhos war dabei. Der Fund ist der Behörde über- 
geben ("AcTu '21 Mapxio'j 1800). Der Berichterstatter nimmt 
an. dass die Fundstelle, am steilen Abhang unterhalb des 
Dorfes, darauf fiihre, dass hier eine Töpferei gewesen sei. 
Nach der Schilderung wurde man eher an die Weihgeschenke 
eines Heiligtums denken. 

In Volo sind bei der Fortsetzung der Arbeiten zur P^ntfer- 
nung der Beste der ehemaligen Festungswerke prähistorisclie 
Gräber entdeckt worden. Sie werden als viereckig, aus Plat- 
ten von Schisl zusammengesetzt, geschildert, lagen in grosser 
Tiefe, bis zu (S'" unter den Fundamenten der Kastellmauern, 
und landen sich im ehemalio;en Festunü;so;raben von der West- 
bis zur Ost- Seite. 

Die Leichen lagen darin gekauert, die Beigaben waren spär- 
lich, nur einzelne Gelasse fanden sich. Ein reicheres Grab 
enthielt neun Gelasse und verschiedene Schmucksachen ; al.s 
Fpoche wird die vormykenische genannt. Da die Funde durch 
Herrn Tsundas unt(M'sucht worden sind, dürfen wir von ihm 
wol einen genaiuM'en Bericht erholTen , und wir führen diese 
l'^ntdeckungen nur an. weil sie Veranlassung zu Erörterungen 
auch iihcr fridiere Funde in \'olo ij;evvorden sind, die unseres 
Wissens sonst keine l']rwähnung gefunden haben ( P. A|)osto 
lidis in der 'Vdi'^-n too Xaoö, \'olo 7 - ^>(S 'Axptltou 1000 und N. 
Januopulos in der H£(7^a>.ia, Vido I (S 'ATupiXio'j 1000 mit Bück- 
verweisung auf dieselbe /cilung vom 1 'i '^i~T. IJS!).") und 18 



ruNüE 117 

Nocao. I<S*,J<S). iJie lielL'üliiiuni'en sind clarnacli z. T. sclion 
byzantinisch gewesen ; heim Bau der Ivirche "Ay. ÖeöSwpoi im 
nordöstlichen Teil des Kastells sliess man darnnler auf Beste 
einer byzantinischen , aus antiken \\ erkstiicken bestehenden 
Kirche. Diese und andere Baustücke bezieht Herr Jannopulos 
aut'den liier vorausgesetzten Tempel des Apcdlon su.Sx'jio? oder 
(XJCTaio:. Aus römischer Zeit stammte eine als 'Bad ' bezeichnete 
Buinean der Strasse, die vom Kastell zur Bahnstation führt. nahe 
bei dem Haus des Metropoliten. Es war nach der Beschrei- 
bung ein aus guten Ziegeln gebautes Hypokauston mit runden 
Stützen. Eine Thonröhren - Leitung, die sich im Festungs- 
i^raben bemerken liess , führte auf diesen Bau hin; sie 
mag mit ihm in liezichung gestanden haben, auch wenn es 
nur Beste eines Wohnhauses i^ewesen sein sollten. Mehrfach, 
zuerst am nördlichen Vorsprung des Kastells, dann hScS'j am 
nordöstlichen Ende des Festuniisj^rabens. wurden auch liuni- 
sehe Gräber entdeckt, gf^bildet z. T. aus einem, z. T. aus je 
zwei, mit der ÖlTnung aneinander geschobenen Bitlioi (andere 
Beispi(;le dieser Bestattungsweise bei 1\ Schadow. Altische 
Grablekythos S, (S, ausserdem z. B. AeXtiov äp/. I.SSS S. loil. 

I'29. 130. 'E9-/;L;.£pi; ipy. l.S<)8 S. '.)\>. -^dS--? I 0. llpa/.T'./.x IS'.lT 

S. 21). 

In Saloniki wurde IS*,)-.> im Friedhofe der y.yia llxzy.'jy.vjr, 
eine l,'-2r"liolie, (l.'iT breite und 0,IS dicke Stele mil fol- 
gender Inschrilt gefunden, deren Milleiliiiig wir der Gute des 
Herrn P. Bapageorgiu verdanken : 

'AyaOf/i TÜyr,'.' 

A'JpT/XlOV ()Üa.X£VT£l- 

vov tÖv ö'.aayiu.ÖTa- 
TOv TpiboOvov BaTaö- 
."> viüv x.ai oitzovTa x'x 
y.iori TTi; riygu-o- 
via;' tÖv x,TiaTy)v 
■'n ^aaTTpoTXTr, 



118 FUNDE 

[[y)l] tcöXk; ^ 

C 
Z 

T 



B«Taö|vü)v scheint, wie Herr Papa^eoigiu bemerkt, ein Slein- 
metzfelilor lür BaraoOcov zu sein. 

In SaniothraUe hat Herr N. W. Phardys den unteren Teil 
Her von Conze. Keise auf den Inseln des thrakischen Meeres 
S. Afi venttTenllichlen Inschrift in einem ll,.'J(S"' breiten, 0, 'r2 
hohen und (),h2 dicken Bruchstücke entdeckt, das I<S*)r) in 
den Trümmern der Kirche der llavayoöf^a tcöv AXwviwv i;efun- 
den jetzt über der Thür dieser neu aul'j^ebauttMi Kirche einge- 
mauert ist. Der Text lautet nunmehr (das neue Stiick nach 
Abklatsch und Abschrift von Bhardys): 

"ESo^ev T£i ßou>>rjt* fia'7i>,£'j; 

AfcoOxpGiri? Il'jOo)C>,£iSo'J 

girfsV ETreiSy] llxoXeu.ai^i- 

0(;] 'Aaeivio'j TopTÜvio; [7rpö^£- 
5 voj; wv rr,; tÖXsu? j^[p£ia; tcoX- 

Xäl(;) xac£y^6a£vo; [ 8iaT£- 

A£i x.ai /.oivyjt T[7ii rröXec 

- x.at TOi<; £VT[uyjrocvouTiv 

TCüiA 7:oAtT(I)[v If^iai, Y) Vi ßouXy) 
10 ::ojo6i6q'j[X£'J/',£v 

lY MI I rpogißo'j- 

>,£'jy.£v a'jTciJi y.xl Eyyövo'-L^j Trtpi 6- 

TTxivO'j x.ai zoXtTEia;, SfiSöf^Oai 

TCüi öYiuLwi Toü; £T:'.'7TaTa[(; etce- 
I T) pj(j)TY;Tat TViv Ex.x.Xvi'Jixv /cara t6v [vö- 

y.ov, £1 öo/t£i Soövai TToXiTEiaa IItO|>£- 

ixatwt 'Ai/.£ivio'j FopTuvtwi x,ai £x.y6- 

ViOi?, x,ai säv ^ö^'/ii, T'jvTgXfifjai 

X xl Tr,v '4/r,cpo(popiav £v Tf.i^i^ xaOvixo'j- 



FUNDE 119 



TcävTwv (I)v x.al Ol aXXoi TroXiTai 
[xeTe/O'j'jiv. ävaypa'yat ol töös t[ö 

vai ei; tÖ iepöv ttj? A6r,va(;. 



'i') 



Z. 5 noAEOi^ Conze. (1 ztapex Conze. Z. I I . die erste, 
sie, sclilc'cht erlitillenedes unteren Stückes, scliliesst mitgliclier- 
weisc nicht direkt an Z. Kl, die letzte des oberen Stückes, an. 

Auf der zu den I! ekaton nesoi bei Lesbos gehörigen Insel 
Daskalio sind nach Mitteiluni; des Herrn 'Eu.a. Aa^iS in Ky- 
donies bei einem dort erhaltenen mittelalterlichen Kastell man- 
cherlei alte Ik'ste gefunden (Nea 'Ecpri^-spi?, Konstantinopel -21 
Mapxio'j 1900): 

Säulen und Kapitelle, eine Sonnenuhr, deren Stunden mit 
liuehstaben bezeichnet sind, eine kleine Grabstele mit Inschrift, 
ein lUilief und Architekturü;lieder ; auf diesen letzteren seien 
lns(diriften vorhanden gewesen, aber zerstört worden. Der 
heiichtcrstatter teilt nur einige andere Inschrillen mit, die er 
selbst abgeschrieben habe; die letztgenannte belinde sich jetzt 
im Gymnasium. 

Marmor l,<Sl lang. (),."n breit: 

lATPOI TUN riAöüN llPEl^BErv:.VTE 

\'oi' der Inschrift die drei Buclistal)en 1 X I. 
.\iif einem Marmor \ .'M\ lang, 0.."{0 breit: 

Al'ElKIOV :i:OAOMüNOS EIIM^ANIAOI 
IIANTÜN TL>N TENAMEN 

Nach dem zweiten und dritten Wdrl ein Zeichen wie ein 
Schluss- Sigma. .\uf der anderen Seile desselben .Marmors 
steht: PAIllNOV l^'N 

Auf einem Marmor von II. '.MI'" Länge und W.'M Breite: 
OIMÜN IIATEPÜN ETENONTO 

Am Schluss dieser Inschrift steht: XMT'I^H (J). 

Auf eiruMii Marmor von l..'{(l Länge und W.X) Breite- 
E111«1»A\R)V MIZOTEBUl" 



1?0 FUNDE 

Auf pinei- riuidtMi iMartnorsäulc, O.'ÜV" liucli, 0,0(1 im Um- 
kreis ; 

TOVTO TO MNII 

MEiON p:v'i>po:i:r 

NOVKAI EAllIAOri^ 
TUN OPHOKAEOVS 
TOVAIlINOrENOV 

Der Scliriricliaraklei" dieses Steines sei alter als der der übri- 
gen. Der Xamo ATTivoyiv/i;, über welchen sieb der Bericbter- 
stuller wundert, wird wol verlesen sein aus Myivoyevr,?. 

In Eski-Scbebir ( Dorylaion) bat Herr Micbael Koim- 
zoiilu von mebreren IViscb ausi'e''rabenen Inscb rillen, die bis 
auf eine soj^leicb zerseblagen wurden, \\enij:;stens diese durch 
Abschrift erbalten können: Platte von I,"?.")'" Höhe und 0,75'" 
Breite mit zerstörtem Kopf über der Inscbrilt. 

'Apöt^aio'j 

A(ll) ßpOVTÖiv- 

[tiJ £u}rriv. 

In Smyrna ist im Garten des ehemaligen englischen Hospi- 
tals ein Marmorblock von 1,10'" Höhe, 0,^)^) Breite und 0,.")^ 
Dicke gefunden, dessen inscbrilt, von Eontrier im Coiirrirr 
de Smijrne I I. Nov. 1(S09, darnach auch in der Nea 'E^pv;- 
ly.epi?, Konslantinopel T)/ 1 7 NosaSpiou 1(S*.)1I verölTentlichl, uns 
in einer Abschriit G. Webers vorliegt. 

T. «I>X. 'Axo)^>.d)viov, 

«piXoae'GarjTOv, 

XeiTOupyöv evSo^ov, 

tÖv Ypaay.aTe'a toö ö-/;u.O'j, 

T£T£lU.y)U.£'vOV TTapä TOO 



FUNDE 

Rasur von 10 Buclislahcn Tri TcpooTaaia 
Tri?] Tcpa^EO); tojv upoiv 
1(1 iywvjuv Toö >ajj.7rpoTaTO'j 
TJrj; 'Aiix? eOvo'j; 
Ty)]v TcUi.r/V 'Ovr,'7i[y.o[u 

t]oü l'JVyeVO'j;. 

frei 



121 



In ßunarbasclii hoi Smyrna befinden sich zwei stark zer- 
hauene Marmorsliieke, das eine in einem Garten, das andere 
in (h'r Schule, die nach G. Webers Mitteilung eine viereckige 
Basis bildeten, aid' deren vier Seiten die Inschrill zweizeilig 
angebracht war {Vonlv'u'r,Coiirrier de S/tnjrnc 'I 'i März 1000). 



•)ANOYCAAe 
KAHZ" 



ONO jAAHMHÄAONexeiNTO ACO 

lAF ; JAOMlKYnPIC | 



Z. I ENOA stall ONO F. AAHMHAONEXElNIOEAn F. 
/. ? KAHZO F. 

In einem türkischen Friedhofe bei I3unarbasclii liegt ein 
über T" langer Maiiiutrbalkcn mit Zahnschnitt , dessen In- 
schrill nach G. Webers Abschritl lautet (ungenauer Fontiier, 
Cuurrier de Sniyrne Vi März 1900): 



XäpyiTa nepiye'vo'j; 
vipciix. 

Sardes. Rings gebrochener Marmorblock, noch 0.;V?"' breit 
und 0,30'" hoch, verbaut in einem Hause in dem .hiiiikiMi- 
dort' bei dem sogenannten KybeleltMiipel. Altselirill \(in G. 
Weber. 

TCO^VJixrjV xal äpyi6pY)T[6ÜoavTai 
Tvji; S&UTjpa? X 
y;6oi Tri; ßouXY5[? 
V. 7rpovo"n(ia[(ji.6v • 



\ 2C FUNDE 

- ßio'j Eiciy6v[ou 
xjai iTpaTYiyo 

.aio'j To[ii 

In L rti;anli, einer Slalioii z\viseli(;n Kassalta iiiui Sariles, 
isl eine Marmorplatle gelunden und nach Kassaha i-ehraelil 
worden . welche die übliche Verzierun^j; einer vierecki*^en 
SchrifUat'el mit seillichen trapezrOrniigen Ansalzen und darin, 
aber niehrtach unreiielmiissii;" über die h^inralununi; hinaus- 
üreilend, iolgendt' inschrül zeii;l, die wir nach einer IVeund- 
liclisl iiberlassenen IMiolOi^raphie Herrn V. Gaudins inilleilen: 

'AvO'jTirÄTio E AOAA 

oeSaTTTJ. Aöp. jNlYjvö'pavTO;" 'Em:i^i[(iivo]<; 
y.ai Aup. Eufy.eveioc" y.xz£n/.vjOLr![cf.^ 
tÖ Yipcöov aOxoi;' x.ai" Aup. Mr,vo'p[äjv- 
5 T(i) x.ai' A'jp. Züiiiaco xot; T£X,vot(; 

x.ai Aüp. Miovo^xvTü)" tw iyyövco 
[[eyyova eyyovo?]]' [t-ixk Ss touto 
[i,y)öeV'. s^öv £(TTat TeOyjvai £'j[ü> 
TTj; Oüpai;' cö«; iötv Zcüt'./.Ö; x.al 
10 'ETi>tTr/(T'.; xa Opeat/.ZT'.a -ocpaaci- 

ij/oosvo;" EyovTO?* s^O'j'jIO.v y.v.- 

6 x,etvy)(ja5 G/iTei i; to {£pü)Ta[TOv 
15 Tay.jiov öYivapia %'.o/ i'Ckw. 7r£VTa)(,6cr[i]a* 

xaji'iTpofpiaco tö» iSsAip'.öti tcov 7wai(^i(i>;^vl c['jv£- 
y6i^r,(jx STz-OY ...S O- . t-/;; O'jpa? - - - ei] S[£ tk; 

toütO'j; äiirje^rai] £T6p[o? --- ______ 

FMi i lade] j» heia. I . PI alte mit Ralimcn,unlcn abgebrochen, 
0,57'" i)reit , (1.10 dick, noch (l.od hoch. Abschrift von G. 
Weber. 

'AyaOrii T'jyyii. | Aup. NEixrjTviv Aia|oo'ja£vo'j iizi te | r,6£i 
p x.ai ^io'j GEavölTTjTi >tai eu^raOeia || STratveOevTa, äpy'j|poTai/.tev- 



FUNDE 123 



i7.£vo4 Ne II ...]6po'j y.al 'lo'jXia | T 'Pjou-psivioc | v: 



•2. In der übcrstadl. auf einer Grabstele, deren Relief weg- 
gebrochen ist. Abschrift von G. Weber. 

Ila'jXeivo«; vipü); So{AOTe|>tT(i)v ivOiSe -/CsiTat 

xal I [/exETcetO' lep-/i [/.Y;Tr,p <7(ö(T£ipa vttüv ävopcüv t€ Y'jvai|Äü)v. 

3. Marmorblock bei Nikolaos Persenoglii, 0,08'" hoch, 0,60 
breit, 0,'(0 dick. I^legante verschnörkelte Buchstaben von 3"" 
Ibdic. Abschrift von G. Weber. 

'H ßo'j).y5 y.xl 6 Sy;iv.o? | >tat f/ yspouTia £Tsi|ixr/oav A. 'Av- 

.) -rtöviov I 'AyaOoTTOoy. avSpo, j x.aXöv y.ai äyaOov || xo'jpaTopsO - 

lavra | öeJcaTcpwTeuTavTa | 7cavToyupiapyy)(javTa | aywvwv x.o'.- 

10 v(jiv Tri; 'Ajijiaf; cpiXoTsi^aw; xal || avaOevra tyj ly.kv ßo'jjXr, X 'a-p 

1.) Kai TT) yspo^lTia x'ar Trpö; t6 tov | i'nr' aüxciv töjcov Sta|v£'L/.£- 

lOai TOi; ßo'jXe'j || xai; Koti yepo'jciacTai;. 

'i. Marniorblock in demselben Hause, 1 , 'jO"'hoch. 0,0,') breit. 
0,5o dick. Abschrift von G. Weber. 

['II ßouXy; Axi 6 SriüLo;] | y.al oi 'Ptuuaio'. x.ai f, ytlpo-jTia £T£i- 

5 (j,r,Tav I TiTOv «I>Xxo'j'.ov j 'AOrjVöSwpov xvSpa | GTsqpavYi^opixöv || 

I iTO'j 'I^Xaouio'j IlaTTiO'j | ulöv avocö;; TTc'pavY^j'popo'j £/. "payö- 

10 vcijv y.ai | TTÄTav »piXoTfitaiav a::o|S£8oj/tÖTO; ty; Ea-jToO |[ xa- 

xpio'., TOV ö£ AO-/ivöoti>|pov xai auTov «piXoTEiaco; | ivairpaiiEv- 

1.) Ta TYi Ea'JToO I TCÄTpiSt, ^ExaTTpoiTEÜGavTa I y.xl Taau-j^av-ra' 

TTiv Se II T£iu.y;v ävETTrTEv K'AXDJSia 'ApiTTÖK^E'.a f, u.r,Tr,c ] x'j- 

TOÖ £)t T(üV iSi(j)V £'Jj(T£S-/])tÖTt U.S T£'/.V(i). 

Die erste Zeiii- iniiss auf einem anderen Blocke gestanden 
haben. 

.'). iMarmorblock in demselben Hause, von der.selben Grösse 
>vie Nr. 3; nach Abklatsch von P. Guudin. 



124 FUN DK 

r. looXiov MajteSöva | A'jpy))aavöv avSpa KaXöv | kxI ayaOov 

5 T^ept T6 T7;v I TraxpiSa xat t'/jv •ep(i>Tä|[[Ta]]TYiv ßou>>Y)v i'v t6 

ip II /xi; x.ai XsiTO'jpyiocK; | So)tiu.o>TaTOv, j^peo(pu|Xä^avTa. y.O'j- 

10 paTops'jjnavTa, Taa'.[^aT]]£tjT3tvTa | ev aYop3ci[[a]], TcavYiyupiap- 

yy;|;iavTa sv xoivci tt); 'Aaiai; | äydiv., (jeiTWvrjTxvTa, 7r£t{;av| 

15 Ta Tcap' iauToO, £i<3ay(j)y£[a y£l|v6a£vov -/.ai £v aXXot<; x>,£io|7iv 

sü^pyjCTOv yevOjU.Evov || x.xi uTnopeTrjffavxa tyi 7uaTp[i]Si, äva(yT[y)]- 

TavTa 0£ tÖv I dcvop[i]avTa £/. xciv tSicov. 

Zu T:i'\ix\xx in Z. l"? vi;l. Lcbas III O'iT ütcej tce-J/ew; yjfy.epoiv u. 
0. Im Hause des Abaji Karisi ; nacli Abklatsch von P. 
Gaudin. 

— jEvriav IlX(i)Ti|[a]v, 'Epy.oy£v/iv /.xi ]\I{[y)]v6(piXov xou; uloij; j 
5 [a]uTyi<; 'Ep;7-oy£vyi5 MY;|[vo]cpiXou £7rot-/)'j£v K || . . (p-äSt tyj äSeX- 
(piSi I [AVEta; yaptvjQ' 

7. Im Hause des Hussein Moussout. Nach Abklatsch von 
P. Gaudin. 

OvriTity.jo; 'l'XaSia | t/.viTpi iSija avia^ /japivjc?' 

8. Ehemals verbaut in der Mauer des Hauses von Persen- 
oj^lu. jetzt im Hofe desselben Hauses. Nach Abklatsch von P. 
Gaudin. 

'AyaBrji Tu/r;i. j M. Aup. 'ApT£[j.(iiv j ^ toO 'lou/to'jvj^o'j ö >tpi- 

5 TL'iTOf; I T'jvr.yopo; toO || lEptoxäTOu Ta(X£i|o'j 'AXE^xvSpEt'xi; x.ai 
10 A'iyjTCTO'j I TTZTr,; /.ai AiSüjr,^ Mapf^-apixTi; || Aup. MTOvoy£|v{S(X 
TYiv yXu|>t'jTäTr,v 6u|yaT£pa. 

Offenbar identisch mit Lebas III O."")!. wol auch mit HC II. 
1877 S. 85 (Cyriacus), wo die unmögliche fi. Zeile durcli fal- 
sche VViedorholimg des Anfangs zu erklären sein wird. Der- 
selbe Mann auch MAL 1.S05 S. 'IW. 

0. Aufgedeckt im Keller von Persenoglu. Nach Abklatsch 
von P. Gaudin. 

[•j 'louXiov Ilo|[<i]£iSa)viov I [y]£iXiapyov j [A^'jyoörjTOu | 6 SfjL/.o?. 



FUN DK 125 

Dass zu Anfang nur ein Buchstabe fehlen kann, geht auch 
aus der syinniPtrisch gesetzten Unterschrift 6 S-^uo; hervor. 
Wie unter diesen Umstanden das Rätsel der vierten Zeile zu 
lösen ist, wo der Abklatsch sicher Yl OYZTOY giebt. aber 
AjuyouiTO'j nicht verbietet, ist schwer zu sagen. 

Die Herren M. Pappakonstandinu und G. Weber sciiicken 
uns Zeichnungen eines 1'" hohen, runden, mit drei Rukranien, 
Rosetten und Ciuirlanden verzierten Allares aus weissem Mar- 
mor von O.or)'" Durchmesser, der in 'Irailes am Südabhano-e 
des ikirgberges gefunden und in die Sammlungdes türkischen 
Gymnasiums Idadie in Smyrna überführt worden ist (veröf- 
fenllicht von Fontrier, Courricr de Smijrne 3U AJiirz I90U). 

Ko'.vTo; Kaiy.tXio; 
SxpxTOvi/CO'j 'j'iöi; ArjU/Zirpio?, 

'EpfJLO/tVo; 'Ep(;.0)t>.6i0l)? 

'/iptix; /priCTTe /atpe. 
^a^aiOi; 'Ep[j.O)t>£0u?, 
SapaTcicjv 'Ex.axoavci) 
i'y/xoKoxi /aips. 

Ilci'r M Pappakonstandinu sendet uns die Zeichnun» einer 
viereckigen prolilirten Basis, die sii-ii an der Cisterne des Gar- 
tens A£>r,;7.av(oXr, im Dorfe Kara-ular bdindet. wohin sie w(d 
aus Alabanda \(M-s('lilepj)t isl. Unlcr der liisi-hriCl in Relief 
ein ua(d<ter Athlet und neben ihm ein Palmzweii« und ein 
Widder. 

— pia? TrpwTYii; - - - _ 
IIo>>'jv£i/C-ri(; 6 Opai'j; Sö;av e^ojv ä'voTrXov 
TZTav ezap/Eiav ev TTaSioi; tcyov iXstTTTO; 

ouyj ri/^fi Xsi-pOei;, 
aXXä v£0? yspapöv aöi- 
[xa xaTEicyiaaTO. 

Derselbe send«! uns ilie Zeichnung eines aus Alabanda in 



126 fUNbfe 

den Besitz des Biscliofs Tarasios in Tliyateira u;el<omnienen 
römischen Grabreliefs (Büste eines .)ünglinu;s mit \'r>gelclien 
JariinltM') mit der Iiiselirift : 

STpaTOiv. /.xi 'Apy A')£pa- 

fxvia; yapiv. 

P. sclireibl al) APXEPATIKH. liest aber selbst 'Ap/upaTixY;. 

Im Couvricr de Srnt/rnr 10 März l'.MKI veridTentlicIit A. 
Fontrier neue Inschriften aus der Kayster-F bene corrige'es 
et avec des restilutions plus ou moins certaines, /nute 
den mu)ir des copies et des esta/npai^fs. 

1. In einer Hausmauer im Dorf'e Adii»ün)e östlich von Tire; 

Atov]ucio; MgvsxpaTOu 

£7;oiYl]c£V TO [;.vyi[JL£i0V 
£V0) */]p(i)t. yp-^GTS /^pf- 

"2. In einer Hausmauer im Dorfe Ouzooni", nordwestlich von 
Tire, hoch U,'<0"', breit O.GO'". 

T6 yjpölOV £['JTIV 

Ko. KaXxo'jpviou 

I> xai 'Po'j- 

cp6[ivY); 'IIp]ü)öO'j, Y'j- 
vai)C0(; auTO'j, kolI ä- 

7CeA£tjO£p(i)V aUTCJV. 



SITZUNGSPIIOTOKOLLE 

Am Winckolmannslago (los Jalires i.S*.)*.) waren fiinfund- 
zwanzii; .laliio vcrnossen, seit O. Luders dieallienisclieZweig- 
anstall des Deiilsclien Arcliäologisclien Instituts diii'cli die 
erste öttenlliclie Sitzung feierlich en'ifl'nete. I^eider hatte der 
Bau des neuen Saales nicht zeilig heendet werden ktuinen. 
und die erste Sitzung des W intei's, durch \\(dclie auch diese 
Krinneruni»" arefeiert werden und zuuh'ich der X^uhaii cincre- 
weiht werden sollte, mussle his zum \'2. März l'.IOO vcrscho- 
hen werden. 

S. Majestät der König der Hellenen war leider im letzten 
Augenhlick durch eine h]rkrankung verhindert worden, zu er- 
scheinen, dagegen heehrten I. Kimigliche Hoheiten der Kron- 
prinz und die Kronprinzessin sowie Prinz Nikolaos das InstituI 
dui'ch Ihre Gegenwart. In der grossen Festversammlung durf- 
ten wir auch das griechische Ministerium, die diplomatiscdien 
Vertreter der fremden Mächte und die einheimischen wie frem- 
den Gönner, Freund(» und Collegen des Instituts dankhar Im- 
grüssim. Zuerst nahm der erste Sekretär. Herr \V. DiirpIVId. 
das Wort: 

'Kndlich ist der Tag gekommen, nach dem wir lange aus- 
geschaut, der für uns so wichtige Tag, an dem das Kaiser- 
lich Deutsche Archäologische InstituI im neuen Saale sein 
fuufundzwanzigjähriges Jubiläum feiert'. 

'Uli' tiheraus zahlreiches h^rscheinen ist uns ein Beweis 
Ihrer sympathischen Teilnahme und verpilichlet uns zu leb- 
haftem Danke. Insbesondere schulden wiri'^uren Königlichen 
lloInMten aufrichtigen Dank, wird doch dur(di Ihr l'j'scheinen 
unserer Feier eine besondt-re Weihe \erlieheu. Auch den Mi- 
nistern dieses schönen Landes, dessen Gastfreundschaft wir 



108 SITZUNGSPROTOKOLLE 

geniessen. iiiul don zalilreichen olliziellen Vertretern vieler 
fremden Nationen habe ieli unseren verbindlichen Dank da- 
für auszusprechen, dass Sie durch Ihre Gej^^enwarl die Be- 
ileutuni»; unserer Feier heben. Und auch Ihnen allen, die Sie 
unserer Einladung als Vertreter einheimischer Gesellschaften 
und X'ereine oder fremder Anstalten, als alte oder neue Freunde 
unseres Instituts, als Kenner oder Verehrer des klassischen 
Altertums Folge geleistet haben, rufe ich ein herzliches Will- 
kommen zu '. 

'Schon am verllossenen 9. Dezember, als am Geburtstage 
Winckelmanns. hätte das Jubiläum des Instituts gefeiert wer- 
den müssen. Wenn wir das Fest bis heute hinauszus(diieben 
ü;enöti«^t waren, so ist der Anlass in solern ein erfreulicher 
gewesen, als wir jetzt den Fhrentag des Instituts im eigenen 
Hause und in diesem stattlichen Saale feiern können. Die 
Deutsche Reoieruno- und der Deutsche Reichstag haben nicht 
nur die Mittel zum Ankauf dieses von Schliemann erbauten 
und vom Institut bisher nur mietweise bewohnten Hauses, 
sondern auch noch eine genügende Summe bewilligt, um den 
grossen neuen Bibliolheksaal zu bauen, der heute, obwol er 
wegen der knappen Bauzeit noch nicht seinen vollen künstleri- 
schen Schmuck erhalten hat, wenigstens provisorisch benutzt 
und eingeweiht werden kann'. 

'Fünfundzwanziof Jahre sind im menschlichen Leben ein 
langer Zeitraum ; nur Wenigen ist es vergönnt, nach einer 
Entwicklungszeit von fünfundzwanzig Jahren, noch länger als 
ein Viertel Jahrhundert in voller Kraft thätig zu sein. Für eine 
öffentliche Anstalt , für ein Institut, sind sie dagegen eine 
kurze Spanne, feiert doch z. B. die Berliner Akademie, mit 
der unser Institut in enger Beziehung steht, in diesen Tagen 
ihr zweihundertjähriges Jubiläum und sieht auch unsere ältere 
Schwester, das deutsche Institut in Born, bald auf <'ine er- 
folerreiche Thäti^keit von 75 Jahren zurück*. 

'Gleichwol bezeichnet der heutige Tag für imser Athener 
Institut einen wichtigen Abschnitt. Hinter uns liegt das erste 
VierteljabrJiundert, die Jaiire der Entwickelung,die Jahre der 



SITZUNG8PH0T0K0LLE 1-29 

ersten Arbeiten. \V)i' uns lient liotTentlicIi ein langer Zeilrauni 
gewissen liafl er und ergebnissreicher Tliätigkeit zum Wohle 
u n se re r VV i sse n sc 1 1 a f t ' . 

'Der heutige Tag. ein Markstein in der Geschichte des In- 
stituts, legt uns die Pllicht anl", einen Kiickhlick zu werten 
auf seine bisherige Thätigkeit, rüekwärls zu schauen auf den 
zurückgelegten Weg und zugleich vorwärts zu blicken auf die 
noch vor uns liegende Arbeil. hinaus in eine hotl'entlich se- 
gensreiche Zukunft '. 

'Am Geburtstage Winckelmanns des Jahres 18'28 traten 
mehrere Gelehrte und Künstler verschiedener Nationen in Koni 
zusammen, um eine .Anstalt zu begründen, die ein Centrum 
biblen sollte für die archaoloo-iscben Studien und lieobachlun- 
ü;en. iNeben i^luard Gerhard, dem eigentlichen Begründer des 
Instituts, sehen wir Deutsche, wie ßunsen und Keslner. 
Franzosen, wie den Duc de Luynes, 1 1 aliener, wie Fea und 
horgbesi und den bekannten dani sehen Künstler Thor- 
Nal'lsen als Mitglieder der neuen Anstalt. In dem kunst- 
sinnigen preussischen Kronprinzen. dem späteren Könige Frie- 
drich Wilhelm l\'.. (and das Institut von Anfang an einen 
warmen l^rdtector. Durch seine huldvolle Vermittelung erhielt 
es bald eine Unterstützung von der preussischen Regierung. und 
tiat am Fnde der IVmziger Jahre in eine feslere heziehung zum 
preussischen Staate, der ihm einen jüiirliidien Ziischuss be- 
willigte Zehn Jahre später wurde noch von F. Gerhard selbst 
der Antrag an die preussisclie Kegierung unterzeichnet, das 
durch seine hervorragenden Arbeiten schon bewährte Institut, 
das allmählich zu einer Hochschule für die deutschen .\riliäo- 
logen geworden war. zu einer preussischen Staalsanstalt zu 
machen. Der .\nlrag fand wohlwollende Aufnahme und am 
18. Jidi I.S7() genehmigte dei' dem Institute stets wolge- 
sinnte König Wilhelm 1. die Ibernalime des Instlliils auf das 
Ordinarium des preussischen Staatshaushalles. Die Central- 
direetion halte ihren Sitz in hei-lin. das Genirum derwis- 
sensclial'lliclien 'riiätiukeit war Hom '. 

'iNielil lange blieb die .\n>lall eine preussiscln'. hald nach 

ATHKN. MIT IHEII.l NCitN X.W. 9 



l;{0 S ITZ UNllSl- 11(11(1 KOI. I.K 

der l'^iniiiimi; Deulsclilaiuls iiiilor dem riilim vollen Kais(M'- 
seeplei' der liohenzoilern wurde auch das InsliUil im Jalire 
187'i zu eiiit'i' Ut'ielisanslail, zu einer j^cincinsanien arehiinlo- 
üjisflien lli)eliselinle aller deiilselien Släninie. /n»j;leieli trat noch 
eine andere X'eränderiinii' ein ; neben Hom wurde als zweiler 
Millelptinkt der areli;i(d(»!niseln'ii Arheil Athen i^ewähll. Dem 
alleren römisciicn Inslitnl enlsland in der alheniscdien /weig- 
anslalt eine jungen' Sidiwesler'. 

'Schon Ianij;e vorhei' war die \\ ichliiikeil der Allerliimer 
des ei«;entlichen Griechenlands IVir alle (jehiele der Archäo- 
logie, für die Kunsloeschichte und die allgemeine Geschichle, 
IVir Philologie und Archilektur allen Beleiliglen klar gewor- 
den. Die Arheilt II griechischer und fremder Gelehrten hallen 
die unerscliöj)niche Kundgruhe erkennen lassen, die der Ho- 
den Griechenlands für die archäologische Wissenschaft bot. 
Neben der lioclnerdienlen griechischen Archäologischen Ge- 
sellschaft war schon im Jahre I8'i7 ein franz()sisches Instilut. 
dielu;(de IVancaise, in Alben gegründet worden, deren IVinfzig- 
jähriges Jubiläum wir im vorigen Jahre leierten. Und auch die 
preussische liegierung hatte sclion seit langer /eil ihrer Ge- 
sandtschaft in Athen einen Archäologen als Sekretär beigege- 
ben Als solche waren thälig A. v. N'elsen. dessen liibliolhek 
den Grundstock unserer Institutsbibliothek bildet, (]. Wachs- 
mulli . der V^ei'fasser des wertvllen Buches über die Slailt 
Alben im .Mlerliim. und U.Köhler, der hei'vorragende Epi- 
graphiker und Historiker'. 

'Den Gedanken, in Alben, im Centrum der allen griechi- 
schen Cultur, ein volles (ieuts(dies Institut zu grinnb'n, hat 
neben U. Kidder zuerst JM'nst Ciiitiiis \erlrelen und zu ver- 
wirklichen gesucht, Ernst (]urtius, der begeisterte Kenner und 
bei!;eislernde Lehrer des klassischen Altertums, der i'^rzieher 
des bochsinnigen unvergesslichen Kaisers h'riedrieb. Sein Ge- 
danke fand nicht nur lebhalten Aiddauüiljei der Geniraldirec- 
tion, sondern aiudi beim Deutscdien Heichslage und bei der 
Ueichsregierung. iNachdem die Mittel bewilligt und Otto Lu- 
deva, unser jetziger hochverehrter Generalconsul, zum ersten 



SITZUNGSPROTOKOLLE 131 

Sekretär cniannl war, koniilc das neue liisliliit am \) \)c- 
z('iiil)f'r l(S7'i feierlicli eröflnet werden '. 

'Mit i;rossf'ni W'olwolleii aiif'ironoiiinien von den ürieclii- 
sclien Hcliiirdcn . mit aii(ri(.'lili|;('r h'reude begriissl von den 
i>ri<'(diis(li('ii Archäologen, als elienblirtige Schwester willkoni- 
ni«Mi geheisscn \ Dil dem schon in der Aihcit licwährlcn franzö- 
sischen inslitntc. hat sich die ncne Anstalt schnell entwickelt. 
znrFieinIc ihrer Cninder nnd zum Xnlzen der Wissenschaft. 
Sie ist im Lanfe der Jahre ein festes Rand i!,e\vonlen. das nicht 
nur die deutschen .Xrcdiiioldiicn mit (Griechenland und seinen 
Altertiimein. simdern, wenn i(di so sagen daif, auch Üenlsch- 
land mit Griechenland verhindet. ein Rand, das schon n»an- 
cheni Sturm getrotzt nnd hofTenllich nicht nur halten, sondern 
nur noch stärker werden wird". 

'Dieäussere l'^ntw icklung des Instituts ist mit wenigen Wor 
len geschildert. Leider legte (). Luders hald seine Stelle nie- 
der, weil er anden» IMlichlen iihernahm. fand aher in ü. Köh- 
ler, der Athen und seine Ruinen schon kannte, einen vorzüir- 
liehen h^rsatz. Neben ihm wurde ich ISIS.") als zweiter Sekretär 
angestellt. Nachdem Köhler im Jahre LSSO einem Rufe nach 
Rerlin gefolgt und vorüherg(diend lujgen Petersen sein Nach - 
folgei" geworden war, wurde ich 1887 zum ersten Sekretär und 
Paid Wollers zum zweiten Sekretär ernannt. I^s ist mir Be- 
dürfniss, es hier auszusprechen, in wie treuer und selbstloser 
Weise mein College seine hervorragende Arheitskrafl dem lii- 
slilule und seineti Arbeilen gewidmet hat'. 

'Neben den Leitern des Inslitnts xcrdient aber auch noch 
ein Mann genannt zu werden, der als wissenschaftlicher liilfs- 
arbeiter lange Jahre gewissenhaft und erfolgreicdi (Vir das In- 
stitut gearbeitet bat, II. (1. Lolling. Seine e|Hgra|)liischen 
und l(i|»(igra|diisclien .\rlieiten haben dini einen hervorragen- 
den IMatz unter den .\i('liäo|(tgen gesicheil \\ n> ein ta|tferer 
Soldat ist er mitten aiLs seinen .\rbeiten. leider zu fruh.dahin- 
j;eralTl worden. Als sein Na( hiolger ist seit zwei Jahren ein 
jüngerer Fachgenosse II von Prott am Institute als wissen- 
schaftlicher llill'saibeiler ihätiir'- 



P 



13-2 SITZUNOSPHüTOKoi.l.i: 

'k'li k;iiui iialiiilicli iiiclil diiian (li^iikcn. IIiihmi liciile ein 
t!;enaues Hild zu ciitwciTcn noii der vielseiliü,en Thäli^keit des 
Insliliils im Laufe der v*.') Jahre . odei- Ihnen auidi nur die 
w iehlit-slen Arbeiten aufzuzählen, die von den Mili;lie(lern 
des Insliluls ausi«efuhrt oder in seinen Schrillen veriilTenllicIU 
sind: ieli nuiss niieli darauf beschränken, nur eine kurze 
Übersicht zu geben über die haupsächlichen Gebiete seiner 
Tliätiiikeit'. 

'Drei Aufgaben sind dem Inslilule vor allem gestellt: 
I Die llerbeischalTung und N'erölTentlichung neuen archäo- 
logischen Materials durch Beobachtungen, Ueisen und Aus- 
grabungen, die /)raktisc/it' 'riiätiukeit. 

2. Die Vornahme von Studien und Korschuugen auf dem 
weiten Gebiete des Altertums, die wissenschd/iliche riiUtig 
keit. 

3. Die Belehrung und Anleitung der jüngeren Kachgenos- 
sen, die Le/irt/uUlgkeit\ 

'Die erste Aufgabe haben wir zu erfüllen versucht durcli 
zahlreiche Reisen und durcii vielfache Ausgrabungen. Fast 
alle i^änder der altgriechischen Welt sind von Seiten des In- 
stituts durch Beisen erforscht und an vielen Orten sind Aus- 
grabungen ausgeführt worden, um nur von den letzteren zu 
reden, erinnere ich Sie an die Ausgrabung des Kuppelgrabes 
von Menidi, das uns zum ersten Male grössere Reste der my- 
kenischen Cultur in Attika zeigte, an die teilweise Aufdeckung 
der 'rem|)el von 'i'egea, Sunion und Korinth , an die Auf- 
lindung und Freilegung des IiTjcIisI interessanten Heiligtums 
der Kabiren bei Theben, an die Ausgrabung hier in Athen 
;m dtr alten Agora und an der Fnneakrunos, eine Arbeit, 
durch die eine der wichtigsten Fragen der athenischen Sladl- 
geschichte gelöst wurde, an die Ausgrabungen in Lesbos, an 
die Frforschung des Theaters in Pleuron, an die eigebniss- 
reichen Grabungen in l*ar<»s . und schliesslich an die Jüngst 
ausgeführte Ausgrabung in Megara, die zur AulTindiing des 
berühmten Stadt- Brunnens des Theagenes gefulirl hat". 

'Aber neben diesen Arbeiten hat das Institut auch an den 



SITZUNGSPKOTOKÜI.LE i:]3 

grossen Ausgrabungen des Deutschen Reiches, an denen der 
königlichen Museen von Berlin und an denen unseres berühm- 
ten LandsmannsSchliemann regen Anteil genommen. Ich brau- 
che Sie nicht erst an das grosse Werk der Aufdeckung von 
(Jlyin[)ia zu erinnern, dessen glänzende und wertvolle Funde 
Ihnen bekannt sind. Ich nenne Ihnen nur die Ausgrabungen 
von Pergamon, Tralles, Magnesia am Mäander und Priene. 
bei denen Mitglieder des Instituts in verschiedener Weise wert- 
volle Hülle geleistet haben. Auch Herr Schliemann hat sich 
bei seinen epochemachenden Ausgrabungen in Troja . Ti- 
ryns, Orchomenos und an anderen Orten stets die Mitwirkung 
der Leiter und Stipendiaten des Instituts erbeten. Auch den 
Grabungen anderer deutscher Altertumslorscher, wie denen 
des Herrn lliller von Gärtrini<en in Thera und der Herren 
Schreiber und Sieglin in Alexandrien hat das Institut gerne 
seine Unterstützung zu Teil werden lassen'. 

'Hasses den Mitgliedern de.s Instiluls auch stets eine beson- 
dere Freude gewesen ist. den anderen archäologischen Insti- 
tuten oder der griechischen Archäologischen Gesellschaft oder 
der griechischen Fphorie der .Altertümer bei ihren Ausgra- 
bungen und sonstigen .Arbeiten in irgend einer Weise behiinich 
zu sein, versteht sich bei dem schönen collegialischeu \'erliält- 
nisse, das zwischen uns besteht ganz von selbst'. 

'Die Resultate aller dieser Ausgrabungen und sonstigen Ar- 
beiten des Instituts sind teils in den athenischen Mittheilun- 
gen, teils in anderen Zeitschriften oder auch in besonderen 
Rüchern verc'dTentlicht worden Die Zeitschrift des athenischen 
Instituts, die genannten Mittheilungen, enthalten daneben 
noch eine lange Reihe wissenschaltliidier rnlersnciiiinuen über 
Bauwerke und Sciilpliiren. über N'asen und Terrakotten, über 
Inschriften und Mnn/.en und über manche andere (iebiete der 
Archäologie. Dass alle älteren .lahrgänge dieser Zeitschrift 
jetzt von neuem haben gedruckt werden niiissen. ist ein i;utes 
Zeichen für den wissenschaftlichen \\ (Mt ihres Inhaltes Re- 
dactcur der Mittheilimgcn war anfangs riridi Kithler. jetzt 
mein College Wolters'. 



134 SlTZUNfiSPltO'I'OKOLLE 

'Ausser diespr Zeitschrift sintI iiocli mehrere besondere 
I3(ielier von dem Institute oder seinen Sekretären lierausge- 
o;eben worden oder werden demniiclist erscheinen. Unlerihnen 
verdienen hier erwälinl zu werden: das i^rnndlen^ende Werk 
über die mykenischen Vasen von Kurlwänjj;h^r und Lösclicke. 
das Werk iilter Lesbos und seine Altertümer von Kohlewey, 
die NtTtilTeiillichiini; iibei' (bis Kiippelgrab von Menidi von 
Lollinij. die Landeskunde Griechenbuids von demselben, und 
endbch (bis Bueb über (bis ji;rieehische Theater von Keisch 
und mir. Im Druck oder in der \'(M'bereilun^ sind Bücher 
über das Kabirion. über die auf der athenischen Akropolis 
jj;efundem'n Nasen und über die Ausgrabungen von Troja'. 

'Neben der lillerarischen Thätigkeit sind hier noch die öf- 
Centlichen Sitzunuen zu nennen, die wiihrend der '25 Jahre 
regelmässig abgehallen worden sind. Sie dienten zu Mit- 
teilungen über die ausgeführten Ausgrabungen und zur ei- 
sten Veröffentlichung wissenschaftlicher Studien. Wir haben 
die Freude gehabt, neben den deutschen namenlli(di dieöster 
reichischen um^l griechischen Colle^en oft als \^)i'tra^en(le in 
diesen Sitzungen zu sehen'. 

'Auf die Lehrthätigkeil der Sekretare ist seil der Gründung 
des Instituts mit Bechl grosser Werl o;ele«>;l worden. In den 
Museen und vor den Monumenten Athens haben wir regel- 
mässig ^'^orträge gehallen, die sich eines steigenden Besuches 
zu erfreuen hallen. In den letzten fimfzehn .lahren sind diese 
Vorträge auch auf die übrigen Gegenden Griechenlands aus- 
gedehnt worden. In gr(»sserer Gesellscbal'l pflegen wir in je ■ 
dem h'rühjahre tli^u l'eloponnes uud Delphi, sodann die Inseln 
des ;igeis(dien .Meeres und neuerdings auch Trctja /.ii besiieben 
Dass sich .Vreliaoidgeu aller Nationen zu dieseu l»eisen zusam- 
men finden, um gemeinsam di(! wicbligslen Ausgrabungs- 
plälze zu besuchen, ist v\u schlagender l'x^weis für das gute 
Mild liaruionisclie Verhällniss . das zwischen allen IVeniden 
Insliliileii iiihl unseren griechischen l'^achgeiiossen beslelil' 

Do(;li alle diese Arbeiten, die das Institiil im biiiile seines 
fiinbindzwanzigjährigen Bestehens ausgeführt hat , sind nur 



SITZUNGSPBOTOKOLLE IS'j 

ein kleiner Bruchteil der gewaltigen Arbeit, die auf demGebieie 
der elassisclien Archäologie und auf dem weiteren Gebiete der 
i^rforschung der allen und allestenCulturgeschichte derMenscli- 
heit in gemeinsamer Arbeit alier Nationen geleistet worden 
ist. Welche wertvollen Arbeileti hat, um nur von den in Athen 
befindlichen Anstalten zu reden . allein die griechische Ar- 
cliiiob»gische Gesellschaft aufzuweisen. Die Akropolis und die 
Stadt von Athen, i^leusis und l^pidauros. Mykenai und Ly- 
kosura, Oro|)os und lihamnus und viele andere Orte mit ihren 
aufücdeckten Üuinen, Kunstwerken und Urkunden, sind be- 
redte Zeugen ihrer erfolgreichen 'Ihäligkeit. t]benso verkün- 
den Delos und Delphi, das Ptuon und Alantinea neben ande- 
ren Orten den rastlosen Kil'er des französischen Instituts. Tür 
die Amerikaner sind Assos undSikyon, Arges mit seinem lle- 
raion . ßrelria und Korinth dauernde Ruhmestitel einer er- 
folgreichen Thätigkeit. Das englische Institut hat sich durch 
seine Ausgrabung in Megalopolis und Melos. in Cypern imd 
Ägypten den Dank aller Fachgenossen erworben, und eud- 
lich hat auch das junge r»sterreicliiscbe Institut sich durch 
die Grabung in Lusoi in Arkadien die ersten Sporen ver- 
dient'. 

'Dankbar und neidlos blicken wir alle auf die schimen 
Resultate der anderen Institute und Gesellschaften. Jeder freut 
sich, wenn der andere einen Erfolg erringt'. 

'Gelrennt marschiren und vereint schlauen ! Das üilt auch 
für unsere Arbeit. Jedes Institut dringt auf seinem eigenen 
Wege vor, alle aber haben wii' ein und dasselbe Ziel, die 
.Anllindung der Wahriiejt zur l^^irdcrung unserer licmeinsa- 
men \\ issenscliaf'l '. 

'Aber eines dürfen und wollen wir beute nielit vergessen. 
Wir IVeuulen Insliliile (und ich glaube dabei im .Xanieii mei- 
ner (>ollegen sprechen zu kimnen ) sind der griechischen Re- 
gierung aufrichtig dankbar l'iir die weilgcdiende Liberalität, 
die uns Kremden gegennber bei der l'lrteiliing von Lrlaiibniss 
/n (irabimgeii und /.ii .iinicien .\rlieilcii geiibl wird Allcürie- 
chischen Museen niil ihren reichen Schiit/.en stehen den |"'ieni- 



136 SITZUNGSPllOTOKOLLE 

den zum Studium und zur Publikation offen. Wiclitiije antike 
Orte, selbst die Centren des antiken Lebens und der antiken 
Goltesverohrunii.wfM'den den Fremden zur Auso;ral)unu; bereit- 
willii; uberlassei). Gewiss Itirj^l der Boden Griccbcnhinds und 
desOrients noch liir .labrzebnte. ja IVir .lalirliunderh' binans 
reicbliebes Material zu Grabungen und Studien, und daber ist 
für laniie Zeit binaus niebt nur Cur die giiecbiseben Arcbäolo- 
gen, sondern aucb für Fremde noeb genügend, ja viel zu viel 
zu tbun. Aber gleicbwol erkennen wir es mit grossem Dank 
an.dass uns die Geleyenbeit zu arcbiiolouriscben Arbeiten in so 
reicbem Masse und in so liberaler Weise gewäbrt wird. Diese 
Liberalität bat sclion reicbe P'rücble ü-etraoen. Die fremden Ar- 
cbäolo^en sind in grosser Zabl nacii Atben u;ekommen, die 
Institute wacbsen und blüben, neue Inslilule werden gegrün- 
det, Atben wird so immer mebr zu einem wielitinen Centrum 
der kiassiscben Studien, zu einer allgemeinen llocbscbule für 
die arcbäologiscbe Wissenscbafl'. 

'Lassen Sie mich den Festvortrag schliessen mit dem Wun 
seile, dass die scböne Harmonie des gleichen Strebens und der 
gleirben Gesinnung aucb in Zukunft unter den fremden und 
griecbiscben Arcbiiologen bleiben n)(>ge. Dann \Nerden die bier 
bestellenden Gesellschaften und Institute auch fernerhin blühen 
und gedeihen, zjin Wohle der Wissenschaft, zum Wohle aber 
auch des gastfreundlichen, von uns herzlich geliebten Grie- 
chenlands". 

[lieraul ndilcle der Generalephoros der .Altertümer Herr 
P. Kiiv\ii(li;is ;ils V'^ertreter der griecbiscben Kegierung fol- 
gende \ii.s|)i;iclie an di(> V'ersamniliiiig : 

McTa Tr,v -EVTTjXovTacTTjpioa T/j; raAX'//.rj; X/oArj;, äXXy] 
~yj.iv i''jp~ri Tc/.E'Tai arjjj.cpov iv 'AOr;vai;, tv tä rspaavixtu 

TO'JTW Ot/.W £Ttl TTj T'JJJ.Tl ArjpOJTc'- clXOTlTlcVTacTiaC ä~0 1'?]^ £V- 

zyjj^h. iop'jTtfo; to'j Wpu.y.vv/.o'j ' Kpycc'.'j/.'jyv/.oO Ivtt'.tcjto'j. 
Kai c'.vc c-iTTj; O'.cOvyj; xa'. q iooT/j yj^'f] , -pcoTOTTaTO'JvTOjv 



SITZUNGSPROTOKOLLE 137 

£v y.'jTTj Tcov apya'.oAoY'-xcjv xayiop'juaTOJv ■/.«', -rr^c T£ luiTr,- 
ao'j /.a'. T/j; tO'.ojT'./.yj^ EXXaoo;, f^T'.;, o-uarraOo); -aca/.oAo'j- 
Orj-ja-ra Ta ^pya toO Ivtt'.to'jto'j, aiTa yocpy.z 'J'ju.aiiiyv. -:r,; 
'jr^u.c.pov £opTrj; xai cOppoT'Jvo); yoLipiziCv. toO; O',-'j0'jvTy.; xai 

Akky. 11 cä ir,(x.vv.A-qu.u.ivo(.'. a'jTai iv AOrjvai; iopioLi otj- 
KoOii ; T/jV äTiavTriT'.v £»'; to ipojTTjij.a toOto eioojxcV yjotj "po 
ETOJv ö Epv£TTo; Ko'JpTio;. Ev 'EXXaOi, £'!t:c, « die Archäo- 
logie ist zu Hause». AXX av q Apyv.ioAoyicc £vcy](j.£T itap 
7]U.Tv, av tÖ 7.XXot£ cv 'Poju.r| v.ivzpov twv y.py a.io7.oyv/.wv 'j-.O'j- 
otov |jL£T"^v£y6-^ ttXeov £tc AOr^/a^, a^opayj to'Jtou £Y£V£T0 o'jyi 
oioc 6',pyyAo}\oyiy.y. ipyy f] [Ji'.xpa EXXä; io^rjr^hq vä cXT£X£7rp 
aXX ayaOy] OsXyjai^ xat vj'JioyjC, vjipyi'.y. zoü 'EXXrjVtxoCi 
Kpaxo'jc. Xap'.v T"^? iTi'.TTritxrj:, yapiv ty^; äyaO-^; •j7ioXY)]/£a); 
xai T"^; cpr^aTj; Tr^; EXXaoo:; £v tw -E-o/.'.TtTaivto xoTy.w, r, 
'EXXyjvixrj Kuo£pvY]Tic a^'^X£ xaTa iJ.£po;; -naaav xaxwc O'jva- 
tJi£VTr]v V7. cvvorjOrj dOvixYjV ^'.XoTiiJ-iav, xai £xaX£7£ rrävTa Ta 
Tcpö^ ävax7.}.'j'<{/iv xai tticjo/jv toiv X£i];7.vojv toO y.pyyio'j to- 
XiTiTU-oO cvoiai;£p6[j.£va iOvY] , i'va '7'jv£pYaT0oüTi "po; toOto 
[j.£0 /ju-ojv Ttov EXXyjvcüv , T.OLpiyowjy. c'.c TiävTa; äo'.axpiTw; 
TYjv a'JT'^jv o-'jvop&L/.-^v xai Ta aOToc 0'.xaia)ij.aTa r.po:; £xt£X£<j'.v 
ävaaxa^tijv xai irpo; ttto'jo/jv, a-£ixov','3-tv xai OTjjj.OTic'JT'.v tojv 
äpya'.OTYiTüJv. 

l~o tö xp7.T&; zo'.OL'jz'q^ y.py o-ko /jj^^vat^:, '.T07:o/.'.Tciac, ootoj; 
£'.7:£Tv, Yj EXXä; [j.£T£SXy)Oy) £'.; (jTaoiov oi£0voOc iü'.TT/jiJ.ov'.x/i; 
£pYaTia;, oiÖt'. £'!; Z'qv EXXy]vtxy)v KpyoLirjLo-^^v/.q') ETa',c£iav, 
TJTi; (XTio 'ToO 18ii7 £',y£v olvcOA^jV. TYjv äva^xa-pf^v xai cttitty]- 
(jt,ovix-^v £p£'jvav Toiv äp/a'.oirjTwv upoa£':£Oy]aav t'jv tco ypi'jto, 
xai Y^^'-^-'a'-w; Tiap 7][j.iv £pYäCovTai, 7r£v-:£ xaOiop'Jj/aTa, r^ FaX- 
Xtxr] ^yo\(\^ zo FEpaav.xöv Iv^t'-ToOtov, r; AyYX'.xy; xai r, 

AtJtepixavixrj ^ly^/Sq xai to A'JTTp'.axöv IvjtitoOtov. M^y'^'-Xr^ 
ci £x TO'JTO'j £V£V£':o ccaoTi; T(ov ac/a'.o/ov'Xfov £cvaT'.(uv. 

EutTYjut.oi apya'oXoyixoi tqtto' , ■r:Xrjp£'.; ipya'.oXoy'xwv xai 



138 SITZUNGSPROTOKOLLE 



Oc"rj7X£'JT'./.tov ävatj.vr;T£(üv, avcT/.a-p'/^Tav , TEpi^av?] uLVYja.ETa 
Tr]C EAXrjVtxfjc Tr/vr]; äriy.aX'jipOYjTav, öcjpOova 0£ xa». IxtiXy)- 
xTixä cOpr,[J.aTa £;rj'/Or]Tav £x Ttuv e^xaTtov tyJ!; Y^j? , '^'- wv 
uXouTiaOEVTa Ta MouTEla y^ucov iyivovio [j.ova^ixa £v tw x6- 
a[j.co, ai AO-^vai tJ.£T£6'X"r/JTjaav £'.:; O',£0v£; apyaioXoytxöv llav- 
C'.oaxrrjptov , xal 7] 'EXXa; xaOoAo'j iy^VcTo -rpoa-x'jvyjTYipioc 
TOTIOC, £'.; ov -avTayoOtV xoO x6(Tl;.0'j irpoa-lp'/ovTat xaT £T0C oi 
£'.; T'rjv T£/vyjv xai Trjv EiriTTrjui-rjv ttio-toi, tva ä-oOa'jjj.äawTi 
Ty. Ac('];ava t"^; EXXyjvix^^ [jtsyaXo'p'jta; xat airoTiTwai cpopov 
sOyvwaoa'JvYjc cU "^V T^'^ "^^^'^ xXaao-ixcov avaii-vriTECDv. 

Ty]v £U£py£TixY)v TaoTYjv £v "EXXaOi opao-iv tcüv 6i.pyoL'.o\o- 
yixcöv ipyao-iwv sOXoyoJC avairoXcT ira; ti;; CT-r][/.£pov xari ttjv 
T£Xou[j.£VYjv iopTTjv xaOiop'JaaTOc, 67:£p i-npwTaycDViTT'rjo-Ev £v 
TOia'JTai; ipyaaiaic xai £Xx£i TrjV xaTayojyfjV i^ äXXou 7:a- 
Xa'.oD xai 0£ÖoHaTU.£vou IvaTiTO'Jxo'j, otteo £v aXX-r) xXaafTixYJ 
yojpa iop'jfJY]; £v ir.oyri, xaO 'rjv 0£v inzTipyzv EXXy]vix6v Ra- 
aiX£iov i'va \JT:o^ly()r^ xal ^£via-(] aOio, oiotl tote [jioXi!; y] eXeu- 
6£pia Oiri'paxTXE xai EyxaOiTTaTO £v "EXXaöi. 

lipo 130 TicpiTco'j iTÖJV ö 'Iwävvy]c Biyx£Xij.av , uto; £v6c 
TiTwyoO ÜTiO'byjaaTOTioioO ix Trj; BpavdEjJt^O'Jpyy]^ , iylvETO ö 
iop'jTV]; T'rjC iTiio-f/iij/^; t-^c 'ApyaioXoy'a;. Tov £x to'jto'j ok 
TapayOivTa ivOoijTiaaiJiov xai Ty]v y£vo[ji£V7]v tTriOoaiv Et;; ap- 
yaioXoyixä; jj,£X£Ta; xai ipyaTia^, 6t£6£yOy) auv tw /povto -/i 
T'jva''TOY]T'.; TYJ; avayx'^; ty]; £Tr£^£pyaTia; xal TEXEiOuoirjTcO); 
ToO £pyo'j ToO Biyx£XL;.av. Yo'.oOzov 0£ ryy.oizov, t'^v TcXeiottoi"/] - 
(Tiv ToO £pyo'j ToO Biyx£X[j.av, £-ii£oito;av xupfcuc EOäpiGaoi FEp- 
aavoi toi»oi, £v TaT; xXaTi'.xai; TTio'joaT; ävaT£Opaij.L;.£voi xai 
Otto evOeo'j äXyjOaj^ "(rjXo'j Oirkp t"?); ap/aioTrjTo; xaT£'.Xyjij.[j.£- 
voi, o'itive; i'op'jorav tw 1828 £v 'Pojjxtj ApyaioXoyixöv IvaT'.- 
toOtov,t'j/6vt£; 7cpö;-T0'jT0 dTrr.'^avoO; xai iT/upoO irpoTTaTou, 
ToO TOTc BaTiXixoO A'.aooyo'j t/j; lIofoTTia; 'l*p£iO£pi/.o'j 1 ou- 
XieXixou, hiptj.O'j 'r-iXo'j tojv ypaaaaTrov xai Trj; T£/vy];, 

II auvTOVo; EpyaTta T(uv iop'jTOJV toO £v I'üju.tj Ivtt'.tov- 



SITZUNÜSPHOTOKOl.LE 139 

Y^TO'j TO'JTOJV 'Eoo'j7.poo'j Get'liurtl ,T:ap£x.aa'|'av Ta st; Ta^-npoj- 
Tac ipyoi'jiv.q toO Ivtt'.to'jtoo -apta^aAAoacva TrpoT/.cu.ij.aTx 
xai äv£0£i^av auTO tOv tw ypovco /.aOtocjua 7:£pi':>avic, to xaT 
£;o/Yjv £v TOi; t6t£ ypovo'.; £pYa'(6ü.£vov Y«-''''''ata); O-kp T"?j; ap- 
yoLi'jAoyiy.'?]^ iuiTTYjaYjg cä i'^; iv a'JTOJ auvEpyaTia; by. u.ivo'j 
Tüiv £v r£p[j.avia, aAAa xai twv iv FaXAia xai £v iTaA»!'/ /.al 
cv 'AryAia ao^ojv. ka', ö l/.£v K£^fü':'.c7u.£vo; xotjj.o: £~£xpsT£'. 
E'.^TfjV opaTiv Ta'JT/jv TO'j iv Pcü[j.rj Ivtt'.to'jto'j,/, 0£ r£p!j.avia 
oixaicü^ i'^£av'jv£TO. Ac; od 0£ a'jT/] £va)0£T7a tio/.'.T'.xoj; \J-iyy- 
iyiviio KpaTo;, TTia-uY) £1;; Tä<; Tipo^ 0£pa7i£iavTy]; izio-rrjaTj^ xai 
T'^? T£'/vY]g 7rapao6(T£ic; t"^; r£pij.avixrj^ uaTpioo;, av£Aa^£ t6 

IvttitoOtc/v Otco Ty]v aij.£aov ia'jT"^; TcpoaTaaiav xal £xr;p'j:£v 
OLUTO iv:i'j-(]^,ov xaOiopuij.a toD r£pij.avixoCi KpaTO'j; £/ov £opav 
TYJ:; Sio'.xr,T£a); aOxoO iv B£po7av(i). Extotc tt7.oiov i-'.izr^u.o- 
vix-^t; ipyaTta; oiä x^^v r£pu.avixrjV ßaO'jvoiav xai oi/.oroviav 
(X'KOT£A£t xupio)^ •/] 'EaA7.^, oi6t', TipojTOv xai a[j.£'70v a7:o-:£'Ac- 
a[j.a T"^; itzikOoury-qi; iv tüj IvaTiTO'JTO) vji'jyo\)C, ij.£Ta^oXy^; 
YJTO Y] iv 'AOrjvai; i'^p'jai; toj 1874 7rapapTYj[jLaTo; toO IvTTt- 
toÜto'j y.oiX rs'j^iyzivLo:, 'lyiobv yj Otto toO l £p[j.avixoO KpaTO-j; 
Y£vou.£v/j ij.£Y7X-/] avaTxa'prj t/^; OAuarrta;, oi r,; via 7:£piooo; 
f/.£0ooixcüv avaTxa^Cüv xai i~iTT"/]uov',x(jjv ip£'jv(j5v iorjUio-jp- 
Y'(^Orj iv EaXc/.Oi. 

lö v£apov iv AOyjvai; xai £0'£A7:i IvaitTOüTov £TU/£v £v t£ 
TY) iinaYjato xai ttj toiwrixTj EXAaoi ivOipjj.oi» br.oooyf^z y-y.'. 
TcäfT'^; O'jvax?); cp'.Ao^Evia; , d'p£iAoij.£vrj; £i; xaOiop'jaa GT:£p 
£[j,£AA£ airo'voa'.oj; vy. ipYaciOrj ÜTiip T'r^; iTTiTTr^u/r]; xai Vi'sv 
£'.^ äiAtTOv irpo; t/jv EAAäoa iüixoivcoviav toO; iv Tccuavia 
f70Z>o'j:;. Ev AOrjVai; iiizTipy^c. lozi yj EaAy]V',xy] ApyaioAoY'.i'.Yj 

Eraipcia ipYaLOij.iv^ öctiö toO 1S)>7 07:£p tojv ap'/a',OT'r;T(ov, 
xai Tj raAA'.xY] ap/aioXoY'V-Y] ^/oAy], yjti; i-o toO liS'i/ iop-j- 
L/.ivrj, i;£':£A£', iv AOr^vau, o,T'. to ApyatoAoY'.xov Ivtt'.toO- 
TC/v iv iVüU.r^, xai oi cOttc^ojv ipYaT'.cov TUvivi^E to i-'.aT/, - 



HO SlTZl'Nr.Sl'RÜTOKOLLE 

movr/.öv ipyov, O'j xivo; rj FaXAia toctoOtov cvoo^to; y,0(.^-r^p:,(x~o 
£v 'EXXäoi oii TYJ; l^xpedilion scienlilique de Moree. EOyEvy]; 
öcjJiiXXa £v TY] Epyaaia, 7rAY]py); ck auixTivoia x.a't a[j.oi^aia £v- 
Oäpp'jvT'c cTicxpaTrjTS ix£Ta;'j Ttuv lop'jo.äTtov to-jkov, /.at -npö- 
O'ju.o: £/t7.TT0Tc T.o.pziy i()f] £'.; aO-rä /] a'jvopoa.7) Trj; äp/aio- 
Xoyr/.yj; OTiy)p£aiac toO Kp7.T0i»c. 

'Vtco TOia'JTac TC£oiTTaa£i; tc AOrjvar/.ov izXiov repaav.xov 
Ivtt'.toOtov •/.aTy]AO£v ipptoji-ivw; £v tw aTaO''a) laJv oLpyoLio- 
AoY'//.(üv ipYaauov , cOtto/w; 0£ xai iie'püJT'.aijivco; öicuO'jvo- 
ui.£vov xai axau-TiTC-'j; iTaipo'j; xai T'jv£pY7Ta; x£XT-rjU.£vov, 
Tto^AÖc; xai vj-'jyiiz ävä tyjv P^AAaöa ävaaxa^a; xal £p£'jva; 

£^£T£A£a-£ Xa». ipY« £^y)UI.O<Ti£UO-£V l^Oya.^ Cl WV ü.£Y7.XtOC T'JV£- 

^7.A£T0 liz Trjv upoxo7ry]v t-/^; ap/atoXoYi"/."^; £7:iTTr^uTj; xat £'.; 
TYjv [J^£/p'. ToO'i£ Y^-'-'^u'-^''' ■']'■' £,apaiv Tojv ap'/aiCiAOYi/>(uv £v ILA- 
Aaoi EpYaaicöv xal ul£/V£tcov. 

TaOra tÖc £pYÄ "^^'^ Ivttito'Jto'j iüiaxoTraiv tyj u.£pov ö -£- 
'pcuTia-jj.ivo; xct[j.o; öaopwvov a'ro^aiv£':ai y'-'^M- "')'''•- '^'•^ti, tecI 
£PY(JDV OiiEp Toiv löavixüüv -r^; ävOpojiioTYjTo; TpoxEiaivr^; Tr^c 
xpiTctü^jTÖ MavT£Tov Toüv A£Xpaiv Cikv ^^'(x\'iKi'Cll , oO-i oi 6£0', 
T?]:; 0Xuij.7:{a; y^?M-°''''^'C^'-''^^'^5 ^'^^^ "^^ MoOo-ai, ■/jy<>'J[ji£vy]; t'^; 
AO-/]väc, cHatpo'jT'. xa Y^'-'^j^'-tva xai iHup^voOTi tyjv £uiT£uyO£T- 
Tav vixTjV £v Tcü Ov.ip tyj; iu'.TTrjarj; xal T/j; "ziyvq- aYwvi. 

Ex Ti"^; '.s^p^i; yojp'xz T'^; AatcWc, t^ti; toO; aOTy]v ava- 
axoT'j/avTac xal i;£p£'jvrj lavTa; Fcpaavov; äv£C£i^£v OA'ju.t'.o- 
vixa; iv ttj i-f.TTrjijtTi, y;ti; cttI uA£ov xai £'.; t/jv vj'uyjtx-j toO 

IvTT'TO'JTO'J TO'JTOU aUV£T£A£T£V , aUTTT] y.VQL'jli^OL'JQL TOV V'jV 

£Tia;ioj; aOTÖ oi£uO'JvovTa , tU '^^'■' Ö7:olov oi ()A'J[jt.7:ioi 0£oi 
ioiaCo'jTav cövo'.av iiziOii^oL-JZO /.oli ocYaOr^v -.'jyf^i , avTa;iav 
T?,; £'jC'U'.'a; xai xap-:£p'a; aOToO, iyopr^-'^r^'^y.-j^ £x ty;; iepa^, 
"A£Yw, ybipoL:, Trj; Aatcoj: ö -c-ptoTtiaivo; xstixo; op£7:£i ar,- 

a£SOV XOTIVOV, xai TOOIOV TC007Xi£0£1 £'.; t6 £OpT7.'uOV IvaT'.TOO- 

Tov öj; |3pa6Viov. ToioOiov 0£ ["ipa^'cTov cTriaTyjaovixrj; äp£'C-^; 
£iv£ t6 -rliTTOv T(i)v j5lpao£ia)v, (^toit oiv ottY^ipt'- ävTi'syjXiav •}] 



SITZUNGSPROTOKOLLE 141 

Sodann Ijfgrüssle Herr '\\\. Ilonndle. Diiektor der Französi- 
sclien Schule, ziij^leicli im iNamen der übrigen fremden ge- 
lehrten Anstallen unser Institut : 

'Les solenniles semhiahles a celles-ci sont toujours assurees 
de votre l'aveur, et c'esl justice: elles sont les plus helles des 
f6tes, par ce qu'elles sont les plus humaines, par ce quelles 
repondent au plus noble de nos besoins. la verite, et quelles 
reaiisenl ie plus altiranl. peul elre lielas ! le plus decevant de 
nos reves, la paix universelle; elles sont aussi les plus con- 
formes aux antiques traditions comme au röle present de cette 
ville, qui invenla la lilterature, la philosophie, l'art. dans les- 
quels communie l'humanite, qui devient et sera de plus eii plus 
le cenlre des etudes classiques, qui se vanlail jadis d'etre I ecole 
de la Grece, et pourrait bleu se din* aiijoiird liiii 1 ecole des 
deux mondes'. 

'II y a deux ans. mon eher (]ollegue. a loccasion du jiibile 
cincpianlenaire de notre i^^cole. vous vouliez bien au nom de 
I Instilni aicheologique allt'ni:in<l cl par delegation des Ecoles 
el Instituts etrangers d'Alhenes m'exprimer des felicitalions 
et des voMix. doni la chaude et sinccre cordialite resle |)our 
nous comme un des meilleurs Souvenirs de «eile Tele'. 

'Ost pour moi un grand lionntMir el im plaisir \erilalile 
d'apporler aujourd hui a Notre Inslilul. en |)resence comme 
alors de i.eurs Allesses Koyales, au milieu du mT-me concours 
sympalhicpu' de la sociele alhenienne, le IValernel hommage de 
ri']cole americaine. de l'Ecole anglaise,de l'Institut autrichien 
el de l'Ecole francaise d'Athenes'. 

'Unis les uns aux autres par Famour commun de la Grece. 
par le culle de la science, par les Mens mutuels de la courtoi- 
sie et ile lamilie, nous nous rejouissons tous ensemhie des suc- 
ces et du bonhetii' de eliacun. Aussi l(> vingt-cincpiieme anni- 
versaire de la fondalion de \olre Instilul iie pouvait pas etre 



lA"? SITZUNGSPROTOKOLLE 

iine cerenioiiit' loiilo piiNt'c; noiis voiis romcreions <le noiis y 
avoir convies, iioiis noiis associons de loiiL conir a volre alle- 
gresse et a volre (ierte; car ces annees, pour vous si lionora- 
bles, ont ele pour nous avantagenses par vos deeoiiverles li- 
heraleiiient coiuniiiiiirpu'es a Ions, aiilanl (prai>real)les par iin 
eonslant ecliani;o (rafleetiieuses relations'. 

'l/olivier dOlympie ahrila volre liisliliil dans son herceau, 
il a lirandi avec voiis, il a elendii siir vous son oml)re aussi 
loiii que se soni porlees vos enln'|)rises ; ses rameaiix voiis onl 
coiironnes, el son leiiill.iiii' lonjoiirs verl osl la promesse des 
eoiironnes d(> deniaiii. Ic symlxjle de la perpeliiile de volre 
Ecole, lonjoiirs rajeiinie par Tardenr des «i;eneralions nouvelles 
et par rindelini proiijres de la scienee*. 

'Comme nons applandissons aii\ liiotnplies (riii(M',noiis ap- 
pelons de nos voenx cenx de deniain el du plus loinlain ave- 
nir; reeevez. mon eher Colle»iie, pour rinstilnl d'Atlienes, et 
venillez transmellre an «ilorienx Inslilnl rpie voiis represenlez 
ici, riioniniai2;e de nolre adniiralion vi de nos sftnliails reeon- 
naissanls'. 

'Laissez-moi vous dire anssi eomhien d'eslime j^ersonnelle, 
combien de synipalliie se inele ei s'ajonte au\ scnlinienls (|ne 
nous eprouvons pour rinstilnl qne vous diri«i;ez. M. Wolters et 
vous. Vous avez sii.riin el raiilre.aceroitre le rielie palrimoine 
scientififpie rpii vous a ele conlie; vons n'avez pas reccneilli 
avec moins de sollicitnde riieriliigc de loyale, liberale et cour- 
toise bonne ^i^race rpie vons avaienl Iransmis 1\1M. Petersen, 
Koebler el Liidcrs. I/Iiarmonir tpii nons iinil Ions a ele j;race 
ä vous aussi lacile qu'elle est cliarmanle a pratiipier; et. dans 
la joie de cetle fßte, nons somines parliculierenienl henrenx de 
saluer vos propres sucees et de scrrcr vos niains ainies'. 

/iiin Scliliiss nabin iioeli einniii! llerrW. Diu plcld dasWOrl 
um ausser den Anszeiciinniii'cn und h]rneiiiuini;('n , die aus 
diesem i'esllicben Anlass eiTolj:,l sind, die Adresse milznleilen, 
welche die Centraldireclion des Instituts an den Generalepho- 
ros Herrn P. Kavvadias gerichlel hat, und den herzlichsten 



SlTZUNGSPHOTOKOLI.t: 143 

Dank fiirdieall^^emeineBeleilijj^unu an dtMh'i'ifi ;msziis|iit'cheii, 
(iif auch in einer «jji'ossen Anzahl schrifllichcr und leh'iiiaj)hi- 
scher Glückwnnst he ZLini Ansdiueke ^-ekoninien war. \uii 
diesen isL vor allem die Adresse der Griechischen Aichaoh^i^i- 
schen Gesellschall zu nennen, welche S. Iv. iluheil der Kion- 
piinz von (jriechenland als deren Präsidenl unlerzeiclmet 
lial, sodann die Glückwünsche S. h]xcellenz des griechischen 
Unleriichtsniinisteis. Herrn lilvtaxias , des Demarchen von 
Athen, Herrn Merkuris, des 0Y)€at/.ö<; ^ovSecao?, der 'Igtodikt, 
xai iOvoAoyixY; iratpeia tYj;; 'EAAa8o;,des Vereines llapvaoaö; und 
seiner archäoloj^ischen und philologischen Section, der Xpi- 
GTtavt)fo äpyaioAoyDtr, äxaipsia. Der Slaalssekrelär des Auswär- 
tigen Amtes S. r]xcellenz Herr Gral' von Hiilovv halte den 
Kaiserlich Deutschen Gesandten Herrn Grafen von l^lessen - 
Cronstern mit diMii Ausdruck seiner Glückvvüns(die heti-aiil. 
telegraj}hisch liefen solche lerner noch ein von dem K. K. 
Österreichischen Archäologischen instiiul in W ien , der Ge- 
neralverwaltunt;; der Kul. Museen zu Berlin, der Archäolo^i- 
sehen Gesellschall in Berlin , der Genlialdircklion des Insti- 
tuts sowie einer Anzahl V(ni iMcunden des Instituts. Heri'AJi- 
chaelis hatte auch das Titelhlalt seinei" neuen Bearheiliing der 
P(ins(iiii(ir (icsvi'ij)ti(t (irris At/iciKinini iihersamll. welche 
ei' dem alhenischen Deiilschen Inslitul und dei' Griechischen 
Arcliäologis(tlien Gesellschall zusammen vvidmel. ein äusseres 
Zeichen l'ur die rreundschaliliche Gemeinsehalt . in welcher 
auf dem gastfreien allisclien Boden die Archäologen aller Län- 
der mit den einheimischen Gelehrten zusammen zu forschen 
glückli<di sind. 

[\. März l'.IOO. \\ . Doi:iuM Kl I» und I*. W'oi.tkhs gehen ei- 
nen Üherhliek iiher die Besultate der .Vusgi'ahungen (). Bu- 
heiisi(hiis in l*aros, ersterer hesoiiders iiher die Teiiiiielanlage 
auf der ,\kidpolis, letzterer iiher das Heiligtum tier delischen 
Gotlheilen, die Xekrojxde, und daran anschliessend uher tlie 
durch b\ lliller von Gärtrini;en enlzitlerte auf Archilochos be- 



144 EHNENNI!N(jEN 

züglic'lie Urkunde. — H. Zahn berichtete soilann über die prä- 
historisclien Funde \on der Akropolis in Paros. 

"28 März l'.HHI. .1. KnoMAYKK berichtet über einii:;e Er^ijeb- 
nisse seiner l nlersuchuni^en in Chiironeia — H. Zahn, Prä- 
histoiische Wohnungen in Thera. — l{. Dklhhueck, Das Brun- 
nenhaus des Theagenes in Megara. — W. Doehpield, Ithaka. 



ei{Nennung1':n 

Ks wurden ernannt zu l^hrenmilgliedern des Instituts die 
Herren II. Lehmann in Halle a.S.. L Graf von IMt'sscn-C^ron- 
stern in AtluMi und A. von Swenigorodskoi z Z. in Meran, 
zu ordentlichen Mitgliedern die Herren J. Kicker in Strassburg 
i. E , G. Kaibel in Göttingen, Iv Meyer in Halle a. S., H. 
Niese in Maiburg, 11. Lehner in Bonn. 11. Graf \\ alderdorff 
in Begensburg, zu correspondirenden Mitgliedern die Herren 
E. Assniann in Berlin , Chr. Bliida-nbcrg in Kopenhagen, 
B. Bodewig in Oberlahnslein, C Eredrich in Berlin, P. Ilerr- 
mann in Dresden, C. Kitnen in Bonn, K L. Kölil in Worms, 
Marques de Monlsalud in Madrid. J. Navpliolis in Paros, G. 
Oberziner in Genua, B. Übler in GrosslichterlVlde, Persichetti 
in Bom. (). Bubensohn in Berlin, II Schmidl in Berlin, I) 
Tsopolos in \'olo, E V'assiliu in Tliera. I). \'ikelas in Athen, 
VVeckerling in Worms, B. J. Wheeler in llhaca U. S. A., 
W. Wilberg in Wien. 



BERICHTIGUNG 



Oben S. l'i, Anm. 1 ist zu lesen: 

Ph)'larch (um '2^20 vor Chr.). Aelian (IL Jahrhundert nach 
Chr.). 



Gesclilosseri 5. Juli l'.niu. 



ANTIKE S(;LLPTUREN IN SAMOS 
(Hiei/u Tal.'l XH. XIIl) 

Durch das vorliegende Verzeichniss der zu Vathy (genauer 
Aiu.y)v BaOeo?), der samischen Hauptstadt, im Pylhagoras- 
Gynnnasium vorhandenen Marmorsculpluren möchte ich diese 
interessante Sammhing vor dem Schicksal so mancher Local- 
museen hewahren, aus denen nur die Hauptstücke hekannt 
werden, während der in der Regel recht bemerkenswerte Rest 
in desto tiefere Vergessenheit sinkt. 

Auf die Steinsculpturen hahe ich mich beschränkt, weil alles 
Epigraphische seine Bearbeitung im Corpus der griechischen 
Inschriften finden wird und weil ich bei den wenigen \A'er- 
ken der Kleinkunst nicht in jedem Falle feststellen konnte, ob 
sie zum älteren Bestände der Sammlung oder zu den Ergeb- 
nissen der Ausgrabungen J. Böhlaus (189 4) gehören. Diesem 
verdanke ich die Erlaubniss, die beiden archaischen Statuen- 
fragmente Nr. 2 und Nr. 3 aufführen zu dürfen. Für die von 
ihm entdeckten , prächtig ornamentirten archaischen Grab- 
slelen verweise ich aufsein Werk: Aus jonischen und itali- 
schen Nekropolen S. 32 Taf. 1. 

Den er.sten Anstoss zur Gründung einer öffentlichen Samm- 
lung in Samos gaben die Ausgrabungen Guerins 1850 {Descrip- 
tion de Vilc de Sa mos, Paris 1850. S. 305 ff.), deren Funde 
unter der Fürsorge der damaligen Fürsten lo). rxixa? (1853) 
und MiX-rtäSri? 'ApioTap/Y)«; im Garten des Verwaltungsgebäudes 
in Chora mit Werken anderei' Herkunft vereinigt wurden. 
Anderes wurde in \'alhy in der ßo-j^ri aufbewahrt (C. Curtius, 
Inschriften und Studien zur Geschichte von Samos S. 1); nach 
der Erbauung des 'HyejjiovDtöv Mtyapov (begonnen 1875, vgl. 
STap-aTiäSvic , 'ETTExr.pt«; 187Ü S. 118) wurden in den unleren 
Räumen des äp/tio'pu'XaxEiov und im zugehörigen Garten Alter- 
lümei' gesammelt (Fabricius, .\lhen. Miltli I88t S. 19'2). 
Über die Gründung uiiii dfii htslami jenes ersten Museums 
in Chora giebt E. Kp-oTDciSy]!; in seinem 1867 erschienenen 

ATHEN. MITIHEIl.UNUEN XXV. 10 



146 TU. \vii:r.AND 

Scliriflclien Ap/aioi vaoi xr,; SäijLO'j S. '23 Nachricht. Er führt 
als ai.s den Ausgrabungon am llerainn staminond folgende 
Stücke an (S. -.^7) : 

I . 'AvaY>.upov TrapiGTxvov avopa rjaiyujjLvov tj— oöeyofxevov ao- 
XTOv laTafXEviriv ei; xoü; öxtaQio'ji; TröSa;, [j.' uTCOYpa(pr,v MEAIH. 

"2. 'AvJcyXotpov i'yov yEYXuaaevov aväpa iCTaixevov /cal eyovxa rr.v 
U.SV {xiav T<i>v ^Eipcüv uyouu.ev*/^v. Tr,v o £T£pav irpo; ra kxtu. 

3. 'AvayXu^ov xapiTTavov avSpa xaTa>t£/tXtu.£vov Itti ^CTOcoaasvo'j 
(TJtijjLTCoSo; (xpa€SiTO'j) xai ävTi;tpo^ovTa xpö; yuvai)ta xa6-ou.£vYiv 
icp' £ö(i)XtO'j, (I)v xä TTpcccoTia sliiv Y)'/.p(i)T7ipta<Ju,£va dv u-e'pei. 

-'». 'AvayXu<pov TrapKJTavov avöpa x.xi yuvai/ca iaxapLe'vO'j? xat xova 
ävop6oüU.£vov . 

0. 'Avay>>'jipov TwxpidTivov f,u.iy'ju.vov y'jvai/.a )ca9Y)t;.£vy)v eo' iSca- 
Aiou xat i'you'jav t'/jv öe^iäv /£ipa £7ri toG yövaTÖ; tit);, [/.£ xriv ipi- 
(jT£päv xpaT£i OTTwpav, r,v cp£'p£i ttoo!; to r(V6(i>y[ji.£'vov CTÖita x'Os Jtai 
aTre'vavxi xaux'//; iaxaxai IxEpa yjvY) xpaxoClda /.äviaxpov TrXyipe; Öttü)- 
pcüv, otvkjÖev Se xauxTi; stcI xopjAoO ^Eväpou <patv£xai ö(pi; £p7r<i)v. 

6. Tij(.7i(jt.a vexpix'/i; 'JTy;Xr,; s^oury/ii; txyixo; svö; Fa'XXDcoG tcoSö? 
TrspiTCO'j x.xi )tou.<j^y)v £7ri )t£<paVo; yXu<pY)v {xe x-riv £7riypa<pyiv xa'jxrjV 

IloTcXto; nXcü- 
xio; AüXou 'Poö- 
(po; '/ip(o? y^pTi- 
dxe xatp£. 

7. Xeip y'jvai)ceia )taX>.ix£^vo<; äTcö xoü öjaou (Ae'ypi xoiv SaxTuXcov 
riKpoxripiacfXEvwv ovxoiv £v u.£psi. 

8. 'AviyX'j'pov 7r£pi£yov avöpa xaxa)C£xXia£vov £7ii (j)ciu.7voSo<;.(juy- 
xiy.au.L;,£vou5 i'yovxa xoü; roSa; xat xä; /Jipa? s^ri toü dXTjOoix;, Suo 
yuvaixa; xa67ii/.£va; 7;ap' aüxoJ xal xpixiriv OTriaOev aüxoiv xai avwötv 
xoO ävöpo? ^aivexai Y)(/.ix6xot/.a£vy) ocpaipa. 

9. K£^a)v7) yuvaixeia xa>.>.ix6/vo; lyounx eXixoeiJ^üj; xriv xöixTiv 
ioxpaaueV/jv xai Tcpö;; xä OTriTw EpptaEvrjV. 

10. 'AvayA'j(pov eyov avSpa xaTax£xXiu,£vov xai iTviixiopi^ovxa xyjv 
x£cpaXr/v JTTi x'/i? äpioxfipa; y£ipö;. 

1 1 . Ke^aAY) yuvaixö? xaXXixe/vo; Tjxpwx'npiaajJLevr, xaxa X7)v ptva, 
CTcaa xai yväOov. 

12. 'AväyXvaov TrapKiravov yuvaixa xaOr,u.£vrjv i^' töwXio'j, avöpa 



ANTIKE SCULPTIinEN IN SAMO^' 147 

poijjiaXiOv j;.' ivö'jj/.a<jiav <7TpxTiciJTty.r,v xpaTO'jvTa xavtiTCOv 7:Ar,o£; 
OTTwpoiv, Y'J'^Äii'a TpoSeßvi/t'jixv tt^yitiov tO'j x.ai öOo aeipixta 7:001- 
CXeTTOvra -rrpö; ra xpia xaCxa aTOjjia. 

13. Mäpuapov öyy.<I)S£c xap'.OTävov äTej^vw; Xijxov SioivovTa ßoö? 
)ce(pa>.7iv. 

IIpo<J6T£'0-/T7av Ö6 £v a'jT(I» /tat ai /tarat Ta Aövx'.a xal Tr^yicviov 
ava>ca)v'j(pO£i<ja'. TrspiijaÖTgpai ETTiypacpat, Ttspi (I)v Trotriidj Xoyov ev tti 
£/tSoÖr,'JOu.£\ri To7ioypa(pix Trj(; vy;TO'j,xxi -riva äväy>.u(pa ävEupt^evra 
>c3iTa t6 xpö; Sudpia; tti; Xcjpa? äpyaiov vexpoTa^eiov '. 

In der To7roypa(pia tt/? Säjaou S. 45 spricht Kritikidis dann 
nocli von Funden, die bei der Anlao;e der Strasse von Tiüani 
nach Chüra i!;eniacht und in die Sammlung verbracht wur- 
den : Ol auTOt gpyaTai avsjtxX'j'j^av auToOi öüo •rixpcuxiopia'ju.eva; 
x8(paXäc äv(^pixvT(iiv x.xi yjvatxeiav jtaXXiTeyvov yeipa, aiTivs; jto- 
TTOÖSTTiöriaav £v tu Trii; Xcjpa; äpyaioXoytKo» Mouisio), und spricht 
S. 75 allgemein von Funden, welche die Bewohner von 'l'i- 
gani bei Anlage ihrer (läuser gemacht und z 'V. dem Mu- 
seum überwiesen hätten. 

Die V^ereinigung aller Altertümer im P^'thagoras- Gymna- 
sium geschah am 19. November 1895 ( Slamatiadis, "E7r£Tr,pli; 
189G S. 07) auf Betreiben des Gymnasiarchen Herrn Arislo- 
menis Stergioglidis und wurde erleichtert durch das l']ntge- 
genkommen des damaligen Fürsten Georgios Verovitz, der die 
im 'Hy£y.ovi/töv Mf'yapov und dessen Garten befindlichen Alter- 
tümer sämtlich der neuen Sammlung überwies, darunter den 
archaischen Sarkophag Nr. I\*3 und das scIuMie WVihieliet" 
Nr. 43. Anderes kam aus allen Kreisen der Bevidkeriing als 
Geschenk hinzu, lerner wurden die Reste der Sannnluni; des 
britischen Consuls Dionysios Luimark erworben und einver- 
leibt. Das Museum ist innerhalb von lünfJahren so gewach- 
sen, dass das kleine zweistöckige Haus im Hofe des Gymna- 
siums nicht mehr ausreicht und ein Neubau geplant wird 
(Stamatiadis, 'E^ETvipi? 1898 S. 69). 

• Von oliigetn Verzeicluiis.s enlsprichl Nr. i unserer Nr. 107. Nr. 13 un.serer 
Nr. 110; die übrigen iSlücke lassen sich niclil mit Siclierlieil identitioireti, 
doch könnte Nr. 8 mit unserer Nr. 69 identisch sein. 



148 TH. WIEGAND 

Den grössten Teil ineinor Aufzeiclinungen und pliotogra- 
phischen Aufnaliinen habe ii;li mit Unterstützung des zum Di- 
rektor der Sammlung ernannten Herrn Arislomenis Stergio- 
glidis sowie des Professors Gerasimos Smyrnakis und des 
Rpistalen Alekos R. Georgiadis in der VVeihnaclitswoche des 
Jahres 1896 gemacht. Hans Schrader verdanke ich eine im 
b^riiiiiahr I(S*)7 vor den Originalen vorgenommene Revision, 
mehrere Hinweise und A'lilLeilungen den Herren Prof. ßenn- 
dorf. Studniczka und Wolters, der mich auch bei der Biblio- 
graphie und mit Nachrichten über die P^ntstehung der Samm- 
lung unterstützt hat. Aus den epigraphischen Scheden E. Fa- 
bricius, die sich bei der Akademie in Berlin belinden, zog 
Herr Prof. Conze freundlichst tlie uns angehenden Fundnotizen 
aus. Im Oktober 1897 trug ich bei einem erneuten Aufent- 
halte in V'athy noch einige neue Erwerbungen, welche Herr 
Stergioglidis bei einer Bundreise durch die Insel gemacht 
halte, nach. 

Einige photographische Aufnahmen , die Herr Stergiogli- 
dis schon früher von verschiedenen Liebhabern hatte anferti- 
gen lassen, glaubte ich benutzen zu sollen, obvvol sie z. T. 
wenig gelungen sind ; immerhin geben sie mehr als eine Be- 
schreibung. Für eine grössere Anzahl von Aufnahmen habe 
ich sodann C. Fredrich zu danken, der im Anfang des Jahres 
1900 eigens zu dem Zweck einen Aufenthalt in Samos nahm, 
und bei dieser Gelegenheit meinem Verzeichniss noch einige 
ErweiLerunij;en und Verbesserungen angedeihen liess. Seine 
Platten sind der photographischen Sammlung des athenischen 
Instituts einverleibt, auf welche ich weiterhin überall Bezug 
nehme. Wo die photographischen Vorlagen sich gar nicht zur 
Wiedergabe eigneten, sind durch Herrn E. Gillieron darnach 
einfache Skizzen hergestellt worden. 

Eine Katalogisirung hat die Sammlung bisher ausser einer 
Anzahl ägyptischer Altertümer ( Stergioglidis, KaTzXoyo; tcüv 
ütcÖ Ty,(; A. TT. tou ävTi^aiiXEO); tyi? AiyoTCTO'j Xil^i 'A€€ai; 
na<jTä SoopyjOeiTcJv aiyuTrTiaKwv äpyaiOTy)T(i)v, Samos 1900) nicht 
erfahren, dagegen besteht ein Inventar. Die zu Anfang der 



XII 



M 







V 




ANTIKE SCULPTUREN IN ^AMOS 149 

Besprechung jedes Slückes siebende, der Invenlarzahl voraus- 
gehende, Nummer ist von mir ringefuhrl. 

Für flie Bibliographie verweise ich auf C. Curlius, Insclirif- 
ten und Studien zur Geschichte von Samos, Liibeck 1877, 
S. -2. \j Burebner. Das ionische Samos I, 1, Amberg l(S*V2, 
S. i IT. 1,5, München 1896, S. i. A. MyiXiapa>t75^, Ntoillrr 
vi/tY) Y6(i>Ypa<pi/.Yi (piXo^oyia S. 90. E. STa(^,aTi«Sy)<;, Hau.'.ajtä, er- 
ste Autlage: Athen I8f)\>, zweite: Samos 1881. Berichte und 
Notizen über Funde linden sieh ausser in dem schon genann- 
ten Schriftchen des E. KpviTf/tiSoc/Apyaiot vxot rvi; Siitou, Syra 
1867 und desselben Toxoypa^ia ttj; Sxaou, Syra 1869. in Sta- 
matiadis seit 187.") wenn auch mit rnterbrechungen heraus- 
gegebener 'E7r£TY)pi? TT); 'HyefjLovia: Hiao'j. Inventar und Zu- 
gänge der Sammlung wurden veröllentlicht in der 'E-pyii^-epU Trig 
'HY£p.ovia(; l'äao'j vom 12. April 1895 (Nr. 29) ab, vgl. Slama- 
tiadis. 'E7r£Tr,pi(; 1898 S. 68. Über einige altere, nach Paris 
gelangte Funde \gl. BuUcttino delC itislituto 1830 S. -IV). 
KpTiTiJtiSy)?, ToTCoypapia tyi; 2x(y,ou S. 28. Über den Fund der 
Cheramyes- Figui-: Stamatiadis, 'ErceTyipi? 187.') S. 166. 

I. Reste archaischer Figuren. 

1. ( Inv. Nr. 25. ) Man n liehe r Torso, gefunden 1890 an 
der Glyphada bei Tigani ; vgl. 'Erjtix 1890 Beiblatt Nr. 26 
(nach der samisehen Zeitung l'ifxo?); später im äp/eiocp-jXaxtiov, 
'E^Yiixspt; Tf/<; 'H^£y.ovia<; ^xulo-j 1895 Nr. 55 S. 2*6. Wolters. 
Athen. Miltb. XVIII, 1893, S. 22 'i. Ilöhe 10'»"", Breite der 
Schultern 'i8"". Abgebildet Taf. 12. Photographie des Insti- 
tuts. Snmos Nr. 1 I 12 Grau verwitterter, grosskörniger Mar- 
mor, der indess dem naxisehcu nicht zu gleichen scheint. Die 
Figur zeigt die fast allen altiii " Ap(dloügur»'n " gemeinsamen 
Eigenschaften: das gcwohiilh Im- arcliai.sche Scbrittschema mit 
vorgesetztem linken Bein, beide h'äusle wie an die Oberschen- 
kel g»'pressl, die Zcigelinger im letzten Glied eingekrümmt . die 
Arm<' nach auswärts verdreht Das Haar lälll in zwölf halb- 
langen Locken in den Nacken, horizontal und in Spitzen en- 



150 TH. AVIEGAND 

iligend. Mit ihrer sehr geringen Modellirung — man beachte 
z.B. die unseschickte Art. wie Oberarme und Fäuste nur durcli 
Rillen vom Ki^rper getrennt sind — bietet die Figur (bis Bei- 
spiel einer recht Hauen. sorgh)sen Manier, ein besonderes In- 
teresse gewinnt sie aber durrh die auf dem linken Schenkel 
von oben nach unten laufende alljonische Inschrift, die hier 
nach einem Abklatsch wiedergegeben wird : 

Sie wird am einfachsten dahin zu verstehen sein, dass Leu- 
kios dem Apollo ein Agalma stiftete, nicht etwa sein eigenes 
Bild, Wir haben hier eines der ältesten Beispiele der Anbrin- 
gung einer solchen Dedicationsinschrift auf einer grossen Figur 
(vgl. die weibliche Figur vom Ptoion, Collignon, Histoire 
de la sculpture grecque I vS. 155 Fig. fil ferner die Sitz- 
figur des Chares von Teichiussa, ebenda I S. 170 Fig. 77 und 
die von Cheramyes geweihte samische Hera, ebenda I S. 163 
Fig. 73), für die seit Winckelmanns Zeit die l^^igur vom He- 
lenen berge als klassisches Beispiel angeluhrt zu werden pflegt. 
Über Inschriften an F'iguren, insbesondere auch am Schenkel, 
vgl. R. von Schneider, Die Erzstatue vom Helenenberge, 
(Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Kaiserhauses, 
Wien, XV) S. 20 f., wo jedoch übersehen ist die reifarchai- 
sche Jünglingsstatue vom Ptoion, H. C. H. 1887 Taf. 13, 14 
S. 275. und der Apollo ciiins in feinore litteris miniitis no- 
nien Mijroriis erat iiiscriptuni , Cicero \'err W . 43, 93. bei- 
des, wie in unserem Fall, keine blossen Giallitti, auf die .Schnei- 
der den Gebrauch be.schränken wollte. 

2. (Inv. i\r. 50.) M ännlicher Torso, gefunden vonJ. Böh- 
lau 1894 im nördlichen Friedhof des alten Samos (Tigani). 
Für die Fundumstände vgl. sein Buch: Aus jonischen und 
italischen Nekropolen S. 32. Höhe 87'"". Im Nacken Reste 
gleich lani^er, regelmässiger Locken. Die Gestalt ist offenbar 



ANTIKE SCULPTUREN IN SAMOS 151 

von einer »escliickteren Hand j^efertiji't als die Weihung des 
Leukios, der sie aber an Erhallung erheblich nachstellt; es 
ist hier nic'iit nur den natürlichen Proportionen, z. B. durch 




grössere Hüflbreite, Rechnung getragen, sondern aucii weit 
mehr Sorgfalt auf die Einzelheiten der Weichteile, und zwar 
mit entschiedenem Verständniss, verwendet Photographie des 
Instituts, Sa/nos Nr. 13. I'i. 

3. (Inv. Nr. 57.) Fragmenteines ähnlichen Torso. Ge- 
funden zusammen mit Nr. '2. Grosskörniger, stark blau lieber 
Marmor. Nur Oberschenkel und Gluläen sind erhalten. 

4. (Ohne Inventarnummer.) Archaisches Porosköpfch »mi. 
Höhe etwa 10"". Nase, linkes Auge und Mund beslossen und 
verwittert. Gefunden ( nach Mitteilung von Stergioglidis ) bei 
der Glyphada, links von dem Weg, der von (^liora nach Tii^ani 
führt, dann mit andern .\ltei'tümern fui' das Museum anue- 
kaull : 'E(pyi[ji.£pi<; t-o; 'HYeuovia? 2Ci:ao'j 1897 \r. l.")(i S. 706, 
325,4 Das Köpfchen ist der einzige i^'piüsentanl der archai- 
schen Porosplaslik auf der Insel. h>s fällt durch ernsten Aus- 
druck, durch ein sehr kurzes Kinn und fast horizontal stehende, 



152 



TH. WIEGAND 



flache Alleen auf. ilereii BrautMi durch Ritzlinien angedeutet 
sind. Die Kopt'hedeckuno; besteht in einer fein carrirten Mütze 
mit zwei halbovalen, aufgebundenen Seitenklappeii Im Na- 
cken fiel das Maar in langem, dickem Schopf herab, (ieringe 
Uesle von Ohrringen lassen das Kopfchen als vermutlich vveib- 
lich erscheinen Stilistisch steht es zwischen derSamierin der 
Akropolis, Collignon I S. Ifi6,die Sauer, Athen. Mitth. 1895 
S. i(l für Naxds in Anspruch nimmt, und der samischen 




Bronze Olympia IV Taf. 7,7'», näher der letzteren. Manches 
erinnert an kyprische Sculpturen, wol auch die Mutze, s z B. 
Cesnola - Stern . Cyprus Taf. '27, 58, 'lO. vgl. Ohnefalsch - 
BicIiU'r. Kypros, die Bibel und Homer Taf. 1) I ,.-» und die Köpfe 
im Museum zu Konslanlinopel Nr. 'i7S, Nr. VU, IMl, '.17 und 
445. Doch wird ja die kyprische Sculptur als nichls primä- 
res, sondert) als Ahleger ruimentlich der (tstlichen anzusehen 
sein. Photographie des Instituts, Samo.s Nr. lo. IC». 

5. (Inv. Nr. 117.) Fragment eines lebensgrossen marmor- 
nen h'rauen kopfes aus reif archaischer Z(Mt. Ibdieetwa 54"". 
Die ganze linke Gesichlshälfte nebst Nase und Stirn ist zer- 



ANTIKE SCULPTUHEN IN i^AMOS 



153 



schlagen, desgleiclien der grösste Teil des einen ernsten Aus- 
druck verratenden Mundes. Kräftiges, volles Kinn, aber knappe, 
fast männliche Wanden sind noch zu erken- 
nen. Die Augen waren eingesetzt. Das Haar ^ — --^ 
ist am OI)('rkoj)f gar nicht ausgedruckt, nur \ 
die vor das Ohr erekämmten Locken sind >i,.\'^! 

■Ml 




durch leicht gesclnveilte hilzlinien unter- 
schieden. Das sehr lebendig gehildele grosse 
Ohr zeigt ein Bohrloch im Läppchen für ein- 
stigen Schmuck , auch der Gehörgang ist 
durch ein Bohrloch gekennzeichnet. 

6. (Inv. Nr. *20.) Männlicher Torso. Gefunden beim fle- 
raion. Mit der bekannten, von Cheramyes geweihten Statue 



'^-^ 




/iisjimmcM wurde in ciiur Liiirfiiuiiig xmi 7(i SciiiiKcn \k)\\ 
der stellenden Saulc des lleraioii ein luaiuiiiclicr Torso üefun- 



154 TH. WIEGAND 

den ('ET£TV)pt; 1876 S. 165. B.C H. 1880 S. 483, 5), dessen 
Beschreibung im allgemeinen mit diesem Torso stimmt, ohne 
dass sich die Identität zweifellos ergäbe. Grober, bläulicher 
Marmor. Il()he I 10'"'. In der langen ßnlwicklnngsreihe männ- 
licher archaischer Ti^uren nimmt diese eine der höchsten Stel- 
len ein und leitet über zu Gestalten wie dem 'Apollo auf dem 
Omphalos'. welche die Schwelle des Archaismus bereits über- 
sehrilten haben. Der breifschullerige Kiuper, der mit seinen 
vernachlässigten Seiten immer noch etwas N'ierkantiges verrät, 
hat, mit den vorhergehenden Figuren verglichen, an richtiger 
Proportion viel gewonnen, auch äussert sich ein weit grösse- 
res Streben nach ausführlicher Darstellung, wobei manches, 
wie die allzuharte Abgrenzung der Bauchpartieen, übertrie- 
ben wird. iMnen besonders starken Gegensatz zu den vorher- 
gehenden Figuren zeigt sie in der Bildung des fast halb- 
kreisförmigen unleren Rippenrandes, der die Vorstellung 
erweckt als atme die gewölbte Brust hoch auf. Auch das 
starke Hervortreten der Adern auf den Armen und die eigen- 
tümliche Bildung des Schamhaars, die sich bei einem Frag- 
ment auf der athenischen Akropolis wiederholt ( Kalkmann, 
Jahrbuch VII, 1892. S. 131 Abb. 3 und S. 136), ist be- 
merkenswert Sehr ähnlich ist die Bildung bei einem auch 
sonst vei'wandten Torso zu Syrakus , Arndt, Einzelaufnah- 
men Nr 754 und bei einem nach archaischem Original gear 
beiteten Torso hinter Villa Borghese, von dem eine römische 
Institutsphotographie existirt. zu vergleichen ist auch der 
.lunglingstorso aus Chaidari bei Daphni im athenischen Na- 
tionalmuseum Nr. 1605 {American Journal of archaeO' 
logij IX Taf.9 S. 53, vgl. X S. 50). Das Glied war besond- 
ers eingesetzt und mit einem Stift von oben befestigt — die- 
selbe Art, wie der vorgestreckte Unterarm der athenischen Kö- 
pai befestigt zu sein pflegt. 



ANTIKE SCULP TUBEN IN SAMOS 



155 



GöttPrfiguren. 



7. (Inv. Nr. 196.) Rest einer Zeusslatuelle. Höhe G'". 
Erhallen ist der nackte rechte Unterschenkel des stehenden 
Zeus, daneben der Adler, ohne Kopf. 

8. (Inv. Nr. 38.) Kopf einer Athenasiat uette. Grosskör- 
niger, sehr verwitterter Marmor. Ilc'die 19,5"". Athena in ko- 
rinlhischein Helm mit herahwallendem Haar, Typus der Athena 
von Velletri. 

9. (Inv. Nr. 0.3.) Apollokopf. Höhe ^7^"'. Grau verwit- 
tert; Nase und i^anze unlere Gesichtshälfte fehlt. Hohe Frisur 
wie die des helvederischen Apoll. Späte, geringe Copisten- 
arbeit. 

10. (Inv. Nr. 8 ) Unterteil einer Apollostatuette. Höhe 
38"". Der nackte Oberkörper leimte sich mit der linken Seite 
auf die Leier, welche auf dem Omphalos steht. Wenn auch 
die Kntblössung männlicher Gestalten bis unter die Scham 
schon im V. Jahrhundert vor Chr. dargestellt ist (vgl. das 
Relief aus Laurion im athenischen Nationalmuseum, Kavva- 
dias, rX'jTUTa Nr. 794, Friederichs -Wolters Nr. 1013, Conze, 
Attische Grabreliefs Taf. 186 und die von Hartwig, Meister- 
schalen S. 351, 1 zusammengestellten Bei- 
spiele von Vasen), so wird sie doch erst be- 
sonders häufig in rr»mischer Zeit, in der un- 
sere Statuette entstanden ist. Die Art der 
Fntblössung (indet ihre Analogie in dem von 
Winckelmann so hoch gepriesenen Dionysos 
der Villa Albani (Gesch. der Kunst V, I. •?3. 
Gerhard, Antike Bildwerke Taf. 105, I, 
Text S. 3't8, vgl. ebenda auch Taf. 113, I. 
Relief im Belvedere). Sie ist nahe ver- 
wandt mit der berliner Dionysosstaluelle Nr. 9i, welche, 
wie die Bcschroibung mit Recht bomerkl , ebensogut als 
Apollo hätte ergänzt werden können. .\u('li Anordnungen wie 




156 TH. WIEGAND 

die des berliner Salyrknaben, lieschreibiinj^ Nr. •?5'?, gehören 
hierher. 

11. (Inv. Nr. 3.) Arlemisstatuelle. Höhe Ol , :."". Kopf 
gebrochen. Gefunden im Jahr 1858 oder 1859 am Abhang 
der Aslypalaia im Acker des 'A. MaupoYewpyyi; zusammen mit 
der Dionysosslaluellc Nr. 15 und von dem damaligen Fürsten 
von Samos 'Iw. Tx-Ua; (MworbiMi ; die abgt^hroi'henen Köpfe 
waren in seinem Besitz verblieben und sind erst neuerdings 
wieder mit den Torscn vereinigt worden. ^Tafy.aTiäSv)?, 2a- 
aiax,ä ' S. Xy', \'i. KpriTistiSy)«;, 'Apyaiot vaoi tyi; 2a(jL0u S. 'i5. 

ToTcoypacpia t^? Säfy.ou S. 'i5. Als kopf- 
los werden die Statuetten noch auf- 
geführt in der 'E<p-ir)ij.£pl(; ty^; 'Hy6[7.o- 
via? :i:ät;.o'j 1805 Nr. 55 S.^'.5, I . ?. 
Die Göttin ist in kurzem Jagdcostüm 
nach links eih'nd.mit hohen Schuhen 
und dem K()cher auf dem liücken 
dargestellt in dem Moment, wo sie 
sich nach iM'le^un^ eines Wildes ei- 
nein anderen Ohjecte zuwendet. Tm 
ihren nackten linken Oberarm hat 
si(;h die wehende (]hlamys geschlun- 
gen Der Mund hinler ihr ist im He- 
grilT, sich auf ein kleines, niederge- 
duekles .lagdtier zu werfen, von dem 
nur die b'usse erhalten sind. Während 
dessen grilT die Göttin mit der hech- 
ten ruich dem Köcher (ein Puntello auf der Schulter beweist 
es), die «ie.seidUe Linke (Punlello in der liül(gegend) hielt 
olTenbar den Bogen Am nächsten verwandt in der llallung 
ist die vaticanische Artemi.s, iMiiller-Wieseler II Taf. 15 Nr. 
150, ebenfalls naliestehend. aber keine K('|tliken..siii(l die l<'i- 
guren im i^alazzo Rospigliosi , Arndt. I^inzclaulnahinen Nr 
1 12, ferner in Neapel, Inv. Nr. 6'?70, im Loinre IMioloirraphie 
Giraudon I 172. Auf diese drei Beispiele maclilc iiiieli 1*. Arndt 
aufmerksam. Photographie des Instituts, Samos Nr. 17. 




ANTIKE SCULPTUREN IN SAMOS 



157 




12. (Inv. Nr. 124.) Artemistorso. Hübe 63"", Scliuller- 
breite 33"". Die vorwärts eilende Ge- 
stalt trägt das gleiche Cosliim wie die 
vorhergehende, nur dassan Stelle der 
nackten Arme halblange Ärmel zu 
sehen sind. Aut dem linken Unter- 
arm hängt die wehende Chlamys. 
Auf dem Rücken Rest eines Köchers. 
I^'ür die Bewegung, namentlich auch 
die Haltung der Arme, vgl. Müller- 
VVieseler, Denkmäler 1! Tai' 5 Nr. 
\bS,CAsirac,Musr'e f/e scu/pture IV 
Taf. 564 C. Nr. 1218 C— Römi- 
sche Handwerkerarheit. 

13. (Inv. Nr. l->6.) Torso einer A rlem issta tuette. Höhe 
34"^'°, Schulterhreite •>5^"'. Die Gestalt glich in der Bewegung 
der vorigen. Das ähnlich gegürtete Gewand, über dem das 
Köcherband liegt, wird durch die Bewegung links an den Kör- 
per gepresst, rechts lallt es in ruhi- 
gen Falten herab . Der Kopf war 
aufgesetzt. Hinten abgeschlagen. 
Photographie des Instituts, Samos 
Nr. 18. lFredhichJ. 

14. (Inv. Nr. 112.) Dionysos- 
torso? Höhe etwa 64"". Grosskör- 
niger, grau versinlerter Marmor. 



Die Gestalt war nach ihrer rechten 
Seile geneigt, der linke Arm lag 
nahe am Körper, worauf ein An- 
satz an der linken Hüfte hindeu- 
tet. Von den Locken ist auch im 
Nacken ein Rest sichtbar. DerKörper 
zeigt ein edles h]bernnass. scliwel- 
lendeMusculaliir und weiche Übergänge. X'orziige. di.' nanient- 
lich bei dem auch seillich fein gewölbten Thora.v aullällen und 
an den neapeler Dionysos (Brunn, Denkmäler Taf. 3UU,2) 







<0>^ 



158 



TU. WIRT. AND 



erinnern. Dasselbe i!;ilL jedoeli nicht für den in der Kreuzgegend 
stark einij;ezogenen Uiu'ken. Im I5e\veonn»sniotiv stimmt der 
Toi'so mit dem berliner (Besclireibimg Nr. 8()) ziemlich (iber- 
ein. so dass wir uns aus ihm eine annähernde Vorslellunjj von 
der He\ve«2;ung der Obersclienkel und der Haltung der rechten 
Schulter machen können. Sehr verwandt scheint mir ein 
Torso von der \'ia Appia, Man. del Miisea Torlonia I, 1 
Tal". I, I. Der samische Torso machte mir den i<]indruck ei- 
nes Originals des l\^ Jahrhunderts vor Chr. 

15. (luv. Nr \.) Dionysosstatuette. Höhe 78,5"". Ge- 
funden 1858 oder 1859 am Abliani» der Astypalaia.vgl. zu Nr. 
11. Der Kopf und die jetzt lehlenden Unterarme waren mit 





l^lisenstiflen angesetzt. Die Kigur ist beim Ansatz der Ober- 
schenkel gebrochen und mit zwei li^isenklammern auf der 
Rückseite zusammengehallen. An der linken Schulter ein 
schräg eingetriebenes Bohrloch ; ein ähnliches in der Gegend 
des rechten Ivnies, von unten eingetrieben. Der Gott, dessen 



ANTIKE SCTT.PTUP.EN IN SAMOS 159 

Fiisse mit kreuzweise verschnürten Sandalen bekleidet sind, 
rtilit auf dem rechten Bein und stützt sich mit dem linken 
Arm auf eine Stütze, die im N'orhilde wol einen Baumstumpf 
darstellte. T.r U'iUj^l ein langes, dünnes weibisches Gewand, 
das den Hals frei lässt und von der rechten Schulter herab- 
geglitten ist. Um die Hüften ist ein Mantel geschlagen (vgl. die 
Ansicht der lUickseite;, dessen einer Zipfel vom linken Arme 
in reichen Fallen herabhängt Den Hals umschliesst eine dicke 
vorn im sog. Heraklesknoten geknüpfte Kette, die Stirn eine 
schmale Kopfbinde. Darüber liegt der Fpheukranz , dessen 
Blätter über den Schläfen ruhen, während über der geschei- 
telten Mitte des Hauptes nur die zusammengedrehten Stengel 
des Kranzes sichtbar sind, in der Ohrgegend setzen einige 
kurze gedrehte Locken an, die aber im Nacken, wo das Haar 
im Knoten aufgebunden ist, verschwinden. Über den Kopfty- 
pus lässt sich bei der Kleinheit dieser geringen Arbeit wenig 
saüen, dagegen gewinnt die Figur dadurch ein bedeutenderes 
Interesse, dass sie in der Gewandung eine starke Ähnlichkeit 
mit Gestalten zeigt wie die von Furtwängler (Meisterwerke 
S. 652 Fig. I"2Ü und 130) publicirlen im Palazzo \'alentini in 
Rom oder mit der aus Vespasians Zeit stammenden N'ictoria 
von Brescia (Friederichs-Wolters, Bausteine Nr. 1453; Furt- 
wängler Meisterwerke S. (330 f. für die Wiederholungen), 
deren Schwestern auf zahlreichen Mimzbildern bis in die spä- 
teste Kaiserzeit wiederkehren. Wie bei diesen, so reicht auch 
bei unserer Figur das N'nrbild bis in phidiasische Zeil hinauf 
und vermutlich war. worauf mich Herr Prof Benndorf auf- 
merksam macht, dieses \^)rbild eine Aphrodite der Art wie 
die von Kekule, Fine weibliche Gewandslalue aus der Werk 
statt der Parlhenongiebel, Berlin I89'i, publicirle. 

16. (Inv. Nr. 93.) Fragment einer überlebensgrossen Dio- 
nysosstatue. Höhe etwa 95"". Kcpr.uLtpt; t?,? 'Hyfaovia; ICiaoij 
1896 Nr. 79 S. 390, 100. Grosskr.rniger Marmor l^rballen 
ist nur der uiilllere Teil des rechten Beines mit dem sehr 
gute Arbeit verratenden Knie (Stamlbein) Hechts wird das 
Bein gestützt durch einen mit einem Lanunfell bedeckten 



160 



TH. WIEGAND 




Raumstiimpf; danobon oin Pantlior, dessen Kopf und rechter 
X'orderfuss (bis auf die Tatze) leiden. 

17. (Inv. Nr. l-.>r).) Dionysosköpfchen. Höhe 11"". Ge- 
sicht last völligverriehen, Hinterkopf ab- 
gearbeitet hn Haar ein l'lpheukranz. Späte 
Arbeit. 

18. (Inv. Nr. 1 1 1 .) 'Ecp-^aspU xyi^ 'Hye- 
aovia? Saaou 1897 Nr. 135 S. 0-20, 187. 
Von Dr. Sarre in Tigani gekauft und 
dem Museum geschenkt. Kopf einer bär- 
tigen Herme. Höhe 15,5"". Im Haar 
eine Tänie. \'gl. z. B. Arndt, Glt/ptothe- 
ijiie Ny Carlsberg Taf. 13- 16. 

19. (Inv. Nr. 15.) Jugendliche Herrn en- 
büsle. Il(»he "21'"'. Dionysos mit bekränztem 
Haupt und langen Locken. Gesicht stark be- 
stossen , Hinterkopf abgearbeitet. Späte Ar- 
beit. 

20. (Inv. Nr. 87.) Kleiner Pantorso. Höbe 
"^Q"". ßrwäbnt: 'Ecpr/acpt«; rr,; 'Hyeaovta? Saaou 

1896 Nr. 79 S. 390.93. Vom rechten Bein ist der in ein zot- 
tiges Bocksbein übergehende Ober- 
schenkel erbalten. Im Bücken ein 
Schwänzchen. Der linke Arm und 
das linke Bein waren stark gehoben . 
Der in seiner muskulösen Schlank- 
heit lind Beweglichkeit an (h'u be- 
kannten tanzenden Satyr in Berlin 
(Beschreibung Nr. '■26'"2) erintu'inde 
l'orso mag wol aus pergameiiischer 
Zeit stammen. Photographie des In- 
siiliils. Sft/fto.s Nr. 1 9. 

•21. (Inv. Nr 96 ) l'^ragment ei- 
ner Saly rsla tuet te Ecpiriu.EpU ty-? 
'HyEaovia; ^y.y.OK> 1896 Nr. 81 S. 
;v.)N, Mi7 Biiiidr Basis von '21'"' 
Durchmesser, darauf Beste zweier 





ANTIKE SCUl.HTUREN IN' SAMOS 161 

nackter Füsse uinl ciiies Baumslamines mit der Tatze eines 
Raubtierfelles. 'Wol von einem tanzenden Satyr. Der linke 
Fuss ist vorgesetzt und ruht nur auf den /(dien, der rechte 
nach auswärts gedreht und dicht liinter den linken gesetzt.' 
[Schrader]. 

22. (Inv. Nr. 84.) Aplirod itekopf. Höhe 19, S'". Trotz 
der starken Verletzungen sind die Umrisse von Stirn, Wangen, 
Augen und Oherlippe gut erkennbar. Bei aller Anmut zeigt 
der Kopf, besonders im l^rofil , einen ernsteren Zug als er 




praxilelischen S(diitjd'uugen eigen ist. Die Augen warein iel'er 
gebellet, das iiuhMi' .\ugeulied ist krallig modi'llii't, so ilass 
man den 'i'vpus clifr iu der Kitlitung der Schule des Skopas 
einzuordnen Ncrsuriii ist 

23 (luv. Nr. i.iÜ.) Aplirndih'kitp feilen. Ibdie I ', "' 
Der Hinterkopf fehlt. Das Kiipfclifn war zum l']iust'lz('u iu 
eine Slaluelte gearbeilel. In dcui iu dci' .Mille gescheilellen 
Haar belindcu sich kleine l*]inli(iliiiiiii:fii t'iirciueu Kran/, oder 

ATHEN. MITlHEll-UNGEN .\XV. 1 1 



\&2 



TH. WIEGAND 



dergleichen. Spälhellenistisclj. Photograpliie des Instituts, 
Sa mos Nr. -^O. 




5'j. (Inv. Nr. -109.) Fragment einer A plirod itesta tuette. 
Höhe 13,5"". Erhalten ist nur der Teil von den Hüften his zu 
den Knieen mit einer Spur der linken, die Scham hedecken- 
den Hand. 



ANTIKE SCULPTUHEN IN SA.MOÜ 



163 



II. Sonstige Rundbildwerke. 



25. (Inv. Nr. 50.) Knahenlorso. Höhe 53"". WeisserMar- 
mor von inilllereni Korn, braun versintert. Die Gestall ruhte 
auf dem rechten Bein und war nach ihrer rechten Seile vor- 
geneigt, der linke Arm zurückgenommen. Auf der linken Schul- 
ler ein liohrluch von "-2"" Durchmesser. Der i^ticken ist kräftig 
ein";ezoü;en. Die mässi«; bewegte, einst vielleicht aufgestützte 




Kigur dürflc ein Original des IV. Jahrimnderls vor Chr. sein, 
des.sen Tyiins w icdn/.iirniden mir liMder aus Mangel an liiiils- 
mitlcln /. /. iiiiiiiriglicli ist. Der flindriick der Weichlichkeit 
wird dincli das l-'t-iilcii dw irclilcn Schuller, die den an sicli 
nicht übermässig cntw ickcllcii Hriistkorb iikcIi schmaler und 
die Hüften breiter erscheinen lässl, gesteigert. 



I(i4 



TU. \Vli:GAND 




'26. (Inv. Nr. 107.) Knabenlorso. Mühe 49"". Marmor von 

riii(fol^n)ss(>m Korn. Auf den 
ScImlU'iMi Hesle kur/er Locken. 
Der linke Arm liin^ herab (An- 
satz am linken Obersclienkel). 
Zu vergleicben sind jene wenig 
bewegten Gestalten w ie die JM'O 
ten von Petersburg bez. Sparta 
(A. Plasch,Arcb. Zeitung 1878 
Tal'. 16). Miltelmässige Arbeit 
griecliisclier Zeit. 

'27. (Inv. Nr. 113.) Frag- 
ment eines Hermaphrodi- 
ten. Gefunden in Tigani. Höhe 
37"". Grosskörniger Marmor 
von bräunlicher Verwitterung. 
Die linke Brust ist stark be- 
slossen. Die Gestalt war, wie 
ein Ansatz der ausgebogenen linken Hüfte beweist, nach ihrer 

rechten Seite geneigt, wie der 
berliner Hermaphrodit ( Be- 
schreibuns; Nr. 193, S. Bei- 
nach , Revue arc/ie'ologiqae 
1898, I S. 3^24,7), aber im Ge- 
gensinne zu dem pergameni- 
schen in Konstantinopel [Ca- 
lulogiie des s('ul/>tiires Nr. 
60). Kin langer, schmaler Bruch 
an der linken Seite beweist, 
dass hier der .\rm anlag; der 
rechte scheint etwa bis zur 
Schulterhitlif t-rlioben gewesen 
zu sein. Die Jugendlichkeit der Biisle ist mit ebensolcher Fri- 
sche zum .\usdruck gebi-achl, wie die sehr bestimmt sich ab- 
grenzenden mannlichen Köiperformen von der Brust abwärts. 
Die Deutung verdanke ich Herrn Prof. Sludniczka. 




ANTIKE SCULPTUIIEN IN SAMOS 



165 



^8 (Inventarnummer fehlt.) f^est einer weiblichen Colos- 
su Isla tue aus^rohkürnii^em iMai'uior.li('ilie etwa 85"". AusTi- 
gani. Vielleicht identisch mit dem -'nu-ion y.y.Tiü [^ipo; avSpiivTo; 
ÜTcep'p'j'ji/toO y.EveOo'j; S'jpeOev eu.Tcpo'iOev £/.>cV/)«j'.oio'j Tzpo TTt^ eitÖoo'j v.i; 
T-/iyxviov äpiitepä t<I> eiTep/ow-tvo), "K-priaspU tt«? 'Hyeaovia; ilzp-ou 
1807 Nr. I '»5 S 600. IS. Nur di«' lan<^'liekleideten Unterschenkel 
sind f'iliallcn, auf einer Basis mit rundlich prolilirtem h\iss 
Kiicksrile vernachlässiiil. Das reichlalLii;«'. am Hoch-n nach- 
schleppende Gewand, welch«;s j;anz mit kleinen Kräuselfalten 
durchz(i}j;en ist.erinuJMl an periiamenische Werke. SchhaderJ. 

'.?*>. (Inv. Nr. 'A^y2.) Oberteil einer weiblichen Statuette. 
H(die I.V'". Die nackte, etwas nach links gewendete Figur ist 
bis /u den Hurten erhalten: lvo|)r und Arme fehlen, doch er- 
kennt man, dass der liidve Arm gehoben, der rechte gesenkt 
war. Über die linke Schulter fallt ein am Halse befestigtes 
Stück Mantel herab. 

30. (Inv. Nr. 1*2. ) Slatuellenfragment einer Kallipygos. 
Höhe 36"". Gefurnlen iiiTigani. ErpriUspU Tr,(; 'Hyeaovix; ^x- 
p.o-j IS!).'» Nr. 'i-> S. 177, il. N'oni vernachlässig!. Man ver- 
gleiche die iiliiilicli enlblosste Gestalt der auf griechische 
Vorbilder zurückgehenden periiginer 

Asclienkisle des Herliner Museums, 
heschreibung Nr IV7.'> S. 'i'.).'). Pho- 
tographie des Instituts, Sa/nos Nr. '2\ . 

31. (luv. Nr. 30.) Weiblicher 
Kopf. Ili.he -^O"". Gesieht fast völlig 
verrieben; liali)e Lebensgiiisse. Das 
Haar war in (\vi Mitlr Inelil gcs^hei- 
lelt und nach beiden Seilen, über der 
Stirn aber nach (d»en geslri«-lien. hin- 
ten aufgen(tmmeii. liel |ed(icli t(-ilweise 
wieder zum Nacken herab. \'nv jedem 
Ohr ein llaarlöckchen llelleni.stisch. 

3*2. ( Invenlarnummer nicht erkenn- 
bar.) Tragmenl eines jugcudliclien gefliigellen Köpfchens 
aus hartem Kalkstein. Höhe IV '". Unter dem Kinn gebrochen. 




t 



166 TH. WIEGAND 

Nase und rechte obere Gesichtsliiilfte mit den Au<^en fehlen, des- 
gleichen der llinlerkopt' bis zu den Ohren; Kinn unil Lippen 
beslossen. Die IJppen waren leiclil i;eölTnel. die Wangen zart 
gerundet, vor dem Ohr zoiren sich kleine Haarlocken her. 
über der linken Schlafe Ansatz eines Flügels mit schiippen- 
artigen Federn. Jugendlicher Hermes? Ilypnos? Sorglältige 
Arbeit etwa pergamenischer Zeit. Photographie des Instituts, 
Sa mos Nr. •2'?. 

33. ( Inv. Nr. (SO.) Jugendliches Köpfchen von lächeln- 
dem Gesichlsausdruck. Höhe 15,5'™. Das Gesicht ist ver- 
scheuert. Um den Hinterkopf ein erhöhtes IJand, etwa eine 
Flechte? 

34. (Inv. Nr. 37.). Kinderköpfchen Gefunden in Ti- 
gani, 'E^pnixepl; ty)? 'W^z]xo\iy.c, ^ajjiou 1895 Nr. 51 S. 5*23, (19, 1 . 
Höhe 15'"'. Nase und \Vano;en stark bestossen. Halblange, in 
der Mitte gescheitelte Locken. Das Köpfchen war leicht nach 
links geneigt. Römische Zeil. 

35. ( Inventarnummer fehlt. ) Resteines männlichen Kin- 
derlorso. Höhe 25,5"", R reite 16,5"". Erhallen sind nur die 
beiden Oberschenkel und ein Teil der Glutüen. 

36. (Inv. Nr. 116.) Weiblicher Porlrätkopf. Gefunden 
bei der Anlage der grossen Strasse nach Chora. Etwa natür- 
liche Grösse. Sehr zerstört: nur die linke Wange und ein 
Rest der leicht geöffneten Lippen, der Hals, das rechte Ohr 
und der Haaransatz im Nacken sind erhalten. Der Kopf war 
zum Einsetzen in eine h'igiir bestimmt. Ilclltiiisliscli «»der 
früh - römisch. 

37. (Inv. Nr. 56.) Römischer Port rii lko|) f Hohe 57"'". 
Nase, Kinn, Stirn und Ohren stark beslo.sscn Am ILilse ge- 
rade abgearbeitet. Rartloser, noch iiii'<Midliclier Mann von fe- 
Stern Gesichtsausdruck, der durch eine gewisse, die llaii|>tge- 
sichlsknochen überall hervortreten lassende Magerkeil unler- 
stutzl wird. Namentlich stark betont ist der Hau der llachen 
Stirn, auffallend klein das Ohr. Der Rlick ist nach rechts und 
aufwärts gerichtet. In einzelnen Strähnen l.illl das kurze Haar 
leicht in di(^ Stirn. Wenn nicht Angustus selbst, so ist doch 



ANTIKE SCL'LPTUBEN IN SAMOS 



107 



sicher ein Angehöriger des julischen Kaiserhauses dargestellt. 
Vgl. z.\^. den julisclien Kopf bei Furtwängler, Sammlung Sa- 




bourolT I Taf. '«3 und einen in Berlin ( Bescli 
38 (Inv.Nr. 101.) Weihlidier Porträt 
ger .Marmor. Natürliche Grös- 
se. DasGesiciil ist sehr bestos- 
sen. der lliiil('rk(t|»r It-Iilt Der 
Kr)|>r trug eine hauhenlormi- v 

ge. in drei heilien um die Stirn 
^eleifle h^isur. In dci' Mille 
der Stirn ein scliuialcs agral" 
fenartiges Hand, das die dr(M 
Reihen zusanunenrassl Die 
Uhren sind \erdeckt, hinter 
ihnen gehl der Schmuck in 
ein glattes Hand iilier. Ähn- 
lich ist der K()j)rputz der('lau- 



ngNr 



rei 

kop r. Gross 1 



344). 
\i'»rni- 




168 



TH. WIEGAND 




dia Olympias im Brilisli Museum : Ancient Marbles XI Taf. 
'20. Photographie des Insliluls, Samos Nr. T^. 

30. (Inv. Nr. 13.) J (ingli ngskopf. Höhe 18,:)^'". Hinten 
eine gepickte Kliiehe. Derhes desieht 
von rniin'ischeni Ansdrneiv , (h-r na- 
menllieli diiich zwei liefe vertieale 
Slirnlalten und die vortfescdiohtMie 
Oheilippc hervorgerufen ist und — rein 
physiognomisch genoninjen — fast an 
den olympischen Kauslkämpfer erin- 
nert, nur ins .lugendlichc rd)erselzl. 
Schlecht ( pankratiastisch ?) sind die 
(unrichtig ansitzenden) Ohren gehil- 
det, auflallend ist die in steife Locken 
aufgelöste Ilaarmasse, die auf eine Erneuerung archaischer 
Tormen hindeutet, wie wir sie schon hei dem Kopf der Ar- 
lernisia des Maussoleums finden (Brunn, Denkniiiler Taf. \>i-.\ 
vgl. auch den Kopf aus Priene , Antif/uities of Jonia IV 
Taf. ">{)). 

»0 (Inv. Nr. H."). ) Jünglingskopf mit Siegerhinde. 
Ilalhlehensgross Höhe \T"\ Die Nase fehlt, Lippen und Stirn 
sind sehr hestossen. Derher Gesichtsausdruck, niedrige Stirn. 
Das Haar ist nur leicht angelegt. Flüchtige hellenistische .\r- 
heit. 

41. (Inv. Nr. 'f35.) Hechle .Artnheuge einer iMarmorfigur. 
Höhe 16,5"". Grossktirniger AJarmor. h^lwas unter Lehens - 



4^. (Inv Nr i3'i.) I'ragment einer ü berlehensgrossen 
Hand \'iell(Mcht identisch mit der von Kp-r(Ti>ti8r,c, ToTcoypa- 
cpio. T-/i; l'zao'j S. '»5 erwähnten Hand, die hei der .Xulagc dei' 
grossen Strasse von Tigani nach Ghora gefundm wurde. L;ir)ge 
10"". Alle Kinner fehlen. Au <lcr llaudwiir/cl ulall ahur.sdiuil- 
tf'u und mil Stilllorh \eis(di('n. 



XIII 




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35^' 







Vi 







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ANTIKK SCUI-PTUnKN IN SAMOS 



IfiO 



IV. Weihreliefs 

(ausgonnminrii Tnloniiialil - I»;ii >|('lliiii.ü:on ) 

'i^. (Inv. Nr. I(S.) Wciliroliof an II cra? Gefunden nach 
E[). Slamaliadis ( 'iLTicTr.ci: 1881) S. \'21) 1888 in der Niihe 
von Chora ; später im äp/£io(p'Ax)ceiov zu Valliy; 'K'pr.aepi; ty;; 
"Hyeaovia; ^yu.ryj 181).') Xr. oT) S. '2 » T) , "2 1 , WO der Jun^linf; für 
Anlinoos erkliirl isl. Als früherer Besitzer wird 'Iwzwy); Ko/.- 
jco'jXyi; £x. Ma'jpaT"CxiüJv genannt, ebenda 1896 Nr. 71 S. 3*6. 
Das Inventar bezeichnet den Fundort einfach als y.triu.y. Kojx.- 
y.o'jl-n. V^l. Wolters, Athen. Mitlh. XV. 1890, S. 5-20; die 
irrtümliche, von Stamatiadis über- 
nommene i^ezeiciinung als Grabre- 
lief istAthen.Milth. XVIII, 1893, S. 
'22'», wo Wolters das Relief nach ei- 
gener Anschauung; l>esj)richt. richtig 
gestellt. Höhe \'i'2"\ Breite 68, 
Dicke der Platte •20. Kelieftiefe 'i,^)"" 
\'gl. aussei- iiebenslt'lieiid(M'Ski/>ze die 
Abbildung auf Taf. I."), welche nach 
einer Herrn L. Pollak verdankten Auf- 
nahme hergestellt isl IMiolograpliir 
des Instituts, Sanu>s Nr. 10. 5i. 
Die ganze linke Hälfte ist abgearbei- 
tet. Man erkeniil noch den Best ei- 
ner nach rechts silzriidcii Gestalt, 
von der die lang bekleideten Schen- 
kel (ohne die h'usse),die rechte, auf 
dem ScliO(»ss ruhende Hand und 
der erhobene, entbl()sste hiikc .\iiii 

(ohne Hand), der ciiirii Slab liicli, nliallen sind. Dieser Ge- 
stalt ziigekelirl isl der iiacklc .liiiiglnig. dessen Körper leicht 
auf dem rechten Bein riilil. In der Linken hält er eines jener 
oft auf Grabreliefs vorkoiiiiiieiidt'ii viereckigen Kästchen, dem 
er eine Tänie entnomnuii lial ; er hol sie iiiil (h'r gesenkten 




170 



TH. WIEGAND 



Rechten der sitzenden Gestall dar. Das rundliche Ende dieser 
Tänie erscheint zwischen seinem vorgestreckten Unterarm und 
der ruhenden rechten Hand der sitzenden Gestalt. Sein mit 
grossen, (lach modellirten Locken hedecktes Haupt mit den 
leicht geölTneten Lippen neigt sich leise; eine Hand, welche 
sich von links liher die sitzende Gestall hinwegstreckt, will 
eine Tänie daraul' herabsenken. Wol- 
ters glaubte statt der Hand einen 
Thyrsos zu erkennen , von dem die 
Binde herabhänge. Mass es aber in der 
Thal eine (jetzt stark abgesplitterte) 
Hand' war, wird die nebenstehende 
Skizze beweisen. 

Die Umrahmunii; des Bildwerkes trug 
an den inneren Rändern ein aufgemal- 
tes Feines Eierstabmuster, dessen Vor- 
zeichnung noch überall erkennbar ist, 
wenn auch die Earben geschwunden 
sind. 

Das Relief, dessen hohe Schönheit 
schon Wolters a. a. 0. S. 224 hervorhob, ist ein glänzender 
Rojuäsentanl jonischer, vom Geiste der attischen Kunst be- 
rühilcr Rt^lielplaslik des ausgehenden \. Jahrhunderts vor 
Chr. In der Modellirung erinnert der Körper des Jünglings 
sehr an das bekannte Ephebenrelief von Pella in Konstanli- 
nopel { Cata/o<j^ue des scul/)tures Nr. 'i5); vgl. auch die at- 
tische Grabslelo bei Müller- Wiescier, Denkmäler! Taf. 39 
Nr. 157, ferner Conze, Attische Grabreliels Taf. HT), Taf. 187 
Nr. 938, Tal. I'.IV Nr. 935. 

Die Deutung scheint durch die Tänie über dem Haupt des 
Jünglings gegeben: Es ist ein Sieger dargeslelll. der. vermul- 
lich v(jn Nike 2, in dem Augenblick geschmückt wiid, in dem 




' Genau so alij^csplillcrl isl eine Hand anf dcni (jialiiplicf einer sitzenden 
Krau im altienisclien Nalionalmuscuin Nr. 818. 
» Nike mit Taiiie; Paus. V, 11,1, v^'j Jülliner, Jahrosheflc 1, 1898, S. 48. 



ANTIKE Sr.ULPTUREN IN SAMOS 171 

er an die sceptertragende, thronende Gestalt, gewiss die grosse 
Mera der Samier, herantritt, um ihr seine Ruhmeszeichen in 
den Schooss zu legen. Zwei zeillicli auf einander folgende Mo- 
mente, die Schmiickung des Siegers und die Weihung dos 
Schmuckes an die Gottin, hat der Künstler hier zu gleicher 
Zeit zum Ausdruck gehracht'. F.ine in 
der Anonliuiiig verwandle Scene findet 
sich auf einer Adonisvase {Monumenti 
delC Inst. IV Taf. 53), wo dieser mit 
einem Kranze vor der sitzenden Aphro 
dile steht. 

44. (Inv. Nr. 78.) Weihrelief an 

flera Hohe 'i 5^'". Breite 50 Links, ohen 

und unten Bruch, rechts ohen .\nsatz ei 

nes Profils, vielleicht von einer giehellör- 

migen Bekrönung. Hera, mit der Bech 

ten den Schleier fassend , steht nach 

links, hinler ihr auf einer schlanken, 

uncanellirten Säule ein Pfau nach links, 

"anz in der Art der Hähne auf panathenäischen Preisamphoren. 

Zu den I^fauen im lleraion vgl. Boscher im Philologus 1898 S. 

515 Bürchner, Das ionische Samos I, 1 (Amherg. 1805) S. »7. 
\:^. (Inv. Nr. fiS.) Höhe 46,.'), Breite 31 ,5'™. Ohen und 

links gebrochen , rechts ein 

3'/,"". iinlen ein 7 '/,"" breiter, 

• dilller Sheif. Zwei Männer in 

p 

lanjicn Gewändern uiulein Kiia 
be stehen nacli rechts v(»r ei- 
iK'iii viereckigenGegenslaiid.Der 
Kopf des ersten Mannes ist /.vv- 
sliM'l, der des zweiten ist sieht'r 
unliäitig. her Knabe trägt t'iii 
schöpHolTclartiges Gerät. Der er- 
sle Mann legt eine Tänie auf der 
viereckigen Krhebung nieder. 

' Zu vgl. sind Darslflliiiigni \\w ilic d.s Anli. Aii/..;igcr I8',l(i 6. 40 or 
wiilmleii Ucliefs: Pliologiaitliic dos InsliUils, Akropolis Nr. 28?. 





I (V TH. WIEG ÄND 

auf der sich bereits mehrere hefiiulen. Dasselbe tliat eine von 
rechts kommende Person, von dcM* nur noch der rechte Un- 
terarm erhalten ist. Photographie des Instituts, ^rt'mo.v Nr. 54. 

'»6. (Inv. Nr. in.) Jugendliches Kiipfchen mitphrygi- 
scher Mütze, von einer Fidle lockigen Ilaares umgeben. 
Aus Marathokampos. Ilöhe Ifi.o"". ßin Ansatz an der rechten 
Seite beweist, dass es von einem Relief slammt. Nase fehlt. Ge- 
sicht hestossen Paris? Ganymed;* Flotte, hellenistische .\rbeit. 

\1. (Inv. Nr. 67.) Ilöhe 5ß'/,;'", Breite .'i.'). Frwähnt 'E^r,- 
u.izi^ Tri; 'HY£{y.oviaii:äf;.ou 1806 Nr. 79 S. 390,70. Drei lang- 
hek leidete Frauen mit Mantel und Schleierslehen neben 
einander in der Vorderansicht. Die mittlere zieht den Schleier 
von rechts nach links über das (Intergesichl. Alle Gesichter 
sind stark verletzt. Späthellenistische, gewöhnliche Arbeit. 
Photographie des Instituts, Samos Nr. 55. 



K i 



48. (Inv. Nr. 71.) Fernher beim Consul Luimark in Vathy 
(Fahricius). Wei hrel i ef an Deloptes. Höhe 33, Breite 36^"". 
Grau verwitterter Marmor Die einfache Daistellung ist ein- 
gerahmt von zwei Parasladen und einem horizontalen Gebiilk 
mit Ziegeldach. In der Art des .\sklepios auf seinen Stab (der 
nur gemall war) gestutzt, steht Deloptes n. r vor einem Al- 
tar. Davor reclils ein Adoranl. \\i\' deiu l'>|>islyl liest man 
den VOM \\ Olters gedeiitelen Inschriftrest : 

Hl O5:AHA0nTH ; "Ilpw? AyiXöt^tyiic; 

Deloptes findet sich zusammen miL Bcndis auf einer von De- 



ANTIKE SCULPTUREN IN SAMOS 



173 




margne B. C. H. 1899 S. 370 ff. vemffentliclilen Insclirift 
aus dem Piiäus. Deinargiie Ijezo^; den IVainen auf den bär- 
tigen, auf einen Slock gestützten Gott, der auf dem Kelief der 
Sammlung Jacolisen (Hartwig, Bendis Taf 1 ) neben Bendis 
steht (vgl. Perdrizet, Revue des e'tmles ariciennes II, 1900, 
S. 267). Das samiselie Relief bestätigt diese Annahme. 

49. (Ohne Inventarnumnier.) Bei ieffragment aus weissem 
Marmor. Iliilic \?r\ Breite IG, Dicke 9. Ober 

körper eines mit gegürtetem Chiton beklei- 
deten Mädchens in Vorderansicht. Das Ge- 
sicht ist abgeschlagen. Auf dem ausgestreck- 
ten linken Arme hält es ein grosses Tym- 
panon, der rechte war gesenkt. Gute grie- 
chische Zeit. Photographie des Instituts, Samos i\r. ~ü\. Vgl. 
zu der Art das Tympanon zu tragen Conze, Grabrelicfs Xr 95. 
Kavvadias, F^utctoc Nr. 1030. rFHEinucH". 

50. (Inv. Nr. 30.) Dreiseitiges Hekataion; früher im 
ap-/£io(p'j'Xa/i£iov. 'Eflpr)u.£pi? xri? 'Hyefxoviai; Saaou 1895 Nr. 55 
S. 245, 17. Höhe 39,5"", Breite jeder Seite etwa 9; an den drei 
Kcken abgekantet Oben Bruch nahe der Stelle, wo die eckige 
in die Büstenform iibergeht. jedoch sind noch Spuren der 
Locken des abgebrochenen dreifachen llekatekopfes vorhan- 
den. Stark verwittert, alle Gesichter zerstört. Der dreiseitige 
Schaft ist von drei Mädchenüguren umgeben : 

a) Langbekleidetes Mädchen in Vorderansiciit stellend, lin- 
kes Standbein. I^in /ipf<'l des Mantels fällt von der rechten 
Schulter herab. Die linke Hand ruht auf der llulte. die rechte 
ist zum Kinn erhoben. Das Haupt scheint eine hohe Kopf- 
bedeckung (Kalathos?) gelragen zu haben. 

b) Dicst'lbe (Icstall in ähnlicher Haltung, jedoch etwas be- 
wegter. Die linke Hand fasst einen Zipfel des Ahmtels 

c) I^angbekleidetes Mädrhen , in gemessenem Tanzschritt 
nach rechts scdireitend. Der rechte ,\rm. mit ausgestrecktem 
Zeigelinger, ist auf die Scliiiller zuruckgebogen . der linke .\rm 
vom Körper etwas abgestreckl, so dass der Reliefgruiul sicht- 
bar wird, iler Kopf aufgerichtet. 



174 TU. WIKf.ANÜ 

Insofern weicht die Darstellung von den üblichen ab, als 
zwei der rii>;nren stehen und nur die dritte, in leicht ange- 
deuteter archaischer Manier, tanzt. In der Hegel pflegen alle 
drei im Tanzschritt von links nach rechts dahinzuwandeln 
(vgl. Petersen, Arch-epigr. Mittheilungen aus Österreich V 
S.'-2Gff.). 

51. (Inv. Nr. luy.) Kybele-Helief. Ilöhe•^'^'^ Breite \>3. 
Kybele sitzt auf dem Thron in N'orderansicht, in der Kechten 
eine Schale, in der Linken ein grosses Tympanon haltend. 
Schlechte Arbeit. 

5*2. (Inv. Nr. 54.) Nike vor einem Tropaion. Höhe 
50"", Breite etwa 5?. Die obere Hälfte fehlt, links und rechts 
Bruch. Links Nike in langem, unter der Brust gegürtetem Ge- 
wand. Es fehlt der ganze Oberkörper mit dem rechten Arm. 
Die linke Hand hält ein quer über den Ktirper gezogenes Man- 
telende. \'on den Flügeln ist nur das untere b]nde des linken 
erhalten. Links von der Göttin die Beste des Tropaions : ein 
grosser Bundschild und zwei nur noch z. T. erhaltene Bein- 
schienen. Bohe Arbeit der späten Kaiserzeit. 

53. (Ohne Inventarnummer.) Weihung an Aphrodite. 
Höhe 1>1"", Breite 15. Gefunden bei Chora ('E7r£7r,pi; 1889 S. 
129, vgl. Athen. Mitth. XIV, 1889, S. IÜ3), dann im i^iHo- 
cpuXaxeiov, 'EcpTOfiepi? ttj; 'HYeu.ovia? Saaou 1895 N. 55 S. 245,16. 
Weiblicher Unterleib, von den Hüften abwärts, und ein Teil 
der Oberschenkel mit der W^eihinschrift: 

ZuLapäySiv euy'/jV 'A^ppoSiTY) 
Buchstaben AA. Eine ähnliche Weihung befindet sich im 
Berliner Museum (Beschreibung Nr. 721), andere, z. T. aus 
dem Aphroditeheiligtum bei Daphni, in Athen, vgl. C./.A. 
II, 1509. IV, 2, 1558 ff. üpaxTiicx 1892 S. 12. 

54, (Inv. Nr. 55.) Etwa lebensgrosser Fuss in Belief. 
Höhe 37"", Breite 21. Der Fuss ist mit Sandale bekleidet. Die 
sich wol manchem Beobachter aufdrängende N'ermutung, das 
Fragment könne zu dem Belief Nr. 43 gehören, kann nicht 
bestehen, weil der Beliefrand anders gearbeitet ist als dort. 



ANTIKE SCULPTUREN IN SAMOS 



V. Tolemiialilreliefs. 



Die 'rolonmalilrolipfs bilden einen Hanplheslantlleil der 
Saminlimg. Wenige IVeilicIi erlieljen sich in gegenslaiulliclier 
oder Iviinsllerischer Bezieliiing über das Gewohnte, diese aher 
fallen durch zahlreiche, den Helielgrund ganz oder tf'iiweise 
ansfüllende Beigaben von WalTeii. Hausgerät und dergleichen 
auf. in der ausführlichen Wiedergabe solcher dem gewöhnlich- 
sten Gebrauche, dem Schmuck oder der Hehaglicbkeit dienen- 
den, mitunter auch den Beruf des lleroisirten durch ein cliarak 
leristisches llandwerksgerät andeutenden Gegenstände, dürfen 
wir eine besonders im Osten der griechischen W(df verbrei- 
tete Gewohiilicil erblicken. I^s lin(h't sich unter den zahlrei- 
chen, ihrer Mehrzahl nach vorn griechischen Festland stam- 
menden Tolenmahlreliefs in Atiien nichts derartiges, während 
aus Chius ein l'xcmplar durch eine Skizze Studniczkas 
(Alben Milth. XIII. 1888. S. 193) bekannt ist, und andere 
Beispiele sich im Museum zu Konstantinopel finden (Joubin, 
Moniinit'nts /'a/i ('/■(/ t/r.s'^ Xr \{)\ = /{('{'tu' dich. 18/ <. 1 
Taf. V. aus Byzanz selbst. Xr. Uli. Ilü). 

.'):». (Inv. Xr. T).").) Höhe 50"", Breite (i7. Oben Bruch Auf 
einer Kline liegen drei Männer nach links, von denen lier 
vorderste mit der Beeilten ein Blivlon emporhebt, die Unke 
hält eine Schale. Der hinterste Mann hält an beiilen Henkeln 
einen Skyphos Auf dem löwenlVissigen Speisetisch vor der 
Kline liegt in der Mitte ein Haches Brot (?), daneben Grana- 
ten und pyramidenförmige Kuchen, l nler dem Tisch wiid 
der \'onlerk()r|ter eines fressenden Hundes sichtbar. Der Mund 
schenk rechts neben dem Speiseliscli trägt die laiigärmelige 
Sklaventrachl mit Hosen, derben Schuhen und spitzer Miitze 
(vgl. Furlwängh'r. Sammlung SabourolT I Text /u Tai' l.ilY ); 
er ist im BegrilT. mit einer oivo/or, aus einer grossen .\mphora 
zu schöpfen, welche am Schiilleransalz die an den apulischen 



176 



TU. WIEG AND 



Amplioreii lihliclit'ii ScIiwaiuMikr»!)!'»' zeigt. l)io verschleierte 
Pinii links vdii der Kliiic sil/.l auf ujepolstertein, mit Franzen 
üainirlt'tti Sessel, dei' aiil" einem niedrigen Podium sieht, ihre 
Fiisse ruhen auf einem Schemel. Das sich liidxs an ihren Ses- 
sel anleimende kleine AJädchen scheint in der Linken einen 
Kranz, in der liechten ein Alabaslron zu halten. Das Haar ist 
im Knolen (oder Nest? ) aufgebunden. Der Knahe. zu welchem 
das Miidchen den Kopf zurückwendet, trägt auf der linken 



^ft*S..Äi#.r» 



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¥ 







E-Itj?-". ^ Er'*': i- .•t . ■,'<'S^_: 



Schulter seinen gefiiltellen Manlel. In der llidie der Kiipfe der 
liegenden l*ersonen /.iehl sich das obere l']nde einer mit be- 
sonderem Hände versehenen Mauer her. Darüber erscheint 
links der Pferdekopf, dann der in drei llaupläste ausgehende 
blattlose Baum, von dem sich die bärtige S(dilange zu dem 
TrinklKMii dfs zu vordcrst liegenden Mannes neigt. Rechts 
daneben, liber dem letzleren, stidit die z. V . weggemeisselte 
Inscdirüt K-j^ix; ( Hu(distaben : AS!), der noch einige Buchsta- 
ben gefolgt zu sein scheinen. Am rechten JMide ein Bund- 
schild. Photographie des Instituts, Samos Nr. 27. 



ANTIKK SCIILPTUMEN IN SAMO^ 



177 



56. (Inv. Nr. WH.) Höhe SV", ßreile 'lO. Der Slein war 
zum h]inlassen in eine Wand bestimmt. I3ie Köpfe fehlen. Die 
architektonische Umrahmung fies Bildfeldes wird durch zwei 




Pfeiler und ein Rpistyl gehildet. Der erste der beiden Männer 
anfderKline hiilt eine Schale in der Linken. \^or ihnen ein Sjjei 
setisch . neben dem rechts der Mundschenk am Schenkliscii 
st«'lil; letzlerer hat dieselbe Porm wie auf Nr. 59 60, auf ihm 
belinden sich drei umgekehrte Schalen . deren mittlere der 
Mundschenk gerade ergreift; dahinierwird ein grösseres Miscli- 
geläss. ein grosser Kanlliaros und eine Scthüssel sichtbar. Auf 
dem unirren \\ut\c der Klin«' sitzt nach rechts eine verschleierte 
Frau, links hinter ihr siehtein zuschaueniles Mädchen. In Ko[)f 
höhe der Männer erscheint der horizontale Mauerabschluss.dar 
auf links über der Krau das Kästchen und der Korb, dann ein 
Panzerschurz. Schild und (rechts in der ßcke) der Pferdekopf. 
Gewöhnliche .Arbeit Photographie des Instituts, 6V////o,s Nr.'iy. 
57. (Inv. Nr. '.9 ) Höhe V2,5'"', Breite 58. Sehr verwittert. 
Das linke obere Ende ist abgebrochen : alle Köpfe sinJ zei- 
slörl. Auf der Kline zwei lleroisirle nach links, von denen 
der erste eine Schale emporhält. der /.weite mit beiden Hän- 
den einen Kanlliaros gefassl hat. lliiien zugekehrt, an beiden 
landen der Kline, je eine Krau, /wischen dem vorderen Ge- 

ATHtN. MirrHEIl.UNGEN .VXV. [') 



178 TU. WIKr.AND 

lagerten und der hoi ihm sitzenden Frau ersclieint der Ober- 
körper eines Kn:ih»'n. links liinLer dei' Frau ein Miidclien mit 
einem Käslclien in den Händen. Zwischen dem z\veil(Mi ge- 
lagerten Mann und (h'i- hei ilim sitzenden Fran ein Mädchen 
mit lioehgebundenem llaarsehopf. Auch von ilir ist nur (hM* 
Oherkitrper sichtbar. Uechts ein Mundschenk im Cliiton ani 
Schenktiscli. In der Kopt'höhe der l)ei(len gelagerten Männer 
läuft im Hintergrund der horizontale Mauerrand. Vor der 
Mauer steht am linken liande ein Baum mit einer aus der Schale 
des ersten Mannes trinkenden Schlange. Über der Mauer er- 
scheint rechts der Pferdekopf und ein Koib, dann von oben 
herabhäni'end Schild, Panzerschurz unil Helm. Mittelgute Ar- 
beit hellenistischer Zeit. Photographie des Instituts, Samos 
Nr. n. 

58. (inv. Nr. 94.)^Höhe nir'", Breite GO, Dicke etwa •.>3. 
'E(pr,(ji.ept? Tri; 'Hysuiovta? Say.oo 1890 Nr. 79 S. 390, lül. Oben 
ein Diihelloch in der Mitte, daneben ein Stemmloch, an bei- 
den Seiten Klamnierspuren, also war der im Ganzen viereckig 
begrenzte Stein einer Wand eingefügt. Zwei Männer liegen 
nach links auf der Rline, der erste erhebt mit der Bechten 
ein Trinkhorn, der zweite hält in der Linken eine Schale. In 
der Mitte ein viereckiger Speiselisch mit vier Speisen ; zu 
beiden Seiten, der Kline zugekehrt, je eine sitzende Frau und 
dahinter stehend je ein kleines Mädchen. Oben ein durch die 
zwei Seitenpfeiler getragener Giebel, in dem folgende Gegen- 
stände dargestellt sind: Panzer, Helm, ein Kästehen, zwei un- 
kenntliche Gegenstände und der Pferdekopf. Photographie des 
Instituts, Samos Nr 3U. 

59. (Inv. Nr. 60. j Höhe ir'\ Breite 38, Belieftiefe 4"". 
Gelbbraune Patina. Früher in Tiganijm Magazin der Gebrü- 
der Liiimark (Fabricius). Beschrieben 'E(pTn{Jt.epi; Tvi; 'Hyeaovtx; 
läaou 1896 Nr. 79 S. 390, OC). Der bärtige Mann auf der 
Kline hält in der Rechten den Kantharos. \'or ihm ein run- 
der Speisetisch mit drei LcAvcufussen. Der Miiiidschenk, in 
kurzem l.eibi-o(dv, hält den Sch(»pilötTel in der liechlcn. ,\ut 
dem Schenktisch stehen ausser einer tiefen Schale zwei um- 



ANTIKE Sr.ULPTUBEN IN SAMOS 



179 



»ekelii'le kleinere Sclialen, »'in Kaiilliaios iinii eine ixitera 
umbilicdtd darnher. Die anl" ilem liiikoii linde der Kline 
sitzende verselileieile Flau liäll i[i der Ueidilen einen kleinen 
eitörniigen Gegenstand Auf dein Maui-rrand slelil links über 




der Trau das Kästchen. Rin Feldhuhn sitzt darauf und pickt 
an einem Granatapfel, danehen steht der Korb. Zwischen bei- 
den Gegenständen windet sich die Schlange dein Haupte des 
Mannes zu. Über diesem liegt aul" der Mauer ein pickelhau- 
benartiger Iblm mit liackenklappen. w ie er sich übereinstim- 
mend aul" zweien der pergamenischen \\ äffen relief's findet (Aus- 
grabungen von Pergamon II Taf. li. Texlband II S. lüx\ 
H. Droysen). Daneben blickt vom rechten Hände der Plerde- 
k(tpl' herein. \'(in oben herab hängen links zwei Beinschienen, 



180 



TU. WlElVAND 



in der iMitle dor Unlerleil des Panzers, rechts etwa das Vier- 
tel eines Uundscliildes in das Bild herein. Unter der Darstel- 
lung stellt aul" Hasiii', an der Sielle einer alteren Inschrift: 
Aai; <I>oivi)co; YipwivTi '/^'if>^- Pli<»loüra|)hie des Instituts. Sa/nos 

Nr. ;n. 

00. (Inv Nr. Ol.) Höhe \t'\ Breite 00. Die Darstelluni" 
ist ein<ierasst von zwei Pfeilern und einem Architrav, der jetzt 
stark heschädigt ist. Die Seileniliichen sind ahgeschrägt (so 
dass die Beliefpintte an ihrer llinlerniiche läui^er ist als an der 
N'orderfläche) und rauh gepickt, «las ganze Stück hestimmt, 
in eine Mauer eingelassen zu werden. 



j-.i: ]• 







Der härtige Mann auf der Kline hält einen grossen Kantha- 
ros in heiden Händen; vor ihm steht ein löwenfüssiger Speise- 
tisch. Zu jeder Seite der Kline sitzt eine verschleierte Frau dem 
Gelagerten zugekehrt \m linken lünde des Beliefs steht zuschau- 
end ein langhekleideles Mädchen, am anderen der Oinochoos 
am Schenktisch, letzterer wie auf Nr, 56.59 gehildet. Vom 
rechten Knie des Heroisirten w indet sich die Schlange der links 
sitzenden Frau zu. welche ihr mit der Beeilten eine Speise dar- 
reicht. Im Hintergruml, in Kopfhöhe der l*'rauen. der Mauer- 
rand, darüher rechts d<M' Plerdeko[)f. links der Kalathos. \'on 
ohen herah hängt der lUindschild und ein Helm. Photogra- 
phie des Instituts, Samos Nr. 32. 



ANTIKE tJfJLLPTUBEN IN SAMOS 181 

61. (Inv. Nr. 35.) Hiilm 58"", Breite 65,5. Gefunden hei 
Tigani iin der Glyphada ( i^Tai/aTiz^r,:, Sxa-.x/.a ^ S. 206), spä- 
ter im ip/£'.o'p'j>.x/.£':ov ("lv^r,a£0': Tr,: 'llyEaovia? ^laaou 1895 Nr. 
55S.2'i5,7i. Stark verwitteri. Auf der Kline,vor der einSpei- 
setisch steht, riilit ein Mann nach links. Der rechte Arm und 
das linke Bein fehlen. In der Linken hält er eine Schale, aus der 
die Sclilanije trinkt. Hechts darunter der kleine nackte .Mund 
schenk mit y;ekreuzten Beinen, in der gesenkten Linken die 
Kanne, die rechte Hand auf die Schulter legend, den Kopf 
nach links gewandt. P.in Schenktisch ist nicht vorhanden. 
Dem Manne zugekehrt und zu ihn) auihlickend sitzt am unteren 
Lnde der Kline eine verschleieric Krau, zu der ein liegender 
Hund empor sieht Hinter ihr steht ein kleines .Mädchen, das 
Kinn mit der Linken stützend. Oben links, auf erhabenem 
Felde, ein eingerahmter Pferdekopf, rechts Panzerschurz, Bein- 
schienen. Heim und Schild. .\uf dem unteren Streifen des zwei- 
teiligen .\rchilravs die Inschrift i;i{y.x/twv ZsuOoj Nix.ü)v Mr^voSw- 
po'j vipw£;. Späthellenislisches Stiick ; die Haltung der Frau ist 
recht ausdrucksvoll. Photographie des Instituts, Scimos Nr. 33. 

6-2. (Inv. Nr. 51.) Höhe 3V"'. Breite 36. Das Belief ist aus 
einer kleinen jonischen Säulenbasis herausgearbeitet , deren 
Bänder z. T. noch erhalten sind. Bärtiger .Mann nach links, 
in der aufgestützten Linken einen Skyphos halteml. \'or ihm 
ein lierlussiger Speisetisch, auf dem in der Mitte ein llaclicr 
Kuchen. links und rechts je ein Granatapfel und ein spitzer Ku- 
chen liegt, rechts daneben der .Miindsclicnk. Am unleren l']nde 
der Kline sitzt auf einem Stuhl eine verschleierte l'^aii inil 
einem kleinen Geg«'nstand in der Bechlen. Im llinit'igrunii. 
auf der üblichen .Mauer, links ein Kästchen, am rechten |-]iide 
ein Pferdekopf : in der .Milte erkennt man noch die Backen- 
klappen eines Ibdines (iewohnliche .\rbeil. 

63. (inv. Nr. 75.) Hohe 33"". Breite '»0.5. Stark Ncisin- 
tert, alle Kopfe zersloil Auf der Kline liegt nat-h links ein 
.Mann mit einem Kaiitliaios in der Linken Hechts da\on sitzt, 
ihm zugekehrt, eine l'raii .ob Ner.scbleieil i>l nicht mehr fest- 
zustellen j; ein Mädchen bietet ihr ciiumi llaclien Korb dar. \'or 



18? TH. WIEGAND 

der Kline ein tierbeiniger, dreifüssiger Speiseliscli ; an dem 
minieren der drei Beine \vindel sich die Schlange empor. 
Daneben ein nackter Mundschenk mit einem SchöpHölTel. 
Oben im Fehle links ein nmrahmler Pferdekopf. Iiierauf 
Helm. Pan/.er, Beinschienen, Schild und SchwerL Derbe, 
tlache Arbeit. Photographie des Instituts, Samos Nr. 34. 

6'i. (Inv. Nr. 103.) Höhe 37'". Breite 49,5. Oben gebro- 
chen. Nach links gelagerter Mann, ihm zugekehrt, auf einem 
Stuhl ohne Ijchne, eine verschleierte Frau , hinler der ein 
langbekleidetes Mädchen in der Vorderansicht steht. Vov der 
Kline ein slierfüssiger Speisetisch, rechts daneben ein nack- 
ter kleiner Mundschenk ebenfalls in Vorderansicht, neben ihm 
der Schenktisch, auf dem Getiisse in drei Reihen stehen. Im 
Hintergrund links Best eines Baumes mit Schlange, daneben 
Beinschienen, Schild. Panzer und Schwert. In der rechten li^cke 
der Pferdekopf. Sehr handwerksmüssig. Photographie des In- 
stituts, Samos Nr. 35. 

65. (Inv. Nr. 105.) Höhe 56^'", Breite t^. Beiderseits ist 
die Darstellung eingefassl von 5"" breiten Anten mit '2™ Re- 
lieferhebung. Der Mann auf der Kline hält eine Trinkschale 
in der Linken, das kleine Mädchen hält ein Kästchen. Der lö- 
wenfüssige Speiselisch lässt einen flachen Kuchen, zwei Gra- 
natäpfel und zwei u'jpau.t^e? erkennen. Von dem linken Fuss 
des Tisches windet sich die Schlange empor, auf welche der 
Mann die rechte Hand legt, während sie von der Frau gefüt- 
tert wird. Rechts vom Lager fülterl ein Knabe im Mantel ein 
anspringendes Hündchen, weiter rechts steht der Mundschenk 
in beschaulicher llallun«; Im llinlerüruiid erscheint die halb- 
hohe Mauer, in der sich links ein überragender Tiiorbau mit 
Giebeldach erhebt, auf dem die i^agen der Dachziegel ange- 
geben sind ;\uf der Mauer, nahe dem Kopf »Irr h'rau, steht 
der Kalalhos und ein nie<lriges KüsIcImmi. Links vom Haupte 
des Mannes hängt im Bildfelde v,\n Helm, ähnlich denen auf 
Nr. 57, 5'.), (10, rechts ein grosser Riindscliild Die rcMdile 
Fcke zeigt den üblichen Plerdekopf IMiotttgraphie des Insli- 
luls, Samos Nr. 36. 



ANTIKE Sr.ULPTUREN IN SAMOS 



183 



Der giebelgekrönle Tliorbau giebl uns zum ersten Male ei- 
nen beslimmlen Anliall, wo sich dieTolenmalil-Scenen abzu- 
spielen pHegen : Es ist ein Jhot' dargeslelll, und zwar der Hof 
des VVolmliaus(;s. der auf der Slrassenseite von einer niedri- 
gen .Maiiei". in welclior der Rin^ani; liegl. begrenzt ist. Alle 




die Ziiiic des Uiuliclien Lei)ens. ilie Heigaben an llausueral, 
VValTen und Werkzeug, die Anwesenbelt von Haustieren, die 
nur scliwer verständlicb war bei der Annainne, dass ^sicli 
der \'(M'gang in einem Neroon oder gar Grabperibolos ab- 
spiele, erklären sieb damit mulielos. Vgl. Nr. NV. 

f)(r. (Inv. Nr. il.) Höbe Vi"", Breite (ifi; tVülier iiu ic/j-.o- 
«p'jXajceiov, 'E(pr(Li.spi; tt,; 'HyEty-ovix; — zu.O'j 18U."") Xr. .').') S. "^'i.). 8. 
Das ganze Uelief ist gleicbmässig mit einer lielbraunen Sin- 
terscbiebl ubtMv.ogiMi. Der biirtige Mann auf der Kline bält 
in der aufueslulzlen Linken einen Skvpbos, mit der Keebten 
nimmt er eine Speise vom Tiscb.aii wriclier die sieb au einem 
Tisebbein emporw indende Srblange iiagl. Ueclils daneben der 
kleine iMiiiidsebcnk vor dem /.-jX-./ceiov. Die \eisebleierle Trau 
am linken Knde der Kline scbeinl in der reebten Hand einen 



184 



TH. WIEGAND 



Granatapfel zu hallen. Hinter ilir stehen zwei Mädchen; das 
voiderste Iräi^l ein Kastchen. Ül)er der ganzen Darstelhmg 
erheht sich auf schmalen l^feilern ein steiler Giehel, der in 
der Mitte auf 30"" unlerhrochen ist. In dem Zwischenraum 
stehen, gleichsam auf einem Speicher, in der Mitte zwei ka- 
slenartige Mühel , üher dem Haupt des Mannes ein Anker, 
üher der Frau zwei Schuhe Üher dem rechten Giehelakrote- 
rion ist der Pferdekopf eingezwängt Dass der .Anker die see- 
männische Beschäftigung des Heroisirten andeutet, wird wol 




nicht zweifelhaft sein Auf anderen Reliefs wird dieser Heiuf 
vielleicht durch einen Kahn ausgedriickl. v^l. Hoscheis Le- 
xikon I S. 2577, Friederichs - Wolters. Bausteine Nr 1057. 
dagegen allerdings Usener , Keligionsgeschichtliche Unter- 
suchungen III. Die Sinttluthsagen. S. -217 f Sunholisch ( vgl. 
dort S. 225) kann i\ev Anker hier aher doch nicht sein 

67. (Inv. Ni. ',3.) Ii(')|ie 5'^'", Breite 68. Grlundni h.-i Ti- 
gani an dei Glyphada (i^-af^-a-rixSTK;, ^x[jaxax'^ S. 200. 280), 
später im xpyiio'\>u'koLx.üo>i aufhewahrt, 'E'pr^aepk Tvit; 'Hyeaovixi; 
Siy.o'j 1895 Nr. 55 S. 2'i5. 5 Ohen mehrere (itisskanäle. 
Ringsum ein einracht'r Rjuid. unten hrcilt-r .Auhlcr Kline/.wei 
nach links gtilagerti; MiiniH'r. von (h-nrn der rr.slr einen Kan- 
tbaros mil lieiden ilänflen hüll, der andere einen Skvphos in der 



ANTIKE SCULPTURKN IN SAMOS löo 

Unken. Die reclile Hand let^l er auf die Scluiller einer auf 
dem linken l^ide der Ivline sitzenden, ihm zugekehrten ver- 
schleierten Frau. Hinter dieser ein Mädchen mit Kästchen 
nach rechts. Vor derKline steht ein tierfüssiger Speisetisch. an 
dessen rechtem Tuss sich die Schlange emporwindet. Ein 
rechts stehender kleiner Mundschenk mit kurzem Chiton reicht 
ihr mit der Rechten die Schale dar, während er in der Linken 
einen Krug hält Links ohen der Pferdekopf. Sehr handwerks- 
mässige, hellenistische .\rheit Unter der l)arst»dlung. etwas 
nach rechts gerückt, so dass sie unter den beiden Männern 
steht, die Insidiril't: 

AyijJirjTpio? 'AvSpoy.iyo'j ■yip(j)[(;] 

Pliolographie des Instituts, Sannts Nr. 37. 

68. (Inv Nr. 69.) Höhe 39'"', breite 50. Ohen zwei l':in- 
arheitungen. Zwei härtige Männer liegen nach links auf dei- 
Kline; dinen zugekehrt sitzt an jedem Rnde der Kline eine 
verschleierte Frau. In der Mitte ein tierliissiger Speiselisch. 
Am linken Knde des Ueliels steht der kleine Mundschenk nach 
rechts, am andern h^nde ein Mädchen nach links. Oben rechts 
im Bildfelde der Pterdekopf Schlechte Arbeit. Photographie 
des Instituts, Samos i\r. 39. 

69. ( Inv. Nr. 19.) Höhe rr2,b"", Breite 66. Gefunden ver- 
mutlich am lleraidii, vgl. oben S. l'iT. I. Das Belief war. 
wie die rohen Scilrnlläcdn'n zeigen, zum Finlassen in eine 
Mauer beslimml. Siimmllichf Kitpl'e und viele Finzelheilen 
fehlen (j^dagci ler Mann nach links, <len Kantharos in bei- 
den Händen daiicbfii rechts der .Miiiidsclieiik. dessen Gestall 
bi^ auf das recht»' Bein und tlie rechte Hand mit i\i'V Kanne 
ebenso zerstört ist wie der Speiset iscli. Links folgen zwei 
Frauen, die eine auf rinem gcvvidinliclu'ii Sessrl. die andere 
auf einem lIininaiMigeii Leiinsessel silzeiid. dreixieilel nach 
rechts gewendet . eiidlicli links ein siebendes Madtdien mit 
einem Korb. Links am Bande, im llinteigrund.der Baum mit 
tler Schlange, dann, hinterdcn Frauen ein ausgespanntes! indi 



186 TH. WIEGAND 

Über dem Mann ein grosser Riindscliild. Gewölinliche Arbeit. 

Phologrnphio des Inslitiils. Samos Nr. lO. 




70. (Inv. Nr. »0.) Höhe W"". Breite 55. Fleckige Palina, 
teilvveiser Kalküberziig. Ohne architektonische Umrahnuing. 
Bärtiger Mann nach links auf (h^r Kline, einen grossen Kan- 
tharos hakend, davor ein iöwenfnssiger Speiselisch nnd ein 
empor witternder llnnd mit Halsband. Links daneben ein ganz 
ähnlicher Tisch, neben dem ein tieler Ivorb oder Skyphos auC 
dem Boden steht. Hinter dem Tisch, auf dem ausser zwei um- 
gekehiten Schalen eine weite Schüssel steht, le^rt ein bekleide- 
ter Mundschenk eine Spitzamphora in die letzlere aus. während 
ein zweiter nackter Oinochoos. in der V^orderansiclit stehend, 
mit einem kleinen Geläss ein in seinem linken Arm ruhendes 
llorn liilh. rbcr den beid(Mi Schenken erscheint in tensterar- 
tiger Umrahmung der IMcrdekopf nach rechts. Hinter denv Ge- 
lagerten «'in ausgespanntes Tuch. Ilcllcnistische Zeit. !*li«»to- 
grapliie des Instituts, Sa/no.s Nr. il. 

71. (luv. Nr. 73.) Höhe '«'i'"', Breite 3v>. Links abgearix-i 
tet. Auf (|er Kline ein gelagerter Mann, in der Linken eine 



ANTIKE SCULPTUREN IN SAMOS 187 

Schale lialtenil, ilim zugekehrt, auf einem Stuhl sitzend, eine 
verschleierte Frau, die in der rechten Hand einen kleinen, 
nicht näher erkennharen Gegenstand hält. \'or der Kline ein 
tierfiissiger Sj)eiselisch, danehen lechts ein kurz geschürzter 
Mundschenk von vorne, ohen im Felde eine sich windende 
Schlange. Sehr rohe, späte Arheit Photographie des Insti- 
tuts, Sa mos Nr. 'i2. 

7?. (Inv. Nr. 55.) Höhe 48"", Breite 38. Die Umrahmung 
und die Köpfe sind zerstört. Auf der Kline ein gelagerter Mann 
nach links, vor ihm ein Speisetisch, am unteren Fnde der 
Kline eine verschleierte Frau, dahinter links der Rest einer klei- 
neren Figur (Mädchen?). Es fehlt in der Darstellung sowol die 
ühliche Schlange als der Pferdekopf; letzlerer ist vielleicht 
links verloren gegangen. Schlechte Arbeit. Photographie des 
Instituts, Sa mos Nr. 43. 

73. (inv. Nr. 76.) Höhe 1^"\ Breite 42. An den Uändern 
beschädigt. Bärtiger Mann nach links auf der Kline, mit der 
Hechten ein Trinkhorn hoch emporhebend, in der Linken eine 
Schale. Auf dem unteren Fnde der Kline sitzt eine ihm zu- 
«<ekehrte verschleierte Frau, dahinter steht ein lanar bekleide- 
les Mädchen, in der Linken ein Kästchen tragend. Der Spei- 
setisch vorder Kline ist grösstenteils zerstört; daneben der 
Mundschenk. Links oben die Schlange, rechts oben der Pfer- 
dekopf. Späte, tlüchtige Arbeit. Photographie des Instituts, 
Samos Nr. 4 \. 

1\. (Inv. Nr. lO'i ) Fragment von i-oImt .Arbeit. .Man er- 
kennt noch das obere l*]nde einer Kline und einen lierfussigen 
Speisetisch. Nach links sitzt auf einem Stuhl eine Frau, hin- 
ter ihr steht der Mundschenk in kurzem (lliiton in N'orderan- 
sieht. {Photographie des Instituts, Sanios Nr. 'iß 

7.") (Inv. Nr. 7!), 8(1 und Sl. ) Drei h'ragnieiite, /.usammen 
33"" Ikk'Ii. 'i I breit. Unten ein l'Jiilas.s/.iipren. Die Darstellung 
war .seitlich von Pleilern und (d)en V(»n einem .\reliitrav, über 
dem man die Andeutung von Dachziegeln erkennt, umschlossen 
l^echts ein bärtiger Mann auf der Kline, in der aufgestützten 
Linken eine Schale, in der eiliolienen Ueclilei) ein Tiinklioni 



188 TH. WIKGAND 

liallentl Iliiii ziigekelirl. auf (Km- Kliiie sil/.end, eine Praii.die 
einen viereckigen Gegenstand empoi'hält. Zu iliren Ptissen liegt 
ein Kind. Ilinlefder Pran links (iie slark veiwillerte Gestalt 
des AJnndscIienken nelten dem Sclienklisch und am linken 
lünde des Reliefs eine weibliche Gestalt in Vorderansicht, mit 
der Hechten eine Truhe auf dem Kopie haltend. Photogra- 
phie des Instituts, Snnios Nr. 'i5. 

76 (luv. Nr. 31.) ^''ragment; Mühe 22"", Breite 33, links 
Bruch Auf der Kline nach links gelagerter Mann mit Kan- 
tharos in der Linken, davor ein Speisetisch der viereckigen, 
auf altischen Vasen ühlichen l^\)rm. Der Mann wendet sich zu 
einer hinter ihm auf einem niedrigen Baihron silzenden Krau. 
Gewöhnliche, s();ite Arbeit. 

77. (Inv. Nr. 48.) Bechtes h]nde eines Totenmahls. Ilöho 
36"", Breite 31. Alle Kö[)fe fehlen. Links Oberkörper eines 
gelagerlen Mannes, davor ein löwenfussiger Speiselisch. Beclits 
davon eine verschleierte Krau in der V'ordeiansicht. sowie, am 
rechten Bande des Beliefs, ein kurz gekleideter Mundschenk 
mit Schenktisch wie auf Nr. 56. zu seinen h^usscn ein knie- 
hoher Sk}'phos. Über dem Kopf des Knaben der Mauerrand. 
Spiit hellenistisch. Photographie des Instituts, Samos Nr. 46. 

78. (Inv. Nr 29.) Linkes Ende eines Totenmahls. licWie 
35*^'", Breite 18. Oben und retdits Bruch. Best einer nach links 
sitzenden Frau im Schleier und eines lang bekleideten Mäd- 
chens, über dessen Kopf ilev Mauerrand sichtbai' wird. 

79 (Inv. Nr. 105.) Höhe 29"", Breite 27,5. Linke obere 
ßcke einer Totenmahldarstellung aus guter Zeit. Links ein 
l^feiler und Best eines Architra\s mit Gesims. ()!)erkörper ei- 
ner nach rechts gewenih'ten verschleM-rten Krau, liinler ihr links 
ein Madchen in ärmellosem Gewand mit schmalem Biustgurl, 
in der Linken einen herzblattförmigen Fächer tragend. Beide 
Köpfe zerstört. Über (hui beiden l'^iaiieii ein wolgebildeler 
IM'enh'kopf in einem rechts von einem kleinen Pfeiler begienz- 
len Fenster. Photographie des Instituts. Sdf/ios Nr. 43 

HO. (Inv. Nr i7.) Iirdie 21.5"". Breit(^ 20. Fragmeiil. oben 
und an ilen Seilen gebrochen. Kurz gekleideter Mundschenk, 



ANTIKE Snni.PTURRN IN SANfOS 189 

(]pi' f'incr vorn Hoden aufsteigenden Schlange eine Scliale reiclit. 
Kojir recdilei' Unlerairii und Fiisse des Knahen fehlen. 

81. ( Inv. Xr. 65.) Priionienl: lliWie -28"". iiieile l(;.He(diles 
oberes l']nde eines 'rotcnmalils. I']i hallen isl das obere Pfeiler- 
ende. die Giehelecke niil Akroterion und der Pferdekopf nach 
links. 

8'^. (luv. Xr. l'iV.) Midie •.>9^"'. hreile -20. Keehte unlere 
Reke einer 'roleuniahldarslellung ; sehr verrieben. Linksein 
Slüek i\i'\' Kliiie und der Oberkiu'per des gelagerlen Mannes 
uiil Schale in der Liid\eu. \'or ihm der Speiselisch, rechts 
der Mundschenk: neben diesem (vor dem Pfeiler der Umrah- 
mun<») der Schenklisch mit imerkennbaren Gelassen, dahinlei- 
eine grosse Amphora. Minier dem Schenken ein Thorbau:\gl. 
Xr. ().""). i^hotographie des Insliluls, Sanios Xr. \~i . P"'HKitHicHj. 

83 (luv. Xr. 138.) Höhe '>-2'"'. Hreile 'iT). Fragment eines 
Reliefs, viellei(dit eines 'i'olenmahls. Über einer 8.r/"' breiten 
Leiste der L'nlerk()r|)er einer langbekleideten, nach recbls sitzen- 
den Lrau ungefähr von den Knieen ab; der rechte Fuss ruht 
auf einem Schemel. N'or ihr Rest der Kline? In einiger Ent- 
fernung hinter ihr der linke Fuss einer knieenden (NNeib- 
lichen?) Person; zwischen beiden das unlere Lude eines aus- 
gespannten Tjiches Photographie des Instituts, 5<7mos Xr. 18. 
[FredrichL 

8'i. (Inv. Xr 70. i Midie ,30 "", Breite W. An den Seiten die 
Pfeiler: der Architrav fehlt. Links auf einer Kline zwei Män- 
ner mit Schalen in der Linken, vor ihnen der Speiseliscb. 
Am unteren Fnde der Kline sitzt nach rechts die Frau Min- 
ler ihr eine Dienerin, iiber dieser in der linken oberen Ecke der 
PferdekopL Schlechte. sehr zerfres.sene Darstellung Fhedrich. 

80. (luv. Xr. 137.) Höhe ;j7"". hreite 31) Bruchstück ei- 
nes sehr hohen Reliefs (bis zu 6.5""). nur unten der Rand er 
halten, die Köpfe fehlen. Rechts eine nach rechts sitzende Frau, 
hinti'r ihr eine kleine Dienerin mit Kästchen. dann eine grosse 
.\iiipliora : auf diese schreilel von links der Oinochoos zu mit 
einer Schale in der Linken. Hellenistisch. Photographie des 
Instituts, Samos Xr. i7. 



i90 i'H. wihijAND 

86 (Ohne InveiUanuiininer.) Höhe "M"", linMtt' IT». Hechle 
untere Rfke. Neben dem Pfeiler der Mundschenk mit vor dem 
Leilie i;t'kt'eii/.(eii Händen. N'or ihm der rechte vordere Fuss 
der Kl ine. 

87. (luv. Nr. Ui5.) Höhe tl^"', Breite 31. Gefunden i8G'2 
auf dem Acker des V. Kcüv^ravTa; ani Abhang der Astypalaia, 
vgl. E. KpY)Tixi?^yi?, Apy^atoi vaot t7i<; i^aaou S. 'io, dann in My- 
lilini beim Besitzer (Fabrieius). 'E(pYiiJ!.£pl<; tyi; 'Hysixoviai Safxou 
189" Nr. \\\ S. 0513, '291. Gewöhnliche Einrahmung durch 
Pfeiler und Architrav. Zwei bärtige Männer auf der Kline, 
der erste mit Skyphos in der Linken, der zweite mit Kanlha- 
ros in beiden Händen, vor ihnen der Speiseti:j<'h, von dem der 
erste mit der i^echlen einen Kuchen nimmt. \ on links win- 
det sich die Sclilange zum Tisch empor. Neben ihi'der Mund- 
schenk mit Kanne in der Beeilten. Auf dem Architrav die In- 
schrift : 

Eüaivv); NÄvva r/po); yaips. 

Auf der unteren Leiste die spätere Inschrift: 

ripeTTojv Tipcjc; "/atp£. 

Rohe, römische Arbeit. Photographie des Instituts, Samos 
Nr. 48. [Fredrich]. 



ANTIKK SüUI.HTUHEN IN' SaMUS 



191 



VI. Grabroliefs. 

88. (In\ . Nr. 0-2.) (jefiindcn IST.') in Tigani.spiiler bei Diony- 
sios l.iiiinark in V'alliy ( Kabriüins ). Hr>lie 47"", Breite 33. Auf 
einem Felsen sitzt naeli links ein nackter trauernder Jün|^- 
linji;. Der gesenkte linke Unterarm ist in die Falten eines kur- 
zen Mantels geliiilll, der audi den iiih'ken bedeckt. Das von 




zwei sclimalen Pfeilern eingefassle Bild wiid von einem roli 
überarbeiteten Gieb(d «feknuit. iiber dessen liorizonlale Glie- 
der sieb die später eingegrabene Inscbrifl ziebl : 

'ApTEutcia OupLtO'j 
Oüpio«; 'ApT£[jiiictou 

'ETTlTUyia '/ipüJE? 

Xaipere. 

Fine ältere, jetzt ausgemeisselte, insebrift sland zu Füssen 
dci- Darstellung: diese gleicbt jener des bekatinlfii (irabsieins 
*les unglueklicben Seefalirers Deniokleides in Alben (Kavva- 
dias, VX'jTix'x i\r. Tö'i, Cunze, Grabreliefs II Xr. G73), der 



19-3 



TU. WlEf.AND 



trnuriü; .'Uif liom ScliilTsvonlcrleil sitzeml (luriicstellt ist, in 
einer llalliuiü. <lie man iiiil Keclil inil der am (Habe Iraiiern- 
(ler GeslallPii veri:;liclien lial ( h'iirtsvätigler. Sammlung Sa- 
liourolT I Tal' I ."i Hesclireibiinji; der Sktilpliirt'n in Berlin Xr. 
•'»98: liierzj kommt die Fi^ur in Allien,Kavvadias, r>>j7:Ta Nr. 
75vM. Rine ähnliclie Gestalt findet sich auf" einer Sclimalseife 
des Sarkophaiis mit den Klaii^elVauen. am Deckel, .lahrlmcli 
IX. IS'.l'i. S. •.>;{'. Kii;. 7 (Stndnic/.ka), vgl. ancli O llamdy-bey 
und rii. I^einach, Inr necropole lioynlc a Sidon, 'l'ext 
S. ^l'i'iL). No(di iienauer slitnmt die ganze Klasse jener Grahre- 
liefs, welche man als die von StdiilTbriichigen anzusehen pllegl. 
während Usener ( Beliü-ionsgeschichlliche Unlersuchun2:en IM. 
Die Sintlluthsagen, S. -2 1 7 ) sie aus {\i'\' N'orstelhmg vom leu- 
kadisclien b'elsen erklären möchte; vgl. die von L'sener \er\(ill 
ständiiile .Vulzähiuno; von Michaelis. Arch. Zeilunü; XXIX, 
1871. S. I'r.>l i^holographie des Insliluls. Samos Nr. 49. 
89. (Inv, Nr. 34.) Höhe 61.5"", Breite 33. Ohen roh ge- 
pickt, unten Rrucli Das Bildfeld 
nimmt die obere lliiirie des Steines 
ein. auf der unteren steht die In- 
schrift Zwei lang bekleidete Krauen, 
von denen die linke verschleiert ist. 
die rechte einen herzblaltförmigen 
Fächer trägt, reichen sich die Hand 
Zwei Pfeiler lullen rechts und links 
ilen Hintergrund, der eine llacli und 
breit, der andere schmaler und er- 
habener. Darimter: 

'ApiiTiov 'PoSökXeix 
Ili(ii<iTpaTO<; (so) Z(i)t; 
'AvSpou.£vr,^ 'ApT6u.icio[?] 
ÖS'j^a«; 'AvTtoyU 
Y.pojt^ yatp£T£. 
Geluiidm bei Tigani, /J (//. 1881 S. 'i9U ( P. Giranl) spä- 
ter im ic/E;o(p'jXa/'.«iov, 'F'i*r,y.£pi; tt^; 'Hysi/ovia; l'äao'j l89i.>Xr. 

55 S. •24G. -26. 




APlLTIoi- PüacjK/ 
UIZIZ IPATOE Z£..^ 
AWAP(>l1ElM)!ZAPTI-:Ki;ilO 
^^^^/^^ Ai.'TIOXIZ 




ANTIKF sr.UI.PTCnEN IN SAMOS 



193 



90. (Inv.Nr. lOlj.) Ilöho Tr", Breile 38. /Gerunden Um Ti- 
gani an der Glypliada (l\aaaTtxSr,:, Sauitajti^ <^ '2o(i)^ dann 
in \'alliy in der Wand rechts vom P^in^ang in das ip/gioooAa- 
xeiov eingennauerl (Pabricins). später im riirslliclien Garten auf- 
bewahrt CE^-ziuEfi? T-?,? 'Hyt^-oviac; Xiao-j 1890 Nr. 81 S. 398). 




Händerziemlich roh bearbeitet; unten eine Leiste. Stehender 
Knabe im Mantel von vorn, an dem rechts ein Hündchen em- 
porspringt. Links, ihm zugekehrt, ein Skhne in kurzem Rock, 
die Hände über einander iegencL Links oben die Inschrift: 



LcÖ7;aTpo(; CTpaxwviSo'j yipcj; vaioE. 

wol eine späte Zulhat, denn die schlichte, gute Darstellung 

stiinujt nicht mit ihrem Charakter liberein Photographie des 
Instituts, Sdftios i\r. 5U. 

91. (Inv.Nr. !)'J.) Höhe r..V"'. Hreite 33; früher links vn.n 

Kingangdesipy£to9-jXa)i£iovindie\\aii.K'ingelassen(rabricius), 
dann im fiusllichcn Garten auflM.uahrt.Eyy;,ajpU tt,; 'Hysaovia? 
:i:xao.. 1890 Nr. 81 S. 398. Siele, deren Giebelmitte mit einem 
lUindschild geziert ist. Im 0"" tiefen Hildlehle steht eine lang 
bekleidete Frau in Manlrl und Sdilncr in \'..nlnaiisiclit . den 
linkenUnterarmzum(jetzlabgesplitterlen)Gesichlecli.)b,Mi:die 

ATHEN. MI riHEII.lIMlLN .\.\V. I -J 



194 TH. WIF.GANU 

Reolih' i'iilit ;uil' der linken lliille. Zu jeiler Seite steht ein lang 
bekleidetes Kind: das /.iir Ke<dilen liält ein Kiislclien.das andere 

eiliebl die Reclile zum Kinn und 
legt die Linke auf die Brust. Im 
llinteriirund eine von zwei Pfei- 
ici n eingerahmt eiXiscIie, auf* deren 
oberem Rande links eine Truhe 
sieht, dann ein Kasten, auf dem 
ein herzlörmioer Fächer lie^t , 
Weiler reclils ein Krug, sowie ein 
Korb. Auf dem Arebitrav stellt: 
"AXs^zvf^pa Ei>t«Siou. Spätlielleni- 
sliscb l^botograpbie des Insti- 
tuts. Sa/nos Nr. 51. 

9'2.(lnv. Nr. 'i5.) Gefunden auf 
dem /.xTiuy. Ko'j)txo'j>,y)(vii;l Nr. 43). 
Höbe 8-2"", Breite Vj. Durch die 
jMitte geht ein Brucb. Das Bild- 
feld ist seitlich eingeschlossen von 
zwei 'i.5"" breiten Pfeilern, die einen mit einem Rundsebild ge- 
scbmücklen Giebel tragen. Unten die Insidirift, darunter ein 
Ablaufproni. das auch auf die Schmalseiten des Steines über- 
greift. Auf der Unterlläche ein abgebrochener Zapfen. Stehen- 
der bärtiuer Mann im Unter^ewand imd Mantel, von vorn. 
Die Beeilte reiclit er einer links sitzenden sehr viel kleiner 
gebildeten Frau, welche sie mit beiden Händen umfassl. ZNNi- 
schen beiden hebt ein kleines Mädchen einen gefüllten Korb 
empor. Auf der anderen Seite des Mannes ein Knabe im kur- 
zen Gewand mit Mantel. In Schullerbribe des Mannes ein ho- 
rizontaler Mauerrand . davor ein Baum mit Sclilange. Oben 
links ein viereckiger Kasten, rechts ein Pferdekopf. Inschrift: 




'Pou{y.i6a; No-ju.r/Viou Al'ctoTCO; 
£<; ypY.TToi yaipeTt. 



ANTIKE Sf;ULPTI'HEN IN SAMOS 



195 



93. (luv. Xr. 30.) Höhe 73^"', Breite 3-2,5. Oben Giebel- 
kmnung, z. V. jj;ebroclien. unten Ablauf und Versatz-Zaplen. 
Höhe des BihJfeldes 27,5"", Breite -24.5. Links ein stehender 




Mann, im Mantel, von vorne, rechts daneben ein kleiner 
Sklave, ebenfalls in iler N'orderansicht, in kurzem Chiton. In- 
schrift : 

MYivö(piXo<; 'ApiOTO'j Tipox; j^pnart /aips- 

Spathellenislisch. Gefunden bei Tigani in der Nähe des lle- 
raions, Vj^l 'E-xi-:r,o'<.i 1870 S. I(i3. ^xxaxTix^r.i, i^afxiaxa ^' S. 
"207 Dann in der Hülle des Photios Kalzidakis von Mvli- 
lini, westlich \t»ni Kastro des Logothelcn (Kabricius). 



196 



TU. WIKOaND 



94. (Inv 
( Pabricius 




.:* 



Xf. 7'i.) Fnilicr in N'atliy lifi Dionysios Luimark 
lliilif 3<S"", Bi-eilo 30,5. Oben gebroclien. Die 
Dai'slelliing ist eingerahmt 
von zwei .')"" breiten Plei- 
b^rn. Sitzende verselileierle 
Frau nacb links, davor ein 
Mädchen iniirnielloscmGe- 
wand . in (\pi' Linken ein 
Kästchen habend, (b^ni die 
Fi'au etwas entnimmt. Die 
Inschriri (lariintt-r: MrTpw 
A'.ootopo'j r^cijiii'jr, yxica. 

'.»:.. (Inv. Xr. (i.) Höhe 
58'"', Breite il. Grau ver- 

_. witlerler Marmor; früher 

im apj^eiocp'jXxjtsrov aidbe- 
walirt, E'priasp'.; TT,«; 'II^eu.ovia<; i^iao-j I^OoXr. .'»."") S. •2'»0.3'i. 

Die Darstellung ist 'd'SSf" 
hoch, "26,5 breit. Den obe- 
ren Abschluss bildet ein 
einfaches Kyma mit .\ba- 
cus darüber. .Auf (b^r obe- 
ren Uandlläche drei kleine, 
viereckige Löcher milGuss- 
kanälen. Unten Hesi eines 
Zapfens. Der anscheinend 
bartlose Mann stützt i\en 
linken Arm auf den Arm- 
zapl'en einer bärtigen, auf 
niedrigem Postament ste- 
henden Herme. Der linke 
Unterarm ist erhoben, die 
Linke hielt einen jetzt ab- 
gesplitterten Gegenstand; vielleicht sollte die Herme bekränzt 
werden. Mit der Rechten liebkost der Mann einen von liid<s an- 
springenden Hund. Links daneben steht ein Knabe in kurzem 




AioAxiPOE 0eoxphi:toy 



r?s\Et XAIPETE: 



AN'IIKE SCL'LPTL'IIEN IN SAMO>^ 



197 



Gewand hei einem Baum, von dem sicli eine Schlange dem 
Heroisirten zu windet. Welchen Gott die Herme darstellte, ist 
niciit mehr zu erkennen; in den meisten Fällen waren es ja 
Herakles oder Hermes, die zwei lihlichen FphehengfUier. Das 
Auflegen der Hand auf den Kopf oder die Schulter der Herme 
wäre dann wol auf die palästritische Thätigkeit des Heroisir- 
len zu deuten (vgl. I^rückner. Athen. Mitth. XIII. 188.S, S. 
:\m. Inschrift: 

Atöotopo; EpaooiaavTO; 

Ai6S(«>po(; ©eo/priiTO'j 
r,p(j)£5 yoLipiTi 

'ETTKpäv/ja AYiar,Tpio'j. 



90. (Inv. Xr. 7.) Hohe (17,:)"", Breite 3-2. Früher im ip- 
y(^6'.o<p'j>.x>t£iov, 'E(pr,(X6pi5Ty5; 'Hy6(ji.o- 
via? i:äü.o-j l89o i\r. 50 S, '268,39. 
Das Ahlaurprofil am unteren Fnde 
greift aiM'li auf die Schmalseiten 
üher. An tlcr l nterfläche Best 
eines Zapfens. 

Im 3'"' vertieften Bildfeld stellt 
rechts ein Jüngling in NOrderan- 
siclil. in kiir/.äruu'ligrm l'nterge- 
waiid und Manicl.und iriclit einer 
von links kommenden verschleier- 
ten Frau die Beclile. l'iiter der 
Darslelliing steht, auf der linken 
Hälfte des Steins , die späte In- 
schrift 'AvTtoj(^i? AioSöjco'j r,p(i)tvr, 
/aip£ an der Stelle einer älteren, 
von der ich nur noch yajipe lesen 
konnte. 

97. (inv. Xr. 3;>.) lli.JK" S.'V", ^ 

Breite »;;,.'). I);is Bild ist nur lliicli- 

tig angelegt. Man erkennt rechts einen Jüngling, der einer von 
links auf ihn zuschreitenden \ersclileierlen l^-au die Hechle 




198 



TH. WIEG AND 



reicht . beide im Profil. Ij'nks davon eine andere Verschleierle, 
von vorn. Über den Köpfen fler drei Personen zieht sich im 
Hintert»runde ein Maiierrand hin. auf dem man einen Pferdc- 








köpf, eine Schlange und ein Kästchen erkennt. Die lluchtig 
eingekratzte Inschrift konnte nur hei ungünstiger Beleuchtung 
gelesen werden. Fredrich las so: 

NeiKOAAOCHPCüCXPHCT 
OCXAIPEePMIONHHPOC(l?)NH 

iNHKAPniANiexAipeep 

MIONH 

08. (Inv. Nr. l>8.) Hohe 77,.')'", Breite '»0. Sehr verwittert; 
Köpfe zerstört Uechls und links .\nschlu.ssl1ache zum i']insatz 
in eine Mauer. Höhe des IJildfeldes 'A\"". hr«'il(' .1?. In der 
Mitte sil/.l eine verschleierte Frau auf einem ihronarligen 



ANTIKi; .-iCLLPTinKN IN SAMOS 199 

Leiinslulil, liuil) nach rechts jjjpwendct. Ihr zugekehrt rechts 
ein Mädchen in ärinelh)seni Chiton, den rechten Unterschenkel 
über den linken geschlagen, die linke Hand in die lliirie ge- 
stutzt, mit dor rechten einen herzblattlcMMnigen Fächer hoch 
emporhallend, i.inks von der Frau ein zweites Mädchen mit 
einem Korb. In Koplliohe der Frau, im Hintergrund, ein ho- 
rizontaler Mauerrand, von dem sich rechts die Schlange her- 
abvvindet; daneben ein Kalathos. Späthellenistisch. 

99. (Inv. Xr. 97.) F^r.asp-:; tt-; Mlysy-ovia; l^xaov I S'.K) Nr. 
81 S. 398, 168. Höhe 37'"'. Breite 30. Die linke Seite ist sehr 
bestossen, vielleicht gebrochen. Unten eine Leiste mit Inschrift, 
sonst kein Rand. Über den Köpfen ist der Reliefgruncf nicht 
ganz fertig geglättet. Eine verschleierte Frau sitzt auf einem 
Stuhl ohne Lehne nach rechts, die Rechte auf den Stuhl ge- 
stützt, mit der Linken einen ^'o^el auf dem Schoss haltend, 
etwa eine l'^iite. Hinter ihr ein Mädchen in Vorderansicht, 
mit beiden Händen einen flachen Korb erfassend. Vor ihr ein 
Knabe im Chiton und Mantel, der mit der {^echten ein auf- 
springendes Hündchen füttert. Zwischen dem Knaben und der 
Frau steht der Baum mit Schlange. Die Inschiiff, z. T. zer- 
stört, lautet : 

^KYOAINI^... '■•.AI(I)PnNAHMHTPIOY 
Da in der Mitte nur 3-» [Buchstaben fehlen ist etwa zu lesen- 

ICxuöaivI? [xai Ajaicpptov Ar)a75Tpiou. 

100. (Inv. Nr. 66.) Höhe »9^"', Breite '*'.. Unten und rechts 
gebrochen, oben ein Profil, darin zwei Litcher Der Heroisirle. 
ein jugendlicher bartloser .Mann, mit Cliilun und .Mantel be- 
kleidet, steht in XOrderansicht. Rechts Mtn ihm eine jugend- 
lich gebildete Herme. zu deren Füssen eine sehr viel kleinere, 
verschh^erte Frau sitzt, ihre (iestalt ist stark zerslTirt L-nks 
vom Heroisirten blickt ein kleiner Diener zu ihm auf. M>n 
dem nur der Oberkitriier xorhaiiden ist Im llinterizrund ue- 



■:oo 



TH. WlKGANn 



wiilirt man auf einer niciiri^en Mauer die Schlange und den 
Pterdekopf. dessen Hals teil lt. 

101. (inv.Nr. 'r?.) Höhe :^'.l"", l^reile ßa. Ohen und rechts 
gehrochen, säniinllichc Kitpte zerslörl. Das Helicf war zum 
FJnselzen in eine Mauer l)estiniint. Die Darstellung ist von 
einem etwa ')"" hreilen Hände umrahmt. Links sitzt eine ver- 
hüllte Frau nach rechts, ihr zugekehrt eine zweite in ärmel- 
losem Chiton mit hochgelülltem llachem Korb, dahinter rechts 
ein Baum mit Schlange. Hohe Arbeit spater Zeit. 

I0'2. (Inv. Nr. l'i.) Oberteil eines trauernden Genius der 
bekannten, auf römischen Grabern sooft verwendeten Art ; 
vgl. z.H. S. Heinach, He'pntoirc de la statuairc I, .'ioH, 5. 







360,2. 11,489,6(1. Gefunden in Tigani, 'E<p-in(7.£pi; xr,? 'Hye- 
aQvia? Sxjxou 1805 l\r. 'M S. 1.5:^ W. Hidie IS"". Am Hucken 
Heste von Flügeln. Der Stab, auf dem die Hechte ruht, wird 
gewiss einer Fackel angehören. Hhotographie des Instituts, 
Sa mos Nr. 52. 

103. (Inv. Nr. 117.) Grabstein aus weissem Marmor. Höhe 
37"", Breite 22, Dicke 5. Gefunden in Valhy. vermutlich ver- 
schleppt, vgl. 'Ei/r,p.£pt(; Tog "nY£[^.ovia(; 2Ca[y.ou J'S'|7 Nr. 1 i5 



AMIKK SClI.PTIiREN IN SAMOS 



eni 




S. 6fi0, 10. Frülier hei Arislolelis Slainaliatlis (vgl. seine 2^a- 

aiaitit ' S aa', 56). Unlen und links oben gebrochen In 

flachem Hiicliligein Relief sind Sci- 

lenpteihM' niil einem bekrönenden 

Giebel angegeben , in diesem eine 

Schale. In tlem Hildlelde oben die 

liüste eines jungen Mannes, darunler 

'A7r/£'ptij<; 
'Epaoyt- 

Zi/.upvaio;. 

Pholograpliie des Instituts, Sanios 
Nr. 53. 

104. (Inv. Nr. 11.) Höhe '»a^-", 

Breite "28. Oberer und rechter seitlicher Rand z. V. zerstört 
Dargestellt war die Porlrälbuste der Fau-i/./) Zcütiu-o-j in einem 
bis zum Halse reichenden Unter- 
gewand und Mantel. Spätrömisch. v - ^ 
Die Inschrift ist Athen. Miltii. IX, 
188i , S. 1>P)3 veröfl'entlichl, wo 
als Fundort das Dorf Fhurni bei 
Rarlovasi angegeben wird ; später 
im apy6io(p'j'XaK£iov , 'Ei^rii^-epi? T>i? 
'HyEixovia; Sätjxo'j 1805 Nr 55 S. 
245,0. Zu der Jahresangabe vgl. 
Fabricius, Alben. .Millii. IX. 1884, 
S. 258. Kästner, De aeris r/iiac 
ab inip. Caes. Octaviani consf. 
imtium äuaerint S. 3». 

105. (Ohne Invenlarniiuimer.) 

Bruchstück eines Grabreliels? Überall gebrochen. Ibdie 17'"', 
Bi'eile 28, Dicke 4,5 ()beik(H'per eines nach reciils gewand- 
ten Pferdes mit einem gepanzerten Reiter, dessen Kopf fehlt. 
Rohe, späte Darstellung. [FbedhichJ. 




JfOJ'IMO/,-Zl:t5"A> A\ 

V$I^-lXAlPEÜTrAPA 
NJ-eAr.MAAf- 

HfJTlHiaHiiii^'NB' 




202 



TU. WIEG AND 



VII. Decorative Sculpturen, Geräte. 

106. (Ohne Invenlarniimmer.) Fliissgoll. Das Relief ist 
auf der Seilentlüclie einer alleren Basis so anü;ebraclil. dass 
deren nrsprünglieli oben und unten abschliessende IMoüle 
jetzt rechts und links an der vorderen und an der oberen 
Flache erscheinen. Höhe 30"", Breite 81, Dicke "23. Gelager- 
ter barligerFlussgott mit nacktem Oberkörper. Der linke Arm 
ist auf eine liegende Urne gestützt, aus der Wasser strömt. 
Der rechte ruht aul dem emporgezogenen rechten Knie und 




hält einen Zweig. Gefunden im Heraion. Kine ähnliche Dar- 
stellung, die auf späteren Münzen von Samos nicht seilen ist, 
wird wol mit Hecht für Imbrasos erklärt. Photographie des 
Instituts, Samos Nr. "^ß. iFhkdhich . 

107. (Inv. i\r. '•'».) Tierkampf. Höhe 07"", Breite 59 Ge 
fuiidfii bei den .\usv;rabunii;en des Heraion, vy;l. oben S. I 'i7. 1 : 
Später im äp^tio'puXax.Eiov, E'prjiy.ep'.; ttj; '\\yiu.o\ixi; i^zu.o-j 189.5 
.Nr. 55 S. '^'ift.vn). Oben idli prolilirtii, links gebrochene, icclits 
abgr.irbeilete PIatt(^ Vmi links eilt ein Mann in langen Hosen 
1111(1 kin7,rm die Hiillrn brcil umgürtendem Bock einem ans[)rin- 
•fenihii Biiubl ler entiiej-en, beide Hände nach ihm ausstreckend. 
Der Kopr sein ::it mit einer anliegenden Kappe bedeckt zu sein. 



ANTIKE SCULPTUHKN IN ^A^fOS 203 

Das rechte Bein fehlt. Jas Gesicht ist zerstört. Links hinter 
ihm, in lUickenhöhe, ist (Jer Rest einer kleinen Relieferhe- 
hunu; sichthar. Die W'alTenlosigkeit liisst in dem Dargestellten 
eher einen bcstiarins als einen venator erkennen, vgl. Fried- 
länder, Sillengeschichte ' II S. i89. Pauiy-Wissowa III S.3ß0. 
Ohen im Heliefgrund : MeXTr-.;. Späte, iiussersl rohe Darstel- 
liinu;. Photographie des inslitnls, Samos Nr. 54. Ahgeh. hei 
L. Rürchner, Das ionische Samos Li' Titelhlatt; er hezeichnet 
(S. 48) ohne nähere Begründung die Platte als Melope vom 




Tempel des Dionysos Kt'/rl'^(^<i und hält den hesiiarius Melpis 
für identisch mit dem in Libyen einmal von einem Löwen an- 
gefallenen Samier l'>lpis (Plinius n h. \'III,r)7), dessen wahren 
Namen er in Alelpis entdeckt zu hahen glauht. Diese unhalt- 
hare Hypothese gehl auf K. Slamatiadis ( i^auiia/cjt ' S. .^20. 
^ S. -278 zurück). 

108. (luv. Xr '.IS I .lagdrclicr. Ilojic .",-.""', Breite -^S. 
Bings Bruch. Dargestellt ist ein nach links nlcudcr .Manu in 
kurzem Gewand, Lxomis und llalhstiel'eln, in dei' Linken den 



■?0i TH. WIEG AND 

Kesl eines stabarlii,'cn (jegenslantles, wol den .Iajj;(lspiess, hal- 
lend; Kopf, reclilei' Unterarm und ein Teil des rechten Kusses 
fehlen. Von rechts cill zu ihm ein «grosser Jagdhund, von 
dem nur der Ko|)f und die linke N'orderpfole erhalten sind. 
Sehr rohe, spiitrömische Arbeit. 

lO!) 11(1. ilnv. Nr oa und \>\>.) Tierfries. 

(Inv. Nr. ^)'3.) Ihthe •?()"". Breite . ■).■"). Kechts. (»hen und un- 
ten Schnittllache, links Bruch. Auf einer gewöhnlichen niedri- 
iion Wandquader, die einer l.iiuferschicht angehörte, erkennt 
man den nach links gewendeten Kopf eines Behhocks. Der 
rundliche Hintergrund ist wol als der Hinterleib eines voran- 
eilenden Tieres /ai deuten. 

(Inv. Nr. •?•? ) Gefunden bei Ausgrabungen am Heraion; 
vgl. oben S. I i7,l. Höhe '2~r"\ Breite 57, r>. P^bensolche VVand- 
fjuader mit dem Best eines nach links gerichteten l.öwen, 
der ein Bind zerlleischt. Nur die Köpfe beider Tiere sind 
erhalten. 

Beide Fragmente gehören zu ein und demselben Tierfries, 
der sich in l)elrachtlicher Lange über zahlreiche Quadern einer 
hellenistischen, ohne Mörtel und mit U-förmigen Klammern 
( — ■■) errichteten Wand hinzog. Der rohe Charakter des Frie- 
ses liisst keinen Zweifel, dass er erst spiit auf dieser Wand 
angebracht wurde. 

111. (Inv. Nr. 116.) Fragment vom Kopfe eines See- 
drachen. Höhe 17"", Liinge 17,5. Nur der Bachen, mit star- 
kem Gebiss bewehrt, ist erhalten. Vielleicht von einer Brun- 
nendecoraiion. vgl. F.Curtius. Plastik der Hellenen an Ouel- 
len und Brunnen , Abhandlungen der Berliner Akademie 
187P) S. 140. 

II-? (luv, Nr. I.) Hermenlörmige. sich nach unten leicht 
verjüngende M a r m orstü t ze eines Tisches oder dergl ,mit 
jugendlichem Dionysoskopf, Höhe 100,5"". Gefunden beim so- 
genannten HoTO-cxx.i, 'E-pr/f^-epi; ty)? 'Hyeaoviac; Hxko'j 1896 Nr. 
71 S. .T»6, 101,1. Die Stütze steht auf einer besonders gear- 
beiteten, ■28,5'"' breiten, H 'i langen, profilirten Basis, die hin- 
ten rauh gelassen ist Die Armbossen und das männliche 



ANTIKE Sr.ULPTt'REN IN SANfOS 



20c 



Glied waren besonders eingesetzt. Oben eine viereckige Kin- 

arbeiliing. h^ine in der Form übnliche Tiscbslütze zei"t 

das neuerdings \\ jeder von 

Szaiito , Jalii'esherU' I S. 

98 Kig ;V.I veröirrnllicble 

Stuckrelief eines Grabes 

bei Ciinuie. 

11.':; (Inv. Nr. 110.) 
riselibeiii in i l Diony 
sosko|)r. UöhecSir^.'Iifpyi- 
i/.gpi<; TT); 'Hysi^-ovia; 2Cäu,0'j 

1897 Nr. 135 S 0^0. 18;:!. 
GefunibM» nacii Milleiinnü 
des Herrn L. Hnrcliner 
im Frübjahr I89ü, in Ti- 
gani anf einem Slaals- 
grundsliick im Norden des 
Fleckens, da wo man an 
der Zuleitung derGewässer 
der grossen Quellen der 
Ajades (die ebemals die Wasserleitung des Fupalinos speisten) 
arbeitete. Die an drei Seiten proülirte, hinten unbearbeitete Basis 
bestellt, ebenso wie der sich nach oben etwas erbreiternde Schalt 
der Herme aus fleiscb- 
larbigem Alarmor ,der mit 
Säure neuerdings gereinigt 
worden ist. Die Armbos- 
sen und das Glied waren 
besonders eingesetzt. 

114. (Inv. Nr. lO.)Ober- 
teil einer ähnliclifn Stu- 
tze. Höhe 43^'". 

115. (Inv. Nr. 11.) Des- 
gleichen Höhe 26,5"". 

1 IG. (Inv. Nr. 04.) Desgleichen Ibdie »3"". 

117. (Inv. Nr. \*.) Tischbein, gelunden beim sogenann- 






206 



TH. WIEG AND 



len lloTOXJOti, 'Er^Yitiipii; xr,:, 'Hyeaovix? IÜzixo'j 1895 Nr. 71 S. 
346. 101. '2, \Nci iltM" KiM'pei' irrliiinlicli als weihlich bezeiclinet 
ist. lirdie 78"'. Der sich nach ohen er- 
bieilernde eckige Schaft endet in einem ju- 
gendlichen, männlichen Körper. Die linke 
Köi'perhälfte bedeckt ein Ziegenfell, dessen 
einer Fuss in der linken Hand der Gestalt 
ruht. Im linken Arm trägt sie einen Gra- 
natapfel, eine Traube, eine Birne und zwei 
Apfel Die rechte Hand unterstützt diese 
Last. Die profilirte Stand[)lalte ist aus ei- 
nem besonderen Stück gearbeitet. Späte, 
schlechte Arbeit. 

118. (lnv.Nr.ll4.) Tischfuss. Gefun- 
den bei der Anlage der grossen Strasse nach 
Chora. Höhe 48"', Breite 15,5. Unten Lö- 
\venfuss,oben Löwenkopf Schlechte Arbeil. 
ii^J. (luv. Nr. 123.) Cylinderförmiger Altar oder Sta- 
tuenbasis aus liartem Kalkslein Höhe 88"'. Das obere Ende, 
einst wol ähnlich proülirt wie der Kuss, ist gebrochen. Der 
Stein ist geschmückt mit vier untereinander verbundenen 
Fruchtguirlanden , von deren tiefster Stelle jedesmal eine 
Traube herabhängt (ganz ähnlich wie auf dem Sarkophag von 
Nysa, Jonian anliquilies I, Kopfbild zu Cap. II), und vier 
dazwischen hängenden Bukranieu. Unter jedem derselben ist 
in Umrisslinien je ein Werkzeug dargestellt: 




^ ^' A P^ 



1"20. (Ohne Inventarnummer.) Fragmente eines späten Bu- 
k ran ionaltars. Weisser Marmor. Höhe 38"', Breite 13. 

[•.M. fOlme Inventarnummer.). Altar aus weissem Mar- 
moi' Oben und unten vorspringender Band. Ibdie 70"", Breile 
63, Tiefe 35. Gefunden bri Tigani (vgl. Ilacvacio; 1881 S. 



ANTIKE SCUI.PTUREN IN SAM08 



^o: 



733. B C H. 1884 S. 467) später im ap/eio^-AaKsiov. 'E<pr.- 
p-epi? TT,; 'Hyeu-ovia!; Saaou 1897 Ni'. 157 S. 710. 3'26 Vorn 
und an den Seiten (rechts abgeschlagen) Lorheergewinde auf 
drei Stierschädeln von schlechter rönfiischer Arbeit. Darunter 
vorn 

6 öryixo; raiüji^t] Oüi6t(i)i no(3TÖu,[<»)i] 

euepY£T7iii^^l^flfgüf 

In der zweiten und dritten Zeile ist der Schluss bis auf ueringe 
Reste getilgt. Zu der Persönlichkeit des C. Vibius Postumus 
vgl. Prosopographia III S. 4'23. 39"2 : danach fällt diese In 
schrill etwa 16 nach (^hr [Fredrich]. 




TOTP12:>^\lM©YnATri.lHPrLl '(\ 




IV\>. ( Inv. Nr. \\'l.) Platte eines iVl essti sc lies. Länge 61"", 
hreite 34. Früher im Garten des britischen Consiils Dionysios 
I^uiiiKuk in N'athv. Die Platte hat rings t'rlirditen Rand von 



?08 TU. WIEGAND 

*?-3"". Sie zeii^l diel in (mikm' Hoilie liegende, sclialenartige, 
i'aiihe X'eilierun^t'ii. doirr» jede an der tiefsten Stelle ein Loch 
liat. Der i)iir(ditnesser der drei N'ertierungen heträ^rt. von rechts 
naidi links iierecdinel, etwa l'i . 10 und 8"". Alle drei iiatlen 
einen crhrdilen .Marniorrand. (h'r hei den zwei orösseren weü- 
iiehrochen wurde, als man die Melallschalen, welche die Ver- 
liefungen ausIVillten und mit lironze-Slilten an den Hiindern 
helesligt waren , herausriss. Heste dieser Bronzeslifte und 
Löcher dafür sind noch \orhanden. I^ei der kleinsten der drei 
Schalen trug der Hand keine Slifie. Die Hron/eschale war 
stall dessen unlen mit lUei vergossen, wie das Loch im lio- 
den ( Dm. O.r/'") zeigt. Am linken Ende der Platte helindcl 
sich eine Iko"" lange, 4.5 breite, etwa 1,5 liefe rechteckige 
h]inarl)eitung. Zwischen der zweit- und drittgrösslen Schale 

steht oben emgemeissell : W , unlen: ^ . 



\'ll. Sarkophage und Architeklurfragmente. 

123. (Ohne Invenlarnummer.) Archaischer M ar mo rsa r- 
kophag. Gefunden hei Tigani in der sog. Astypalaia nahe 
dem nach N'alliy führenden Weg, etwas unlerhalh der Quelle; 
später im äp/£io^'jXa)t£iov, 'E(pyia£pi; -crii; 'Hyeixovia; Sijxo'j 1896 
iNr. 71 S. 345,59. Höhe mit Deckel 105"". Länge 1>17, hreile des 
Giebels ( ohne Akrolerien) 99. Dicke der Wände 10"", Ueliefer- 
hebung V"". An den Ecken innen eine Verstärkung in Gestalt 
eines X'iertelstabes Der in sechs Stücke Zi'rschlagcne Deckel 
ist nur 8,5"" dick. Eiwähnl ist lU'v Sarkophag von Wollers, 
.Athen. .Milih. Will, 1893, S. •2-.>4 ; holiian. .\us ionischen 
und italischen Nekropolen S. 9 I i, vgl. Th. Keinach, Ne- 
c/o/jole dl- Sidon S. '243 Anm. I.Wegen Hanmmangels sieht 
das hervorragende Stück leuler im Freien. Photographie des 
Instituts, Sarnos Nr. 8. 

Diese Nachbildung eines niedrigen , giebelgekrönlen , von 



ANTIKE SCLIJ'TL'HEN IN SAMoS 



209 



zehn joniselien Säulen getragenen Bauwerks ist das iillesle Bei- 
spiel für einen, nach ecliL griechisclier Weise durch streng ar- 
chileklonisclien Aufhau ausgezeichneten Sarkoi)liag, der mir 
in seiner festen Geschlossenheit v\eit eher das ' nioniimenlale 
Grahhaus ', als den leichten Prothesishaldacliin daizuslcllen 
scheint'. Cr ist zugleicii der älteste his jetzt hekannt gewur- 
dene V^erwandte des sidonischen Sarkophags der Klagefrauen, 




der gewiss nicht zufällig ehenfalls dem griechischen Osten ent- 
stammt, wie der ihm etwa i;leichalteriure llolzsari? von Pauli- 
kapaion (zuletzt ahgehildet hei Mamdy-Be)' und Th. Reinach. 
Necropole de Sidoti, Text S. t>'i9). Sarkophage mit streng 
dorischen l^'orfuen scheinen im griechischen Westen he\orzugt 
worden zu sein. Zwei Beispiele hirgt dasiVIuseum in Girgcnli, 
die noch dem fünften .lahrliundert vor Chr. angelnuen kitnn- 
ten ; mit ihnen verwandt ist wiederum der Sarkophag des 
Scipio Barhatus, Baumeister, Denkmäler III S. 1557 Ahh. IG"? 1. 
Die vier Wände des eigentlichen Behälters sind von einer 
10"" hreite Leiste umralimt. In den dadurch gesehalTenen Bild- 
feldern stehen auf den Schmalseiten je zwei, auf den Lang- 
seilen je drei Säulen in gleichen Zwischeniäumen. deren tra- 
pezförmig nach ohen verjüngte Basen von der kanonisch al- 
tischen und jonischen Form ebenso verschieden sind, als sie 



' Ich liallc damit an Slinliiii/kas iisicr Mriimn^ v't'^ri'ii tio^soii /wcilf, 
Jaliil.ucli l.\, iS'.li, S. ;'.)', IVst 

ATHKN. Mrri'UEii.irNrtKN xxv. 14 



910 



TH. WlKC.AND 



sich der zuerst l»eirn lleraion in Samos beohaclitelen l^orin 
nähern, deren Unlerleil aus einer U^icht ein^o/.ojj;enen. Iiori- 
zonlal eanellirlen Scheihe l»t'steht. Ausser in l.oeri l']j)izephv- 
rii (Petersen, Rom. Millh. V, 1890, S. HBIT.) sind solche 
l'^oimen seitdem von W. W'ilberg in Jeniköi hei Troja (an der 
Ilaupistrasse, als Hiiiunenstein benutzte Scheibe) und von mir 
in Myus ^^efunden worden. Hei unserem Sarkophag freilicii 
fehlt den Basen das polsterarlige obere Glied, sie bleiben des- 
halb ohne genaue .Analogie. Ähnlicher ist die i^asis der joni- 
schen Säulen des Temjjels von Phigalia, wo der Torus sehr 
niedrig erscheint (Mauch, Stilordnungen Tal". 37,8). 





Bei der Gesammtproportion der Säule und des Capilells hat 
man die Darstellung olTenbar sehr gekürzt. Der 4'"' über 
den Kasten vorspringende Dach rand, dessen vertikaler Teil mit 
einem steifen Blattstah geschmückt ist, bietet ein vorzügliches 
Beispiel für jene Verkleidungsliclmik . deren hervorragendste 
Beispiele bisher namentlich in Sicilien, Olym- 
pia . Thermon , weniger in Kleinasien festge- 
stellt wurden Jedes zweite Blatt ilieses Band- 
schmuckes ist rot bemall Hole Karbspuren 
zeigen auch di«' Akroterien. Die (dirie Zweifel 
einst vorhandene blaue Farbe ist überall geschwunden Nicht 
ausgeschlossen ist . dass sich in den Intercolumnien Male- 
reien befanden, wie bei dem erwähnten llolzsarge aus der 
Krim; sichere Spuren davon habe ich jedoch nicht entdecken 
können. 




ANTIKK SCLILPTÜIIKN IN SAMO>' '211 

Die volulenförmi^en Akiolerien an d«Mi li^cken mit ilireii 
kleinen Zw ickelpalinellen, der slieni;!;e h^irslseliiniick, die siib- 
lile Tecdmik des linear arbeitenden Meisseis, linden ihre Ana 
logien an altiselicn Bauresten aus (Jein Perserseliult i vj^l.z.Ii. 
ArUike Denkmäler I Tai'. 50. Durni. Baukunst der Griechen- 
S 157), zu denen auch einijze auf schwarzli^uri^en N'asen des 
\'l. Jahrliunilerts ab^ehildeie Bauwerke, namentlich Brun- 
nenhäuser ( vj^l. z B. Antike Denkmäler II Taf. 8) stimmen. 
In das sechste Jahrhundert vor Chr werden wir auch diesen 
Sarkophaii; setzen, der uns sonnt ein schönes Beispiel für die 
Sepulkralplastik der Zeitu;en()ssen des Polykrates liefert. 

154. ( luv. Nr. 21.) Hechteckige Aschenkisle von Mar- 
mor, aus MtTuAr,vaioi. Höhe '29'"'. Länge 49.5, Tiefe 34,5. Oben 
in der Mitte der Schmalseiten eine verticale Hache I']inarbei- 
tung von 6"" Länge mit einem Loch am unteren Knde. Bömi 
sehe Zeit. An drei Seiten mil plumpen, gänzlich unausge- 
führten Guirlanden umgeben, an der vierten nicht decorirt. Der 
Deckel fehlt. An der vorderen Langseite über der Guirlande: 

'AyaÖ-öaepoi; (t)oö 
Li'Cppavooo; 'C,r, 
Unter der Guirlande, später als die obere Inschrift: 
'Hpix.'Xex ''AXtO'j '/ot.iog. 

\^gl. Kp-OTiÄiSvi?, ToTtoypa'pia tyi; Szu-O'j S. 75,4 (bei A. Nixo- 
"axo'j in M'.T'jV/)vaioi ); die 'E<p-/iu.6pU Tr,<; 'llygu-ovia; — iu.o'j 1895 
i\r. 40 S. 105, 14, "2 giebt irrtümlich Tigani als Kundort an. 
^Tay.yixi-A-riz, ^aatxKx ' S. u.\ 5'2 (damals in seinem Besilz). 

1*25, (Ohne Invenlarnummer.) Bruchslück eines Frieses 
(oder Sarkophages) aus weissem Marmor. Oben ein vSiiick des 
Bandes. H(»h(! 40'"', Breite 5-2. Dicke Kl. Schwebender lu'os 
zwischen den Ansätzen von Guirlanden aus Blällern und 
Krüchten, die liber seinem Kopfe durch eine Tanie zusam- 
mengehallen werden. I lellenistiseh. KHKiuorn . 

1'20. (luv. Nr. I ."» I ) h^'agmenl eines ( ) in ;i m en I l'r i ese s. 
Höhe etwa "25'"', Länge elwa 7(). Links Aiiscliliissnäclie, rechts 



010 TU. Wirr, AND 

Brucli. Eine wellenförmige Bliillerranke von tlolter Zeicli- 
niinii ziolil sich unltM' einem Eierstah mil Aslragal her, wel- 
che den oheren Hand ahschliesst. -ledesmal in dem sich nach 
unlcn (itTnenden Bof^cn der Ranke eine Bhitc in Oheransieht. 
N'crmnlliidi noch hcMenistisch nnd nrspriiniilicli wol als Ar- 
chiliav oih^' 'rhüninirahniiini; \erwendel. 



r4C \ 



/T< X~^:^ 



* - ' ■4' 

I"27. (Inv. Nr. \'1{).) Plaüe von einem längeren Orna- 
menlfries. Höhe 30.5*'", Länge ".)-2. Dicke I il (ahgearheitel). 

Ohen links P»esl einer L- förmigen Klammer (1 .). Das 

reclils oben gehrocliene Fragment war später als Schwelle ver- 
manerl nnd ist daher stai'k abgeli-elen. Ans einer Hlätlerslaude 
springen zwei sich nach links und rechts hogeniVtrmig nei- 
gende Hanken auf. N'erschiedene Hosellen, tulpon- nnd ara- 



*«.» 



^^ "\>^ 



'S 



ceenariige Hinten setzen sich an. Im Zwickel zwischen den 
beiden Hanken eine grosse Blüle mit zwei Knospen. Das 
HaidvcnvNerk. ohen nnd nnlen von schmalen Leisten eingefassl, 
setzte sich beiderseits auf die Nachbarplatlen fort. Gute, grosse 



ANTIKE PCULPTUnEN IN SAMOS 



•?I3 



Zeiclinung. wol liellenistisch. Die Abbildung giebt recbis 
nicbt die ganze erhallene l^änge wieder. 

1'28. (Inv. Nr. 8(1.) Fragment eines jon iscb en Capilells. 
Länge 57"". Die AJilte des eingezogenen l^olslers ist verziert 
mit I3,r)"" breiten, borizontal sieb entwickelnden Rankenspi- 
ralen, die \j»n zwei gedrebten, vertieal verlaufenden, seilar- 
tigen Stäben eingelasst sind. V^jn da nacb den [Rändern liuri- 



^tm 




^■0,^ 



zontale. lange Akantliiisblätler. Die ganze Länge des seitlicben 
Polsters betrug etwa 90'"' Die Canäle der \'ohite sind selir 
tief, auf Scbattenwirkung berecbnet, eingescbnillen, das Auge 
dagegen ist völlig flacb. Vielleiebt nocb bellenistiscb. 

129. (Inv Nr. 100.) K ori nt b iscbes Capitell. Höbe 
39"". Die ovale Form des Halses beweist die Zugeborigkeit zu 
einem Pfeiler. Rom iscb. 




130. (Inv. Nr. 33, KlO. II...) Drei Simen- Frag- 
mente. Gefunden beim Bau der grossen Strasse nacb Cbora. 



M'i 



ANTIKE ^riM.PTl'nEN IN SAMOS 



I) llölip 18"", Längp \\. •?) Höhe '1\"\ Liin^rp 03. 3l IIölip 
13"", LiiiiiiP 38. l-ls sind ri"iii;ineiilo von spüren Gchiiiiden, 
clwa in der All ^^'V i'oliesten Reparaturslückp der Siina des 
olyni|)iselien Zeustempols. 

131 ( Inv Nr. 91.) Jonisclies Capitell aus römisclior 
Zeit. Breite 'lO"", Tiefe 35,5. Der obere Siiulendnrclitnesser 
helrnj; "28"". Braune Patina. Kyma sehr Hacli. Das Polster ist 
mit Schilfblättern decorirt Die Ganäle der Volute sind e;enk- 
reelit eino;emeisseit, nicht rundlich ufehidilt. 



i-^,-" 




'^. 




135 und 133. (Inv. Nr. 88 und 90.) Ivori ntli ische Ca- 
pi teile aus spätrörnisch-hyzantinisclier Zeit 1) Höhe "^ß, 5"", 
Breite '20,5, IlaLsdurciunesser etwa 17. '•}) llöhe'?l,5"", Breite 
31. Halsdurchmesser etwa "21. 



TtlEODOI^ WIEGAND 



— »J-» • { t ; .»^^ 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 

(Hierzu Tafel IX- XI) 

1. 

Die am 18. Oklol)pi- 1898 hei^onnenen Untersuchuntjen auf 
dem Boden des allen Alexandieia, die Mitte März 1899 vor- 
läuliii Liiilerl)i'f)('heii wurden ' . hallen zunächst den Zweck, 
Auskunl'l uher die Bodenheschaflenheil, liher Lage und Zu- 
stand etwa noch Norhandener Ruinen, sowie eine deutlichere 
Vorstellung ties von Maliinoud el Falaki testgestellten Strassen- 
netzes' Zugewinnen. \is, war schwer, sich in llogarths pessi- 
mistische Anschauung, dass von der Stadt der Ptolemäer gar 
nichts mehr zu erfahren sei, widerspruchlos zu finden, zumal 
seine Sondiriingsschachle hauplsiichlich der mutmasslichen 
Stelle des Alexandergrahes gegollen halten und er in dem ei- 
gentlichen Bereich der Kitnigspaläste nur wenig gearheitet 
halle''. Auch die Ausgrahungsthäligkeit Botlis , des regsa- 
men und verdienstvollen Conservalors des alexandrinischen 
Museums, halle sich, nach wenigen resultatlosen Wrsuchen auf 
diesem Gehiet, in letzter Zeit ganz auf das 'Serapeum' hei der 



' S. Aldi. AiizeiKer 1899 S. 133: erster Bericht von Tli. Schreiber über 
die Aus}>ralningcn, mid de.ssen Vortrag: in den Vnli;iii(lliiii|;en der i5. Ver- 
sainiiiluiiK dciitscliei IMiiidln^cn S. 3t'i. 

2 Vj;i. den .\rlikf'l 'Ah-xaiidreia* bei I'aiilv Wi>N(»\\a I (Piichslein |. Eine 
< )rifiiiial/.«'ieliiiiiii;; dt'> iiialimniidschcii l'lanes in Bleistift bflindel sich in 
Bdllis Besitz im Miiseuin zu Ah'\;iiidiii'n. Die Slrassenbozeiehnuii}; fiehr 
auf Malminiid zurüfk: R.> , R ; ii s. w . >iiid (4)iiersna.ssen wcsllich von det 
llaiiplstra^se Ri ( Süd -Nord i, Lj , L:i ii. s. w . Laiigsslrassen, inirdlioli von 
der kaiio|>iseheii Strasse, lOsl-West l. 

■' Itrpoil Oll jirospccls a/' r.rrnvaliiin in Ali.iiimh'iii. Kijijpl F.xpUiralmn l-'iiiul, 
Arch. Hcporl iSOi'i. V'^l. jclzl auch lIoj;artlis Beinerkuii(jen Journal oj 
Hell, sluüics 19 S. 32<"). 



'?16 F. NOACK 

■Pompeinssiiiile* concenlrirt. Malimoud el Falaki aber hatte 
zwar einen griindleiienden Plan i;escliatTen, jedoch üher (h»s 
iii;enaiie N'erhiillniss dieses schon von ihm als spät erkannten 
Strassennelzes zur licllcnislischen Sla(h halle er keine Aiil- 
khirunof üresucht und sich auf wenii»« andeutende Bemerkun- 
ijen beschränkt Auch von der Hescdiafienlieit des Strassen- 
körpers wünschle man sich ein deutlicheres Bild zu machen, 
als es sein Memoire sur iantique Alexandrie, Kopenhat»;en 
187"2, S. '26 ff. geben konnte. Über die Bautechnik in i^riechi- 
sclier Zeit war noch alles zu lernen; denn dass Alexandrien 
ausschliesslich eine Backsteinsladt gewesen sein sollte, wie 
IVülier behauptet wurde, war doch eine reine Hypothese und 
nach dem, was wii' an antleren Orten von der Bauweise des 
Hellenismus gelernt hatten, auch wenig einleuchtend. 

Die Frage, wo der Spaten angesetzt werden sollle, war nicht 
einfach zu entscheiden. Die Untersucliunij;en sollten im allen 
Bruchium auf dem Gebiet der Paläste beginnen, die schon zu 
Strabons Zeit den drillen oder vierten Teil der Stadt einnah- 
inen'. Mehr als flie Hälfte davon ist heule von den neueren 
Sladtleilen bedeckt, und im Übrigen sind I^este monumenta- 
1er Baulen an alter Stelle, von weniü;en r)uaderselzunjien und 
Backsteinruinen am Ufer^ abgesehen, nicht sichtbar. Die La^e 
der srossen Bauwerke in ihrer Aufeinanderfolge von der Halb- 
insel I.ochias bis zum lleplasladiou ist zwar durch Strabon 
klar gegeben, jedoch bleibt bei der grossen Fnlfernung zwi- 
schen diesen äusserslen Punkten für fast jedes Denkmal im- 
merhin noch ein weiter Spielraum. 

'Ey.-öpiov, (XTTO'jTä'jEtc, veöpia liegen unter den lläusorn des 



' Strabon 793. 

2 Die grossen Baclistcinsutislruclioncn am nordöslliclien Fusse des Forls 
Koni-El-Dili, von denen aus liuu'.ulli seine Stollen ins Innen' des Iliijiels 
trieb, gehören wo! I<anin nielir in den lieieieli des {{rueliinnis, da dessen 
.Siiiigrenze die l\am)|iiselie Sdasst; war, deren I^inie im all.i;enii'inen die lieu- 
li^e line fioscllc iniiegeliallen lial. liDlIis Anselzung der llanjilsliasse weiler 
siidlieli und ausserhalb der arabischen l''eslungs\verke ( im l'lan de la ville 
d'.ile.randrie, Memoire piu'jcnlc <'i la suciiHi' ai'cln^uluiji'pie il' Alcxandric 1898) 
hat mich niclil überzeugen können. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALF.XANDHIEN 217 

Boulevard Ramie ^ und den westlich davon gele^jenen Quar 
tieren für alle Zeit he-^raben. Das (laesareum ist dank der An- 
gabe des Plinins durch die beiden Obelisken wenigstens ei- 
nigermassen (ixiil^. Wie weit aber seine Hallen, Säle, Haine 
und Wohnungen nach Osten reichten und ins Innere der Stadt 
tirilTen. ist schlechterdings nicht reslzustellcn '. Ausser der 
Lochiashalbinsel bleibt dann nur die Stelle des Theaters^ 
annähernd bestiinuibar. Nach Stral)on lag es zwischen den 
Palästen (Tä tvSoTE'pa) ßaT^Eia ) und dem Caesaieuui. und man 
wird es ohne Zweifel da zu suchen haben. w(t noch heute 
die einzige stärkere Hodenerhebung zwischen lieplastadion bez. 
(]aesareum (d.h. etwa Bahnhof Hamleh) und Lochias liegt. 



< Die Granit - und Porphyrsäulen, die Hogarth bei seinen dortigen Un- 
tersuchungen fand (a.a.O. S. 10. H ) müssen zu jenen Anlagen geliört iia- 
ben. Die Veränderungen in diesen Gegenden stammen zum grossen Teil 
erst aus der jüngsten Zeil. Vor 25 und 30 Jahren standen auf der Linie des 
lUndevard liainlr KaMechäuser — am Ufer. Das Meer reiehle noch bis in die 
Nähe der Place Moliained' Aly. 

2 I'iin. 3G, 00. Über die lieste grosser QuadiMrundaniciilc, die Ü^Ti zwi- 
schen dem Standort der Obelisken und der .Synagoge bei Gelegenheit von 
Neubauten gefunden wurden, von denen aber leider keine Aufnahme e.\i- 
slirt, vgl. Ncroulsos, Vtincienne Alr.randrie, 1888, S.l'i f1. Vaujanny.ein frei- 
lich etwas zweifelhafter Gewährsmann, bat dort an der Küste selb>t. imWas- 
ser, Sondiriingen vorgenommen und weiss von starken Kalksteinmauern 
3-4"' unter Wasser zu berichten. Er verfolgte die Reste bis zu 120™ ins 
Meer hinaus, gerechnet von dem arabischen Festungslurm beim I^amleh- 
Balinliof (Vaujanny, liecherchex sitr l'ancienne Alexamlrie el la hasse Egypte 
8 10.12). Die mäebligen Gejsa aus Nummuliten -Kalkstein, die Säulen- 
trommeln und amlerc Haureste, die heute am UlVr unmittelbar südwestlich 
neben dem genannti n Tiirni liegen, gerade an der Stelle, wo einst die obe- 
lisken stanilen,kann man eigentlich nur mit dem Caesareum in Verbindung 
bringen. I802|'.t3 bat auch Botti hier gegraben, ohne grossen l.rfolg. 

•< Man isl bei (b-r Anlage der neuen Strassen und Häuser südlich vom 
Hauileli-Balinhof natürlich sehr häutig auf antike Fundamenle gestoS'ii-u. 
An der Stelle, wo die di'utseb<' Schubs steht, wurde ein Gebäude gt'fnnden. 
von dem, dank dem Inleressf, das llnr 11. Bindernagtd an (b'u archäolo- 
gisehen rorsehungcM im AlcxandriiMi nimmt, wenigstens eine l'lanskizze 
exislirl. Ks lag südlich von der Strasse Li in ib-r Ecke, den diese mit 
Ri bildete. Ri lag etwas weltlich vtiui Gebiet der deul>clieM Schule. 

' I'aulv- Wi.sNuw,! l S. |;!8.'), IC». 



218 F. NOACK 

Ks ist (Ipp Hiigpl, dessen südlichen Teil das Gebiet des Gou- 
vernement-Hospitals bedenkt, während der nördliche Teil, der 
von jenem durch den P^inschnitt der Ramleli - H^isenhahn ge- 
trennt ist und das Geitiiiido der Kiisteiiwache trägt, his an 
die Kiiste reicht. In seinen obersten Schichten ist er ziemlich 
ntMicn Datums Demi er wurde vor 100 Jahren mit napoleo- 
niscJKMi Kestiingsw(M'k<Mi bedeckt, dtirch wcIcIk! die arabische 
Stadtmauer verstärkt werden sollte'. Wie die Wälle, so ha- 
ben auch die Gräben der l^^ranzosen (las Terrain gewiss stark 
umgestallel und omuew iililt. aber si«^ sind doch nur wieder 
in Schuttmassen eingedrungen, die sich hier schon in alter 
Zeit angehäutt haben miissen. Denn IVir die ursprüngliche 
Höhe des natürlichen Hügels haben wir jetzt wenigstens zwei 
teste .Anhaltspunkte: er erhebt sich jetzt im südlichen Teile 
des Hospitalgebietes 8.16'" über dem Meere, in dessen nörd- 
licher l^](;ke 8.5'"'. Heid(^ Punkte liegen etwa 350'" von einan- 
dpr.und innerhalb dieser Iilntlernung lässt sich ein wesentlich 
stärkeres Ansteigen des ursprünglichen Kodens nicht anneh- 
men. Wenn sich nun gerade an dem nordwestlichen .\bhang 
dieses Hiigels Scluittmassen bis zu mehr als doppelter Höhe 
(etwa l(S'") anhäulen konnten, so möchte man das am lieb- 
sten den Ruinen eines besonders hoch aufragenden Hauwer- 
kes, eben df's Tliealers. zuschreiben. Immerhin hat man auch 
da noch mit solchen .Ausdehnungen zu rechnen, dass ein .Auf- 
finden der thatsäcb lieben Lage des Theaters. wenigstens beute 
noch, nur einetn «ducklichen Zufall verdankt werden kann-''. 



' Fiir fl;is SliHtiiiiri dicsor V('r;iii(li'riiiiK<'n IkiImmi iiiis die, Karlon der Mu- 
nicifiaiit.il niilf [)i(Misic j;c|cislcl. lii ZuIsiiiiH wiid iiiii' dii' Aiiliülie mit der 
Victoiiasaiilo im H(is|iitalgai Irn, zu (I(M' die am wcitcslcii iiacli O.slcii vor- 
.s|irinf;»'iid(' Hastini licmil/.l werden isl,oiiio lOi imicrmif; an jene Hclesligim- 
peii licwaliicii. .Viii'li iiltcr das .■^cliicl^sal di^r liliiigcii— aial»isc|i(Mi — i''eshmp;s- 
w*'ikf isl scImui i'iilscliii'dcti: sie wr-ivtcii dr.y sicli iiltciall maclilii; aiisdcliiKM»- 
drii .-^ladl uciclicii und (lriiiiiä(;|i>| al)>;(M lagen werden. I)a^ wird eine 
der \ve n i gen, a Im- I um sn w icli I i geicn Gelege n lir i I »• n sc i ii.wo a i- 
(■ li a (I |(»gi s (;lio lieoltae li I II iig zur Sie II e sein m ii ss. 

^ NhcIi meinen Niv('||<;mrnl.s in unseren X'eisuetisgi.ilicn Ih und K. 

^ In PJ fand sieh, nielil viel liliei dem gcwacliseiien Uudeii ein vciliäUniss» 



.NEUK UNTERSUCHUNGEN IN ALKX aNUKIKN 



219 



Unter diesen Umstünden hätte nun wol an der Hand von 
Mahmouds Aufnalirnen mit einer neuen Untersucliunt; der 
Slrassenanlagen der Anfang gemacht werden können, wenn 
sicli nicht ein heslimmler Punkt dargehoten hätte, wo mit <ler 
Arheit zu heginncn sich aus verscliiedenen Grdnden emp- 
fahl ( vgl. 'I'af. 9) . ICs lian(h'lte sich um den Siidrand des llo 
spilaIgebietes,wo im Jahre vorher zun) Zweck der Steingewin- 
nung für einen Mauerhau Tiefgrahungen vorgenommen wor- 
den waren. Diese Arbeiten zerstörten zunächst die arabischen 
Festungswerke ( Feslungsmauer und ausgemauerten Gral)en) 
von der WesIgriMizc (hs Hospitals an ostwärts bis über den 
Platz der im SommtM' 1 890 aurgcrichtt'tcii Gedenksäule für den 
Sieg beiOnidurman '. Südlich vom Festungsgraben und unter 
«!er b'estungsmauer stiess man auf langgestreckte antike Oua- 
derfundamente die noch im Februar 1898 von Dorpfeld gese- 
hen wurden. Sie wurden zerstört, leider ohne dass sie vorher 
aufgemessen und photographirt worden wären. Bolli hat nur 
eine kurze Aoliz darüber gebracht-': Les restes cl' mi i^^rand 



inä.ssi{; lanpor (2,28"') und scimialer (0,3i"M, zweiseitipfr Aii-liilrav aus 
l)läuli('li('ni M.irmor. Doppelte i-'a^cie, PläMclicu und Kvnia als Altsehluss- 




Z,i8 



\ : 20(1 



1: 'lud tOheiaiisirlill 






Icislf. i)ir /.ililluscii M.iiiiKiispiiili'i in v,-iii,.| I ■inueluiiiL; la^^(•ll vcimiittMi. 
dass (li'i Slciu ;iM diivsci S(<'|lc licailicilcl woiilon war. Nichts altci tlentt-le 
auf die iiiiiMillclliai c Niiiic ii-,u:(iid rim-s antiken (ieii;iinles. 

' |-;inc pti\ali' Anlage des ilcnii in. Scliicss • Hey. .-^.inle, Ivapilell und 
plastiseln-r Seinnuek sind anlik. 

2 Hullclin tic la suiü'lc arclu'uluijiijuc (rilcuamlric 1, IS',)8, :>. .")7. 



VVO F. NOACK 

c'dificc en i^rnnds /)/(ics de calcairc furent mis au jour: a 
ce rjn'il nir jut j'crmis de voir Fedipce suivait raligne- 
nient de la nie L; : il etnit de'core de colonnes en calrnire 
comiuict \ Ol) e'lail ii !> mrtres ait-dessous du nivenii de la 
rue Gnllici - Bei/. Ich IViiic hinzu. \v;us ich durch Ausfragen 
(h^r voischicihMUMi Ix'i (h'in Unternehmen heleiliglen Personen 
erfahren konnte Die Quadern sollen z. T. von solcher Grösse 
gewesen sein, dass man sie an Orl und Stelle zerschlagen 
mussle. um sie NvegschatTen zu kiinnen. d. h. etwa Quadern 
von der Grösse, wie sie in unseren Grähen gefunden wur- 
den. Wenn iiIkm' die aus dem so gewonnenen Material erbaute 
neue llospilalniauer Lage und Hichlnng des alten Gei);iudes 
bezeichnen soll, so steht das im Widerspruch zu Botlis An- 
gabe. Die Richtung der alten Strasse L2 ist nach Mahmouds 
Aiil'naliuit'u und unseren weiter östlich gemachten Funden 
eine andere als die der neuen Hospitalmauer und der jetzt 
Riie des Allemands genannten Strasse [Rue Gallici- Bey): 
die antike und die moderne Strasse convergiren nach Osten. 
Jene 1898 zerstörten Fundamentreste müssen, im südwest- 
lichen Winkel des Hospitalgel)ietes. etwa 30'" siidlich von der 
antiken Strasse gelegen haben; längere Quermauern sollen 
von ihnen nacliNorden. d.h. nach der Strasse Li hin, abgegan- 
gen sein. Die moderne Zerstörunü; hat also »erade das Innere 
eines von der arabischen Befestigung noch leidlich verschon- 
ten Gebäudes betroffen, dazu noch gerade den Kreuzunii;spiinkt 
von L-jmit der Querstrasee R3 . Um so mehr ist es zu bekla- 
gen , dass zu jener Zeit die wissenschaftliche Beol>achtung 
eine so ungenügende war. Unter den Fundstücken befinden 
sich zahlreiche, ziemlich dicke Säulenstümpfe aus rotem und 
grauem Granit, die zunächst — ebenso wie in den noch erlial- 
leiKMi aiabischen AJauerreslen weiter östlich — in derFestungs- 
uiaucr verbaut gewesen sein mögen Sie gingen dur(di die 
ganze Dicke der Mauer wie mächtige Binder, und wirkten 
zugl(M(di in regelmässigen Abständen mit ihren kreisrunden 
S(dinittllächen als l)ekoratioti der Aussenseile, Doch beweist 
diese sehr späte Verwendung der Säulen sehr wenig für ihren 



NEUE L'NTEHSUrHUNGEN IN aLEXANDRIEN Üi 

ursprünglichen Standort ; sie können ebenso gut versclileppt 
sein. Man lial (iO('li ganz andere Kolosse von Säulen, Basen 
und Kapilellen auf grosse f']nll'ei'iniiigeii dureli die Stadt trans- 
porlirt'. Darf man hei jenem Fundament also nicht an eine 
Malle denken, die sich an der Strasse seihst entlang zog, so 
sehöi'le e.i doch vielleicht zu einem irrösseren Perist vi, wenn 
man aus anderen Funden ilieser Stelle schliessen darf. Fs ge- 
hören nämlich zu diesen, die Herr Dr. Schiess-Rey, der Di- 
rektor des Hospitals, dem Museum geschenkt hat. zwei köst- 
liche Kalksteinkapitelle mit gut erhaltener lebhafter P(dyehro- 
mie. Das eine Kapitell ist rein korinthisch, das andere eine 
Umsetzung ins Ägyptische ilev Art. dass an die Stelle der 
Akanlhusblälter ein doppelter Kranz von Papyrusblüten ge- 
treten ist, und dass auf dei" einen, dadurch als N'orderseite ge- 
kennzeichtieten, Seite je eine Uraeusschlange. die sich auf ei- 
ner kleine Blüte erhebt , den Baum zwischen den Stengeln 
der Innenvolulen und der .Mittelblüte fülll. In den Zwickeln 
zwischen den naturalistisch behandelten Innenvolulen und 
den slilisirlen Fckvoluten haben zwei Seiten Blüten, zwei da- 
gegen Rosetten. Auf jede Seite des Abakus ist die getlügelte 
Sonnenscheibe gemalt'^. Höhe des Kapitells 0.37'". unterer 
Durchmesser 0.235, oberer ü,29"'. In der Nähe dieser Fund- 
slälle nach weiteren Überresten zu suchen, schien ilalier das 
Gegebene, zumal Hei'r Dr. Schiess - Bey uns in freundlichster 
und höchst dankenswerter Weise entgegenkam und uns auch 
für die i!,anze Dauer der Arbeiten dieses Winters ein helles 



* Am Rciiieruiigsharen liegen 11 grosse jonisclie- ^äulenbaseii aus rolem 
Granit; I^linlhe, Tori und Hohlkelile aus einem Sliick. Die IMinlhe 1,635'" 
lang und lueil, die ganze Basis 0,68"* hoch. Auf der Überllächeist die Sland- 
spiir dor Säule duich eine Rilzlinie maikirl : danach war der untere Säu- 
leiidurchinesser 1.17'". Kine dazu passende Säule liegl in der Niilie am 
Ufer. Volikduimen gleich ist aber die Basis, auf der die Oni'lurmansiiule 
steht: diese soll, Basis, Säule und Kapilell, aus dem Bereich der nahen 
licole Menasce slammen. Da sind also einmal solche gewaltige Bruclislückc 
desselben Baues durch die ganze Sladt verschleppt worden ! 

■•^ Kurz erwiibnt von Bissing, Arcb. Anzeiger 1S99 S. 58. und beschrieben 
von Bolli, Hulletin 1, 1898, S. 00, Nr. li. 15. 



VV-J F. KüACi; 

ii;ei'äiimiiios /immer in dem Hospital zur Verfiiiiim^ s(«^llle So 
wurde (Icnii der ll(»s|)i(alliiiiJ!;el zur Basis unserer l nlerneh- 
mimiien Dass uns auch Herr Dr. Bolli, Hei'r A.M.de /oglieh 
und die Miinieipalitiil. hesonders die Herrn Diclrieli-Bey und 
Arkudaris durcdi manelu-rlei Aufklärunj^en und Miüeilung 
ihres weilvollen karlennialcriales. sowie die en«;liscl)e Kom- 
mandantur der Kuslcnwaelie auf das Preuiulliclisle enlüfouen- 
kam. sei aucdi an dieser Stelle danktMid hervorgehoben. Von 
der Behörde in Cairo war der IVrmess zu Soudirungsarhei- 
len hereilwillig gegehen worden. 

2. 

Von dem llospilalhügel ausgeiiend , wurden die Untersu- 
chungen während der lunl' Winlermonale iiher ein Gebiet, das 
sieh etwa durch die mahmoudschen Strassen Ri und R3 im 
Osten uiul W^^sten, L-2 im Siiden und (liir(di die Küstenlinie 
einschliesslich der Lochiashalbinsel umschreiben lässt — nur 
im Süden wurde diese Grenze an einer Stelle überschritten — , 
also über einen sehr beträchtlichen Teil des alten Bruchiums 
ausgedehnt. Im Vergleich zu den grossen Entfernungen — 
grösste Längsausdehnung etwa l:?()0'" , grösste Breitenaus- 
dehnung etwa 600'" — waren die einzelnen Versuchsgräben 
naturlich nur sehr beschränkt, haben aber immerhin die lan- 
den verhüll nisse an sehr verschiedenen Stellen kennen gelehrt. 
I']s lag im X'criauf der .Arbeit begründet, dass die Unlersu- 
chiini'en sich immer nudir auf die Fraufe nach der Strassen- 
fidunng eoneentrirten. JM'st damit wurde es m("»gli<d). .\idialts- 
punklt' IVir die r«dative Datirung der einzelner) Bauschiiditen, 
die wir gt'l'undt'U halten, zu gewinnen. Denn wenn au(di aus 
dem jainnieivdll diireliw iihlten Boden kaum irgendwelche be- 
merkenswerten l'jnzeHdnde zu Tag gel'(")rd(!rt wurden, so wird 
die ("olgenile ÜluMsiehl doch so viel zeigen kCtnnen, dass die 
oft recht mühevolle Arbeit nicht nnbehdinl geblieben ist. 

ich schicke ein kurzes Verzeicliniss der einzelnen Versuchs 
graben voraus (vgl. dazu Tal'. 9). 



^- 



Höbenangaben über dem Meer 
"^■*- dip von Mahmoud Bey qpfundenen Strassi^n 

- Li^iDn der Schnitte auf Taf. X 
ix untersut'i'e ant'ke Überreste 

1.10 00 
bearbeitet u gez v F. Noack 




NEUE UNTEHSUCHUNGEN IN ALEX AN ÜIU EN i'iJS 

I. Ilospilalliügel. Graben A uihI /i] . zwisclioii 50'" un<180'" 
nördlich von der nenen Siidniancr des lj(jspituls und der Hue 
des AUi'/Hdiids Graben ^1 bald zu Gunsten von B\ aultreüe- 
ben. B[ : j^rössle Ausdebnnnu ( Xord-Siid ) elwa '>H"' : b()chsle 
ErbeburHji; des modernen Bodens '20'" nbei- dem Aleer; der 
ursprimglicbe Felsboden wnrde bei 6.5'" Meeresböbe er- 
reicht. 

ß> elNva •.*()'" nördlich von ßi , von Uslen nach \\ eslen üe- 
kihrl, 16'" lan^ und ö'" breil. Moderne Bodenhöhe etwa 17'" 
über dem Meer, Tiel'grabung bis zu 7,5'" Meereshöhe. 

C-F diu nördlichen Abhang zwischen Hospital und Eisen- 
bahn-Einschnitt. 

C: Bichtung von SO nach N\\\ Moderne Bodenhöhe etwa 
17'", Tiefgrabnng bis 8,24'°. 

D: Bechtwinkelig zu C, an dessen nordwestlichem Ende, 
der natürliche Eelsboden wurde bei G. 5'" erreicht. 

E: ^Nördliche Ecke des llospitalgebietes, nahe dem Bahn- 
übergang, ileulige Bodenhöhe 13,28'" (Südwest-Ecke) bez. 
11,73'" (Nordost- Ecke), bei 3,48'" natürlicher Boden. Ge- 
samtlänge 21'". 

F: iNahe dem nordwestlichen Abhang der ' \'icloria!«äule*. 
bald aufgegeben. 

G: Grabungen hart an der neuen Südmauei' des Hospitals. 
Aul" einer Strecke von 71)'" liings der Mauer wunle an drei 
Stellen — zusammen last 40"' lang — gegraben, ivs gelang nicht, 
noch etwaige Beste des oben erwähnten antiken l'^iindamenles, 
wie man nach den gesanunellen .Aussagen liolTen konnte, zu 
lirulen. (thw(d bis zu (S"''riere und bis die neue .Mauer üclährdet 
erschien, gegraben wui'de. Doch lallt auf einige Mauertriim- 
mer. die wir hier landen, durch den Wrgleich mit den Fun- 
den in //| etwas Li(dil. 

II. Bauplatz unuiitlelbar ("istlicli von der lüolr Mcinisct' 
und dem (iarten {\v<, Museums, \on dem Besitzer. Herrn Ni- 
kolas E 'ramhaco rreiindlichst zur N'erluuunü; gestellt, ein 
Bechteck von 02 zu 50'", inmitten der \on den mahmoudschen 



;»Ji 1'. NÜAC.li 

Strassen Li Lj R: R:i l>ei;i't'n/,len liisula'. Ilmliov Bodenliolie 
1 i,G"' (Süll), 13,7:V" l)oz. 13, rr>"' (Nord). Der naliirlii^lie Bo- 
den wird im siidliclislen Graben (//,>) bei 10,30'" erreiebl, 
tiilll schon hier nacli iNorden zu rasch um 3'",liet>;l in der Mille 
des Terrains ( ///, , Schaclit ) nur nocli 4,2'" über dem Meere, 
und am .\ordrand { //a ) werden nach «'iner Tiefj^rabunij; 
von 1'2,5"' einiiie Quadern in alter Lage bereits im Grunil- 
wasser •!;e(unilen,etwa 1'" ül)er dem Meere. 

III. Nördlich, (■)sllicli und nordöstlich vom llospitalhiigel. 
J: (^slÜch Non der Omdurman -Säule, zwischen Rue des AI- 
lemnuiis und der arabischen Festungmaiu'r z. T. in und un- 
ter dieser selbst. Ileutioe Bodenhöhe durchschnittlich 13'". Der 
Felsboden wird bei 4'" - 3,8'" erreicht, Boden des Felskanals 
1,4"" über dem Meer. 

Ä'(an der Rüste): K\ östlich von Lochias am Uferabliang 
abseiiraben bis zum Ptlaster der(bei Mahmoud nicht verzeichne- 
ten) nördlichsten antiken Strasse. 5,5'" über dem Meere'. 

K-2: Verschiedene kleine Untersuchungen innerhalb des 
Forls Silsileh (Lochias). 

1) Nordost-Seite: Pflaster von Ri freigelegt, 5, '2™ über dem 
Meer. Darunter Best eines Kanals, daneben cylindriscbe Ci- 
sterne; die erhaltenen Pilasterreste reichten nicht mehr über 
sie hinaus. 

2) und 3) Nordwest-Seite und West-Seite. Kleine Beste rö- 
mischen Mosaikbodens aus Agath und anderen edeln Sleinar- 
len, -4,5'" und 5'" über dem Meer. 

4) Beim Eingang zum Fort, hinter späterem Mörtelmauer- 
werk einige Quadersetzungen ohne N'erband, hellenistisch, im 
Meeresniveau. 

Ä'3 : Bei der Abbroungsröhre des Hospitals im IJfersand 
wurde ein längeres Fundameutmauerwerk, Beste von Säulen- 
basen und ein jonisches Kapitell freigelegt, im Meeresniveau. 



' R3 ist unler dem .Museuiiisgcbäiide, die iiöidliclic FidtsL-lzuiig in /'i und 
11 i gefunden wurden. 

■^ Auf Taf. '.I ist difse .Strasse nielil angc^^^eben. Bei Foilseizung der Ar- 
beilen miissle diese Stelle eingebender unlersucbl werden. 



NEUE L'NTEHSIJCHIJNC.KN IN AI.KXANUniEN 225 

Kk : Griecliisclies Quaderwerk ohne Verband in der Nord- 
ost-I^cke des lUiinenvorsprungs (des sog. römischen Turms 
unterhall} der Kiislenwache) ', im Meeresniveau, 5-0 Schich- 
ten hocli, von uns nur auf wenige Meier freigelegt; es fülirt 
nach Westen und Süden in die liier besonders hoch aufra- 
genden Rrd- und Schuttmassen hinein und verdiente verfolgt 
zu werden. 

L: Graben etwa 3-2'" lang, in der Ricditung und neben der 
Strasse R-2 und etwas südlich von dem Kreuzungspunkt mit 
der Mahmoud gleichfalls unbekannten Strasse La . Heutige 
ßodenhöhe ft,;V"; die antiken Fundamente verfolgt bis zum 
Grundwasser. 

M : Kleinerer liinschnilt, etwa 50'" (»stlicb von /, hart an 
der Südseile der Feslungsmauer. Bei 8, '25'" Meereshölie das 
mahmoudsche Pflaster gefunden. 



' Diese Riiiiieii müssen essein, die George Visconti Valenlia. Vuyaqes 
and tvavels tu liulia IS'OQ-iSOG 111 S. fiM Itesclireibt, in denen ferner H. 
von Miimloli ( Aldiaiidliin^en verniischlen Inliallos.ll Cyeliis I, 1831, R. 15 
Aiiin. 1 I AiilVäuiMnngsarlieitcn vornehmen liess, in denen er ein Gebäude 
für Meer- und andere Bader erkaiuile (Valenlia lialle Tlionröliren inMürlel- 
betlen gefunden), und au deren einer Seite ein kleiner Hafen zu erkennen 
sei Die Maiierziige, die diesen gebildet haben sollen, sind auf der West- 
seile allerdinjis hcuU^ noeh im Meere zu erkennen, aber sie gehören sicher 
nicht zu einem ilafi-nabschliiss, da dieser ganze jetzt vom Meer bedeekle 
Küslenslreifeu mit all seinen unter dem Wasser noch sichtbaren Qnader- 
setznngen im Altertum trocken gelegen hat. Diese Ruinenreste bestehen 
aus römischem Hackst<'in - und i-isenliartem (iiissinauervverk, an das sieh 
landeinwiirls eine sehr regelmässig geschiclitete — arabische — Quadi.'rmauer 
mit rötliidiem Mörtelveiband anschliessi. Dazwischen ist jedoch (an dei' Ost- 
seile) mtch der Hest \om griechischem Maueiwerk sichtbar, aus gewaltigen 
Quaderblöcken ( durehselinitllicii !'" Imch und !'" breit, in drei Schichten 
erhalten) ohne \'erband. Sie ruhen auf einem Fundament von z. T. noeh 
grösseren Blöcken, die jel/l im Wasser liegen. Wichtig ist, da^s dieser of- 
fenbar lielleni^tisi;he Mauerrest in seiner Hiehtung mit den langen Qnader- 
linien corres|)ondirt, die einerseits an A'i anschliessen, andeicrscits bis A'a 
z. T. im Wasser zu verfolgen sind, und mit den Kumlamentcn Ä'a selbst. 
Obwcd diese sämnitliehen Quadergefüge, wie noch ge/cigl wird, älter sind, 
als die mahmoudsche Strassenanlage, so muss doch conslalirl werden, dass 
sie genau ebenso orienlirl sind nie diese überall da, wo ich deren 
Orienlirung nachiirülen konnte. 

.^■rHEN. Ml I 1 IM 11.1 N(.KN \\V. 15 



2% F. NOACK 

:V|-i: Kleinere b^iiisclmille östlich von der Nordost- Ecke 
des allen Lazai'cls, um Ri zu finden. Heutiger Boden 7.61'"- 
(i.o'^'" Meeresli()li('; hei •^.C)!'" noch immer Sehuttschichten ; 
in N\ spärliche Mauerresle, in N3 derÜherresl eines Mosaik- 
hodens ('1.1 "2"' liher dem Meer). 

iV;, : Grahen gei;en '2'2"' lan^i; (etwa SW nach iNO). Ileutiij;e 
Hodenhöhe 7'". Das Ptlaster von Ri 5"' (iher dem Meere, da- 
nehen hei '?.'»'" feuchter Sand. 

Schon aus diesen kurzen Auiiahen ist ersichtlich, dass wir 
es mit ausserordentlich hohen Schuttanhäutun<i;en zu thun 
hahen: teils gehören sie in neuere und neueste Zeit, teils ge- 
hen sie noch in das Altertum zurück. Während Schichten 
richtigen Gerölles, die schon leichten Schlägen der Macke 
nachgehen, sich last nur in den oheren Teilen linden und sich 
ans z.T. modernen Ablagerungen erklären (//i , G, D, E, /)' 
trelTen wir in grösserer Tiefe oft in sehr dichter Aufeinander- 
folge — schon auf 3- 4 '"senk rechten Ahstand — zehn und mehr 
Schichten aus massenhaften GelässScherhen gröhster Sorte, oft 
vermischt mit Asche und Knochenresten [C.D). Gewöhnlich 
wird der Boden, je näher man den ältesten, hellenistisch -rö- 
mischen Schichten kommt, um so fester und reiner (//|, ;{,',, Ä'), 
doch giehl es auch hier Ausnahmen und einzelne antike Ge- 
häudereste stecken inmitten höchst unerfreulicher Scherhen- 
und Schuttmassen (/y teilweise, L). Häufig st()sst man auf 
richtige Stollengänge, teils schräg in die Tiefe getrieben, teils 
horizontal mit kürzeren seitlichen und verlicalen .\hzweigun- 
gen (.!.//,/>). Die Lücken in den wenigen antiken Mauerziigen, 
die wir gefunden hahen, zeigen nur zu deutlich, dass dieBauh- 
gräher mit Eifolg gearbeitet haben. Imu hesonders drastisches 
Beispiel dafür bietet L, wo einige Säulenslümpfe umstürzten, 



' Diiicli das Aufweifeii der Fe.sUingsgiälien sind gntssc SUerkcii t,^■illz- 
licli uiiigewülill worden, so dass alte Ahlageriingen mit ScIiciIkmi römischen 
Glases und römischer Thongefässe jelzl oft über Schull und Müll aus die- 
sem J.ihrhiindcrt lagern (A, II}. 



NßUE UNTKItSfCHUN'C.KN IN AI.KXANDIUEN 22 ( 

als sie Ms zum Fusse iVoigoIegt waren, weil die Styluhal- und 
Fundainenlquadern darunter längst lierausgebroclien waren. 

Kin wichtiges Ergehnifs unserer Unlersucliungen ist. dass 
die ersten und ältesten Bauresle auf dem gewachse- 
nen Felsboden ruhen. Dessen Besciiafl'enheit stimmt an 
allen Beohachlimgsstellen (/ii ,[D.E],H.\ ,y)mit der Beschrei- 
bung der Geologen überein. Fraas, Aus dem Orient S. 175f. ' 
beschreibt ihn als 'einen leinen Kalksandslein, der lediglich 
aus Bruchteilen von Muschelschalen und wenig feinem farb- 
losem Ouarzsand besteht. . . anscheinend ist dies nichts wei- 
ter als ein verhärteter Dünensand' und in der Tliat lösen sich 
die einzelnen Bruchstücke durch Zerreiben leicht in feinen 
Sand auf. \\\v dürfen also sagen, dass Alexandreia (wenig- 
stens in seinen nordöstlichen Teilen) auf den nackten, nicht 
einmal überall von Humusschichten bedeckten Dünenboden 
gebaut war. Die Ablagerungen der Hirten- und Küstenwäcbler- 
Kolonie Bhakolis hatten sich soweit nicht ausgedehnt. 

Wenn die von einzelnen Geologen begründete Vermutung 
richtig ist'^ so war selbst noch in friililiistorischer Zeit die 
Mareotis ein olTener Meerbusen, den nur eine Reihe von In- 
seln aus härterem, gröberem Kalkstein (als der Bodenkalk von 
Ah'xandreia) vom olYenen Meer und der IMiarosinsel trennte, 
und die Tagereise, die Menelaos zurückzulegen hat, um von 
IMiaids nach Ägypten zu kommen [S 35ü), wäre durch die 
Fnlfernung dieser Insel von dem ägyptischen Festland, d. h. 
den südlichen oder östlichen Ifern der Mareotis zu erklären. 
Die Zwischenräume zwischen diesen Inseln waren dann sowol 
duich die Hebung der Küste wie auch durch die Ablagerun- 
gen des feineren und auch geologisch jüngeren Kalksleinsan- 



' Mir iiiclit zugäiiglicli, Das Cilal bei Janko, Das Della dos N'il, Buda- 
pi'sl I8"JU, SepuialalulriK'k aus ' Millcilun},'t'ii aus dem Jalirbuclie lier kgl. 
Ungar, geoldg. Anstalt' III, "J. Die Kerwiluiss der Selirifl verdanke icii R. 
Lepsius, der sie mir naeli AleNandrieu seiiiokle, und ^:lt'ieli/.eiti^; wurde sie 
mir auch von (J. Scliwcinfurlli als das Beste, was in neuerer Zeit iiher das 
Delta gpselirieben sei, j;enannl. 

■^ Janku a.a.O. S. J'.l'.i^^dO. 33U 1'. 



'2-28 



F. NOACK 



des iiesclilosson worden. Giebt es doch Beweise dafür, dass 
derarlijje \'ei;inderunü;en noch in neuerer Zeit am Gestade des 
Della sich vollzot^en haben, bei Gap Abukir'. Aticli in Alexan- 
di'ien kann man an den meist senkrecht abticslürzlen Ufer- 
hängen des Oslliafens vielfacli lieobachten, thiss oft in beträcht- 
liclier M()hc iiber (h^m Ufersand und über zahlreichen Schich- 
len mit antiken N'asenscherben und fragmenlirten Bauolie- 
dern schmälere und breilere Schichten u;anz feinen und rei- 
nen Dünensandes abgelagert sind, die sich von dem natür- 
lichen Hoden , wie wir ihn in nnsein Gräben erreichten , 
qualitativ nicht unterscheiden. Und in unsern Gräben selbst 
trafen wir gelegentlich auf so harte und schwer zerstörbare 
Sandschichten, dass die Versuchung nahe 
lag, nicht tiefer in diesen 'gewachsenen* 
Boden hinabzugraben {Bi , 6\ E) — und 
doch lagen auch hier antike Ivulturschich- 
len und Mauerreste und der wirkliche 
ursprüngliclie d. h. vor der menschlichen 
Besiedeln ng vorhandene Pelsboden oft 
• iii 1 noch mehrere Meter tiefer. Da hierfür 

jede Beobachtung von Wert ist. nenne 
ich auch eine Stelle in Sidi-Gaber (zweite Station der Ramleh- 
bahn); vgl. Fig. 1. Geht man dort an der malerischen Moschee 
des Sidi -Gaber vorbei nordwärts der Küste zu, so trifft man 
nach wenigen Schritten Beste der mit Basaltblöcken ge- 
pllaslerlen i-ömischen Strasse {a), die sich eine Strecke weit 
über dem hier senkrecht abfallenden und, wie man auf den 
ersten Blick sagen wird, gewacdisenen Felsen hinzieht. Sieht 
man aber näher zu, so erkennt man ant Fusse dieser felsen- 
harlen Wand (b) und in einem etwa einen Meter in diese ein- 
dringenden Finschnitt (c) zahlreiche ganz schmale Schichten 
mit Vasenscherben. Auch hier hat man es also nur mit gros- 
sen Massen abgelagerten und verhärteten Dünensandes zulhun, 
der etwa in frührömischer Zeit (nach dem Pllaster zu schlies- 




• Janivo a.a.O. S. 329. 



NEUE UNTEHSL'CHINCEN IN \ r.KX ANÜItlEN ^^D 

sen.s.u.) hierher geworfen wurde. In den meisten Fällen wird 
es sich um Üünenhildungen durch den vom Wind herbeigeführ- 
len Sand handeln. Doch sind auch elementare Üherschwem- 
mungen im Stande gewesen, solche V^eränderungen herbeizu- 
führen. Wir wissen davon durch die schriftliche Überlieferung. 
Bei der Katastrophe des 5I..Iuli 365 z B. drang die Flut bis 
7A\ den im Süden der Stadt "elei^enen S(dierbenhüji:eln. so dass 
SchilVe und Barken an diesen ( =-• tcüv ■/.ipy.ijAin) festsassen'. 

Von dem Dimensandst'^'in unterscheidet sich der Kalkstein 
aus den nahen Steinbrüchen von .Me\,aus dem schon das Bau- 
material der antiken Stadt zum grossen Teil genommen wurde, 
nur ganz wenig. Fr ist etwas härter, im Bruch weisslicher und 
mit kleinsten rötlichen und schwärzlichen K('»rn(!hen durch- 
setzt. In Brocken geschichtet und zerstampft bildet er. viel- 
leicht mit Zusatz von Wasser, einen festen l^eton, der auf den 
ersten Blick sich von Steinplatten kaum unterscheidet; wir 
werden ihm in den Schichten des Strassen kiu-pers begegnen. 
Ausser diesem Kalkstein von Mex wurde — von den edlen Ge- 
steinen natürlich abgesehen — als Baumaterial verwendet vor 
allem der Nummulitenkalkstein, der am Mokattamgebirge bei 
Cairo gebrochen wird. Fr wurde zu Maueiqiiadern, Grenz- 
steinen der Strassen iJ), Säulenbasen und Kapitellen (im Fin- 
schnitt der Bamlehbahn. Ä'3 und im Museum) und sogar. ob- 
wol er sehr wenig dazu geeignet scheint, zu Skulpturen- ver- 



' Neroiilsos, L'anrirnne Ale.raiidric S. v'O t". 

'■' Die neuesleii I'^iiikU' ;iiis dicsein Malcriiil si.iiiiiiifn ans dfiii wcsiliolicn 
Voioil Gahljiiii, (k-r sich üIkt (Iit allen licl I ni i sl iscli - rö 111 ist'li«»ii 
Weslnekropi»! e ( Ttpoajieiov ) ausfit'liiit | Sliahoii T'.l"). Nermitsos a. a. O. 
S. 75. Miiiiiloli a. a. O. 8. l IV.). Sclu»ii vur einiger Zeit hat durt die .Sot-jV/»' 
arcli('ulu(ftque ä'.Ue.raii((rieGrn[}yn\^cn veranslalleii lassen und Bolli hat n. a. 
auch ein grösseres Felsengrah freigelegt, dessen Reste conservirt werden : 
Eine rechleckige Orahkaninier mit flach gewölbter Decke halle an der einen 
Sehnialscite drei scliniale lange Grahkaininein für je eine I. eiche, «.ährend 
eine längere Nische an der ö>lliciien LanL.'seile von dem MiUehauni durch 
/.wei ans dem l'elsen ;;eliaucne dtuische i?i Säulen /.wischen Antiniilcilcrn 
gcireniil w.u . l)ic wolliclii' Langsciie war wnl clicnso geslaltel ; erhalten 
ist hier nur der nördliche ITcilcr und der unterste Teil der n.ichsten Säule. 

Die in den Felsen der Küste angelegten Clrahkammcrn sind auf eine weile 



?30 F. NOACK 

arlit'ih'l. Keiner (liriilc Basalt . iiiul zw ar wirklicher Basall. als 
SlrassoD^nastcr. cliciisd wie ein ;iiisstM"sl liarlei' hollcr Kalk- 



J^lri'cko wosllioli vom jiiossen Ilafonnntlo, wo rlio Kolileiiscliill'e anlegen, im 
Winter I8U8/99 gesprenjit und völlig zerstört worden, nm Raum für neno 
Qnaianlagen zu gewinnen. Zalilreiclie dieser Katakomben waren lang(> l»e- 
kannt und schon früher erwähnt. Minutoli a. a. S. 1 'i sprieht vnn den 
zierlieh hemallen Wänden einzelner Kammern; von einigen ausgedehnirn 
Anliigeii hat er Planskizzen gegeben, darunter auch von den sKgen.i unten 
'Bädern der Kleopalra'.die gleichfalls jenen Neubauten zum Opfer gefallen 
sinil. Viele Gräber .sind durch die Sprengungen zum ersten Mal geöil'net. 
viel mehr aber dadurch unmittelbar vernichtet worden. Soweit mir selbst bei 
der sehr rasch lorlscbreitenden Zerslörungsarbeit Beobachtungen möglich 
waren, bandelte es sich meist um Grabanlagen, bestehend aus einem nicht 
allzuhidien ( 2 - 4™ i viereckigen Mitlelraum, au dessen Seiten die im Quer- 
>chnitt wiederum viereckigen Nischen für die Leichen gewöhnlich in zwei 
Reihen über einander angebracht waren. Mehr als vier solcher Nischen 
neben einander habe ich nicht gesehen. Die Mehrzahl war völlig schmucklos. 
In finem Grabe, dessen unlerer Ti'il verschüttet war ( hier lag ein kleiner 
Rundallar (O.ifj hoch) aus Kalkstein), war an drei Seiten je eine Nische, 
davon zwei mit dekorativer Umrahmung aus Stuck. Bei der einen Nische 
waren links und rechts flache Pfeiler mit Kapitell, den oberen Abschluss 
bildete ein schmaler zweigeteilter Arcbitrav und ein Gesimse aus mehreren 
Kymatieii. Die zweite, die nicht in der Mitte, sondern in der linken Kcke 
der Wand sass, zeigte statt der Pfeiler kleine Halbsäuleben mit papyriisar- 
ligeni Kapitell ; die obere Hälfte des Architravs zeigte eine gellügelte Son- 
nenscheibe (die Flügel gemalt); ein kleines Zahnschnitigesimse trug einen 
flach gewölbten Giebel. Zur Bemalung dienten Rot, Weiss und Schwarz Kin 
reicheres Grab zeigte eiiw; flach gewölbte Decke im Mittelraum, an der einen 
Seite nur zwei Nischen, die aber höher waren als sonst (etwa l,'?"> ), neben 
einander, mit Stuckumrahmung, und im Sockel darunter vier, nicht gbieh- 
breile einfache Nischen ; Spuren der monochromen Wandbi'nialung waren 
spärlich erhalten. Kndlicb konnte eine kleinere Grabkaniincr, die in g(>- 
w(ihnli(dier pom[)eianischer Manier vieitcn Stiles ausgemalt war, eine V(»r- 
stelluiig geben vdii den 'zierlieh bemalten ' Gräbern , von denen Minultili 
a.a.O. S. |/| s|)riebl. 

Die meisten Kammern waren mii liii rine i.eirlie beslioniil, dneli kamen 
auch grössere KamniiTU vor. .Xiich in den l';illeii, wo eine \ui iieii;cii('ii<ie 
Dnrebwüblung kaum denkiiar war, konnte ich ausser den l "berri'sten des 
Skeh'tls nur Brnciistüeke von 'riinngelässeii gewöliuliehsler Art entdecken. 
Kiiimal fand sieb eine zei Inoebene kleine ,\in|ilioi,i mit llücbliger, lein (tr- 
namenlaler Bemalung, ein andermal eine sehr unl i-iballene. grosse, dick- 
bäuchige Alabaslcrvasc mit Deckel, olme iniiall. und ein etwa HiK'" hoher 
Vogel aus demselben Material. Von ilen <d»en erwabnien Skulplui Iragmen- 
ten sinil hervorzuheben ein stark lebensgrosser, männlicher, haltloser Kopf, 



NEUK LNTKBSUr.HIJNr.KN IN A F.KX A NDHIEN ^Sl 

slein. (Irr aus Oberiigyplen slaiiiiiil. welcher aber aiicli zu 
Scäülenlrointneln und Ouadern (L) •iebrauclil wurde. Für 
Fiindamenle scIieiiiL man j^ewölinlieli den einfachen Kalkslein 
aus Mex. genommen zu haben. 



Die Zuverlässigkeit des mahmoudschen Strassenpla- 
nes liess sich im allgemeinen durch unsere Grabungen besUi- 
ligen. Freilich ist an vielen Stellen. wo Mahmoud noch unbe- 
hindert sondiren konnte, jetzt jede Spur des alten Pflasters 
verschwunden; so sind die Strassen östlich und südlich 
vom Wasserwerk' durch moderne {Raulen vernichlet. eine 
wichtige Stelle, die Kreuzung von L'j mit Ri ist durch die 
Kairo- Bahn gänzlich umoestaltet^, und in den Schutthiiüfeln 
im Nonlosten, dem einsligen Juden viertel, wird heute noch 
so viel heimlich gegraben und gewühlt, dass von den alten 
Strassenzügen nur noch wenig zu finden ist \ Ich konnte trotz 



mit liiiapp anlit>^ell(|p|■ ll('linl\appf und luiolisl individiieileiOesicIitsItiJduiig, 
slaik verlel/J, mt'liicrc Biiiclisliicko (Hände, Arm und l-'iiss i von Kcdossal- 
staluen und der Torso eines Tieres niil lan.uliaarigeni Kell. Diese Brucli- 
stüclve slaninien niclit ans iXi^w Gräbern sellisl, sondern sind, naeli Boltis 
Angal)e, zu Tage gelvoniinen, als infolge der Sprengung der I'"elsniassen der 
darauliiiliende Scliutt mit jenen zusaininenstiir/.te. Eine inleressaule.liesser 
crlialtenc (jrjilianiage in den IJI'erfelsen hei Sjdi Gaher (Nilvop<dis) niüssle 
an der Hand der von mir gemacliten Aufnainnen l»esproclien werdeli, sei 
deshalb liier nur erwälinl. In ihrer Umgebung linden sieh /ahlreieln- Kala- 
Ivomben ähnlicli denen von Gabbari. 

Über zwei umlangreielie Grabanlagen der röiniseiien Kaiser/eil, die erst 
im Dezember 180'.) tifi gelegt wurden, lial jel/.l W. Tliier>eli beriehlel : liul- 
lelin de la sorirlr (irrh. il' Mcrainlric 3. Auch hier hat sieh in dem einen 
centralen liaume, um den sich die Grabnisehen grup[iiren, ein Altar und 
ein Wasscrbehäller liir salvrale Zwecke gelunden. Die arehitekloniselie und 
dekorative Ausslalliing, z.T. in Shickrelief.eiinnert an ähnlielie Deljiils der 
oben genannten ( iräber. 

' l'iimpslatiiin der ('uiupaijnir diw Kaii.r ausserhalb der arabi^eiien t'e- 
stungs\verk(\ 

'^ L'-2 II'. bezeieliuel die Strassen siidlieh von Li , der kanopiseheii, R'.- If. 
die Strassen östlieh von Ri . 

•* Die bei solcher heimlichen Seliatzgräbeiei iiberra.selitin Araber pllcgeu 



•?:V? F. NOAC.K 



liiiuliiier Oi'ienlii"ungsi;än^e nur noch einen spiirlichen l^est 
von L: linden . der olTenItar die Stelle einer malimoudsclien 
Sondirnni; hezeielinel '. 

Auf Grund unserer lkol);u',li(unj;en lnii;e ieh hinzu, duss die 
llaiiplslrasse Ri sich bis auf die llalhinsel Lochias ( A'-j ) l'orl- 
selzle, wie es Malunoud wol annalnn.aher nicht durch Grahnn- 
'^en feslslellte La (Maiiinoud unbekannt) setzte sich über R| 
nach Weslen fort: Uesle des Pflasters sind an dem steilen Ab- 
sturz der Küste mehrere Meter über dem iMeer (und über den 
Fundamenten Iva), zwischen Rl und R:^ noch sichtbar. Das 
Strassenptlaster an der Küste zwischen Ri und R'-^iKl) Ivann 
nur von einer weiteren l.änjjssirasse Lr, , die Mahmond nicht 
kennt, herrüliren. die von L', etwa so weit nach Norden ent- 
fernt war, wie die Zwischenstrasse südlich von L';i von 
dieser. 

Es ^e\\l aus der Konstruktion dieser Strassen (v^I. 
die Durchschnitte auf Taf. II) hervor, dass sie sämtlich zu 
demselben einheitlichen Strassennetz juehiHlen, das also auch 
das Quartier der KönigspaUiste unerbittlich uberzo<2;. Die Stras- 
sen dieser Anlajic waren üjepflastert. Mahmoud hat in seinem 
Memoire S. '^tS die Pflasleruni; kurz beschrieben: ce sont 
des blocs noirs ou i^risdtres d une vinLi^tamc de centinie- 
Ires d'e/xiisseiir siir une lon^iiedr et une lar^eur. f/ui va- 
rieiit de .'W ä 50 ctrs .... fres co/n/jfic/es et fort durrs. 
Dabei darf man jedoch nicht an iri;endwi«' regelmässig be- 
haiiene Steine, am weni<j;slen an einen rei'idmässiiien IMalten- 
b('la|j, denken. h]s sind vi»>lmelir ganz unregelmässig behauene 
Blöcke, di«' an der Oberlläcbe z\\ar einigermassen geglättet 
sind, zusammen aber ein keineswegs innuer sehr ebenes IMla- 



(Inrui iliiofn Unlioliaj^cn, lipoljaclitcl zu werden, (l.ulurcli Aiisdriielv zu pe- 
liiii, (lass sie einen liöclist liaiscli und polizeiniässig anlalnen, was man 
liier zu su(;lien lialie. 

' luden zaiilreielien Scliieliten unter diesem iMlasler waren viele \\'\sen" 
selierhen, auch einzelne Slüekelien sitp. äirviiliselieu iNnzellans sielitl)ar. 
Auf di'Ui l'llasler erliolieii sieh «eilere Sehiehlenjinuiiltelliar daraiiT lau' ein 
E-sUich aus Ziegelbiocken und Mürlcl. 



NEUE UNTEHSUCHUNGEN IN ALEXANDltlEN 233 

sler abgeben; von festem seillichem Anscbluss kann niclit die 
Rede sein: sie werden eben so dicht aneinander gefügt, als es 
die notdürftige liearbeitimg der Kanten gestaltet. Das \'obj- 
men (h-r Steine ist sehr verschieden und mag sich im Durch- 
schnitt in den von Alahmoud angegebenen Grenzen halten. 
Nur die Dicke lässt sich nicht auf einige 20 Centimeter be- 
schränken; gar manche lilöckc sind bis zu 35 und '»0"" dick. 
Sie haben überhaupt keine eiiiheitliclie Unlertläche und wer- 
den je nach deren zackiger oder ebener Torrn mehr oder we- 
ni^rer in die künstliche Strassenbettunü eingesenkt Diese Art 
der liehandlung erklärt sich aber durch das Material, das. wie 
erwähnt, der Dauerhaftigkeit wegen aus den ha i testen Gestei- 
nen (liasalt und harter Kalkstein) gewählt ist, die man nur 
soweit bearbeitete, als unbedingt nötig war. 

Spuren von lUidgeleisen haben sich nicht nachweisen lassen. 

Völlig undeutlich bleibt bei Mahmoud, dass dieses mäch- 
tige Pllaster an den Seiten fest eingefasst war durch eine un- 
unterbrochene Reihe oblonger Quadern. Denn aus seiner Rr- 
wähnung der deiix bords du /xivat^e ist keine klare Vor- 
stellung zu gewinnen. Wo wir diese Ptlastergienze noch an 
alter Stelle fanden, liegt sie entweder {B{ , /?-2 - Al ) in nahezu 
ganzer Höhe über dem Strassenniveau und bildet einen er- 
höhten Rand, oder ihre Oberlläche liegt im Niveau des Plla- 
sters ( /, N:,); wo sie etwas tiefer liegt, ist eine nachträgliche 
Senkung anzunehmen. Die einzelnen Ouadern sind nicht alle 
gleich lani,^ (O.SO - 1 .^T)'") ; ihre Breite beträft stets 0.50-0.55'", 
ihre Höhe 0,30-0,35'" Das .Material ist eiilwedcr einfacher 
Kalkstein von Mex (iVs, B2) oder iNummulitenkalk vom Mo 
katlam (7, /J\ ). VAnov i\e\' Grenzsteine in ./ zeigte an der Tn- 
teilläche zwei rechteckige Dübellöcher, hatte also vorher schon 
anderweitige V^ervvendung gehabt. 

Sehr wichtig war eine |{evisi(»n der .S t rassen b re i t en . Da 
in / der ü;rössere iKM'dliche Teil Avv Strasse durch die l'e- 
stungsinaiier zerstiu't war, und aiieli in />i Iveitie .\u.<siclit 
war. die jenseitige ( östliche ) Strassenureii/e noch zu linden, 
wurde der ( )ueii;ialteii />> heiioiiiieii iiiul 111 diesem nach we- 



234 F. NOACK 

nigen Tagen die Strasse R3 in ganzer Breite mit ticr beidersei- 
tigen Kalksteingrenze gefunden (vgl. Fig. '1). Die genaue Breite 
des l^tlaslei's innerhalb der Grenzsteine beträgt hier r).55"',mit 
deuGrenznuadern zusanirnen 6,r>.j"'; letztere sind hier also je 
0,55'" breit. Mahinoud giebt als Breite der Nebenstrassen 7'" 
an. Bei der Hauptstrasse gelten seine Masse für das Pflaster 
innerhalb der Grenzsteine; wollte man für die Nebenstrassen 
dasselbe Verfahren annehnien , so würde der Widerspruch 
(5,55'" statt 7'") noch aulYallender werden. Allerdings weicht 
auch an einer anderen Stelle unser f3efun(l von seinen Ani^aben 
bedeutend ab. An der llauptquerstrasse R| ,die von den Palä- 
sten der Lochias (|uer durch dieSladt zu dem Hafen am Nil- 
kanai führte und diesich schon durch die besondere Breite von 
[k'^^eritre les deu.r bords du /^r/iY/w-^? auszeichnete, hebt Mah- 
moud noch eine weitere Eigentümlichkeit liervor. Sie zeige 
nämlich zwei Teile du nieme niveau et d'e^ale larifcur, de- 
ren östlicher gepflastert war, wie die anderen Strassen, also 
als Fahrslrasse diente, während der westliche nur chaussirl 
war : er zeigte une sorte de maconiierie composce de chaux, 
de terre, de petils cailloux et de petits niorceaux de nioel- 
lons. Getrennt seien beide Teile, Beit- und Fahrweg durch 
einen 1'" breiten llumusstreifen ; es habe hier also gewiss eine 
Baumreihe gestanden *. Fine Nachprüfung dieser Angaben, 
die, soweit ich sehe, allgemein angenommen worden sind und 
bereits zu mancherlei Scblussfolgerungen gefuhrl hallen '\ 



' MhIiiuoiuI. Mhnoirc S. 2.3, jetzt auch cilirl von Hntli, Lr Plan de la 
iHÜe d'Alccaii'lrie S, 1. 

2 Botli z. B, a.a.O. S. 2 vorj;licli damit SlialmiiN Wdilr: a-a^a aiv ouv 
(nöXij) oooi; /.aTaT£[ivr)Tai t;i::»]X«Toi; y.ai äp[j.at»]XäToi5 iiiul sclilnss daraus, und 
weil die IIaMpt(|Uorstias.se iilicr ein Pletlii«»n liicit gewesen wäre (Slra- 
bnn ), dass diese vun Malirnoud festgestt-llte .Strasse sich von den übrigen 
Strassen nicht atisgezeiclinet hahe, und er gieht infolgedessen allen Nc- 
lienslrassen auf seinem Plane dieseihe Breite, d. h. I."»,'i3'" einschliesslich 
rler Tioiioirs — ein w illkiiriicher Schluss, der schon durch unseren Befund 
in II widerlegt wirtl. Ausserdem setzt schon ('aesars Bericht hell, civ 3,112,7 
enge Gassen im Hruchium voraus. Die Nelienstrassen in l'riene sind nur 'i'" 
lircil ( Arch. Anzeiger 18117 S. IHI ), die llaupisirassen (i -7™. Kine Strasse 
im Piraeus ist 14 - 15'" breit (in dieser Zeitschrilt IX »S. 281 ). 



NEUE L'NTEItSL'CHUNGEN IN ALKXANÜli lEN V.3o 

musste sich daher hesonders interessant gestalten. Nachdem 
die Grabungen in Ni-'i zu keinem p]rgebniss geführt hatten, 
wurde der Graben A^:, Ijegonnen und schon nach wenigen 
Stunden das Strassenpllaster erreicht (vgl. Fig. 2. 3). Aber das 






1: 200 






^1 Estrich 
^^ Qtuadeni 



Fig. "2. — Schnitt diircli Suasse Ri in N. 



Strasse Rl 




1 : ^00 



V'ii:. A. — Plan der Strasse Ri in .V. 



Pflaster hat hier nur eine Breite von 'i,7"', obwol t's in ganzer 
Breite erhalten ist. Denn erhalten ist zunäclist auch die west- 
licheGrenzsteinlinie mit O,.")!)'" hreileu und (l..)()-(),.H.-)"' hohen 
Quadern. Auf der Ostseite fehlen zwar die.so Greu/.sleine. aber 
das IMlaster hiirt in einer so scharfen, ilvv wcsilichen Grenze 
genau paralleh'n Linie auf, dass für mich kein Zweifel war, 
dass sich in (h-m mit loidvcrem Scluitt gehiMlcn l^aiimc dane- 
ben einsl eine gleiche Steiiiselzung befunih-n habe, luv ilie- 
ses IMlaster würde sieh liann eine Gesamlbreite von r),7"'(ein- 
schliesslicii der Grenzsteine) ergeben. Diese Annahme lindet 
dadurch ihre Bestätigung, dass der für die i')stliche Sleingrenze 



V!)!) F. NOACK 

vi'i'liigbai'e Kaum ulxM'lianpl iiiclil viel ln'i'iler.liöclistens 0,75- 
O.Sd'" l)reil ist. Dann folgt sclion wieder ein fester l^jstricli, der 
selbst (las Niveau des Pllasters erreielit. und der nach Westen 
d. Ii. nach dem Pflaster zu. noch etwas hreiler j^ewesen sein 
kann. Ivs ist also in der Tliat nur der Platz tür die Grenz- 
steine frei, der vernniirKdi, als man diese herausriss, ostwärts 
durch N'erlelzunii; der urspruni;lich anstossenden lilstrichschicht 
etwas verbreitert wurde. .\uch (hM'en äussere Beiirenzunii durch 
Quadern ist zerstört worch^n. Der l^]strich liess sich nämlicl) 
bis zu einer Breite von 7,3'" verfolgen ; liier schloss er in ge- 
rader, der Strassengrenze paralleler Linie ab, weiterhin fand 
sich nur lockerer Schutt. Zu der Annahme, dass der geradli- 
nige Abschluss auch hierdurch eine ursprünglich vorhandene 
Grenzsteinselzung seine iM'klärung linde, glaube ich durch den 
Fundbestand auf der Westseite der gepflasterten Strasse be- 
rechtigt zu sein. Denn dort stösst uuiniltelbar an die Grenz- 
quadern ein gleicher h]slrich an, der nach einer Breite von 
5, 70'" selbst wieder durch eine 0,55'" breite Quaderlinie ab- 
geschlossen ist'. Beide Kstrichstreifen sleigen vom Niveau der 
gepflasterten Strasse (5,18'") nach aussen zu gleicher Höhe 
(5,38'" bez. 5,40'" über dem Meere) an. Also ein h'ahrwegmit 
Plbster in der Mitte und links und rechts je ein leicht an- 
steigender, chaussirter Weg: das scheint doch eine zu ein- 
heitlich erdachte Anlage zu sein, als dass sie durch die un- 
gleiche Breite der beiden Nebenwege 6,3'" bez. 7,3'" (mit 
Ouadergrenze 7,8'") unwahrscheinlich gemacht werden könnte. 
Übrigens würde auch das Pllaster als östliche Hälfte zusam- 
men mit der chaussirten westlichen Hälfte (12"") hinter dem 
mahnioudschen Masse bedeutend zurückbleiben 2. 



' liier lialip icli imlci den l-jshicli liinmitiM' pjopialM'ii ( im Diirclisclmill 
Fip:. 2 isl, (Imcli ImIIi'H' ScInalliriiiiL; dtT ausi;ct;ialtciii' Tril ;iii};<'(l(Milcl ) ; 
die slnfeiiaititini Quadoiscl/iiii^cii an der ^\'('^l^^ell/e, die siili \[\\\(iv dem 
Esirieli laiidrii, weiss irli iiielil zu eii\läieii. 

' N(»cli weiiigei Ireilicli sliiiiml da/u Slialioiis Hreileiiaii|.;aiM! ( 7'.(."{ ) : über 
ein I'ielliron Iticil. Nur in der relali v p;rö».seieii Breite im Vergleich zu 



NKJJK IINTKUSIJrHUNIlEN' IN AI.KX VNIJIUKN TSl 

E'\nv Übeieinsliiiiimin^ mit iVlalinioucIs Anj^ulje liissl sich 
also auf keinen Kall erzielen. Auch der von iiirn zwischen Ptla- 
sler und wesllichern f^^slrich trpfundenc ' lliimusslreiren' lässt 
sich nicht linden. Der iielon, auf dem das Pllasler ruht, setzt 
sich rüimlich ununterbrochen nach Westen und Osten fort, 
so dass nirjj;ends eine ^eniiiiende Wurzeltiele für liäume vor- 
handen wäre. Ea hleiht daher nur die Vermuluni^ übri<j;, dass 
Mahmoud bei seinen Sondirun^en auf Stellen traf, wo die 
westlichen Grenzquadern des Pllasters — «gleichwie in iV.-, die 
östlichen — geraubt waren und der so entstandene leere Kaum 
mit lockerer Erde gefüllt erschien. In der Strassenmitte mochte 
er eine Begrenzung mit Ouadern für überflüssig und die an 
ihrer Stelle vorgefundene Füllung fiir einen beabsichtigten 
' llumusstreifen" hallen. Auf die Baumallee müssen wir also 
verzichten ! 

Versuchen wir schliesslich noch die bei der Untersuchung 
gewonnenen thatsächlichen Masse mit den antiken Massen zu 
verjjleichen, so ersieht sich, dass nur der ilaliscli-makedoni- 
sehe Fuss (U,'"275 bez. 0,577'") in Betracht kommen kann. 
Ich stelle die Masse aus IJ> und N-o zusammen : 

1) //i lief und : Grenzstein Ptla.sler Grenzstein: 

0,5.") -}- 5,5') -f- 0,55 = 0,05'" 

in i'^isseii zu 0,275: •.'(0,.55) 4- -.'0(5,50) + -.'(0,55) = (O.OO'" ) ■2i' 
in Füssen zu 0, -277: -2(0,55'») -{■ -20(5,54)4- '2(0,55'i| = (0,Ü'i8'" ) -24' 

L') Nu Belunil: 
Grenzstein Esliicli Gienzst. IMlaster (Grenzsl.) Estrich (Grenzst.) 

0,55 -f 5,75 -f 0,5 -f 'i.7 + (0,55) -4-7,^5 '\ (0,55) = 10,85"' 
in Küssen zn 0,275'" : 
•2(0,55) -21(5,775) -2(0,55) I7('i,(;75) 2(0,55) •2(;(7,I5) '2(055) =(l0.80i7-2' 
in Füssen zu 0,-277"' : 
2(0,554) 21(5,817) 2iü.55'i) 17('i,7(IO) 2(0, 55'i) •20(7,-20-2) 2(0, 55i)=(i9.94-4)72' 

Diese nahezu v<dlig(! Übereinstimmung s(dieint mir wenig- 
stens soviel zu beweisen, dass das Funilergebniss in A:, für 
sich bestehen kann, bestätigt aber auch, dass Frdmann ( Zur 
Kunde {\i'\- hcIlenistischtMi Slädtegründungen , Strassburg 



den andern l^aiallelslias>«en lioi;! die Iheieinstiniuuinu, dii- darum diudi mui 
Werl ist. 



^38 F. NOACK 

1883, S.l-^ff.) Malitnoiid gogomihor Recht Ix'liält, und woder 
der sriecliiselie noch der nliileläriscdio Fiiss in i^^raü;e kom- 
nien. Unerlvliirl hlciltt fVoilieli, weslialh dio Breite der beiden 
Seilen\veü:e so iinü;leicli ausü-efallen sein sollte. Schon darmn 
wäre eine Naci)()riir(inj; des Befundes an einer oder mehreren 
anderen Stellen derselben Strasse sehr wiinschenswert «rewe- 
sen. I^eider hat sich gerade aiiC dieser Strecke in den letzten 
Jahrzehnten so vieles verändert, dass die Zahl solcher Stellen 
sehr beschrankt ist. Um so mehr war zu bedauern, dass die 
Unlersucbunii an einem Punkte im südlichen Stadtteil, zwi- 
schen L'a und L'i , wo noch obendrein der antike, noch beule 
in Gebrauch befindliche Süsswasserkanal . der die Ostseite 
von R| begleitet, sichtbar ist, an dem Einspruch des Besitzers 
des Terrains scheiterte. Die Controlle kann hoffentlich unter 
günstigeren Verhältnissen nachgeholl werden. 

Wir wenden uns zu dem Strassenkörpe r unter dem 
Ptlaster (vgl Tal". II) Die Grenzquadern ruhen auf ei- 
nem nicht immer gleich starken Füllwerk aus Bruchstei- 
nen. Die Pllaslersteine selbst sind in einer loseren Anschüttung 
(Beton) von Erde und kleinsten Steinbrocken gebettet, die 
aber nur soweit, als zu diesem /weck gerade nötig ist, hinab- 
reicht. Unmittelbar darunter beoinnt eine Beihe fester weis- 
ser Schichten, die durch verschieden hohe AulVüllungen aus 
Erde, Scherben, Ziegel-, Marmor und SttNubiocken von einan- 
der getiennl, in beträchtliche Tiefen reicht: in / bis 'i."?'" un- 
ter das Pllaslerniveau, in Bi wurden sie wenigstens ebenso 
weit verfolgt. Diese weissen Schichten, deren Dicke nirlit im- 
mer dieselbe ist', bestehen, wie schon erwähnt, aus Kalk- 
slein von Mex, der offenbar in Brocken aulgeschichtet und, viel- 
leiclil unlei' Zusatz von Wasser, zu eiiuM- sehr dichten und 
steinliaricn .Masse zusammengestampfl ist '. Im* ist ganz rein 



' Sic bewegt sicli /.wisiiieii ;!-,"•';'" und 10 l.ö"": in /-'j sfclis iiiiil in ./ riinl 
(lickoiv inul aussridiin niclin-it' diiniiere Soliiclilfn. 

- Almlicli konsUuirl war die IlaiipIsUasse in l\vn,'nt' ( Mciclvid, Ingeni- 
t.'iii It.'clinik im Altcrluiu 8.4311). 



Srhiiil"!" du roh 

die Län()sslr<Ksso L2 in J, 

im Mcisshil) i '■ 100 





iid 







AuFg.u gez. v. F Noack 



Sc.hniri- (luirli dir OnoKsh-assc Rs.und (lni'H 



i Ar-ii/>i.s< he 
\/<r'sfiiii(/siiifiiif'r 





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('l>äii(l(Mr,sro von /J /. 1111(1 //:< 1111 MassNil) 



NEUE UNTEHSL'CHUNGEN IN ALEXANDItlEN 239 

und mivenniscilt : nur selten ist einmal t'ine Nasensclieibe 
oder ein Stiickehon bemalten Kalksteins hineingeraten. Diese 
kiinstlicli iiergestelllen Scliielilen dürfen also nicht mit den 
vielen z.T. ausserordentlich diinnen Schutt- und Ahla^erunss- 
schichten verwechselt werden, die man z. H. am Absturz der 
Rüste studirt'n kann. Andererseits ist es undenkbar, dass eine 
derartige, mitunter über 4'" hohe künstliche Schichlun'' einzia; 
nur wegen der grossen gepflasterten Anlage hergerichtet wor- 
den sei. I*]s muss vielmehr von vornherein angenommen wer- 
den, dass man zu verschiedenen Zeiten den Strassendamm er- 
neuert und soweit nötig angehöht habe. Aul" einer Unterlage 
von Schutt- uml h'ullmasse wurde in iler nun einmal übli- 
chen Weise, die man übrigens noch heute in Alexandrien 
anwendet, der feste Estrich aus Steinbrocken bereitet. Er 
liat Jahrhunderte lang als Strassenbelag genügt, bis man end- 
lich einmal über dem stark em[)orgewachsenen Terrain einen 
durchgreifenden Strassenneubau mit Pflaster und Grenzsleinen 
vorgenommen hat. Mahmoud nennt diesen römisch, weil er 
1'" und mehr ül)er dem .vo/ />//////>//' liege und von diesem in 
den nordöstlichen Stadtteilen durch de la terre de demolition 
getrennt sei. Wenn wir heute sicherer urleilen können, so ist 
das durch die Untersuchungen in B und J ermöglicht wor- 
den. Dort liegen nämlich in der Tiefe auf beitlen Seiten des 
Slrassenkörpers die Reste mehrerer Bauperioden übereinander. 



Der Thatbesland ist folgender (vgl. Taf. II iinl Kig. 'i ). 
I) li\ westli(di von der Strasse R;{ : 

a) Auf einem .\bhang des natürlichen Felshodens, der nach 
Norden ansteigt, liegen die spärlichen Hesle eines grossen Ge- 
bäudes (r/, im Plan kreuzweise schraflirt); der Fels ist fiir die 
Aufnahme einzelner (^)nadern erst geglätli'l worden, (lonti- 
nuirlieh erhallen isl ein .Mauerzug, der auf I I ..'»'" freigelegt ist; 
nordwärts setzt ersieh in dem etwa 7'" hoch anstehenden l">rd- 
reicli fort. Am südlichen l'^nde biegen einige (^uadein im 



240 



F. NOACK 




I : 2011 



Kijj;. '(. — Plan viui Hi iiml //.' . 
( Qucrsoliiiill s. auf l'af. I 1, iiiilni ). 



NEUE rNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDÜIEN 2'll 

rechten Winkel nach Westen um und zu diesen parallel und 
etwa 2, 5'" südlich von ihnen liegen noch mehrere Quadern ' in 
zwei Schichten übereinander an ihrer Stelle, in diesem 2,.j'" 
breiten liaume steigt der dreilach abgestufte Felsboden von 
0,09 zu 7,11'" über dem Meere. OflVnbar lagen hier weitere 
Quadersetzungen, so dass einst ein sehr massives Mauerwerk 
sich hier erhoben haben muss. Die Erklärung für die fast 
gänzliche Zerstörung giebt ein grosser Stollen, den man von 
Süden her gerade in das Massiv dieser Mauer getrieben 
hat — wol zur Zeit eines früheren Festungsbaues, ^^*as da- 
bei ausser den südlichsten Quadersetzungen von der Mauer 
erhalten blieb, ist jener Mauerzug auf dem noch weiter bis zu 
ü,21"' Meereshöhe ansteigenden Felsboden. Fr besteht heute 
aus einer Ausgleichsschicht von Steinen verschiedener Grösse 
und Höhe und drei bez. vier darüber geschichteten Lagen von 
hochkantig gestellten Blöcken mit starker lUistica,in scharfem 
verbandlosem Anschluss. So derb die Wandtläche erscheint, 
so kann sie doch nicht zu einem tief hinabgeführten und ur- 
sprünglich im Boden verborgenen Fundament gerechnet wer- 
den : dass sie sichtbar war, geht aus einer Abarbeitung her- 
vor, die an einem Teil der Uustica (bei a) einmal vorgenom- 
men war. Die so gewonnene glatte Fläche war leicht gerillt, 
um als Grund für eine dünne Sluck\erkleidung zu dienen, 
die einlärbiji!; blaui^rün bemalt und unten mit einem IO""brei- 
ten roten Streifen sockelartig geschlossen \vorden ist. 

b) In diesem Zustande der Zerstörung, wie er sich heute noch 
zeiüft^, muss sicii die Mauer befunden haben, als das nächste 
grössere Gebäude von Osten her an sie angebaut wurde, im 
gleichen Niveau, auch auf dem gewachsenen Felsen (A. im IMan 
einfach schraüirt). Dass es jünger ist als jene Mauer, ist zwei- 
fellos : die Querwände slossen an die alte Mauer nur an, ohne 



' l-l.KV" lang, U,5(.l- 0,.'ȟ'" l>icit iiiul .fT - 0, 1 1'" , ilii' olteislc Sohictil 
Ü,54ö"' hoch. 

2 Die ohcn i-i w.ihiili' Zcrstiiiuiig tlinch liaulihaii hat nur die wcsUicheii 
und siullichrn Maucislückc ;;oliollVn und koninil Im das l luigt' nichl v\<-i- 
Icr in BoUachl. 

ATHEN. MITTHEU.UNGEN XXV. Ib 



1\1 F. NOACK 



oinziilnndon ; aussrrdeni setzt sich der erwiilinte Stuckbelafi 
liinter der einen Ouerwand lorl, war also vor dieser schon 
vorhanden. Da ferner der Überrest des älteren Mauerwerkes 
anfeine sehr slarke. niassivt^ Anlage schliessen lässl und die 
Zerstörung seiner oberen Teile, 'lie der zweite Bau vorai.s- 
setzt, eine sehr tj;ründliche »ewesen sein muss, wird zwischen 
der I-^rrichtung beider .\nlao;en eine beträchtliche Zeit ver- 
strichen sein. Dazu kommt die ganz andersartige Konstruk- 
tion des Gebäudes der zweiten Periode. Dessen Fundament 
wird von kleinen regelmässig geschichtelen \\ iirfelsteinen ' 
•jebildet mit ziemlich starkem N'erband - aus reinem Lehm 
und Sand, die zugleich bei dem stark ansteigenden lioden als 
Ausgleichsschichten dienen. Darauf liegt eine durchgehende 
Quaderschichl von 0,5'" Höhe und O.S'" Breite. Ihre obere 
Fläche ( 8, '27- 8,^9'" über dem Meere) bezeichnet auch die 
Höhe der (einmal erhaltenen) 'riiürschweile und die Fussbo- 
denhöhe der emzelnen Räume des Gebäudes. Die etwa 0,1'" 
hinter der Flucht der Sockelquadern aufgehende Wand hat 
die Stärke einer durchgehenden Quader. Die einzelnen Wände 
sin<l nahezu gleich dick''; auch die Ilöhenmasse der einzelnen 
Schichten unterscheiden sich kaum voneinander''; die letzte 
ren bleiben meist ein wenig unter dem Zweifachen des itali- 
schen Fusses, die Breitenmasse stehen z. T. ein wenig darüber. 
Doch können wir nach dem ganzen Charakter des Gebäudes 
keine bis auf die kleinsten Masse exakte Technik verlangen 
und dürfen daher wol sagen, dass in» allgemeinen amdi hier 
der italisch- makedonische Fuss als Finheil erscheint. 

Das Material ist Kalkstein von Mex. Die Quadern schlies- 
sen mit ganzer l-"läche und tadellosen Fugen aneinander, ohne 
jeden V'erbainl. Sowol aussen wie innen sind sie mit einem 
dünnen Verputz ubcrzogvn, iler durchschnitilitdi .')""" dick ist, 



« Höhe O.IS-OJD"". Vgl. Taf II iintni. GIrioli." M;)s.s(> iiixl 'IVchiiik tiei 
einem Maueiiesl in G ( s. n. ). 
a Dicke (i,ni -(i,(l|>. 
3 Je, ::iiinial (I, .").■"), O.fiT, U,.").S.") iirul li.Cini . 
* (I,i7-(i,'i8; ll,'i'J-(l, .'.(!; (I,.'.(l"' . 



NKL'K INTKUStT.IllJNr.EN IN A I.KXAN DlilKN ^\'.] 

im Bruch weiss, olinr Spur von rotem Ziegelstaub; blassblaue 
Fai'bsjjuren erinnere icli inicli nur an einer Stelle gesehen zu 
haben. Wo der Verputz fehlt, ist der zu seiner Aufnahme 
durch schwache Killen hergerichtele Mauerkern sichtbar. 

Das Gebäude ist am stärksten im Süden zerstört, und zwar 
ulTenbar durch neueren Kaubbau. Auch die Nord-Ecke hat un- 
ter einem Raubstollen gelitten. Die Fortsetzung des Baues 
aber muss, ebenso wie die des älteren Mauerzuges in der Erd- 
masse im iNorden gesucht werden. Von der Plananlage zu er 
kennen ist ein grösserer Baum (7,8.""/" zu '1,8'") und minde- 
stens drei kleinere Gemächer. \'on den ThürölTnunsen sind 
zwei (•]/, (jjj mit den beiderseitigen an die Wandquadern an- 
gearbeiteten Laibungspfoslen, Thii ranschlag und liiegelbalken- 
löchern T" bez. l,ry"hoch über der Schwell»' erhalten: von 
einer dritten nur geringe, aber sichere Beste. Ob die fast 15'" 
lange Ostmauer Aussenmauer war, wird dailuich fraglich, 
dass gegenüber der Thür des grösslen erhaltenen Baumes an 
der Aussenwand ein schwächerer Thüranschlag (^) gleichfalls 
aus dei' \\ andijuader heiausgearbeitet ist. Da das Gebäude 
mit dieser Langseite nahe der Strasse lag, liesse sich höch- 
stens eine l^arallelmauer dicht bei der erhaltenen, d h. ein 
langer schmaler Corridor mit einem Zugano; an dieser Stelle 
annehmen, wenn nicht ein grösserer Teil des Gebäudes ei- 
ner erst nachtiäglich angelegten Strasse zum Opfer gefallen ist. 

Kleinere Beparaturen und Einbauten können in diesem Be- 
lichte uheigangen werden. .Nureine stärkere Veräntlerung be- 
dari der Erwähnung, weil sie für eine längere Benutzung die- 
ses Gebäudes spricht. Den mittleren Teil hat nämlich ein Ge- 
werbetreibender mit Anlagen zu Wäschereien oder dergleichen 
versehen (Fig. o. Oj. Zwei Thüren (^j/, w) sind zugemauert, 
vor der dritten eine Ouerwand .r gezogen, an zwei Stellen sind 
in die (^uaderwand Hache Nischen (jij>l/\ )', eine davon [i/j bis 
zum Boden reichend -, eingehauen worden. Dieser letzteren 



' Dir kk'iiitMX', aiisisailigc | l-'ig. :>,//i ) lial mm sicli fiiu'ii Ivli'iiu'ii Trog. 
- I,(i;i'" liofh, Ü,G3 biL'il, 0,:>-2 lief. 



Vl'l F. NOACK 

goiiomilxM' ist (Mii kh'int's Bassin (r). O..")'" Iioeh ' ans Hrockrn 
dicker 'l'hongelässe aulj^einaiiert. Der Hoden vor der Nische isl 
erhöhl und ist ebenso wie deren unlere Hiilt'lc und das Innere 
des Bassins niil einer dicken Schichl hydraulischen Mörtels 
überzogen. Zwischen den beiden zujicniauerlen 'riiüren isl der 




Fi«;-, j.— Üiirclisclinill. 




l-'ig. ('). — Oniiuli iss. 

I'jiili.uilrii in (li.-r v'. Bau|itMii)(l(' von // 1 dnicli Imi i/uiil.ilc 

ScIii'Mtlinini;' liervnrgoliobrn ). 

Hoden i'asl 0.5'" tiefer iieit'i;l, zwei Slufen füiiren hinab, und 
an den wesllichen 'riiürpreiler der südliclien Thür isl eine 
(binne Querwand (tr) ant;ebaul,die nur eineO. V" schmale 'riiür- 



'■ 0,80"" zu (),.". I. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXaNDRIEN 245 

ölTnung nach dem kleinen Nachbarraum freilässt. Dieser ist 
durch den weilcrcn l'^inhaii t^'nes kleinen Bassins ( :i )', hinter 
der oben erwäimlen j^rösseren Nische, nocli verengert wor- 
den. Doch ist das, wie sieh aus der Abfolge der verschiedenen 
Stuckschichten ergieht, bereits wieder eine nachtriigliciie Ver- 
änderung der ersten Einbauten. Auch hier ist der Boden und 
der Fuss der Wände z. T. mit demselben rötlichen Mörtel 
überzogen, alle ül)rigen Wandtlächen mit einer zweifachen 
5-3""" dicken Stuckschicht (t>), die jetzt weiss erscheint Nur da, 
wo diese bei dem Abschluss des zuletzt erwähnten Bassins mit 
hydraulischem Mörtel liberslrichen war. hat sie eine dunkle 
graublaue Farbe bewahrt. Auf beiden Stuckschiciiten sind 
durch scharfe, in den noch weichen Stuck gezogene Linien 
Ouadern 2 imitirt: die obere Schicht ist also bereits eine Re- 
paratur der ersten duriintrr befindlichen und geht andrerseits 
selbst wieder der Finfugung des letzten Bassins (rj) zeitlich 
voraus. Irgend welche Spuren von .\b- und Zuleilungsröhren 
sind nicht vorhanden. 

Als man derartige Einbauten vornehmen konnte, musste 
das Gebäude endgültig aufgehört haben, seinem ursprünglichen 
Zweck zu dienen. 

c) Die zunächst zu erwähnenden Mauerzüge setzen wieder 
eine völlige Zerstörung aller Anlagen der zweiten Bauperiode 
voraus. Deren sämtliche Mauern waren bis zur dritten bez. 
zweiten Ouaderschicht hinab zerstört, als man darüber ein 
neues Gebäude errichtete (im Plan unterbrochen schrallirt). 
Erhalten waren davon nur einige wenige Mauerresle. die wir 
im weiteren N'erlaufe der Grabung abbrechen mussten Sie 
benutzten die älteren Mauern als b^indament, Hessen sich \on 
diesen aber deutlich scheiden, am besten da. wo sie auf dem 
Mauerresl des ältesten Gebäudes a, das ja auch in der zwei- 
ten Periode gedient hatte, errichtet waren. Hier lag zuerst eine 
z.T. aus (V^y iMaiierllucht beträchtlich vtif.Npriiigende Schicht un- 



' 0,85 zu 0,'J3">, Ü,8 liücli. 

^ Von 0,'2-i-O,-2y'" Hötic und 0,-J8-0,-J'J"' Bieile. 



F. XOAC.K 



regelmässiger Steine und erst auf diesen wieder in drei Schich- 
ten besseres (}iiaderwerk, das jedoch bezüglich der Sorgfalt 
der Tecimik mit den Mauern von h nicht zu vergleichen war. 
Verschiedene (^uerniauern teilten kh^ne Kammern ab. Dar- 
unter ist eine Zwischenmauer c\ bemerkenswert, die auf kei- 
ner alteren Mauer errichtet war und zu deren Fundamen ti- 
rung man ältere liauslücke verwendet hatte. Diese boten ein 
überraschendes Bild : es waren nämlich neben einander ge- 
schichtet 8 Säulentrommeln (Durchmesser O.'i'?'") und Pfei- 
lerstücke mit Viertel- und llalbsäulen, alle mit einer kräfti- 
gen Schicht sehr feinen Stucks überzogen. Kleine Bohrlöcher 
und vertikale Rillen, in die der Stuck beim Aufstreichen ein- 
drang, dienten dazu, ihn auf dem Steinkern festzuhallen. Der 
Stuckmantel war weiss gemalt, nur die unteren Trommeln 
und Pfeilerstücke waren ganz oder teilweise mit einer zweiten 
Stuckschicht überzogen, die an allen gci-undeten Flächen rot, 
an den ein- und ausspringenden Fcken gelb bez. schwarz be- 
malt war. In technischer Hinsicht ist interessant, dass durch 
ein auf der Oberseite der Steine eingeritztes 
Netz paralleler und sich rechtwinklig schnei- 
dender Linien die für die Form des Steines 
massgebenden Punkte bezeichnet waren (Fig. 
7. Die eingeritzten Linien sind punktirt, die 
Stuckverkleidung ist schrallirt). Fin ähnliches 
Verfahren liess sich auf der Oberfläche eines 
grossen Kapitells korinthischen Stilsaus Num - 
muliten -Kalkstein im l^inschuilt der Ramleh- 
Hahn beobachten. Das Gebäude, aus dessen 
'rriimmJM'n diesem, an besle pompcianische 



; 1 j 


1 1 1 

; i ! 



1: 20 



Fig. 7. — l'feilcr 
aus (.1 in \\\ . 



Technik ii;emahnenden Bau^^lieder liierlierue- 
schleppt und \erbaut wurden, stand gewiss noch unversehrt, 
als auf einei- seiner Säulen einige Gralhti eingeritzt wurden. 

Ich vermag nicht völlig sicher zu entscheiden, ob diese so 
fundamentirte Mauer noch zu dem Gebäude der dritten Pe • 
riode gehörte, oder bereits zur folgenden, letzten. 

d) Denn eine vierte Bau[)erio(le anzunehmen zw ingl uns den' 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIKV 247 

liest einer Mauer, die sich unmitlelbar wesllicli von den bisher 
erwähnten Ruinen von Süden nach Norden erstreckl und ihre 
Fortselzung ebenfalls in den im Norden anstellenden lürdmas- 
sen hat (im Plan mit I^unkten gelullt). Höhenlage und Technik 
geben die [Entscheidung über ihr \'erhältniss zum Übrigen. Sie 
benütztnicht mehr die alten Mauerzüge. sondern liegt ausserhalb 
dieser (vgl. Taf. 11). Ihre sehr flüchtige Fundamenlirung aus 
Bruchsteinen reicht kaum tiefer hinab, als die höchsten erhalte- 
nen Wandquadern des vorletzten Gebäudes: dessen höchster 
Punkt ist 11, 1-2'" über dem Meer, jene ragen bis 1-2, 08'" auf. 
Dazu ist es die erste Mauer mit hartem Kalkmörtelverband. An 
diesem in breiten Zügen aufgetragenen Mörtel giebt sich auch 
eine Ouermauer im Norden u'.id eine ostwärts gegenüber lie- 
gende Quaderschicht als zugehörig zu erkennen: auch sie greift 
über die Mauern der älteren Gebäude hinaus und erhebt sich auf 
den etwas breileren Grenzquadern der gepflasterten Strasse, 
Es ist das erste Gebäude, dessen Orientirung genau 
derjenigen der Strasse folgt; es beachtet die unter ihm 
liegenden Baureste nicht mehr und braucht sie nicht mehr als 
Fundamente, schon deshalb nicht, weil es dadurch zu einer 
von der Strasse etwas abweichenden Richtung gezwungen 
worden wäre. Nun sind in einem Rest massiven Mauerwerks, 
das seh an der westlichen Längsmauer dieses Gebäudes erhal- 
ten hat, über dem oben genannten Raubstollen bei a. auch noch 
zwei Säulen- bez. Pfeilerstücke mit bemalter Stuckverkleidung 
verbaut worden. Der naheliegenden Annahme, dass auch die 
oben erwähnte Fimdamentmauer c] . in dei' die zugeliTuMgen 
Raustücke verbaut waren, erst im /iisaminenliang mit dem letz- 
ten grösseren Gebäude errichtet worden sei. steht die \iel tie- 
fere Laue jener Mauer enli'ei'j'n. I']s bleibt daher das wahr- 
et ■' ~ ~ 

seheinlichste,dass für dieses letzte späteste Gebäude wiederum 
die Trümmer der daiunter liegenden Schicht benutzt und in- 
folgedessen auch einzelne der schon in ti verbauten alten Rau- 
ülieder in rf zum zweitenmal verbaut wurden. Demnach müs- 
sen wir die lEnlstehungszeit iler genannten Gralliti als vor- 



?48 F. NOACK 

ausliegenden Termin schon für die 3. Batipei'iode verwen- 
den (s. u.). 

loh bin absiclillieh so ausfiilirlicli in der Angabe des Thaf- 
bestandes gewesen. Denn die Baugeschichle dieser Stelle er- 
i^iebl die wertvolle Thatsaebe. dass erst drei Rauperiodpn auf 
einander gefolgt waren, ebe— in der vierten Periode — die 
geptlasterte Strasse angelegt wurde. Die vorziiglicbe dauer- 
hafte Bauweise gerade der beiden ersten Gebäudereste n und 
b spricht dafür, dass wir beide Perioden nicht zu schnell auf 
einander folgen lassen dürfen. Innerhalb der zweiten Baupe- 
riode haben sich spätere Um- und Einbauten erkennen las- 
sen; für sie ist also ein beträchtlicher Zeitraum anzunehmen. 
Jede folgende Periode setzt eine sehr griuidliche Zerstiirung 
der Bauten der vorhergehenden voraus und bringt eine starke 
Anhöhung des Bodens mit sich : vom P'ussboden der zweiten 
Periode (8.57'") ist derjenige der dritten (deren flüchtiger ge- 
baute Beste zusammen mit den sonstigen über b gefundenen 
Spuren menschlicher Benutzung den h^indruck grösserer Be- 
dürftigkeit erwecken ) l,"2-l,r)"' entfernt, und erst wieder nach 
1,6-1,9"" wird die Höhe der vierten Periode und das Strassen- 
niveau ( 1 1,5"' über dem Meere) erreicht. P]s handelt sich also 
um Höhenunterschiede, die sich gewiss nur im Laufe von 
Jahrhunderlen herausgestellt haben. 

e) Der Strassenkörper entspricht diesem Resultat. In der 
Tiefe, an der Westseite, zieht sich ein Abtlusskanal entlang (y), 
dessen Richtung aber auf der beobachteten Strecke besser mit 
derjenigen des Gebäudes b als mit der Strasse selbst überein- 
stimmt. \iv ist aus Platten aufgemauert, i\^v untere Teil ist 
noch in den Felsboden eingetieft. Die Sohle des Kanals liegt 
hier 0,9 'i -fi"' über diMu Meere. Die ältere (aber noch nicht 
älteste) horizontale Deckplatte liegt 7, IV" über dem Meere, 
die jüngere Deckung aus giebelförmig gestellten Steirfen hat 
ihre Scheilelhöhe erst bei 8,05"', während der P\issboden des 
zweiten Gebäudes [b) schon bei 8, '27"' liegt. Der Kanal kann 
also — jedenfalls mit seiner horizontalen Decke — schon dieser 
Bauperiode angehören. Wohin das Gefälle gerichtet war, 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXA.NDR1EN 249 

liess sich nicht unmillelbar erkennen. .\l)er der lioden steigt 
nach Norden, und nach Süden und Osten zu liegen alle Ge- 
bäude tiefer {G.J.H?,). Der Kanal wird sein Wasser also in 
den Ahzugskanal der nächsten I.iingsstrasse Lj entleert haben, 
die noch nicht '20'" weiter südlich die Strasse R3 gekreuzt ha- 
ben muss (vgl. Taf. 9). 

Rtwa in halber Höhe des Strassenkörpers über dem Kanal, 
•2'" unterhalb der Pflaslergrenze. ist eine Ouaderlinie zuni\'or- 
schein gekommen (S), die ich, bestärkt durch eine Analogie 
in /, nur für die Grenze eines älteren Strassenzuges halten 
kaim. Diese Strasse war nur nicht gepflastert , sondern ma- 
cadamisirt: in einem vor^-efundenen, die Strasse von Osten 
her durchschneidenden Haubgang liess sich gerade dieser 
Estrich mit seinem Piillwerk aus Kalksteinhrocken und Kie- 
seln und einer festen dichten Kalksteinschicht darüber gut beob- 
achten. Da sie 1,25'" über dem Fussboden der 2. Bauperiode 
liegt (9,5'.'"'). kann diese Strasse erst in der .'^ Periode gedient 
haben. Im Zusammenhang mit dem Emporwachsen des Stras- 
senkörpers mag es stehen, dass an verschiedenen Stellen über 
dem giebelförmigen Kanalabschluss ein zweiter aus noch stei- 
ler gestellten Platten ( Scheilelhöhe 8,5'") hergestellt wurde. 
Etwa 1'" über dieser älteren Strasse imd etwa 1'" in den Stras- 
senkörper eingreifend beginnt das Püllmauerwerk aus Kalk- 
steinbrocken, auf dem die Grenzquadern der Pflasterstrasse 
( I l,'i5"'über dem Meer) ruhen. Die gleiche Konstruktion zeigt 
auch die Oslseite dieser Strasse, die wii- in B: freilegen konn- 
ten '. Ein 1,'?'" tiefer Einschnitt in den Slrassenk(")rper. an der- 
selben Stelle von /)*j ausgefiihrl . siellle die schon ei'wähnlen 
dichten Kalksleinschichtcn in grosser Zahl, \\ if in /. IVsl Das 
Niveau des Pflaslers liegt in /j»? etwa '/.'" hoher als in li\ : (He 
Steigung des natiM'lichen liodens nach Norden zu^vgl. die Hit 
henangaben in Fig. 4) kommt also noch hier in dieser Höhe, 
wenn auch in abgeschwächler Weise, zur Geltung (vgl Tai. 10, 
111). Die lieste von Quadersetzungen. die sich bei dei* beschiänk- 



' Die rechte Hälfte von U aiU Tat'. II isl naeli /^.' aulj^onominon. 



?Ö0 F. NOACK 

len Tiefgrabung westlich von der Strasse in /i? . vorfanden, 
k()nnen ihrer Höhenlage nach (10,26- 1 I A)~i'" üIxm- dem Meere) 
mir mit den Bauresten der dritten Periode in B\ gleichzeitig 
^e in. Bedeutender sind, trotz slarkergewallsamerZersliM'ung ,die 
Beste auf der Ostseite. Denn sie stammen von einem slaltlichen 
Quaderbau. von dem noch einige Quadein in sechs Schichten 
übereinander erhalten sind, 'rechniscli und nach der Höhen- 
lage' gehört das Gebäude noch in die '2. Bauperiode. Bei ei- 
nem zwischen diesem Gebäude und dem Strassenkörper ein- 
gebauten Kanal (e) späterer Zeit'^ finden wir zum erstenmal in 
diesem ganzen Baucomplex von /)'] und />.> quadratische*' 
flache Backsteine verwendet. 

Schliesslich seien noch zwei (oder drei?) Schachte ("0 er- 
wähnt, die in Bi hart an der Grenze des Pflasters hinab zu 
dem Kanal geführt sind und die Grenzsteine der mittleren 
Strasse (Si, da sie vor die Flucht der oberen Grenze vortreten, 
durchschneiden Sie sind sehr flüchtig und schlecht gebaut 
und so durchlässig sewesen. dass die Kvd- und Schuttmassen 
und die Steine der nächsten Umgebung die Spuren der Durch- 
setzung mit den .Abwässern deutlich zeigen. Da sie nur zu den 
spätesten Bauanlagen gerechnet werden können, beweisen sie 
wenigstens. dass man im Altertum nie aufhörte. den alten Ka- 
nal in der 'i'iefe zu benutzen, was nicht, wie wir oleich se- 
hen werden, an allen Stellen der Stadt der Fall war. Trink- 
wasser hat man sich zuletzt durch einen ziemlich tiefen * Brun- 
nen [yi) verschafVt. Inmitten des grössten Baumes von B[ war 
ein solcher von quadratischem (hierschnitt aus kleinen VVür- 
fehjuadern und festem rötlichem Kalkmiirtel erbaut ; der sau- 
ber gemauerte Schacht liess sich bis zu-?.."")'" in den gewachse- 
nen Felsen verfolgen, wo das immer wieder sUu k andringende 
(jnindwasscr eine wcilerc riilcrsiicliunu nnm('»::licli machte: 



' I)i(! Ol)erkante der unlerslen Quadi'r 8,09'" ülter dem Meere. 
- Sein Boden liegt erst bei 10, -28'" Mecre.^liölic. 
' 0,20-0,22"' Itreit und lang ( s. unleii bei ./), 
* Fast 7m tief. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN' ALEXANDRIEN 551 

(1er obere Rand der Cisterne fand sich schon im Niveau des 
obersten Gebäudes d i \\ ,79'" über dem Meere ). 

Die Beobachtuno;en in B s;estallen nun aucli über einen 
kleinen an der südlichen Hospilalmauer freiiiele^ten Mauti- 
i'est in G zu urleilen ; in seiner Konstruktion aus kleinen 
W'^ürfein ist er den Fundamentniauern der zweiten Baupe- 
riode in /y nah vei'wandl und hat vermutlich einst . wie 
jene, eine starke aufgehende ()uaderinauer «retraoen. Dazu 
passt die Beobachluno; Bottis über die hier im vorijien Jahr 
zerstörten Mauern vortrelllicli (Bulletin a.a.O. S.r)7): unter 
einer Mauer for/nc'e de grands blocs de calcnire du 
pmjs fand man plus, hns . . . des murs /armes de petits 
moelloris de cnlcuire eti assises ref^idieres. Nur dürfen wir 
diese nicht, wie es Botti thut, für byzantinisch halten und die 
•grossen Quadern darüber für arabisch. Mauerwerk aus der 
Zeil der ^. Bauperiode von B wird und muss in dieser Ge- 
ltend, etwa oO'" von B entfernt, am Abhang und tiefer liegen 
als dort. Nun liegt der tiefste Punkt, zu dem die Mauer aus 
VVürfelsteinen in B hiuabreicht, 6,3'", ihre oberste Schicht 
7,8'" über dem Meer, in G geht das gleichartige erhaltene 
Mauerwerk von etwa 5,5'" bis 6.9'" Meereshöhe empor: das 
stimmt also zu tmsererVoraussetzung. Nehmen wir lerner das 
Niveau der heutigen Strasse an dieser Stelle G (13.93'" Meeres- 
höhe) zum .Ausgangspunkt, so liegt die Würl'ehuaiu^r 7'"-S V" 
tiefer. Darauf folgte unmittelbar — Botti a.a (). saut 9'" unter 
dem Strassenniveau — das oben (S. ".^•2(1) erwähnte Tundaiuent 
aus grossen KalksteiiihliK'ken. Diese Abfolge stimuit nun wie- 
der so genau mil deui Befund in Ii iiherein. dass ich glaube, 
dieses grosse Fundament, den starkeu Mauerresleu der dorti- 
gen ältesten Bauperioilc (<-/ enlsprecheiul,in iiellenistische Zeit 
setzen zu dürfen. Dies als ri(ditig \orausgeselzl. so kiMinle der 
ursprüngliche Felsboden — den wir iiri weslliciisten Teile \on 
G bei 8'" untei' dem Strassenniveau noch nieht eri'eiciit hat- 
ten (vgl.Taf lÜ.Ili) — kiium höher als i'" über dem Meer, d h. 
etwa ebenso hoch wie in /. gelegen haben. Dieses Mass aber 
fügt sich wieder vortrelllich in die l^inie ein, die der Abhang 



.'02 F. NOACK 

des ursprünglichen fliigels bescliivihl . In /i seihst fiel, wie 
()h(Mi uezeiiit.der gewachsene Boden von (S.'i?7"' his zu heinahe 
6'" Meeresh(')he ; 130'" weiter südlich, in H\u ÜRgt er schon 
unter dem Niveau des Grundwassers, d.h. sicher noch etwas 
unter 0.5'" Meereshöhe: dazwischen nun in Gy 50'" von B, 
80'" von //s , lag er etwa bei V" über dem Meer. 

So hat sich auch dieser, wie es schien, ganz aussichtslosen 
Stelle doch notdi ein positiver Gewinn eniringen lassen. 



Wir wenden uns zu dem Graben /, dessen Befund bestäti- 
gend und ergänzend zu demjenigen von B hinzutritt. Vgl, 
Kig. 8 und Tat". I I oben. 

Hier stand die nach kurzer Grabung unmittelbar südlich 
neben der arabischen Festunojsmauer o;efundene Strasse L„> von 
Anfang an im X'ordergrund der l'ntersuchung. .\uch hier fan- 
den sich neben der südlichen, durch die an alter Stelle erlial- 



Fe a ivn \smaMt,v//^y///^^ 
Kanal ^ 




Qrenje der gepflasterten Strasse 



I : .'Ulli 



Fig. 8. — I'Ijiii von J. 
(Querschnitt s. aul Taf. II üben). 



tenen Quadern kenntlichen Slrassengrenze Gebäuderesle, die 
bis zum gewachsenen Boden reichten und verschiedeneu Zeiten 
angehörten. 



NEUE UNTEP.SUCHUNT.EN IX ALEXANDRIEN 'JöS 

Auf dorn Kelsboden (3,97'" iiljer dem iMoere) war liier zu- 
nächst ein Kanal (0) aufgemauert; grössere Kalksteinplalten 
bildenden Boden und die Seitenwände, Platten deckten ihn 
(wie den Kanal in B\ ) horizontal ah. Nach dem Ansatz an 
den Wänden war es der Kanal für die Abwässer, wie in 
B\ auf der linken Seite der Strasse. Daneben, noch nicht 0.*.)'" 
entfernt, erhebt sich ein Gebäuderest [b), etwa ß"' lang, auch 
auf dem natürlichen Boden; eine Fundamentschicht mit So- 
ckel , dessen oljere Kante mit der Deckplatte des Kanals in 
nahezu gleicher Höhe (etwaÖ'" über dem Meerej liegt. Die aul- 
gehende, nicht sehr soi'gfältig,aber ohne Kalkmörtel geschich- 
tete Wand reicht bis 1,7'" über dem Boden Der Kanal wurde 
einmal reparirt, wobei auf die seitlichen IMalten zwei Schich- 
ten schmaler Steine aufgesetzt und die Deckplatten dadurch 
um rund 30"° höher gelegt wurden, ßtwa in der gleichen Höhe 
beginnen die untersten festen Ralksteinschichten im Slrassen- 
körper daneben. Diese Beste repräsentiren eine Bauperiode für 
sich. Über jener \Jauer lagerte sich , als der obere Teil zer- 
stört war, Schutt; auf diesem errichtete man eine Art Funda- 
ment aus kleinen Bruchsleinen und Steinbrocken und erbaute 
darauf — bei 0,G5'" Meereshöhe — ein neues Gebäude (c), von 
dem noch drei Quaderschichten, die unterste sockelartig O,!!."")'" 
vortretend, auf 0'" Länge erhalten sind (unterbrochen schraf- 
firl)'. Die Wand war eine Quader (0,55'") stark und trägt an 
der Innenseite noch Reste bemalten Verputzes mit eingeritzten 
Quadeilinien , an diejenigen der Finbauten in B\ erinnernd 
Der obere Band des Sockels licüt bei 7'" über dem iMeere, in 
gleicher Hidie aber erscheint gegenüber im Strassenkörper eine 
horizontale längere Quaderlinie (/). der sich eine besonders 
starke 2 weisse Kalkschicht anschliesst. Der gleichartige Be- 
fund in B\ (S) berechtigt zu ilerii Schlüsse, dass es die Grenze 
der damaligen Fahrstrasse gewesen sei. /wischen ihr und der 



' Die Sofkclscliiclit li.::.". . ili'' Inlp.'iiilcii H, i.". iiml (•.".(•"' Ikk-Ii. Siid\v;irN 
gehl eine Qikmiikiih r :il>. 
2 Etwa (l,;ni'"clic'k. 



Vrt4 r. NOACK 

(iäiiserlluclu wäre dann ein 'V" breites 'rroUoir anzunehmen. 
Rs ist iijewiss kein /nlall , Jass das Niveau dieser Strasse 
ungefähr ebensoweil unter der geptlaslerlen Strasse liegt 
(2'"), wie in ß\ die erwähnte Strassengrenze der 3. Periode 
(1,9'"). \)enn das aus demselben harten Stein wie in Bi her- 
gestellte Pflaster (r/) liegt in J bei 9,0 i'" AJeereshöhe. Die 
Strasse ( L? ) steigt von Osten nach Westen. Denn in J/ ( 50'" 
(»sllieh von /) ist das Pflasterniveau bereits auf 8.35"" Meeres- 
liöhe gesunken, und noch 340"' weiter, bei der Kreuzung mit 
Ri ist es l)is beinahe .")'" gefallen : in Nö lipgt das Pflaster 
von Ri 5,18'" über dem Meere, und nach Mahmouds Aufnah- 
men muss diese Strasse in ihrer ganzen Linie ziemlich hori- 
zontal verlaufen sein. Nach der andern Seite, bis zur Kreu- 
zung mit Ra . muss unsere Strasse noch beträchtlich gestiegen 
sein. Selbst wenn R3 in demselben Masse, wie es sich zwi- 
schen /ic und ß[ beobachten lässt, weiter fällt, so kann das 
Pflaster am Kreuzungspunkt nicht unter 1 I"' Meereshöhe gele- 
gen haben. Dazu stimmt die Steii>un"- von Ljsehrofut: wir 
brauchen noch nicht einmal ihre ganz gleichmässige Fort- 
setzung anzunehmen, damit L? an jener Stelle dieselbe Höhe 
erreicht ( Taf. 10, I). 

Aus später Zeit— denn sie liegen bereits über dem Niveau' 
der Strasse /" — rühren die Reste eines giebellörmig gedeckten 
Kanals (>t) von sehr flüchtiger, derjenigen der Schächte in ß[ 
vergleichbarer Technik her. \iv muss schon zur Periode der 
Pflasterstrasse gerechnet werden. Früher als in Bi ist demnach 
in dieser Gegend der alte Abflusskanal in der Tiefe ausser Ge- 
brauch gekommen. 

Bei der grossen Übereinstimmung in der Heihenlolge der 
einzelnen Bauperioden in J mit denen in B\ , möchte man 
gerne noch einen Überrest haben, der mit der ältesten Anlage 
(«) in Bi verglichen werden könnte. Ich glaube ihn in dem 
grossen Felskanal (fx) erkennen zu dürfen, der gerade noch 



' iJic .Slf'iric der iiüidlielnii Wami iiilicii aiiT den ( iicii/i|iiad('iii dieser 
Slras.se. 



NEUE UNTERSUCHUNfiEN IN ALEXANDRIEN 2.",'. 

vor AIjscIiIuss der Graljunjijcn gefunden ' und noch, soweit 
möglich, verfolgt wurde. Da er ganz in den Felsen gehauen 
ist, beschreihl er keine völlig gerade Linie, sondern weist 
leichte Krünimungen auf. Im Grossen und Ganzen aber folgt 
er auf der untersuchten Strecke {'21'") der Richtung der Strasse 
und lauft, wenn wir die Strassenbreite zu rund 7"' (einschliess- 
lich Grenzsteinen) annehmen, unter der nördlichen Pflasler- 
grenze entlang 2. Er ist begehbar, 0, '»7-0.50"' breit, bis zu 
1.05 hoch, endet oben spitzbogig , der Scheitel liegt etwa 
•2,5'2'" über dem Meere und höher, der Boden l,'!™. Ein deut- 
liches GeÜille Hess sich bei den sehr schwierigen Verhältnissen 
nicht erkennen, doch ist es am natürlichsten auch hier die 
Richtung nach Osten anzunehmen. 

Auf dem Boden des Kanals liegen die T hon röhre der 
Leitung noch an ihrer Stelle. Die einzelnen Glieder, 0,51- 
0.5'2"' lang, griffen mit MulTe und 
Schwanz in einander und waren mit fei- 
nem Gips gedichtet ( Fig. y j. Solche 
Thonrohrleilungen kennen wir jetzt aus 
Pergamon, Laodicea und Sm^'rna; die 
beiden ersten sind mit Sicherheit auf 



^i'/zA''// ■y/^///Ä y.>.y////>rr^ 



^^^m^m^^^y^ 



I: •?00 Fig. VI. 

hellenistische Zeit zurückgelülirt '. Es darf aber auch daran 
erinnert werden, dass die alle Eupalinos- Leitung auf Samos 
dieselbe Konstruktion Ai'v Holirleitung zeigt, wie unser Fels- 
kanal; auch der äussere Durchmesser der Bohre ist der 
gleiche (0, •20'") : und da es sich weder in Samos noch in 



' Wir V('i»l;inkfii seine Kciiiitiiixs um dem L'lll^l;llltil■,(ia^.s im AiixeliliisN 
;m unsere ( '■ i ;ilimii;on sol'dit :in der i Ireilieli hingst weillo.sen i Festiuii;v- 
maiier liiclilig I^aiiltljaii getiielten wuidp. der so liislig voiwiiils soliriU dass 
in ivuizer Zeil die in eisonliailcni \eil»and sitzenden Steinmassen iilter den 
Bercicli unserer Grabung 7 liinaus l)is auf den Felslutden enliernl waren. 
Und gerade unter der Mauer lief der Kanal entlang ! 

2 Die ältere Strasse i würde nur mit ilirem nürdlielien Trottnir über ileii 
i'elskanal geieiclil liaben. 

:> Jalirbueli .\tll S. .■.. XIV S. I."i. liber l'ergamon vgl. .Merekel Inge- 
nieurteelmik S. ÖU8. Athen. Mitlli US'.t'.i S. l(i:{ IV. VliW. 



-::>{'> 



F. NOACK 



Aliwaiulroia um Druckloiluiii^iMi liaiidell , so sind aiicli die 
Wandungen der Rohre beidemal dünner'. Der b^rlsclirill von 

zwei Jahrhunderlen liei»! 
also nicht sowol in der\'er- 
voUkonimnunii; dei- Tech- 
nik im liinzelnen. als viel- 
mehr in der systemati- 
schen N'erwendung solclier 
Stollen und Rohrleilup.iicn 
zur Kanalisation ganzer 
Städte, lüin solciies um- 
fassendes System war aber 
erst in N'erbinduui; mit 
einer plan massigen Stadt- 
anlage, also nicht vor II ip- 
podamos von Milet denk- 
bar, und scheint andrei-- 
seits so notwendio; zu ei- 

CT 

ner solchen Anlage zu ue- 
hören, dass man es gerne 
schon auf die Lehre des 
ilij)p()da mos zurückführen 
möchte. Für die Stadt- 
gründungen des Helleni- 
smus verstand sich seine 




\nvvendung dann schon 



[''ig. in. — Quciscliiiill (liiicli Sldllcii 
und Scliaclil G. 

von selbst. 
Es ist dabei' begreillicli. dass auch noch andere Einzelhei- 
ten des archaischen Kanalbaues sich auf alexandrinischem Ho- 
den finden. W ir kehren damit wieder zu ,/ zurück. In regel- 



' Atlien. Milllifilungcii IX Tat. 8. Xiclil i;an/, glcicli, alur iilmlicli auch 
die Thonrohre der pisistrali.sciu'ii Lcilnng in Alhcii In don lU'slen der 3. 
Bau Periode in Ih war auch eine Höliif aus Siein mit ^Fu^e an der einen 
Seile verhaut. Sic stand senknclii .ml ciuiT l'lallr und iinlrr dieser lielaiid 
sioii th-r unlere Teil eines Gela>ses aus uridjeni 'i'hnn, uliiie Inliali. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 



557 



müssigen Ahsländon fiilii-en Scliaclile . deien oberer aufge- 
inauerterTeil flurcli die Pestungsmauer zersüirt worden ist. zu 
dem Kanal liinab. Die beiden \vestliclislen(l .2)sind cylindrisch, 




1: 50 
Fig. 11. — Längsschnitt durch Stollen und Schacht 6. 

der 3. recbteckig ' neben einem 4., vielleicbt älteren, mit ei- 
ner 1,5"" langen Quader überdeckten Scbacbt; der 5. ist qua- 
dratisch'^, mit je vier lMnsteigel()cbern an derOst- und West- 
wand, und t'ülirt an der Seite des Kanals hinab; durch eine 
oben spilzbogig begrenzte ÖlTnung von I.IT)'" iliWio wird die 
Verbindung zwischen Schacht und Kanal hergestellt. Der 6. 
östlichste Schacht, der w ieder rechteckig ist . unterscheidet 
sich von den anderen dadurch, das seine Seitenwände aus 
kleinen Würfelsteinen aufgemauert sind^. Ausserdem ist er 
— ebenso wie der 'A Scliachl nach W Csltii zu — beiderseits 
ijregen den Kanal dur<-li ein O.cS'" hohes Mäuerchen abgeschlossen 
(Fig. 10- 1"2). Die Thonrohre durchselzen dieseOuerwand noch, 
enden dann aber sofort und stehen nicht in Verbindung mit 



< 0,68 zu 1,1'" . 

'^ 1,05 zu 1,05'". Der Kanal ist hier 1.5'", der Sehaehl etwa ■2."2'" hocii. 
I..inige Steinselzuiigen an meinem uheren Ivande waren n<ieli an ihrer Stelle; 
er war also noch künstlich aurgt'liöhl. 

^ 0,7 zu 1, '.'()"■ . Als man die arabische l'eslungsniauii haute, hat uiaii ihn 
mit Blöcken vom Slrassenpllaster zngesehüttel und daran! die Quadern iler 
Mauer lundirl. Die kleinen Querwände sind O.lOdiek. 

ArUt.N. .NUTTHEILUNGE.N .\.VV. 17 



258 



F . NOACK 



einander: anrli cnrrespondiren ilire Mündungen zu wenig, alc 
dass sie innerliail) dieses Scliacliles jemals liätten verbunden 
sein können. Die unleien Teile der Scliaclitwände sind mit ei- 
nem dünnen Verputz aus Kalk und Ziegelslaub überzogen, 
der aueli noch die Oberkante der kleinen (^)uermauer bedeckt 
und dadurch den iieweis liefert, dass nicht auch etwa der 




i: 5Ü 



Fig. 12. — Horizontaler Schnitt durch Stollen und Schacht 6. 



obere Teil der Ranalöffnung nacii dem Schacht hin vermauert 
gewesen wäre. Mit demselben Überzug sind auch im ganzen 
übrigen Kanal der Boden und die Seitenwände bis zu 0,8™ 
Höhe versehen. Ob derselbe zur ursprünglichen Anlage gehört? 
Da sich an einzelnen Stellen liepaiaturen deutlich erkennen 
lassen und da die Schachte 1, 2, 4 und 5 einen wesentlich 
einfacheren und älteren Eindruck machen. glaube ich in ihnen 
die zum alten Felskanal mit Thonrohrleitung gehörigen 
Schachte zu erkennen, während 3 und G mit irgendwelchen 
Umbauten zusammenhängen ; bei einer solchen Gelegenheit 
wo! wiirde dann auch der ganze Kanal in seiner unleren llällle 
verputzt worden sein. 

Kurz sei hier nur noch erwühnt, dass auch diese slallliclie 
Leitung einmal, als der Uddon sich zu stark angehöhl hatte, 
ersetzt werden musste durch eine höher liegende und beque- 
mer zu erreichende Anlage. Von einer solchen haben sich 
nämlich etwas höher auf dem naliirlichen Felsboden Heste 
(>) gefunden. Sie gehört in verhältuissmässig späte Zeit. Denn 




1 : :.ii 

Fig. 13.— .Scliiiill durch 
den Trinkwasser-Kanal später Zeit 



NßUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 259 

man musste den Raum dafür aus dem schon hoch angewach- 
senen SlrassenkörpHP erst herausschneiden: die Abarbeitun- 
gen an ilim lassen deutlicli die 
Rücksichlnalime auf die giebel- 
lörmige Deckung dieses jüngeren 
Zuleitungskanals erkennen (vgl. 
Fig. 13undTaf. 11, oben). Dieser 
wurde dann aus kleinen Würfel- 
steinen mit lockerem, sandigem 
Verband aufgemauert und mit 
grösseren Platten giebelförmig ge- 
deckt. \'or die gemauerten Wände 
sind innen bis zu 0,5"2"' Höhe 
zwei Reihen quadratischer dün- 
ner Ziegel gesetzt und diese so- 
wie der Roden mit einer 1 , "/""dicken Schicht grauen Verputzes 
überzogen. Höhe des Rodens 3,8™, des Scheitels 5,36'" über 
dem Meere'. Auch dieser Kanal wurde durch die arabische 
Mauer grösstenteils zerstört. 

6 

Ich fasse noch einmal die l*]rgebnisse kurz zusammen. 
1) Von Gebäuden, die mit der gepllasterten Strasse gleichzeitig 
wären, haben sich nur in B Reste gefunden; es sind die ein- 
zigen, die Kalkmörtel als Rindemitlel verwenden. Schachte 
am Strassenrand ermö'Jilichen die Renutzun^; eines ,\btluss- 
kanals allerer Zeit ; Trinkwasser liefert ein gemauerter Rrun- 
ncn. In /dagegen legt man, nicht viel unter dem Slrassen- 
iiiveau, einen neuen dürlti''en Kanal an, dem auf der Nordseite 
eine im Strassenkörpt'r s«'lbsl eingebaute Zuleilungsanhige zu 
entsprechen scheint, 'l) Rund 'V" unter der Strasse liegt, in B 
und ./, eine ältere Strasse, auch von Quadern eingefasst, aber 
ohne Steinpllasterung ; zugeiiörige Hausmauern, Quaderwerk 



' Seilenwänilc 1,1 Imcli. iJic Ziegel 03,"» zu •23,5"» und J, 5 - 3'^'" dick. 
Lichte Weile des Kanals im unleren Teil 0,1'". 



260 F. NOACK 

auf fiüelitiu-or und nirlil liofgplionder Fnndamentiruns, haben 
sicli '\n B und / ifot'unden. In Li sind damals die Bauglieder 
eines mit bemaltem Stuck verzierten älteren Gebäudes (Graflilil 
verwtMHJcl worden. 3) Darimter, von den oberen Rauten als 
Fundament benutzt, liegen ältere Gebäude, in ß viel statt- 
licher und massiver als in/, aber auch durch Einbauten sehr 
entstellt. Die Fundamente ruhen beidemale auf dem natür- 
lichen Boden. \\\n ursprünglich ttach gedeckter, aus Platten 
aul'gemauerter .Abllusskanal, mit Spuren späterer Beparaluren 
und V^eränderungen i^in ß giebell'örmige Deckung), gehört 
schon dieser Periode an. 4) Spuren eines ältesten, aus starken 
Quadern bestehenden Bauwerks, als Buine von den Erbauern 
des "2. Gebäudes benutzt, in Bl , und ein begehbarßr, in den 
Felsboden getriebener Stollen mit Thonrolu leitung und Fin- 
sleigeschachlen in /. 

Die Thatsache der verhältnissmässig späten An- 
lage des Strassennelzes mit Pflasterung, die sich aus 
ß und J ergiebt, lässt sich auch durch andere Beobachtun- 
gen bestärken. Fine solche Abfolge verschiedener Bauschich- 
ten wie dort Hess sich freilich nicht wieder constatiren. Dafür 
aber liegen die sonst erhaltenen Baureste, die ich für griechi- 
sche halten muss, etwa ebenso tief (4-5'") unter den ge- 
ptlaslerten Strassen, wie in ß und / die Überreste der älte- 
sten Bauperioden {a und ö). 

So ist z. B. etwas nördlich von unserem Graben L (vgl. 
Taf. 10,11) die Spur des Betons der Fängsslrasse Lx und an 
einzelnen Stellen auch etwas von ihrem Steinpflaster erhallen. 
Die Strasse steigt von üst nach West; das Pflaster lag gerade 
hier rund 6'" über dem Meer. In // selbst waren Teile vom lang- 
gestreckten Fundamente und Sockel eines iVloniimenlalbaues 
erhalten (Fig. 14). Auf der für uns im Grundwasser ' erreich- 
baren untersten Schicht (1,45'" breit) erhoben sich drei wei- 
tere Schichten (zusammen 1,4'" hoch). i\iivo\\ unterste ( 1 33'" 



' Sfiiii' llülie i^l in l'iu. Ii iluicli ilir iiiili-i liiiiclifiic Linie aiigcgelii-ii. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXaNDRIEN 



261 



breit) wieder einen 2-3"° vorspringenden Sockel für die bei- 
den oberen Scbichlen ( l ,27'° breit) bildete. Die Steine, ab- 
wecbselnd als Läufer und Bin- 
der übereinander j^esclncbtet, 
sind starke Ouaderri aus Kalk- 
slein von Mex '. Der ursprüng- 
licbe Zweck dieses Unterbaus, 
der seine Front nacli Osten batte 
und genau in der liiclitung der 
gepflasterten Querstrassen liegt, 
ist durcli starke Umbauten ver- 
wiscbt worden. Mit altern Bau- 
material verbreitert und erliöbt 
— wobei Kalkmörtel reicblicli 
verwendet ist — bat er später 
als Stylobat für eine Reibe von 



in nicbt ganz gleiclien Abstän- 






den erricbteten Säulen gedient. 
Diese Säulen sind ebenso wie 
drei, in dem l mbau bocbkan- 
tig aurgeslellle. sorglältig bear- 
beitete Quadern, aus demselben 
harten Material wie die hellen 
Blöcke des Slrassenj)nasters , 
und gebör»'n sicher zu einem äl- 
teren Bau, vermutlich zu dem- 
selben, dessen Unterbau hier noch vorhanden ist. Die drei 
Quadern sliinnien nur in der Höhe (0,70'"), nicht aber in 
Dicke lind Länge iiberein; sie werden daher als Reste des 



öO 



Fig. 14. — Bau in L. 



' Zwischen .'i(> und DJ'iO"' liifil, (l.'i'i und 0,4*.< h(tcli. Ihre l.angc ist durch 
dif Hrcile tlri Stdiichlcn gegclion. beinerkensweit ist noch liczüglich der 
Teciinik : .Icdc Quader hat in der Mitte der einen senkrechten l^angseile 
eine von »d)en his unten reicliende P^inkerhuiig ( l-'ig. l'i bei den Bindern 
anpedculel). di(' heim X'ersetzen eine Holle gespielt hahen niuss. Dieselbe 
Vorkehrung lindet sicli liei einzelnen Quadern (an aller Stelle) an der 
Küste, ösllich von Hains Zuro. 



?62 F. NOACK 

Sockels einer aufgehenden Wand zu verstehen sein, so etwa 
wie man in liellenistischer Zeit in Athen auf weicherem Stu- 
fenmaterial Orthostaten aus Hymettosmarmor errichtete'. Be- 
merkt sei schliesslich noch, dass von dieser etwa 30"' langen 
Ruine weder das nördliche noch das südliche Ende mit Sicher- 
heit erreicht wurde. Ebensowenig Messen sich irgendwelche 
Spuren von Quermauern — wenigstens nicht in der Tiefe des 
ursprünglichen Baues — erkennen . 

Worauf es aber zunächst am meisten ankommt, ist die 
Tieflage der Fundamente. Die Oberkante der obersten 
Stufe liegt nur 2,27'° über dem Meere, diejenige der untersten 
vorspringenden Schicht 0,87'". Irgendwo dazwischen muss 
das Niveau der gleichzeitigen Strasse gelegen haben. Das Stras- 
senpflaster von La liegt demnach über '»"" höher an dieser 
Stelle — und diese Strasse steigt, wie wir sahen, nach Westen 
noch weiter an (Taf. 10, I. 111). Ihr höchster Punkt ist jetzt 
an dem jäh abstürzenden Uferrand, gegen 250"" westlich von 
Z, an der von Basaltblöcken gebildeten dunkeln Linie zu er- 
kennen ; er ist mit etwa 9"' Meereshöhe eher zu tief als zu 
hoch bemessen 2. Tief darunter aber im Ufersand und im- 
mer wieder vom Meer überspült, liegt nur wenige Schritte 
nach Westen zu ein ausgedehnter Baurest, dessen Fortsetzung 
sich bei ruhiger See weithin unter dem Wasser verfolgen lässt 
(Ä'3). An zahlreichen Stellen liegen die stattlichen Quadern 
noch heute in haarscharfem Fugenschluss, ohne jeden Ver- 
band. Dasselbe gilt von den oben erwähnten Resten in Ä'4 , 
deren unterste Schicht gleichfalls unter Meeresniveau hinab- 
reicht , und von der gewaltigen, S. 225 Anm. 1 genannten 
Quadermauer, die sich nahe dabei aus dem Wasser erhebt. 
Wenn irgendwo in Alexandrien , so haben wir hier überall 
Werke aus griechischer Zeit zu erkennen, die lange 



' Halle hinler der Skene des Dionysoslheaters.Sloen des AUalos und Eu- 
menes. 

' Mehr kann ich leider nicht sagen, da gerade dieser Tunkl in meinen 
Nivellements fehlt. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 263 

vor den hoch iihvv sin hinweggehenden gepflasterten 
Strassen' vorhanden waren. Und wenn über die Richtig- 
keit eines solchen Verhältnisses noch Zweifel bestehen konn- 
ten, so sind diese durch die 'l'hatsachen in B und J heute er- 
ledigt. 

An dieser Stelle kann eine kurze Erörterung der chro- 
nologischen Frage nicht unngangen werden, soweit sie 
durch unsere Ausgrabungen gefördert worden ist. 

Die Beobachtungen der verschiedensten Stellen stimmen 
derart überein, dass die Gefahr, durch Zufälligkeiten irrege- 
leitet zu werden, ausgeschlossen zu sein scheint. 

Überall ist die gepflasterte Strasse von den ältesten Baure- 
sten durch einen Höhenunterschied von mindestens 4-5™ ge- 
lrennt. Daraus allein folgt schon, dass diese Strassen mit den 
Gebäuden der ersten Blütezeit Alexandriens nicht mehr ge- 
rechnet haben können. Dazu tritt das Zeugniss der Graffiti in 
ß. Mit Sicherheit lässt sich allerdings nur sagen, dass sie 
keinesfalls mehr der ptoiemäischen Zeit angehören 2. Das Ge- 
bäude, auf dessen einer Säule jene Kritzeleien standen , kann 
also frühestens im Laufe des ersten Jahrhunderts nach Chr. 
zum Abbruch gekoninien sein. Seine Bauglieder wurden dann 
z. T. in die Fundamente eines Gebäudes (c) verbaut, das erst 
selbst wieder völlig, d. Ii. bis auf die drei oder zwei unter- 
sten Quaderschichten zerstört sein mussle, ehe darüber die 
gepflasterte Strasse und das ihr gleichzeitige Gebäude (d) an- 
gelegt wurde. Bei der völligen und unleugbaren Einheitlich- 
keit des die ganze Stadt in weitester Ausdehnung überziehen- 



* Vgl. was (ilieii S. i"25 f. üher die Höhenlage des Pflasters in Nb und 
K\ , A'2 gcsaj^t ist. 

2 Es ist zu bedauern, dass bis jetzt nur ein so schwer berechenbares Da- 
lininpsiniltcl b<'r;ui^;e/.<it;t'ii werden kann. Zwei in epipraphischen Fragen 
kniiiiieleiile [•'leiiiub', denen ieh den Al)klatscb vorlegte, stimmen, unab- 
baniiin v(»n einander, darin iiberein, dass der Graflito nicht vor dem I.Jahr- 
hundert nach Chr. anzuM^tzen sei, er könne eher noch spater sein; von ei- 
ner Seite wird eine nüclilige Abreciinuug (etwa von Lohnarbeitern) darin 
vermutet. Ich darf jedoch nicht verschweigen, dass man auch an der Mög- 
lichkeil einer Üalirung überhaupt gezweifelt hat. 



?64 T. NOACK 

den Strassennetzes gewinnt jenes Ergebniss allgemeine Redeu- 
tuns; und wird Cur das ganze Strassennetz verhindlicli. und es 
bleibt, soweit ich sehe, kaum eine Möglichkeit es vorhadiiani- 
scher Zeit zuzuweisen; seine Anlage kann eher noch in viel spä- 
tere Zeit gehören. Die Veranlassung dazu möchte man in einer 
besonders schweren Katastrophe suchen, die eine umfassende 
Neuordnung der Strassen notwendig erscheinen liess. Wir 
wissen, dass unter 1'raian das Judenquartier, also der ganze 
Osten der Stadt, östlich von Lochias. verwüstet wurde, was 
aber nicht ausschliesst, dass er in der Folgezeit wieder besie- 
delt wurde , ebenso wie die nach dem caesarischen Krieg 
verödete Pharosinsel '. Von Antoninus Pius heisst es, dass er 
den Sp6|xo; gebaut habe (£)ctio6, Malalas S. 580 ßonn). d. h. 
die Hauptlängsstrasse. wie aus der Erwähnung der sie be- 
schliessenden beiden Thore im Osten und Westen hervorgeht^. 
Das kann sich nur auf eine, wol sehr gründliche, Erneuerung 
beziehen Unter Aurelian wird, 274 nach Chr., das Briichium 
eines grossen Teiles seiner Gebäude beraubt, und man könnte 
es verstehen, wenn damals auch die von Caracalla durch die 
Stadt gezogene Mauer mitsamt ilen Kastellen gefallen wäre-'. 
Die Stadt bleibt ja auch dann von imponirender Stärke und 
Diocletian kann sie nur dadurch zur Übergabe zwingen, dass 
er die Nilkanäle abschneidet. Die Strafe, welche folgte, war 
freilich schwer, aber noch im 4. Jahrhundert konnte die 
Pracht der llauptstrassen mit ihren Säulenhallen, wie uns 
Achilles Tatius (V, 1) beweist, den Besucher der Stadt ent- 
zücken. Von der Auflassung dieser Stelle hängt viel ab. 



< Wachsmuth, Rhein. Miise\im '887 (42) S. 463. 

2 Einen zweiten Drotnos in Alexandrien s. Rhein. Museum !888 (43) S. 
306 und Wachsniulh, Sladl Alheii 11 S. 281. Puchslein bei Paiilv -Wissowa 
1 S. 138'i, 32 fT. Auch icli sehe keinen Anlass, Enlniann (ZurKuiido dtr 
hellenistischen i^tadtcpriindimgen, Strassburjr. 1883, S. 17 ), darin bei- 
zupflichten, dass das Sonnenllior am öüdende der Ilauplijucrslrassc Ri 
anzusetzen sei. Vgl. jetzt Ausfeldl, Rhein. Museum 1900 (55) S. 363 I. ( mir 
eben erst l)ekannt geworden). 

' Über Caracalla s. Dio Cass. 77, 23 (vgl. jedoch Wachsmuth, Rhein. 
Museum 1880 (35) S. 452). Ammian. Marc. 22, 16, 15. 



■SS 

.1 







i: 



»gen 



2500 




# 







SCHNITTE (vql. d,e Ubers.chbkarfe Tcf IX 1 . MassUb der Lönqen I . 2500 . der Hohen 1 ' 500 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 265 

Wenn man sie versteht, wie VVaclisnuith u. aJ. denen ich 
heipflichle, so bestand damals noch der Dromos in seiner ijan 
zen Ausilehnung vom kanopisclien 'IMiore an. Damit wäre aher 
nicht nur sehr wahrscheinlich gemacht, dass damals aiicii das 
ührige malimoudsche Strassennelz noch im Osten der Sludt 
hesland, sondern auch die Möglichkeit gegeben, dass es über- 
haupt erst in verhältnissmässig spater Zeit angelegt worden 
wäre. 

Über Möglichkeiten hinaus kommen wir aber nicht, so lange 
nicht in diesen Gegenden, in den Scliulthiigeln östlicli von 
der heutigen Stadt, anschliessend an irgend einen liest des 
mahmoudschen Strassenptlasters,'riergrabungen seitwärts vom 
Slrassenkörper mit genauester Beobachtung der l^inzelfunde 
unternommen werden. Ks ist keine sehr verlockende Arbeit, 
allein sie wiid von der Wissenschalt gefordert'. 

Zuversichtlicher dürfen wir dagegen in den Bauresteu der 
ersten und zweiten Periode in B (und J } Werke der ptole- 
mäischen Zeit und insbesondere in allen auf dem gewachsenen 
l^oden erriclileten bez. von den geptlasterlen Strassen durch 4™ 
hohe und höhere Anschüttungen getrennten lUiinen Werke 
der frühhellenistischen Zeit erkennen. Die Bauweise stimmt 
vorzüglich dazu. 

Durch diese Darlegungen haben wir nun soweit festen Fuss 
gewonnen, dass die Aufstellung der auf Taf. 10 gegebenen 
Höhenlinien nicht zu kühn erscheinen wird. Mit Hilfe der 
durch Nivellement und Berechnung gewonnenen Punkte (+) 
lässt sich nicht allein das Steigen und Fallen des ursprüng- 



' Ilhciii. Miisciiiii 1887 l'i?l S. 465. 

■^ Ich lialic florl iiiigfiuN inclir irpciiHxM'lclio CK'ltiiuik'icslo limltMi kön- 
nen. I3crut'i kcnswcil siml ausiicMlcI'nlf t'istfrin'nanlapfn, sütllioli vom der 
Shassp nach Sidi (ialicr und Hanih'li, am W'et; zun» doiligcn aiahisoht-n 
Friedhof, ehva 30U'" nördlich von der Ciiinimijiiif itc>. Eaii.i- Cvlindrische 
Einsleige.schachle führen .senkrecht liinah /.ii einem hoiizontahMi Kanal, die- 
ser münilet in einen jirösseren htdien Kaum. Sämtlielie Teile sind mit 
dickem hydranlischen Mörlel ülierzogen. .Vhnliehe Anlaj^en. alle durch Ka- 
nüle veihiindeii, in der Nähe, 



566 F. nOack. 

liclien Rodens im Bereiche des Bruchiums erkennen, wir 
sehen aucli, wie diese z. T. starken Höhenunterschiede im 
Laufe der Zeilen sich verminderten, so dass die geptlaster- 
len Strassen zuletzt viel gerinuere Terrainschwieriijrkeiten 
zu üherwinden liatten. Die Linienführung des heutigen Bo- 
dens ist gerade in diesem Gebiet wesentlicli thirch die 
arabischen und französischen Festungswerke bestimmt wor- 
(h^n. Bei einer Fortsetzung der Untersuchungen solhe auch die 
Feststellung solcher Punkte weiter im Auge l»ehallen werden. 

7. 

Wir kommen zu der Frage, inwieweit von dieser spä- 
ten . auf jeden Fall römischer Zeit angehörenden 
Strassenanlage auf diejenige des Deinokrates ge- 
schlossen werden darf. 

Die Frage ist durch unsere Untersuchungen, wenn ich nicht 
irre, im Prinzip beantwortet. Da der Slrassenkörper keine 
Einheit ist. sondern sich nach und nach angehöht hat,so giebt 
uns das gepflasterte Strassennetz im Allgemeinen auch noch 
die Richtung und Lage der Strassen früherer Jahrhunderte 
an. Im Linzeinen sind natürlich Abweichungen denkbar; 
manche Strasse mochte nicht ganz ausgezogen sein in Rück- 
sicht auf ein monumentales Gebäude oder auf eine Anlage wie 
das Paneion ; freie Plätze mÖ2:en sie hie und da unterbrochen 
haben u.s. w. Zudem allgemeinen Ergebniss stimmen die Ein- 
zelbeobachtungen. Die Baureste /^ undc und die Kloake in/ ha- 
ben dieselbe Richtung wie die Längsslrasse L'2 darüber. Genau 
dieselbe Richtung aber haben sämtliche iMauerresle und Oua- 
derliuien an der Küste, sogar die Fugen der rechtwinkeligen 
Quadern sind alle genau ebenso orientirt, und selbst die 
beiden einzelneu, im Schacht //a an ihrer Stelle gefundenen' 
Quadern weichen von dieser l^ichlung nicht ab. Diese Reste 
sind aber sämtlich älter als die gepllaslerlen Strassen und ge- 



* lliie ünlermauerung liegt im Grundwasser. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 267 

hören (mil Ausnahme von b, c in /) der ältesten erreichba- 
ren Bauperiode der Stadt an. Nach Mahmouds Plan schnei- 
den ferner die Querstrassen die übrigen Strassen im rechten 
Winkel. Das wird durch die Dichtung der Querstrasse Ri .die 
wir in A>, festgestellt haben, bestätigt. Aber auch das lange 
Fundament in L ist ebenso orientirt und liefert damit den 
Beweis, dass die einst mehrere Meter darüber in gleicher 
Richtung laufende Querslrasse R: auch nur der Strassentlucht 
einer viel älteren Zeit gefolgt ist. Die Strasse R:3 ist uns in B 
gegeben; sie zeigt dieselbe Richtung, und die tiefer liegenden 
Gebäudereste in ^2 scheinen wenigstens auf der Ostseite sämt- 
lich die gleiche Linie einzuhalten. Von den Resten der drei 
ersten Bauperioden ' in /ij, westlich vom Strassenkörper,muss 
dagegen noch einmal gesagt werden, dass sie in der Längsrich- 
tung von derjenigen der Ptlasterstrasse (und der Mauerlinien 
der 4. Periode) nach Norden zu ein wenig divergiren, und 
zwar auf 10,5'" um 0,30-0,35'". Die Abweichung von der 
Nordlinie nach West ist T grösser als in allen andern Fällen. 
Das will nicht viel sagen, wenn es sich um ein einzelnes Ge- 
bäude handelt; sollte dieses aber die Richtung der älteren 
Strasse bezeichnen, so würde der Ausschlag ein sehr emptind- 
licher sein und würde die Annahme, dass die Strasse R;i der 
älteren Fluchtlinie gefolgt sei, ausschliessen. Dass auch der auf 
dem Felsboden errichtete Abtlusskanal hier weniger von der 
alten Gebäudeflucht als von der späten Strassenlinie abzuwei- 
chen scheint, möchte ich viel weniger betonen, da bei diesen 
unterirdischen Anlagen gelegentliche geringe Schwankungen 
vorkommen können: bei dem Felskanal in / sind sie noch stär- 
ker, ohne dass seine Gesamtrichlung dadurch alterirt würde. 
Ich glaubeaber auch nicht, dass wirdem abweicluMiden Tliat- 
bestand in B\ einen anderen grösseren Wert beimessen sol- 
len als den einer die Regel bestätigenden Ausnahme. Dafür 
spricht schon die an allen andern Orlen ubereinslimmende 
Beobachtung und die wiederum hierzu passende Orienlirung 



« Die Mauern der 3. benut/l.ii .lu' der 2. Periode als Fuiidameol. 



?^8 F. NOACK 

der Baureste im Osten \on B2 , und endlich die Thalsache, 
tiass (loch aucli in /i\ und ^^2 das späte Pflaster auf dem. wie 
sonst aufli. allmiililiii aniioliölitpn alleren Strassenkiu'per lie^t. 
Auch war schon durcii die fortgesetzte Benulzunj^ und Beihe- 
hallung der zu den älteren Strassenanlagen gehörigen Kanäle, 
wie sie gerade Cur /i und (wenigstens his zur dritten Bau- 
periode) für / erweishar ist, die Fluchtlinie für die späteren 
Strassen vorgezeichnet. Sind doch einzelne Strassen dieser 
Linie der alten Kanäle his in die neueste Zeit treu gehliehen! 
nie Strasse L-j (in J) hält noch die Bichlung des Felskanals, 
mit dem sie schwerlich mehr in Verhindung stand (s.o.), ein, 
und ehenso ging Ri üher dem gleichfalls viel älteren aher 
noch heule Wasser führenden Kanal entlang. 

Es wird mit diesen Beobachtungen nicht nur schon Allhe- 
kanntes wiederholt. Wir gewinnen vielmehr erst jetzt durch 
sie das Beeilt, das mahmoudsche Strassensystem auch bei der 
Bekonstruktion der hellenistischen Stadt zu verwenden. Wir 
wussten, dass diese bereits von einem Netze sich rechtwinke- 
lig kreuzender ^Strassen durchzogen war: ariraaa ( ö tcöXi; ) ö?>oi; 
)caTaT£T|XY)Tat (dies der technische Ausdruck schon bei Aristo- 
teles j . . . a't Sri ^'X* '^^^ Trpo? öpOoc; TEjAvouatv (i.Xky]'koi.<; (Strabon 
793). Dass die mahmoiidschen Strassen jenen genau gefolgt 
sind, dürfte durch die an drei Querstrassen und einer Längs- 
strasse gemachten Beobachtungen erwiesen und darnach der 
Schluss auf das ganze Strassensyslem berechtigt sein'. 

Eine Fortsetzung der Unteisiichimgen auf alexandrinischem 
Boden ist beschlossen und wird holTentlich bald, schon zur 
Controlle und Bestärkung der l^^rgebnisse der ersten Campa- 
gne, wieder aufgenduimen werden. y\uf wertvolle Finzelfuiide 
wird mj'.n auch in Zukunli nicht rechnen dürfen; nur ein be- 
sonders glücklicher Zufall könnte uns derartiges wiederschen- 
ken. Aber das.s für die Geschichte der Siadt der Boden noch 



' 80 kuiiiiiicii l(i|)(iKi;i|iliis(lir Unlrrsucliuiig undKiilik deiÜbei lieferung 
(Aiisffldt, Hlifiii. iMiisciiiii I '.)()( I 1,^)5) S. 3f)() f.) unatili;iii^;iK von ciiiaiKler 
zum selt)eu Ziel. 



NKUE UNTKHSUCHUNGKN IN ALEXANDHIEN 269 

inanclie werlvolle Auiklürunii; gehen kann, das wenigstens lia- 
l»en unsere Versuelisgrähen doch hewiesen. Damit ist zur 
Genüge gesagt, dass die Forschung hier nicht Halt niachfn 
(hirf. 

8. 

Es sei gestattet in einem Zusatz hier eine Frage kurz zu he- 
rühren, obschon sie durch unsere Grabungen nicht unmittel- 
bar aufgeworfen wird. Aber die vorstellenden Untersuchun- 
gen kommen ihr bereits zu gut, und ausserdem giebt sie Ge- 
legenheit . noch einer iür die topographische Forschung in 
Alexandrien wichtigen Tbatsache zu gedenken. 

Das 1^-inzip der Stadtanlage, die streng regelmässige 'Zer- 
schneidung' des Stadtgebietes durch die Strassen , gehl be- 
kanntlich auf llippodamos von Milet zurück. Zwei im rechten 
Winkel sich schneidende llauplstrassen gaben die entschei- 
denden l^ichtungen an. Die Wahl ihres Schnittpunktes war 
wichtig, da durch ihn zugleich die Lage des Marktes ('ItczoSx- 
ix£io; äyopa) bestimmt war'. Als llippodamos von Perikles 
berufen wurde im Piraeus seine Theorie zu verwirklichen, 
liess er sich durch die (gewiss schon vorhandene) iyopä am 
Hafen "^ nicht abhalten, im Mittelpunkt seines Systems einen 
/.weilen regelmässigen Marktplatz, eben die nach ihm be- 
nannte ETepa ayopa (Paus. 1,1.3) anzulegen. 

Da.s hippodamische System verrät Zeit und Ort seines Fnt- 
steheiis deiillich: nicht mehr die Akropolis, die llerrenburg, 
ist das (leiilium. sondern der Markt . das Herz <les bürger- 
lichen Lebens. Aber es bewährte sich auch, und selbst die 
«M-osseii Haiimeisler Alexanders und Aov Diadnelieii haben kein 
besseres an seine Stelle setzen k«)nnen; man liess sich durch 
die tn'r)ssten Terrainschwierigkeiten nicht von seiner Dureli- 
luhrung zurückschrecken, wie uns jetzt Priene üben axliend 



' Vj;l. Aiislophaiii's \'iig('l lOU.'i f mil iIlt Aiiiii. von Kmk uiil liiilinann, 
IMiil(.|.)-us \-2 (18831 S. -JUTIf. 
-' Waclismutli, Stadt Allien II S. 105. 



270 F. NOACK 

(ieullicli zeigt'. Audi der Dünenboden der I^andenge zwi- 
schen der Mareolis und dem Meere, der, nach unseren Beob- 
achtungen , womöglich nocli unebener war als zur Zeit der 
mahmoudsclien Strassenanlage, wurde nun nach einem sol- 
clien Schema zerlegt. Ks ist auch nicht zweifelhaft, (hiss die l^age 
der beiden iiauptstrassen, durch die von Mahmoud richtig er- 
kannten des späten Systems bestimmt sind. Will man kon- 
sequent sein, so muss man in ihrem Schnittpunkt den städti- 
schen Markt suchen. Mit der Bestimmung von dessen Lage 
war ein llauptl'actor der neuen Stadtanlage gegeben. Daher 
verdient die Überlieferung unseren Glauben, die ausdrück- 
lich hervorhebt, dass Alexander die Lage der äyopä bestimmt 
habe^ 

Aber hatte Alexandreia , das von Anfang an als ein ßm- 
porion grössten Stiles gegründet war, keinen Markt am Ha- 
fen ? Wie es das Beispiel von Halikarnassos -^ und Rhodos^ 
beweist und Vitruv, nach griechischen, hellenistischen Quel- 



< Arch. Anzeiger 1897 S. 180 f. 

- Aniaii 111,1. Erdiiiann,Ziu' Kunde der liellenislisclien Städlegiüiidungen 
S. 18. Wie das jaesov r.solov zu verslelieu sei, ist hei unsereu jetzigen Mitlein 
niclit sicher zu entscheiden. Nicht weil TueSsov der Name der nau[)lquer- 
strasse wäre (Erdmann S.17), sondern weil nach Pseudo-Kallislhenes 1,32 
die Anlage der Stadt von einem Punkte ausgegangen war, der ii.^aov tceoiov 
liiess, würde dieses eventuell mit der «Yopa zu idenlilieiren sein. Der Name 
würde passen; wo der Markt ist, ist auch der Millel|)iinkl der Stadt, was 
nicht immer streng mathematisch zu verstehen ist. In diesem Falle dürfle 
man natürlich nicht (mit Erdmann Ö. 19) auch den nach Alexander he- 
nannten to7:o;, von dem Achilles Talius a. a. O. redet, mit derselben 
Agora zusammenwerfen, da er deutlicii vom jjieaov neSiov unlersehieden ist. 
Versteht man dagegen unter der vom Alexandeiplalz ausgehenden Quer- 
strasse hei Achilles Tatius die H a u p Iquerstrasse der Stadt, so müssle man 
umgekehrt hier die äyopa und das ij.E'aov neotov anderwärts suchen. Sehrei- 
her, Vorbemerkungen zu einer Typologie der hellenistischen Slädlegrün- 
dungen (Festschriit für II. Kiepert S. :{/i3) will für Aievaiidrieii keine cen- 
trale Agora annehmen. 

3 Vitruv II, 8, 11. 

•• Rhodos, ebenso wie der Firacus.JiKu naeli hippodainischem System an- 
gclegl: Strabon 054. Kr(liii;iiiii, l'liihilugus 42 (1883) S. 224. 



NEUE UNTEnSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 271 

len * betont (1,7,1), war bei Küsten-und Handelsstädten 
durcb j)raktisclie l^ücksicbten ein Markt am Hafen gefordert: 
area, tibi forum constituatur, eligenda proxime portuni. 
Wie er im I^iraeus geblieben ist. trotz der zweiten bippoda- 
miscben äyopa, so konnte er in Alexandrien kaum feblen Ist 
es nun Zufall, dass gerade da, wo Ost- und VVestbafen an ein- 
ander stossen, am Südende des lleptastadions, scbon in (Cae- 
sars Zeit eine area' genannt wird ? Als Verbindung zwiseben 
den beiden Hafen, dem Spöao; des lleptastadions-' und der 
llaupliangsstrasse war liier ein freier Platz, der zugleicli lla- 
fenmarkt war, vorzüglicb angebracbt. Lassen doch noch die 
malimoudselien Strassen liier einen grösseren Raum frei *. Aber 
scbon der Stadtplan des Deinokrates musste an dieser Stelle 
auf besonders starken Verkebr Hücksicbt nebmen. Denn die 
Idee, das Heplasladion bier anzulegen und durcb die Verbin- 
dung mit Pbaros die Lage der neuen Stadt erst wirklieb aus- 
zunützen, wird man scbwerlicb vom Gründungsplane trennen 
dürfen. Lr ist nicbt nur der Ivübnbeit des Deinokrates wür- 
digt, sondern rückt auch durcb die Person seines Erbauers 
Dexipbanes. dessen Sobn Sostratos unter Ptolemaios Pbila- 
delpbos etwa zwiseben '290 und 200 seine Wirksamkeit ent- 
faltete, in die Frübzeit der Stadt binauf'. Audi das üSpayo)- 



' Nissen, Tciiiiiluiu S. o8. Zu ViUuvs starker Aldiängigkeil \un grie- 
chischen Quellen vgl. auch meine Bemerkungen IMiilologus 1899 S. I U". 

■^ Bell. alex. 19,0. 

3 Rhein. Museum (43) 1888 S. 300 f. 

' Vgl. Kieporls Plan, Zeilsehrül lür Krdkiiiule 7 8. 33 f. uiul Bulli, U 
l'lan (i'AU'.raiKirte, heicie natli Maliniuuiis Originalaut'nahine. liii-r^u [tassl 
auch die Marklslrasse ( = Rc ) hei Pseudo - Kallislhenes 31,3 ( in der Bear- 
heilun^' a), vgl. Ausf'eldl, a.a.O. S. 3ü4 f. 

s Ein ähnliches Wageslüek war der 4 Stadien lan^e Damiu iiacli T\ ros 
gewesen, der unniilleihare Vurläuler des Heiitasladion^. 

<> Stiahon 7'.)1 und Stepli. Uyi. s. v. «l'ico^ i Inseliiilt des Sosiralos am 
Leuehllnrni). Nach Perdrizels Nachweis (litciie des iHiides aiiriennes I,18y9, 
S.-JC.I) hat Sostratos den Turm gegen '28U bereits volleiulel. Kr wird also wo! 
kaum nach 3"2Ü gehören sein; seinen Vater können wir uns demnach sehr 
gilt linier den Baumeistern Alexanders denken. Ausserdem hat die Aus- 
riihmiig des Clriindiingsiilancs in allen seinen Einzelheiten Jahre in Ansijruch 



572 F. NOACK 

yiov, das diircli diesen pjewaltigen Damm nach der Insel ge- 
leilel wurde, weisl. wie das i:;anze Leilimgssysteni der Stadt, 
auf diese erste Zeit. Zumal liier auf der nackten Düne, wo 
eine Grossladl i>leicli im weitesten Umfange (Amm. Marc. 
'2"'2, 16, 15) aus dem Nichts geschalten werden sollte, musste 
die Frage der Wasserversorgung eigentlich eine Lösung schon 
gefunden hahen.als man sich zur Gründung entschlösse Alex, 
ander hatte ja einen competenten Berater auch hierfür in Dei - 
nokrates in seinem Gefolge ( V^itruv II praef. A) und dasselbe 
kann mit Krates Ta9p(opu/0(; der Fall gewesen sein. 

Diese äyopä am lleplastadion lag nahe hei den SchitTswerf- 
len (Strahon 79-'i), Wenn nun ein diesen hinderlicher Obelisk 
(Plin. 36,9) vom Arsinoeion nach dem forum versetzt wird, 
so kann damit ebenso gut der nahe gelegene Platz, wie der 
Markt in der Stadtmitte gemeint sein ; mehr beweist diese 
Stelle jedenfalls nicht 2. 

Das Vorhandensein zweier Marktplätze entspricht schliess- 
lich vollkommen der Doppelaufgabe, die .Mexandrien erlüllen 
sollte und in den ersten drei Jahrhunderten auch erfüllt hat: 
es war ebensowol die erste Handelsstadt der Welt, deren iyocx 
natürlich an den Hafen gehört, wie die königliche i^esidenz-^, 
'die Festung Königs Alexander I ', die unabhängig von den 
commerciellen Finllüssen das Bild einer in sich geschlossenen, 
"länzenden Stadtanlaü;e ueben sollte. 



geiioiiiincn. Die Veihiiidiing des Dexiplianes niil Ivicoi.alr.i i»i ii;tliirlicli 
' It'jioiuiaii.scii " ( l'aul^ -Wissovva 1 S. 1384, 1/; sclinii uacli Cacs. Iicll. civ. 
III, 112 isl da.s ileiJlastailioii a prioribus rpyibus cii iclilct. 

• 8üss\vassei' ist alliM'diiigs irn Boden voiliaiiden ( Kicpeil a. a. O. 340). 
Caesar giiil) LJiunneii, liell alex. 8,1. 'J,'.'. Für die V'eisoigmiu' der ganzen 
yiadt alter liaüe den Erbauern die feste Vei bindung inil dem Nil zuver- 
lässiger geschienen. In den gros.sen, noch ji^lzt (Mballeneii ( islci nt-nanlagen 
ivgl. jetzt aucli Merckel, lngenieurtechnil\ S. filJ 1.) sind /um grossen Teil 
Bauglieder (Säulen, Ka|iilellc) spälesler antiker und bjzanliniselier Zeit 
verwendet. Ihre Det-ken liegen da, wo ich es eonirolliren konnic, höher 
als die ge[)llasterten Strassen des nialiinoudschen Svslenis. 

* Erdniann, Zur Kunde der hell('ni^lisollen Sladlgründiinui'n .S. js fiihrle 
sie gegen eine «Yopa am Hafen an. 

3 lihein. Museum 3."} 8. 451. 



NEUE UNTEIISUCHIJNr.EN IN ALEXANDHIEN '213 

Wir(] alx'r dioso ganze Rrörlnriing niclit dadiircli liinfällig, 
dass der Platz, den die Kreuzuni; der beiden llauplslrassen 
der ä/opä zuzuweisen scheint, in einer durcliaus sumpfii^en 
Niederung gelegen haben würde? Ikkannllich liaben Mab- 
mouds Aufnalimen {estgestellt, dass die HaupKiiierslrasse Ri 
naliezu in ihrer ganzen Länge eine zwischen 3(Jt) und 'lOO'" 
breite tiefe l^nsenkung (hirchzieht. Und Malimoud lial ge- 
rrlaiilii — und andere sind ihm (hirin gefolgt — , dass damit 
der Platz für die palus a nieridic interjecta des bell. alex. 
I, \ gelundcn sei. Nun ist die Niederung ja in der That vor- 
handen, aber man wird bei ihrer Beurteilung eine wichtige 
Thatsache nicht mehr ausser Acht lassen dürfen, die Sen- 
kuni:; des Hodens in nach klassischer Zeit! 

Ls ist das Verdienst von Jankö in seiner oben (S. •2-27, 1) ge- 
nannten Abhandlung S. 3"23 fl". auf diese Senkung nachdrück- 
lich hingewiesen zu haben. Nur unter dieser Voraussetzung er- 
klärt sich die Verkümmerung der Halbinsel Lochias. das gänz- 
liche Verschwinden von .\ntirrodos und Timonion' ; nur so 
versteht man. dass die ausgedehnten (^)uadcrlager heute vom 
Ufer des (3slhafens aus sich viele AJeter weit unter Wasser auf 
dem Meeresboden hinziehen, dass die Stufen des einen der bei- 
den Obelisken vor demCaesareum'-2' und tiefer unter Meeres- 
niveau gefunden wurden % dass zahlreiche Katakomben der 
westlichen Nekropole(s o.S.'2*29 Anm. ^2)vom Meere durchspült 
werden und einzelne Kammern nur noch in halber lli'ilie da- 
raus em[)orragen, dass endlich die Kundamentreste stattlicher 
Gebäude heule im Grundwasser liegen {L und //.{). Dann dür- 
fen wir aber auch für jene Niederung südlich von Lochias 
dieselbe Veränderung annehmen, unil es lallt die Ungeheuer- 
livhkeit wei;, dass die llaupl(|uerstrasse, mehrere Meter un- 
Icr der Pllasterstrasse (5. 1 S'" Meereshöhe), und \.V^v zu ihr 



« Jaiilvo a.a.O. ^^.:V^■. IV. 

- Die An},'ali(! verdankt' ieli finci rivniiilliilnii MiUiiliiiiu 1 »r. Seliwriii- 
rurllis, der selum daraus den lielili.mn Sclilu^s ;iiil du- l;odiiisfiikuni; ( Vdii 
iiiiiideslcns ;'"" ) gezogen lial. 

ATHEN. MrrrHEU.UNtiKN .\.VV. 18 



274 F. NOAri£ 

gehörige Hauptwasserkanal im Sumpfe angelegt worden wä- 
ren. Der Anlage der Aüiora stellte sich also in dieser breiten 
Niederung keine elementare Schwierigkeit entgegen. 

Wo bleibt dann aber die palus a meridie interiecta ? 
Zwei Auffassungen stehen sich gegenüber. Die eine ist von 
Wachsmuth ' so formulirt worden : 'zu jener Zeit (Caesars) 
drang also noch die palus Mareotis, der Sumpl'see, so vom 
Süden her in das Stadtterrain ein, dass er dasselbe in zwei 
Hälften zerlegte, welche nur durch einen verhältnissmässig 
schmalen Streifen mit einander in Verbindung standen : eben 
diese tief eingreifende I^inbuchtimg der Mareotis ist es ofl'en- 
bar, welche von Strabon Will S. 793 als 6 Imr,^ 6 >iu.vai;o<; 
genannt und in seiner lebhaften Frequenz geschildert wird'. 
Im Gegensalz dazu nimmt z. B. Judeich im Anschluss an 
Drumann und Mommsen an '^dass einlach die iMareolis selbst, 
nicht ein solches in die Stadt eingreifendes Sumpfgebiet ge- 
meint sei. Beide Auffassungen scheinen mir iVichtiges und 
Falsches zu vereinigen. Wir müssen uns die Situation Caesars 
vergegenwärtigen . 

Seine Stellung ist durch bell. civ. Hl, 11"2 annähernd be- 
stimmt. Fr beherrschte das Theater und den anschliessenden 
Teil der Paläste, also den Hügel des heutigen arabischen 
Hospitals mit seinen Abhängen: der von ihm besetzte Ufer- 
streifen reichte bis zu den navalia; in der Stadt mag seine 
Position «lurch die Strassen Rj oder R', im Westen, Li (kano- 
pische Strasse) im Süden und R2 als alleräusserste östliche 
Grenze zu umschreiben sein ^. Dazu kommt bell.alex. l,''i,r). 
Die Stadt würde in zwei Teile zerfallen sein, wenn es ihm 
geglückt wäre , durch vorgeschobene V^erschanzungen den 



' iiliciri. Museum 35 S. 453. 4'2 Ö. 4ü3, I ; eheiisu Maliiiiuud , Ivicpcil , 
Lumbroso. 

2 Judeicli, Caesar im Orieiil (1885) 8.80. Vgl. auch ruclisleln liei Pauly- 
Wissowa I S. 1382, 45 und jetzt Jung, (^icsar in Acgypli^" ( l'roj^rammj 
Mainz 1900) 8. 15. 23-i'5 (mir eben er.sl Ijck.mnl },M.'\V((rdcn ). 

' Soungelähr aucli bei Judeicli a.a.O. auf der kleinen Karle v(in Alexan- 
drien. 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 275 

schmalen Sladlteil zu besetzen, der durch das ßinj^reifen der 
palus von Süden her gebildet war. Dein Wortlaut des Be- 
richtes, der m. 1']. unbedingt dazu führen muss, eine Ver- 
engerung des Stadtgebietes an einer Stelle der Südseile 
anzusetzen, wird von den Vertretern der zweiten AulTassunj' 
gar keine Rechnung gelragen : der gewöhnliche Verlauf des 
Psordufers der Alareolis würde nirgends innerhalb des Stadt- 
gebietes eine pars angustissinia herbeigeführt haben. Es 
ist dann weiter unzweifelhaft , dass bei einem solchen Ein- 
treten der palus in die Stadt nur jene ausgedehnte Nie- 
derung in Betracht kommen kann (Waclismuth a. a. 0.). 
Dagegen halte ich die Ansicht, dass es sich um einen d auernd 
in der Stadt vorhandenen Zustand handele, nicht für genü- 
gend begründet. Veranlasst ist sie ganz wesentlich durch die 
weite nördliche Ausdehnung der von A'Jahmoud festgestellten 
Niederung. Doch gilt deren glei chmässige Tiefe mit 
Sicherheit nur für die Zeit des gepflasterten Strassennetzes. 
Nicht folgt daraus, dass der Boden in älterer Zeit überall 
gleich tief darunter gelegen habe. Unsere Untersuchungen 
hal)en erkennen lassen, dass der Boden der hellenistischen 
Stadt gelegentlich viel stärkere Höhenunterschiede aufgewie- 
sen hat, die bis zur Zeit der IMlasteranlage nicht unbeträcht- 
lich vermindert worden waren. Wir besitzen also keine Sicher- 
h(Ml dafür, dass das einmal in den südlichen Teil dieser Nie- 
derung eingetretene Wasser der palus Mareotis bis nahe an 
di(! Loehias herangekommen sei. Wir ki'mnen folglich die 
a/tLiitsUssi/zia pars oppidi (juani /xilus . . . cfßcicbal auch 
nicht einfach mit der schmalen Erhebung im Norden der Sladt 
zwischen Lochias und der mahmoudschen Niederung nleich- 
setzen. Es ist schon an sich sehr wenig glaubhaft, dass nahezu 
ein Drittel des Stadtgebietes während der ganzen ersten uiul 
glänzendsten .lahihunderte durch eine breite Sumpfgegend 
— die strategisch zu verwerten war, also wirklich iiiijtas.^iibar 
gewesen sein niiissle — bis .iiif einen kleinen \ t'rbin<luni;s- 
slreifen abgetrennt geblieben wäre Grösseres Gewicht als diese 
Überlegung durfte das i'j'gebiiiss unser(>r Untersuchunueii ha- 



276 F . NOACK 

ben, wonach eine für die ßinteilung des ganzen Stadlgel)ietes 
entscheidende Slrassenlinie von Anfani^ an i^erade diese Nie- 
deriinüihiiclizoiien hahen innss — ij;anz unabliänj^ii; davon, wie 
man sich über die Lai!;e der äyopx entsclieidet. Zudem denke 
man sich in (laesars Lage, üstlielivon seiner Stellung bis zur 
Lochias dehnten sich die königlichen i^aläsle der verschiedenen 
Zeiten aus: er hatte sich ihrer nicht oiler doch nur zum klein- 
sten Teil bemächtigen k(')nnen. l^bendort hielten aber »lie Alex- 
andriner auch den befestigten königlichen Pi'ivatlialVn wäh- 
rend der ganzen Dauer der Kämpfe besetzt (bell. alex. 13. 
Strabon 79'i). (>aesar hatte demnach nach die.>^er Seite wenig 
Aussicht auf l^rfolü;. Und wie würde ihm eine solche Aktion 
die Verproviantirung erleichtert haben . wonach docdi sein 
Ilaupistreben ging? War lWq, /)a/us ein seit .Jahrhunderten 
hier stehender Sumpf, so bot sie ihm weder aqua noch pn- 
huluni\ lieisst es aber unmittelbar darauf, dass diese selbe 
/)alus ihm beides reichlich verschaffen konnte, so kann sie 
eben nur die Mareotis (mit ihren Ufern) gewesen sein'. Wir 
müssen uns dabei erinnern, dass noch zu Strabons Zeit dieser 
See durch Nilkanäle gefüllt wurde (Strabon 793), also trink- 
bares Wasser enthielt und an der Nilschwellunir Teil nahm '. 
Damit gewinnen wir eine, wie mir scheint, befriedigende 
Erkläruui^. Wenn das Wasser der Mareotis einerseits in das 
Stadtgebiet einü;etreten sein muss, allerdings lannre nicht so 
weit, wie Wachsmuth u. a. meinen', andererseits der An- 
nahme einer dauernd vorhandenen palns sich begründete 
Schwierigkeiten entgegenstellen, so bleibt die AJiiglichkeit, 
dass mit dem Sicigen des Xils. an dem die Mare(»(is'i\'il nahm, 
auch der südliche Teil der vielbesprochenen iXiederung (die, 
wie wir sahen, nach Süden zu liefer gewesen sein kann) re- 



< Judeicli a.a.O. S. 8G. 

a Vgl. I^auly-Wissowa I S. 138:}, 1 f. 

3 Dif! ursprünglicli«'. Ilaupliiiierslrassr wird di'sli.iHi ( d.iinit wird \\ ;iclis- 
iiiullis Fra^'c Rlifiii. Miisiuiiii .'{"»S.'iriS jioutc zu iicaiilwniltMi stdii) iiiclil ^suiz 
siiwcil üliiT die Krcu/.uiij^sstcih! Iiiiiausj^egaiigcii si'iii,\vit'. es die Sondiriiii- 
gen Maliiiiüuds lür dit> spüd- IMlaslorslrasse daiiiliiT IV>^l;;rsirlil lialicii. 



n 



NEUE UNTERSUCHUNGEN IN AI.EXANDRIEN ?77 

gelmässi" und so laii''»' üherscliwemml wurde, bis ( in nach- 
cliristliclier Zeil) ilir Hoden sich stärker angehöht hatte. 
Zwischen dem von (Caesar heselzten Stadtteil im Norden und 
dieser üherschwemmlen Nieih^-ung im Süden ( hez. Südosten 
von ihm) blieb jene (ingustissima pars oppidi, quam pa- 
liis (i mcriiUc interievta efficiebal. Der Nil beginnt im 
Sommer (fast immer am 10. Juni) zu steigen, am 7. Oktober 
erreicht er seine grl)ssle Höhe'. Im November wird die ste- 
tige Abnahme noch sehr wenig gespürt. Wir haben das Hecht, 
ja ich dächte die Pflicht, damit auch in unserem Falle zu 
rechnen: die hier in h'rage kommenden Ereignisse, besonders 
der Vorsloss Caesars nach der palus Marcotis , fallen aber 
iienau in die AJonate des höchsten Nilstandes und die allererste 
Zeit des Abnehmens'. Das passt also sehr gut zu der hier 
voriietragenen AulTassuni;- und darf vielleicht auch als fine 
nicht unwichtige Bestätigung der [Richtigkeit unserer ganzen 
Untersuchungen angesehen werilen. 

Für den Binnenhafen an der iMareolis , den Xia/jv A'.u.vaio(; 
Strabons. gewinnen wir dauiil allerdings nur das iiegalivt' Ke- 
sultat, dass er schwerlich gegenüber der Niederung gelegen 
hat oder gar mit ihr teilweise zu identificiren wäre. 

Die für die (leschichte des alexandrinischen l^odens so be- 
deutungsvolle Senkung ist kein nur aus den oben angeführten 
'riialsachen abgeleitetes Postulat geblieben. I*]s ist bewiesen 
worden, dass eine so durchgreifende Wandlung an der Delta- 
kiiste nur in gewaltigen l'h'd beben ihre Erklärung lindet. Fs 
ist aber otYen bar auch gelungen, das entscheidende elementare 
Freigniss in der geschichllieheu l'berlieferuug wiederzulinden. 
Mit der Ziisauimenslelluiig des.sen. was darüber ermittelt ist '. 
möiie ilaher dieser Bericht beschlossen werden. 

o 

* Janko a.a.O. S. 1W.\ W. 

- .ludrioli a.a.O. S. S". iiixi Miii>t. 

•' Zu Jankos kiir/.on Hfiiifikiiiigeii S. ;{;'i UiU jeUl M. van Lk'rclieni, 
Comples - iriultts de l'ardilriiu'r ihs iiisrrliilioiis IS'.tS cjti) ."-!. .'<;'".(- :ri.">. Damit 
/. T. iilMMt'insliiinni'mlt', /. T. cinan/riKlf ,\ii,ualM'ii ( Ih's. iiImm «las Krdlic- 
licn scilisl ) vcidaiikf icli tlei l'ieimilliciiki'il inciiics Kollogeii llonii I'iol. 
Völlers. 



278 F. NOACK 

l)ie heli'cflVndcii MilIciliiiimMi der ;n ahisclieii llislorikrr 
kniipft'n sämllicli an den IMiarnsliMiclillunn an. Nm-Ii im 
Jalire \'M)'A belancl sich in ihm ein arahischcr lUHranm'. In 
demselhcn Jahre, am 7. Aiii;usL (dem '2.S. Dziilkii^^a 7()-> aca- 
hisiduM" lloelmnnii) trat oin i'ONvalli'ies EnlbehiM) in Acj^yplen 
lind den iimlit'i^ciidcn Liindcrn auf; am lielügslen wülele es in 
Alexandrien selbst, es zersLörLe die Mauern, die Türme (Forls 
oder Kaslelle) und eine Seile dos IMiaros, naliirlieh auch den 
darin helindlichen Beiraum, der aher im lolj^eiKhMi Jahre wie- 
der hergestellt wurde. Das Meer drani; in die Sladl ein und 
überschwemmte die Gärten'^'. In Kairo stürzte die Al-Azhar- 
Moschee in Trümmer u. s. f. Schon IS'^ß bestätigt Ihn Ba- 
I Utah nach eigenem Augenschein, dass die eine Seite des I^ha- 
ros darniederlag; als er 13 i9 die Stelle zum zweiten Mal be- 
suchte, war er vollkommen zerstört [Voyagcs I S. '79 f.)- l^ip 
starke Senkun«jj des alexandrinischen Bodens hat man daher, 
wie es scheint, mit gutem Grund, derselben Katastrophe zu- 
geschrieben , welcher das Wunderwerk des Sostratos zum 
Opfer fiel. So sah noch 1 'i'iO ein anderer .Augenzeuge Qalqa- 
cliandi nur dieTrümmer des miichtigen Baues (M. van Berchem 
S. 3'i5). Im Jahre 1 'i77/(S besuchte der Sultan OaTtb.Vi während 
seiner Anwesenheil in Alexandrien auch die Stelle des alten 
Pharos und befahl auf seinen alten Fundamenten ein 
Fort zu bauen. Als er zwei Jahre später I 'i70/8() wiederkam, 
konnte er bereits den fertigen Bau iiispiciren ■*. Wiederliolt 



' Es war ciiilacli ein Raum im Pharos zu dieser 'Moselice' hergericlilel 
worden. Erwähnl in Makrizis Uliilal I, 158, 5 IF. 

' Von der Moschee ahgesehen , stellen alle diese Angahiii in Ihn Ijas 
ägyptischer Chrniiik I (Kairo 1311) S. I'iri,5f. Weil, Ge.sch. der ('lialüen 
IV S. 26'i lässl den ain IMiaios angeriehlelen Schaden unerwähiil. 

•■< Ihn Ijas II 8. 173 IT. 18!). Sowol S. 17i, I wie 180,:) wird ansdniekli.-h 
holont, dass das Fori a ii f der Stelle d]es alten Pharos gL-legen liahc, 
nicht, wie Weil a.a.O. V S. 358 sagl, es sei («ün Jahr spiilor, liSO/Sl ) an 
der Seile des früheren Lciiehllurins erriehlel worden. Der Bau des neuen 
Forts wird als ein WuiHlei in seiner Arl hcschrieheii. Auf stfinernen P.ögen 
ruhte ein hedcektcr Gang, der von der Küste (der Pharosinscli in das Meer 
liimiiilicf uud im Fori endete. Damit vgl. Jaiiko S. .'{;'.'5 : 'der M(du, der die 



NEUE UNTEHSUCHUNGEN IN ALEXANDRIEN 279 

wird gesagt, dass das Fort auf der Stelle des alten Pliaros 
lag. Unter diesen Umstünden verdient es aucli Beachtung, 
dass die Seitendes mächtigen viereckigen Mittelturmes des ara- 
bischen Forts genau der Längenangahe entsprechen (=31™), 
die II her ein Jahrhundert vor dessen Erbauung ihn Batütah 
von einer Seite des Pharos gieht'. fliernach wird die, wie es 
nach den neueren Karten scheint, ziemlich allgemein ange- 
nommene Anselzung des Pharos auf ihn Klippen iistlich von 
Qaithai doch noch einmal zu revidiren sein. 

Jena. 

FERDINAND NOACK. 



♦♦ ? •■ it .»i». 



einslinalig«; Leiirlitliii in - Insel mit der oinstigcn Phanis - Insel verbindet, 
ist heule ca. 'MM'" lanj,^ und in llinsichl ilarauf, dass er aus Granit - und 
Marmor - Hriickcnköiden (?), aus wagreehl gelegenen Säulen und andern 
Resten des allen Alexandriens zusammengetragen ist, können wir seinen 
Ursprung liöclislens in die Zeil der arabischen Herrsehart versetzen, und ich 
glaube, dass er wahrscheinlich mit dein an Stelle des allen Leuchtturms ge- 
setzten l-"(»rl-Quail-He>' glciclialterig ist. da die Gründung desselben ur- 
spriinglicb die siändigc N'erbiiiduiig dieser Insel mit der grossen Insel not- 
wendig machte ... in der Nähe der Leuebllurm-Inscl fand ich im Meere 
alle Maucrüberreste, ausserdem Säulen die abgebrochen dastehen, deren Fuss 
aber vom Meeressand bedeckt ist; die Folgerung, dass all dies einst über 
der Oberfläche de.s Meere.s w ar, und wir hier also das Sin- 
ken der Küsten konstaliren müssen, ist unausbleiblich. Auch die 
ausdrückliche Betonung dessen, dass l.'J'iU im ne i)ouvait plus y cntrtr^ tu 
m^me alleindre jitsifuii sa porlr bei Ihn Batütah, dürfte dafür sprechen, dass 
vor dem Firdbebeii die Stelle des IMiartis mit der riiaros-Insel 7iisammen- 
hiiig; dann erst war die künstliche Verbindung nötig gewurdcii. 
< M. \aii Berchem a.a.O. S. 3'i3. 



DER 'APOLLO 8TR0GANOFF' 

In diesen Miltheihmi^en 1800 S. '.ß8-'.8'i innolil G. Kie- 
serilzky einen Versiic.li. die Aclillieil der als Apollo SlroganolT 
bekannten Bronzeslaluelte der Sammlung SlroganofT in St. Pe- 
tersbnro zn erweisen. Kr teilt allerlei Beobaclitnngen über 
«len Znsland der Bronze mit, er macht viele Worte und spricht 
viele Betouernnoen ans; allein vernebens sucht man als Bo- 
densatz von all diesem auch nur die Spur von etwas, das als 
Beweis dienen ktiniile. 

Die Bronze ist eine Fälschung, und dies ist dermassen deut- 
lich und unverkennbar, dass es, wenn die Fi^ur alluemeinerer 
Betrachtung zu^aniilich üfemacht wurde. Niemand, der sich 
wirklich Erfahrung in alten Bronzen erworben hat, je be- 
zweifeln wird. Sie gehört in eineKlasse von Fälschungen, die 
keinem Kenner unbekannt ist. Das Charakleristische der 
Klasse besteht besonders darin, dass es nicht kleine Statuetten, 
sondern relativ grosse und hohlgegossene Figuren sind, die 
sich meist an bekannte Statuen anscliliessen, und dass diesel- 
ben durch mehr oder weniger grosse und zahlreiche Guss- 
fehler und deren teilweise Ausbesserung den Anschein beschä- 
digten Altertums zu erwecken suchen. Fs sind mir ijn Laufe 
der Zeil im Kuiisthandel eine Ucihe solcher Figuren vorge- 
kommen ; eine solche, einen Herakles, habe ich schon Mei- 
sterwerke S. ßß] angeführt, liier sei nur auf zwei in (HTent- 
lichen Sammlungen belindliche Slücke dieser Art hingewie- 
sen. Im Museo civico zu Verona steht eine 0,.S'?r) hohe, 1(S<S."") 
gckaiiflr Bronzestatuette, die eine Haue inoderiic Nachbildung 
der Amazone des malleischen Typus, der Springerin, ist' 



' H. Bulle liaMo (Vui Gufälligktil, die Fi};ui küizlicli iiiH.liinaJs ;;riiii(ilicli 
zu unleisuclicii ; sL-iiic licoliaclilimgcii lifgeii rloiu Kolgcndcn zu GiimhIc 



DEh APOLLO STROGANOFF 281 

(Arndt-Amelunj;, Kinzelaufnalimen Nr. 8; vj;!. iMeislt'rw.-ikc 
S. "207, Anin. I). Sie ist liolil ^'egossen und zeigt eine Reilic von 
Gussfelil(!in; ein solclier, ein grober Riss auf dem liiicki-n des 
rechten Fiisses ist nicht verbessert; an den anderen Stellen hat 
der Fälsch(!r LI Midie (In leliGusstelder entstandenen Lr)cher lieruni 
dieOberlliicIie rechteckig eingeschnitten, um (h^n Anschein zu 
erwecken, dass diese Stellen nach antiker Art durch Flicken 
zugedeckt gewesen waren. Kieseritzky will (S. 'iSI ) auch am 
Apollo StroganoiY eine rechteckige Pflasterspur bemerkt ha- 
ben ; auch wenn diese Beobachtung richtig ist, beweist sie 
nach der an der veroneser Figur zu machenden iMlahrung 
nichts für die Ächtheit jenes Apoll. An der veroneser Ama- 
zone waren lerncu' der linke Fuss und die lläU'te des Unter- 
schenkels niemals vorhanden. Die jetzige Fndigung des Un- 
terschenkels ist kein liruch . sondern auf Dreiviertel des 
unteren Handes deutlich ein Schnitt, der z. '\\ mit moderner 
Patina bedeckt ist; das übrige Viertel ist unregelmüssig rauh, 
■iber iiiclil nod einem Bruch, sondern mit stumpfen Rundun- 
gen, wi(! sie entstehen, wenn sich das Metall beim Gusse 
streckt, (janz gleichartig ist tlie sog. Aegis des Apoll, die nie 
vollstiindiger war; die untere h'läche zeigt einerseits, wie Kie- 
seritzky (S. 'i83) angiebt. Schnitt, andrerseits eben jene rauhe 
Gusslliiche , die Kieserilzky lälschlich als wirklichen Bruch 
ansehen will. Fin sinnloses Attribut, analog jenem Stuck 
'l'uch, der sog. Aegis. nämlich eine runde Scheibe hat der 
Fälscher auch «ler linken Hand der veroneser Fiuur i;ei;e- 
ben. Auch der Bing in der rechten Hand der Amazone i.st 
ganz sinnlos; die Finger sind unverständlicher Weise darin 
gespreizt; zwischen dem Bing und dem Haar ist ein unsinni- 
ger Klumpen Metall vom Gusse her stehen gelassen. Die dicke 
l'alina ist nKiilerii auigetraucu, das .Meiail daruiilei- ist intakt. 
Die zweite analoge Fälstdiung in einer (dVenllichen Samm- 
lung steht der stroganolVschen Figur auch durch den Gegen- 
stand besonders nahe : es ist auch ein bidvederischer Apidl, 
eine Bronze von etwa .'Kl "" Ibilie im .Museum zu Stuttgart (wo- 
hin sie aus einer iiilercii Brivatsammlimg gekiunmen sein soll). 



282 A. FUHTWAENGLER 

AlU'li hipp zni^l dor liolilc Giiss allerlei fjöclier, die ausge- 
bessert sind. Die aiili^cslrichene Palina ist modern. Wie an 
der stroganofl'sehen Fii^ur fehlt aueli hier der K(')cher. ausser- 
dem ist aber das ^anze Gewand, das im Gusse Sch\vieriji;kei- 
tcn machte (\i^\. Meisterwerke aa.O.), weggelassen. Der Kopf 
ist freier nach der belvederischen Ki<i;ur copirt, als am stroga- 
noITsehen I^xemplar; in der Linken ist der Bogenrest von der 
belvederischen Statue beibehalten. Die Stütze ist auch hier, wie 
beim Apollo SlroganofY, weggelassen ; doch während letztere 
Figur in sklavischer Abhängigkeit von der belvederischen Sta- 
tue auch den bei der Rronze ganz unnützen Sockel unter dem 
linken Fusse vom Marmor übernommen hat.liess der^^älscher 
des Stuttgarter Exemplares diesen konsequenter Weise ebenso 
wie die Beinslütze weg. Auf andere an den belvederischen 
Apoll anschliessende Fälschungen, wie die von mir Meister- 
werke a.a O. genannte Figur in Zaragoza oder den ebenfalls 
ofTenbar gefälschten sog. Apollo Pulszky sei hier wenigstens 
hingewiesen '. 

Die stroganoffsche Bronze reiht sich mit allen ihren Ei- 
gentümlichkeilen in eine bestimmte Klasse von Fälschungen 
ein. Sie hatte besonders zahlreiche Gussfehler und die dadurch 
entstandenen Löcher sind mit Blei aus^ejifosscn, wie dies auch 
an der S. '280 genannten lleraklesfigur geschehen ist. Wie das 
Ausgiessen mit Blei und das teilweise l^^üllen der l^öcher 
mit Bronzeblech gemacht worden ist , hat Kieseritzky ge- 
nauer verfolgt ; allein sein V^ersiich, die .Annahme antiken Ur- 
sprungs der Figur zu retten, ist gänzlich missglückt. I^r giebt 
zu, dass dieganze Patina der Figur modern und künstlich über- 
gestrichen ist. ;\llrin er slellt die Vermutung auf, es m()ge 
darunter einmal eine ächle Palina gewesen sein, die man ent- 
fernt habe. Diese Vermutung ist nicht nur gänzlich haltlos, son- 



' I)ahfi sei pclppciillicli lintii'i kl, (l.iss der lini/.i'iiilp Salyr vnii IJniii/.c ans 
SamriilutiK Salarnanca in Madrid, den Pierre l'aii^ in Hrrue des rlmles an- 
liennes l'KIO Taf. I S. 07 al.s gri(!chi,scl) pnhlicirl, der l'lnilo}^ra|diir nach id- 
IV'nbar auch unter die Fälschungen gehört. 



DER APOLLO STHOGANOFF 283 

(lern sie wird aiicli durch den Tlialbestand als unmönlicli er- 
wiesen. Nach Kieserilzky soll die Figur einsl von einer 'slaik 
chlorhalli^(!n Patina' bedeckt gewesen sein, welclie die Ober- 
fläche ganz zerfressen habe: die durch Gusslehler entstande- 
nen, dieser Sorte von Fälschungen eigenen Löcher seien viel- 
mehr votn Oxyd durchgefressene Stellen ; die Bronze sei durch 
Oxydation 'stellenweise siebartig durchlöchert' gewesen. Kie- 
seritzky hat olTenbar gar keine Ahnung davon, wMe eine wirk- 
liche, dermassen von Oxyd zerfressene Ikonze nach erfolgter 
Reinigung aussieht. Wenn er sich belehren will, möge er das 
Atelier des Chemikers des berliner Museums aufsuchen, der 
hunderte solcher Bronzen behandelt hat. Kieserilzkys Hypo- 
these beruht auf einfacher Unkcnntniss; sie wird durch die 
glatte, glänzende, unter der modernen Patina intakte Oberfläche 
des Metalls der stroganolTschen Figur sofort widerlegt; eine 
Oxydation , wie sie Kieseritzky voraussetzt, hätte nach der 
Reinigung nur einen rauhen, zerfressenen Grund hinterlassen 
können. Dass die kleinen Goldreste, die Kieseritzky (S. i79) 
bemerkte, nichts für die Entstehungszeit beweisen, bedarf kaum 
der Erwähnung. Es ist ein beliebter Kniff der Fälscher, durch 
dergleichen Beste (ähnlich wie bei den Terrakotten ) die Täu- 
schung zu versuchen. 

Es ist nur noch ein Punkt in Kieseritzkys Ausführungen zu 
berühren, derjenige, mit dem er beginnt und den er mit be- 
sonderer Wichtigkeil behandelt, wie er denn schon vorher 
Melhig (Führer' 1 S. 50!) davon Mitteilung gemacht hatte, 
der 'Stützkeir unter dem linken Fusse. Kieseritzky meint, ich 
hätte die Bronze eben wegen dieses 'Stützkeils' für modern 
erklärt; er giebt sich der Illusion hin, dass er sie retten und 
als antik erweisen könne, wenn er nur jenen Punkt erschüt- 
tert habe. In Wirklichkeit habe ich diesen aber gar nicht ein- 
mal bcmcrkl, als ich das Original in Sammlung Slroganoft* 
als Fälschung erkannte: er fiel mir erst späler auf und schien 
nur geeignet. Anderen den modernen Ursprung deutlich zu 
machen, da er sich einfach und kurz in Worte fassen lässt, 
was bekanntlich durt-haus niclil der Fall ist mit jener unend- 



284 Ä. FI htwaenCtLer 

liehen Siinimo von b'oiMneinvalii'noliiniiniion, auf doiioii pii^ont- 
licli (las Urleil ii!)ei' Aclillicit oder Fiilscluinii zu IhmmiIkmi 
pflegt, jenen hnponderahilien des Kunstwerks, zu denen Kie- 
seritzky freilich gänzlieh das aufnehmende Auge zu fehlen 
seheint. 

Icli hatte hrhauplel, man kimne den modernen Ursprung 
der stroganoIVsehen Bronze schon daran erkennen, dass sie 
unter dem linken Kusse den Sockel von der Marmorslatue co- 
pire, wahrend Stiilzen dieser Art hei den antiken Bronzen 
nicht vorkämen Kieseritzky hehauptet im Gegenteil, diese 
Stülzkeile seien an allen Bronzen etwas tranz ii;ewöhnliches ; 
er spricht, als oh man heim ersten Blick in jeder Bronzen- 
sammlung eine Menge Beispiele linde und nur ein der Denk- 
mäler gänzlich Unkundiger dies nicht wissen kinine. Der 
Sachverhalt ist gerade umgekehrt. Richtig ist nur, ich halle 
nicht sagen sollen, 'niemals' fänden sich jene Stützen hei al- 
len Bronzen. Allein die wenigen Ausnahmen, die vorkommen, 
hesläligen gerade die Regel. Ich liahe jüngst Gelegenheit ge- 
liahl, die ungeheuer reichen Sammlungen antiker Bronzesta- 
tuellen daraufhin durchzusehen, die sich in Paris helinden: 
hier sind zahllose zunickgesetzte Küsse, die in Marmoraus- 
fuhrung i\\\{\ StützkeiU; hahen würden , die Bronzen aher enl- 
hehren derselhen. Nur zwei Beispiele römischer Zeit konnte 
ich (im Cab. des incdailles, Bahelon und BlanchetNr. 10. '?.'>7) 
entdecken, wo kleine Stülzkeile vorkommen, unti eines davon 
fällt noch weg, da der Fuss modern ist. Die von Kieseritzky 
angeführten Beispiele aus dem Brilisli Museum hallen Arthur 
H. Smilh und 1']. Sellers-Slrong die Gelälligkeil nachzu|)nilcn, 
wovon letztere mir das l^esullat miltcilte. Die ersten vier Stü- 
cke sind s(dir gci-inge, rohe nunisclK! Arheiten (stall IfiO? ist 
ir)'20 zu les(!n) und der Stulzkcil s(dieint teilweis modern (an 
|•2<).^sind (li(! Küsse ergänzt nach Wallers); von (Jen anderen 
Beis[)ielen waren an K'kSII, dcni mil iieiih-ii P'iissen um- niil 
den Zehen aufruhenden tanzenden Sal) r Slntzkeile sogar not- 
wendig wegen der hesondercin Stellung, die von der norma- 
len abweicht. Bei den scheinen Bronzen aber, bei denen Kie- 



DKH APOLLO !-TliOGANOFF 285 

sei'itzky (S. 471) einslign Stülzkeile vermuten zu flürfen meint, 
l'elilt nach Zeujj;niss der Genannten jeder liestinimte Anhalt für 
diese Annahme, die daher nach allen Analoiiien als gänzlich 
unwaliisi'heJMlicIi abzuweisen ist. Auch das Britisii Museum 
zeigt an zahllosen Beispielen zurückgesetzter Füsse, wie der 
Brauch hei Bronzen von dem hei Marmorslatuen verschieden 
war. In d(;r gleichfalls reichen Bronzensaiiunliuii: zu AJunchen 
ist nur ein römischer Mercur (Nr. 130) mit einem kleinen, 
'Stützkeil' und (^in tanzender Lar (Nr. 359), wo die Stütze 
unter dem hoch gelioh(uien Pusse nötig erschien; alle die vie- 
len zurückg(!setzten Küsse in der Art des Apoll sind sonst auch 
liier ohne Stütze. 

Der Fälscher der oben (S. 281 ) genannten Stuttgarter 
Apollo-I^ronze kannte den antiken l^rauch also besser als Kie- 
seritzky und der Fälscher der stroganotTschen Figur, der sich 
von seiner Vorlage, der belvederischen iVJarmorstatue nicht 
losmachen konnte und auch den dem iMarmorstil eigenen 
Stützkeil unter dem linken Fusse mit copirte. 

Auf das, was Kieseritzky S. 'i83f. noch über den belvede- 
rischen Apollo selbst vorbringt, einzugehen, können wir der 
Mühe wer! nicht erachten. Wer sicli zu behaupten getraut, die 
Aegis sei 'mit Sicherlieit' (!) zu ergänzen, und wer den Bo- 
gen in der Linken (h's Gottes 'lächerlich' findet und sich 
dabei um die ganze vorangegangene Litteratur, um alle dieje- 
nigen, welche die Unmr)glichkeit der Aegis und die einzige 
Berechtigung des Bogens erwiesen haben, nicht kiiuiuieiii zu 
dürfen glaubt, mit dem lohnt es sich nicht zu rechten: wir 
könnten höchstens das Wort 'lächerlich' zui'ückgeben und es 
auf den Apollo beziehen, der zugleich den Sülin\Ne(|cl m dei- 
Bechleii und die schreckende Aegis in der Linken, der dm 
KöcIkm", aber nicht den Bogen tragen soll. 

München 

A. I UHTWÄNGLIiH. 



ZUM APOLL VOM BELVEDERE 

Veranlassung zu diesen Zeilen giebl mir die kürzlicli an 
eben dieser Stelle (1899 S. 'iCnS ff.) von Kieseritzky veröffent- 
Hellte V^erteidigung der Echtheit des Apollon Stroganoff. Über 
die Berechtigung dieser Apologie , soweit sie sich auf den 
äusseren Zustand der Bronze bezieht, sind die vorstehenden 
Bemerkungen Furtwünglers S. -280 IT. zu vergleichen. Mir sei 
zu diesem Punkte nur eine kurze Bemerkung gestattet. 

Kieseritzky schreibt S. Ml in Betreff der Übereinstimmung 
der Statuette mit dem Apoll vom Belvedere: 'Stimmt der 
Mantel doch auch sonst mit dem der belvederischen Statue in 
der Anlage der Falten um den Hals, in der Klammer, wel- 
che die rechte Seite des Mantels auf dem Bücken zu- 
sammengeschoben hält, so iiberein . , . ' In einer Anmer- 
kung iresteht er, sonst an keiner Figur eine derartige 'Klam- 
mer' zu kennen. Sehr begreiflich, da es sich bei dem Apoll 
vom Belvedere gar nicht um eine 'Klammer', sondern um ein 
Stück des Köcher-Riemens handelt; er ist hier wie vorne ein- 
fach umrändert. Augenscheinlich hat der Künstler angenom- 
men, der Köcher sei durch die heftige Bewegung der Figur 
über den Band des Mantels geworfen worden. 

Der Köcher ist, soweit er jetzt erhalten ist, ganz antik um! 
war niemals gebrochen. In der unteren BruchlläclK^ ist ein 
rundes Loch, das wol von einer ehemaligen l*lrgänzung des 
unteren Endes in Gips herrührt. Oben ist ein Teil des oberen 
ausgeschweiften Teiles links abgebrochen ; eine .Aiisalzstelle 
am Mantelrande links davon macht es zweifellos, dass hier 
der aul"geklapj)le Deckel abgebrochen ist. Von dem 1'ragband 
ist das eine l'^ndc ()ben am K()cher sichtbar ; es verläuft schräg 
von links uiitt'n üadi rechts (»bcn, so dass es unzweifelhaft ist, 
dass wir hier die direkte l*'(»rtsetzung des Teiles des Bandes 



ZUM APOLL VOM nKI.VKDEP.F. 287 

vor uns haben, das auf der Vorderseite zuletzt diclit oberhalb 
des MantelknopCes siclitbar geworden ist. Das andere Ende 
des Bandes greift weiter unten um den Mantel herum ; es 
sass an dem jetzt fehlenden, unteren Teil des Köchers an. 
Dieses Ende hat der Verferliger der Bronze wiedergegeben, 
aber auch nur soweit, als es an dem Marmor erhallen ist; es 
ist die vermeintliche Klammer. Das obere Ende hatersammt 
dem Köcher unterdrückt. Kann man aber das einem antiken 
Künstler zutrauen ? Oder hätte dieser dann nicht wenigstens 
auch das untere Ende des Köcherband<'S unterdrückt . das 
in seiner Vereinzelung jetzt ganz sinnlos ist? Jedenfalls hat 
dieses Stück Riemen nur da seine Berechtigung, wo der Kö- 
cher vorhanden ist. Der Apollon Stroganoff aber hat keinen 
Köcher (Stephani, Apollon Boedromios S. 9). Sollen wir 
wirklich annehmen, ein antiker Künstler habe dieses Detail 
dem Originale nachgebildet, den notwendig dazugehörigen 
Köcher aber fortgelassen? Besonders stutzig muss es uns ma- 
chen, dass an der Bronze eben gerade so viel von dem Riemen 
wiedergegeben ist, wie an der erhaltenen Marmorreplik. 

Günstig für die Echtheit der Statuette kann uns diese Beob- 
achtung jedenfalls nicht stimmen. Doch auch sie würde sich 
als nichtig herausstellen, falls durch den äusseren Zustand 
der Bronze der antike Ursprung der Statuette aber jeden Zwei- 
fel erhoben wäre; das letzte Wort darüber kann aber nur der 
sprechen, der die Eigur selbst gesehen hat. Der eigentliche 
Zweck dieser Zeilen ist vielmehr, mit Naclidruck darauf hin- 
zuweisen, dass diese ganze Frage und die Entscheidung tia- 
rüber, ob — die l'^chlheit der Eigur angenommen —das Attri- 
but ihrer l.inkt'n die.Vegis gewesen sei odci' nicht, wesenhts ist 
für eine andere, weit wichtigere Frage: was fiir ein Attribut 
die I^inke des Apollon vom Brlvcdcrc und des griechischen 
Originales gehalten habe. 

Die Rechte des A[)ollon Slroganofl' ist leer; ebeu.so htuite 
die der vaticanischen Figm*. Dass sie es nicht ursprünglich 
war, wissen wir durch l'iiilwiinglcr. der — eine richtige Beob- 
achtung Böltichers aufgreifend — ein l'iir allemal festgestellt 



288 ^V. AMKI.IINI^, 

lial, (lass (lif Uoclilo ciiKMi inil p;nknoteten VVollhinden um- 
wiindnnon LorlxnM'zwciij; liii'll. dossen Uosto an (l(Mn anli- 
kon Tf\\ des Slaninios olinc WoittM'cs deiillicli »MkiMiiihar 
sind ( Moislerworko S.GOH). Kieserilzky üjelit auf diesoii Piinkl 
i;ai' iiiclil ('in. ja er opcrii'l am Sclihisse seines Aufsalzes ini- 
nier noeli inil dem Ai'i!;nment, die llallimg des linken Armes 
sei nicht die eines lioi^enscliiilzen, der seliiesst oder eben i!;e- 
scliossen liat, trolzdem eben durch (his Attribut der Rechten 
diese Motive von vornherein ausgesclilossen sind, sii^ also auch 
von niemand, der den liogen in der Liidven annimmt, voraus- 
o;eselzt werden können. Kieserilzky hätte aber allen Grund 
gehabt, auf diesen Punkt einzugehen ; denn er ist, wie wir 
sehen werden, nicht nur fiir die richtiii;e Ergänzuni;- (l(>s mar- 
mornen Apolls von entscheidender Wichtigkeit. 

Fiir diese ijewiss. Wir könnten uns sehr kurz fassen: da 
der Apoll ausserdem den Kocher trägt, darf der Bogen nicht 
gefehlt haben; wir müssen ihn also in der Linken ergänzen. 
Aber dieser einfache Schluss lässt sich noch tiefer begründen. 
Wer die Masse der Darstellungen des Apollon , bei denen 
die Attribute gesichert sind, überfliegt, wird bemerken, dass 
sich der Lorbeerzweig entweder allein neben der Leier oder 
neben dem Bogen findet' und zwar ist diese huzte Verbin- 
dung die häufigste. Folgende I3eispiele sind mir bekannt: 
1. Statue in Berlin; Beschreibung Nr. 51. 
-^. lUilief eines Sarkophagdeckels im Lateran mit Darstel- 
lung der Schicksale des Oedipus; Benndorf-Schöne Nr. ;{(S7 
S. 265; Bobert, Sarkophagreliefs II 'l'af. (Kl, IS3 (Bildsäule 
des Gottes in Delphi ). 

3. Belief eines Altares im Museo Chiaramonli unter Nr. 
636; Museo Clüaramoiiti I 'l'af. I<S (wo an den Lorbeer- 
zweig unten aus Missverständniss eine Pfeilspitze gezeichnet 
ist). 

V Münze von Metapont ; Overbeck, Kunslniylludogie, 
Apollon, Münztafel 3, 'J S. 73 Nr. 'J und S. 77 f. 



' l'iii'lw.iiiyler, i^aiiiiiiliiii;; Salioiiioll' I /ii Tal. 8 S. .'i. 



ZUM APOLL VOM BELVEDERE 289 

5. Münze von Side in Pamphylien ; a.a.O. 3. 52 S. 301 
Nr. 35 und S. 309. 

6. Münze von \llien ; a.a.O. 4. 29 S. 303 Nr. 74 und S. 
309. 

7. 8 Münzen von Patara ; Catalogue of Greek coins of 
Lycia S. 77 Taf. 16, 2. 3. 

9. Gemme; Overbeck a.a.O. S.318 Nr. 18, Gemmentafel 
Nr. 26. 

Ferner sei auf die sehr wahrsebeinliche Ergänzung der 
Bronze Greau in Berlin bei Overbeck a.a.O S. 229 f. ver- 
wiesen . 

Die beigebrachten Beispiele bev^^eisen, dass die Vereinigung 
jener beiden Attribute im ganzen Bereich der antiken Welt 
und bis in römische Zeit hinein üblich war. Dagegen habe 
ich den Lorbeerzweig mit der Leier nur auf Münzen gefunden, 
nie aber mit einem anderen Attribut verbunden. 

Das Resultat dieser statistischen Untersuchung kann dem- 
nach nur dazu dienen, den einfachen Schluss,dpn wir aus dem 
Vorhandensein des Köchers zogen, zu unterstützen. Die Linke 
des Apoll vom Belvodere hielt den Bogen; mögiicii. dass der 
Mittelfinger einen Pfeil umschloss, wie bei der berliner Sta- 
tue und sonst. 

Was die Vereinigung dieser beiden Attribute bedeuten kann, 
hat Furtwangler ausgesprochen: die in dem einen Gott ver- 
einigten Machte zu vernichten und zu sühnen. Wenn aber die 
Bildsäule in alter Zeit ruhig dastand. die Werkzeuge der Goll- 
lieil gleichmässig präsentirend, so ist hier die ganze Gestalt 
in ausdrucksvolle Action versetzt, ohne dass eine bestimmte 
Situation vom Künstler vorausgesetzt sein musste. Nicht der 
Bogenschütze sollte dargestellt werden, wie in der bekannten 
Bronze aus Pompei, sondern das eigenartig doppelt ciilwickelle 
Wesen dieserGottheitsollte vergegenwärtigt worden, wie es uns 
in den Oedipus-Dramen des Sophokles in lebendiger Wirkung 
vor AuL'en tritt. Allerdings scheint für das Motiv des erhobe- 
nen Bogens auch eine etwas modilicirle Deutung möglich, und 
zwar im Anscliluss an die wirkungsvolle Sehilderung in den 

ATHEN. MITIHEII-UNOEN XXV. lii 



^90 W. AMELUNG 

Argonautica des Apollonius Rliodiiis IV. 1694 ff. K Undurch- 
dringliclie Nacht umhüllt die Argonauten im kretischen Meere 
mit all iiiren Schrecken : da erhebt Jason betend seine Stimme 
zu Apollon: 

1706 ATiToiSv), TovY) Se xolt oupavoG IKgO TTCTpa; 
ptu.<pa Me'Xavxiou; äptiQJtoo;, air' tvi ttovto) 
'/]VTar Soiawv Ss t;.iyi; ifpuTiepOev öpouaa;, 
Se^tTepyj j^püaeiov äveiryeOe; u(j/69i tö^ov 
aap(xap£7iv S' aTceXajjnj/s ßiö; Trepl TravToOtv al'yXriv. 

So Nvie der Gott hier mit dem Glanz des erhobenen Bogens 
den Argonauten als Retter erscheint, kann er auch vom Künst- 
ler der Statue gedacht sein. Dann erhöbe er also nicht dro- 
hend, sondern zum Zeichen seiner allgegenwärtigen Hülle den 
Bogen. Aber man wird entgegnen, dem widerspreche der Aus- 
druck des Gesichtes. Keineswegs: der Zorn und die Verach- 
tung, die unverkennbar in diesen Augen und um diese Lip- 
pen lagern, würden den dunkelen Mächten gelten, die der 
Gott Willens ist mit seinem Boi^ren zu bannen. Beide Attri- 
bute aber würden ihn als den Helfer, den e^Dcoupiog erschei- 
nen lassen, ich wage nicht, mich für die eine oder andere der 
beiden Deutungen entschieden zu äussern. Jedenfalls ist alles, 
wodurch Kieseritzky die Ergänzung mit dem Bogen zu dis- 
creditiren sucht, lediglich subjectiv und hat gegenüber der 
Klarheit der objectiven Gründe, die für diese Ergänzung 
sprechen, nichts zu sagen. Ja, man könnte fragend erwidern: 
wie stellt es denn mit der künstlerischen Erfindung des Apol- 
lon StroganolT, angenommen er sei echt und halle die Aegis? 
Dieses Attribut, in der linken Hand vorgestreckt, kann über- 
haupt nur als Schild verstanden werden. Als Schreckbild könnte 
sie nur von der activen Rechten erhoben werden. Apollon 
aber bedarf keines Schildes, abgesehen davon, dass die Aegis 



♦ Schon Hclhi}; lial in der »Mslcii Aullagc des Führers I S.108 hei der Be- 
sprcchung des Aiioll vdiii Bclvcderc auf obige Stelle hingewiesen. 



ZUM APOLL VOM BELVEDERE 291 

in der vorauszusetzenden Form garnicht zur Deckung dienen 
kann. Wie erklärt sich diese Aegis in der Linken? Üass 
Apoilon den Bogen drohend mit dieser Hand erhebt ist na- 
türlich ; die Aegis gehört in die Rechte. 

Auch diese Überlegung ist nur geeignet, uns in dem zu be- 
stätigen, was ich auszuführen beabsichtigte: gäben wir Echt- 
heit und Aegis für die Bronze zu, so hätte doch dieser That- 
bestand keine beweisende Kraft für den Marmor ; der Ver- 
fertiger der Bronze würde durch Weglassung des Lorbeer- 
zweiges in der Rechten und Änderung des Attributes der 
Linken eine Variation des originalen Typus hergestellt haben, 
die gerade darin, dass die Aegis von der Linken, statt, wie es 
natürlich wäre, von der Rechten gehalten wird, den Stempel 
des Abgeleiteten deutlich trüge. Das Original der Figuren 
kann in der Linken nur den Bogen, vielleicht Bogen und Pfeil 
gehalten haben. 

Rom. 

W. AMELUNG. 



ÜBER EINIGE GRABHÜGEL BEI AGIA TRIADA 

Als dieGräberslrasse des athenischen Kerameikos freigelegt 
wurde, hat man versäumt — und es ist verzeihlich — neben 
den grossen Reliefs auch auf die Grabhügel der Armen zu ach- 
ten, Grabhügel, die an der Kunst keinen Teil haben, aber in 
immer gleicher Form lange Zeit dem einfachen Volke genügten . 

Hier sollen die Reste solcher Anlagen , die sich im Schutt 
von Agia Triada noch erkennen lassen, aufgezählt und be- 
sprochen werden. Zur Feststellung des Vorhandenen waren 
einige Aufräumungsarbeiten notwendig, zu denen die griechi- 
sche Ephorie der Altertümer in liebenswürdigster Weise die 
Erlaubniss erteilte. 

A. Das Grabmal aus Lehmziegeln. 

Auf dem Terrain, das sich südlich der Messeniergräber* 
bergauf erstreckt, steigen zwei Reihen von kleinen Terrassen 
empor, die durch niedrige Stützmauern gehalten werden. Die 
Anlage ist in vorrömische Zeit zu datiren, denn die Stütz- 
mauern sind zum Teil sorgfältig aus Brecciablöcken herge- 
stellt, und in der Erde der Terrassen sind nur Ziegelgräber 
nachzuweisen. Die Särge aus rohen Steinplatten, denen rö- 
mische Columellae zu entsprechen pflegen, stehen in einem 
etwas höheren Niveau; unter der Aufschüttung, die sie um- 
gab, müssen die älteren Grabmäler ganz verschwunden sein. 

Auf der ersten Terrasse südlich und oberhalb der Messe- 
niergräber stehen vier jener Plattensärge dicht aneinander ge- 
rückt und neben ihnen liegen noch die vier römischen Colu- 
mellae mit ihren Inschriften. 



< Vgl. die Planskizze bei Conze, Die attischen Grabreliefs, Textband I 
ö. 16, Nr. 41. 



ÜEBER EINIGE GRABHUEGEL BEI AGIA TRIADA ^93 

In der Erde, auf der die Plattensärge stehen, liegen zwei 
ältere Gräber, ein früher schon geöffnetes Ziegelplattengrab 
und ein Erdgrab. Seine Grube ist 2" lang. 0,60"^ breit und 
0,30'" lief in den Mergelgrund eingeschnitten. Darin lag, den 
Kopf nach Norden , ein stark zerfallenes Skelett von feinen 
mittleren Formen, desen Becken leider zerstört war, sodass 
sich über das Geschlecht des Toten nichts sagen liess'. Zu Füs- 
sen fanden sich kleine Reste eines ganz zerfallenen eisernen 
Gegenstandes, und rechts und links des Schädels lag je eines 
der steifgeformten, thönerncn Ölfläschchen, wie sie in spät- 
griechischer und römischer Zeit in den Gräbern an die Stelle 
von Lekylhen getreten sind. Die Grube war ganz gefüllt mit 
der weissen, reinen, sandigen Rrde, aus der die rohen Lehm- 
ziegel hergestellt werden; aus dieser Erde war darüber auch 
noch ein kleiner Hügel aufgeschüttet, und in allmählich sich 
verlierender Schicht verbreitete sie sich ringsum über den 
Mergelboden. In dem Hügel steckten schief nach oben zwei 
grosse Geisonziegel, in gleicher Flucht der Axe des Grabes 
entlang, sich an den Anschlussflächen noch berührend, so wie 
sie einmal herabgestürzt waren, und später durch die Erde ge- 
halten wurden, welche die römischen Plattensärge umgab, 
(siehe Figur 1 . 2). Diese Reste genügen für eine ungefähre Re- 
konstruktion des Grabmales (Figur 3). Über der Grube erhob 
sich ein kleiner Lehmziegelbau von rechteckigem Grundriss, 
der mit zwei Geisonziegeln abgedeckt war: an der Rückseile, 
wo die für solciie Zwecke nicht fabrizirlen Ziegel keineWas- 
sernase haben, konnte der Regen einwirken, und nach dort- 
hin brach denn auch der Bau zusammen. 

Solche und ähnliche Denkmäler haben im Kerameikos viele 
gestanden ; denn die Ziegel finden sich in grosser Anzahl, mit 
denen sie gedeckt waren, und für die eine andere Verwendung 
auf der Gräberstrasse nicht nachzuweisen ist. Es sind meist 
Traufziegel der abgebildeten Art; Geisonfläche und Wasser- 
nase rot gefirnisst. darauf ist weisses Ornament gemalt, ein 



' Photographie de» Instituts Allten, Hauten 168. 



294 



B. DELBRUECK 



Mäandermotiv an der Wassernase, ein Palmettenlotusband an 
der Unterfläehe des Geison. Die breiten flüchtigen Ornamente 
entsprechen etwa dem, was man auf späten böotischen und at- 
tischen Sclialen sieht. Auch Akroterien mit gemalten und ge- 
pressten Mustern, finden sich. Von einem grösseren Bau wird 




1 : 90 Fig. 1 

ein Stück stammen, das in eine aufgebogene, sorgfältig ver- 
zierte Sima endet. Und zu grösseren Denkmälern gehörten 
vielleicht auch einige Ziegel aus oberen Reihen. 









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1 : 30 



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Fig. 3 



Solche Grabmäler waren leicht aufzubauen, wol meist durch 
die Hinterbliebenen selbst, ohne ZuhiKenuhme von fremden 



UEBER EINIGE GRABHUEGEL BEI AGIA TRIADA 295 

Arbeitern; nur die Ziegel musste man kaufen. Man wird das 
Recht haben eine noch einfachere Form als Anfangsglied der 
ganzen Kette zu ergänzen, einen Krdbau, der nur durch Hei- 
sig gegen das Eindringen der Feuchtigkeit geschützt war 
(s. u. S.303). 

B. Die Platform'. 

Stattlicher und dauerhafter konnte das Denkmal werden, 
wenn man seinen Körper aus Bruchsteinen aufbaute und mit 
Stuck überzog. 

Dieser reicheren Art gehört vor allen das Bauwerk an. auf 
dessen Rücken die Familie des Agathon später ihre Denkmä- 
ler errichtet hat. Es ist ein Massif, aus ziemlich grossen rohen 
Steinen aufgeführt und an den Seiten mit Stuck verkleidet, 
daher an den Kanten gerundet, an der freiliegenden Seite 
8,10'" lang (0,60'" sich über den heutigen Erdboden erhebend), 
im Ganzen 1,70'" hoch. 

Ein Teil der Schmalseiten — die westliche ist 3,40'" weit 
messbar — und die Rückseite sind unter Schutt und vielen 
späteren Gräbern verborgen. An der freiliegenden Langseile 

und den Schmalseiten lin- 
den sich an ihrer alten Stelle 
die Fragmente einer Reihe 
von grossen Deckziegeln mit 
Wassernase, deren Saunas 
noch mehr zeichnen liess 
(siehe Figur 4). In der Mitte 
sind die Ziegel verschwun- 
den ; man wird sie ausge- 
brochen haben, als man zuerst die rohen Fundamentblöcke, 
dann die Basissteine und endlich die marmornen Grabmäler 
der Familie des Agathon hier aufbaute; möglich ist auch, 
dass über dem Ganzen ein Erddach angeschüttet war. aus dem 




' Antonio Saliiias, / nionunienti srpulrrali presso la chiesa di Santa Tri- 
nitA in Atene, Turin 1863. 



296 B. DELBRUECK 

nur die VVassernasen clor Ziegel am Rande heraiisragten. Der 
Bau ist nirlit etwa der Sockel für die heute darauf stehenden 
Grabmäler; zunächst ist es schwer denkbar, dass man einen 
solchen Sockel aus Bruchsteinen sollte hergestellt haben, und 
dann beweist eben das Vorhandensein der roh gelassenen 
Fundamentblöcke, dass spätestens mit ihrer Versetzung der 
Bau unter die iM'de kam : nirgends sonst im Kerameikos war 
die Pundamentirung der Denkmäler sichtbar: man liess sie 
fort, wenn man die Grabreliel's auf der Kaute der hohen Stütz- 
mauern aufstellte. 

Hiermit ergibt sich eine annähernde Datirung für den Bau. 
Zur Zeit des Agatiion war das stattliche Denkmal bereits so 
vergessen, dass man es verschütten konnte ; also muss es spä- 
testens im fünften Jahrhundert entstanden sein. Schwerlich 
kann es über dem Grabe eines Einzelnen, eher über dem ei- 
ner Familie stehen ; vielleicht dass die Vorfahren des Agathon 
darunter begraben liegen. 

C. Das bemalte Grab. 

In spätgriechische oder frührömische Zeit scheint ein Denk- 
mal zu gehören, das zum grössten Teile von den südlichen 
Fundamentmauern der Kirche Agia Triada überbaut ist. Es 
ist eine rechteckige Anlage mit gerundeten Seitenkanten in der 
Art des .Agathonmassifs. aber kleiner. Sichtbar ist jetzt nur die 
Südseile und je ein Teil der östlichen und westlichen; die 
Breite der freiliegenden Seite beträgt 1,15'", die erhaltene 
Höhe durchschnittlich 0,50™ (siehe Figur 5). 

Der Kern des Baues besteht aus ziemlich grossen Bruch- 
steinen mit Lehmverband ; die Unebenheiten dieses Gemäuers 
sind an den Aussenseiten durch groben Kalkputz aus- 
geglichen, und über diesen ist eine Schicht feinen Stuckes 
gelegt. Deckziegel sind nicht mehr vorhanden und der obere 
Rand der Seitenflächen ist stark ausgebrochen. Doch ist eine 
Bedachung sichir zu ergänzen, weil auf die Sluckoberfläche 
gemalt ist, und diese Bemalung sich gut erhalten hat. Die 



UEBER EINIGE GRABHUEGEL BEI AGIA TRIADA 



297 



gerundeten Seitenkanten sind durch breite rote Streifen be- 
tont ; an der Westseite kehrt ein gleicher Streifen 1™ von der 
Ecke entfernt wieder ; wenn, wie recht möglich ist, er die 
Westseite in ihrer Mitte teilte, würde sie 2™ lang sein. In dem 




Fig. 5 

Feld zwischen den beiden Streifen ist eine dünne Guirlande 
gemalt, die in flachem Bogen hängt, aus kurzen Stückchen in 
den Farben rot, gelb, blau, grün bestehend, dann sind noch 
Reste eines blauen, flatternden Bändchens zu sehen. Geringe 
Fragmente einer ähnlichen Malerei finden sich an der Osl- 
seite. 

Über die Fläche der Südseite' sind Bilder der Dinge verteilt. 
welche die Frauen im (.eben brauchten und die man ihnen 
ins Grab legte: in der Mitte ein Wollkorb aus Stroh, stark 
von oben gesehen; der Umriss ist ockergelb ausgefüllt, das 
Flechtwerk durch ein Rautenmusler aus dunkK'rgelben Stri- 
chen angedeutet, die Schatten durch sehr dunkles Gelb. Links 
ein Handspiegel mit dünnem, langem GrilT aus starkem Draht, 
der oben mit zwei Perlen verziert und umgebogen ist, so dass 
man den Spiegel aulhängen kann: der GrilY endet mit einem 
krältigen Bin« ftegen die Hache dünne Scheibe. Die Bronce- 



' Vgl. riiolographie des Instituts Athen, Fiaulen 167. 



?98 R. DELBRUECK 

sclieibe des Spiegels ist ockergelb mit rotem Schatten , der 
Ansatzring ebenfalls gelb mit einem weissen Licht und einem 
Reflex des Stieles, der rot mit dunkler rotem Schatten gehal- 
ten ist. Oberhalb des Spiegels flattert ein blaues Rändchen. 
Rechts von ilem Wollkorbe ist ein Klappspiegel zu sehen, aus 
zwei Hälften bestehend, die durch ein Band zusammengehal- 
ten werden '. Nur eine Hälfte ist vollständig erhalten, von der 
zweiten fehlt der grösste Teil. Das Mittelfeld des ganz erhal- 
tenen Teiles ist dunkelgrün mit roten Schatten, der ringsum 
laufende breite Ring ist weiss gelassen, durch eine rote Linie 
vom Grund getrennt und mit einer Reihe roter Punkte— Nä- 
gelköpfe — besetzt. Im unteren Teile der Bildfläche , zu den 
Seiten des Korbes, erscheinen zwei Granatzweige, deren Blät- 
ter grün , deren Früchte — jeder trägt eine — rot gemalt 
sind. 

Das bei dieser Malerei verwendete purpurne Rot ist eine 
ziemlich dick aufgetragene trübe stumpfe Farbe, die sich leicht 
verwischt. Das Gelb, unserem Ocker ähnlich, ist dünn auf- 
getragen, rein durchscheinend und von glatter Oberfläche. 
Das Grün war in zwei Nuancen verwendet, dunkel für den 
Spiegel, heller für die Blätter der Granatzweige. Beide Far- 
ben sind trüb geworden. Das Blau hat sich ins Graue ver- 
färbt. 

Die Malereien sind ohne Vorzeichnung in breiten leichten 
Strichen von einer etwas kalligraphisch flotten Hand auf den 
Stuck aufgetragen. Ihre Wirkung ist heute bei Sonnenschein 
sehr ruhig, heiter und frisch, durch die einfache schwebende 
Komposition, die lichte Lebendigkeit der auf dieselbe Inten- 
sität gestimmten, durch den weissen Grund erhellten Farben, 
endlich durch den bei aller Routine raschen weichen und zier- 
lichen Strich. 



' Ein solcher Spiegel isl ahgeltildel 'E<fr][i.tp\i 1899 Taf. ? (Teiiakoile aus 
Ereliia). 



UEBER EINIGE GRABHUEGEL BEI AGIA TRIADA 299 



l). Die frührömischen Grabhügel. 
Einige Schrille südlich des Grabsteines der Hegeso liegen 

O Do 

die Trümmer eines bei den Ausgrabungen zerslörten Baues 
(Carl Curtius, Der attische Friedhof vor dem Üipylon, Arch. 
Zeitung XXIX, 1871, Taf. 42 S. 23 Nr. 49). Erhallen ist 
ein Mauerviereck aus grossen Bruchsteinen mit Lehmverband, 
dessen Inneres mit Schutt gefüllt ist. Die Länge der Seilen 
beträgt 1,60'" und 0,90'°. Curtius wurde berichtet, dass der 
Bau im Osten schmäler sei, was heute nicht mehr zu consta- 
liren ist. Von der Oberkante der 0,40"° hohen Seitenwände 
setzt sich das flachgewölbte Dach scharf ab. Es mag am Eirsl 
etwa 0,60'" hoch gewesen sein. Die Flächen des Baues sind 
durch einen Überzug aus grobem Kalkputz geebnet und darüber 
weiss stuckirt. Am VVestende liegt die untere Haltte eines klei- 
nen flachen Grabsteines aus weissem Marmor, der an allen 
vier Seiten Spuren von Kalk trägt; er war also wo! aufrecht- 
stehend in das Gebäude eingelassen. Curtius teilt mit, dass 
die obere Hälfte dieser Stele den Namen 'AQyivöSwpo; HvOeo; 
getragen habe. 

Die Trümmer eines Baues von gleicher Technik und glei- 
chen Dimensionen liegen wenige Schritte östlich der Messe- 
niergräber. 

Man wird die zwei Denkmäler in hellenistische oder früh- 
römische Zeit datiren müssen, weil sie schon die Form der 
sicher römischen Bauten haben und doch die Steine noch nicht 
mit Kalkmörtel zu einem festen Kerne verbunden sind. 

E. Die späteren römischen Bauten. 

Die historisch letzten der hier zu besprechenden Denkmäler 
gehören späteren römischen Zeiten an. Sie stehen alle im 
höchsten Niveau des Friedhofes; als sie gebaut wurden, wa- 
ren die Stelen der griechischen Zeit schon bis zur Hallte un- 



ter die Erde gekommen. 



300 



R. DELBRUECK 



Alle zeigen die Gestalt eines kastenartigen Aufbaues, dessen 
Decke in flachem, steifem Bogen verläuft. Der Kern besteht 
aus Feldsteinen untermischt mit Trümmern älterer Bauten, 
die durch viel Kalk zu einer festen Masse verbunden sind, in 
einem Falle ist der Kern aus Ziegeln aufgebaut. Der Überzug 
besieht aus Stuck, meist von gelbroter Farbe. Deckziegel sind 
nie mehr angewendet; der feste, mit Kalk gemauerte Kern 
macht sie entbehrlich. 

Im Ganzen sind fünf Denkmäler dieser Art mehr oder we- 
niger vollständig erhalten. 

Südlich von den Gräbern der agathonischen Familie, etwa 
wo auf dem Plane von Curlius der Buchstabe F steht, liegt 
ein wolerhaltenes Grabmal (siehe Figur 6), dessen Kern 




Fig. 6 



sorgfältig aus flachen Ziegeln mit viel Kalk aufgemauort und 
mit gelblichem Stuck überzogen ist. der an der unteren Kante 
umbiegend auch ein wenig auf den Frdboden übergriff. Der 
Bau ist 1.70'" lang, 0,90"' hoch, die Seitenflächen sind 0,75'" 
hoch. Im Vergleich zu den frührömischen Anlagen ist er also 
schmal und steil, und sein Dach flacher geschwungen. Dicht 
daneben sind die Trümmer eines ganz identischen Baues zu 
sehen. 

Etwas westlich liegen Beste eines dritten Baues (siehe Fi- 
gur 7) von ähnlichen Proportionen ; die Breite beträgt 0.95'", 
die erhaltene Höhe 0,70'", die erhaltene Länge I , U)'" Der Kern 
ist aus Feldsleinen aufgemauert, der Stucküberzug fleischrot ge- 
färbt. Das Individuelle des Denkmales ist, das es an seiner Nord- 



UEBER EINIGE GRABHUEGEL BEI AGIA TRIADA 



301 



seile eine breite Nische trägt; ihre Schwelle und Seitenwandun- 
gen sind stuckirt. nach innen slösst ein Porosblock an, in den 
eine rechteckige, der Nische an Grösse und Tiefe entsprechende 
Höhlung (zur Aufnahme eines Reliefs) eingearbeitet ist. Eine 
ältere institutsphotographie {Athen, Bauten 30) zeigt das Re- 
lief thatsächlich noch an seiner Stelle; im vertieften Felde 




1 : 20 



Fig. 7 



trägt es die Darstellung einer nach rechts gewandt sitzenden 
Frau im Armelchiton, den Mantel umgeschlagen; in der er- 
hobenen linken Hand hält sie den Rlatttächer, die rechte lie^^t 
auf dem Rande des Wollkorbes, der auf einer von der Schmal- 
seile gesehenen Truhe steht, der Sessel — auf dem ein Kissen 
liegt — hat gedrehte Beine, zwischen denen xiovriSöv die In- 

o 
Schrift E steht. Auf dem oberen Horizontalbalken des starken 

unprolilirlen Rahmens sieht die insclirifl KopvTiXia MeiXTidia 
rxüxwvo; yuvTÖ. Die Abbildung 7 zeigt den Bau nach der Insli- 
tulsphotographie. Der grösste und besterhaltene aller dieser 
Grabbauten endlich liegt im südlichsten Teile der Nekro- 
pole, ein Bau, der in seinen Gesamtproportionen , mit seinen 
niedrigen Seilenwänden und dem hoch geschwungenen Dach 
sich dem Aufbau der frührömischen Bauten nähert. Die Masse 
sind verhältnissmässig bedeutende; Länge '2,6ü, Breite 1 ,6Üi 



302 



R. DELBRUECK 



Höhe der Seitenwände 0,40, Gesamthöhe 1'". Der Kern be- 
stellt aus einem Gemisch von Bruchsteinen und Ziegeln , die 
Stuckdecke ist ii;elbrot ij;o(Urbt. In die Südseite ist eine schmale 
Tafel aus grauem Marmor eingelassen, in welche die Um- 
risse einer Aedicula und darin eine Inschrift eingegraben sind 
(siehe Figur 8. 9). 




Fig. 8 




Endlich ist noch zu erwähnen, dass die Schmalseite eines 
noch grösseren Baues am Westende der Ausgrabungen un- 
_^ ter den Fundamenten des Gebäu- 

des des Tramway zum Vorschein 
kommt. 

Die aufgezählten Bauten ver- 
•^ teilen sich über die Zeit von etwa 
sechs Jahrhunderten, während de- 
rer der Typus sich nicht wesent- 
lich geändert hat. Immer bleibt 
es ein Aufbau von rechteckigem 
Grundriss, der auf verschiedene 
Weise gegen das Einwirken der 



m «.NMONIOT 

ToicnÄPAröY 
Zl XAlPElN 



Feuchtigkeit geschützt wird und 
immer ist die Form undeutbar 
einfach ; nur von älteren und kla- 
reren Beispielen ausgehend kann man versuchen, zu einer Er- 



Fig. 9 



klärung zu gelangen, 



Pas Vorhandensein ähnlicher, aber reicher geschmückter 



UEBER EINIGE GRABHUEGEL BEI AGiA TRIADA 303 

Denkmäler in Atlika im sechsten Jahrhundert wird bewie- 
sen durch die TcivaKs?, denen Wolters zuerst ihre Stelle an 
Bauten aus Erde und Holz angewiesen hat', und es wird ge- 
rechtfertigt sein, mit Wolters die Notiz des Cicero (de legi- 
bus 11,26) auf solche Bauten zu beziehen : dass Solon für die 
Herstellung von Grabdenkmälern nur eine geringe Zeit ge- 
stattet und die Verwendung von Stuck verboten habe. 

Es ist ferner möglich, noch für das siebente Jahrhundert 
die besprochene Denkmalform zu belegen ; unter dem Tu- 
mulus von Vurva fand sich ein rechteckiger Bau ^ aus Lehm- 
ziegelmauern 4™ zu 2,5'" gross, im Innern mit Schutt gefüllt, 
aussen mit Lehmputz überzogen, oben durch eine Deckschicht 
aus Lehm o-eschützt, die in einen Ablauf endet und mit Feld- 
steinen belastet ist. Durch diese Feldsteine wird ursprünglich 
das vorauszusetzende Reisigdach des Baues heiastet gewesen 
sein. Ringsum war der Boden noch einen Schritt weit mit 
Lehmtünche überzogen. Lnter dem Denkmale lag das Brand- 
grab. 

Auch Exemplare aus festerem Material , aus Bruchstei- 
nen, standen schon in den ältesten attischen Nekropolen ; ei- 
nes ist in Vurva "^ und zwei sind in Velanidesa^ gefunden. 
Im fünften Jahrhundert sind zwei Massengräber nachzuwei- 
ren, die vielleicht in grösseren Verhältnissen die Formen der 
Agathon- Platform besassen. Das eine ist das sicher unter at- 
tischer Leitung angelegte Massengrab von Rheneia,in dem hei 
der Reinigung der Insel Delos die Reste der dort Bestatteten 
vereinigt wurden ^ ein grosser von niedrigen Stützmauern um- 
gebener Bezirk, dessen Inneres noch bei der Auflindung ganz 
mit Erde gefüllt war. Über die einstmalige Abdeckung des 
Baues ist nichts bekannt. 



• 'EpT)[A£pU «px- 1889 S. 181. Hirsclifeld, Festschrift für Oveibeck, l>eijizig; 
1893, S. 1. 

» Stais, Athen. Millh. XV S. 319 Taf. 9. 13. XVI s. 388, 1. 
5 Athen. Mitlh. XV S. 3C0 Taf. 13, 3, B. 

* AsXtiov olpx.. 1890 S. 17 Taf. 1. 
5 Athen. Mitlh, XXIII S. 361. 



304 B. DELBRUECK 

Das zweite, das Massengrab von Thespiä besitzt ebenfalls eine 
Aufscluittnng von 16'" im Quadrat, deren Umfang durcb eine 
Scbicht von Porosplatten bezeichnet wird — das wird die 
Euthynteria eines i^ehmziegelbaus sein; auf dem Rücken die- 
ses Baues lag dann der Löwe (HoaxTDia 1882 S. 67 ff.). Immer- 
hin sind beide Bauten so zerstört, dass man nicht sagen kann, 
ob sie nicht etwa bloss die Sockel grosser Tumuli sind'. 

Dass die besprochene Grabmallorm nicht allein dem fest- 
ländischen Griechenland eigentümlich ist, ergab die Erfor- 
schung der samischen Nekropole : zwei Exemplare wurden 
gefunden, freilich sehr zerstört (Böhlau, Aus jonischen Ne- 
kropolen S. 27. 28). 

Die Form entstand also spätestens im siebenten Jahrhun- 
dert; ehe man lernte in Marmor zu bauen, wurde so viel Lu- 
xus auf sie verwendet, dass die solonischen Gesetze eingriffen. 
Später, als die Reichen Marmor und schöne Formen zur Ver- 
fügung hatten, blieb sie während der griechischen Zeit den 
armen Leuten überlassen; erst in spätrömischer Zeit machte 
man den alten Typus durch solide Ausführung in grossen 
Massen wiederum zum Luxusbau. Nur einmal, so scheint es, 
wirkte er auf den Kreis der Kunst. 

Demetrios von Phaleron wählte die Denkmälertypen, die er 
den Athenern gestattete, aus der Menge der vorhandenen aus. 
Die kleinen Rundaltäre, die coluniellae, haben, wie sich aus 
den Höhenverhältnissen bei Agia Triada erweisen lässt, schon 
früher in den attischen Nekropolen gestanden, und die labella 
am Eingang der Heroenbezirke; so scheint auch die Form 
der mensae hergenommen zu sein von Bauten der hier be- 
sprochenen Art, die sich für die Marmorkimstler zu schönen 
Basen umformten, mit Standfläche, I^rofilen und schützender 
Platte ausgestattet 2. Denn Altäre sind die mensae nicht; von 

* Nur im Grundriss ähnlich ist das Polyandrion von Chaironeia, eine 
grosse, flache Ausschachtung, deren Seilenwände duiche Slützmauern ge- 
halten werden; oh diese Grube als monumentaler ßöOpo; ofTen blieb, ob sie 
mit Erde gefüllt war, ob ein Tumulus darüber lag, muss dahin gestellt 
bleiben (vgl.'AO/jvaiov 1879 S. 476 (T. FrazerVS. 210 zu Pausanias IX,40,10). 

a Siehe Hirschfeld a.a.O. S. 12. 



UEBEK EINIGE GRABHUEGEL BEI AGIA TRIADA 305 

denen Fiaben sie weder die äussere Ausstattung; mit Voluten, 
noch besonders die Proportionen. 

nie Tlialsache, dass man die besprochenen Bauten in die 
indifferente Form der Basis übertragen konnte, zeigt, dass man 
in ihnen eine bestimmte Bedeutung nicht mehr erkannte. Diese 
Bedeutung wird sich nur finden lassen, wenn man fragt, in 
welchem V'erhältniss das älteste l']xemplar, das von N'urva, 
zu den deutlichen Typen attischer Grabdenkmäler überhaupt 
steht. Es ist klar, dass Beziehungen nur vorhanden sind zu 
der Form des Heroon, des Totenhauses, wie man es in die 
Wände der Berge grub oder auf den Friedhöfen aufbaute, da- 
bei immer der Architektur des Tages in der Wahl der For- 
men sich anschliessend. 

Das Grabmal von Vurva wiederholt nun ein Haus der grie- 
chischen Urzeit: vier Wände aus l.ehmziegeln . mit Lehm- 
tünche verputzt, mit Reisig abgedeckt, noch ohne Säuleu und 
Ziegeldach, und es wiederholt die Form nur in ihrem We- 
sentlichsten, in ganz ähnlichem Sine wie die Tiere auf den 
Schalen von Vurva gezeichnet sind '. 

So enstand vielleicht die Form, und sie hielt sich immer, 
wenn auch verkümmert und entstellt, weil man sie einmal 
gewöhnt war, und weil man sie leicht herstellen konnte, 
auch als die vornehmen lleroa längst die Gestalt des 'IVmpels 
angenommen hatten und die marmornen Bilder der Toten 
darin standen. 

RICHARD DELBRÜCK 

. „4^_il_^j,- . 



' Anders Hölilau S. V"J, iler die ItOsprocIietU'u Bauten für etwas dauer- 
liafler ausgel'ülirle (jraldnigel erklärt, eine Krklariuig die uline Weiteres 
anzunehmen wäre, wenn es sich nur um Denkmäler des freien künstleri- 
schen lonieus handelte, aber es handelt sicii um eine im alten Mntlerlande 
feslgewachsene Korm, für die eine mehr religiöse Krklarung n\ linden we- 
nigstens versucht werden muss. 

ATHEN. MITTHEILUNGEN IXV. "iU 



EIMGIIAMM AUS DELPHI 

Das kürzlicli im B.C.H. 1899 S. 383 veröfTentlic-lilc Epi- 
ürramni. von dem mir durch Tli. Homolles Güte ein Abklatsch 
vorliegt, wird schwerlich anders als wie loljjjt ergänzt werden 
können : 

Eix.6va Tr,vSJ£ TraTVjp 'AyriciTroXei <ptXa>t uioit 
lla[u|aavia<; av]£Gyi)CE' 'ET^Xä; S' äpsTav öjxo^oivsi. 

Dass der Name Hagesipolis in das Königshaus der Agiaden 
weist, hat llomoUe hervorgehoben, aber nicht gewagt, das 
Denkmal auf einen der bekannten Träger des Namens zu be- 
ziehen, da ihm bestimmende Anhaltspunkte zu fehlen schie- 
nen. Solche sind durch obige Herstellung gegeben. Der Name 
Ila[u|(jxvia(;, dessen erste Silbe, wol um zwei nahezu gleich 
laniie Zeilen zu erzielen, noch in der ersten steht, fii2;t sich 
ungezwungen in den Vers und lehrt, dass, wenn überhaupt 
von einem Fürsten die Rede ist — und dies legt der stolze 
Nachsatz denn doch von vorneherein nahe — nur der erste 
König Hagesipolis gemeint sein kann, der nach seines Vaters 
Pausanias Verurteilung und Verbannung noch unmündig ne- 
ben llagesilaos im Jahre 395/'i vor Chr. auf den Thron er- 
hoben wurde und nach nur vierzehnjähriger Herrschaft im 
Jahre 381/0 auf einem Feldzuge in der Chalkidike einem hit- 
zigen Fieber erlag ^ 

Seine uns bekannten Waffenthaten, der Überfall von Argos 
im Jahre 388/7, die Eroberung von Mantineia 38."), der erfolg- 
reiche Zug gegen die chalkidischen Städte, rechtfertigen den 
Nachruhm, den das Gedicht in strenger wortkarger Altertüm- 
lichkeit wirkungsvoll verkündet. Da König i^ausanias im Jahre 
385 noch am Leben war — damals erbat er von Hagesipolis 



V Was üljf.T iliii Ix-kaiiiil i^l, siclli 1', Nir-sc /.iis.niiiiicii: l'aiilv - W'issowa 
I S. 80.-.. 



EPir.KAMM \V^ DELPHI ' 307 

für die iliin befreundeten Demokraten von Mantineia freien 
Abzug — , baben wir keinen Grund anzunebmen, dass er ge- 
rade in den näcbstfolgenden Jabren verstorben sei. Im Gegen- 
teil , die Jugendlicbkeit seines Sobnes macbt es geradezu 
wabrscheinlicli.dass Pausanias des Hagesipolis Ende nocb er- 
lebt bat. Das Gedicbt aus Delplii bringt den Beweis: aus sei- 
ner Fassung allein — dem mit ivtOrjxewerbundenen Dative — 
gebt unweigerlicii bervor, dass das geweibte Standbild einem 
Toten galt. Dem aus seiner Königsberrlicbkeit in der Blüte 
der Jugend dabingerafften Heldensobne bat der aus der Hei- 
mat verbannte Vater im Heiligtum von Delpbi ein Denkmal 
treuer stolzer Liebe erricbtet. 

Zu diesem Ergebnisse scbeint freilieb die Scbrift des Ge- 
dichtes nicbt stimmen zu wollen. So scbwerfUllig breite, an 
den Enden der Linien mit starken Verdickungen ausgestattete 
Buchstaben, wie sie nacb llomolles Aussage in den Anfang 
des zweiten Jabrbunderts vor Cbr. weisen, sind für die ur- 
sprünglicbe Weilieinscbrift scblecbterdings undenkbar. Ganz 
andere, feine und elegante Züge zeigt die darunterstebende 
Künstlerinschrift : 

- - i-KÖ'riCi Zi/ti((I)vioc, 

nach flomolle aus dem Endo des vierten Jalirbunderls. Kann 
sie älter sein? Für die Weibeinscbrift ist jedenfalls spätere Er- 
neuerung anzunebmen, wenn aueh der Abklalscb keine Spu- 
ren eines älteren Eintrages zeigt. Stand sie, von der Künstler 
inschrift getrennt, erst auf einer anderen Seile der Basis? 
Vielleicht ergibt neuerliche Ihitersucbung des Denkmals .\uf 
kläruiig. Trotz dieser Bedenkon sclioiiit mir seine Boziebung 
auf König Hagesipolis, den Sohn dos Kiniigs Pausanias, be- 
gründet genug, um ölTenllich ausgesprochen zu werden. 

Alben. 

ADOl.l- wi!.iii:lm. 



H » » "—- 



FUNDR 



Atlien An der Südseite der 'OSö? ^'apo(xr,XiYYou (vgl. 
Athen. Mittli. 1893 Taf. 6, I) wurden auf einem, ungefähr 
dem von Brückner heschriehenen Teil der Nekropole gegenüber 
gelegenen Grundstück des Herrn 0. lUissopulos Gräber des 
fünften und vierten Jahrhunderts aufgedeckt, als man im Au- 
gust 1900 die Fundamente eines Kellers tief in den Boden 
hinabführte. I^'ine vollständige Durchforschung des Grund- 
stückes konnte nicht statttinden, nur einzelne Gräber wurden 
geiUTnel und ihr Inhalt vorläufig in das Museum überführt. 
Die wichtigsten Funde waren etwa folgende. 

I. Die Krepis eines grossen 'i"'umulus(?), östlich davon ein 
mit Porosplalten gepflasterter, durch eine Stützmauer gehal- 
tener Auftritt. Freigelegt wurde die eine Seite der vermut- 
lich quadratischen Krepis und je die ersten Blöcke der zwei 
anstossenden Seiten. Die Stützmauern bestehen aus je einer 
Schicht grosser i'oher Blöcke, die nur an der Aussenseite et- 
was bearbeitet sind. Das Porospflaster trat als gelbe Schicht 
im Erdreich hervor. Die Stützmauer des Auftritls ist den 
Stützmauern der Krepis technisch gleichartig. Masse: Seiten- 
länge der Krepis V", Breite des Auftritts 4'". Die Mauern lie- 
gen V" unter der Strasse. 

'2. I'^in ÜöOpo;. 4,.-)'" unter der Strasse ist in den Mergel 
eine Grube gescimitten, in der vier Skeletle liegen, zwei nach 
SO, zwei nach S\V gerichtet, h^inem davon waren zwei Le- 
kvlhen des fünften .lahrhunderls beigegeljcn, mit i'^pheuran- 
ken um den Kör|)er der \'ase. Dicht über den Skeletten liegt 
eine Brandschicht aus 'ranuenkohle, darin ausser calcinirten 
Tierknochen ScherJjen einer weissgrundigen l^ekylhos , auf 
denen eben noch Beste streng-schöner Zeichnung zu erkennen 
sind. Durch handhoch aufgeschüttete Frde getrennl folgen 
zwei andere, viel stärkere Brandsciiichleo von äiinlicher Be- 



FUNDE 300 

scliaffenheit ; die Kohlenreste und die Verbrennung dos Rrd- 
reiclies lassen erkennen, dass die Grube, in der das Fouer 
brannte, etwa einen Meter tief und anderthalb breit war. in 
der Grube, oberhalb der Brandschichten , liegen zwei leere 
Spitzamphoren der gewijhnlichen Art Die Grube, die Spuren 
der drei Opfer, die Amphoren müssen sich auf die darunter 
begrabenen Toten beziehen . Ob der ßöOfo? offen blieb oder 
zugeschüttet wurde, ist nicht mehr zu ermitteln. 

Dicht über den Amphoren folgt ein Grab aus gewölbten 
Ziegelplalten, ohne Bodenplatte, 1,45'" lang; darin lag, den 
Kopf nach Osten, auf seiner rechten Seite das etwas zusammen- 
gekrümmle Skelett, unter dem Kopfe ein grosser Stein, zu Füs- 
sen ein Alabastron der Form l'urlwangler Nr.'^'iO, mit einer 
Palmette des 4. Jahrhunderts, in gleicher Hi3he lag ein aus 
Steinen zusammengesetztes Grab, ohne Beigaben ; einer der 
verwendeten Steine ist eine rohe Tafel hymeltischen Marmors, 
die auf der gespitzten Schrifltläche die Inschrift trägt: 

A I A O /^ 

A V 5: I T P A T 

O A X A P A' E 

Die I3uchstaben gehören der ersten ilällte des 5. Jahrhun- 
derts an ; bei der Autlindung war ihre rote Farbe noch ganz 
erhalten. 

in noch höherem Niveau liegt der Thon - Sarkophag eines 
Kindes, ohne Beigaben. 

3. Mehrere Thonsarkophage mit Kinderskelelten. .\n Beiga- 
ben enthielten sie Spielgeschirr, Schälchen ^Furtwiingler Form 
530), Näpfelien (ebenda '258), Kiinnchen. Dit^ Keramik datirl 
sie in das vierte Jahrhundert, dem entspricht auch ihre llo- 
lienlage, durchschnittlich 1'" über dem Grunde des 'izHzo;. 

'i. Amphoren mit i\inderskelelten ; eine davon enthielt zwei 
Näpfchen, einen kleinen Skyphos.ein Tropfgeläss (Furlwäng- 
1er Form '2 <3, jedoch weniger üach gebaut). 



310 FUNDE 

Es sind noch zu erwähnen die Reste eines vollkommen un- 
verständlichen Lehmziegelbaus, der nur zum Teil aufgedeckt 
werden konnte; einen Durchschnitt, wie er durch die Zu- 
fälligkeit der JM'darheiten entstand und so erst die l^xistenz des 
Baues verriet bietet die Skizze. Der Hau liess sich in ürleicber 




fester Boden 



Breite, l,'iO'", iiber •?'" lang feststellen, war aber noch länger. 
Seine beiden schrägen Flächen rechts waren stuckirt. aber 
nicht die senkrechten oder horizontalen ; das oberste abge- 
schrägte Stück links bestand aus mergeliger Erde, die auch 
als Bindemitlei der Lehmziegel verwendet war. Ein zweiseitig 
beschriebenes i31ei blech, dessen Inschrift nach erfolgter Rei- 
nigung vielleicht besser lesl)ar sein wird.scheint Vcrwimschun- 
gen in dorischem Dialekt zu enlhaIt(Mi und dem vieiMen .lahr- 
hundcrt anzugehören. Endlich wurde im Schult die kleine 
bemalte Grabstele eines Sosibios gefunden ; sie zeigt einen 
Jimgling im llimation nach rechts, im Stile des vierten 
Jahrhunderts (Elcisch braunrot, llimation gelb, i*almelte 
schwarz). 

Auf dem Friedhof vor dem Dipylon wurde jjei Gelegen- 



FUNDE 311 

lieit der obenjS. 292 erwähnten Aufriiumunfjsarbeiten ein klei- 
ner Tumulus (Nr. 79 aui" dem Plan Arcli. Zeitung XXIX, 
1871, Tat'. '»2) o;eöfl'net. Es zeigte sich, dass er üher einer 
quadratischen Terrasse von V" Seitenlänge aufgesciiüttet 
war, deren l']rde nach der Seite, wo das Terrain fällt, durch 
zwei Stützmauern gehalten wird. Die Erde ist ganz er- 
füllt von Ziegelplattengräbern und Kindersarkophagen aus 
Terrakotta; einige wurden geöffnet. Als Beigaben lagen bei 
den Skeletten einmal eine eiserne Stlengis, einmal ein mar- 
mornes Alabastron, einmal zwei Kantharoi der Form Bobin - 
son, Boston vases Nr. 411, ein Schüsselchen und ein thö- 
nernes Fläschchen, alle schwarz gefirnisst; die Formen wie- 
sen in das vierte Jahrhundert. Die Kindersarkophage enthiel- 
ten keine Beigaben. Über diesen Gräbern war der niedrige, 
2'" breite Tumulus aus reiner Erde aufgeschüttet und mit 
Stuck verkleidet. Der Tumulus wurde zum grössten Teil ste- 
hen gelassen, weil die Gräber nicht wichtig genug schienen, 
um seine Zerstörunii zu rechtfertio;en. 

Die Aufnahmen von beiden Ausgrabungsstellen sind beim 
Institut in Athen, Photographien des Tumulus dort Athen, 
Baulen^v. 169-172 [R. Delbrueck]. 

In Eretria liess die Archäologische Gesellschaft den Som- 
mer über unter Leitung des Herrn Kuruniolis graben. Am 
VVestabhang der Akropolis wurde ein Terrakotlendepöt ge- 
funden, das wolerhaltene Statuetten aller Epochen entiiielt. Der 
Tempel im Süden der Stadt wurde zur Hälfte frei gelegt; es 
fanden sich Fundamente einer Cella, die durch eine Säulen- 
reihe in der Mitte geteilt war, und ihrer Peristasis ; dieser 
Bau hatte etwa die Dimensionen des alten Athenatempels auf 
der Akropolis. Von seinem Aufbau weiss man bisher nur, 
dass er dorisch war; ein Kapitell mit weit geschweiftem l-lchi- 
nus, ein Stück Ti-iglyphon , fand sich, alles aus Porus mit 
Stuck resten. 

Unter den Fundamenten liegen Beste eines älteren Baues, 
daneben die Fundamente einer elliptischen Anlage, dicht am 
Tempel Fundamente von Altarbauten. \'on den Giebelgrup- 



31^ FUNDE 

pen des jiingeron Tempels landen sich prheblielie Uesle : Kin 
Jünojling, die Chlainys am ilie Scliiiller, im Knielaul", um- 
lassl eine Prau in kurzem Gliilon, beide haben kurzes Maar: 
man denkt an Alalanle; Pl'erdetorsen, eine hockende Figur im 
kurzen Chiton, die wol die Züuel der IM'erde hielt: eine Stand- 
platte mit den Füssen eines Kämpferpaares, mehrere Köpfe ; 
alles das ist beinahe lebensgross aus parischem Marmor mit 
höchster nesiotiscber Technik gearbeitet, im Stile etwa des 
Kopfes B. C. H. XVII Taf. 1^2 Die Frhaltung ist ausge- 
zeichnet W. DilLbiukck 1. 



— ^»«|««>- 



Gosclilossen tX. Se|.t. lUOO. 



EINE THONSCHERBE MIT DEM TEXTE DES VATEIiUNSER 

Im allienisclien Nulionalmiiseum hcfindel sicli als Nr. l^S^? 
eine unscheinbare aber venhl interessante Thonscherbe Sie 
stammt aus Megara , wo sie ilirein linder, einem Knaben, 
um wenitjje Pfennige al)«j;ekault wurde; ihr Käufer sclienkte 
sie dann, nachdem ihre Bedeuluni»- erkannt worden war. dem 
griechischen Nationalmuseum. Fjilschuni]^ ist bei dieser Sach- 
h^e von vornherein ausgeschlossen. Das Stück ist nur ein 
Fragment, 13,5"" hoch. 12"" breit, 2"" dick, von rotbrauner 
Farbe, (tben und links gebrochen. Die Schrift isl so herge- 
stellt, dass die Buchstaben mir dem GritTel in den noch wei- 
chen Thon, wie in eine Wachstafel, eingegraben und dann 
dundi Brennen des Thons tixirt wurden ; die Tafel ist also 
gleich von Anfang an für den Zweck, Träger ihres Textes zu 
sein, hergestellt, und nicht erst später, nachdem si«' anderen 
Zwecken gedient hatte, als SchreibstolT verwendet worden, 
wie ilies bei den vielen mit Tinte beschriebenen Scherben drr 
Fall ist, die uns erhalten sind und von denen wir eine später 
noch etwas n.äher kennen lernen werden (vgl. U. Wilckens 
Griechische Ostraka, [Einleitung). 

Das Fragment enthält auf 8 Zeiler» Teile des N'aterunser 
nach dem Matthäustexte (Mt. G.9-13). und zwar vertei- 
len sich die Bruchstücke des Textes auf Worte zwisciien 
iJTrio'jd-.üv und -ovr.poj. Die Buchslaben der ersten erhalte- 
nen Zeile sind zum Teil am obei'en Bande uix'li clwas be- 
schädigt (vgl. di(> .Vbbildung ). Aiil -ovr.coO stdiliessl der 
Text des Vaterunser, wie ihn unsere Tafel giebt ; die nächste 
Zeile, die letzte des Ganzen, mit der wir uns nachher noch 
beschäftigen werden, enthält, wie auf den ersten Blick zu er- 
kennen ist, keine Worte des Vaterunser nielii-, Ergänzt man 
die links abgebrochenen Zeilen des l'ragmentes zu ihrer vollen 

ATHEN. MlTTHEM.lJN(JliN .\XV. '■^ 1 



314 



l\. KNOPF 



Länge, so erhält man eine iirspriini^liclie Zeilenläniic von 
(lurelischnittlicli 18 BuclisUihen. iMiiiinzt man weiter nach (il»en 
liin die lelilenilen /eilen, so kann man die ohen alii;eliroclie- 





nen etwa 109 ßuclislaben anf weitere G Zeilen verteilen, wo- 
bei natürlich das Einzelne unsicher bleiben muss, besonders 
da wir nicht wissen, welche Varianten etwa in den fehlenden 
Zeilen noch vorkamen , und da wir ferner aus den erhalte- 
nen Textworten den Scliluss ziehen müssen, dass die Recht- 
schreibung; des V^erfertigers eine recht willkürliche gewesen 
ist. Die ganze 1'al'el umfasste demgemäss ursprünglich 14 
Zeilen des Vaterunsertextes und eine Schlnsszeile. Setzen wir 
den links abgebrochenen Teil der Tafel als etwa 6,5"" breit 
an und das oben fehlende Stück als etwa 9"" hoch, so erhal- 
ten wii' {'uv die ursprüngliche Tafel eine Breite von '(S,5"" und 
eine Höhe von mindestens 22,5'™, wobei unentschieden bleibt, 



EINE THONSCHERBE MIT DEM TEXTE DES VATERUNSER 315 

ob die Tafel nicht vielleicht noch über dem Texte des Vater- 
unser einige andere Worte oder ein Ornament oder Sym- 
bol oder Monogramm zeigte. Stellen wir uns nach dem er- 
haltenen Fragmente den vollen Text her. so ergiebt sich etwa 
folgendes : 



1 
2 
3 
4 
5 

n 

7 
8 
9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 



TTATePHMUÜNOeNTO ICOY 
PANOlCAriACeHTUUTOO 
NO/AACOYeAGATUUHBACI 

AeiACOYreNHGHTujToee 

AHMACOYUUCeNOYPANUU 
KAieni FHCTONAPT O N H 

M (ju N T o N e^^FH-e-Y-e-he-trÄ o c 

H M I N C H m/g PONKAIA(t)eC 
H M I N T A o/ Y (l)eAHMATAei 
M UU N UJ C K A\etAe\ N A(J)iaM GN 
TOICO(t)eiAHTeCei/AONKA) 

MneiceNeKHceMAceic 
ne I PACMONAAAAPYceei 

/A A C A(nOTOYnONHPOY 

V p I e -£ 



Vergleichen wir den erhaltenen Text der Tafel mit der Cber- 
ieferung der Handschriften, so finden wir wenig Abweichun- 
gen, wie dies ja bei einem so kurzen und im Ganzen recht 
bald feststehenden Texte natürlich ist. 

Z. 4 liest die Tafel i^ioixev (mit Dh^LAll** u.a. ) < ifpieaiv 
N" GKMSUll* u. a. und icpr,>ta{A£v 5<? * BZ u. a. 

Textkritisch wichtijiier ist das Fehlen der hoxolo^ie am 
Schlüsse des Gebetes. Auf der Tafel hat sicher die Doxologie 
von Anfang an gefehlt. Z. 8 endet der eigentliche Text mit 
TcovYipoü, Z. 9 ist die Schlusszeile der ganzen Tafel, und auch sie 
weist ktiine l)()x.oloi!;ii^ auf. auch keine abirekürzle, wie sie etwa 



316 R. KNOPF 

die Didache in c. 8 hat. Dies Fehlen der Doxologie.was ohne 
Fraaje das Urspriinij;liche ist, teilt unsere Tafel mit einem 
Zweite der ÜberlieftM-iino;. nämlich mit BN Z, 1.17. 118. 130. 
?09. I) und der abendländischen Überlieferung (den meisten 
ItalahandschriCten und derVulgata), der koptischen Über- 
setzung. Die weitaus überwiegende Zahl der Handschriften 
und Übersetzungen hat dagegen hinter TCovr,poö die Doxolo- 
gie { EGRLMSUVAll .... die Minuskeln fast ausnahmslos, 
einige Italahandschriften , die syrischen und andere Über- 
sptzungen). 

Im Übrigen zeigt die Tafel nur noch einige ortliographi- 
sche Besonderheiten, Verschroibungen, die nicht in das Gebiet 
der eigentlichen Varianten lailen. 

Z. 3 lesen wir [o]u(]p£>.yi{xaTa statt 0(p£t>-Yi(^.aTa ; für Ver- 
wechselung von o'j und o, welche durch die Aussprache ver- 
anlasst wurde, vgl. C. I. G. IV UUGU (etwa 3.-G. Jahrhun- 
dert) Z. 3 To SoXoawvToc, auch Z. 2 ctoouä statt «rro^i, ferner 
Oudipiv/Oitpiv neben einander in Wünschs Sethianischen Ver- 
fluchungstafeln i\r. 12, Z. 12 und Nr. 13, Z. 12, sowne das 
TcxpxXsiSo'jas statt -apaSi^o(/.at in Nr. 16. Z. 38. 

'Hasi? und seine Formen, die fünfmal wiederkehren, schreibt 
die Tafel ziemlich willkürlich. In den paar Zeilen lesen wir: 
6l[|xöv] (Z. 3), eluiov (Z.5.0 und w wird ja oft verwechselt) und 
6i[[Aa?] (Z. 7) neben Ifzeiv (statt ri]j.Ci<; Z. -4) und daa? (Z. G). Zu 
dieser Art von Vokalverwechselung kommt noch oücpeXyifxxTa 
(Z. 3) statt o'jpei'XTii^-aTa und 0(p6i>.'ir)Tg; (Z. 5) statt oTjeiXerai;. Die 
V^erwechselung von ei und vi, allenfalls auch von z und si ist aus 
Inschriften, Papyri und Handschriften ganz geläuhg. N'iel selte- 
ner ist die Verwechselung von e und t), die in späterer byzan- 
tinischer Zeit unerhört ist. Fälle dieser Verwechselung von r\ 
und £ in Papyri der Ptolemäerzeit vgl. bei Mayser, Gramma- 
tik der griechischen Papyri aus der Ptolemäerzeit, Programm 
Leipzig 1898, 1. S. 10, für spätere Zeil vgl. Grenfell und 
Hunt Oxi/rhync/ius Papyri I, Nr. 71. 1 Kol. Z. 1 f . iizl 
i-oTTEptai TT, yjasTEpa (Papyrus aus dem Jahre 303 nach 
Chr.) und dann die schon oben erwähnte Tafel C. 1. G. IV, 



EINE THONSr.HEHm-: M!T DEM TEXTE DES VATEHUNSEI'. 317 

9060, WO wir z. 1^- If^SPn Tr.^jrcÖTr.t; (Z. 3), iveSV/i^j/ev (Z. 4), 
x^Er-Tov (Z. 8) . 

Z. 6 der 'l'afel sieht [e^as'veVri? stall Lelae^Eyx.r;. Zu diesem wol 
auch durch die Aussprache, nichl durch ein blosses Sclireib- 
versehen veranlassten Fehler vgl. Oxyrhynchus Papyri I 
Nr. 1^21. Z. 17 f. roö; /."XiSou; £vt)tov (^evEyx.ov) ei? '^.^ ö^^.v 
(3. Jahrliundert), ferner Nr. 1 19. Z. 3 (XTCEvexv.Eiv stall ä-Tcevey- 
xEiv und Z. 8 ä7r£v£>cai statt iTrsveyjtai (2-3. Jahrhundert). 

Z. 7 endlich bringt die bekannte Verwechselung von i und 
at, die auch Z. 5 (6<p6a:oT£?) vorliegt: puae statt pö^x-.. 

Aus der Zahl dieser Fehler und Verschreibungen müssen 
wir den Schluss ziehen, dass der Schreiber der Tafel ein we- 
nig gebildeler Mann war. Allzu grosse Flüchtigkeit möchtr 
man ihm nicht zur Last legen, denn die Tafel sieht eher dar- 
nach aus, als habe ihr Anfertiger sichs sauer werden lassen 
bei ihrer Herstellung. Die Zeilen sind etwas krumm, das cJ? 
in Z. 6 steht z. B. um einen halben Buchstaben liefer als die 
übrigen Zeilen, aber die Buchstaben sind doch mit Sorgfalt 
und Mühe eingeritzt. 

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen über den Sachver- 
halt wird es weiter unsere Aufgabe sein, das Aller der Tafel 
zu bestimmen und sodann einige Worte über ihren Zweck 
und über die Bedeutung des Fundes überhaupt zu sagen. 

Über das Alter hat zunächst die Paläographie zu urteilen •. 
Die Form der Schrift lässt es m. F. ohne weiteres zu, den 
Fund ins 4. Jahrhundert zu setzen. Man könnte nach den 
Buchstabenformen sogar versucht sein, ihn einer noch frühe- 
ren Zeit zuzuschreiben. Doch dies ist aus einem anderen 
Grunde unmöglich, wie wir sogleich sehen werden. 

Ins 'i. Jahrhundert weist uns nämlich das Monogramm 



< Für dipScIiririlxsiimmuiiirgill aurli Iiut dio Scli\vieni;kfil, die Wünsrti 
a.a.O. S. 5'. ciwälml. \)w 'IVcliiuk, in d(M- diese Tale! Iieifieslrlll isl, wird 
weder von der Paläographie noci. v.m der Kpigraphik l.el.andell. sie sieht 
in der Mille zwischen dem li:inineisscln und dem Schreiben. Hochhal wol 
die Paläograplüe mehr Hecht gehört zu werden als die Epigrapluk. 



318 II. KNOPF 

Christi am Ende der Tafel, das in der Form der sogenannten 
rrii.r nionogranimaticü auflrill (-p-, Kreuz mit aufgesetztem 
Ol)orteil des P). Dieses Zeielieu liissl sich von der zweiten 
llälfle des i. Jalirhuuderls an nacliweisen und trat zu Anfang 
des 5. Jahrhunderts im Ahendland und Morgenland fast ganz 
zurück. Im Jahre 355 ersclieint diese cru.v zum eisten Male 
(auf einem römischen Grahsleine).haM nacii 'lOOwird sie sehr 
selten '.Das P ward niimlich später aus diesem S/gnu/n Christi 
entfernt. so dass nur daseinlache unverhüllle Kreuz (-+-, c77/.t: 
quddrata et i/funissa) (ihrig hlieh. Das Auftreten der criix 
mo/iogra/nmatica weist uns demnach auch ins 4 , spätestens 
an den Anfang des 5. Jahrhunderts. Und dass dieser Ansatz 
nicht zu früh ist, dafür lässt sich noch zweierlei anfuhren. Ein- 
mal (lieRecljtschreihung oder vielmehr die Schlechtschreihung 
derTafel. Sie ist bereits charaklerisirt worden. Für uns kommt 
hier in Betracht die Vertauschung von £, n und ei. Der Schrei- 
her scheint die Laulgleichung e = n^=v. zu haben, hingegen 
nicht die des entwickelten Itacismus y)=^£'.= i (=u = oi). Es 
ist schwer, nach dem 4. Jahrhundert die Verwechselunij; von 
Y] und e anzunehmen. Bis ins 4. Jahrhundert hinein hat das vi 
noch stellenweise seinen E-Iaut bewahrt ( Blass, Aussprache 
des Griechischen^ S. 35 t^'., vgl, auch die schon oben ange- 
führten Beispiele). Von unseren allen Handschriften zeigt uns 
der Alexandriiiiis (5. Jahrhundert) bereits einen recht ent- 
wickelten Itacismus Die selhianischen Tafeln \^'ünschs wei- 
sen nur zwei Fälle von ■/) für e auf: '<xTnn/r,rt fiir /.xTinyji't, 
das allerdings sehr oft vorkommt (vgl. den Index), und KaxT)- 
cTpe'laTE iSr 28 Z. 18. Beide b'iilh' betrelTen das .Augment. 
Je weiter wir hei der Datiriing Acv Tafel vom 4. Jahrhiimicrt 
abwärts gehen wollen, desto iinversländlichfr wird uns die 
Orthographie des Verfassers. 

Endlich ist diesem verhältnissmässig frühen Ansatz das 
schon erwähnte Fehlen der Doxologie am Ende des Textes 
günstig. Dadurch wird die Tafel zu den älteren guten Zwei- 



' Vgl. dazu l'"r. X. Kraus, Gcscliiclilc der ein isiliclioii Kiiiisl I, 1<S'JG S. 131. 



EINE THONSCHEHBE MIT DEM 'lEXTE DES VATEHUNSER 319 

gen der Überlieferung gestellt, <len li. N. /. wenige Minuskeln 
sowie die ahendliinflisclie Überlietfriing (I) und die Latei- 
ner) re[)räsentiren. In den Gemeinden des griechischen Ostens 
mnss sich die Doxologie sehr bald durchgesetzt haben und 
muss stark ins Gemeindebewusstsein eingedrungen sein, be- 
sonders da sie im liturgischen Gebrauche doch schon sehr 
früli an den eigentlichen Korper des Gebetes herantrat (vgl. 
z. B. die kurze Doxologie Didiulie 8). Je später wir die Tafel 
ansetzen, desto mehr wird niis das Fehlen der Doxologie in 
Verwunderung setzen. Also auch von dieser Überlegung aus 
empfiehlt es sich, mit der Datirimg möglichst weit hinauf- 
zugehen. Vielleicht ist es gestaltet, aus dem l'ehlen der Do- 
xologie den Schluss zu ziehen, dass der Text (\<ix Tafel aus 
einem (]odex abgeschrieben wurde. Wenn jemand den Text 
nach dem Gedächtniss niederschrieb, so mussle er geneigt 
sein, die Doxologie, die er sicher beim liturgischen Gebrauche 
des Gebetes oft hörte, hinzuzusetzen. 

Weiches war der urspüngliche Zweck der Tafel ? Wir wissen 
aus verschiedenen Fällender ersten Jahrhunderte. dass auch in 
christlichen Kreisen längere Texte aufgezeichnet und als /au- 
bermittel verwendet wurden, liier sei an erster Stelle erinnert 
an die rhodische Bleitafel mit dem eingeritzten Texte des (SO. 
Psalms', eineTafel. die im 3. oder 4. Jahrhundert angefertigt 
wurde und nach Miller von Gärtringens ansprechender \'ermu- 
tung zum Schutze des Weinberges ihres Besitzers dienen solllc 
flingewiesen sei ferner auf den Gebrauch des Abgai- und 
Jesusbriefes. Nach allen Berichten war der Text Ai^v licidcn 
Briefe über den Sladlloren von Fdessa angebracht : Ec^E^Gr,- 
voi t\ «üto (nämlich die unechte Schlussverheissung des (]liii- 
slusbriefes , die Stadt Edessa werde niemals eingenommen 
werden, die luisebios noch nicht hat) ;üv ttj £7r'.<7To5^f, iOpecrÖai 
(pa<jiv, (i)(TT6 ätAeXE». )cai ocväypazTOv oGtco Tr;v etiitoXyjv ävx' iX- 
Xou Tou ^uXaKTYipio'j £v Tat; -:-/i(; xöXsw; TCeTvoi-rivTai TT'JXxt; (PniCdp. 



' liillcrvDii (l;iiliiiij;fii, Liter oiiir jüii^'sl ;iul Ivlindus pcrMiuifiic Hiciriilit', 
ciillialtoiul (Ion 8(1. I'saliii, J-ilziiiit;>li».'iiclile der Ihm Iwu r Ak.ul. IS'JS S. 58-2. 



3W H. KNOPF 

bell. Pers. II, 15), und neuerdings hat Heberdey den Toxi der 
beiden Briefe auf der Unterseile des Tliürsüirzes eines Hauses 
in b]|)hesos iiefunden '. Die Insclirift ist so angebracht, dass sie 
(hMii zur 'ri)ür Rintrelenden zu lläuplen steht, und Heberdey 
sehreibt ihr mit Kocht a|)otro|)äischen Zweck zu. Die Form 
der Buchstaben weist die Inschril't in nicht viel jüngere Zeit 
als unsere Tafel, ins 't. - 5. Jahrhundert (vgl. auch Dob- 
schütz. "Zum Abgarbrief in der 'rheologischen l.iteraturzei- 
tung 1900 S. 3801'.). ländlich sei noch verwiesen auf die 
bereits erwähnte ägyptische Thonscherbe, deren Text C.I.G. 
IV. 9060 abgedruckt ist und über die ausfidirlicher Fgger 
gehandelt hat'. In barbarischer Sprache und Schreibart er- 
wähnt sie in den ersten vier Zeilen VVunderheilungen Jesu 
nach dem Johannesevangelium und leitet dann iiber in 
die durch einige Zusätze erweiterte heilige und alte Formel 
der griechischen Liturgie, in das sogennante Trishagion (ayio; 
ö ÖEo;, ayto; layupö;, äyio? iöxvaTO?, eXevifjov y)j/.a;)^\ l^nS^^' ^^^^ 
mit Hecht in der Scherbe ein Amulett vermutet. 

Die soeben erwähnten Texte zeichnen sich auch dadurch 
aus, dass auf ihnen wie auf unserer Tafel heilige Symbole der 
(Christen erscheinen: auf der rhodischen Bleirolle steht ein Kreuz 
vor dem Texte. vielleicht stand auch eines an dem jetzt fehlen- 
den Ende. Heberdeys Fund weist je am Anfange und am Ende 
des Abgarbriefesund des Christusbriefes Kreuze auf, auch steht 



' Vgl. Vorläuliger Bericiil über die Ausgi'al)un,i,'en in P^pliesos von Heber- 
dey in de» Ö.sleir. Jahresbellftii III. Beiblalt S. 83 fT , aucb abgediuclvt im 
Anzeiger der philos. - liistor. Klasse der Kais. Akad. der Wiss. zu W'u^u 
vom 7 Febr. 1900 Nr. V. 

■•' Observations sur (juelques fragmcnls de puleric anliijuc in den Mnnuirrs 
(]e L'Inslilul Iinp. de France, Acad. des Jnsrr. et licUex Lcllres, IS.'iT. lOggor bc- 
slimml, obne genauere Festslellung, das Aller der Tafel als 3.-7. Jabrlnm- 
derl. Sie ist wol von einem Barbaren, und zwar einem Kopien gescbrieben. 

3 Der Text lanlelrev xto oojXoau. Ttpooanxr) xoXujji6T)0p[a| ovo[jLa autoi; £5pa£axiv 
ßrjOaatoa £upr)0£ o x; £v tt) arooux ro i]oXoij.tovTo; tupr^^ii o TTjanotr); lov «vOp xara- 
Y£ta£vo; apyov r,0£pa;:£ua£v xat tov '")j5pXov av£oX/)i|/£v oOev xai ü(j.£i; [xaxa tov ap/av- 
yeXov TOV a^(ijaax(ov avaSwvxa xat ye.xptx'/.ovzoL xai X£yovx£? ayioj o Ocoj o avjjxvt xa 

y£po'j6tv xai -pojxuvo'jj [ | oi oyio; lo/^upov EvSo^aoaoi o yopoj xov a^ojjiaxoy 

aYT*''"' [*T'0; aOavJaxo; ov (p[(.)vrj]xov aXoyov YVopioÖEij tjXetjoov uj^.a:. 



EINK THONSCHKllBE MIT DKM TEXTE DES VATERUNSEK 321 

noch vor der Überschrift desChristushriefes ein Kreuz (also 5 
Kreuze auf dem Steine). Die Scherbe C. [. G IV. 9060 hat 
vor dem Text eine crii.r rnonogranirnatica ( wie sie unsere 
Tafel am Rnde zeigt) und am luide den Buchstaben 'W der 
schon in der Gematria Barn. 9,8 auf das Kreuz gedeutet wird: 
Öti Vi. 6 (JTa'jpö^ £v TW Taö yijxeX^ev syeiv t'/jv /xpiv, ^t'yst xai TS'.y. • 
ÄOdio'j; (vgl. auch Tertulliau adv. Marc. III. ^'l). Die heili- 
gen Texte werden aufgezeichnet und als Zaubermiltel aufbe- 
wahrt, sie sollen Haus und Stall, iMauer und Tbor. Garten 
und Weinberg unversehrt erhalten, den Besitzer des Amuletts 
vor Krankheit schützen, dem Teufel und den Dämonen Ein- 
gang und Wirksamkeit verwehren. iVlit einem solchen Zauber- 
texte haben wir es wol auch hier zu thun. Man kann annehmen, 
die Tafel sei ein 'Haussegen' gewesen, sei irgendwo im Hause, 
an der Thür, unter der Schwelle, an der Lagerstätte oder im 
Garten aufbewahrt worden ^ Für ein Körperamulett war sie 
natürlich zu gross und unförmlich. Fine andere Möglichkeit ist 
die. dass die Tafel bei einem ganz bestimmten Anlass zu ir- 
gend einer Beschwörung oder Zauberei hergestellt und benutzt 
wurde; dann müsslen wir uns der Zaubertafeln , vor allem 
der Defixionen erinnern, die ja in immer grösserer Zahl be- 
kannt werden, und denen in neuester Zeit so genaue Beachtung 
geschenkt wird. 

Eine magische Tafel im weitesten Sinne, sei es ein für län- 
geren Gebrauch bestimmtes Phylakterion. was mich das bei 
weitem Wahrscheinlichere dunkt,oder eine für einen bestimm- 
ten Einzelfall hergestellte Zaubertafel, haben wir w(»l in unse- 



' Hier möge noch eine Noliz Perdrizels stehen, auf die Hiller von G;«r- 
Iringen a.a.O. hinweist: Dans le Ilauran el la Syriedu IVurd, dans les monls 
d'EL-Üarra, du Djebel-Ala el du Djebel-Semdn, on Irouve souvei^l sur Ic lin- 
leau des maisuns uu des sfpulcres un le.rle de la llible, pris assez suuvenl 
dans les Psaumes, mais luujuurs asses cuurl. ( li.C.U. 1890 S. 350 f.) Perdri- 
zel niaclil keine Angabe ülter die Zeit, aus der die Aiifschriften slauinien. 
Vgl. übrigens auch l-^gger a. a. O. S. -'lOO : On a reirourv, parlicuitereinent 
en Atgörie, de verseis de l Ecrilure ainsi gravis sur des inurailles avec une 
inleniion pieuse (zu vergleichen Clarae : Inscripliuns du Musi^e du Louvre 
(Suppltmenl) Tafel 89). 



322 R. KNOPF 

rem F^iinde zu erkoniiPii Dass gerade der Text des Vaterun- 
ser für die Magie benul/.t wurde, darf uns gar niclit wundern, 
im riogenloil verwundcrlicli ist eher, dass sich bisher noch 
keiue Spur einer Verwemhing gerade dieses 'l'extes im spät- 
anliken Zauberwesen hat nacliweisen lassen. Wir wissen, 
welche nedfiitung das \\iteninser im Kulte der Christen hatte. 
Es ist das heilige, vom Herrn selbst gelehrte Gebet; für die 
bedeutsame Slellunu; des Vaterunser in der christlichen Ge- 
meinde sei nur hingewiesen auf die Art, wie Didache 8 und 
Conslitt. Aposl. \'II, "2 'i die lieiiutzuiig des Gebetes angeord- 
net wird : dreiuial am Tage soll man das V^aterunser beten 
(vgl. auch Tertullian de orat. 10 und '^d). Das Vaterunser hat 
auch seine feste Stellung in den uns überlieferten Liturgien 
und es wurde beim Rxorcismus angewandt. Und noch auf ei- 
nes sei hingewiesen. Jede Zauberei kommt auf einen Götter- 
oder Gotteszwang hinaus. Wesentlich für das Gelingen die- 
ses Gotteszwanges ist, dass die richtige Formel und die rich- 
tigen Namen angewandt werden, Renntniss der Warnen und 
Kenntniss der Formel machen die Kraft des Zaubers aus. Nun 
ist das Vaterunser vom Herrn selbst gelehrt und Christus 
selber hat Aussprüche getlian wie diese: Tcpöaeu^at xcji TiraTpi 
oo'j £v TW Jcp'jTVTC^ x,ai 6 7raTV)p rjou 6 ß>,£7rü)v h tw xpuTuxw dcTroSo)- 
T£'. cro'. (der Spruch steht fast iminittelbar vor deui Vaterun- 
ser Mt. ß,f) ), und er hat dem Gebete der Gläubigen und na- 
mentlich dem Gebete in seinem Namen Fihiu'ung verheissen 
(vgl. \Jt 18, 19; '21, 22 und sonst, auch Job. 15, le)- Bei 
dieser Sachlage musste sich ja die Ueligiosität zweiter Ord- 
nung des llerrengebetes bemächligen. liier war tMii (iebet 
von einem Gotte gelehrt, mit der Verheissung der Krhörung 
ausgestattet : ein G<HlerÄwang stärkster Art. Kein Wunder 
also, dass Magie und Aberglauben sich diesen Text angeeignet 
haben. 

Passen wir unsere Tafel als einen Zaubertext im weitesten 
Sinne auf, ohne (Mwas über ihre besondt^re Verwendung fest- 
zulegen, so wird uns auch dit; i'^rgiinzung d(M- letzten Zeile 
nicht schwer lallen. W ir lesen deutlich di(! erhaltenen iUich- 



EINE THONSCHERBE MIT DEM TEXTE DES VATERUNSER 323 

stahen Pie, davor den l.ängsslricli eines Y, also ohne Zwei- 
fel >tüci£. Vor K^pie ist Raum für allerliöchstens 7 Buchslaben, 
denn derSchreiher hat iialiirlich nicht besonders enjr irpschrie- 
ben,da er ja nach rechts hin nocli freien Hauin üess. In Frage 
kommt ein Segenswunsch oder eine Anndungsformel. Als 
Segenswunsch empfiehlt sich am eiieslen pOoxi (oder vielmehr 
pöoe) 17.6, das den Wunsch der letzten Bitte no<;hinals eindring- 
lich wiederholt. Mit iliriaö^ p.^. das sich mit Hinblick auf die 
Häufigkeit dieser Formel und ihre liturgische Verwendung 
nahelegt (vgl. auch das Y)>^£-n<Tov tju.ä? = i^e-noov r/[j.a<; mC.I.G. 
IV, OOßO am Fnde), kommt man nicht aus: es sind zu viel 
Buchslaben. Zur Auswahl steht noch «tcötöv ae oder cröj'jai ;».£. 
Stand eine Anrufungsformel da , so kommt in Betracht le 
/.a/ö), da ni. £TCi>taXou(xat ZU lang wird. 

Zum Schlüsse möge noch einen Augenblick der Fundort 
der Tafel unsere Aufmerksamkeit fesseln. lis ist Megara. 
Nun wird unter den von Wünsch veröffentlichten Defi.vio- 
num Tabellae Alticae [C. I. A. Appendix) S. XIII eine 
Fluchlafel bes[)rochen. die aus Megara und zwar aus der Zeit 
des 1.-^. Jahrhunderts stammt In ihr heissl es Z. II IT.: ; wir 

verfluchen. . . .) löyoic, exatotioK; 6^-/.ia\/.[c(.\tji] xe äbpaixoi; 

(SUat ?) T I . . . ou? Vri 'Ey.xTri ... o'j? Auf dieser Tafel ist höchst 
wahrscheinlich das zweimalige verstümmelte... ou; in "It,toü; 
zu ergänzen (vgl. Wünsch, Rhein. Museum LV S. 258) und 
in deniT am Kmh von Zeile 12 haben wir wol auch das be- 
reits erwähnte Kreu/.symbol zuerkennen. Die Tafel ist indess 
sicher nicht christlichen Ursprungs, sondern ein Produkt der 
göttermengenden Magie. Immerhin aber istsie uns interessant, 
weil sie aus demselben Orte wie unsere Thonlafel stammt und 
in diesem für eine bedeutend frühere Zeit die N'ciwenduiig 
christlicher Motive in der Zauberei bezeugt. 

Dies wäre das Wichtigste, was über den Fund, sein Aller, 
seinen Zweck zu sagen ist. Das Stück ist uns wertvoll, weil 
es ein Unicum ist — ein inschriftlich überliefertes N'aterunser 
besitzen wir noch nicht — weil es als Textzeuge (Fehlen der Do- 
xologie) neben unsere besten Codices tritt, weil es aus einer 



324 EINE TH()NSr,Mi;ilH|-. MIT DKM TKXTE HKS VATERUNSER 

Gegend stammt, über deren Verhiiltniss /Air neuen Religion 
wir für jene Zeit herzlich wenig wissen , weil es uns endlich 
ein Denkmal ist für das Hereinslrömen antiken Brauches und 
antiken Aberglaubens in die siegende Kirche. Gerade das 4. 
Jahrhundert, das Jahrhundert Konstantins des Grossen und 
seiner Dynastie, ist dadurch charakterisirt, dass in ilim die 
spät- antike religiöse Stimmung sowie auch die Mittel und 
Formen des religiösen Lebens von der Kirche übernommen 
werden, ein Vorgang, der ja schon bedeutend früher begon- 
nen hatte, mit voller Kraft aber erst damals einsetzte und die 
rasche Aufsaugung der einen Religion durch die andere er- 
möglichte. 

Marburg i. H. 

i;i;i)tiij<' KNOPF. 



'•«»«45^** ■ 




XIV 








DIR FUSSWASCnUNG DES ODYSSEUS 

AUF ZWEI RELIEFS DES FÜNFTEN JAHRHUNDERTS 

(Hierzu Tafel XIV) 

Das auf Tat'. 14 links ahgehildete Relief hat O. Kern auf 
seiner letzten tliessalisclien Reise am 18. Oklolter 1899 in 
Mussaki im Keller des Hauses von K. B. 'I^avr,; aufgefunden. 
Generaleplioros Kavvadias, von dem glücklichen Finder auf 
die Bedeutung des in mehrfacher Hinsicht merkwürdigen 
Stückes aufmerksam gemacht, hat dann alshald seine Üher- 
führung nach Athen verfügt, wo es im National-Museum Auf- 
nahme gefunden hat Dass ich die Puhlication des interessan- 
ten iMonumenles mit einer kurzen Besprechung begleite, ge- 
schieht auf die freundliche Aufforderung O. Kerns. 

Das 0,73'" hohe und 0,77'" breite, aus kleinkryslallischem. 
weissen, nicht ganz reinen Marmor bestehende Relief stammt 
aus der '20 Alinuten von Mussaki entfernten ßpiskopi , der 
Stätte des allen Gomphoi, wo es einst als Anathem in einem 
Heiligtum aufgestellt gewesen sein muss. Km breiter Zapfen 
am unteren Rande diente zur Befestigung. Die wenig vertiefte 
Bildttäche zeigt eine sciilichte architektonische l'mrahmung, 
an den Seiten zwei schmale Pilaster , an denen die beiden 
viereckigen Basen ungewidmiich sind, oben über dem Arehi- 
trav einen hohlkehlenartig zum llachen Giebel überleiteiulen 
Fries. 

Trotz der starken Zerstörung, die namentlich die KCtpfe be- 
troffen hat, ist der Gegenstand der Darstellung auf den ersten 
Blick klar. Furykleia dem Odysseus die Füsse waschend, 
rechts davon Penelope am Webstuhl. Wenn der einzigen bis- 
her bekannten ältei'en Darstellung dieser Scene, dem cliiusi- 
nerSkyphos', eine von un. serer Odyssee abweichende Xersion 



* Mi»nimenli deli Insl. W Tal. k'l, vgl. Cüuze Anmüi üeW Just. iSl'i 
S. 187 ir. 



3?6 C. nOBERT 

zu Grunde liegt, dieselbe, die Sophokles in seinen NiTcrpa be- 
liantielt, wenn nicht jrar geschaffen hal ', so linden wir auf 
dein neuen Relief ilen NOr^^ang genau nach der Erzählung 
des T 308 ff. dargestellt. Bei der Hauptgruppe, Odysseus und 
Eurykleia. ist der enge Anschluss an die Worte des Epos, zu- 
mal bei einem Bildwerke des fünften .lahrhunderts, fast ver- 
hlütTend. Die .Vlte. welche eben die Xarbe am Oberschenkel 
des Odysseus gefühlt hat, lässt das Bein in das Waschbecken 
niederfallen. Die schlafi" herabhängenden Arme verharren noch 
in der Stellung, in der sie kurz vorher das Bein des Odys- 
seus ojefasst halten. .Aber der Oberkörper richtet sich aus sei- 
ner gebückten Haltung ein wenig empor und der Blick — 
das glaube ich aus der auch in dem Bruchstücke noch deut- 
lich erkennbaren Kopfhaltung schliessen zu dürfen — ist auf 
Penelope. nicht auf Odysseus gerichtet. Damit vergleiche man 
die Verse t 467 - 477 

Tr,v ypTju; yiipicni xaTarpYiveaii >.a€oG<ja 

yvcö p' iTT'.u.a'jfjaaevTi, iröoa os r:poir,Ki. (ptpsiOai. 

£v Se XtSriTt Tziat y.v^ar, , /.avityride os yjx'K'<6;, 

x^ S' Iteowt' ix.)i6"/i' t6 S' £7:'. ySovo; s^e/uO' Götop. 

TTjv S" xax yxcu.x y.xi xlyo^ 'ilt cpoEva. tu) öi oi orsoi 

Saxpuöcpi 7r>.7iGÖ£v, öa^epy) Se oi tayjeTO «ptovY). 

äij/aaevTi Se yevsio'j OSuairr/a TpouesiT^ev 

ri p.xX' 'OSuTCE-j? £<i<Ji, (piXov te'xoi;' ouSe o' eycjye 

Tupiv £yvü)v, xplv TuivTa avajtr' ittöv äa^a^aacOai. 

r, , xal nYivsAÖTTEtav i'jEöpax.ev ö(p6aXu.oiTiv, 

TCEippaÖEEiv gÖEXo'jffx (piXov 7rö«Jiv £vSov eovtx. 

Mit Ut'clit hal der Künstler dnvou .\h.sland genommen das 
Umstürzen des Waschbeckens dai zustellen, wodurch die Seene 
etwas Unruhiges und .\ufgeregtes bekommen haben würde. 
Er hat gefühlt, dass wir es wo! diMU epischen Dichter glau- 



' U. V. Wilainowilz-Mülleiiiluill', lloiiier. Uiilcrs. S. 194; Hobeil, Ma- 
ralljonsclilaclit (XVIII. Hallesclies WinckelmannsprOo'r.) S. 79. 



DIE FUSSWASCHUNG DES ODYSSEUS 327 

ben kfmnen. wonn fr Penelope das Gcräuscli des umstürzen- 
den GeliissPS iilxM'liiu'en lässt — tt, yäp 'AOrvair) vöcv SToa-ev — . 
Iiin»;oo;en es kaum ertragen würden wenn im Bilde die un- 
mittelbar neben der Fusswascbuno; siebende Penelope eine 
solcbe lärmende ünlerbreebunii der Tbätigkeit der Amme 
nicbt zu bemerken scdiiene. Desbalb spielt sieb auf dem 
kernseben Helief die l^rkennungsscene so geräuseblos wie ir- 
gend möglieb ab. Das Motiv, dass Kurykleia das Knie ihres 
Herrn berührend ihn anredet, ist lallen gelassen. DerKlmsller 
springt gewissermassen von V. 'ibÜ gleicii zu V. 476 über, 
indem Eurykleia sofort, nachdem sie Odysseus erkannt bat. 
sich an Penelope wendet, um dieser ihre Entdeckung mit- 
zuteilen. Aber Odysseus streckt die rechte Hand mit ge- 
spreizten Fingern aus. um ihr die Kehle zuzuhalten, auch 
dies ganz im Einklang mit der Odvssee: t i7y aOräp 'OSj't- 
ceu? j(^£ip' Exifiiadoiaevoi; cpxpuyo? Xx^i S£;iTgp9i9'.v. Dabei beugt 
er sich etwas vor, während er sich mit der Linken an dem 
Rande des Stuhles festhält. Kurz vorher wird seine Rechte 
ebenso den Stuhlrand der anderen Seite angefasst haben, 
um den Körper bei frei vorgestrecktem rechten Bein im 
Gleichgewicht zu erhalten. Der linke Arm des Odysseus bat 
also, ebenso wie die beiden Arme der Eurykleia, noch die 
Stelluni; von dem unmittelbar vorhergehenden Moment be- 
wahrt, und wieder ist Verzicht geleistet auf das von der 
Odyssee gegebene Motiv, dass Odysseus mit der Linken die 
Amme näher zu sich heranzieht und ihr Schweigen gfbiftet. 
Geredet darf eben bei iW\' uumittrlhareu Nähr der Pfut-Iopi' 
überhaupt nicht werden. 

.Nicht die gleiche massvullc Zunu-khallung ist auf den juu 
geren Reliefs beobachtet, welche dieselbe Scene dei' Odyssee 
(»rienbar nach einer genieii.saiueu \(U'lage. vielleicht einem 
Gemälde, mit geringfügigen \ariati(Uien zur Darstellung brin- 
gen. Wir linden diesen späteren Typus auf einem in meliie- 
ren Exemplaren erhalleneii 'rerracottarelief der campaiia^ciieii 
Classe (Overl.cck, llei. Gall, laf ü."?,:. Ngl. S, .SOf), Aiim V. 
MuiiCoCaminiiKi 1\, I y^v.'lWl) und /weiiiial auf Sai knplia- 



328 C. HOBERT 

gen, einem Guirlanciensarkopliage der besten Zeit ( Sarkophag- 
Reliefs il I39Z>) und einem spälen giehelförmif;en Deckel 
(ebenda II '203). Dem jüngeren Ivunstgesclimack entsprechend 
ist hier der Vorgang weit dramatischer gestaltet, auch ein et- 
was späterer Moment gewählt. Odysseus hält der Eurykleiaden 
Mund zu. um sie am Sprechen zu verhindern, nicht die Kehle, 
wie in der Odyssee. Es fehlt auch nicht das umgestürzte 
Waschbecken. Zweimal ist, wie auf dem chiiisiner Skyphos, 
Eumaios, zweimal der Hund Argos bei dem Vorgange zuge- 
gen. Ebenso aufgeregt ist die Darstellung auf zwei Gemmen, 
die aus der Schilderung der Odyssee ein anderes Motiv, die 
Anrede der Eurykleia (t 'i7H*. ) und die Erwiderung des 
Odysseus (t 482-490) herausgreifen; die erste, eine braune 
Paste der berliner Sammlung (4349 bei Fuitwängler), zeigt 
Eurykleia noch am Boden kauernd, mit erhobener Linken 
ihre Uede begleitend, während Odysseus mit vorgestrecktem 
Arm ihr Schweigen zu gebieten scheint, auf der anderen, ei- 
nem Smaragdplasma der Sammlung Dehn (Tischbein-Heyne, 
[lomer nach Antiken S.22; danach wiederholt bei Inghirami, 
Galleria omerica 111 Taf. 116, Overbeck, Her. Gall. Taf. 
33,4 vgl. Gonze. Annali delC Instituto 1872 S. 203), hat 
sieh Eurykleia aufgerichtet und hebt gesticulirend dienechte, 
Odysseus aber fassl wie auf dem kernschen Relief mit der 
Hand nach ihrer Kehle. Auch das umgestürzte Waschbecken 
und den Hund Argos finden wir auf dieser Gemme wieder. 
Wie hoch über diesen jüngeren Gestaltungen das Relief aus 
Gomphoi mit seiner vornehmen Ruhe sieht, wird jeder em- 
pfinden. 

Odysseus trägt einen kurzen (Chiton und ein Mäntelchen, 
das über die rechte Schuller vorgenommen wie eine Schärpe 
(|uer über die Brust läuft und dann über den linken Unterarm 
und den Rand des Stuhles herablällt. Sehr ver.scliieden von 
dem vornehmen llinialion, niit welchem Odysseus auf der 
cliiusiner Vas(! bekleidet ist. wo er nicht verwandelt gedacht 
wird, soll diese 1'racht ohne Zweifel, wie sonst die Exomis, 
den Bettler bezeichnen. 'AjA-pl %i a-.v pi/coi; iXXo >ca/töv (iiXgv yjSe 



DIE FUSSWASCHUNT. DES ODYSSEUS 3-29 

^iTwva/pwyaXea puTtowvra, )ta)cö [/.iiiop^jy^Lha. xaTrvtp heisst es von 
Atliena v 'j3'if. Auch hier haben wir also strikte Anlehnung 
an den Text der Odyssee ^ Und so wird auch der Pilos, den 
er auf dem Kopfe trägt, hier nicht wie auf der \'ase der Kei- 
seliut, sondern die Kopfbedeckung des armen Mannes sein. 
Unter dem Stuhle steht der Speisekorb, die cx'jpi;, und weiter 
nach rechts eine kleine Kanne, wo! für Öl. Auch den Korb trägt 
der Odysseus der Vase neben Weinschlauch und Täschchen 
an einem 'l'ra2;eholz über der Schulter. Dort enthält er den 
Mundvorrat des Reisenden, hier vertritt erden Ranzen, in 
welchen der Retller die von den Freiern gespendeten Almosen 
sammelt: v 437 Süi/te Se oi G/CY^TCTpov y.xl ätixe'x 7:y)p7)v, Trux.vä 
poyaXfiYiv, vgl. p 197, 4 11. a 108. 

In der Odyssee sitzt Penelope während der Fusswaschung 
unthätig am lleerd, während Odysseus sich weiter abseits ge- 
setzt hat und in das Dunkel blickend ihr und dem Feuer den 
Rücken wendet. Und so zeigen denn auch die campanaschen 
Reliefs auf der anstossenden Platte die sinnend dasitzende Pe- 
nelope. allerdings im Widerspruche mit dem Epos dem Odys- 
seus zui»;ewandt. Der Verfertioer des kernschen Reliefs aber 
hat sehr richtig empfunden, dass er uns Penelope, um ihre Un- 
aufmerksamkeit glaubhaft zu machen, in irgend einer Thätig- 
keit vorführen müsse. So zeigt er sie uns denn am Webstuhl. 
In ihre Arbeit vertieft kehrt sie dem Resucher den Rücken. 
Allerdings wendet sie bei dem Geräusch, das der plötzlich 
losgelassene Fuss des Odysseus beim Herabsinken in das Rek- 
ken verursacht, den Kopf ein wenig nach links, aber wir ha- 
ben die iümpfindung, dass sie dem Vorfall nur als einem be- 
deutungslosen Intermezzo keine weitere Reachtung schenken 
und alsbahl in ihrer Arbeit fortfahren wird. TI S' o-jt' ölB^t,- 
nr/Li öuvät' avTiT) oute voriaai" T'?i ya:p 'Aör)vair, vöov sxpxTiriv heisst 
es in der Odyssee x 'i7(S. Dass der Künstler das doch nur iin- 



' Aiirli zu der in ileii Briereii des I'seudo-Diogfnes VII i S. -IW' Ilorclien 
übciliefiMlL'n VariaiiU; ?apo; ixc'v o'<. t,q&-x /tTiovä -zi tTiAaT' thioxt winde die 
Darstellung- des Reliefs passen. 

ATHEN. MITTHEU.UNGEN XXV. 2*2 



330 C. ROBERT 

vollkommen darstellbare Eingreilen der Gottheit fj;anz wegge- 
lassen und an Stelle der völligen Apathie ein momentanes 
Hinschauen hat treten lassen, kann man nur als einen höchst 
geschickten Griff bezeichnen. l)i(> Handhabe für seine i^lück- 
liehe Litsung bot ihm die Odyssee selbst in der Geschichte 
vom Leichentuch des Laerles Ö 93IT.= aj {"^StT. 

tvOa '/Cxi r,uxxif\ txsv ijipaiv£<i)tsv ixs'yav icröv, 

Denn darum , dass nach der weiteren Rrzählung schon vor 
dem Zeitpunkte, wo die Odyssee einsetzt, die List entdeckt ist 
und Penelope notgedrungen das Gewebe vollendet hat, brau(dit 
sich der Künstler natürlich nicht zu kümmern. Am liebsten 
möchte man denn auch glauben, dass Penelope hier nicht mit 
der Herstelluno-, sondern mit der Auflösung- des Gewebes be- 
sehäftigt sei. Rs fragt sich nur, ob die Manipulation, in der 
wir sie sehen, sich mit dieser Annahme verträgt. Darauf muss 
die Prüfung der dargestellten VVebegeräte die Antwort geben. 
Wir sehen zunächst den Webstuhl, wie wir ihn bereits von 
dem chiusiner Skyphos, dem 'E(friiLifi<; äp;^. 189'2 Taf. 13 ab- 
gebildeten lilpinelron , den beiden böotischen Kirke- Vasen 
[J.H.S. XIII Taf. 4 und S. 81) und dem Fries des Nerva- 
F'orums {Motiumenli delC Inst. X Taf. 41. Wa; lirunn, 
Denkmäler Taf. 489) kennen. Von dem Querbalken ist hier 
nur der oberste mit dem aufgerollten Gewebe, 'der Tuch- 
baum', dargestellt. Ob die unteren, zur Fachbildung dienenden 
Quersläbe nur gemalt oder überhaupt nicht wiedergegeben 
waren, muss dahingestellt bleiben. Die Weberin hält in der 
bis über die Schulter erhobenen Uechten, und zwar zwischen 
Daumen und Zeigelinger, die mit dem Einschlag umwickelte 
Spule, ganz ähnlich gestaltet wie auf der einen der oben er- 
wähnten böotischen Vasen [J.H.S XIII S. 81), durch die 
wir dies Gerät zum ersten Male kennen gelernt haben '. Die 



' Vgl. A. Riegl, Der antike Webslulil, in den MiUlioilungon ilc^ \\. K , 



DIE FL'SSWASCHUNO DES ODYSSEUS 331 

ausserordentliche Breite des Webstuhls, die sich auch bereits 
auf dem Skyphos aus Chiusi constatiren liess, musste es der 
Weberin unmöglich machen, die Spule in einem Schuss durch 
die ganze Keihe der Kett(3nfädcn durchzutuliren oder durch- 
zuwerfen. Vielmehr musste sie wiederholt mit der einen Hand 
durch die vordere Kettenreihe in das Fach hineingreifen'. 



öslerreich. Musciiiiis für Kunst und Industrie N. F. IV 1892/3 iS. -290. Dasi 
icli diesen wiclitigi^i Aufsatz einsehen konnte, verdanke ich der Gefällig- 
keit 0. Benndorfs. 

* Es ist daher yanz ausgeschlossen, dass die Weberin das Qufrhidz, durch 
dessen Vorziehen das sog. künstliche Fach gebildet wurde, während des 
Webens mit der Hand festgehalten hätte, wie man dies vielfach auf Grund 
einer sehr anfechtbaren Interpretation von Ilias W TtiOir. angenoniinen hat. 
Vielmehr inuss dies, wie auch Blümner, Technologie I S. 3G0 allerdings 
noch zweifelnd vermutet hat, durch eine mechanische Vorrichtung be- 
wirkt worden sein, wie sie sich auch an dem bereits von Conzc vergliche- 
nen norwegischen Webstuhle (am besten abgebildet bei Riegl a.a.O. S. -29'.), 
lindel. Die erwähnte Inler[)retati()n jener Iliasverse ist zuerst von Schnei- 
der Soiplores rei ruslirae S.37(l aufgestellt und später namentlich von Mar- 
quardt, Privatlebender Uönier II 131 (=:."»-2l der Bearbeitung von Mau) 
und Blüinner a.a.O. S. 130 Anm. 1 verlochlen worden. Odysseus, heisst es 
dort, ist dem Aias so dicht auf den Fersen 

w; dtc t£; tc vjva'.zo; iuJ^tiivoio 
airjOto^ tau xavoiv, ov r" eu |j.aXa y^£pai Tavjair, 
7:t)v:ov £;£'),y.ojaa nap'-TK. [Xixov, aY/.o8'. o' ta/t; 
aTTJOco;. 
liier soll 7:t)v;ov die Spule, /.avwv der Querbalken und aiio; die Lilzen sein, 
durch die die Kettenfäden an diesem Querbalken befestigt sind. Gegen die 
letztere Deutung hat bereits O.Schröder (Arch. Zeitung 188i S. I7Ü f.) 
Einspruch erhoben; sein Nachweis, dass [lizoi nur die Kettenfäden bedeuten 
könne, lässl sieh noch durch den Milos der Kabirenmyslerien (O.Kern 
Hermes XXV S.7). die Häuligkeit von aixo; als Component in Spitznamen 
für fadendünne Menschen ( Bechlel, Spitznamen S. ir)|und das lettische 
Wort meti, das gleicbfalls die Kelle bezeiehnel, slülzcn, worauf mich Bech- 
lel hingewiesen batlvgl. Prellwitz, Elym. Wörlerbucb S. -201^. Aber auch die 
AiilVassung von xavoiv als Querbalken ist unhaltbar; nicht nur weil dieser, 
wie eben gezeigt,« äluend des Webens nicht mit der Hand festgehalten wer- 
den konnte, sondern auch weil nicht 7:r,v(ov 6i£'Xy.oj(ja, sondern nTjviov EfcXxouj« 
daslebl, wodurch un/weideutig der Moment bezeicbiK-t wird, wo die Spuh- 
nach dem letzten Wurf ans Knde der Kette gelangt, der Kinscblagfadrn 
also herausgezogen wiid. Dann wird die Weberin den Faden n()eb einmal 
stramm anziehen, ehe sie ihn mit der llolzspalel, der 3-a6r,. fesischlägt. 
Nalurgemäss stellt sie sich dabei seilwärls neben die Meke den Web- 



332 C. ROBERT 

um die mit der anderen Hand geworfene Spule aufzufangen, 
worauf dann der Wurf wiederliolt wurde, bis sie zur Ecke des 
^^^ebstullles gelangte. Nur so erklärt sich das bekannte (ctov 
sTiroixeaOai und nur SO war es überhaupt möglich, Muster zu 
weben '. 

Mit welcher Operation ist nun die Penelope des kernschen 
Reliefs beschäftigt? Wir sehen sie mit der Kochten die Spule 
hoch hallen, während die l^inke, etwa bis zur Schullerhöhe 
erhoben, halb geschlossen und die Finger, wenn ich die Bruch- 
spuren richtig verstehe, so gestellt zu sein scheinen , als ob 
sie einen Faden hielten (vgl. die nachstehende Skizze Gillie- 
rons, welche die Hände in Y) der natürlichen Grösse wieder- 
geben). Wenn das Bild, das wir eben von der Operation des 
Webens entworfen haben, richtig ist, wüsste ich nicht, in wel- 
chem Moment die Hände der Weberin in dieser Weise be- 
schäftigt sein sollten. Wie aber, wenn es sich um das Auf- 



sluhls, und damit erledigt sich auch das Bedenken Bliinineis gegen die 
Auffassung von xavoW als Webeschiflehen, dass nämlich die Kellenfä- 
den der Brust der Weberin näher seien als dieses, ein Einwand, der sich 
übrigens ebenso gut gegen die AulTassnng als Querbolz machen Messe. 
Die ältere, von Blümner bekämpfte Interpretation verdient also vor der 
neueren bei weitem den Vorzug. Sie sieht in dem xavwv das WebescliilV- 
chen, die xspxi;, oder correcter dessen primitivere Form, die vermutlich aus 
Rohr gefertigte Spule, in dem nri^/iov den um diese gewickelten Einschlag- 
faden. So hat auch Nonnos die Iliasverse aufgefasst,dem Blümner mit Un- 
recht Unklarheit vorwirft. üTa xavöjv uteovoio tieXei [j.eao? sagt er XXXVII, 
631 ; die Weberin kann wol das Webeschiirchen oder die Spule, nun und 
nimmermehr aber den Querslab des Webstuhles zwischen ihrcBrüslc drük- 
ken. Und VI, \b2 setzt er direkt y.zp/.ii für xavo'jv ein : 

ü'^aivs Sj xspxioi xoüpT) 
7:rjViov e^eXxouaa 7:ap£x [aitov. 
Auch Aristophanes Thesm. 8^2 und 825 gebrauclit ollcnbar xavt-iv svnonvm 
mit xtpxi's und unterscheidet es ausdrücklich vom Querholz, dem ivtiov. Dem 
gegenüber können die späteren von Blümner S. 130 Anm. 1 gesammeilen 
Stellen, wo xavaiv das ivtiov bezeichnet, nichts besagen. Beiläulig bemerkt, 
die a::(xO/]wird man doch wol in dem Stabe erkennen dürfen, nii! dem Mi- 
nerva auf dem Fries des \erva- Forums die Araehne lieijnilit { Moniiinenti 
ilelL' Jnsl. X Taf. U, 21, Brunn, Denkmäler Nr. ''iS'Ji, die hän^'e des Geräts 
wird durch die Breite des Webstuhles bedingt. 
< 0. Schröder a.a.O. S. 173. 



DIE FUSSWASCHUNG DES ODYSSEUS 



333 



lösen des Gewebes liandelt ? Es liegt auf der fland, dass Pe- 
nelope sich dabei, um sich nicht zu verraten* jedes gewalt- 
samen Eingriffs enthalten musste. Sie wird sich also auch 
beim Auflösen der Spule bedient haben , nur dass sie diese 
jetzt in umgekehrter Richtung, wie vorher, durch die Kette 
durchfuhrt. So oft sie an das Ende des Webstuhls gelangt ist, 





wird dann der herausgezogene Einschlagfaden lose herabhän- 
gen. Sie muss ihn also aufspulen, und hiermit sehen wir sie, 
wenn ich richtig deute, auf dem Relief beschäftigt. 

Diese Abschweifung in das Gebiet der antiken Webetechnik 
kann uns also nur in der oben empfohlenen Annahme bestär- 
ken, dass uns der Künstler Penelope beim Auflösen des Ge- 
webes vorführen wollte. Je mehr auch hierin die Fähigkeit 
hervortritt, eine Scene des Epos bis ins kleinste Detail charak- 
teristisch zu gestalten, um so mehr überrascht es, dass bei 
der Composition auf jede symmetrische Anordnung verzichtet 
ist. Zwar ist Odysseus mit Bedacht in die Mitte gesetzt. Aber 
zu der majestätischen Figur der Penelope bildet die gebückte 
Amme kein genügendes Gegengewicht. Es wird dies beson- 
ders fühlbar, wenn man die iireffenständlich am nächsten ver- 



o^o 



'cliaden- 



wandtcn Monumente, die Orpheus-, Peirithoos-, und 

Reliefs und das neuerdings von Savisnoni und Amelung be- 



334 C. KOBEHT 

handelte Relief" des Museo delleTerme' vergleicht. Und wenn 
wir uns zur Malerei wenden — denn dass dem kernschen Re- 
lief ein Gemälde zu Grunde liei>;t, ist, wenn auch nicht un- 
bedingt notwendig, so doch wenigstens möglich — so zeigt 
von den hier zunächst in Retracht kommenden Marmorbildern 
aus Herculaneum nur die Tragödienscene eine ähnliche Gleich - 
gilligkeit gegen die Gesetze der Symmetrie, während diese 
z. R. bei den Astragalenspielerinnen durchaus beobachtet sind. 
Hinsichtlich der Compositionsweise stellt sich das kernsche 
Relief vielmehr zu den Votivreliefs im engeren Sinne , die 
keine mythische Scene, sondern eine rituelle Handlung in Ge- 
genwart eines Gottes darstellen ; mit ihnen hat es auch die 
Art der lektonischen Umrahmung gemein. Ohne Zweifel liegt 
hier ein principieller Gegensatz der attischen und thessalischen 
Plastik vor, denn ihessalisch ist der Stil des Reliefs durchaus. 
Ks reiht sich unmittelbar an die kleine Gruppe von Grabre- 
liefs. die zuerst von Rrunn^, dann von Wolters und Fougeres ■% 
zuletzt von Heberdey ^ besprochen und gewürdigt worden sind; 
aber es ist jünger und entwickelter als alle diese, denen noch 
durchaus der Charakter des Archaischen anhaftet. Trotzdem 
giebt sich die thessalische Tradition noch in der mehr maleri- 
schen als plastischen Formgebung zu erkennen, falls hier die 
schlechte Frhaltung nicht täuscht, ganz unzweideutig aber in 
der Gewandbehandlung, die trotz unverkennbarer Fortschritte 
noch deutliche Reminiscenzen an die schematischen wulstigen 
Falten jener archaischen Reliefs zeigt. Resonders charakte- 
ristisch ist die Rehandlung der Gewandung der Penelope, die 
auch eine eigentümliche Drapirung des Obergewandes aufweist. 
Der Rausch des Chitons lallt ziemlich tief herab; ob auch ein 
A{)optygma vorhanden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit con- 



' liitll. ruinunale di Roma I8'»7 Tai'. ."., 8. 73 tV. liüiii. MiMli. 18'.)'.) Taf. I, 

S. 1 tr. 

' SitzuiigsbfiiulUe der miiiicliciicr Akad. 1876, I S. :!l."i iiiid in dieser 
Zi-itschiil'l 188:i iS. 81 II. 

2 In dieser Zeilschrüt 18S7 8. 7.'ni'. It.C.ll. XII 8. 170 (F. 

^ In dirsrr Zeilsclirin 181)0 S. l'.)9ir. 



DIE rUSSWASCHUNG DES ODVSSEUS 335 

statiren. Das linke Bein ist deutlicli als Spielbein behandelt 
und zugleich, wenn ich richtig sehe, ein wenig nach links ins 
Profil gestellt; die Faltengebung ist hier überraschend gut. 
Das Obergewand ist ein kurzes Mantelchen, dessen einer Zipfel 
über die linke Schulter zurückgeworfen ist. Bei der Gewandung 
der Kurykleia, die aus Chiton und aus einem schurzartig um- 
gelegten Mantel besteht, erinnert nur noch der abstehende 
Bausch am Hals an die archaische Faltengebung (vgl. diese 
Zeilschrift XVTaf. 6, 1 . 7),er ist aber hier durch die Beugung 
des Oberkörpers motivirt. Nach allem diesen werden wir nicht 
fehlgehen, wenn wir das Belief in die zweite Hälfte des fünf- 
ten Jahrhunderts datiren. 

Auf eine etwas ältere Darstellung der Fusswaschung des 
Odysseus hat mich Paul Wolters aufmerksam gemacht. Sie 
findet sich auf einem der sog. melischen Thon-Beliefs, das 
in Korinth gefunden, jetzt gleichfalls im athenischen National- 
museum aufbewahrt wird'. Wolters hat das Bildwerk auf 
unserer Tafel etwa in halber Grösse abbilden lassen. Die Platte 
ist rechts unvollständig. Auf dem erhaltenen Teil sieht man 
Odysseus, welcher, sich etwas zunicklehnend, der vor ihm 
knieenden Eurykleia den linken l-'uss hinhält, wobei er das 
Bein unter der Kniebeuge mit beiden Händen unterstützt. Am 
Boden erkennt man einen Best des Waschbeckens mit den 
üblichen Löwenfüssen (vgl. Aesch. Fragm. '2'2r)N., die The- 
seusschale des Euphronios u. a.). Von Furykleia ist nur der 
auffallend jugendlich gebildete Kopf und die rechte Schulter 
erhalten. Den zwischen ihr und Odysseus stehenden jungen 
Mann, der die Linke auf die Hüfte, die hoch erhobene Hechte 
auf den Speer stützt, wird man als Telemachos deuten kön- 
nen. Es ist hier ein etwas früherer Moment gewählt, als auf 
dem kernschen und den übrigen Beliefs. Noch hat Eurykleia 
die Narbe nicht gefühlt, die Erkennung steht also noch be- 



' Nr. 9753, Schenkung Andropulos. Die Provenienz ist nicht ganz sicher, 
vgl. AeXt'ov ip/. 1891 S. 10,42. Höhe 177. grösste Breite 123, Dicke 4-8'«"»; 
rötlicher Thon, Spuren von weisser Deckfarbe. 



33fi C. ROBERT 

vor. In dieser Hinsiclit trifl'L das Relief mit dem Skyplios von 
Chiusi zusammen, der aber hier niclil in Betracht kommt, da 
er eine andere Sagen version darstellt. Auf einem kleinen 
Smaragdplasma der berliner Sammlung (Nr. 2483 bei Furt- 
wängler). das in der Hauptgruppe eine entschiedene Ähnlich- 
keit mit dem Thon-Relief zeigt, ist die Handlung schon ein 
wenig weiter Ibrlgeschritten, indem der Moment dargestellt ist, 
wo Eurykleia eben die Narbe berührt. Die Rechtswendung 
des Odysseus scheint übrigens typisch zu sein. Sie kehrt auch 
auf der Vase, auf der oben besprochenen Gruppe späterer Re- 
liefs und den Gemmen wieder. Die einzige .Ausnahme macht 
das kernsche Relief, das auch in diesem Punkte seine Selb- 
ständigkeit documentirt. 

Dass das Thon-Relief, wie eben stillschweigend vorausge- 
setzt, die Scene der Odyssee darstellen will, zeigt die Tracht 
des Odysseus. Ausser dem Pilos oder richtiger der xuvy} trägt 
er ein Tierfell, das auf der Brust geknotet zu sein scheint; 
einer der durch die Beine gebildeten Zipfel scheint über den 
Rand des Stuhles herabzufallen. Damit soll doch wol das 
llirschfell, das ihm Athena umgelegt hat ', gemeint und Odys- 
seus als Bettler bezeichnet sein. Die Einführung des Telema- 
chos ist ganz im Sinne der älteren Kunst, die gerne alle Haupt- 
personen des Mythos auch gegen die poetische Quelle zur Dar- 
stellung bringt. V'on einer weiteren Person ist hinter der lin- 
ken Schulter des 'J'elemachos der vorgestreckte rechte Arm er- 
halten. Der Vergleich mit der Vase aus Chiusi und den Cam- 
panaschen Reliefs macht es wol am wahrscheinlichsten, dass 
liierEumaios dargestellt war. Penelope scheint gefehlt zu ha- 
ben. Denn für eine fünfte Eigur reichte die Breite der Platte, 
die sich aus der Stelle des Bohi'lochs einigermassen berechnen 
lässt, schwerlich aus. Auch auf der oben verglichenen berli- 
ner Gemme ist hinler Eurykleia noch eine Figur angebracht, 
die den Arm in ähnlicher Weise erhebt wie der mutmass- 
liche Eumaios, wol eine Dienerin, gewiss nicht Penelope. 



' Vgl. V 4.i6 : äa^l oc |j.iv [A^ya 5tp(j.a layeir)« saa' sXaepoio ij/iXdv. 



DIE FUSSWASCHUNG DES ODYSSEUS 337 

Ausser dem gegenstündlichen Interesse hat das Thonrelief 
noch ein kunsthistorisches. durch die unverkennharoÄhnlich- 
keit, welche die Gestalt des Telemachos in Stellung und Drapi- 
rung mit dem sog. Oinomaos aus dem Oslgiehel von Olympia 
zeigt. Nur dass durch die Vertauschung der Seiten und die Kopf- 
wendung nach der Seite des Standbeins hin Telemachos un- 
vergleichlich kräftiger wirkt als der etwas unsicher dastehende 
Oinomaos. Auch beim Odysseus erinnert die Behandlung des 
von der Schulter zum Gesäss herablaufenden Fellrandes an die 
Art, wie sich bei dem 'sitzenden Knaben' desselben Giebels 
der Mantel 'in einem dünnen und ilachen, wie angeklebten 
Rande über das linke Bein hinzieht' (Treu), und die Eury- 
kleia können wir uns ganz gut in der Stellung des 'knieenden 
Mädchens' ergänzen. Bei der Frage nach der Herkunft der 
Olympia-Skulpturen wird daher auch dieses Thonrelief eine, 
wenn auch bescheidene Berücksichtigung beanspruchen dür- 
fen, oder vielmehr, da diese Frage meines Erachtens bereits 
durch Furtwängler zu Gunsten von Faros entschieden ist', 
dürfen wir umgekehrt nun die sog. melischen Reliefs dem 
Kunstkreise der ionischen Inseln zuversichtlich zuweisen, wie 
das jetzt nach Furtwänglers Vorgange auch ohnehin wol mei- 
stens geschieht. 

Da wir auf dem Thonrelief Telemachos bei der Fusswaschung 
gegenwärtig linden, könnte die Frage aufgeworfen werden, 
ob nicht auch die Rückseite des chiusiner Skyphos. die be- 
kanntlich Telemachos im Gespräch mit der nachdenklich vor 
dem Webstuhl dasitzenden Penelope zeigt, mit der Darstellung 
derNiptra auf der Rückseite zu einer Scene zusammenzufassen 
sei. Ich erwähne die Möglichkeit einer solchen Folgerung nur, 
lim vor ihr zu warnen. Der intime Charakter des Gesprächs 
zwischen Mutter und Sohn, und damit der Hauplreiz der 
Darstell uni>-, würde vollsländiij; sestört werden , wenn Odvs- 
seus, luirykleia und Eumaios zugegen wären. So wird es also 



' Aich. Studien 11. l^niiiii ilaigclnaclil S. ti7 11'., zu eleu Tliouroliols ddil 
S. 80. 



:^38 C. ROBERT, DIE FUSSWASCHUNG ÜKS ODYSSEUS 

dabei bleiben, dass wir es hier mit einer besonderen Scene, 
dem Prolog der sophokleisclien Ni^Tpa, zu thun haben, nur 
dass dieses Sliiciv mit Rücksicht auf das Alter der Vase, die 
ic'ii früher zu spät angesetzt hatte', wol etwas höher hinauf- 
zurüeken sein wird als es von mir geschehen ist. 

Halle. 

CARL UOBERT. 



~*r» — äß—H*-- 



' Marathonsclilaclit S.81, vgl. MonumoUi antirhi dfi Linrei IX S. 27. 



PRÄHISTORISCHE IDOLE ALS BLEI. IL 

Als ich in diesen Mittheiluntren 189<S S. ''i6-2 die Rclillieil 
des einst von Finlay besessenen , jetzt im griechischen Na- 
lionalmuseum befindlichen Bleifigiirchens vom Typus der be- 
kannten prähistorischen Marmoridole bestritt, konnte ich nur 
vermuten, dass Finlay es auf los erworben habe, und dass es 
demnach mit dem von Ross als verdächtig erwähnten Exem- 
plare identisch sei. Diese \'ermutung kann ich jetzt dank der 
Freundlichkeit \\. C. Bosanquets beweisen. Mit Finlays Bi- 
bliothek und den Besten seiner Sammlungen sind auch seine 
Tagebücher kürzlich in den Besitz der hiesigen British school 
übergegangen, und in einem dieser, dem Journal of a tour 
to several islands of the Archipelago in August and Sep- 
tember 1831 findet sich S. i"2 unttr dem "2. September bei der 
Erzählung des Aufenthaltes in los folgender Abschnitt, auf 
den mich Bosanquet gütigst aufmerksam machte: 'The ex- 
treme heat of the day confined us to the house and I pur- 
chased some antiquilies found in the tombs in different parts 
of the island, particularly some of the rüde marble figures 
conjectured by Professor Thiersch to be the production of the 
Carians. I procured a similar figure in lead and some inter- 
esting Utensils in marble'. Weiterhin S. 97 zählt dann Fin- 
lay nochmals seine Erwerbungen auf: "los. Several marble 
figures of rüde workmanship like imitations of mumies, 
thüught by Thiersch to be Carian. A marble bowl and two 
cups. A marble rudder. A small marble skaphe. •? hroken 
black vases and 2 lamps. 1 lead figure Carian ? ' Vorhanden 
sind in der finlayschen Sammlung noch drei Marmoridole von 
verschiedener Grosse, eine grössere und zwei kleinere Mar- 
morschalen ; das Ruder, d.h. eines der m-ij^enförmimMi Idole 
(wie 'E<pY)a£pU ipx- ISDS Taf. IM hal Finlay später an .1. 
Paläologos überlassen, wie sein handsehriflliches Inventar an- 



340 P. WOLTEnS, PHAEHISTORISCHE IDÜLE AUS BLEI. II. 

giebt^ Das Bleifigürchen isl aus seiner Sammlung ins grie- 
chische Nationalmuseum gelangt; seine Herkunft aus los ist 
jetzt gesichert, und damit seine Identität mit dem von Ross 
genannten und schon angezweifelten l^xemplare. 

Athen. 

PAUL WOLTERS. 



-^-t=X5!f^'->.- 



' Ül)er dies Stück äusserte sicli Kinla.v aucli in einem Brief an Lcake (im 
fiiilaysclicn Naclilasse) vom 18. Okt. I8.'?7, nacli einer luindscliriflliclieii 
Bemerkung des lelzicren read before lUe Royal Society Der., l'i. IS'A8. Es ist 
vielleieiil idenfiscl) mit dem in der mykenisclien Sammlung des grieelii- 
sclien National museunis Nr. 3935 vorhandenen Exemplare. 



PAROR 
I. Gescliiclile der wissenschaftlichen Erforschung von Puros. 

( Hierzu TaffI V und VI) 

Die Geschiclite der wissenschaftlichen Erforscliung von Fa- 
ros heginnt für uns erst mit der Neuzeit. Aus dem Altertum 
ist ausser dem dürftigen Auszug bei Stephanos von Byzanz auf 
lilterarisciiem Wege von den Arbeiten der antiken Geschichts- 
forschung über Faros nichts auf uns gekommen. Das ist sehr 
bedauerlich, denn es hat im Altertum nicht an Männern ge- 
fehlt, die sich mit der Geschichte von Faros befasst haben. 

An ihrer Spitze ist Archilochos zu nennen, der in seinen 
Gedichten vielfach Sagen- und Zeitgeschichte seiner Hei- 
mat behandelt hat. Wären uns des Archilochos Gedichte 
in einer besseren Gestalt erhalten, so würden wir über die 
parische Sagengeschichte, über Ereignisse wie msbesondere 
die Kolonisirung von Thasos und die verschiedenen Kriege 
zwischen Faros und Naxos zur Zeit des Archilochos besser 
unterrichtet sein. Einen leider nur zu geringen Zuwachs zu 
dem bisher bekannten Erbe des grossen Dichters hat der 
schöne Fund llillers von Gärtringen gebracht, über den oben 
S. 1 ff. berichtet worden ist. Die wenn auch recht geringe 
Bereicherung, die uns trotz der Zerstörung des Steines für die 
Geschichte von Faros noch zu teil geworden ist, führt uns 
deutlich vor Augen , wie viel wir mit des Archilociios Ge- 
dichten für die Erkenntniss der parischen Geschichte verloren 
haben. 

Mit kurzen, kaum nennenswerten Bemerkungen gehen die 
irrossen Historiker des 5. Jahrhunderts an Faros vorbei. Nur 
die Miltiades- Episode giebt llerodot Gelegenheit , sich mit 
Faros zu befassen. Die Redner sind wenig ergiebig. Isokrates 
hat in einer seiner Beden (Aiginelikos XIX, IS) uns eine 



3',o o. nunENSOHN 

kurze, aber immerhin interessante Mitteilung über Paros er- 
ballen, sein nap'.axöc Xoyo^' ist verloren gegangen. Dasselbe 
Scbicksül hat vier Abschnitt aus .Vrisloleles' Politieen gehabt, 
der sich mit Paros belasste; die wenigen Salze, die uns in des 
Horaklides Fragmenten erhalten sind, besagen nichts. 

Nach dem Musler aristotelischer Forschungsweise hal, wie 
Miller von Gärtringen oben S. 8 f. ausgeführt hat, jener i)e- 
meas gearbeitet, den uns die Inschrift des Archilochos kennen 
i^elehrt hal. Fr ist der eigentliche llistoriograph von Paros 
gewesen, denn wir können wo! mit Sicherheil aus der In- 
schrift entnehmen, dass sein Werk ein ^.oyo; von Paros und 
nicht etwa ein [iio; des Archilochos gewesen ist^. Ob auf dem 
Weoe litterariscber Überlieferung von des Demeas Werk et- 
was auf uns gekommen ist und wieviel, lässt sich nicht mehr 
entscheiden. Möglich ist, dass in den Notizen über des Archi- 
lochos Leben, die in engsler Verbindung mit der Geschichte 
von Paros uns überliefert sind, sich Gul des Demeas erhalten 
hat, und so könnte man z. B. auf die Vermutung kommen, 
dass die Nachrichten über die Gründung von Thasos und des 
Archilochos Beteiligung an dieser, wie sie besonders von Oi- 
nomaos von Gadara ( Fusebius praep. evang. V, 33 S. "227) 
überliefert sind, in Zusammenhang mit dem Werke des De- 
meas stehen. Tritt doch gerade in ihnen die auf Schlüssen aus 
Archilochos' Ge lichten aufgebaute Verknüpfung des Archilo- 
chos mit diesem Freigniss besonders hervor. Leider lässt die 
trümmerhafle Überlieferung hier weiteres Vordringen nicht zu. 
So ist eigentlich das Finzige, was uns einigermassen zu- 
sammenhängend über Paros aus dem Altertum überkommen 
ist. der überaus dürftige Artikel im geographischen Lexikon 
des Stephanos von Byzanz, der uns ausser dem Fphoros-Cilat 
über des Miltiades Zug gegen Paros nur sehr wenig und auch 
nur zum Teil verwertbare Nachrichten übermittelt hat. Im- 



' Vgl. B'o; 'Iioy.oaTou; S. .■),;{-J, ed. 13.iit(.T - .S;ill|)i)(! ( Ixizog sich vii'lli'iclil 
auf Parimi ). 

■^ Mau Ivüiiiite auch au ciuc /.'.[t.; \(ju l'ains uud 'l'hasus dculvCM. 



FAROS I 343 

merliin werden wir ihn neben den «[elegenlliclien Anhalten hei 
Historikern und anderen antiken Schriflslellern unserer Dar- 
stelkino- der pariscdien Geschichte zu Grunde zu legen haben. 

Die byzantinische l^)Oclie ist, wenigstens was die lilterari- 
sche Überlieferung betrilTt, last spurlos an Paros vorüberge- 
gangen ; erst mit der beginnenden Xeuzeit hebt die wissen- 
sciiaftliche lu-rorschung wieder an. 

Christotoro Buondelmonte, der tlorentinische Presbyter, der 
Vorläufer des Cyriacus . ist der erste , welcher hier genannt 
werden niuss. Sein Hauptwerk, der im Jahre 1 4"20 abge- 
schlossene Über insular um Archipelagi, in dem die erste 
uns bekannte Karte und Beschreibung der Insel Paros erhal- 
ten ist, hat ein eigentümliches Geschick gehabt. Die Original- 
Handschrift, die der Verfasser an den Cardinal Giordano l r- 
sini übersandt hat, ist verschollen. Ebenso verschollen ist ein 
etwa vorhanden gewesenes Conzept von der Hand Buondel- 
montes. Wir besitzen nun eine grosse Anzahl mehr oder we- 
niger unter Abschriften, die allesamt in letzter Linie auf ein 
hjxemplar des Über insularum zurückgehen, das den beiden 
eben genannten Handschriften gegenüber einen stark redigir- 
ten Text enthielt, und aus solchen redigirten Handschriften 
hat im Jahre 182 'i I.. von Sinner das Werk des Buondel- 
monte herausgegeben. Auf ein ähnliches redigirtes Exemplar 
des Buondelmonte -Textes geht auch die griechische Über- 
setzung des Über insularum zurück, von deren Vorhanden- 
sein in der Serailbibliothek zu Konstantinopel weiteren Krei- 
sen zuerst S. Beinach Nachricht gegeben hat {Re\'ue archeol. 
1883 S. 75 ff. 'EU-^vtKo; (p^oX. SüXXoyo; 1888 S. 181-187) 
und die jetzt Legrand seiner umfangreichen Ausgabe des li- 
her insularum (Paris 1897) zu Grunde gelegt hat '. 



• Das Veiiiilltniss dieser rcdigirleii Handscliriflen zu doin urspiimglifheii 
Texte liisst sich am liosten am Bcispiol eines anderen Werkes desselben 
Autors erläutern. Wir besitzen von lUiondelmonte ausser dem lihtr insula- 
rum eine deicripliu insiilaf Crelaf. Dieses Werk ist uns in zwei Redaktio- 
nen erliallen. Die eine wird repräscnlirt diireli den Laurenlianus ciidox lat. 
■'r' piul. '2*.l, die andere ist mehrfarli erliallen, n. a. aiieli in di'iii lifiliucr 



344 o. liunEN'SOHN 

Wir besitzen nun aber aueli eineCopie des nicbt redigirten 
Textes des über insitldrum , die uns vollen Ersatz lYir die 
verschollenen Oriiiinallian(]s(diriften bietet. Diese findet sicli 
in einer llandscbritt der Anibrosiana (eode\ A 1'?, '219 inf. 
cliarla bonibaccina 1 5. Jalirbundert) '. Es ist bedauerlich. dass 
Legrand diese Handschrift, der gegenüber die gedruckten 
Buondelmonte -Texte völlig hinfällig sind, nicht gekannt hat. 
Aber es ist hier nicht der Platz, die Bedeutung dieses Codex 
für die Textüestaltunü; des liber insulanim zu erörtern, es 
möge genügen darauf hinzuweisen, dass fast jede Inselbe- 
schreibung eine Bereicherung an einzelnen geographischen 
Beobachtungen, an historischen Bemerkungen oder an Schil- 
derungen von Reiseerlebnissen erfahrt Weniger bedeutsam 
ist der Zuwachs an Mitteilungen über Buinenstälten und 
Antiken ; dass aber auch dieses uns hier in erster Linie in- 
teressirende Gebiet nicht ganz leer ausgeht, das lehrt uns in 
besonders eindringlicher Weise die Beschreibung von Paros, 
die überhaupt als Probestück für die Umgestaltung des Buon- 
delmonte -Textes durch unsere Handschrift gelten kann -. Sie 



Buoudeliiiunlecodex. Die Texlredaktioii des Laiiiculiaiius gehl direkt auf 
das Original des Buondelmoiile zurück, das dieser an Niccolo Niccoli.deni 
das Werk gowidmel ist, gesandt hat (es ist vielleicht der Oiiginalcodex ). 
In der anderen Redakliun ist alles irgendwie Persönliche, die llciseer- 
Iclniisse u. s. w. getilgt; die Schrill ist, wie ieh früher glauhle, von t'ineni 
iledaklor, wie ich jetzt nach Emil Jiicohs' Vorgehen annehme, \u\\ Binin- 
delnionle selbst für den Buchhandel liergciiclitcl und darum stark gekürzt. 

^ Auf fol. 1 der Klein - Foliohandschrift ist die Notiz angemerkt : liber 
scitülae dni. Hier. Calclii. Die sehr flüchtig und schlecht gesehriebene Hand- 
schrift hat also als Scliullmch gedient; die Calclii unlcrliielten um 15(1(1 in 
Mailand eine bekannte Schule. Ich habe die Maiuiscliriit vor Jahren in 
Mailand bei einem vorübergehenden Aufenthall unlersuchl und von einigen 
Kapiteln selbst Abschrift genomnjcn. Eine Copie des ganzen Codex hat mir 
dann die Bibliotheks-Verwallung in liebenswürdigster Weise besorgt und 
die Ausführung libeiwacht. Den Passus über Paros halle Herr DnmeMieo 
Bassi die Ciüte noch einmal zu vergleichen. 

' Die ausserordentlich wichtigen Nachrichten für die sonstige Buondel- 
monte-Forscbung, die sich in unserer Ilandselirifl linden, haben in E. 
Jacobs, einem Kenner dieser ganzen Periode, einen Bearbeiter gefunden. 
Durch gesperrten Druck ist im lolgendr-n alles das gekt;nrizeichni.'l, was der 
Anibrosianus als Sondergut gegenüber deti anderen Handschriften besitzt. 



FAROS I 345 

lautet folgendermassen: Sequitur Jordane pater ut nostrum 
ad insulam Paros navigium transferramus- que albedo 
nimis coram Naxos insula ampliatur. Est igitur Iiec una 
ex cycladibus dicta. que olim plalca ab amplitudine nuncu- 
pabatur, deinde minoia a civitate ibi magnifica ampliata ^ 
Sed Parcantes Pluti filius, quem ibidem regnasse aiunt et op- 
pidum construxisse ipsam insulam et oppidum Paron a suo 
nomine nuncupavit^ que gignit marmor adeo candidissimum 
ut a longe videntibus nivis in eius montibus esse credant, in 
medio autem montium buius insule est mons aliis sublimior 
vocalus Marpessus^ qui candidus omnibus remanet tem- 
poribus, a quo naute transfretantes signum capiunt 
ignorate vie^. Circuit etenim marmorea hec insula miliaria 
XLla, longitudo ejus de Oriente ad occiduum prolun- 
gatur prope XIIII^'^ miliaria, in qua longitudine ver- 
sus trionem planus extenditur ab una usque ad alte- 
ram extremitatem insule: per totum itaque vertendo 
ad meridiem montes eriguntur asperi atque sine fru- 
ctu cultivationis; in quibus qui dem montibus in ali- 
quibus locis tanta est albedo illorum lapidum, quod 



« Plinius N. H. IV, 22 (12) Faros cum oppido ab Delo XXXVIII inill. 
marmore nolnlis, quam primo Plateani postea Minoida vocarunt. Die redi- 
girlen Handschriften haben liier noch den Zusatz, dass die Stadt von Minos 
gegründet sei. 

2 Parcantes ist Schreibfehler für Parcantes, das die redigirten Hand- 
schriften haben. Die griechische Übersetzung hat Paros. Pareas, der in dem 
verderbten Parcantes steckt, ist der Sohn des Jasion, Gründer von Parioii ; 
er heisst auch Parios. Paros, der 'Gründer' von Paros, ist der Sohn des 
Parrasios. Wie Jacobs bei Ililicr von Gärtringen, Thera S. ."HS schon an- 
gemerkt hat, ist diese Überlieferung aus des Isidorus Elvmobtgioen duich 
Bocaccio, de geiiealogia deoruni (cd. Micylli p. .'{.}'.•) zu Bnondi^lmonle ge- 
kommen. 

3 Die griechische Überselzun;,' hat KaoTcsaiio;, die sinnciscliou Hand- 
schriften haben Carpessus, die Verdorbniss geht also auf das liciden zu 
Grunde liegende Original zurück. 

■* Stall des gesperrt gedruckten Satzes bieten die redigirten Ilandseliriflen 
eine Bemerkung über den Qucllenreichlum des Marpessos, die bei uns 
fehlt. 

ATHEN. MITTHF.II.UNf.EN XXV. 23 



346 0. RUBENSOHN 

in media nocle liistrum per tot um am pl iatiir '. a eon- 
spectu itaque ApoUinis iiisula civitas maxima ampliebatur^, 
in qua quiilem millo et plus columpne marmoree mirahan- 
tur-' ibique inaiinoreuiu usque nunc immaculalum templum 
circumquesivimus tolum, in quo Laiini jam diu in novis- 
simis sacrifitiis posuere ritum et metropolim paren- 
sem apelavere^. liec itaque Minoia urbs munitissima 
n m i n a ta a p a t r i b u s erat, q u e in viribus o 11 m e r ec t a 
strages suisnavigiis multis dederat partibus, cum 
omnia in tabula marm orea Latinorum queGrecorum 
videmus inpressa cbaractere^. A leva autem juxta radi- 



< Diese Beschroil»uiig stimmt vortrefTlich. Mit der l^liene sind oirenbar die 
Itieitcn Strandebenen von Naussa nnd Paroikia und die sie verbindende 
Thalmnlde zwisclien dem Kunadosberge und den nördlicben und nnnbist- 
lichen Strandbergen gemeint, deren ebemals lierübmter Bestand an Olliän- 
men den Venelianern zum Opfer gefallen ist. i vgl. Uoss, Reisen 1 S. 45 ). 
2 Solinus XI, 26: Marmore Faros nobilis,ab Delo oppido frequenlissima, 
prius tarnen Minoia quam Faros dicta. 

' Wenn aucli Delos von Paroikia aus direkt nicbt siebtbar ist, so kann doeli 
kein Zweifel darüber obwalten, dass Buondelinonte diese Stadt bescbrcibt. 
Mit den mehr als tausend Säulen kann nur das ganz ans antiken Werk- 
slüeken erbaute venelianische Scbloss gemeint sein, in das besonders viele 
Säulentrommeln eingebaut sind. In früheren Zeiten muss der Anblick der 
auch heule noch imposanten Ruine viel eindrucksvoller gewesen sein, als 
die in gleichem Stile erbaute Mauer an der Seeseile der Akropolis noch 
ei halten war. Diese ist vor nicht gar zu langer Zeil abgerissen worden. Von 
ihr rühren die zahlreichen Säulenlrommeln (meist dorische) her, die am 
Fusse des Akropolishügels im Meere liegen. 

-* Das ist wol die Hekalonlapyliani.die grosse Panagia-Kircbe von Paroi- 
kia, ein höchst interessanter Bau, der mit s(;inem kreuzförmigen Taufbassiii 
wol noch in byzantinische Zeit zuiiickreichl. Wir würden dann aus dieser 
Bemerkung Buondelmontes lernen, dass die Kirche in der fränkischen Pc;- 
riode dem katholischen Kullus geöHnet war. Ausgeschlossen ist jedoch 
nicht, dass er die Palaslkirche im fränkischen Schloss im Auge hat, einen 
auch noch als Ruine imposanten Bau. zu dem mehrere antike Gebäude das 
Baumaterial geliefert haben, und auf den der Ausdruck ' maritioreiim' viel- 
leicht noch besser angewendet werden konnte als auf die llekatonlapyliani. 
^ Der Name Minoia ist ausser in den oben angeführten Plinius- und So- 
linusstellen bei Stephanus aus Nikanors Metonomasien für die ganze Insel 
überliefert, eine Stadt dieses Namens hat es nie auf Faros gegeben. Derar- 
tige Localisirung mythischer Namen hat Bnondelnionle oft geübt. Die, Be- 
merkung über die tabula )nannureu ist ganz singulär. Es ist eine der weni- 



FAROS I 3M 

cem montis oppidum vetustuin paucis columpnis erigitur et 
de magnis lapidibus compilatum '. Postea ad trionem Paron 
eastrum cum molo et portu paucis civibus habetur, ibique prope 
fons emanat nimis, in quo si album lineum vel corium gala 
madefactum posueris nigerrimum ellicitur et ab habundan- 
tia illius aque inolendina triturant-. Circa medium insule 
coram Naxos castellum sublime nimis Chefalo dictum vide- 
mus, cuius asscensus tanta est dificultas propter ventorum im- 
pelus, quo nuUus nisi esset timor infidelium pirrhatarum 
habitaret^- in quo quidem ex laborioso itinere macilente nimis 



gen Stellen, in denen Buondehnonte auf Inschriften Bezug nimmt. Wir 
kennen nur wenige hilingue Inschriften von Faros, darunter vor allem die 
lEpi Ypa(iu.aTa aus dem Jahre 20'i n. Chr. (Dittenbergcr, Syll. 2 4l5;Österr. 
Jahreshefte '.i S. 75 fT.). Dieser Stein kann aber seines Inhaltes wegen un- 
möglich hier in Betracht kommen. Wer denkt bei dieser Bemerkung aber 
nicht zueisl an das Marmor Pariuin?Wie wir in diesem Falle die Angaben 
Buondelmontes zu verstehen haben, kann ich nicht angeben. Da wir aus 
der Demeas-Inschrift und dem Marmor Parium eine gewisse Vorliebe der 
Parier für die Aufzeichnung von Chroniken auf Stein erkennen, so ist mög- 
lich, dass er von einer uns unbekannten Inschrift ähnliclien Charakters 
spricht. 

* Das ist zweifelsohne das Asklepieion, da der Ausdruck a leva die Lage 
ausserhalb der Stadt, die Worte juxla radiccm monlis die specielle Situa- 
tion des Heiligtums unverkennbar angeben. 

3 Der Abschnitt von poslea bis triluranl enthält die Beschreibung von 
Naussa. Daran darf Bnoiulelmontes Angabe 'Parun caslru m' uichl irre ma- 
chen. In der Namcngebung sind ihm sehr oft Verschen untergelaufen. In 
Naussa betindet sich noch heute das kleine venctianische Kastell am Meer, 
unmittelbar verbunden mit der Schutzmauer für den kleinen Hafen. Die 
Umgebung von Naussa ist sehr wasserreich, eine der Quellen liefert auch 
heute nocli genügend Wasser zum Betriebe einer Wassermühle, einer Sel- 
tenheit auf den meistens so wasserarmen Inseln. Wenige Schritte östlich 
der Stadt entspringt eine Mineralquelle, deren heilkräftiges Wasser mir ge- 
rühmt wurde; ob es die von Buondelmonte |und nach ihm von allen späte- 
ren Reisenden ) gerühmten Wirkungen auf Leinwand und Leder ausübt, 
habe ich nicht untersucht. Die Vorschrift, den zu färbenden Stotl mit Milch 
anzufeuehlen, findet sich in den redigirlen Ilandsehriflen nicht. 

•' Dem heute von der Bevölkerung II. Antonios genannlen Bergkegel an 
der Oslküstc von Paros, auf dessen Höhe das von Xikolo I. da Sommaripa 
(l'i(j"2- löOtj) zur Residenz erhobene vcnelianische Kastell liegt, habeich 
einen kurzen Besuch abgestattet. Antike Spuren linden sich hier oben nicht. 
Die venetianischeii Rote enllielircn nicht des Interesses. Die dicht neben 



348 0. RUBENSOHN 

rigose anus que ad decrepitam etatoni convalescentes sarcinam 
usque ad suminiim sine siidoro conducunt et ad quinquagessi- 
mum annum prolem concipiunt. Cumque juxta finem insule 
ad orientem propinquavimus portus tutus inter monticulos ap- 
paret, qui a ventis sine labore securus existit'. Hec el alle 
circumstantes insule erant que sunt a Turcis oppresse nimis et 
in desolalionen sope sepius redacle, quas cum Basait Tur- 
corum impcrator ad deslruendas classe maxima per- 
venirct, dux lacobus Crispus navigiis suis ab liac in- 
sula usque Galipolim Turcos fugavit et victor in pa- 
Iria remeavit^. Die BescIireibungBuondclinontes giebt uns, 
wie man siebt, ein anscbaulicbes und durcbaus ricbligcs Bild 
der Insel. Es ist nur zu bedauein, dass der Florentiner Pres- 
byter nicbt eingehender in der Schilderung der antiken Beste 
gewesen ist und sich mit blossen Andeutungen begnügt hat. 
Viel weniger ergiebig ist die Karte, die auf ihn zurückgehl. 
Die Karten der Mailänder Handschrift sind sehr schlecht aus- 
geführt und auch wegen ihrer schlechten Erhaltung nicht zur 
Reproduktion geeignet. Unsere Tafel V wiederholt daher die 
Karte von Paros aus der Handschrift der Laurcntiana , die, 
soweit ich die Codices des liber insiäarum kenne, die am 
besten ausgeführten Karten enthält. Wie man sieht, bietet die 
Karte ein völlig verzerrtes Bild der Insel Paros. Das schwäch- 



II. Antonios liegende Berghohe Anlikc|)halu iiahc ich leider niclil besuchen 
können. 

' In den redigirlcn Texten lieisst der Haien Purins piralarinn. Gemeint 
ist sicherlicli der an der Öüdoslküste golefj[enc Haien von Trio, der als vor- 
züglicher Hafen bekannt ist und dei' türkischen Klotlc in früheren Jahrhun- 
derten als Floltenstation diente. Auf Benutzung in antikcrZ(;it weisen zahl- 
reiche Felsbearbeitungcn und die nahe gelegenen Reste eines aulikcn 
Wachtlurnies. 

^ Diese Bemerkung gehl auf die Sciilaclit von Galipoli am 2'.). Mai IiKi, 
in der die Venelianer unter Pictro Loredano die türkische Flotte besieglen 
und an der Giacomo Crispi, der 2. Herzog aus der Ilcrzogsfamilie derCrispi 
rühmlichen Anteil nahm. Die Crispis waren die Lehnsherren von Paros, 
1414 war Crusino I da Sommaripa von Giacomo I. Crispi, Herzog von Na- 
xos, mit Paros belehnt worden. Giacomo ist l'ilS gestorben (vgl. Hopf, 
öilzungsberichtc der wiener Akad. IG S. iS'i). 




'r4> 



S ^? 



i 



FAROS I :j'i9 

ste daran ist, wie bei allen Scliöpfungen Buondelinontes, die 
Orientirung. Sehr bemerkenswert sind die Abweichungen ge- 
gen den Text. Dabei ist eins hervorzuheben : der Name Naussa 
fehlt imTevt, sowohl unserer wie der redigirten Handschriften. 
Ein Blick auf die Karle leiirt, dass die Beischrift Ausa zu dem 
Kastell auf der Nordseite eine Korrektur ist. Ursprünglich war 
zu dem Kastell die Beischrift gesetzt: ' Chefaluni castriini 
hoc altissimuni', wie sie z. B. auch im Buondelmonte-Codex 
in Havenna (sehr sorgfältige Karten) lautet. In der maiUinder 
Handschrift steht einfach Chefalo Das Kastell Zephilon der 
I^aurentianus-Karte findet sich auf der Karte des Ambrosia- 
nus überhaupt nicht. Als portus piratarum ist in letzlerer 
nicht der Hafen der Ostküsle sondern der an der Nordküste, 
in welchem der Flusslauf mündet, bezeichnet. Es ergiebt sich 
aus diesem Thatbeslande, dass auch die Karten des Buondel- 
monte uns in verschiedenen Bedaktionen vorliegen, auch hier 
vertritt der Ambrosianus die dem ursprünglichen Zustande 
und zugleich dem Texte näher stehende Fassung. 

Dass Minoia auf unserer Karte nur als Buinenslälle ange- 
geben ist (so in allen Handschriften), während es im Texte 
deutlich als bewohnte Stadt bezeichnet wird, darf uns nicht 
irre machen. Ähnliches finden wir in vielen Buondelmonte- 
Karten, da der Zeichner auf das besondere Hervortreten der 
Buinenslälten grossen Wert gelegt zu haben scheint. Die Mi- 
noia civitas der Karte ist nach dem oben bemerklen Paroi- 
kia, 'Paros' mit '/'ons'hi Naussa. Chcfalos castruniiAusa) 
ist Kephalos. Im Übrigen lernen wir aus der Karle nichts. 
Sie ist wie alle Karten Buondelmontes ein interessantes Denk- 
mal der Kartographie, für Pai'os ist sie als der crsle uns be- 
kannte Versuch, das Bild der Insel graphisch festzulegen, von 
historischem Interesse und auch darum wichtig, weil sie Jahr- 
hundcrle lang l'iii' die Darstellung der Insel massgebend ge- 
blieben isl. 

Kurze Zeil nach Buondclinonlc betrat den Bockn nou Baros 
ein zweiter Italiener, der IVu* die Erforschung der Altertümer 
dieser Insel ungleich \\ ieliligeres geleistet hat: C)'riacus von 



350 0. RUBENSOHN 

Ancona. Er ist zweimal in Faros gewesen. Zum ersten Mal 
hat er es im April des Jahres 1445 betreten und ist dann im 
Üezember desselben Jahres noch einmal dahin zurückgekehrt 
(vgl. Mommsen, CLL. 111,1 S. 130). Der Bericht über sei- 
nen Aufenthalt ist uns im Codex Vaticanus 525'2 und im Co 
dex Monacensis lat. 71(3 erhalten, und Bruchstücke daraus 
sind schon mehrfach veröffentlicht worden. Ich wiederhole 
hier den Auszug aus den Commentaren desCyriacus, der uns 
im münchener Codex, dem liber Hartmanni Schedel (vgl. 
darüber 0. Jahn Bulletino delV Institiito 1861 S. 180 ff.) 
erhalten ist'. Die Auszüge aus desCyriacus Inselcommentar 
^Cycladum nobilia monumenta comperta'' beginnen auf 
fol. "29 dieser Handschrift; der uns allein hier interessirende 
Abschnitt über Faros hebt fol. 41 b an und lautet folgender- 
massen : 'Ex Naxea insula et civitate praeclara miram Faron 
venitur, claram et morigenam illam vatum memorem et cele- 
berrimam insulam. Et primum ad maritimam Fariaepolitanae 
civit. col., quam äyarav -^ dicunt, Cursivum Summaripa, Opti- 
mum loci (Jahn a.a.O.?), ubi tam ingentia et nobilia veren- 
dissime veternitatis monumenta videntur. Videtur namque 
suis e candenti marmore ampliss(imis)et conspicuis maenibus 
adhuc suo ordine partem quoque turritam extare. 

Sed quis diceret eximia et ornatissima olim tante urbis edi- 
ficia undique solo collapsa, immensis vel confusa ruinis, ma- 
ximas templorum ruinas, statuas innumeras et miro ordine 
arteque perspicuas, tametsi magna ex parte ionginqua ve- 
tustate et cultorum ignavia hominum defectas soloque obru- 
tas conspicitur. Quis et innumera illa marmorea sepuichra 
memora(ret) epistiliumque et immanium columnarum frag- 



' Vgl. auch <). .]ahn, Aus der Allorthuniswisscnscliart S. ."^48 11'. Ich 
konnte iJuich die gütige VerniiUelung Emil Jaeolis den Codex längere Zeit 
in der Königlichen Bibliothek in Berlin benutzen. 

2 Im Vaticanus lautet die Überschrift 'Egei pclagi monumenta fragmcnla- 
ijiic repevla\ 

3 Die Bedeutung dieses Namens in Paros ist dunkel. Aus antiker Über- 
lieferung kann er nicht geschöpft sein. 



FAROS I 



35! 



menta, bases et nobilibus lilteris epigrammata, nee non be- 
roum Caesarumque princ(ipum) nostrorum tropbealia ingen- 
tia pleraque candenli de marmore ornamenta. Quorum ad 
marmoroam niveainque a posteris et vetuslis operibus recon- 
ditam Pariepolilanain arcem ad magnani et ornatissimam 
listam hoc in divum Augustum Atticis litteris epigramma coni- 
peritur: 

A'jTOx.pxTopi KaiTapi 

Cursinus S(omma) R(ipa) Parius Andrius R. B M. prin- 
ceps Pariopolitane arci restiluit Kiriaco succurente-. 

Viiletur et ad preCatam marinoream arcem ad magnam sta- 
tuaruni basim antiquissimis litteris epigramma: 



NxpS 



ou 



'I<ja)>c(p)xTO'j(<;) (so) 



Kai 



'A7roXXo<pävou(?) 



MErr MvYioiQe'ou 
>ca( 

IloXu)t(>.)£0'j; 
xat 



' C.I.G. '2320 stellt die InschriCl, wuiaul iiiicli llilltT vuii ( liii tiiiii;iMi auT- 
merksarii machte, coiilaiiiinirl iiiil einer iiaxisclieii Iiiselnift ausApiaiius, 
d. h. also auch aus Cyriacus ( s. u. ). Uieiuaiin //. C. II. 1877 ."^. \X> lial ilie 
Inschrift aus der (Jyriacus - llaudschrifl der Uiecardiaua herausgegehen. 
Heule ist sie verschollen. Geseiieu aber hat sie noch im Hof eines l'iival- 
hauses Olympios ('AOrjvaiov V Ö. 3-2 Nr. 25). Nach seiner Angabe war sie 
auf einem jonischen Epislylhalken eingohauen, wozu des Cyriacus Ausdruck 
' maijna el urnalissitna lisla' vurlrelllich passl. 

* Dieser unvcrmillell innerhalb des Textes stehende Satz enlliall eine In- 
schrift, die uns zeigt, dass der vielgewandte Italiener seinem fürstlichen 
Gönner auch in bautechnischen Fragen Hülfe lieh. Dass es sich um eine 
beliebige Ausbesserung am venelianisclien Sclilos^e handele, ist wenig glaub- 
lich. Die Inschrift bezieht sieh wid auf die Einfügung des E|>islyU mit der 
Kaiserinschril't in den Bau des parisehen Schlosses, dem einen solchen 
Schmuck eingefügt zu haben Cyriacus und der Fürst nach AulV.issung der 
Renaissance für eine besonders rühinenswerle That halten musslen. 

3 Die Inschrift hat Ziebarth M.A.I. IS% S. IOC) nach unserem Codex und 
dem Valieanus herausgegeben. Wie er dazu kommt, an der parischen Her- 



351' O. nUBENSOHN 

Fol. \^a Exinde ad occiduam abditam et eminentiorem 
ci(Yitatis) partem non longe a litlore magnas et insignes vi- 
denlur Esciilapii lempli reliquie cl parietis marmoreae 
partes colosseique insigne dei fragmenlum simulacri, cuius 
amp(lum) pectus ad V pedum !at(inorum) constat. Et suam 
ad maximam basim magnis et vetustis litteris comperitur epi- 
gram ma : 

Töv 2(i)T95pa 'AT)c>.7i7riö(v) 

K>au. 'AyYiTiXoyoi; 

Ty) Oapicov TCoXei * 

Videntur et ibidem plereque eiusdem ad honorem dei si- 



kunfl dieser sowol wie der vorangehenden Inschrift zu zweifeln, ist mir 
unliegrciflich, die Bemerkung ubinam fucrit illa arx praefala' Valica- 
niis non clocel, in paginis antecendenlihus Monaccnsis describilur ijuidem 
insula Naxos angesichts des lückenlosen und klaren Textes sehr seltsam. 
Wir haben die Insciirift wiedergefunden , da wo sie Cyriacus gesehen 
hat, in die Süd - Ostseite des Turmes im venetianischen Schloss einge- 
baut, in solcher Höhe, dass wir sie nur mit Fernglas vom Dach eines be- 
nachbarten Hauses aus lesen konnten. Sie steht auf einem Epistylblock, 
der auf der von der Inschrift eingenommen en Seite amoberen Hand durch 
ein einfaches Rundprofil abgeschlossen wird. Auf der entgegengesetzten 
Seite, die vom Inneren des Turmes aus erreichbar ist — sichtbar ist nur ein 
geringer Teil, doch kann man das übrige durch einen schmalen Spalt ab- 
tasten — ist die Quader als dorischer Epistylbalken mit Tropfenleistcn bear- 
beitet. Auch auf dieser Seite trägt sie eine Insciirift. Die Angabc des Cyria- 
cus, dass der Inschriftstein eine Statuenbasis sei, ist also falsch; das mahnt 
zur Vorsicht ähnlichen Bemerkungen des Reisenden gegenüber. Die In- 
schrift der äusseren Seite lautet 

Nap5ou M Err MvrjaiOeou 

y.aX xai 

'I]aox.paTou (so) FIoXuxX^ous xai 

xal 
'A::oXXo<pavo. (so) Wimill/l/lllWl 

Für alle weiteren Angaben und liir die Inschrilt der anderen Seile verweise 
ich auf dic! Herausgabe im Corpus. 

' Mit fol. 'iJa beginnt die Beschreibung des Asklepieion, (vgl. unten). 
Die Inschrift hat schon Jahn a.a.O. S. 188 nach unserem Codex, Riemann 
U.G.Il. 1877 S. 13'i nach der Handschrift der Riccardiana abgedruckt. 
Coloss und Inschrift sind verschollen. 



FAROS 1 



353 



mulacrum bases solo magna ex parte suffossas et no- 
viler in lucem deductas. Tale comperlum epigramma 

(Zj^Tiao; 'OvTjCicpüiVTO? 
jtal Tp£CTtovt(; ÜTrep toG uloü 
'Ovri'j'.<i*(iivT0; 'AiTX.Xr/7ri(I) 

Fol. 42 <i> Ad alias eiusdem imaginis bases epigrammata : 

IlaDcravia; 'A9yi<^i)>vox.>£OU(; 
y-oLi EIA A£^i>tpäTOU(; uTcep 
Toö »jioö IlauTavtou 
'A(T)cXy)7iri(i> >cai 'Tyieicj: ~ 



' Auf die hier crwülinleu Ausgrabungen koninil Cyriacus in dem weiter 
unten mitgeteilten Briefe noch einmal zu sprechen (vgl. die Bemerkungen 
S. 357. Die jetzt verschollene Inschrift, die auch von Rieniann a. a. O. Nr. 
/i3 aus dem Iliccardianus als parisch verüirenllicht ist, war von Böckh 
C. I. G. II S. 2M nach Apianus Angaben den Cycladen zugeschrieben wor- 
den. Ross. Inscr. ined. II S. 'r2 hat sie Paros zugewiesen (vgl. LcBas II 
-2075). Im münchencr Codex steht die Inschrift in einer Umrahmung, 
wie sie sich in Paros bei gleichartigen Weihinschriften aus dem Askle- 
pieion und dem Eileilhyiaheiligturn in der Regel linden. Bei Apianus lindet 
sich die Inschrift in derselben Umrahmung wie in unserer Handschrift 
(vgl. die Bemerkung zur folgenden Inschrift |. Auch sonst hat Apianus 
mancherlei Gut des Cyriacus mit unserer Handschrift, die er aber nicht be- 
nutzt hat, gemeinsam. 

2 Vgl. Riemann a. a. 0. Nr. 'li. Ausserdem sieht die Inschrift noch im 
berliner Buondelmontccodex (vgl. Jakobs M.A.I. 1S'.)7 S. 113 Anm.) Hier 
sieht die Inschrill in einer gleieharligeii Umrahmung wie die eben belrach- 
tele im liber Harlmanni Scliedcl. Ollcnbar hatte Cyriacus in seinen Cum- 
menlaren alle diese Weibinschriften aus dem Asklepieion mit solchen 
Umrahmungen versehen, die dann von den Ausschreibern z. T. weggelas- 
sen wurden. Es ist das ein Beweis für die Sorgfall, mit der Cyriacus seine 
Abschriften anfertigte. Kat ist in der münebcner wie in der berliner Hand- 
sebrift 1< gesehrieben, was sich öfters in paiisehen Insehriflen lindet. In 
EIA steckt vicileieh El'^iov oder 'Icn'a, Namen die in Paros liiiulig sind, 
Riemann sielil hol als Endung eines Frauennamens an. 

Diese einzige aus Cyriacus in den berliner Buondelmonte \ersprengle 
parisclic Inschrift ci klärt sich, worauf mich Jakobs aufmerksam macht, aus 



354 o. nunENSOHN 



Toö 'jIoCJ 'AvTi^xvo'j Tou 0pxa(ovi(oou) 
'A<7>tV/i7n(i) xal '^'yieiK ' 

Kttjtw "A:i'7T0(p(ä))vT-0(; y.xl 'I'ju- 
vi-ja KXeoSiuavTOs ÜTcep xou 
uloö K>6oSx{7.xvTO(; 'Aax>r,TCtci) )tai 
'Tyieia '^ 

Ao(ü)niO(; M(ito<; Bo6(X)o(; xal IlöXXa 
'A^yikxOK) UTÜtp TO'J ulo'j Flsiou 
'AaKkfiTZKsi xal 'Vyisisc ^ 

*E7r(a)(pp6SiTO^ S6So>t>,£o(u)(; ÜTcep tou 
uioö 'Exiyövou 'Aa/C>Yi7iicp jcoü 'r(yi)£icjc ^ 

Agujtioi; Ba6u>.>.iO(; ''Epox; 
)tat Ba€u>.Xa 2£Ko(u)vSa ÖTvep 
TOÖ uioö )cat Aeuxio; BaßuXXto? 
'EzafppöSiTO; uTvsp 
TOÖ öpsTCToO AuXou BaSuWiou 

KpiT(7r)0U ^ 



dem Inlcrcsse, wciclies der frühere Ei|;cnlünicr dieser Ilandsclirifl, Antonio 
Venieri, an Paros naliin. Er war ein Verwandter des Niccolo II Vcnieri, 
des Ilcr/o^'s von Paros ir)20-I531. 

' Vgl. Rieniann a.a.O. Nr. 4.'), mit dem Znsatz ' ihidon ad alinm hasiin'. 
Ililler von Gärtringen, d(!r l'iir 0oaa(.jv(ou des Iliccardianus das ri(;lilige (-)pa- 
aüjvioou einsetzt, macht mich darauf aufmerksam, dass unser Antiphancs 
wol mit dem Künster I.G.Iiu. III I2'i2 idenliscli ist. Der Adoptivvater hiess 
wol 'AyaXX'wv nicht 'Ayy^^'-'""'- 

^ Vgl. Uiemann a.a.O. Nr. ^lO, mit dem Zusatz ' ihidem ad alinm Im.uin'. 
Iliccardianus nni Monaecnsis haben 'I>pyvi'3a, das also ('yriaeus seihst zur 
Last fällt. Dagegen hat der Iliccardianus richtig 'ApiaTotpwvioj.der Monaecn- 
sis bietet 'ApiatoyavTo;. 

-■" Vgl. Uiemann a.a.O. Nr. 'i7. 

* Vgl. Zicbarth M. A. I 18'.)7 S. W.). Das Palronymik..n ergänzt er zu 
i^E^aiTo/.Xc'ou;. Die Angaben der Folionummern bei Ziebarth sind falsch. 

' Vgl. Ricniann a.a.<J. Nr. 'iH. Z. .'5 hat der Iliccardianus toü uiou AüÄou, 



OAPYZ H 1 










OATvrHt 




P'ol. 45a- 



Fol. 45b. 



Fol. 4Ga- 




^ r^' > * 




./x^~ 




Fol. 4nb. 



Fol. 47a. 



Fol. 48a. 





..UbV^ 






Fol. 48b. 



Fol. 49a. 



Fol. 50a. 



VI. 





.©PAZYEfNOI ePAin 
NOZ lAPYZATO- 
TYXHZATAQHl- 




Fol. 50b. 



Fbl. 5la. 



Fol. 52a- 




f^-A^POAiriA 
V TTAPAlfNIANOS 

HPTTAKOHT^IErAPON MAPKOYAAMA 
POV AEnPOIEinEN KOYIAION TAMET' 
HNnnMA(I)IAON 00AMENHJHPn 
AY0HI AAlMilN AEnfKPYZ OYAH 
0ETOMOIPHE AMA KAI EN A^EfAPO 
IS YIEA AinOMENON •;-' 

EAEINOYS- 
KHAEZIKAirOEPHnAr EAAKPYIE 
MAnOAlJ. AAAA TY-VHS: OyESlTK^Y' 
rEINAMETPOriA AOPA mAPKETHr- 

AnAHx TOY nENoenr xi<peaihi tet 
aaoi kai tapanaktezan aihahtsl 
ttoTe 

TTENOEI- 
KVPXANTEE TOIHS AATOI E-VOYSl 
OAYNHS- 

Fol. 51b. 






^ 




Fol. 541' 




Fol. 53'' (ob.Mi). 



Fol. fiyb (um ein. 



PAROS I 355 

Der Rest von fol. V? b ist leer. Auf fol. i3« steht im freien 
Feld am oberen Bande : 'Aa>c>.7)7ria) /.al Tyieiz , darunter ist 
eine grosse Basis mit oberem und unterem Profil gezeichnet, 
auf der in einem Kranz die Inschrift steht: yi ßo-j^Xri | xal 6 
Sy^ao; | (JT£(pavoi ^pu|T(I) V\^v.[^\))Ckic(. 'iTJe'pävcp (so) npa(;)'.x.|X£0'j(i) 
'jIÖv tÖv I <piXÖ7caTp'.v I xat tov (x,aTä) | TrävTOC tcöttov -o>.£'.t£'j6u,£vov '. 
Unter der Basis im freien Felde steht ein Kranz und darin : 
y) ßouV/) x.ai 6 S'op'-O? TTtcpavoi y^p'j(7(a)) iTe'pxvto '^lXäpY'Jpov zpoaot- 
püx; ß'.cö'javTa ( unpublicirt). 

Fol. -iZb. Den grösseren Teil der Seite nimmt die Zeichnung 
eines Bundaltars mit Bukranien- und Guirlandenfries ein, zu 
dem die Bemerkung gefügt ist: ^ ad mai^niim aliud se- 
pulclirum' . Auf der Guirlande des Grabaltars sitzen Vögel, 
an der Guirlande hängt eine Traube, und zu beiden Seiten 
der Traube steht die Inschrift : Mäp^cou KocaouTiou "-. 

Unter dem Bundaltar steht im freien Feld: [ZwjnijjLYi KT^eou.- 

€p6|T0U J^p'/1(JT'0 x°^''P^ '^• 

ßs folgt auf fol. 4'i a der Bericht über die Marmorbrüche. 
Dieser ist von Jahn und anderen abgedruckt und bleibt daher 
hier unberücksichtigt. Fol. 4i^ bietet die Zeichnung einer 
Basis ohne Inschrift. Auf den nächsten 17 Seiten des Mona- 
censis schliessen sich nun die Copieen nach Zeichnungen des 
Cyriacus an, die wir auf Tafel VI wiedergeben^. Zu deren 

am Scliluss 'A<j/.Xri;:i(i) xa'i 'Vyeta. Der Geiiialiliii unseres Aulos Babyllios 
gill das Epigiamiii auf dem von Löwy, Aichaol.- epigr. MiUlieilungcn aus 
Öslerr. XI S. 181 publiciileu Sarkophage. 

' Unpublicirt. Der Codex bietet IIpaiiy.XEoy. noaf;x).T;? ist ein häuügor 
Nauie in Faros. V-1. C.l.G. ^ülO (A/..1./. !8'.I8 S. 433) und C.l.G. 2371). Man 
konnte aueb an Ila^i/.Xi^; denken, vgl. Le Bas II •2062. 

ä Vgl. Ziebarlli iV..!./. !8!)7 S. iÜ9. Mit Hinblick auf den Kiinsller Mip- 
/.ot Koaaoünoj Ktpowv (Kaibel I.G.Sic. lt. ^'M'J) könnte man vermuten, dass 
der von Cyriacus copirte Stein mit dem Ilundallar mit Bukranionfries in 
Naussa (in der Kirche Hag. Atbanasios),auf dem die Inschrift K/fStuv 'Üye- 
X;(ovoi /pTiiTE yaips steht, (so noch von Uoss Inscr. incililac gelesen, heule 
sehr zerstört ) idenliseh sei. Ivs sieht alxM' ki'ine weitere Inschrift auf dem 
Uunilaltar von Naussa und hat aueb keine darauf geslanden. 

3 Vgl. Ziebarth a.a.O. Nr. 13. 

■♦ Die Anfertigung der l'hutograpliieen verdanke ieh meinem Freniule W. 
Theobald. 



356 O. RUBENSOHN 

Erläuterung diene Folgendes. Die 3 ersten Zeichnungen — 
fol. iort, b, iGrt — beziehen sicli auf das Nymplienrelief am 
Eingange zu den iMarmorbrüchen. Über diese Zeichnungen 
liat ausführlich 0. Jahn Bullctino delV Instituto 1861 S. 
189 ff. üfehandelt, auf den ich verweise. Da die Beschreibunir 
des Reliefs bei Cyriacus rein sachlich ist — 'equidem ad ha- 
rum primariam ad fauces et ipsum ante vestibulum Herculis 
Nympharum Faunumque simulacra solida in rupc mira et ve- 
tusta manu fahre sculpla videntur, et sub eis tale docte et 
vetustissimis characteribus epigramma consculptum patet * 
(folgt die Adamas-Inschrift) — so haben wir anzunehmen, dass 
die abenteuerliche Verunstaltung des Reliefs in den Zeichnun- 
gen dem Copisten und nicht etwa dem Cyriacus zur Last 
fällt'. 

Die nun folgenden Skulpturen und Inschriften stehen in 
der Handschrift durchaus ohne llerkunftsnotiz. Aber da 0. 
Jahn von dem auf fol. 53 Z> abgebildeten Kentaurenkampfe 
nachweisen konnte, dass er Skulpturen des sogenanten The- 
seion in Athen wiedergiebt, glaubte er, und hat man seitdem 
meistens angenommen, die Mehrzahl wenigstens der Skulptu- 
ren sei von Cyriacus nach atlienischen Originalen gezeichnet. 
I^nmal ist nun — was auch Jahn schon geltend i'emaciit hat — 
hervorzuheben, dass zwischen der Kentauromachie und der 
nächst vorangehenden Zeichnung sich zwei leere Seiten befin- 
den, fol. 55 <^ und 53 r/, ausserdem lässt sich aber aucli mit 
Sicherheit von einer ganzen Anzahl der wiedergegebenen Bild- 
werke und Inschriften beweisen, dass sie von Paros herrühren. 
Fiir die Inschriften ergeben sich diese Beweise aus den Bei- 
schriften zu den Cyriacus-Copieen im Riccardianus und zum 
Teil auch im Valicanus 5255 (vgl. Ziebarth M.A.I. 1807 S. 



' Su iiilcill auch (J. .lalm. Der iiüniljcryiT Mcisld' vciriil sich in .jeder 
Linie der Zeichnung, in der Gewandung u.s.w. Die licdeiilunp der Zcich- 
iinngPM für die deulsehe Kunsigcschiehle kann hier nalürlich nicht er- 
örtert werden. Ins Auge springend ist beispielsweise — w(»raul" niicli Jaccibs 
iuifiruMksani machte. — die Verwandlschafl unseriM' Zeiehninigc ii mit den 
Ahhiidungen in Sciicdcls Wcilclirunik. 



pARos r 357 

405 ff.). Für die Skulpturen erbringt sie ein Brief des Cyria- 
cus, der im codex Targioni (^i9) der National-Biljliolhek in 
Florenz auf fol. 08/- erhalten ist'. 

Geschrieben ist er 'Clara et elegnntissimo viro Andr. Ju- 
stiniano atnico o/)limo et jocundissimo' und lautet folgen- 
dermassen : 

'Posteaquam ex Naxo B. T. ultimas ad le litteras dedimus, 
Jocundissime Andreole, Niveam Paron iterum revisere pla- 
cuerat, narn et praeclara sua atque nobilia alme sue veterni- 
tatis inonumenta non semel vidisse satis est , sed juvat usque 
in(i)rari. At et cum una suo cum principe Cursino pleraque 
prius comperta leto quidem animo revisissem.nonnullos quo 
que vivos de marmore vultus vivaque et peregrinis 
armis ornata de lapide nitidissimo corpora nuper Cur- 
sino ipso curiosissimo curante principe defossa perquam jocun- 
dum conspexi,etpotissime letatus sum Trasyxeni ingentis olim 
delubri staluarumque et nobilium plurigenum operum condi- 
toris nomine comperto; nee equidem ingratius vidi ipso in 
pario portu onustam jam navim, expolitis plerisque Pario 
ipso de lapide listis Chyensi precl(are) Colonie vestre in- 
signi decori et ornamento futuris et cum liis dictis te jam 
valere finemque epistole imponere voluissem, ipso in portu 
magna hylaritate Nereydes cana nitreo de gurgile capila al- 
tiora tollentes , talia lepido idiomate nostro i^irie cecinere 
Sirene et tu utique Gl. Paridi Glarentieque ss. conjugi na- 
tisque et cetcris tua de domo tuis ex me sal(utationes) da- 
bis K. A. T. 



* Er gcliürl zu der vim Targioni - Tozzclli Rclaziüni il' alcuni viagyi fatli 
in divcrsi parli della Toscatia V vcrülVentlicIilen Sammlung. Aufmerksam 
gemaclil auf ihn lial micli zuerst Zieliarlli ; dass der Brief V(in llupf, 
Sil/.ungslierielite der wiener Akad. vM, ISfiß, S. -^li wieder abgedruekl ist. er- 
fuhr ich (lurcii K. .lacohs, der mir für alle den Cyriacns lietrelVende Fragen 
seine werivolle Unterstützung gewährt hat. Ich drucke den Brief ab nach 
einer Abschrift, die ich durch Vermitlelung des Deutschen archäologischen 
Institutes in Iloni Vitellis eigener Hand verdanke. 



358 O. RUBENSOHN 

Nivea Paros de marmor candenle 
Cyehulmn decus oquoris E^ei 
llonor dein lieroi nia2;ni ot delli dei 
Siccliel niondo di le si fa spendente 

Ornasti Apollo in cielo ello Oriente 
Per Cyro et per Aleide Indi et Tliebei 
Minerva Athene et love e champi Alpliei 
Alexandre Austro et Cesar V occidente. 

Di Pliydia et Polyclelo il gran valore 

Mostro quäl fussi da natura ornata 

Da le Lysippo e gl' altri ebbor splendore 

Et da Minos Mynoa dicla et guidala 

Ma Cursino Somma ripa bor ehei minore 

Ti regge et se tra V altre piu beata. 

[viioto) hora eon sua penna grata 

L' Anclionitano ti ciereba et per lo mondo 

Hinnovera il tuo nome almo et jocundo. 

6 'H<patTTt 6 Mupst 

£ü)v vai(j)v 

Ex eadem cl. Pario VIII Kai. Januarij fauslo sereno et hu- 
manati Jovis nalalicio solenipni ot celclx'rrimo die. I\ecipe a 
porlitore A. Galapliato caput unum iiiarnioreuni uiuniu|ue 
crus et bina de cupresso scriniola pannis involuta boc sub 
signo K.I.A. 

Von den lyrischen Ergüssen, die der ßrief enthält , dürfen 
wir wol absehen. Im übrigen aber bietet er uns ausserordent- 



' Über diese beiden Insclirifleii, die in (1(M Ilainiscin ifl links iiiul roclits 
neben dem Gedicht stehen, vgl. Ziebarlh M. A. I. 18'J7 S. ''ilU. 



FAROS I 359 

liclj wichtige Nacliricliten. Mit den U'ivn et pere^rinisi ar- 
mis ornata de lapide nitidissüno corpora sind, daran kann 
kein Zweifel sein, die auf fol. \\) a und 50 Z» wiedergegebenen 
Torsen,wie es sclieint von Statuen römischer Kaiser im Pan- 
zer, gemeint, und die Inschrift des Tlirasyxenos, die Cyria- 
cus in solche Begeisterung versetzte, liegt auf fol. 51 vor. 
Das deliihrum ist das Asidepieion und die Ausgrabungen, 
deren der Brief gedenkt, sind dieselben, die in dem Bericiite 
des Monacensis als im Asklepieion veranstaltet erwähnt wer- 
den. Wir sehen also, der Bericht und die Zeichnungen des 
Monacensis stehen in engstem Zusammenhange mit dem Briefe 
des Cyriacus.sie ergänzen einander. Ausser diesen drei Zeich- 
nungen sind noch sicher parisch die drei Inschriften und 
Zeichnungen fol. 'ißZ», das Epigramm fol. 'da und das Epi- 
gramm fol. 51 Z» '. Und ebenso wie die.se stehen im Riccardia- 
nus als parisch ausdrücklich bezeichnet die beiden von uns 
nicht ab'irebildeten Inschriften, die auf fol. Mb ein<>etrai;en 
sind: 1) v) ßo'j>-o | Kai 6 ^(7i)ao(; | Aeüxiov Auwviov DpiiKov (in 
einem Kranz) = Z/. C. II. 1877 S. 135 Nr. 50 und '21 r, 
ßouV/i I xal 6 SYip.O(; | II((i))X>av Mva(T£[(i)a apcrrj? £'v£|>tsv /cai ((j)(o- 
(ppoauvy)? (auch in einem Kranz)=^.C./y. 1877 S.135 Nr. 51. 
Da wir so schon, dass von den beschriebenen l i Seiten des Mo- 
nacensis von fol. 'i^i a bis fol. 52 <7 (fol.^yZ» ist leer) — wenn 
wir von den Zeichnungen der beiden letzten Seiten, fol. 53/; 
und 5'i b, zunächst einmal absehen — neun sicher parisches Gut 
enthalten, werden wir auch den Inhalt der übrigen Seiten 
Paros zusprechen. Die Kentauromachie auf fol. 53 Z» sclieint 
nun allerdings dem Eries des Theseion entnommen zu sein. 
Und damit wird scheinbar auch jeder äussere Anlass hinfällig, 
den Inhalt von fol. 5 'i b mit Paros in Verbindung zu bringen '. 



' Zu 47« vgl. RiL'iiiann a. a. O. S. 133 Nr. .V?, zu don ültriijeii Zicliailh 
a.a.O. S. 410. 

^ Die obere Gruppe auf l'ol. lüi /;=:Sauer, Das so^'enaunle Tlioseiou Tai'. 
IV 3,5,0,7; die uiilerc Gruppe iiuks=Tar. IV 1, 2, reclils^lO, 13. Die Be- 
walViiung, die Keule und der eigeiilünilielie Seliilil.liudet sieli in ganz glei- 
cher Weise in Scliedeis Wellciironik S. \l in der Abbildung rechts unten. 



360 0. nunENSOHN 

Für die Zeichnungen dieser Seite hat Jahn in den Aufsätzen 
aus der Alterlhumswissenschaft hekannllich eine Vermutung 
aufgestellt, in der er den Knahen auf dorn Delphin mit dem 
Fries des I^ysikrates-Denkmals in Zusammenhang bringt. 
Mehr als eine Vermutung ist das nicht, es lässt sich ihr ge- 
genüber jetzt leicht eine andere aufstellen, die ich wenigstens 
nicht ganz unterdrücken möchte. ZeO? ßaaiT^su?, dessen Kultus 
in Athen wenigstens bisher unbezeugt ist, wurde auf Paros 
verehrt. Eine Inschrift, die einen Priester dieses Gottes nennt, 
hat als Thürschwelle im Eingange der heute zerstörten Kapelle 
des llas;. Dimitrios ^eleüen und ist da von früheren Reisenden 
gesehen und abgeschrieben worden ^ Sie kann also auch dem 
Cyriacus bekannt geworden sein und eine Erinnerung an 
diese Inschrift könnte man in dem Zeö ßa(ji>£o l'XaOt auf fol. 
54 Z» erkennen. Wäre aber dies der Fall, dann dürften wir 
auch für den Delphinreiter in dem oberen Teil der Seite in 
Paros das Original suchen, und wo wir es hier zu suchen 
hätten, darüber könnten wir keinen Augenblick im Zweifel 
sein. Gehört der Delphinreiter nach Paros, dann ist es Koi- 
ranos, der erst kürzlich durch Ililler von Gäriringens Ent- 
deckung zu neuem Leben erweckte. Daran dass in der Zeich- 
nung der Heiter ein Knabe ist, darf man keinen Anstoss neh- 
men. Schon Jahn hat darauf hingewiesen, dass Schedels 
Zeichnung keine sehr getreue Wiedergabe der Vorlage von 
der Hand des Cyriacus ist; Apianus z. B., dem die Zeichnung 
aus einer anderen Quelle, nicht aus Schedels Handschrift, zu- 
geflossen ist, zeiciinet in den Itiscriptiones sacrosa/ictne ve- 
tustntis der Unterschrift entsprechend einen auf dem Delphin 
sitzenden Arion mit der Leyer im Arm. Für die Umwandlung 
des Koiranos in Arion braucht man aber bei Cyriacus, dem 
die entlegene parische Sage schwerlich bekannt war, wol kaum 
Gründe namhaft zu machen. Wir müssten dann also anneh- 
men, dass der Koiranosmythos in Paros eine bildliche Dar- 



< Thicrsch, Faros und parische Inscliriflon S. G:37 ; C.I.G. II 2380, add. 
S. 1076. 



PAH OS I 361 

Stellung gefunden liätLe und dass uns von dieser in der Skizze 
llartmann Schedels, die ja bekanntlich von Dürer weiter ver- 
wertet worden ist, ein Uellex erhalten wäre. In wie weit diese 
Annahme der \^'irklichkeit näher kommt als die 0. Jahns, 
m;ig dahin gestellt bleiben. Im einzelnen ist zu den abgebil- 
deten Inschriften und Skulpturen zu bemerken, dass sich kein 
einziges der von Cyriacus gezeichneten oder beschriebenen 
Denkmäler heute mehr nachweisen lässt. Fol. 46/^, Ma und 
51 b ztMgen uns, dass die Zahl der minderwertigen Grabreliefs 
aus spätgriechischer oder römischer Zeit auf Paros früher noch 
grösser als heutzutage war. Zu den drei Reliefs auf fol. U) <^ 
vgl. Ziebarth MAI. 1807 S. 409 ff. 

Das Epigramm au( fol. M a ist identisch mit C. I. G. II 
2308, wo Böckh es nach Gruter als 'ex Delo translatum 
Venctias in aedes Frid. Cnntnrrni' bezeichnet und dem- 
gemäss als delisch behandelt hat Wie unsicher eine derartige 
llerkunftsbostimmung ist. ist hinlänglich bekannt. Sie kann 
gegenüber der bestimmlen Angabe des l^iccardianus (vgl. oben 
S. 359 Anm 1) und dem Zeugniss des Monacensis nicht in 
Betracht kommen. 

Fol. 48 r/ Mann mit Füllhorn? Fol \\) a Panzerslatue ; sie 
stammt ebenso wie die fol. 50 /> abgebildete aus dem Askle- 
pieion, wie aus dem Bi'iefe des Cyriacus zu entnehmen ist. 

Fol. 50/7 scheint das Unterteil einer Heraklesfio-ur zu sein. 

Fol 51 a ist das bei weitem interessanteste Blatt der ganzen 
Folge. Die obere Hälfte des Blattes nimmt der Torso einer, 
wie es scheint, sitzenden männlichen Figur ein und darunter 
steht die Inschrift ©pauü^tvo«; ©pacrwvo; iSpücraTo Tüyjr) cL-^aSi{r). 
Ob die Inschrift zu dem Denkmal gehört, ist nicht sicher; 
indessen wissen wir aus Cyriacus' Brief, dass sich eineWCih- 
inschrift dieses ThrasyKenos auf mehr als ein Denkmal beziehen 
konnte; wird er doch genannt ' irii^cntis dcluljri, statiuiriini 
vi nohiliuni /)ii///i^<'/i/t/n opcfiini condilor '. An dieser .Zu- 
gabe des Cyriacus zu zweifeln , haben wir keine \'er;inias- 
sung. \iv wird wol inschrirtliche Belege liir seine Beliauj)! lin- 
ken vor Auiren «rehabt haben. \\\v haben es olTenbar mit ei- 

ATIII'N. iMI'rriU'.lHj'Nr.KN .\.\V. v4 



362 0. RUBENSOHN 

nem Manne zu lliiin , der, ähnlich wie beispielsweise die 
Kepliisier Diokles ( Di Hon berger «S/y/Zoo-^ 558) und Sokralos 
{'AO^vaiov \' S. 5->7 ; llJ.Ä. I. 1877 S. 174) sich um das 
athenische Asklepieion verdient gemacht haben, sich und 
sein Vermögen in den Dienst des parischen Asklepios gestellt 
hatte. Rr gehörte einer angesehenen parischen Familie an, von 
der z. B. ein Mitglied als Archont sich so ausgozeichnot hat, 
dass ihm die höchsten Ehrentitel, die das parische Gemein- 
wesen verleihen konnte, zuerkannt sind [C.l.G. II 5377)', 
und wir besitzen auch heute, glaube ich, noch ein Denkmal 
seiner Munificenz gegen die Götter in der von LcHvy, Archiiol- 
epigr. Mittheilungen aus Österreich XI S. 180 Nr. 3 veröffent 
lichten Inschrift, die, wenn ich die erste Zeile richtig ergänze, 
lautet : 

Die Inschrift steht auf der Vorderseite einer grossen vierecki- 
gen Basis, die unten auf drei Seiten mit einem profilirten Ab- 
lauf versehen ist; dass die viereckige Aushöhlung des Innern 
der Basis in ihrer ganzen Tiefe antik ist, scheint mir nicht 
sicher. Jedenfalls trug die Basis eine VVeihung an Aphrodite 
(das Epitheton ist singulär, aber wol sicher), und wir erse- 
hen daraus, dass Thras}'Xenos seine Stiftungen auch anderen 
Gottheiten zuwandte. Die Inschrift zeigt A neben älteren Buch- 
slabenformen, sodass sie von Löwy richtig in das 2. Jahrhun- 
dert gesetzt sein wird. Damit wäre eine ungelähre Zeitbestim- 
mung für Thrasyxenos gewonnen^. Zu fol. 51 I) vgl. Ziebarlh 
M.A.I. 1897 S. 410, Nr. 18; Kaibel, Bhein. Museum I87ü 



' Ein anderes Mitglied dieser Familie s. C.l.G. II 2398 c. 

=* Hopf, Sitztingsliericlile der wiener Akad. 21, 1856 S. 2:j;{, der die In- 
sclirift des Monacciisis nielit kannte, liiell den Tlirasvxenos auf Ürniid des 
Cyriacnslirieles für einen Künstler von l'aros, daeliti- aneli an ldrntili(;.ilion 
mit (■:)&aauario7)? 'Ap'YvwTou Lei l^aiis. 11,27,2. Das Uielitig«' hat, ohne die 
Insehrilt zu kennen, S. Reinacli //. 0. 11. 18'.i:{ J^. 421 f. gi-selien. Thrasyxe- 
nos für einen Künstler zn halten, hahen wir nichl den geringsten Anlass. 



Paros 1 363 

S. 183; Kiemann B.C. iL 1877 S. 135 Nr. 53. Ob wir auf 
Gruntl der Zeichnungen des Cyriacus hier sowol wie bei den 
fol. U5Z> oben gezeichneten Reliefs die ßerechtigung haben, 
an Sarko|)hage wie die von Löwy verölTenllichten zu denken, 
ist nicht mit Bostimmtiieit zu sagen. Üass Marmorsarkophage 
aucli sch(jn früiier in Paros über dem Erdboden sichtbar wa- 
ren, ergiebt sich aus Bemerkungen Thevenots und anderer 
Reisenden. 

iMit fol. Ti'ib, von dessen Inhalt oben die Rede war, schliesst 
der Bericht des Cyriacus im Alonacensis. Nach einem leerge- 
lassenen Blatte folgen Inschriften aus Delphi Im Riccardia- 
nu8 stehen noch einige parische Inschriften mehr als im Mo- 
nacensis, die Riemann in dem öfters erwähnten Aufsatz im 
B.C.H abgedruckt hat — es sind: Nr. 5'i (die Demeter- und 
Kora -Inschrift) und Nr 55 = 6'. / G. '2381 — und damit 
sind die Nachrichten über Paros, die wir Cyriacus verdan- 
ken, erschöpft '. 

Wie wir sehen, kommen die Notizen des rührigen Italie- 
ners vor allem dem Asklepieion zu gute. Hier hat er noch 
viel mehr gesehen, als heute und zu Ross' Zeiten erhalten 
war, nicht nur an einzelnen VVeihungen, Inschriften sowol 
wie Bildwerken, sondern auch an baulichen Anlagen. Insbe- 
sondere interessiren uns dabei die ' parietis mannoreae par- 
tes\ deren er unter den ' magnae et insignes Esculapii teni- 
pU relicjuiae' ausdrücklich Erwähnung thut. Wir werden 
uns mit dieser Angabe bei der Betrachtung des Asklepieion 
besonders zu befassen haben und bemerken hier nur, dass wir 
diese iMarmorwand vielleicht in enue Verbinduni» mit den von 
Cyriacus auf fol. 'rlb^. angeführten Weihinschriften an 
Asklepios zu setzen haben, da genügender Grund zu dor An- 
nahme vorliegt, dass diese Inschriften nicht auf einzelnen 



* Die Iii<^cliril'l C.l.Ct. II JiJ-.'li, (lie.wi.' Zicliarth M.A.I. I8<I7 S. 'i |:! Aiim. 1 
In'iiicrlvl, im \';ilicaiuis 'rlltl als paiiscli sldil, timlcl sich im Monaeciisis 
auf l'ul. v".( oliiie H».'ikiiiirtsaiii;alic, winl alici wul [laiiscli sein. Zu C.l.G. II 
•i'6l') vgl. olicn S. 301. 



364 O. RUBENSOHN 

Weiluingnn sondern auf einem Gebäude eini2;eli'atj;en waren. 
Eine Ruinenslälle war IVeilicIi das Asklepieion auch schon im 
Jahre 1 i'i5 und zwar eine lUiinenslälte, an der es sich schon 
damals verlohnte. Ausgrabungen zu veranstalten. Diese sind 
unternommen worden auf Betreiben des damaligen Herrn von 
Faros, des Herzogs (lursiiio 1. da Sommaripa. dem Cyriacus 
selbst das Zeugniss ausstellt, dass er curiosissimus gewesen 
sei. 

Mit seinem lebhaften Interesse fiir die Antike ist dieser 
Fürst, der -'iH Jahre (i'i 14- 14G'2) Herrscher von Faros war, eine 
Ausnahme unter den Fürsten der Insel. Fr hat durch sein 
V^erhalten einiü;ermaassen ":esühnt, was seine Vorfahren aus 
dem Hause der Sanudi, die ßrbauer des Schlosses von Faroi- 
kia, durch ihr schonungsloses Verfahren gegen die Altertü- 
mer der Insel gesündigt haben. Ob ilem Asklepieion die Aus- 
grabungen aber zum Heile gereicht haben, kann wol als frag- 
lich bezeichnet werden. Finmal auf diese Fundstätte alter 
Steine aufmerksam gemacht haben die späteren Bewohner 
von Faroikia das Heiligtum als wSteinbruch benutzt; fast in 
jedem Hause des Städtchens finden sich Steine aus dem Askle- 
pieion und so ist es in den traurigen Zustand geraten, in dem 
es sich heute befindet *. 



* Bemerken.swerl ist iiocli, woiaiil' sc^hoii Hopf, Siiziingsliciiclili' der wie- 
ner Ak.'ul. 21. S. '233 liiiiweisl, dass, wie wir aus dein Biiele des ('yiiacus 
eiselien, damals noeli .Maiiiii)rl»i iiclie auf l'aros in Belriel» waren. Dass es 
nicht die antiken Bniclie lieini Kloster dt;s 11. Minas waren, die d(Mi Mar- 
mor lieferten, gehl aus der liesehreihuiij; des (lyriaeus im Monacensis her- 
vur. Es giel)l in Faros ausser diesen, diiw bekannlesicn. noch mehrere 
Sieinhrüclie aus antiker Zeit. l'Jinen liisher nnhekannten I^iieli iiiil sehr 
feiiikörnig(!m weissen Marmor fand ieh liei dem Dorfe Koslo. lOs ist ( in zu 
Tage liegeiuler Briu,-Ii, der vien-eki^' in den Uerg eingeselinitl(Mi ist. In dem 
oH'enen Vieniek ist ein mäehlige-r oldoiijii'r l?loi-k stellen gcldielien, an deui 
man die antiken Sprengfläehen und Aliarlicitniigen sehr seliiin licohaehten 
kann. Wegmi .«-einer eiitfernl(!n Ahnlielikeit mit einem Sehill' trägt der 
Felsl)lock im Volksmund den NanuMi Kapä^t toö K'.niou. Benutzung derMar- 
morhrüehe von Paros im l."». .lahrliundert erwähnl aiieh. wie Ilo|if ;i. a. (). 
Iteuierkl, Felix I-'alier in seinem Evaijdloriinn Tcrrai: Sanrlar^ einem Werk, 
das zwar lüi' l'aros sonst nichts iMW.ihnenswi'rlcs hriiigt, für andere Inseln 



pAiios 1 365 

Ganz iinl)erii(;ksiclitigt lassnn können wir hoi dipsor Über- 
siclil (lio niiclisten Naclif'olger des Cyriacus in dor Erfor- 
scliun^sj;;('scliiclite von Paros. Es sind dies die Kompilaloren 
des IG. und 17. Jalirliunderls, über die wir jetzt eine vor- 
ticlllielie Zusarnmenslellung in Hiller von Gärtringens Tliera 
S. 7 iT. mit der Ergänzung von E. Jacobs S. 375 IT. besitzen. 
Alle diese bieten im Wesentlicben nur Angaben, die auf Buon- 
(b'lmontes über irisuUiriim zurückgeben. Was sie etwa mebr 
baben als liuondelmonte, ist aus den aucb uns vorliegenden 
antiken Quellen gescböpft. Eine besondere Erwäbnung unter 
ibnen verdient nur Francesco Piacenza. Der Abscbnitt über 
Paros in seinem L' Egeo redivivo ist ein Musterbeispiel für 
die Arbeitsweise dieses gründlicbsten aller jener Kompilatoren. 
Er ist selbst in Paros gewesen. Das beweist die Bemerkung am 
Scbluss der Bescbreibung von Cbios: 'Escono finalmente da 
quesC Isola (Cbios) faniosi Giuocntori di Scncc/ii, ha- 
i'endo io speciabnente in r/uella dt Paro isperimentato dt 
na tili Sigrior Giorgio Leschini Sciotto in piu guise il 
talento. Benche non senza suo gran rossore ne havessi io 
mcdesimo poscia di Id Quadrttpedi la palnia dclla vittoria 
ri/)ortato\ Piacenza bat sieb also auf Paros in ein Scbacb- 
turnier mit dem Cbioten Lescbini eingelassen. In seiner ße- 
scbreibung von Paros erwälmt er diesen Aufentbalt auf der 
Insel und diese Episode mit keinem Wort, giebt vielmebr so 
viel wie möglieb für jede topograpbiscbe Angabe. die er macbl, 
eine Quelle an. \iv weiss indessen von einzelnen V'or'rjiniien, 
die sieb im .lalire KKW) bei Anwesenheit der venetianischen 
Flotte auf Paros — die Insel war, wie uns Piacenza mitteilt, 
während des türkisch- viuietianischen Krieges Krankenstation 
lur die Venelianer — ei'eigneten, so vielerlei zu erzählen, dass 
wir aiicli oline die bestimmle Angabe am Scbluss des Kapitels 
ulxM- Cbios gezwungen wären, persönliches /ugegensein des 



aber, z.B. lihodus und Kreta, viele iiiloie.s.sanic Nacliiiolileii entliäll (herau.s- 
ge},'el)en von C. D. llassicr, Uililiolhek des liu. Vereins in Sinitgarl. Band 
IV, vgl. S. 291); in Paros «ar Kalier am 22. November li83). 



oßfi O. RUBENSOHN 

Piacenza bei diesen Ereignissen anzunehmen. Da wir zudem 
wissen, dass Piacenza an dem erwähnten Kriege teilgenom- 
men hat, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass er IßfiO 
auf Paros gewesen ist Unter diesen Umständen gewinnt die 
einzige ohne Oueilenan^abe «gemachte Bemerkung an liedeu- 
tung, die uns von der noch wolerhaltenen Ruine {in buona 
parte in cssere) eines Tempels des Ares auf einer Felsenklippe 
zwischen Paros und Antiparos berichtet (S. 357): 'E par- 
ticolarmente ncLl" interspatio di Pnris e Antiparis un 
altro fra tanti , si vago , e delitioso Scoglio , che al' 
Icttd (jualunrjiic riguardante a /'riiirlo col soggiorno: Os- 
scrvandosegli nella piu oricnlal soniniita in oltre , in 
buona parte in esserc per anche esistente, uti angusto, 
benc/i altretanto ben costrutto Tempio gia, com' essi di- 
cono, a Marte, dopo i molesti disturbi d(i Roniani ap- 
portatif^li, per Loro difesa erctto e consecrato'. Von dem 
Vorhandensein einer solchen Ruine auf einer dei' zahlreichen 
Klippen oder Felseninseln zwischen Paros und Antiparos habe 
ich trotz vielfacher Erkundungen niemals etwas in Erfahrung 
brin2;en können. Nicht unmöi>;lich aber wäre es, das diese 
Angabe in Verbindung steht mit der von Ross nolirten und 
auch mir berichteten Überlieferung der SchilTerbevölkerung 
über eine versunkene Stadt im Meer an der Westküste von 
Paros, Antiparos gegenüber in der Avyssos genannten Bucht, 
einer Überlieferung, der sowol Tsundas wie lliller von Gär- 
tringen und ich nachgegangen sind, und von deren Haltlosig- 
keit wir uns alle überzeugt haben. Vielleicht liegt auch eine 
Verwechselung mit den Ruinen auf Despotiko vor (vgl. z. B. 
Bursian, Geographie von Griechenland II S. 'i(S"? )'. Jeden- 
falls möchte ich die Angabe Piacenzas nicht liir völlig apo- 
kryph halten. 

Alle seine anderen topographischen Bemerkungen hat Pia- 



' Äliiiliclie Isiliclticii wie. iilicr Avys.sos g(;li(!ii .iiioh iiImt ciiw. Sh-Ilo im 
Meere zwisclieii Despotiku nuA Aiiliitaros hei dt r l'i.sciicrlMVdlkcrmig mu ; 
vgl. Tsundas 'E-jr,[ji£oi5 ölz./. 1808 S. 17(1. 



FAROS I 367 

cenza mit möglichst zahlreichen Zeugnissen zu belegen sich 
heinühl, und unter der grossen Zahl citirler Quellen figuriren 
auch verschiedene jener unbekannten und anonymen Autoren, 
von denen es in seinem Buche wimmelt. An ihrer Spitze 
erscheint als Mauptzeuge für alles, was zur Antike in Bezie- 
hung steht, jener rätselhafte Nikoslratos, über den ich mich 
im Archäologischen Anzeiger 189G S. 35 f. geäussert habe*. 
Neben Nikostratos steht als nicht minder dunkle Persönlich- 
keit der dreimal citirte Hortensie, ein Schriftsteller, dessen 
p]xislenz ganz in der Luft schwebt, dessen Werke aber, von 
l^iacenza bald opusc[uluni) mar{iti/num) (S. 94), bald in 
Aeo-{aco) (S. 92, wol ein Untertitel des ersteren), bald An- 
ticlüta di Grecia (S. 67) genannt, immerhin unser In- 
teresse wachrufen. Das gleiche gilt von Aulenotti und sei- 
nem Werke ' Novilunfi', das von Piacenza vielfach benutzt 
ist. Nur scheint hier soviel festzustehen, dass wir es bei 
dem Namen mit einem ausgesprochenen Pseudonym des Ver- 
fassers zu thun haben, der sein Werk den Noctes atticae 
na(dibildete'^. Unter den übrigen Citaten des Paroskapitels 
linden sich zwar noch sehr entlegene Namen, aber sie lassen 
sich doch alle nachweisen. Die Darstellung von Paros , die 
auf dieser gesamten Kompilation und den dabei mitbenutz- 
ten persönlichen Erfahrungen sich aufhaut, ergiebt U\v die 
Altertümer, abgesehen von dem ohen besprochenen Ealle, 

' BezeichiitMuler Weisi- stclil Nikdslialos im AliscIiiiiU iilioi I'aros als 
Z('iij,M' iiiclil nur für VL-rscIiiiMloiic aiiliko (tdcr antik sein sdllcnde, zum Teil 
liiiclisl fia^wiirdijjc. Namen von I'arcts oder den umliegenden Inseln son- 
(irrn lieispielswcise aucli für die W'assermiililen von Naussa , von denen 
buondelnionle cizahll, und für die neben Nikoslralos noeli Bordoni, I'or- 
caeelii und AiilenoUi angcfülirt werden. Sichere Anliallspunkle über diese 
merkwürdige iMscIieinung in der Lilleratur habe ieli auch seildein nicht 
grtunden. t)ie wenigen Beitrüge, die ich zu der Erfmschung dieses '.•<«- 
Uirc ijrfcu eil aiilito' seil IS'.Ki habe beibringen können, werden an anderer 
Stelle gclegcntlieh bekannl gegeben werden. 

^ Nichts zu thun haben mit diesem Werke die Nurtes aliijuol i'ariiinae al- 
licis Gcltii nuclihiis invigilalac des II. Ste[dianos (Baris 158.")). Das Werk 
lieweisl uns nur, dass solche Nachahmungen des Gellius in jener Zeil nicht 
selten waren. 



308 0. nURENSOHN 

nichts Neues mehr, aber einiij;e richli*i;e topographische An- 
<j;al)en über inochMMie ()rlshii;en zeichnen Piacenza nocli vor 
den früheren Schririslellern aus. Autlallend weni^i;- weiss er 
von Paroikia, er erwähnt weder die Ilekatontapyliani noch 
das Schloss noch das Asklepieion. Dies liegt wol daran, dass 
er mit der venetianischen Flotte sein Standquartier bei Naussa 
halte, wo er denn auch ausgiebige Lokal -Kenntnisse verrät. 
\\ ichtig ist. dass er ausser den drei liauptorten — l^iroikia, 
Naussa (Agosla) und Kephalo — noch I '2 Ortschaften auf der 
insel kennt Die Namen freilich, die er einigen beilegt, sind 
höchst fragwürdiger Natur. Immerhin ist aus dem Gesagten 
zu erkennen, dass Piacenzas Buch von nicht zu unl<M'scliälzen- 
dem Werte für die Erforschung von Paros ist \ls darf bei 
keiner Arbeit über die griechischen Inseln unberücksichtigt 
bleiben. 

Über das, was nun noch folgt, können wir schnell hinweg- 
gehen. Es sind die Beschreibungen der Insel in den Reisewerken 
der modernen Griechenlandforschei',die in aller Händen sind '. 
Bei den älteren dieser Beiseuden i]fenüi2;t eine kurze Erwäh- 
nung. Thevenot {Relation d'iin voyage f'ait au Levant) 



• Absiclitlicli lialie ich im Toxic Thevels 6'ci.v»iy(yraj)/ue universelle (Paris 
1575) übergangen, in der Paros t. I. Buch VII S. 235 f. behaiidcll isl. 
Thevets Glaubwürdigkeit wird mit Recht lebhaft in Fraj^'e gestellt. So wird 
auch die Erzäiilung von seinem Besuche in Paros, den er mit allerlei Epi- 
soden auszuschmücken weiss, mit Vorsicht aiirzunehmcn sein. Immerhin 
verdient (Mwähnt zu werden, dass er bei der Nennung von Kephalos b(!- 
nierkl : ' Du cosle de ce chasleau est la riviere (jue les anciens nuinnwicnl 
Asupc, laquelle descendanl des vionls et par les prccipices des ruchers sc va 
rendre en mer du coslS du Midi/'. Üb die Lokalisirung des von Straho 
VIII, 382 nur gelegcnllich er\v;llinten Asopos von Paros zulrell'end isl, 
und nicht vielmehr der unweit der Marmorbrüche entspringende und in 
die Bucht von Naussa mündende grüssle Flnsslaul' von Paros als Asopos 
in Anspruch zu nehmen isl, mag Iraglich erscheinen. Es ist j(!denl'alls bc- 
inerkenswcrt, dass sich die Berücksichtigung (iieser ziemlich vcrslccklen 
Sirabonotiz unter allen Modernen nur bei Thevel (indel. Nur binwei.sen 
möclile ich in diesem Zusammenhang auf Coronellis Mlanlc vriiclu, Ve- 
nedig n)88, wo 8. 2;5.") von l'aros die iiede ist, aber nur wenig Zcitgc- 
sebiebtliebi's aus Eigenem gegeben und im wesentlichen Piacenza ausgc- 
schriebiMi wird. 



PAitos 1 369 

bringt nur einige Druckzeilen über Paros, in denen er den 
heicbluin an Antiken besonders bervorliebl und bemerkt, dass 
viele derselben par an Gentilhonime an^^lois geraubt seien, 
wie von anderen Inseln (eine viel verbreitete Tradition ). Von 
dem Aufentlialt des Marquis de Noinlel auf Paros (1673) sind 
leider keine eingebenden Berichte veröfl'entlicbt, die vorban- 
denen Publikationen beschäftigen sich fast ausschliesslich mit 
der Schilderung des Besuches der Grotte von Antiparos (so 
auch jetzt Albert Vandal LOdyssee d'un ambassadeur, Pa- 
ris 1900 S. 127 ff ). In Tourneforls Relation dun voya»e du 
Lcvant ( 1700) nimmt die Behandlung von Paros zwar einen 
breiten Baum ein, aber der geschichtliche Abriss sowol der 
alten wie der späteren Zeit ist konfus und besonders für die 
spätere Zeit auch reich an Fehlern, der topographische Teil 
ergiebt für die Antiken fast nichts, für die modernen Verhält- 
nisse ist er insofern von Wichtigkeit, als hier zum ersten Mal 
sich die modernen Ortsnamen zusammenlinden (Costou, 
Lephchis, Marmara. Chepido, Dragoula) und die wichtigeren 
Kirchen namentlich aufü;eführt sind. 

Im russisch-türkischen Kriege 1768-1774 la^; die russische 
Flotte unler Alexei Orlow längere Zeit (um 1770) im Hafen 
von Naussa. Das lenkte die Aufmerksamkeit auf die lange 
vernachlässigte Insel, und so sehen wir kurz hintereinander 
die Heisenden von Biedesel, Pasch van Krienen. van Kins- 
bergen in Paros. Kinsbergens Buch über den Archi[)elagos 
verfolgt nur militärisch - nautische Zwecke, kann deshalb von 
uns fuglich unbeachtet gelassen werden. Die Beschreibung in 
Pasch van Krienens Buch ist unbedeutend; sie beruht zwar 
in der Beschreibung von Paroikia, iXaussa und Kephalos auf 
Autopsie, alles auf Antike und Geschichte Bezügliche ist aber 
entlehnt; besonders ist Tourneforls Werk, vielleicht auch 
die Schrift Biedesels benutzt. Dieser letztere . der in den 
Jahren 1767-1770 den Archipel bereiste, hatte Sinn für die 
Antike, er beschreibt eine Anzahl Skulj)luren. die er auf Pa- 
ros gesehen hat, ferner erwähnt it die antiken (^)uaderii des 
venetianischen Schlosses, teilt auch eine der (hirt einyiemauer- 



370 0. HUBENSOHN 

len Inscliriften mit {C.J. G. II •231)9) uml Nvidmet den Mar- 
morbrüchen einige Worte. Der sonstige Inluilt aber ist iinbe- 
(leiileiul. Dies Urteil gilt aucli von dein betretVenden Kapitel 
im Werke Choiseiil-Goutliers, in dem eigentlich nur die An- 
gaben über den Aufenthalt der Russen in Naussa für uns von 
Interesse sind. Auch seine Karte des Hafens von Naussa dient 
vornehmlich der ErUiuteruni'' seiner Schilderun»i: über die 
Standorte der russischen Armee. Ausführlich schildert er wie 
Tournefort die Grotte von Antiparos, von deren Eingang er 
eine Ansicht giebt. Die Karte von Paros, die sich in seinem 
Prachtwerke findet, bedeutet zwar einen "rossen Fortschritt 
«;enen Piacenzas und Bordonis Zerrbilder, sie ist aber trotz- 
dem reich an Fehlern; Kosto liegt z. B. ganz im Süden und 
zwischen Kosto und Paroikia lii^urirt noch Buondelmontes Mi 
noa'. Von den älteren Arbeiten des 19. Jahrhunderts seien 
hier nur genannt Daniel Clarke Travels in Various Coun- 
tries of Europa, Asia und Africa II. 2, S. 'il 1 ff. (mit 
Karte), Leake, Travels in the Northern Greece III. S. 8r)ff. , 
Expedition de Morde III. S. 11 und S. \\ (hier die In- 
schriften von Paros), von Prokesch-Osten, Denkwürdigkeiten 
II. S. "20 ff. und S. 52 ff. (mit einigen wichtigen Nachrichten 
über das Asklepieion ). 

Die eigentlich wissenschaftliche Arbeit über Paros beginnt 
mit F. Thierschs Abhandlung über Paros und parische In- 
schriften (Abhandlungen der bayerischen Akad. der Wissen- 
schalten 183'i, I S. .583 ff.). Fr hat einige wichtige topogra- 
phische Fragen erledigt und eine Anzahl unbekannter In- 
t^chriften publizirt, darunter vor allem die wichtige Inschrift 
C.l.G. II 237 'ic, deren ausführliche Behandlung den Haupt- 
inhalt seiner Arbeit bildet. Sein nächster Nachfolger, wenn 
wir von Fiedler absehen, ist Boss, den seine BcMsen im Jahte 
183.5 nach Paros führten. Leider hatte er nur wenige Tage für 



' Sauvcbccufs Iteisewcrk isl mir wedir in der ()ii;;iiial-Aiisg;ilic mich in 
der Überselzimg zugäiiglicli. Teil II, S. I'.il f. der (l(Mitsclif'ii Aiisgalii» wird 
Paros behandelt. 



PAItOS I 



371 



den Aufenthalt übl•ii,^ Seine klare lopo^^rapliische Skizze (Rei- 
sen auf den griecliisclien Inseln 1 S. 44 ff.) ist trotzdem das 
Beste, was über Paros gesell rieben ist, und noch heute das beste 
Hilfsmittel für den IJesucher der Insel. Boss' Aufsalz konnte 
Vater nicht mehr mitbenutzen, der bei Ersch und Gruber, 
Section III, Teil XII in ausführlichster Weise alles zusam- 
mengestellt hat, was wir aus aller und neuer Zeit über Paros 
wissen, und auf Grund des damaligen Wissens ein geschicht- 
liches Bild der Insel zu entwerfen versucht hat. Vaters aus- 
serordentlich sorgfältige Arbeit giebl uns im Zusammenhang 
mit Boss' Aufsatz eine vollständige Zusammenfassung alles 
dessen, was um die Mitte des 19. Jahrhunderts über Paros 
bekannt war. Bckkers Dissertation de Paro insiila kann 
daneben auf Beachtung keinen AnsjM'uch erheben. Ausser- 
ordentlich wichtiges Material für die Geschichte von Paros in 
der Zeit der fränkischen Herzöge hat aus italischen Urkunden 
Hopf beigebracht, das in den Sitzungsberichten der wiener 
Akademie von 1855 und 1856 (Band IG und -21) zur Ge- 
schichte von Andros veröffentlicht ist. Für die Karte von Pa- 
ros haben die noch heute maassgebende Grundlage die engli- 
schen SeeoHiziere geschafl'en, deren Seekarte die einzige ge- 
naue topographische Aufnahme der Insel ist. 

Der parischen Inschriften haben sich seitdem angenom- 
men: Vidua, Le Bas, Conze, Michaelis, Olympios, Krispi. 
de Bidder, Pernice, Wilhelm, Hiller von Gäriringen, deren 
Arbeilen bei den betreffenden Abschnitten Erwähnung linden 
werden, die erhaltenen Skulpturen von Paros hat Li'.wyinden 
Archäol.-epigraph. Mittheilungen aus Öslerreich XI S. 1 'i7 ff. 
behandelt. Die prähistorischen Grabanlagen hat Tsundas un- 
tersucht. Zu eingehenderen Eorschungen hat seit Boss nie- 
mand wieder die Insel betreten. Die imnuM- noch zahlreichen, 
über dem Boden liegenden oder von Zeil zu Zeit auftauchen- 
den Altertümer der Insel gingen allmählich dem Unlergange 
entgegen, uud ihre Zerstörung wäre noch vollständiger ge- 
worden, wenn nicht in den letzten Jahrzehnten einsichtige 
Bewohner iler Insel sich der Alterliimer angenommen hätten. 



Til O. RUBENSOHN, FAROS I 

Unter diesen verdient vor allen Michael Krispi genannt zu 
werden, der ßntiiecker des neuen Fragmentes des Marmor 
Pariutn, durch dessen eitVijjje Hem(ihuni;en eine Menge Alter- 
liimer vom Unteri];anijre «lereltet oder wenigstens in Ahschriflen 
oder Beschreihungen erhalten worden sind. Dank sei ihm wie 
den übrigen Männern der Insel auch hier für die uneigen- 
nützige Unterstützung gesagt, die sie uns bei unseren Arbei- 
len haben zu Teil werden lassen. 



Berlin. 

0. RUBENSOHN. 



— -o^t^f^o— 



XV 



XVI 




^ % 





KINE AKCHAISCHE JUNGLINGSFIGUR DES AKROPOLIS- 
MUSEUMS 

(Hierzu Tafel XV uiid XVI) 
1. Beschreihiino- der Statue. 

Die auf Tafel XV abgebildete, fast lebensgrosse Jünt;linu;s- 
statue befindet sicli im Akropolismuseuni zu Atben (Nr. 692) 
und wird hier mit gütiger lilrlaubniss der Epliorie veröiVent- 
licbt. Der Torso wurde im Sommer 1900 durch den Kopf 
und den rechten Unlerarm ergänzt. Die Figur bestehl aus 
weissem, sehr durchscheinenden parischen Marmor, der stark 
geschichtet ist ; lange enge Kalkspatdrusen durchziehen ihn 
von rechts unten nach links oben, eine davon ist an der lin- 
ken Schulter als tiefer Spalt sichtbar. Es sind nur wenige, 
kleine Glimtnereinsprengungen vorhanden ; einige Sprünge, 
in die später eisenhaltiges Wasser eingedrungen ist, treten als 
braune IJnien hervor. Die Vorderseite der Figur ist vollsliiii- 
dig bearbeitet und leicht polirt, an der Uüekseite sind noch 
Meisselstriche und Spuren der Haspel und des Bohrers zu er- 
kennen. 

Der Mals ist nahe über der llalsgrube gebrochen, der linke 
Arm fehlt von der Mitte des liiceps, der rechte von der Mille 
des Unterarmes an und ist ausserdem dicht über dem h^llen- 
bogen gebrochen. Die Unterschenkel und i^'üsse feiilen. Die 
Geschlechtsteile sind abgebrochen. Am Kopfe fehlt die hintere 
Hälfte, vom hinteren Kunde der Ohren ab; iler obere Bruch 
des Halses verläufl etwa in Fingerbreit!» unter dem llalsansalz, 
tier unlere dielil iilicr der llalsgrube; das zwischen dem obe- 
ren und dem unteren Bruch IVlilcMde Stuck ist niclil wieder- 
gefunden worden. 



374 n. ÜELBUUECK 

Auf dem Schädel tlielit vor dem Wirbel und dicht über dem 
Stirnhaar bofindet sich je ein centiineterbreites, nicht tiefes 
Bülirloch; das hintere wird den Vogelschirm gelragen haben, 
in das vordere war wol ein Marmorzapfen eingesetzt, um 
einen Fehler des Blockes zu verbessern. 

Die Oberfliiclie des Torso ist im Ganzen gut erhalten, die 
des Kopfes zeigt die ursprüngliche Glätte nur noch auf der 
rechten Wange; Haar, Ohren, Augen, Mund, Kinn sind stark 
bestossen, die Nase ganz verschwunden, ausserdem die linke 
Kopfseite verwittert. Farbspuren sind nicht zu konstatiren, 
doch scheinen das Haar und die Augenwimpern durch Hau- 
ben der Oberfläche für die Aufnahme von Farbe vorhereitet 
zu sein; der Mund ist zu sehr bestossen, um die Beschaffen- 
heit der Oberfläche erkennen zu lassen. Bei der Aufstellung 
wurde, um das Aussehen des Kopfes zu heben, das Haar mit 
Lehm leicht getönt. 

Die wichtigsten Maasse der Figur sind in iler folgenden 
Tabelle enthalten : 

Maasse des Kopfes' 

Wirklichi'S Maass Kanuiilsriiei Maast 

s Kulkmaiiii, l'ruiiurliuncn S. .lU. 

üesiciltsllühc 0,1-29 0,120 

Wirbel -Ilaargreiize der Stirn 0,12!) 

Haar- Auge 0,042 0,Ü/i2 (mo(luliis=0,0042) 

Auge -Mund 0.0 i8 0,0 'iG 

Mund Kinn 0,031) 0,037S 

Auge- Nase 0,03 'i 0,033(; 

Nase -Mund 0,014 0,012ü 

Ahstand ilor inneren Augenwinkel. 0,022 

» der äusseren Augenwinkfl.. 0,082 

» der Wangenheine 0,101 

» der Ohransälze 0,110 

Augenlänge rechts 0,02(j 

» links 0,027 



* Die Maasse entsprechen denen des A|Mi|l(in Pi hino his in die Ah- 

weichungen vom Kanon; ahi'r der Apollon l'iunihino isl leider ki-in loku- 
li-sirtcs oder datirte-s Kiinslwci k. 



EINE AHCHAISCHE JUENGLINGSFIGUR 375 

Maasse des Körpers 

Vciinulliche Gesaiiilliöhe 1,37 ( = zweimal Sclieitel-Gliedansalz) 

Kill II - Haisgrul)o (I,0^j8 ( ergänzt ) 

Höhe Ijis zum Glledansalz O.OSö 

Ilalsgriibc- Schwerlfoilsalz 0,169 

Halsgiube-Gliedaiisalz U,462 

Erste- zweite Iiiscriplion 0,04'i 

Zweile-dritle Iiisci iplioii 0,077 

Nahcl-Gliedaiisalz 0.1 00 

Oljerselieukellänge 0,40 

Scliulterlireilc 0,29 

Abstand der Brustwarzen 0,18 

I) der Darmbeinslacliel 0,133 

Die llaltunf^ der Figur ist bewegt. Das vorgesetzte linke 
liein ist im Knie etwas gebogen, wie der genügend erliallene 
Kontur der Kniekehle sicher beweist. Der Kopf ist nach links 
gedreht; diese Bewegung sichert der Verlauf der Kopfnicker 
über der llalsgrube und die Schwellung des rechten Kopf- 
nickers am Ohr. Bei der Zusammensetzung ist er etwas nach 
rechts geneigt Nvorden wie am Knaben des Kritios. Die Arme 
sind an den Schultern zurückgenommen , der rechte etwas 
mehr; der rechte Unterarm ist etwas gehoben, für den linken 
wird dasselbe anzunehmen sein. Die Hände müssen Attribute 
oder Weihgaben gehallen haben; sie sind nicht wiederge- 
funden worden. 

I)i(! Zugehörigkeit des Kopfes ist im Vorhergehenden nicht 
weiter bewiesen worden; sie ergiebl sich aus der Übereinstim- 
mimg in den Maassen , der Marmorqualität , der Art der 
Bearbeitung und endlich der gleichen Funktion der Kopf- 
nicker an Torso und Kopf. 

Der Jüngling trägt das Haar des Vorderkopfes in leicht ge- 
wellten, engen Strähnen nach vorne gekämmt. Diese Strähne 
sind durch "ravirte IJnien in die platte Fläche einjjrezeichnet; 
am Bande legen sie sich etwas auseinander, uud es kommen 
die unteren Strähne zum \'orscli(Mn. (liTeii tiefere Lage aber 
nicht plastisch ausgedrückt ist. Das Haar ist bis über die 



376 n. DEi.nnuKCK 

Ohren nach vorne gekiiniml ; es endet in drei ril)ereinander- 
liegenden l^eilien l)nckehirliger Löckclien. die sicli im Bogen 
von der einen zur anderen Scliläle ziehen und deren ohere 
Reihen gegen die unleren etwas zurückliegen. Am llinterkopl' 
kann das Haar niclit hing herahgefallen sein, sonst müssle 
sich im Nacken (hn- Schopf linden. Man kann die Frisur ver- 
schiedenartig ergiinzen, etwa in der Art des JJ. G. II. XI Taf. 
13. l 'i puhlicirten Jünglings aus dem Ptoion. 

Die Figur stellt einen heranwachsenden Jüngling dar, der 
kaum das sechzehnte Lehensjahr dürfte üherschritlen hahen. 
Alle Teile des Körpers sind scdimal und lang, die Knochen 
fein, die Muskeln noch nicht athletisch entwickelt, mit Fett 
und zarter Haut überzogen, die am Spalt sich sogar einmal 
in Fettfalten legt. 

Die Beine sind in der Gesamtform richtig aufgefasst. aber 
sehr weich ausgebildet, die einzelnen Formen sehr flüssig ver- 
bunden ; nur am Knie tritt die Struktur deutlicdi hervor. Die 
Glutäen sind für ein archaisches Werk nicht stark entwickelt, 
das Kreuz nicht tief eingesenkt. Die Beckenlinie verläuft der 
schlanken Anlage des Körpers entsprechend sehr steil von den 
als weiche Hügel vortretenden Darmbeinstacheln aus. Der 
Oberkörper ist lang, schmal und flach, ein wenig vorgebeugt, 
elatt und leicht fallen seine Kontui'e bis zu dem schmalen Bek- 
ken, kaum dass die Schwellungen des schrägen Bauchmuskels 
bemerkbar sind. Der Brustmuskel ist schmal und flach, seine 
Krhebungen und Grenzen kommen nur als Wellen zur Erschei- 
nung, das Brustbein tritt kaum hervor, auch nicht dieGrenze 
iregen den Deltamuskel zu. Die Arme sind weich und rund, 
aber nicht mädchenhaft, wie denn die Figur nichtsWeibliches 
in der Erscheinung hat. Der Brustkorb ist nicht sehr tief ; die 
Muskulatur der Bauchdecke ist vcdlig ausgeführt und in eigen- 
tümlicher Weise stilisiit. Die weisse Linie ist kenntlich vom 
Schwertfortsatz bis zum Nabel, die Grenzen zwischen dem ge 
raden und schrägen Bauchmuskel sind sehr nach aussen ge- 
schoben, und dementsprechend greifen die Darmbeinslacbel 
nicht weit in di(! Bauchgegend hinein ; die; obere Grenze des 



F.INF, ARCHAISCHE JUKNOLINGSFIGÜR A11 

Bauches ist betont durch Wiedergabe des Schwertforlsatzes 
und des Verlaufes dor ersten Inscription, die zu beiden Sei- 
ten des Schwertforlsatzes erst fällt und dann wieder ansteigt. 
Der Bruslkorbrand ist überhaupt nicht dargestellt: die zwei 
unteren Inscriptionen stehen an der richtigen Stelle. 

Der Kopf ist hoch und schmal. Von der Mittellinie des Ge- 
sichtes biegen die Flüchen rasch nach hinten um; in der Sei 
tenansicht erkennt man, dass er auch viel Tiefe hat, dass seine 
Wangen und Schläfen vollkommen ausgebildet sind. Seine 
Schlankheit vvii'd hervorgehoben durch den breiten Kranz der 
Slirnlocken. 

Die glatte, hohe Stirm' biegt scharf nach den Seiten um, 
die Brauen verlaufen in ganz tlachem Bogen gegen die Schlä- 
fen imd die glatten, knappen Wangen. Die nicht grossen Au- 
gen stehen fast horizontal, massig geöffnet schauen sie gerade- 
aus; an den (leischig aufgefasslen breiten Lidern ist die Thrä- 
nendrüse genau ausgeführt. Die Nase war schmal und setzte 
mit einer kräftigen Wurzel in das Fleisch ein. Der Mundspalt 
verläuft fast «•eraile und ist "anz einfach sezeichnet , ohne 
Schwingungen und Feinheiten. Die Lippen sind nichl stark 
und treten nicht viel aus der i^'läche hervor. Hoch und wol 
gerundet ist das Kinn. Die Ohren sitzen an der rechten Stelle 
und sind fein durchmodellirt in der chiolischen Art. 

Die iMgur hat einen tiefen, dauernden Beiz. Fine grosse 
naive Begabung hat in ihr Vieles ausgedrückt, was zu analy- 
siren man vergebens versuchen würde: die physische Fein- 
heit einer sudlichen .Aristokratie, eine organische Sch()nheil, 
in der alles stabil und leicht, fest und schlank gebaut ist wie 
an Luxuslieren, das kindlich Zarte eines gepflegten Knaben 
mit blondem Haarfeine frische und doch ü;ehaltene Bewetrunir, 
das .lugendliche und .MliM'orblc eines vorneluneii griechischen 
Kindes. 

2. Herkunft der Statue. 

Die .lünglingsfigur von (\('\' .\kropolis i.st wichtig, weil der 
Besitz einer grossen Kunstschule der Vergangenlieil in ihr 
AiHEN. MrrTui;ii.i;NC,t;N x.w. "^j 



3*8 H- DELBBTErK 

enllialten ist. und ilir Slil wieder stark und dauernd auf die 
Folgezeit gewirkt hat. 

Sie sieht in der Tradition der siimisch - naxisehen Kunst, 
und nuiss etwa ein halhes Jahrhundert später entstanden sein 
als die Jiinglinge vom Ptoion und von iNIegara. weil sie viel 
eleganter und analonusch korrekter ist '. Ein Wrgleich des 
ploisehen Apollon (U CIL X Taf. 4) mit der Akropolis- 
ligLir lässt die samischen Elemente des jüngeren Werkes er- 
kennen. 

An heiden Körpern sind die Glieder lang und zart, und 
werden alle Kanten und Grenzen von fettreicher Haut üher- 
zogen, so dass nirgends die Muskeln fest umschrieben sind 
und die Knochen selten deutlich hervortreten. Dem Gesamt- 
umrisse und den einzelnen Formen liegt dieselbe N'orstellung 
vom Körperbau zu Grunde; man vergleiche die Oberschen- 
kel, die Zeichnung des Kniegelenkes, den ümriss von Kopf 
und Schultern, den Armansatz und halte dagegen etwa den 
Apollon von Thera oder von Tenea. Selbst ein Maass hat sich 
erhalten, das dem schlanken Körper und der schmalen Brust 
entspricht, die Brustwarzen-Dislanz ist halb so gross als die 
Entfernung von der Ilalsgrube bis zum Nabel. Die Köpfe 
ähneln sich in wesentlichen Dingen ; in der schmalen Ge- 
samtanlage, darin dass die Flächen von der Mitte des Gesich- 
tes rasch nach hinten umbiegen, im Umriss der Stirn, in der 
Stellung und Form der schmalen Augen, den knappen Wan- 
gen und der Zeichnung des ernsthaften Mundes. Wie die Haar- 
Strähne sich am Rande der Frisur auseinanderlegen und die 
tieferen Schichten sehen lassen, findet sich das Haar zum er- 
sten Mal bei einem jüngeren naxischen Frauerikopfe ange- 
ordnet [Musees dWthenes Taf. 9). 

V^or allen Dingen aber die grossen, weichen, langen Linieii 



' Vgl. Sauer M.A.1. XVII S. 37 IT. Furlwänglers Krilik, Meisterwerke S. 
713 n. wird zum grossen Teile hestäligl duicli die neueren Funde, vgl. ^^'ie- 
gand.uhen S. 151, Nr. 4. Im Kinzelfalie wird man allerdings ufl zweifeln, 
was saiuiseli, was naxisch isl. 



EINE ARCHAISCHE JUENGLISGSFIGUR 379 

beider Staluen sind sieb verwandt und die Fläcben mit den 
glallen Übergängen, die niclil ganz das Objekt wiedergeben, 
sondern mebr s<i verlaufen, dass sie Jas Auge gern aufnimmt 
und leiebt vei*stelit, weil sie den barmonisirenden Täuscliungen 
entgegenkommen, die entsleben. wenn die Welt von einem 
naiven Geiste aufgenommen wird. An der jüngeren Figur fin- 
den sicli mancbe Neigungen des älteren Stiles noeb verstärkt, 
untl finden sieb aucb wieder Elemente, die auf seine Autlö- 
sung binwirken. Die Statue von der Akropolis ei*scbeint in 
Körper und Ausstattung nocb jugendlicber als die vom Ptoion; 
sie macbt einen scblankeren Eindruck, weil die Seiten weni- 
ger einbezogen sind, und also die Scbullern scbmäler aus- 
seben. Als etwas Jugendlicbes darf die Frisur aufgefasst wer- 
den: spielenden, laufenden Knaben wird man das Haar im 
Nacken aufgebunden haben, wie man es die Mädchen in Hau- 
l>en tragen liess oiler den kleinen Kindern über der Stirn in 
eine Locke schlang. 

Neben dieser Weiterbildung des alten Besitzes zeigt sieb 
ganzNeues; Linie und Form sind doch nicht mehr ausschliess- 
lich s<i wiedergegeben, wie sie dem naiven Menschen in Erin- 
nerung bleiben, sondern die fühlende Hand und bewusste ße- 
traebtung haben vieles verbessert, so dass alles sieb mannig- 
fälliger und zugleich knapper darstellt, deutlicher in Linien 
und Winkeln, aber weniger gross. Die Beckenlinie ist rich- 
tig und sicher gezogen, noch sehr steil und schlank, aber 
doch sehr verschieden \on der willkürlichen Zeichnung der 
naxiscben Figuren, deren Künstler überhaupt die Innenzeich- 
nung weniger interessirte als der grosse Umriss der ganzen 
Gestalt. Die Zeichnung des Bauches ist \on der samisch-na- 
\iscben dadurch grundsätzlich getrennt, dass die ganze Flä- 
che vom Brustmuskel bis zum Gliedansatz durchgearbeitet 
und in ein Bild gebracht ist, während die naxischen Jüng- 
linge nichts als im unteren Teile des Bauches ein Feld zeigen, 
in das einige sich kreuzen«le Linien eingetragen sind. 

Der Kopf ist scbmäler und präziser in den Formen ; die 
Augenbrauen sind tlacber und fesler gezogen, die Lider er- 



380 n. DELnnuECK 

scheinen tleiscliig und die Tliränendriise isl dargeslellt ; die 
Wangen sind durch eine Hache Furche zu l)ei(len Seilen des 
Mundes inodellirt, die Ohren lein durchgehihlel : die Propor- 
tionen des Kopfes hahen sich veriindert, das Kinn isl verhäll- 
nissmässig höher, das Ohergesicht schmäler geworderi als an 
samiseh-naxischen K()pfen '. 

Von allem Alleren unlerscheidel sich die Figur am sliirli- 
slen durch ihr freies ßewegungsmoliv ; das linke Bein ist vor- 
gesetzt und im Knie gehogen ; zum ersten Male in der sta- 
tuarischen Plastik tritt hiermit organische Ponderation an die 
Stelle der mechanischen. Der nach links gedi-ehte Kopf und 
der rechts stärker zurückgenommene Arm bringen einen Ge- 
gensatz in die Bewegung, der die Frontalilät aulheht. 

Unter den erhaltenen Statuen existirt kein älteres Beispiel 
fiir dieses Bewegungsmotiv, und man kann deutlich sehen, 
dass die Künstler erst im Begriffe sind t'S zu verarbeiten; sie 
berücksichtigen noch nicht, dass, wenn der Mensch eine pon- 
derirte Stellung einniml, seine Wirbelsäule sich biegt und 
die Muskulatur des Bauches sich verschiebt. Noch Anderes 
liängl mit der Neuheit des Motives zusammen Alle Breiten- 
maasse der abgewandlen Koj)l'seite sind etwas grösser, das 
Haar liegt weiter zurück, die Fläche von der Mittellinie des 
Gesichtes bis zum Ohr verläuft sanfter als an der rechten 
Seite. Diese Abweichungen arbeiten der Verkürzung entgegen. 
Das linke Auge soll nicht zu klein, die Wange nicht zu schmal 
und nicht zu hart begrenzt erscheinen, das Maar der Mittelli- 
nie nicht zu nahe liegen. Alles wirkt dahin zusammen den 
neuen Findruck eines im Dreivierlelprolil gesehenen Kopfes 
dem allen bekannten Bilde des von vorn gesehenen anzu- 
nähern; aus einem ähnlichen Grunde ist das Maar an der lin- 



' Die satnisclieii l<ö|ifi' li.ilicn saiti.s('Ii(' I'i(»|milioii ; in [{ciklion gegen 
(las allzu kleine Kimi des ägvplisclieii T.vpus hat dann die liiselkiiiisl eine 
Zeil lang das Kinn sehr h(>(;ii dargeslelll ; dieser Fehler ist im letzlen der 
nesiotiseh ionischen I'r()|»(»rli()nssvslenie, dem von Oismpia, wieder ansge- 
glichen. Unser Kopr stellt anl' der inillleren EntwiekelungssUile wie der 
Apollun l'ioMiliinn und der Kolossalkupf LuiioNisi. 



ElNli AltCHAli^CHL; JUENGLINGSFIGUH 381 

keil, gehobenen Seile des Kopfes tiefer herabgefülirl. Als die 
giiecliischen Künstler anfingen, ihre Statuen zu bewegen, ha- 
ben sie noeli eine Generation lang sich bemüht, das neue Bild 
dem altbekannten anzugleichen ; auch der Knabe des Kritios 
zeigt dieselben enrythmischen Veränderungen wie die hier 
besprochene Statue. Die Olympiagiebel lassen eine Änderung 
des Geschmackes erkennen. Die Eigentümlichkeiten des Drei- 
viertelprofils werden von dort ab im Bilde verstärkt, weil man 
i\en Anblick nun gewohnt ist und seine Schönheit verstanden 
hat. Wie das die jüngere Zeit erreichte, hat B. Graf in der 
Festschrift für llelbig S. 103 ff. beschrieben. 

Absichtlich ist ein älteres Werk des samisch - naxischen 
Kreises zum Vergleich benutzt worden, um die innere Ver- 
wandtschaft und zugleich den Gang der Entwickelung deut- 
licher darslelleii zu können. Es i^ibt aber Kunstweike, welche 
(\Qn Apollon vom Ptoion mit der Akropolisfigur verbinden. 
Schon der jüngste der naxischen Apollines, der von Megara 
(Nationalmuseum Nr. 13), hat eine deutlicher und richtiger 
ausgeführte Muskulatur als seine Vorläufer; die Schlüsselbeine 
und die Art, wie sie am Brustbeine ansetzen, sind genau dar- 
gestellt, die Symphysen der Brustmuskeln, die I^auchmusku- 
latur; die Beckenlinie ist schon bis an die Grenze der Eigur 
herangeführt, wenn auch die Darmbeinstachel noch nicht an- 
gegeben werden. Dabei sind Umriss und Proportionen un- 
verändert geblieben. 

Eine andere Eigur des Nationalmuseums (Nr. Iv*; B.C.H. 
XI Taf. 8) ist noch weiter entwickelt; sie ist schlanker, die 
Seilen des Überkörpers sintI voller, die Darmbeinslachel sind 
dargestellt, und die Beckenlinie richtig gezogen; der Brust- 
muskel endet in einer annähernd horizontalen Linie, fast nur 
die Bauchmuskulalur zeigt, dass die Statue auf einer etwas 
früheren Stilstufe steht als der Jüngling von der .\kr()j)i)lis '. 



' l-'ului'iiilri iii.iasM'ii (Miiw irkcll sich die Darstellung des Bauches in der 
liisil Kiiiisi. Anlaiins kii|iiri mau die etwa in diT Viwxw eines spilz.winkeli- 
i;(ii hiiiccks von den W'ciclion bis über den Nabel enipuneichendo FeUan- 



382 



H. UliLHUUECR 



Durc'li (lio PJi^eiiliiiiilielikeilen, in cIimhmi sich iinscM'r l-'i^ur 
von der iKi\iseliLMi Plastik tMilfernl, verbindet sie sicli mit (Km- 
jnni;ereii Kunsl der Inseln. 

Die selir schlanke Geslall. die Formen des Körpers und des 
Kopfes, die Neiguni;- das Haar aiirgehunden zu tragen teilt sie 
mit dem Xymphenrelief von Thasos' ; dort kehrt auch neben 
anderen neuen Bewei'uniTsmotiven das iVlotiv des vorgesetzten 
und entlasteten Fusses wieder. Das Nymphcnreliet' mag etwa 
10 Jahre jünger sein als die Statue. Das H(diel' von Ince- 
Blundell-Ilall, das Furtwängler zuerst und mit Recht zur In- 
selskulptur in Beziehung gesetzt hat % kommt ihr zeitlich noch 



häufuiig, die dem sailisclieii Mciisclionlypus eigciUümlicIi ist ; man kopirl 
sie ciilweder wiikiicli i)lasli,seli uder bloss durch lineare Angabe ihrer (Jlren- 






iMg. 1 



Fig. 2 



V\g. 3 



zen (Apollon vom Ptoion fi.C.II.X Taf. 'i. Torso von Aktion. Arndl-Rrnck- 
mann 7(1 links; Fig. i ). In das so entstandene Feld tragt man die weisse 
Linie nnd die drei In?-eriplioMen ein, von deren Vorliandniseiii man weiss; 
nni das Hild der Natur an/.uiilineln, verbreitert man das umsehriebene Feld, 
erweitert es naeli oben und gicbt ihm eine mehr reehicekige Gestalt (vgl. 
Apollon von Megara; I*"ig. '2). Wurde das Feld noch mehr verbrcilerl iiiul 
erhöhl, so bekamen alle Linien der Zeichnung eine neue liedcutung ; die 
seitlichen Grenzen gaben die Furche zwischen geradem und schrägem 
Dauchmuskel an, die idtcre Qncriinie den Bruslkorbrand oder die erste In- 
seriplion (Torso, Nationalmuseum Nr. 12; i'ig. 3). Dann waren aber vier 
Inseri[»lionen da ; wenn eint; davon lortgclassi'n und der obere Absehlnss 
des l-'cldes entweder deullieh als Hrustkorbrand (Wiegand, oben S. I."i3 Nr Ci) 
oder als crsli.' Inseriplion ( T'igur der Akropolis) dargesiclll wurde, so war 
die SliUlufe der hier besprochenen Statue erreicht. 

' Arndt- Bruckmann (il. 

2 'Zu den (dympisclien SkiilpUireu ', Areliäologiscbe Siudien II. Brunn 
dargebracht S. (»7 ir. 



EINE AltCHAISCHE J LENGLINGSFIGUR 383 

niilier. Die wesentlichen Resultate seines grundlegenden Auf- 
satzes erfaliren eine erneute Bestätigung durch den Umstand, 
dass auf Paros bei den vorjährigen Ausgrabungen des Insti- 
tutes ein dem Typus iUn- Olympiagiebel sehr nahe stehendes 
Köpfchen gefunden wurde; und ein iMarmorkopf in Paros 
wird nicht importirt sein. Als etwa gleichzeitig mögen die äl- 
teren melischen Thonreliefs zu betrachten sein, z. H. Hayet 
Moniunents de VartW Tai". 7 'i ; auch die jüngsten der meli- 
schen Thonreliefs zeigen noch Formen, die sich in gerader Li- 
nie aus denen der Akropolisfigur herausentwickelt haben kön- 
nen. Man vergleiche z. B den stehenden Mann des auf Tafel 
XIV dieses Jahrgangs abgebildeten Exemplares; es ist keine 
schlanke und schmale, sondern eine hohe, starke Gestalt; in 
straffen, nachdrücklichen , scharf umbiegenden Linien sind 
Umriss und Innenzeichnung angegeben ; Typus und AulTas- 
sung haben sich verändert ins Männliche, aber dennoch sind, 
um etwas Fassliches zu nennen, das Profil und die Zeichnung 
des Bauches im Wesentlichen gleich gebliehen. Die Unter- 
schiede lassen sich ganz wol vei'stehen, wenn man annimmt, 
dass auf den Inseln die Neigung zum Studium und zur be- 
stimmten Darstellung des Kiu'pers stetig zugenommen habe, 
noch besser, wenn man sich mit luirtwängler ' die s[)älere 
Kunst der Marmorinseln , deren Bildhauer so viel reisten, 
vom peloponnesischen Bronceguss beeintlusst denkt Diesen 
jüngsten melischen Thonreliefs ist der bologneser Niobiden- 
krater Monunicnti dcW Inst. XI, M8- lO auf das Nächste 
verwandt, den man zu Polygnot in Beziehung zu selzen pllegt. 
Eines scheint sich mit Sicherheit zu ergeben ; die Figur der 
Akropolis gehört der Kunsl an, deren Grundlagen sich von 
Samos ans liber die Inseln vei'breilet haben, und verbimlet 
die älteren Denkmäler jener (jegenden mit d«'n jüngeren, den 
Koloss von Delos mit den Olympiagiebeln. I"]lwas Beslimmle 
res über ihre Heimat wird kaum /u ermitteln sein; nur die 
Beobachtung mag immerhin ausgesprochen werden, das.s der 



' Silzungsbciiolilc der iiiüiicIioiitM .\k.id. IS'J>) S. 583. 



384 H DELRRUECK 

Eintl ruck, den sie hinlerliisst, sich am meisten dem des Nym- 
piienieiiel's von Tliasos zu niiliern scheint. Da Thasos eine 
|)arische Kolonie ist, und Paros in spätarchaischer Zeit die 
Fulirunji; in der Inselkunst übernahm, soll der Stil der Fiji;ur 
im Folgenden kurzweg; 'parisch' genannt werden'. 

3. Rezielumgen der Statue zu anderen Werken 
iler archaischen Plastik. 

Es ist möglich, einigermaassen den Platz der besprochenen 
Statue in der samisch-nesiotischen Fnlwickelung leslzustellen 
und auch noch zu ermitteln, dass diese Entwickelung eine 
kontinuirliche gewesen ist. Weniger sicher kann man sich 
darüber äussern, oh die samische Kunst für das übrige ionien 
vorbildlich gewesen ist, oder ob die Entwickelung im ganzen 
ionischen Gebiete selbständig und gleichzeitig lortschritt.N'or- 
läulig könnte man sich die Dinge vielleicht so zurechtlegen, 
dass man den Apollon Piombinound ihm Verwandtes als sa- 
misch betrachtete und den Jüngling aus dem Ptoion (National- 
museum Nr. "20) der gleichzeitigen chiisclien Entwickelung zu- 
wiese. Etwas klarer scheinen die Verhältnisse in Attika zu 
liegen. 

Es ist schwer zu sagen, in welcher Form, von welchem 
Centrum aus die Kunst des Ostens zuerst auf die attische ge- 
wirkt hat; sicherlich ist die naxische an der Bildung des Sti- 
les der Typhongiebel unbeteiligt, sind diese weil eher ephe- 
sischem, milesischem oder chalkidischem verwandt. P]s folgt 
eine Periode vorherrschend chiisclien Eintlusses, und erst als 
der jüngere 'j)arische' Stil sich ausgebildet hatte, begann die 
samisch nesiotische Kunst Einlluss auf Attika auszuüben, je- 
nen l'^inlluss, dessen letzte Phase Polygnots Wirksamkeit in 
Athen bezeichnet. Neben dem Unlassbaren, was macht, dass 
eine 'parische* Slatue neben einer chiotischen sich ausnimmt 



' Ein in l'aros sclb.-il gcrunilencr Torso ( I'liolugra|>lii('U des Iiislilutcs I'a- 
rus 1 1(1. III) zcigl viele Aliiilielikeilcn, er ist etwas aller. 



EINE AHCHAISCHE JUENGLINGSFIGL'R 385 

wie (las ausdrucksvolle Wort eines Kindes neben einem pre- 
tiösen Gedicht, besitzt sie erworbene Kenntniss und bewussles 
Wollen, sie versteht den Körper richtig darzustellen und ihre 
schlanken Fij^uren zu bewegen. Durch diese Dinge hat sie 
das Aussehen des attischen Miinnertypus sehr verändert. 

Man erinnere sich zunächst, wie die altattische Plastik den 
Mann darstellte, wie ungeheuer stark der kalbträger ist mit 
seinen schweren Schultern und Armen , seinen mächtigen 
Schenkeln, wie rund und breit "der gescheute, lächelnde Ko[)f 
mit den langen Ilaaren. Aber die Kenntniss des Körpers haftet 
noch an der Oberfläche : die harten deutlichen Gelenke und 
dünnen Sehnen sind naher dargestellt, aber aus den grossen 
Massen des Fleisches und den breiten Flächen haben die Künst- 
ler noch kein lehrbares , verstandenes Ganze gemacht , in 
dem die Kenntniss des Thatbestandes und das Wissen von 
der Funktion sich mit dem ßildmässigen verbände. So ist die 
iiauchmuskulatur wie bei den naxischen Figuren nur durch 
ein Schema von Linien angegeben, in dem man wol den \'er- 
laut' des Brustkorbrandes, der weissen Linie, der drei In- 
scriplionen hat angeben wollen, aber die nichts sind als ein 
kalligraphisches Schema, das etwas Unverstandenes symboli- 
sirt*^. Der l^eiz des Figuren liegt in anderen Dingen; vgl. 
.y.A.I. 1897 S. 99 ff. (Schrader). 

Auf diesen Typus wirkte zuerst die chiische Kunst neuoriid 
ein, mit ihren schlankeren Figuren und Köpfen, ihrer Mar- 
morlechnik und ihrem Gewandslil. Das Resultat dieser Mi- 
schung zeigen iler Alkmäonidengiebel in Deli)hi,die etwas jün- 
gere Antenorlinur, endlich der Giü:antenifiebel. Schrader hat 
mit grossem Recht darauf hingewiesen, wie wenig sich dessen 
Figuren im Grunde von denen des Typhongiebels unterschei- 
den, dass sie wol ein wenig schlanker sind und das Gewand 
der Athena nach chiischei" .\rt slilisirt ist. dass aber die nack- 
ten Körper der Giganten durchaus aul der Slufe ties Kalb- 
trägers stehen. 



• VkI. den lieiler Mu.sirs il'Mlinics Tal. IJ. 



386 It. DEi.niiuixA 

Etwas sclilankor i^nbaut, olwas liefer inodellirl, aber nicht 
wesentlich abweichend ist der Miinnertorso des Alkinäoniden- 
tj;iel)els und ein Torso im Mai^azin des Akropolisinuseunis. 
Hieraus ist zu schliessen, (hiss die cliiisclie Phislik ilirer Al- 
tersstufe entsprechend männliche Fij!;uren etwa so darstellte 
wie die spätere samisch-naxische. Der Strich und die Art der 
Flächenfiihrung wird eine andere gewesen sein, die lehrbare 
Grundlage aber dieselbe. 

Am Fnde des sechsten Jahrhunderts verbreitet sich über 
die ganze attische Kunst eine andere Darstellungsweise drs 
Nackten, die der 'parischen ' durchaus entspricht, also falls 
man nicht eine parallele, rein attische Fntwickelung anneh- 
men will, von der 'parischen' oder einer ihr gleichzeitigen 
Kunst abhängig gedacht werden muss. Das beste Beispiel die- 
ser Richtung in Athen ist auf Tafel XVI abgebildet. Studniczka 
soll sich früher mit der Figur beschäftigt haben, sie wird 
darum im Texte kurz 'der studniczkasche Jüngling' genannt. 

Die Figur besteht aus parischem Marmor guter und gleich- 
massiger Qualität; die Oberfläche ist etwas verwittert, aber 
kaum verletzt, an einigen Stellen durch Hauch geschwärzt, 
sie ist vorn und hinten gleichmässig glalt gearbeitet, aber 
nicht polirt; das Schamhaar war durch lUuihen der Marmor- 
oberfläche mit dem Spitzeisen angedeutet und wirtl gemalt 
gewesen sein. Stützen scheint die Figur trotz der freien Be- 
wegung nicht gehabt zu haben. Die wichtigsten Maasse sind 
folgende : 

Grössle erhaltene Höhe 0,50 

ilalsurube- Schwerlfortsatz 0,1^ 

Schwertfortsalz -erste Inscription OT) 

Krsle inscription -Nabel 0,0r> 

Naljel - Gliedansalz 0,08 

Ilalsiirube- Gliedansatz 0,.'U) 

Die Figur ist unvollständig erhalten ; es fehlen das rechte 
und linkc! Hein vom ImkIc des Oberschenkels ab, der reciile 
und linke Ann von der l\litle des Biceps, der Kopf. 



EINE ARCHAISCHE .1 UENGLINGSFIGCR 387 

Das linke Bein ist etwas vorgesetzt, der K(»pf war nach 
reclils ^etlrelit, wie die Ko[)fnicker zeij^en . der rechte Arm 
holt lujch nacl) rückwärts aus. so stark, dass der Oberkörper 
sich nach rechts hinüberdreht, der linke greift nach vorwärts 
und abwärts. Da kein Schopf in den Nacken herabhängt. muss 
die Figur kurzes Haar getragen haben. Auf die linke Schul- 
ler nrreift von hinten und unten her eine schmale rechte Hand 
mit dünnen, langen Fingern. 

Das Motiv iler Gruppe lässt sich mit Wahrscheinlichkeit er- 
gänzen ; die linke Hand drückte einen Feind nieder, die rechte 
holte zum Stoss oder Schlag aus ; der stürzende Gegner griff 
in seiner Angst mit der waffenlosen Rechten auf die Schulter 
des Siegers. 

Im Ganzen erinnert die Komposition an die Athenagruppe 
des Giuanten";iebels. Unter den Fragmenten aus dem Perser- 
schult lassen sich kleine Resle mindestens dreier ähnlicher 
Gru[)pen des gleichen Maassstabes und Stiles nachweisen. die 
jetzt in einem der Schränke des Museums zusammengelegt 
sind; es scheint sich auch hier um Gigantenkämpfe zu han- 
deln; leise Slilunlcrschiede lassen aber ratsam erscheinen, sie 
nicht in einen Cyclus zusatnmenzufassen, sondern als veiein- 
zelle Weihungen anzusehen. 

Ein Veriileich der beiden Tafeln lehrt, dass die allische Fi- 
gur mit der 'parischen' die hohe Slalur. die schlanken Glie- 
der, die Proportionen, das System der Zeichnung, die starke, 
verstandene Reweuuny; gemeinsam hat und sich in eben diesen 
Dingen von den früheren altischen Denkmälern unterscheidet. 
Wie die Verhältnisse liegen, kann sie nur von der 'parischen' 
abhäniii^ sein, aber abhäny;!«^ nicht wie eine riuiiische Statue, 
sondcM'u wie eine attische; die Zeichnung ist einfacher gtdilie- 
ben, besonders in der oberen Pai'lie des Hauches, die Hcw(>- 
gung der Flächen ist stärker, schneller und schärler biegen 
sie um. Das l'leiscdi (M'scheint \\\c die liarlen Muskeln eines 
Hennpferdes. Dem festen, geübten KiMper koninil die heflige 
Bewegung zu. 

Der allische Bildhauer inleressirt sich nicht für die Dar- 



38t> n. nr.i.iuu'Kr.K 

st(^llun«i (lor jiigendliclicii Ilaiil mit iliiTii weiclien Üborj;än- 
gen, somlern sucht und liiuli'l l'osle LiuitMi. um den l^au der 
Muskulatur darzustellen. Der Naturalistnus der ionischen Sta- 
tue ist i;r()sser, ist reifer, weil Konstruktion nnd {Erscheinung 
des Körpers mit gh'icher Sorgfalt beohaclitet sind; in der feu- 
rigen Intensität der AulTassung liegt das Überlegene des atti- 
schen Wei'kes. 

Diese Figur, deren Künstler von den Pariern gelernt und 
doch nichts Attisches verloren hat, ist in Athen das beste Bei- 
spiel für eine ganze Periode der attischen Plastik, die haupt- 
sächlich durch die Melopen des Athenerschatzhauses in Del- 
phi vertreten wird; in ihren kühnen, die Fläche überall durch- 
brechenden Bewegungen , in der Körperbildung und der 
Führung der Fläche stehen sie dem studniczkaschen Jüngling 
am nächsten; in seine Nähe gehören auch die Schreibersta- 
tuen, die Furtwiingler J/.J./. VI S. 17'i, Taf. 6. verijITcnt- 
licht hat. f]in V^ergleich der Abbildungen macht die ausfuhr- 
liche Be^ründunü; entbehrlich. 

Der Torso aus Daphni.den Richardson im American Jour- 
nal of Ärc/i. IX Tai'. 11 veröfTentlicht hat. steht bereits auf 
einer erheblich jüngeren Stufe als die eben zusammengelasst<Mi 
Werke. Die Kenntnisse der Bildhauer haben sich vermehrt; 
es sind die Sägemuskeln und Bippen angegeben in der frühen 
Art, die Kalkmann (Jahrbuch des Inst. VII S. 180) erörtert 
hat; die Bauchmuskulatur ist mehr nach der Mitte koncentrirt 
und in ä<j;inetischer Art durchi'earbeitet , der Brustkorbrand 
richtig eingetragen. Schon am studniczkaschen Jüngling biegt 
die obereGrenzliniedes Bauches von den Fndpunkten der ersten 
Inscription im Bogen na(di unten um. wiihrend an i\o\' pari- 
sclien Figur die horizontalen und vci'tikalcn Linien senkrecht 
aufeinander zulaufen. Ani Torso vou Daphui \sl der Bauch 
nach oben zu dur(di zwei Linien begrenzt, die vom Schwert- 
forlsatz nach rechts und links abwärts in leichtem Bogen bis 
zu den Fndpunkten der zweiten lnscri[)tion verlaufen. Fs ist 
also d(M' knöcheine Brustkorbrand als Grenze hervorgeh(d)en, 
nicht mehr die erste Inscription, eine Auflassung, die Kennt- 



EINE ARCHAISCHE JUENGLINGSFIGUH 380 

niss des Skelettes voraussetzen lässt, während die parisclie 
Slilisirung; mehr aus der Beobachtung des lebenden Körpers 
hervorgegangen scheint. 

Der Torso von Daphni steht auf der Stilstufe der ägineti- 
seiien Plastik; was Kalkrnann a.a.O. von dieser gesagt hat, 
lässt sich ohne Weiteres auf ihn anwenden. Auf zweierlei Art 
iiisst sich diese enge Übereinsliinniun'^ erklären: man kann 
tue attische Statue von der äginetischen Kunst abhänü-jg den- 
ken, oder an beiden Orten eine parallele Entwickelung an- 
nehmen. Die letztere Möglichkeit ist von vornherein wahr- 
scheinlicher und historisch durchaus möglich, da sich die 
Formen des l'orso aus denen des studniczkaschen Jün^-lings 
sehr wol herausbilden konnten ^ So bleibt in der attischen 
Kunstgeschichte kein Raum mehr für den äginetischen Eintluss. 

Die Fortsetzung dieser Kunst in das V. Jahrhundert hinein 
bilden die von Winter veröfYentlichten Reiter W'eihyeschenke 
(Jahrbuch des inst. VIII S. Ii2-l'i5, Tevlliguren ), die älte- 
ren iVletopen des Parthenon und die myronischen Broncesta- 
luen ; der allgemeine Umriss der Formen des Diskobols ist 
bereits in den i^'iguren des Athenerschatzhauses xorgezeichnet, 
seine Bewegung schon damals vollkotnmen möglich. 



^ Es eiitslelil die Frage, olt die vcrwandlen äginolisclHMi Fctrmoii iiiclit 
aiicii ilnerscits sicli aus iduiscli-iKisioliscIieii lioiausgeliildt-i tialicn miisstMi. 
Es sclieiiil evident, dass der ägiiietiselic Körper mildem iieiiiiKmiiesiscIieii, 
wie wir iliii iiiiii iveiiiuMi von den OI}iiipial)ruiiceii liis auf l'olyklet, last gai 
liiclils gemein liat. Diese pclopoiinesisclic Ricliluiig lial höchstens in iliren 
Irülien Anliingnn von der idnisclien gtdernl nnd gehl von da ali mit anderen 
MiUeln auf andere Ziele y.u. Kann man sicli die ägineliselie Plastik. \on 
Anfang an mil der ionischen Kunst eng verwachsen, ihie Entwickelung 
ganz analog denken ? Das isl nicht möglich; sie müssle die Kunsl des na- 
hen Attika stärker und früher ionisirt halten. Es Ideihl also nur die Mög- 
liehkeil, Ägina eine ähnliche Entwickelung durchmachen zu lassen wie At- 
tika; das einzige, sichere Monument Irühägiuelischer Plastik spricht liir 
dies(^ Annahme; der Kopf des Naiionahnusiums Nr. i8 hat Formen, ilic 
dem weichen grossen Stil etwa des (Ügantengiehels verwandt sind. S(dange 
es nicht mehr sieher ägineliselie Denkmäler gihl, wird man freilieii niclil 
weiter gehen diirl'en als auf die historische Wahrscheinlichkeit der angc- 
deulelen Hypothese hin/iiw eisen. 



390 n. DEi.nnuKr.K 

Wir haben im V'orhorgeliondon so gesproolien. als ob nui* 
ilie 'pariscbe' Kiinsl auf die DarsLelliing des Mannes in der 
allischen Plastik h^inlkiss geübt habe. Gewiss kann man diese 
Kormnlirungeinseilig nennen; aber wir besitzen in Atlika keine 
Männerstatuen der jiingeren cbiisehen l^iclitung, vorläufig ist 
also nicht nachzuweisen, dass sie vorhanden gewesen seien. 
Sobald sie gefunden wären, würde man anzunehmen haben, 
dass die ionische Körperbildung ganz im allgemeinen die at- 
tische in der besprochenen Weise beeinflusst habe; dass diese 
Form der Hypothese mehr Wahrscheinlichkeit hat, soll nicht 
geleugnet werden. 

Der Künstler des studniczkaschen Jünglings oder sein Mei- 
ster nahm in der attischen Plastik eine ähnliche Stellung ein 
wie Euphronios in der Vasenmalerei. I^s ist längst anerkannt, 
dass in einer kurzen raschen Entwickelung, zu rasch als dass 
sie ganz selbständig könnte gewesen sein, der epiktetische 
Stil vom euphronischen abgelöst wurde. Man wird in der Va- 
senmalerei und in der Plastik den Einfluss desselben i^andes 
annehmen müssen, wenn der gleiche neue Kfu'pertypus in 
beiden erscheint, ohne dass eine lange Entwickelung ihn mit 
Früherem verbände. Und so lieoen die Din^e. Die früheren 
Werke des euphronischen Kreises' haben dieselbe Kör[)er- 
bildung wie der studniczkasche Jüngling und sind ebenso 
heftig bewegt. Wenn einmal die Metopen des Athenerschatz- 
hauses publizirt sind, wird man den Vergleich auch mit den 
Kompositionen der euphronischen Malerei bis ins Einzelne 
durchführen können. Es stände dann die euphronische Ma- 
lerei zu der vorpolygnotischen der Inseln in demselben \^er- 
hällnissewie der studniczkasche Jimgling zum '[)arischetr. 

In den späteren Werken nähert sich dann Euj)hroni()s der 
Körperbildung des Torso von Daphiii'. Die l'.ntwickdung der 
Plastik und der Malerei ist also eine parallele gewesen, und 
seit einmal der neue 'l'ypus und das neue Wissen aufgenom- 



< z. B. liailwiK, Mfisl.Tsclialni Tal'. /i'i. 

^ Vgl. (ifii Aiilai(jsl\ralcr, Wii'in.-r Vuitcgcltläller V, 'i. 



EINE ARCHAISCHE JUENGLINGSFIGUB 391 

men waren, eine Zeit lang eine selbständig attische, in der 
sieh das attische Temperament so deutlich äussert wie im Ty- 
phongiehel oder den Giganten. 

Aus der attischen Vasenmalerei endlich kann man versu- 
ciien eine Datirung der 'parischen' Statue zu gewinnen. Die 
l'rüheren eiiphronisclien Werke werden um die Jahrhundert- 
wende enlslanden sein, die späteren wären also etwa VJU-'j8Ü 
zu setzen, in dieselbe Zeit der Torso von Daphni. Man käme 
dann mit der parischen Figur bis frühestens in das zweite 
Jahrzehnt des VI. Jahrhunderts. 

Athen. 

R. DELBRÜCK. 



^«t^^5^^«a-c 



zu DKM EHRENDEKRET FÜR DIK IMIYI.EKÄMPFER 

Das V'erslümlniss des \viclili<^en von Ziehartli zuerst in dieser 
Zeilsclirilt (1897 S. 27 ff.) verötTenllichten \^oll<sbescliliisses 
zu Eliren xöiv o'jyjcaxsXOövTwv (xtco •I>i>X9;{; ist dui'cli die sorp;- 
fältijj;e Neubeluindlunji; Prolts (oben S. 3'« IT.) wesentlich <2;e- 
lördert worden. I^s i;elang ihm dem schwer lesbaren Steine 
Manches abzugewinnen, was der erste Herausgeber nicht halle 
entziflern können, und auch seine sachliciien und grammati- 
schen K in wände gegen Ziebarths Interpretation trelVen sicher- 
lich meist das Richtige. Wenn ich, ohne den Stein gesehen 
zu haben, noch einmal auf die Inschrift zuiückkomme, so 
wird das durch ihre hohe Bedeutung für die athenische Ge- 
schichte gerechtfertigt. Ziebarth und Prott stimmen in der 
Ansicht überein, dass uns hier der Anfang jenes Psephisma 
des Archinos zu bahren der Helden von Phyle erhalten sei. 
welches Aischines IM 187 als Muster weisen Maasshaltens im 
Spenden von Ehrungen anführt. Die von Aischines aufge- 
zählten Ehren, eine kleine Geldspende für 0[)fer und Weili- 
geschenk und ein Laubkranz, kommen freilich auf dem Stein 
nicht vor, aber sie könnten nach Ansicht der Herausgeber auf 
dem weggebrochenen Stücke gestanden haben, während um- 
gekehrt Aischines den uns erhaltenen, für ihn unwesentlichen 
Anfan«; überiTani>;en hätte. Diese Annahme führt aber zu sehr 
verwunderlichen Folgerungen. Der erhaltene Anfang des De- 
krets beschäftigt sich nicht mit den attischen Bürgern, die 
von der Bergfeste aus das V^aterland befreiten, sondern aus- 
schliesslich mit Nichtbürgern, die an jener ruhmreichen Tliat 
Anteil hatten' (oaoi o'jvx,aT75>.yov ä^o 'l^ulri^) und eben deshalb 



' Richtig Itemeikt l^ioU gt'f^en Ziebartii S. .'{S.ilass die M/iiiiicr von I'liyle 
in eiiKMii Pscplii.sina nur als oaot xaTf,XOov ärzö 'bAf,; biv.ciclini'l wndcn 
konnten, die auv/.aTcXOdvT£{ also die Nichlalliener sein müssen, die sich ihnen 
angeschlossen lialtcn. 



zu DEM EHBENDEKRET FUEK DIE PHYLEKAEMPFER 393 

mit (Jörn Bürgerrecht beschenkt werden. Wie ist es aber denk- 
bar, dass Archinos in dem feierlichen Ehrendekret für die 
Helden von Phyle den Nichtbürgern den Vortritt vor den 
Bürgern gestattet hätte? Der meines Erachtens schon durch 
diese Erwägung aufgedrängte Schluss, dass die Inschrift gar 
nicht das von Aischines besprochene Psephisma enthält son- 
dern ein verwandtes, das für die Metökon dasselbe leistete, was 
Archinos den Bürgern gewährte, wird nun durch eine Be- 
trachtung der Liste auf der Bückseite des Steines bestätigt. 
Aufgezählt werden hier Bürger, denn sie sind, wie Prott er- 
kannte, nach Phylen geordnet; nahezu drei Spalten füllten 
Bürger der Erechtheis, dann ist uns die Überschrift AlyniSo; 
und eine Anzahl stark verstümmelter Namen erhalten. Nun 
sind aber von den 20 kenntlichen Milgliedern der ersten Phyle 
19 nach ihrem Gewerbe als yewpYoi, (xayEipoi, Te'jtTove;, öpsoxo- 
y.ot U.S.W, bezeichnet, nur bei einem Namen 'Ey£p<jt<; fehlt ein 
solcher Zusatz. Eine derartige Charakterisirung durch das 
Handwerk ist aber in einer Liste attischer Bürger ganz uner- 
hört, um deren Gewerbe kümmern sich olfizielle Urkunden 
nicht, nur Demos und Vatersname könnten in einem regulä- 
ren Bürgerverzeichniss erwähnt sein. Dagegen liebt man es, 
die Metöken durch Angabe ihres Berufs genauer zu kenn- 
zeichnen'. Es scheint mir doshalb sicher, dass die Liste aus- 
schliesslich gewesene Metöken enthält, eben jene iMännor, die 
durch den Volksbeschliiss auf der anderen Seite der Stele mit 
dem Bürgerrocht beschenkt worden sind Ihre Zahl ist nicht 
klein, erhalten sind au.s der h]rechllieis '20 Namen, und da links 
eine Spalte fehlt (vgl. oben S. 34) und der Stein auch unten 
nicht vollständig ist, muss die erste Phyle mehr als 30 Neu- 
bürger aufgenommen habend Von tlcn 7 Kolumnen, die auf 
d(Mn Stein vorauszusetzen sind, nahm sie etwa ein Drittel ein, 
der Zudrang der Neubürger war also zu ihr besonders stark. 



' Vgl. besonders C.I.A. II 7(i8-77(;. 

■■* Die (Iritlc arg vcrslümmollo Columiic hat li Zeilen, die eiNlc muss also 
nach Alt/iii; der giii.sser gesehriehenen l^herselnili niindeslens 1-.? Namen 
enlhalleii liahen, vermullioh enlhiell sie ahcr eihel)licli mehr. 

ATHEN. MlTlHKIl.UNr.KN .\.\V. 26 



394 AI.FRRD KOEHTE 

Leider lässt sicli die Gesamtzahl auch niclil annähernd fest- 
stellen, schwerlich war sie gerinfj;er als 80, sie kann aber 
auch doppelt so c;ross gewesen sein. 

Wer das Psephisnia eingebracht hat, entzieht sich unserer 
Kenntniss. Möglich ist es ja, dass Archinos seihst in einem 
zweiten Antrag für die Metöken sorgte, aber wir haben nicht 
mehr das Recht seinen Namen in Zeile 3 einzusetzen. Für den 
ersten Salz des Antrages scheint sich mir im Anschluss an 
Prott folgende Ergänzung zu ergeben: ö Seiva eiTrev ottw? av tti; 
Swpea? [X6Te'j^(i)(Jiv ol [Jt.eTOix.Joi, o<70i ouvKaTviXOov octvo tf>uXY5(;, y) toi; 

xaT6>>[0of7t Tüiv TToXiTüiv ISoOy) ' ] , £i|/r)(pi<j6ai 'AOrivatoi? evai 

auToi; x,at i)ty6v[oi; TcoXiTeiav xai cpu'Xyii; kolI Sr)aQ xal qjpaTpia? ti; 
av ßöXoiVTat,] v6[xoi; Sk toi; auTOt; Trspl auTÜv tolq apj^a; )^p[7io6ai 
ol; Kai TTspi 'AOy)vat(i)v. Es folgte die Begründung des Antrages 
durch eine Aufzählung der Verdienste, wie Prott erkannt hat. 
Als erster Grund war jedenfalls ihre Teilnahme an der Be- 
setzung und Verteidigung Phyles genannt, als zweiten le- 
sen wir Z. 7 cuv6jj!.aj^Y)Tav Se T7){Jt. ^'X.yri'* ttiix Movij^iadtv, der 
mit Tov hl eingeleitete dritte Punkt betraf die Zeit ots at StaX- 
Xayai eyevovTO und hinzugefügt wird endlich xal Itcoiov toc Tcpoc- 
TaT[T6u.6va. Wäre uns die Motivirung des Antrages ganz erhal- 
ten, so würde die Frage nach der Datirung des Steins wol 
mit grösserer Sicherheit zu beantworten sein als jetzt mög- 
lich ist. 13en Archontennamen in Z. ^ ergänzt Ziebarth zu 
SevaivETJoc ('lOl/O), während Prott IIuOoSwpJo; ('iü'i/3) vorzieht, 
andere Archonten sind durch die P^iulung -o; ausgeschlossen. 
Prott führt (S. 37) zu Gunsten der früheren Datirung äussere 
und innere Gründe an. Einmal würde in der ttoi/yiSöv ange- 
ordneten Inschrift die Symmetrie der zwei ersten Zeilen durch 
den Namen Pythodoros besser als durch Xenainetos gewahrt 
sein. Aber diese Beobachtung ist nicht ausschlaggebend, da der 
J-iängenunterschied beider Namen ja nur einen Buchstaben 
beträgt. Ferner findet er es sehr auffallend, 'wenn sowol die 



* Die ungeschickte Worlslellung isl aiitliillciKl, die Koiistiuklion scliciiil 
mir aber durch das Erhalleuc gcsichcrl zu sein. 



zu DEM EHIlENDliKRET EUER DIE PHVLEKAEMPFER 395 

wackeren Patrioten über zwei Jahre auf ihre Auszeichnung als 
die Goltlieit auf den Dank der Menschen hätte warten müs- 
sen'. Audi diese Erwäü;un"; hake ich nicht für entscheidend 
gegenüber den scinveren Bedenken, die seinem Ansatz entge- 
genstehen ; wie lange sich in Zeiten revolutionärer Unruhe 
die h]rledigung der Dankespllicht gegen Götter und Menschen 
hinziehen kann, ist gar nicht zu bestimmen, und den entgül- 
tigen Abschluss fanden die Krisen des Staates ja doch erst 
unter Xenainetos durch die Verträge mit den Eleusiniern 
('Aeviv. TuoX. '50,4). 

Mir scheint nach den sicher überlieferten Daten unterPytho- 
doros kein Platz mehr für unser Psephisma zu sein. Plutarch, 
de glor. Athen. 7 S. 319 erzählt nach vorzüglichen Quellen: 
TV] Ss ScoSs/taT-/) ( Tou ßor,Spo{j(.iüivo;) yapiffTYipia löuov dXs'jöepia?' £v 
£/.stv(i yöcp Ol (xtcö <I>uXyi(; >caT^XOov. Der Einzug der Männer vom 
Peiraieus und Pliyle fand also erst im Boedromion des Jahres 
103 unter dem Archon Eukleides statt, und dieser Einzug ist 
die imerlässliche Vorbedingung für die Ehrung derPhylekäm- 
pfer. Wenn sich Prott auf Aristoteles 'Aöriv. ttoX. 41,1 beruft, 
wo sogar die Verfassung nach Pythodoros datirt werde, so 
kann ich ihm nicht beistimmen, denn an dieser Stelle ist 
zweifellos mit Kaibel und Wilamowitz eine Lücke anzuneh- 
men, in der etwa gesagt war, dass Pythodoros sein Amt noch 
zwei Monate über die gesetzliche Zeit geführt habe, aber nicht 
als Eponym gerechnet werde ^ (vgl. Kaibel, Stil und Text der 
TcoX. 'AÖYiv. S. 201 ). Die StaXücei;, durch welche die demo- 
kratische i\estauration doch erst rechtskräftig wurde, verlegt 
auch Aristoteles in das Jahr des Eukleides ('AOy)v. -oX. 39,1 
vgl. Andok. 1,87 IT.). Selbst wenn man annehmen wollte, was 
an sich wenig v/ahrscheinlich ist, dass der offizielle Gedenk- 
tag später nicht der Tag des Einzugs der Demokraten in die 
Stadt, sondern der des Abschlusses der Verträge gewesen sei, 



' Nicht unmöglich scheint es mir auch, dass ein wesentlich anderer Ge- 
danke ausj,'et'allcn ist, et:! IluOoooJpoj [j.;v ap/^ovio; 1^5 or^iioxpaiiai xaTaXuOEiaTj;, 
IkI. EÜxXeioou hl 7;äXiv xaxaoTaO£ta7](. 



396 ALFRED KOERTE 

SO bleibt die Datirung unter Pytbodoros nocli immer sebr be- 
denklieb. Denn map; aucb Protts Scbeidimii der SiaXXayal von 
den <j-jv6y)Kai berecbligt sein, sicberlieb war der Zwisebenraum 
zwischen beiden von den spartaniscben Sta^Xaxxal geleiteten 
Massnahmen nur ganz kurz ( 'AÖnv. ttoX. 38. ^i vgl. Andok. 
1,00), und in dieser Zwischenzeit bat man für Rcscblüsse zu 
Ehren verdienter Meti'^ken gewiss keine Müsse gehabt. Aucb 
die Worte des Psephisma selbst sprechen gegen seine Ent- 
stehung in jenen Tagen, die Zeitbestimmung ot£ al Sta^Xayal 
eyEvovTo lässt diese Vorgänge als der Vergangenheit angebö- 
rig erscheinen. 

So verdient meiner Überzeugung nach der Ansatz unter 
Xenainetos unbedingt den Vorzug. Dann müssen wir freilich 
auch das Psephisma des Archinos, mit dem das unsrige so eng 
zusammengehört, in jene Zeit herabrücken, und dem steht, 
so viel ich sehe, nichts im Wege. Eine genaue Zeitbestimmung 
ist aus Aischines' Angaben nicht zu gewinnen, aber eine Ein 
zelheit deutet doch daraufhin, dass der Beschluss nicht un- 
mittelbar nach den Kämpfen zu Stande kam. Wir lesen Aisch. 
lil, 187 y.at oüSs touto gi>f?i Tipot^at xsXsuet, oCkX dx^ißCoc ztp- ßov- 
Mir (fKe^a^ivi]r , oaoi 'fnl <I>uX95 iTCoXiopxYjGriaav, ore Aa)tEoaijJt.öviO'. 
xai Ol Tpidcxovxa xpooeSaX^ov toi; )taTaXa6ou(7t <I>uXyiv. Sorgtälticje 
Ermittelungen des Rats über die Teilnahme an der Verteidi- 
gung Pliyles waren weniger nötig, wenn die Belohnung 
den Tbaten auf dem Fusse folgte, als wenn seitdem eine ge- 
raume Zeit verstrichen war. Die Besorgniss, dass die Zahl der 
Pbylekämpfer nachträglich etwa so anwachsen könnte wie in 
unseren Tagen die Zahl der Veteranen und Kriegerwaisen 
aus dem amei'ikanischen Secessionskriege , war gewiss be- 
gründet. 

Beide Beschlüsse, der des Archinos für die Bürger und der 
von ihm oder einem Gesinnungsgenossen eingebrachte für die 
Metöken stehen in deutlichem Gegensatz zu den radikalen Plä- 
nen des Thrasybulos. Dessen vom Volke zunächst gebilligten 
Antrag, xy.cri toi; Iy. neipaieo); (juyxaTeXOoCui das Bürgerrecht zu 
geben, halte Archinos durch die Klage 7rapavö|xo)v zu Falle ge- 



zu DEXr EHIIENDKKRET FUER DIE PHYLEKAEMPFER 307 

bracht', aber für eine angemessene Belohnung der Würdigen 
treten er und seine Partei ein. Die Zahl der mit dem Bürger- 
recht Beschenkten war, w'e wir sahen, keineswegs klein, aber 
für einejn Mann, der so gern Bürger geworden wäre, bot der 
vorliegende Beschluss keinen Raum, für den Bedner Lysias. 
Mochte er auch für die Sache des Demos Geldopfer gebracht 
und von Megara aus gewirkt haben (Plut. vita Lys. 7), zu den 
Melöken ötoi auv/cotTriXOov xttö *I>uX>i; gehörte er nicht, und so 
ist er trotz aller Anstrengungen- Isolele geblieben. 

Greifswald. 

ALFRED KÖRTE 



' Audi der Antrag des Thrasybulos ist niclil genau dalirbar ; nach P!u- 
larcli im Lehoii dos Lysias 8 könnte es sclieinen, als sei er vor Euklcidos 
eingel)raclit,al)i'r dein widersprechen des Aristoteles liestinunte An;;aiie[i,der 
'AOt)v. tcoX. 'lO erst einen klugen Scliachzug des Areliitjos aus dem Jahre des 
Eukleidcs erziilill und dann seinen Widersland gegen Thrasybulos mit [isia 
Taüxa einführt. 

2 Später interessirle man sieh für den Stnüt zwischen Thrasybulos und 
Archinos hauplsäcblich um des Lysias willen und deshalb wird die Sache 
bei IMutarch a.a.O. so hingesttdlt, als habe Thrasybulos nur für Lysias das 
üürgerrechl beantragt; das wird von den Rhetoren dann noch weiter zu- 
gespitzt (vgl. Maxim. Plan, scbol. in Ilermog. V, 3i3 Walz). Erst des Ari- 
stoteles Schrift vom Staat der Athener hat den Sachverhalt aufgeklärt, 
den gewiss schon Lysias selbst in der Rede T^tpi x«5v loiiov vjio^ituCjv ge- 
üisseutlicb verdunkelt hatte. 



KLEINASIATISCIIE STUDIEN. VI. 
Inschriften aus Plirygien. 

Die Veröffentlichung dieses Restes meiner 1893-95 gesam- 
melten Inschriften ist durch die von meinem Bruder Gustav 
und mir im letzten Sommer in Gordion unternommenen Aus- 
grabungen länger als ich wünschte verzögert worden. Die 
ziemlich geringe Zahl neuer Inschriften, welche wir beide 
auf der Durchreise in Dorylaion und Pessinus abschrieben, 
habe ich unter Nr. 42-49 und P»3-69 zu den älteren hinzu- 
gefügt, weil sie mit dem eigentlichen Zweck unserer Expedition 
nicht zusammenhängen und in die von uns geplante Publi- 
kation sich nicht recht einfügen lassen. 

Indem ich hiermit die Reihe der Studien abschliesse, wel- 
che durch die Liberalität der Generaldirektion der Anatolischon 
Eisenbahn ermöglicht wurden, drängt es mich, den bei ihrem 
Beginn vor 6 Jahren ausgesprochenen Dank für diese gross- 
herzige Förderung wissenschaftlicher Arbeit noch einmal zu 
wiederholen. An erster Stelle gilt mein Dank Herrn Genei'al- 
direktorOtto v. Kühlmann, der in seinem regen wissenschal'l- 
lichen Interesse den Entschluss der Gesellschaft veranlasst unii 
meine Studien stets mit wahrhaft väterlichem Wohlwollen 
unterstützt hat. 

1. Aizanoi (Tschawdyr-hissar) auf dem Acker nahe dem 
Dorf. Grosser Block aus blaugrauem Ilalbtiiarmor, wol der 
Wand eines Gebäudes entnommen. Höhe 0,96'", Breite 1,42'", 
Dicke 0,28'". Buchstabenhöhe 0,03-0,035'". Eeinc vorgeritzte 
Linien. 

6 SoOel; uTrep tou (ji-eviv lepta 
TOii XTidTOu Ayij;.r]Tpiov 
'Apy.eaiXdtou. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI, 399 

5 "Aypei TO'JTOv £7r' opio Hori j^^epi 
tÖv ßoX£(T)iau.6v, 
T£UTa<J5ü)V Swaei yap jTrrjTpi- 
(Aa, Toi<7t <pspet(ü. 

Din Schrift ist soriffällij:;; mit ihren etwas gezierten Formen 
— EiindH mit frei schwebendem Ouerslrich. P mit Schnecken- 
windung; — gleicht sie der des Avidius Quietus- Briefes am 
Zeustempel', ist aber nicht ganz so fein und gleichmässig. 
Voraussichlh'ch gehört der Stein dem zweiten Jahrhundert 
nach Chr. an. 

Den achten Buchstaben der Z. 6 hielt ich, als ich im 
Oktober 1893 den Stein bei strömendem Regen abschrieb, für 
ein etwas beschädigtes Z. Bei einem zweiten Besuch des Or- 
tes im Juni 1895 fand ich die Platte zwar noch am alten Platz, 
aber zum Abtrittstein zugehauen. Das Loch hatte den zweifel- 
haften Buchstaben verschlungen, und einer der umherliegen- 
den Splitter enthielt zwar die drei folgenden Buchstaben, aber 
gerade auf dem wichtigen hatte derSteinhauer seinen Meissel 
angesetzt. Da ich bei der ersten Abschrift die Worte zum Teil 
nicht verstand, möchte ich mir lieber einen Lesefehler zu- 
trauen als dem Dichter oder Schreiber die Form ßoXeaKjaöv 
aufdrängen. 

Das Orakel hat der Priester Demetrios des Arkesilaos Sohn 
durch einen gefälligen Gott erteilen lassen, damit er Priester 
des Ktistes , wol über die gesetzliche Zeit hinaus, bleiben 
könne. Wer als Gründer der Stadt verehrt wurde, können wir 
nicht sagen, denn in dem Artikel 'A^avoi des Stephanos von 
Byzanz, der uns allein über Sagen der Stadt berichtet, wer- 
den zwei mythische Gründer genannt. Stephanos citirt für 
die Form AiCavoi^ statt 'A^avoi eine Stelle Herodians (iv ^pw-rri 

* Vgl. die facsimilirte rrobe in der Feslsclirift für Benndorf S. 'JIS Fig. 1. 

2 Diese Form liorr.schl aussolilicsslich in den Urkunden und Münzen der 
Stadt, aller der zur Zeil der asianischen Kalenderrefonn amlirende ä.ox.i«- 
peü; T^« Aata? Iieisst nur auf dem Stein von Apameia AiCtavitr,;, auf dem 
von Priene M. A. I. 1891» S. v8"J Z, 31 und 79 'A^^avixrii bezw. 'Astavtiiiij, 
das Schwanken des Namens ist also ait. 



400 ALFRED KOEHTE 

Tüiv xaOöXou): Ai^riv TavTotXou Ttai;, äcp' ou tv «I^puyia 7:6>.i<; Ai^a- 
voi. Daneben erzälilt er ausführlich nach Hermoij;enes eine an- 
dere Ableitung des Stüdlenamensaus den phrygischen Wörtern 
ouavoöv (Fuchs) und e^iv (Igel). In Zeiten einer Hungersnot 
versöhnte Eupliorbos die Götter durch Opfer eines Fuchses und 
eines Igels, deswegen wählten ihn die dankbaren Umwohner 
zum Priester und Anführer und die Stadt empfing den Namen 
'E^ouKvouv 'Igelfuchs ', woraus allmählich die Form 'A^äviov ent- 
stand. Gerade weil der Name Euphorbos mit dem Stadtnaraen 
nicht zusammenhängt, wird dieser Erzählung desllermogenes' 
eine Lokalsage zu Grunde liegen. Der von Menelaos erlegte 
(P9ff.) Panthoide Euphorbos heisst bei Homer freilich Dardaner 
(11807), aber schon Kallimachos halte ihn Phryger genannt^ 
und es ist wol möglich, dass eine phrygische Stadt den durch 
Pythagoras berühmt gewordenen Helden für sich in Anspruch 
nahm. Ebenso gut kann freilich ein alter phrygischer Heroen- 
name in Euphorbos gräcisirt sein, gab es doch auch eine 
Stadt Euphorbion im südwestlichen Phrygien (vgl. Hamsay 
Cities and bishoprics of Phrygia I 750). 

Das Orakel, dessen Verständniss mir Herr Geheimrat Diels 
erschlossen hat, ist absichtlich dunkel und in altertümlichen 
Formen abgefasst: 'Auf, mache Dich mit schneller Hand an 
diesen Fischzug, emsig bemüht; denn er wird reichen Ertrag 
geben denen, welchen ich (der Gott) ihn verleihe'. Es ist wol 
zweifellos , dass der Dichter das Bild des Fischzuges dem 
berühmten Orakel entlehnte, mit dem der Akarnane Amphi- 
lytos vorder Schlacht von Pallene den Peisistratos zu raschem 
Vorgehen antrieb (Her. I, G2): 

'EpptTcrai 6 ßöXo?, tÖ oe Si>ctuov EJtTCeTreTaaxai, 
0uvvot o' otfAYicouffi aeXnvaiir); Sia vuxtö?. 

' Das Fragment steht bei Müller h\lI.G. III r.?'i miU-r llermogcnes von 
Tarsos, aber ungleich näher liegt es doch, es den 'Aaia? xTiaei? des Ilcrmo- 
},'enes von Smyrna zuzuweisen, die wir aus der Inschril'l 6\/.6\ II WM I ken- 
nen. Es ist erfreulich, diesen nur durch die Inschrift als Historiker bekann- 
ten Arzt auch in der Lilteratur einmal anzutrcHen. 

2 Callim. fr. 83" Schneider = Diog. Laerl. I, 1,3, ebenso nennt ihn Jain- 
blichos de Pytliay. vila 63. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 401 

Im Rinzelnen bedürfen einige neugebildete Wortformen einer 
lili'klai'ung. Von ßoXo; Fisclizug ist zunüclist ßo>.6TÖ; eine ganz 
riclitige Weiterbildung, wie jtoTcgTÖ? neben /.öxo;, tok6t6(; neben 
Toxo? steht, von diesem, vielleicht nur zufällig in der Liltera- 
lur nicht nachweisbaren Substantivum ist dann weiter das 
Verbum ßo^exiCw 'einen Fischzug ihun* abgeleitet, und des- 
sen Verbalsubstantivum haben wir in ßo>.6Tt(j|AÖ(;. In der Be- 
deutung weicht diese künstliche Neubildung von dem ein- 
fachen ßoXo; kaum ab, aber sie widerstrebt wenigstens den 
Gesetzen der Sprache nicht während die Form 960610) unbedingt 
sprachwidrig ist, eine falsche Analogiebildung zu den epischen 
Conjunctiven Sxüi.6i{o, /.ly^iidi u. s. w. Ob TeuTacacüv eine der le- 
benden Sprache angehörige Nebenform zu TeuToc^wv ist, so 
wie ßpot<jCTco und ß5äC(») neben einander stehen, oder ob auch 
diese Bildung nur sprachlicher Ziererei ihr Dasein verdankt, 
wage ich nicht zu entscheiden. Wahrscheinlicher ist wol das 
Letztere. 

2. Ebenda in einer Hausmauer. Rings bestossene Platte 
aus Halbmarmor, die linke Seite sehr verwittert. Höhe Ü,'2r", 
Breite 1,10'", Dicke 0,50'". Buchstabenhöhe 0,02'". 

PPnkOZMn///,P7/EYTYXEZTATATHnOAEIHMnN,|;}rAi,MA> 
i)^^AI0NK\l7APAAP0Y20NrEPMANIK0NT0NYI0N<t)Y///EI0£A2§ 
|(|§^TQ^|f iN2EBA:ZTfiN' :;KfiEv|^H(l)l2AT02TE(t)AN H d ^^Hj^A-^ 

WE/^v/MM/it^^ArasiN j\ ic iq^azionmenomisazak aitaytm^ 

» lMyÄPM/^^TANAYOeEaNMIAnPOrPA4)HMIAATEAHA£^ 

HKAF"'" 



le'pwva KXaujSiov KotiTapa Apoöiov repjxxviKÖv tÖv uiöv <pü[(j]€i [GeJa^r'AvpiTCTceivr.^ 

. T(j) jX6Yi](iT(ö[i (?) Tcöv] SeSadTÖv [oi]k(o, £i]/Y)<pi(jaTO TT£9avY)(p[ojOT5[a]a[i 

.... xat] £v (xydiciv ©[[xjotco?, a^tov (xe vo|xi(ja(Ta xat Txü-:[r\; zr,^ Tiaf,; 

.... W(TT'a.v(?) Süo öecüv [aisc xpoypacpri {xix xt eXrix 

•/) Kxl eu 



l0'2 AI.FIiKO KORIlTK 

Die Schrift ist scharf und fein, mit «rrossen gescluvunf^e- 
nen Apices an den Enden der Hasten, der Querstrich des © 
ist ganz durchgezogen. 

Der Stein ist offenbar ein neues Bruchstück der von I^e Ras- 
WaddiniTton III 857-59 beliandelten Urkundenreilie. Rin um 
den Kuh der Kaiser von Auerustus bis Chiudius durch reiche 
Schenkungen verdienter Mann liat erst ein Ehrendekret (h'r 
Gemeinde von Aizanoi ( Le Bas - Waddington 857) und dann 
einen Brief an die Panegyriarchen und den Finanzl)eamten 
der Stadt in Stein hauen lassen. Der Gedanke liegt nalie, das 
neue Fragment in diesen Brief, in dem der Wolthäter seine 
Verdienste mit echt asiatischem Wortschwall preist, zwischen 
die Nummern 858 und 859 einzuschieben, aber eine Ein- 
zelheit maclit es wahrscheinlicher, dass dies Bruchstück ei- 
nem zweiten Briefe desselben Mannes angehört. In dem Ein- 
gang des ersten Briefes nennt sich der Schreiber Priester des 
Claudius und des Britanniens', Nero wird ebenso wenig ge- 
nannt wie in einer gleichzeitigen Weihung des Menogenes 
Nannas' Sohn (a.a. 0.856) an den Kaiser. In dem neuen 
Bruchstück ist dagegen die Beziehung des Namens in Z. 5 
auf Nero sicher, denn nur er führte seit der Adoption die Na- 
men Claudius Caesar Drusus Germanicus^. Es scheint also, 
dass Nero nach der Adoption in den Kaiserkult der Stadt mit- 
aufgenommen ist, und ausser ihm auch seine Mutter. Agrip- 
pina heisst in der Inschrift selbst ösa, wenn, wie kaum zu be- 
zweifeln, meine Ergänzung der Z. 2 richtig ist — da Neros 
leiblicher Vater nicht zur kaiserlichen Familie gehört, wird 
nur die Mutter genannt. Die Kulte von Mutter und Sohn sind 
anscheinend zu gleicher Zeit gestiftet, denn der Verfasser der 
Inschrift rühmt sich Z. 5 durch einen Beschluss zweier Göt- 
ter Priester geworden zu sein. Dann ist diese Inschrift ein 



' Waddingluns Ergänzung 858 Z. 5 f. Ti66piou KXauStou Ka/[oapo{ Bpciav- 
vtxoj ist sicher. 

2 So auf dem Bogen des Claudius CLL. VI 921, 'i und C I. G. Sept. I (ig, 
vgl. Prusopographia impcrii Koniani I 'My'J. Dem älteren Drusus fehlt der 
Beiname Caesar. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 403 

Nachtrag aus dem Jahre 50 nach Chr. zu dem ersten zwischen 
43 und 50 anzusetzenden IJrief. Der loyale Priester, vermut- 
lich der in Nr. 850 und auf Münzen genannte Menogenes 
Nannas' Sohn, hat gegen gebührende Ehren auch die Last der 
beiden neuen Priestertümer auf sich genommen. Leider fehlt 
zu viel, um den Wortlaut der Inschrift herzustellen. 

3. Ebenda im Flussbett des Rliyndakos Statuen basis aus 
Halbmarmor. Höhe 1,80"', Breite 0,80'", Dicke 0,80'". Buch- 
stabenhöbe 0,0V". 

'H] ßouXy; y.ai 6 075 uo; 

6T]£tp.yi(I£V 'ApT£p.i- 

S(i)]pov MvivocpiXo'j 
v£(i)]>c6pov TO'j Aiö<; 
5 xvSjpa (pt>.6xaTpiv 
>tat] (pi>.6T£ip.ov 
£v (JTjpaTYiyiai; x.xi 
£v )t]aTa(j)t£'jxi; 
•7CoX]Xyji ryji 7r£[pi 
1 Triv TTaJxpiSa £uvoiai 
[j^prj(jä(j!,£vov]. 

Meine Abschrift enthält keine Notiz darüber, ob die Inschrift 
vollständig ist, doch scheint mir ein Participium als .\bschluss 
kaum zu enlbehren. 

'1. Ebenda in einer Mauer. Giebel einer Grabslele aus blau- 
em Halbmarmor. 

Im Giebel neben einem Krater: 

£TOU{ poß', 

auf der unteren Giebelleiste: 

AnjXYjTpeio? A^siü) Tri p-iOTpei prip-T); £V£>t[£v. 



« Seil '10 lieissl des Claudius ^oliu Brilanuious, ins Jahr .jO lälll Neros 
Adoption. 



'lO'i ALFHED KOEHTE 

Die Buclislabcn zoii::;en iinrogel massige Formen. aiitYallcnd 
z. B. Ä mit überragendem reelilen Schenkel. 

Seitdem Burescli (Aus Lydien S. 20 ff.) die Geltung einer 
Ära von Aclium neben der suUanischen für Lydien erwie- 
sen liat, muss man die Möglichkeit einer Dalirnng nach der 
jüngeren Ära auch für Aizanoi in Betracht ziehen, und die 
orthographischen Seltsamkeiten dieser Inschrift AnixÖTpeio?, [xr)- 
Tpei lassen, ebenso wie die Buchstabenformen, die Entstehung 
im Jahre 1 i^ nach Chr. glaublicher erscheinen als 88 nach Chr. 
Ein sichrres Urleil ist aber m E. nicht möglich, bevor nicht 
unanfechtbare Beispiele der actischen Aera aus der Aizanitis 
beigebracht sind. 

5. Ebenda in einer Mauer. Weisser Kalkstein, links ge- 
brochen. Höhe 0,07'", Breite 0,35'". 

'ASiJ(T)cavTO(; Taxsi iSta yuv- 
aijct (jt.vY)jj(,Yi? evjsjtev ^ stou; ^ p^r)' (168). 

Den Schriftformen nach könnte die Inschrift ebensogut ins 
Jahr 8'» nach Chr. wie ins Jahr 138 nach Chr. gehören. 

6. Ebenda im Fluss. Altar; vorn in einem Kranz ein 
aufgerolltes Blatt Papier, darauf die Inschrift. Buchstaben- 
liöhe 0,02"'. 

n. A'a(toc) 

)cai My5v6- 

5 Sdxjavop- 

a Net)to(j,- 
aj^ct) aSe- 
X<püi vo- 

[JLIX.Ü31 

10 £T(r)) xa'. 
In Z. 10 steht das E über dem T. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 405 

7. I']|jen(Ia im Fluss. Altar aus Ilalbmarmor. Höhe 1,1Ü™, 
Breite 0,05'", Dicke 0,65'". ßuclislaljenliölie 0,05ry". 

AaSv)? AiOfXYiSri uai (!) (J!.[vr]- 
u.r,c '/izvi. 

8. Ebenda am VVascIiplatz. Kalkstein-Stele in Form einer 
Doppelthür mit Giebeln über Rundbögen. In den Bögen je 
ein Adler, auf den Bogenleiston die Inschrift. Höhe 1,10"', 
Breite 1,3G"', Dicke 0,027'". Buchstabenhöhe 0,0"?". 

Auf dem linken Bogen: Auf dem rechten: 

ripwTea? Traxpi Kai aö6).(p(I) [j.vr,y.-/)(; yapiv. 

9. Iladschi-köi, ^»'^'"nordöstlich von Tschawdyr-bissar, im 
Ort gefunden. Altar aus Ilalbmarmor, Höhe l.'2'2"', Breite 
0,59'", Dicke 0,'ir)'". Buchstabenhöhe 0,03'". Buchstabenfor- 
men ¥ <^. 

Aüp. 'A<y)tXyi7Ctii:S[vi; 

£A£r,Ö£ic cht: 0- 
X^cov (!) Tüiv 7ra6yi[AiT[ü)v 

5 tcTO) {/.era 

In Z I ist das A nachtraglich klein eingeschoben. Am 
Ende von Z. 'S fehlt nichts, es stand also nicht xizh [xo]>>cJv 
auf dem Stein , was auch mit dem Artikel nicht vereinbar 
wäre. 

10. Iladschi-i\lahmud-köi,5'"" östlich von Tschawdyr-Iiissar, 
am Brunnen. Dopjxiltliiir aus Marmor mit Adlei- und Frucht 
korb verziert. Höhe 1'", Breite 1,50'". Buchstabenhöhe 0,03'". 

Ta TExva EÜTCpai;ia [xriTpi xai 



406 ALFRED koi:hte 

11. Auscluir, clwa O'^'" ('»stlicli von Tscliiiwdyr- liissar, im 
Minareb. Kalksleinplalle. Ilölie ± Ü,^20'", lireite ± l,Oü"'. 
Biichstabenhölie 0,()3r)"'. 

A-I-K-IKAA YAIANHAIKI I wY(l)ff5iiA I §1 
le-lOYNIAMAPKIANHMHTPIk 
AlKlNIOCAPTEMIA^Pff^TAfT 
(t)IANQYlQl^ KAriETQAINQK ^0§ 
5 K M APKIANc^HP^EINI^EAYTH 
Z^CA 

Aixi(via) KXauSiav75 Aix.t(via>) ['P]ou(p(i) L7c]a[Tp]t 
Ki 'louvta MapKiavyi [xviTpt x£ 
Ai)ctviO(; 'ApT£{/.iSü)pct) T[üi] 'Att- 
cpiavüi 01(0 x,£ KaTCETCo'Xivci) y.[k] 'Po[u(p(i) 
5 xe Mapjciavü) -fipwciv y.1 eauTvi 

Da Aix.ivia KXauSiavT) nach Ausweis von Z. M'. allein den 
Stein setzt und zwar ihren Eltern, ihrem Sohn und drei an- 
dern männlichen Verwandten, die sämtlich als vipwe«; bezeich- 
net werden, muss in Z. 3 ein Irrtum des Steinmetzen vorlie- 
gen, der für AiKiviw den Nominativ einsetzte. 

12. Tauscbanly, etwa 60""" nordwestlich von Tschawdyr- 
hissar. Reiche Grabthür aas llalbmarmor. An den Seiten- 
pfeilern Hankenwerk, auf dem Tliür^^esims Bukranien zwi- 
schen Blumengellängen, im Thorbogen die Inschrift auf einer 
Platte mit keilförmigen Ansätzen. Höhe 1,80'", Breite 1,10'", 
Dicke 0,30'". Buchstabenhöhe 0,02'". 

'AvTixXy)«; 'Ap- 
Tef/.iöo)po> ä- 
06X(p(ü fjt.vy)- 
(xy); xapiv. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 407 

13. Ebenda, an einem Brunnen. Grabthiir aus Halbmar- 
mor. Im oberen linken Tliürfold Spiegel, im recliten Scliloss, 
im Tliorbogen Arbeilskorb, darüber im Giebel Granatapfel. 
Höhe I.OO™, Breite 0.70'". Buchstabenliöbe 0,025'". 

Ilpetpio: xai Tocteiov u.TOTp£[l 

14. Maimul, eint; lialbe Stunde von Tausclianly, an einem 
Brunnen. Marmorstele in Form einer dreilaeben Tbür , das 
linke Drittel fehlt In den Giebeln Korb und Adler. Höhe 
1,42'", Breite 1.25'". Buchstabenhöhe 0,015™. 

An der mittleren Thür • 

an der rechten Thür: 

'A7c6XaucyTO<; Tupävio; 'Poo^o; EÜTuyo) Traxpi [xvyjijly); X^P'^- 

15. Ebenda in der Mauer eines Eischweihers. Altar, zur 
Hiilfte im Boden. Breite 0,55'", Dicke 0,50"'. Buchstaben- 
hölie 0,03'". 

AYClNTEKNOIEINTHNAnO 
EYK T EA NXAPINviHTHPAYrPA 
TOYTOYEErENW^ KATAENA 
OAnTwAEOMOYrONEYEI 
5 XPHETOIA E CTTOTAIEITE IMI 

SuTiv T£)tvoi'nv TYjv (XTVO | suÄTEav /_apiv 

[/.rjT'np Xuypi j , toutou; dyevcov (!) xaTOC eva, | öiTCTU 

Se ötxoO" yovE'j'ji | ^pyiatoi, SeoTtOTaici Tetat[oi. 

Der unglücklichen Mutter, die ihre beiden einzeln geborenen 
Kinder zusammen begrub, sind die versuchten Trimeter nicht 
recht gelungen; der jetzt nicht sichtbare Teil des Steins ent- 



408 Al.rUKt) KOKRTK 

liiell noch einif];e Lobeserliebungen der von Ellern und Herren 
cjescliätzlen Kinder. 

IG. Ebenda. Altar, zum Teil im Boden. Flühe 0,55'", Breite 
0.45"'. Buclistabenhöhe 0,0^'". 

"EJtou? t6i' [x-/)v6; S£€a'jTo[ö 

xaTE[(j>t6ua(j£v Te- 
^eafpopo; 'Atctty) ixTiTpi y^[u- 

5 xjg Aoi^.lTl(i) Au^avovT[t, 
(0 (JUVE^YICSV 7) ^'Atvtty) x,a- 
X]ü); ETY) le', xal TeXeg- 
[ipopcü Töi tSiw 7raTpi](?) 

Bei dieser Inschrift ist kaum ein Zweifel möglich, dass die 
Datiruns auf das Jahr 315 nach der sullanisclien Ara^'228 
nach Chr. zu berechnen ist. Denn nach der aclischen würde sie 
ins Jahr 585, d.h. in eine Zeit fallen, der äusserst wenig In- 
schriften Phrygiens angehören. Bemerkenswert ist die Be- 
zeichnung des Stiefvaters, mit dem die Mutter, vielleicht ohne 
rechtsgültige Ehe, zusammenlebte. Die Zahl der Jahre dieses 
Zusammenlebens ist unsicher; es folgte offenbar der rechte 
Vater Telesphoros. 

17, Ebenda. Marmorne Stele in Form einer Doppelthür. 
Rankenwerk an den Seitenpfeilern, Blumengewinde in den 
oberen ThürfüUungen, Arbeitskorb und Adler in den Thor- 
bögen, darüber im Giebel links ein Spiegel, rechts eine Pal- 
mette. Höhe 1,U0"', Breite 1,30"', Dicke 0.50'". Buchstaben- 
höhe 0,05'°. 

Am linken Bogen : 
'Apiavo? y.ai TEiu.oxpocTY}; xal BepoveixY)? 

am rechten Bogen : 
jXYiTpi xai Tcaxpi (^(iJv(t)i yovEöci y\uy.\}rxTOii (AV7i[|jt,7)(; yipiv 

Statt des t in (^gjvti steht irrtümlich ein y- 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 409 

l(S. Girci-Tschalköi. zwisclioii 'PsciKiwdyr - liissar uml Al- 
tynlascli. Stele aus weissem .Marmor in ein Maus eingemauert; 
in einer Bo^ennisclie steht eine Frau in Chiton und Man- 
tel, die Hechle vor der Urust. in der l^ini<en l{oci<en und 
Spindel, der Kopf ist ah«.fesDlittert; nehen ihr am IMViler eine 
kleine lUistc mit abgeschlagenem Gesicht. Höhe I. .")()'", Breite 
0,60'". ßuehstahenhöhe 0,02'". 

'A <; X6 TäraKO«; y.k (AJ'j'JiX- 

>.o; A|a]'jm>tr, u.vr,iJ.r,(; 
yapiv sTO'ji; Cqy' ("293). 

Das OL hat stets die Form A. Den ersten ßuclislahen des 
letzten Namens in Z. 1 las ich A. aber das wird ein Irrtum 
sein. Der Franenname in Z. 2 hieiht unsicher. 

Nach sullanischer Ära ist das Datum '209, nach aclischer 
263.ersteres ist wol wahrscheinlicher. Fs verdient Beachtung, 
dass die in Lydien so sehr iihliclK; Datirung der Grahsleine 
sich in Phrvgien last nur wcsllich einer etwa durch die lÄ- 
seuhahn Kutaja-.Miimkarahissar bestimmten Linie liudet 

19. Bunarbaschi. 20'''" (■»sl!i<;li von 'rschawdyr-hissar. Mar- 
morsäule, zum 'l'eil in der Fitlo. Dui'cbmesser 0, iO'". Buch- 
stabenhöhe 0,025'". 

'AxoXio; xal xa TEKva 

aUTO'J AI ßpOVTüiVTl 

£'j/r,v. 

Diese Inschrift ist wiederum (Miie niclilsi^pulkrale Weihung 
an Zeus Bronlon'. Ciimonl hat in dem .\rtikel 'Bronlon' in 
Paiily - W'issowas B('al('n('.vklo|);idie IM S9 1 die .Ansichl ge- 
äussert, Dorylaion sei I l.nipl kiillsliillc dieses Golles gewesen. 
Das sclieinl mir irrig zu sein .Mierdings ist die Ziilil der in 
Dorylaion gefundenen Weihiingeii an ihn reclil gross, mir 



' Vgl. M.A.I. ISÜ'.IS. i'i.i; i'IhmiiI.i .-^. ii\.' ;iiicli nl..-r iln- l'nriii Ai. 
.\TMEN. mittiu:ii,ijn(;i:n .\.\v. 27 



ilO Al.KltKD KOliUTI-: 

sind (l(M-en 13 helvaniil', aber Dorylaiüii liaL iihei'haupl melir 
Inscliriflen geliefert als die meisten anderen Städte Phrygiens; 
mit iltMi uiittMi veröffentlicliten steigt die Summe auf 1()'2. 
Zeus Bronton war siclier nicht die am höchsten in Dorylaioii 
\eiehrle Gottheit, denn nicht die nach ihm'^ sondern die 
nach derG()llermuttei* benannte Phyle riilimt sich die erste zu 
sein-'. Der lüihiis des Gottes wird, weil sich an ihn so gern die 
Verehrunii, der Toten anschliesst, überall in den Dörfern nicht 
weniger eifrig gepllegt als in i\vn Släihvn; als sein Hauptge- 
biet wird man den Landstrich ansehen düifen, der im Norden 
durch den Millellanf des Sangarios^ im Osten durch dessen 
Obei lauf und die llaimaneh, im Süden etwa durch die Grenze 
von Lykaonien und Phrygien, im Westen durch den Rhyn- 
dakos umschlossen wird. Dieser Bezirk ist zugleich das Ge- 
biet, in dem sich das phrygische Volkstum am reinsten und 
kräftigsten erhalten hat. 

20. Tschakyrsas, 2'^'" nordöstlich von Altyntasch. Marmorne 
Platte, unten gebrochen. Höhe Ü,6V", Breite U,52"', Dicke 
0,38'". Buchstabenhöhe 0,0-2"'. 

Auf der oberen Kante des Bahmens, der die Schriftfläche 
umgiebt, steht die Inschrift des Steinmetzen: 

Aüp. 'AörivoSoTO; Ao^iaeö; t£- 

Im eingerahmten Felde . 

Tov Oeov <Toi (!) ^:ri ä^Dföct? ( !) 



' ('uiiionls Auf/.äliluns' ist leiilfr ii rtifiiliit'iKl. Von den fünl' duicli Dntna- 
szRWski, Aicli. -cpij;''- MiHlicil. 188.3 vcrüircnlliolilcii SIcjikmi, die: cranliilirl, 
gcliüri'n vier nicht nach Dnrviai(in,ihrc i'iinddi Ic sind itis T.'i'''" von jener Sladl 
enlfcrnl; auch Cid. 3817 h .stanmit nacii (leihard, Andi. Anz. !.S'i8 S. 107 
nur ans der Ge{jcnd von Uoiyhiion. Zu Uadris Sainnihing { En PUrrfgir Nr. 
X ir.) sind hin/.u;:;ckoniincn CJiiUinf'ist'hc yd. An/.eii,'cn 18117 S. 'i(l8 11". Nr. 
52, 53, 54, 5(; und M.i.l. I'.MM) S. Iv'O. 

^ GöUinf^'isciie }^cl Anzeigen 18'.)7 S. 'i(l(l f ; dass der Zeus, nach ih-tn sie 
As'a lieissl, ei)en der lironlon ist, wird man annehmen dürlen. 

•■» Ehcnda S. M)0 Nr. 45. 

^ M.A.f. 1890 S. 442. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 4H 

5 "EvBa ßpoTO; x.a.TX/.iTy) || 6 til/.io; x.ai xaTi 7roOr,TÖ? 

Tpö^t[/.o? 'AvxepwTOi;, o? | »rorpirj xal yvwar, x.at £Z[c|Tr,ar, Se 

10 7:aTpi|So(; TrpoiTTäu.svoi; ßo'jXvi || xai y^'tiip-'O ä:civT(»>v 
icV/ipwIcraf; xä er-/], aT^ep Oeöi; töptlnev auTÖ, 
i/tTeXecavTa S!x|vO(; ÖTirep tcocci Saviöv £(jtiv. 

I)i(! Sclii'if'lzü^e sind un^cwölinlicli foin iiiid soi'i-iälli'r, die 
Zeilen durch vorgeritzle Linien begrenzt. In Z. 10 ist das v 
von Yvww.Y) nachtrliglicli übergeschrieben. 

Aurelios Atlienodotos aus dem 50''"' entfernten Dokiuiion, 
wo der nach der Handelsstadt Synnada benannte Marmor ge- 
brochen wurdet hat seine Kunst, auf die er so stolz ist, aus- 
schliesslich durch die Schrift bethatigt ; im Gegensatz zu den 
in dieser Gegend üblichen , reich ausgestatteten Grabthüren 
ist dieser Stein ganz schmucklos. Da die Künsllerinschrift 
dasselbe uimlüclvliche Hestreben Verse zu schmieden zeii;t 
wie die eigentliche Grabschrift, wiid Athenodotos auch l'ur 
die litterarische Form des Denkmals verantwortlich sein. 
Auch abgesehen von der das Metrum nicht berücksichligenden 
Einschiebung des Namens in den zweiten N'ers ist keiner der 
fünf Hexameter fehlerfrei. Der letzte Vers, der einen hübschen 
Gedanken der populären Moralphiloso|)hie enthält (vgl. Piul. 
consol. nd Aj)oU. 106 F, Kaibel Epii^r. Gr. (il.'). i lallt 
ganz aus der Konstruktion. Die sprachlichen liarbarismeu, 
vor allem <Toi f/.-o äSixyi'Ji; für gü uM a.^\.y.r,nr,'^ im Verein mit dem 
Aurelier- Namen des Steinmetzen nötigen, den Sieiii junger 
anzusetzen, als man es nach dem Schriftcharakter ihuii wurde; 
er wird kaum erheblich vor '.^^O nach (]hr. verfertigt sein. 

21. h]benda. Starke Marm()rj)Iatle mit Giebel, die Schrilt- 
iläche umgeben von einem gut gearbeilelcMi .MÜMudciliand. Ibilie 
1,17'", hreilr O.'.KI'", Dicke 0,5:.'". iiuelislal.rnli.die (I. ()-.»'". 

Auf d(M' (diereu Leiste : 
COIMHAAIK HCIC 



' Vul. SUalK. XI 1 .".77. 



412 



ALFllRD KOERTE 

Auf (Um- umrahmten SclirifinJiclK^ 



mimimm:imimiiW!^iiiim ^f^' o n 

WWri/mWMMfiB H A e n e 



w/iiMMWi/miwm/i 

5 rHc^Q\c'iiiimi!Wm/IMi//mi a n h p e N„ , A 
A e K I T A I liijMimn'i'im N O C ^^ K A 

T AK I -\ fWZtflllfjJi CXPONONHMI 
TeAHCACKOP§('^fenQNY 
MIHCKGK AHM6NOCeNMePO 

10 necciNO'/,eno^7/Hce0eoN 

Ain^NTONKOCMONATTANTA 
TTOAY I iMiOCeNOAAeKITAI 
CYNKOYPIAIHTAAOXQAMAPAN 
THCeAANOTATHI^YI^KYPIAAQ 

15 T A X Y ;/' ; O I r Q O C A C;^ ^;^ l;, e O C 

AYÜHCeNAerONICKTHNCYN 
reNIANATTACANANAPAMlAIXION 
l€ e Y K A 6 A ''///; //// A I A A O % C '//,^ O A 6 ü A n 
niKI OCK-OeOAOTOCeTlZQN 

20 TeCMNHMOCYNONenOlHCANe 
AYTO ICCYNTAICrYNAlZlN 
K MATP^N HAAAAMIMIIU^^ NAAYT^N 
KYPIAAOCleeYTYXIOCl^nATPIKIOy//) 

jij I A n n I K I o §f// g, ; i h ca n m n hmhc 

Die ScIirifL war ansclicincnd \\oiiii;or sorglällig als hei dem 
vori«j;(Mi Slciii.sic ist iinj^cincin slaik verwiltort. In den ersten 
/('iU'n konnte ic^li vor dem Stein nur vereinzeile Hiieli'lahen 
entzillern, auch der Ahklatscli versa<j;t hier. 

/ "^'i sieht ausserhalb der umrahmten Schriftnäche auf 
(leiu iiulcreu liamlc des Steins. 

Die erste Zeile liisst sich luud) der vorif^en InsehriCt eri^iin- 
zen -:0V Oeöv"; noi jj.t] är^DtriTn;. Die Wiederkehr derscdixui Spracli- 
lehler lasst an j;leich«!n Verlasser denken, auch di(! Form des 
Steins und gewisse Wendungen der harharischen Verse führen 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 413 

darauf, (Jics Denkmal ebenfalls dem 'Künstler' Aiirelios Allie- 
nodoLos von Dokimion zuzuweisen, aber Abweiciiunui'n der 
BuclislabeMloriiM'ii . \ui" allein Q stall (jj. s[irecb('ii da<;e^eii. 

Z. 3 71^6 7r6|[7r]p(i)[u,£]v[ov 

Z. \ Tj-/i>.£ I yvOüOl'T 

Z. 5 (XVTip £v[0]zjS£ jcixai 

Z. G -V vÖTCi) xaJTorKiTat C[(oy)l<; /pövov 7)y.'-|T£^y;<jX(; 
10 Kop[va(;] dTCü)vuj_ai-r); (!) /.6/.>r,y.£vO(; £v [/£p6|z£'7'jiv, 
ö[i;] £7r6[6jy)T£ OeÖv, [ Xi-wv tÖv /tÖTjj.ov JCTuavTa, | 

rrüv x.O'jpiöi-/i t' i.'Köyui 'AL/-apävJTy) (T£t/.vOTiT-ir; xe 
15 ijlcj KuptXXoi I Ta/u|^[jiloip(o, '6<; Öa[v£ vJeo?" 

AuTCTiiev ö£ yovu ke xr/V (juvjyEvtav awaiav, 

avSpa [jLiXiyiov | x£ Eu/Afa [jv] 'AiSao. 

...0 Se Ila7c|TCix.iO(; x£ BeoSoxo; eti ?^(Öv|t£(; 
20 avYiaÖTuvov ETiroiYiTav EJauTOi? g'jv xai; yuvai^iv I 

)t£ MaTpwvT]' ä>,Xä [XE Tx TjE/tva a'jTüiv | 

K'jpi>,>,o; )t£ E'jT'jyioi; /.£ IIaTpi>'.to[: | x-e 

n]air7rinio[i; STCojir'jxv av7)u.Yig | [ydcpivj. 

Die selbst für ein späti's pbryj^isclies (irabepi^rumin iiniie- 
vvöbnlicli schleclUen und verworrenen Wrse ^elien von Z I "2 
an ganz aus den Pilsen. Z 1*2 ist ein Hexameterscliluss. zu 
dem der erste llcilbvers fehlt. Die fol^^enden Zeilen sollen trotz 
des überschüssigen «ruv unil der metrischen Schnitzer olVenbar 
ile.vameler sein. Z I 7 f . ist ein ganz für sich steheiuler Vers. 
der dem Verfasser aus irgend einer anderen Grabill■^ell^i^l 
in h^rinneriing geblieben war: der i{anm gestallit nicht, ihm 
durch h]inscliiebung von te hinter xvf\:x und das episciie tiv 
für £v metrisdi aufzuhelfen. Selbst die folgenden Namen muht 
sich <lei' N'erfasser in \'erse zu zwiiiigen. wie iiaiiieiitlich /. -.Ml 
{xvy)[j,oouvov ETtoiriTav zeigt; dann giebl er die Sis^j)hosarbeil auf 
und fugt den Rest der zahlreichen Si|t|)t>. die an dem (irabe 
Anteil hatte, in Prosa hinzu. 

Man könnte aus V. 10 f. vielleicht schliessen, dass iler \'er- 



il'l AI.FHKI) KOERTE 

storhrne. dci' dio Well vciliissl. um zu Golt einzugelien, Christ 
gewesen sei', aber hei dein Fehlen jedes christlichen Ahzei- 
cliens möchte ich das (h)ch nielit riir wahrsclieinlicli hallen. 
Dass der 'Pole zur Goülieil eingelit, sicli mit ihr vereinigt, ist 
alter [)hrygischer Glaube'. 

•2\>. Kutaja (Kolyaion), bei dem neuen Gefängnis, vielleicht 
aus Aizauoi verschleppt^. Altar aus blauem Halbmarmor. 
Höhe 1,^20'", Breite 0,i5'", Dicke 0,40'". Buchstabenhühe 
0,03'". 

A'jp. rxtj>c(i)v 

Mäp)C(i) Tcaxpl [jte 

IIJaÜXTl [JLTlTpi 

p-vir)]u.7i(; [/_Äpiv. 

23. Ebenda im Griechenviertcl. Säulenstumpf aus Kalk- 
stein. ll<)he 0,45'", Durchmesser 0,30"". Buchstabenhühe 
0,0V". 

+ 
'A'j)tavt- 

(xv[j.Y); (!) 
yaptv. 

' + 

Dss O hat eckige Form o 

24. Beim Bahnbau zwischen Akkaja und Sapundsclii-bunar 
bei km. 30 gei'unden und nach h^skischehir geschatll. Altar aus 
grauem Marmor. Höhe 0,88"', Breite 0,3'J'", Dicke 0,27'". 
P,uclisl:.l.culiöhe 0,02'". 



' Auch die (liMii lOpigraimti voiaii^cschittklc W.ii iiiiii^, wrim ich sie rich- 
l'n; ii;ich Aci vdiaiigcheiidt'ii Inschrift t;i|;äii/.l halic, K'''ht hciih'ii Slciiicii 
sfhfiiihai ein chiislliche.s dcprägc. 

••i Vgl. hcsunders Raiiisay li.C.H. 1898 S. 230. 

•' l)as (Icräiignis isl 18'.).{/'i nicisl ans den Sit/shifcn dcsThcatcis von Ai- 
zauoi (Mhaul, aui' iinMiirii liiüichl liiii hal alter I']\(,'. llarii(ly-li<'.V <lH('ür gc- 
sorgl, dass thüi I'ioviii/.ialhchiirdL'ii dir Irincrc Vcrwüsliiiig i\r\- schiiiisli'ii 
Uiiiiiciislällo Phiygiciis eucigiscli vcihulcii worden ist. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN VI. 415 

Vorn oben oinc woibliclio (?) Biisto , im Hauplfckle Diony- 
sos mil (Jickem Kplieu (;'j-Kranz auf dem HaupL, einem scliär- 
penarligen (jewantlsliick scliiüii; ülier den Haucli, einer 'l'rauhe 
in der Unken und einem einfachen Stab in der Rechten. Ne- 
bris undThvrsos sind von dem sehr uni^eschickten Steinmetzen 
otTt'nbar missverslanden. Auf der rechten Schmalseite oben 
Ikikranion, unten Schlange, auf der linken weibliclie Gestalt 
mit Traube, vvol als Mänade gedacht; auf der Rückseite Wein- 
stock, aus einem zweihenkligen Gefäss herauswachsend. Die 
kindlich unbeholfene Arbeit gleicht der von Nr. '28. Photo- 
graphie j in der Sammlung des athenischen Instituts Ä7d'//zrt- 
sien Nr. 54. 

Vorn links von Dionysos die Inschrift: 

'AvSp- 

£00 
5 UTTSp 

eauT- 
ToO (!) 
>iai T- 
ou Boc- 
10 /oo (!) rr- 
(OTYipia? 
Aiovöryo) 

Die jibscIuMiliche Zeilenabteilung ist durch die lUicksicht 
auf die h'ii;iir des Dionysos verschuldet. Obwol noch jetzt an 
den veiscliicdciislcii Oricn des phrygischcn Hochlandes Wein- 
bau mit voilrclllicliciii l'>rf(tlgt' bcIncbiMi wird und wir das 
Gleiche wol l'iir das Allciliiin noimusscIzcii diiiTcii. sind (loch 
in diesem ganzen Gcbiel W Ciliiingeii an Dioiiysos aiissentr- 
dentlich selten '. 



' Vfil. C.I.C. :!S.".Sr. ( Allxnlasclii iiml .\ iiiinli ilili nisl. ISC.I S. 188 Nr. 
:V.t (Aiwaiv). 



4 Iß AI,Fl!Kn KOERTE 

•?r». Akkaja, an dei- nalmliiiio I^skis(;lioliir-Kiilaja Ix'i km. 30. 
PlalLe von einem [»yzanlinisclien Marmorsarkopliai^ mit l^au 
lenmuslei-, links i-eln-oclien. Il()lie 0, <)()'". Hreile 0,70'", Dicke 
0.1 ;V". Huclislalicnliidic 0,0-.>"'. Spüle verselinin-kelle Buchsla- 
hen formen. 

Ka]>.avStö)vou<; (!) oiaKOvou x,e Aöy.vou Siaxc- 

X£ T- 

■rceS- 

l(i>V 

auT- 
uv. 

t 

26. Gümhol am We^e Kalaja-lnönii, etwa '20'^'" von lelz- 
lerem. ielzl mit der falselien Provenienzancabe Söüüd in das 
Museum im Tschinlikiosk j^eschatll. Marmorner Allar. Höhe 
0,ßV", Breite 0,:U"', Dicke 0,21"'. Buclistahehliölie 0,02'". 
Vorn oben Mondsichel, auf der Ilauplllaclie barliiie. lanuue- 
lockte Büste des Zeus, unten halbrund abgeschnitten, die 
Rechte sieht ans den Falten des Mantels heraus, auf der rech 
ten Schidter sitzt ein Adler. Auf der iUickseile zwei Stier- 
köpfe und darunter ein Pilug, wie sie noch jetzt in Anatolien 
mitunter vorkommen. An den Schmalseiten Vasen und Wein- 
stock. Photographie in der Sammlung des alh(!nisclien Insti- 
tuts Kleinasien Nr. lOO. 

äyaG ( Mondsichel ) r, tu/y) 
Ai[i] ßpovTÖivTi M£v[ri; 
Büste 

<Tlv] TOÖ Oeo'j. 

I'iir die beiden lel/tcn l')n(dislaben in /. 2 ist nur iiiiler d»M' 
Voraussetzung IMalz. dass sie nrilcr einander und mit N ligiert 



KI.EINASIATIJ^CHK STUDIEN. VI. 417 

warf'ii; atiC rlcm Aliklalsclio gl;uil)0 icli don .Xnsalz der Ouer- 
liasta des H am Schenkel des N zu erkennen. In Z. ?> ist TC 
ligieiL. Intci-essanl ist das Vrti'kommen der iMoridsicliel an ei- 
nem Denkmal des Zeus Bionlon. ein neuer ik'weis für den 
zii<^leicli liimnilisclien und chllionisclien Charakter des Goltes. 

'27. Iliijfel zwischen Kowaldscha iiml infinii. Altar aus 
Marmor. ilöhel.Oo'", lireile 0.38'". I)i(d<e 0,38'". Buelista- 
benhöhe 0,055"'. I 

Auf der linken Seile lUikranion . an( der rechten IMlu^. 
Von der stark verwitterleri Inschrü'l konnte ich nui- die letzte 
Zeile enlzifTern : Aü ßpovTCüvrii. 

28. In()nü vor dem Konak (jetzt im Museum in Konstan- 
tinopel). Altar aus Kalkstein; Höhe 0.95'", Breite 0,42'", 
Dicke 0,35'". Buchslaher.höhe 0,02-0,03'". 

Vorn auf dem obersten etwas ausladenden Teil des Altai's 
die bärtit;e, lanij[j>;elo(d<le Büste des Zeus unter einer Guir- 
laiule. Dai-unteraid' der Prolilleisle äyaO-ö to/y). Auf der llaupt- 
fläche vorn Hermes, nackt mil K()|)in(i<;eln. einen Beutel in 
der Bechlen, ein Kerykeion in der ijiiken. Hinter ihm, zum 
Teil von ihm verdeckt, ein nach rechts schreitender \\ idder, 
rechts von diesem ein bekränzter .\Itar. darauf ein .\dlei' mil 
einem Blalt im Schnabel. Auf Ak^v linken Nebenseite oben 
ein W'einstock. der aus einem zwei lieii kl igen Gefässe heraus- 
wächst, im liauplfelde zwei Bukranit'U. darunter ein Pllug. 
Auf der Biickseile ein L(»we. 

Am Sockel der Vorderseite: 

All ßpOVTÜiVTl 67fl0- 

X.ÖOJ Oeö) AaSx; Aaua 

r;uv TOt; t£/.voi; O- 
vTiiiacü xxt AiO()ioc (:') 
5 xai Xp'j'jiü) ÜTcep Toiv 

Der aiilTallend leielie ligurliche Scliiniick ist cIkmiso roh 
ausueliiliit wie die Sehiill /. 2 uiebt Krelschmer, Miiileitiin^ 



'lIS ALFHKD KOERTE 

in ilic GeschicliLe dor iz;riee.liis('hen Sprache S. 337 den 
Namen nach meiner Ahschrifl AaSz; AaSa. aber auf tlem Ab- 
klatsche erkenne ich jelzl den voi'Ielzlen Buchstaben mit Si- 
cherkeit als (x. 

29. Ebenda. Altar ans Kalkstein. Höhe 0.70"', RreiteO.SS™, 
Dicke 0,35'". Buchstabenhöhe 0.035"'. Auf der Biickseilc ein 
Adler und darüber ein sehr zcrstiu'ler Kopf, wol Zeus Bron- 
ton . 

ayocOri Tuyy) 
All ßpovToiv- 

Tl M£VV7)(; 0- 
6(Xk0\) CUV TE- 

5 xvot; xaxä i- 
TCtTayriv av- 
£«jTy)<jav. 

30. Ebenda, an einer Brücke. Altar aus Marmor, oben und 
rechts beschädigt. Höhe 1,20"', Breite 0,00'", Dicke 0,47'". 
Buchstabenhöhe 0,02'". Über der Inschrift Hermes mit Beu- 
tel in der Beeilten und Kerykeion in der Unken, rechts von 
ihm eine Figur im Mantel. 

'ElTrayaOiwv «I> 

Töiv !Siü)v '{[axfini 
aüv aoeXcpüi Ai[i ßoov- 

5 [xcivTl]. 

Von dem ersten 6 in Z. I glaube ich auf dem Abkialscbe 
einen Best zu sehen. In Z \ ist möglicherweise am Schluss 
der Name des [Bruders zu ergänzen, doch vermisst man un- 
gern den Namen di':^ Gottes, aiudi glaube ich schwache Spu- 
ren einer in n den Zeile zu erkennen. 

31. Ebenda, an einem Brunnen verbaut, schwer lesbar 
Von Domaszewski unvollständig verölVenllicht .\rcliä(d -epigr. 
Millheiliingen i.SS;^, S. 170. Altar aus Kalkstein ; llöheO,.S7'", 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 419 

Breite 0,38,'", Dicke 0,30'". Buchstabenhölie 0,02'". Auf der 
linken Schmalseite ein Adler, auf der rechten zwei ßukranien 
und ein Kranz, auf der Bückseite ein Weinstock. 

Eüi^y.ioi; 'laxiv- (!) 

60U 7C£pl auTO'J 

y.a.1 Tüiv eiStcov 
AI TeXs'j^öpü) 
5 i^yri<; yßp^^- 

32. Ebenda, in einem Hause. Altar aus Kalkstein; Höhe 
0.96™, Breite 0,i2'", Dicke 0, VI'". Buchstabenhöhe 0,025'". 

All 6<; (yi\)'kr\c, e- 

77Y))C6(>> 6e(0 

oi OaTra xat Faiou 
x'Xvipovou.oi uTTsp 'Arr- 
5 x'XrjTctäSo'j TO'j Aa- 
aa uiou £'jy7]v 

T'/ivSe aV£'<3TYl«TaV 

Sovte; Kxi TEiJ.evo'j; 
uTuep auToG Toi Oeö 
I Kai T/i xwav) aTTi>ca<; 
ß xai t' 
ihiKX EtXwa e/iv tov 
Oeöv. 

In Z. 'i ist das letzte o von xAY)pov6u.oi naclitriiulicli nlici' das 
u. ifesclirieben. /. 12 und 13 stehen unten am SkcUcI. 

P's ist mir nicht pdiiuiien alle Biilsol zu l()sen, die dicsiN- 
Stein aufi!;i(d»t. Den Ze-j? e; aüXr,«; ki'mnle man als dvi\ 'Epxtto; 
aulYassen, aber dann hlcihl die Präposition ä; autVaiicnd Ifh 
mitchte deshall) eine andere Erkläiuiiir Norsehiam'ii. \N da- 
moNvilz hat kürzlich ' den auf .Mnnzi'ii \on Magnesia am .Miian- 



' CluUillyisciH' gfl. Aii/.ri^'i-ii l'.KUI S .■)7;{ Aiim. 3. 



420 ALF 11 Kl) KOK UTE 

der vorkoiniiUMitlcii Apoüdii Aiilailcs mil dem von l\iusa- 
niiis X 32.6 dort erwäliiilcn Apollon in einer llölile idenlifi- 
cirl und den X;inien jenei' KullsLälle aus TXxi in AO^ai ver- 
l)esserl. Der llölileniiolL lieissl also Anlailes. I^^'rner i'al) es in 
Arkadien ein Ileilii;lum des Pan, das nach Alian ruit. (in. 
XI (') den Xamen AüXr, IVilirlt" uiul olVenhar eine Höhle war. 
I']ndlieh ist olIikIo'^. das Detninulivuni von auXY), im Sinne von 
Höhle <:;an/. i;el)riiuciilich '. So «jjhiuhe ich auch den Zeü? i^ 
aü>Y); als Il()hlen -Zeus auflassen zu dürfen, ohvvol ich für 
das Suhstanlivuni aü'Xy) diesen Gebraueh sonst nicht nach- 
weisen kann. Besonders empfohlen wird diese l^rkliirung 
durch die Thalsache, dass die Inschrift iranz in der Nähe ei- 
ner «ijrossen Höhle gefunden ist^, nach der die moderne Ort- 
schaft Inönii ( Höhlen - X'orderseile) hi'uannt ist Genauer ge- 
saut sind es zwei von weither am h'elsen unmittelhar über 
dem Dorl'e sichtbare HöhhMi. Die obere, durch einen steilen 
Schacht mit der unleren verbunden, scheint sich tief in den 
Berjij hinein zu erstrecken; ich konnte sie nur etwa 50"' weit 
bis zu einem klaren un<l anscheinend tiefen Wasserbecken 
verfol'ijen. Die ijjeräumige, etwa 15'" hohe unlere Ibible ent- 
hält vorn Beste einer mittelalterlichen Absciilussmauer und 
auch sonst Spuren menschlicher Arbeit, aber nichts, was sie 
als antike Kultslätle erwiese. Vielleicht liegen anhke Beste 
unter der dicken Schuttschicht verborj;en. Dass der lM;ilz zur 
Kultslätte wie iicschalTen ist, lieii;t auf der Hand. 

Ist meine Kombination richtii; , so war der Zeus aus der 
Höhle gewiss kein anderer als dei- hier iiiid in {\vv Umgegend 
so viel verehrte Bronton '. zu dessen chthonischem (llwirakter 
der Wohnsitz in der llrdde so gut passl. 

Warum die lilrben des Bapas und Gaios dies \\ t'iliL;eschenk 
nicht in ihrem eigenen oder der Erblas.ser Namen darbringen, 
sondern IVir Asklepiades, der ni(dit etwa ein vorzeitig ver- 



' Ar. Lys. 721.So|>h. I>iiil. !',!, Kur. /■.//'•/. .'i'i'i, Slc|ili. Hy/. s.v. Ai.h',. 
2 Piiologiuptiii; des Ausscifii in der alliciiisclicii liislihils - ."^iiiiiiiiliinj 
KIcinasien Nr. 170. 
^ Vgl. Nr. 26-30, 33 und 3^i. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 40] 

storhenes Kind finos der Rrhlasser, sondern Solin oincs Du- 
mas ist, das entzieht sich meinem V^ersländniss. KhensoweniLi 
verma«; i(di den Genitiv teu.evo'j; zu erklären ; man \Niirde ihn 
am liehslen als <,^enitivus partilivus von äT-rtx.äc ahhäni^cn lassen 
und ein Flächenmaass dazu ei'i^änzen, aber ich halle für i^anz 
unwahrscheinlich, dass die ocTu/.ai etwas anderes sein kennen 
als ^pa/[/3(i V In/ 12 ist die höse Form tlldix gewiss alsMiss- 
hildung von iXecj; zu verstehen. Das e ist von dem w ver- 
schlunj^en und t>ü>c dann nacii Analogie von rlpw«; deklinirt; 
in der Aussprache jener Zeit stehen beide Worte sich ja laut- 
lich besonders nahe. 

33. Tschukurhissar , letzte Eisenbahnstation vor Eski- 
schchir. Unterteil einer ziemlich roh gearbeiteten iMarmor- 
stele,mit anderen Steinen eine Stunde westlich vom Dorf »e- 
fluiden, jetzt Treppenstufe in einem Hause. Höhe 0.75'", lireile 
1.00'". Dicke (),2()'". Huchstabenhöhe 0,03'". 



M/iWiiMiMIl/i^ N K A p n n 'i// . n z b p ; m//i 

£^^WMyl2TAXYE22ITE0HAHTM^;^^ 
Ä//MHTPEOAnPOZErnAITOMAIKPO 
IIAAZEYAM^t^lTEOISBnMOlZINErTHP 
5 PATAOYMATAPEZnN 

SAABiniOYAlANAKAIKA 
ATTOYPNIANnTTEIxnNIY 
n A T O I Z 

ßpe/j yaijav, 
JtapTtü) [ÖttJüx; ßpi[0-/i | /tai h]l TTayOeTCi teÖtiX?). 
tTaÖTJi [ce] MyiTpsöScjpo? eyw li-cjy.on. Kpo|[v]iSa ZsC, 
5 äa-pi T£Ot; ßwuciTiv i-x-'np\\pxxx (!) OöuaTa pt^wv. 

i^aXoio) lo'jXiavüJ y.al ]\a- 
^.TTO'jpv'.avö) llet^(i)vt 0- 
ttxtok; (175 nach dir ). 



' AtTiza' iiliiic Ziis;il/. von opa/uai iiiMltii s\r\\ i . \\. in nit'i;i|Milis, ,I;»lir- 
liucli des Inst., Ki,ii;in/,iinL;N|ifrt W Nr.t i7, I lU, if'il ; .incli .I<>s('|.|iiis dcheil. 
Jini, II i.'l,-J gebiauclil das W'urI so. 



•r20 ALFUKn KOEnTE 

Die Insclirift ist in nielirfacher Ilinsiclit interessant. Vor 
allem durcli ihre Datiriinij; nach den Consnln, wofür mir 
kein Beispiel unter den pliryii;isclien Weiliinsehriften von Pri- 
vatleuten bekannt ist. Die Analoi:;ie der rüniisclien Formel 
Salvio Pisone corisidibus hat den Dedikanten zu einem grie- 
chischen dativus absolutus verführt. Dass der Stein den Con- 
suln i^ewidmet und der Daliv hierdurch ij;erechtfertigt sei, ist 
ja nach Inhalt und Fundort ausgeschlossen, denn was hatte 
ein phrygischer Bauer mit den consules ordinarii in Rom zu 
thun? Die Namen der Consuln sind nicht genau wiedergege- 
ben, sie heissen P. Salvius Julianus und L. Calpurnius Piso, 
nicht Calpurnianus (vgl. Prnsnpni^ra/>/ua im/), liom. III 
lOG und 1 '28r)). Von dem Epigramm, das in Wortwahl und 
metrischer Form für ein phrygisches Dorf aulTallend sorgfäl- 
tig ist, scheint nur der erste Vers mit Ausnahme der letzten 
Buchslaben zu fehlen. Dass er eine Bitte an Zeus, sicherlich 
den Bronton, enthielt, die Krde mit liegen zu befruchten, wird 
durch das Folgende klar. Heute wie einst hängt auf der Hoche- 
bene von Stärke und Dauer der F^'ühlingsregen Alles ab; regnet 
es im Mai noch kräftig, dann strolzt auch heute die Erde von 
Baumfruchten und prangt in Ähren. Z. 1 hat etwas weitere 
Buchstabenslellung als die folgenden Zeilen. Vorgeschwebt 
hat dem Dichter vvol Hom. t 11'2. In Z. 3 veranlasste der 
Zwang des Metrums die Unform MviTpsöSwpo;. 

34. Ebenda, in einem Hause. Viereckiger Kalksleinj)feiler, 
die Inschrift links zum Teil ausgemeisselt. Ihihe (I, 'i8"', Breite 
0,22'", Dicke (),2V". Buchslabenhöhe 0,02'". 

äyxO/i xüyo 
Ilpö/tXa 

T£)t]vOl(; 

5 äv£]'7r-/i'j£v 
Ali ßpojvTÖ»- 

VTl £'Jy]7)V. 

Das letzte v in Z. 5 steht über dem t. 



KLEINASI.VTISCHE STUDIEN. VI. V?3 

3."j. I^ljonda. Zwei anpassondo Bruchstücke eines Grab- 
steins, ein drittes ist als Basis eines llolzpfeilers heiuit/.l. 
Breite OJ.")'"; Buchstabenhöhe 0,0'25'". 

aoTY) yäp cpOtaeTvjO'.; eixi ] /«pi? [(p]i>.io<;. 

30. Ilamidieli, 8*^"' siidwestlicli von I'^skisclieliir, am l'\isse 
von Karads(dia-scheliir auf einem aiiliken Triedliof. Stele ans 
Marmor; llölie 1,00'". Breite 0,0^2'", Dicke 0,18'". Buclisla- 
beiiliölie 0,0 V". (jher Aev Insclirift rohe Büsten eines Mannes 
und einer Frau. 

äyaOyi tu^"0 
Aüp-^Xioi EÜt'j- 

■/iv. 'ATCOXXcdviSY) 

Kt SxkXoKicn yo- 

5 VE'JTIV r70V A'jp. 

pi [y.ou Ali ßpovT- 

Dieser und die loliienden Steine kamen im Sommer 1805 
heim Inii-rahen des Ackers zum V^^orscliein. Wie mir die 
Bauern versicherten, laujen sie auf und bei allen Gräbern. Da 
eine ältere Inrkiscdie Niederlassuni; an dieser Stelle nicht iiaeli- 
Nveisbar ist und das jetzit^e Dorf erst vor etwa zehn Jahren Vdii 
Sultan Abdul Hamid am Fusse der ältesten Osmanenbiiru fiir 
verarmte Na(dikommen Osmans erbaut wurde, werden wir 
IVir das spätere Alterliim und die byzanlinisclie Zeit hier eine 
Ansiedelung voraussetzen müssen ( vii;l. Götlingisclie t!;el .\ii- 
zei-ren I.SU7 S. 3.S,Sf.). 

Der braven luitychia ist die Abrassiinj:; des '{"«'Xles olVeiibar 
etwas sauer «jjeworden : Der Siein ist. wie so viele in IMiry- 
}i;ien, ziii;leieli ein Anallicm liir /cus Bionlon — daher die 
Üherscdirilt äyaO/, tu/-() — und ein (irabslein lur die veisliir- 
benen Eltei'u der luit)chia. Als sie anlini^ A'jpr;Atoi, beabsich- 



Vi 



Al.rUEH KOEUTß 



ti^to sie iliiiMi Mann ncltcii sicli im Xoniinaliv anziiliilii'(Mi , 
sie lälll dann altci' ans dov Konslrnlvlion . wril die VVeiliun^ 
an dio l^^llern oinij;os('li(d)on und diM* Anteil des Gallen auf die 
\\'eiliLni|j; an Aon GolL ItescIiränkL wird. 

37. FJi(Mnla. Marinonie Stele mil Giebel, in diesem Hukra- 
nion nnd 'rranhcn. (iIxt der Inselirül Kran/. Iirdie 0.3V", 
Breite 0,5-2'", Dicke 0, I 1"'. Buclistabenhidie 0,03'". 



Xp'jciü) >c£ Ali ßpo- 
ToJvTt (!) suy^'ov. 

38. Ebenda. Altar aus Marmor: Höhe 1,55'", Breite 0,55'", 
)icke 0,35'". Bücbslabenböbe 0,03'". 

5 TO'j Y^^P ^*' I ^^^'^^ Sw^Oalv/i^ UoEu; | »>öv T60i;£v a||ya>.aa 
auTJo; ö Tr,v 7:'k\xy.x hslc, Aio|aY;ö7i^ tSpuce | ßcow.ov. 



Die durcli Einscliiebung; des Namens SosLJienes oanz ans 
den Fuü;en i;"e«i;anL;enen Verse sind in ilirrr rnb<'lioirenli(Mt. 
scliwer verständlicb. Sie besagen wol: '( Dem Goü) dessen Bild- 
säule ja aucb der Obeim Soslbenes als Priester Dir sliflele, 
erricbtele Diomedes.eben der welcber die Insebrift setzte, ei- 
nen Altai*. Aisoder Dedikant Diomedes und sein Obeim. der 
Priester Sostlienes. babeu sieb beide um einen niebt genann 
len Gott verdient gernaebt. der eine dundi Weibnng des Kidt- 
bibb's. dvv andere diiri'li l'j'iiclitting des Altars. Das Wort 
Tz'ky.l im Sinne von Inseln ilt lirulet sieb aneli inj bena(dibarten 
Dorylaion in einer VVeibnn^ an Artemis ( GiWtinj^isidie g(d. 
Anzeigen l!SV)7 S. 'i07). Der Gebraneb ist wol so zu erklären, 
dass Inscbriften viellaeb auf bes(tnders eingelngle Slein|dat- 
ten gescbrieben wurden. Die späten h'elsgrüber von .lapnldak 
tragen Ijesonders viele Spuren von sobdien. Dieser Altar ist 
olTenbar erst nacbträglicb, \\(d in cbristlicber Zeit, als Grab- 
blein benutzt worden. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 425 

39. Ebenda. iMarmorplatte; Höhe 0,72"*, Breite 0,35'", Dicke 
0,15'". Buchstabenhöhe 0,03". 

MoÖTa ui- 
€i Movxjai- 

40. Ebenda. Oberteil einer Giebelstele aus Marmor; Höhe 
0,75'", Breite 0,60'", Dicke 0,1 0"\ Buchstabenhöhe 0,03'". 

Tetaato? "A<ppt (!) 

AaSa fx-i^Tpl viS 

^;/^/^)^]äptv (?) )cat Tvaxpi tSicö "A!p[p(i). 

Der barbarischen Mischung griecliischer und lateinischer 
Deklination entspricht die rohe Schrift (uj). In Z. '2 ist der 
letzte Buchstabe sicher A, der vorletzte N oder H, die Er- 
gänzung ist mir nicht gelungen. Vor /J^tpiv ist lür p.vr,ixYi; kein 
Platz, die geringen ßuchstabenreste vor A lassen sich auch 
schwer mit X vereinigen. Der i\est der Zeile von kolI an ist 
mit kleineren Buchstabon nachträglich hinzugefügt. 

41. Ebenda. Antike Marmorstele, in christlicher Zeit um- 
gedreht und neu verwendet. Höhe 1,35'", Breite 0,50'", Dicke 
0,20"". Buchstabenhöhe 0,00'". Über der Inschrift rohes Kreuz. 
Das hat eckige Form B, ou ist ligirt ^ . 

evöa 
xaT(X)cy)T6 
'Icozvvrg 
IlaTEpvoy. 

Dorylaion. (Nr. ^.>-iO). 

4''2. Eskischehir imTatarenvicitcl. Bniclisiuck »'inci- grossen 

ATHEN. MITTHEILUNGEN X.VV. "^S 



-'r?6 alFhEd koerte 

Basis aus graublauem Marmor, oben gebrochen; Höbe 0,98'", 
Breite 1'". Buchstabenböbe 0.05"'. 

'ApTejAidia? 

£7rifX£'Xri'5£VTO; tvi; äva- 
cräoeci); Mai^ijjLOu Euxuyou. 

Form, Abmessungen und Inhalt machen es so gut wie 
sicher, dass auch dieser Stein einst ein ehernes Bild des C. 
Voconius Aelius Siratonicus Acamantius trug, dem im An- 
fang des III. Jahrhunderts alle Phylen der Stadt Statuen er- 
richteten (vgl. Göttingische gel. Anzeigen 1897 S. 399 IT.). 
Zu den sieben durch diese Widmungen bekannten, nach der 
Gr»tlormutter, Zeus, Poseidon, Sera[)is, Apollon, Aphi'odite 
und Augustus benannten IMiylen von Üorylaion kommt nun 
als achte die Artemisias. 

43. Schar-öjük. im VV. des Burghügels verbaut in eine 
Mauer. Marmorbasis mit den Fussspuren einer Statue. Höhe 
1,75'", Breite 1"', Dicke 0,70'". Buchslabenhöhe 0,05-0,085'". 

TOV £7i:i(paV£(TTaT0V 

Kaioapa M. Aup7)[Xiov 
Ma^tjxtavöv 
5 EufffiSy] Ei\jr\jyri S£€(a(iTÖv) 

TiyEjy.ovEÜovTO«; toü 
Siarj-iiixOTOtTOu 'lou(Xiou). 

Uie Buchstaben von Z. ^i und (i sind beträchtlich grösser 
als die der anderen Zeilen. Von Buchstabenformcn ist nur Y 
hervorzuheben. In Z. 1 ist das Iota adscriptum halb so gross 
als di(! anderen Buchstaben Das letzte N in Z. V^ ist in O ein- 
geschrieben, dasselbe ist am Schluss von Z. 3 vorauszusetzen. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 427 

'lou (Z. 8) ist offenbar die sehr häufige Abkürzung für 'lou- 
Xio'j und die übrigen Namen des Mannes werden auf der mir 
nicht zugänglichen Rückseite gestanden haben. 

44. Eskischehir, bei einem Neubau nahe dem Bahnhof, 
von Schar-üjük verschleppt. Stele aus grauem Marmor, links 
beschädigt, über der Inschrift Girlande, an der rechten l^cke 
Widderkopf, unter der Inschrift Spiegel, Spindel, Hocken, 
Arbeitskorb und zwei Sandalen. Höhe 1,32"', Breite 0.55'". 
Dicke 0,17'". Buchslabenhöhe 0,03'". 

MevJavSpo; Sevexico- 
vo?] MsXtTivT) yuvai- 

Xi YJXuXUTaTYl TUV^V]- 

axan] ETTO -x- y^Sew; xai 
5 a[jL]£{j(.7:T(o; cov t£- 

Jtvoji; TtSepiw xat AaSa 
xalt NsiKOiy-Vi^Yi jtai Pop- 
yi]x Oavoüav) stcI $6- 

Vier überlebende Söhne sind in dieser Zeit der unfrucht- 
baren Ehen schon ein ungewöhnlicher Kinderreichtum, der 
aber doch durch die lebenden Kinder einer andern Grabschrift 
aus Üorylaion (Göttingische gel. Anzeigen 1807 S. 'iI3 ) noch 
weit übertrolTen wird. 

45. Ebenda. Stele aus grauem Marmor, links l)estossen. 
Höhe 1,77'", Breite 0,60'", Dicke 0,1 6'". Buchslabenhöhe 0,035"'. 
Sorgfältige Schrift mit vorgeritzlen Linien und wenig Liga- 
luren (¥ W). 

H. AtXio) 'AcK^yjTriaSr, 

TsTTia Apouciavr) 
5 nüjjLbio; Tüi yXuxuTa- 

TO)] avSpt TOV ß(j>{JI.6v 

av]e(TT-ir)(i£v p.vrifjL7)(; 



4'?8 ALFllEU KOEUTE 

In Z. 1 steht die Spitze einer wagerechten Hasta so nahe 
an dem Ansatz einer senkrechten, dass TT allein möglich ist; 
dahinter ein Punkt. Dass der in Dorylaion, also in der Pro- 
vinz Asia, bestattete Asklepiades ßouXeuTT^? einer bithynischen 
Stadt ist, fallt auf, ist aber nicht ohne Beispiel, in den Göt- 
tinirischen gel. Anzeii];en 1897 S. VI 2 Nr. ßA ist der Grabstein 
eines Mannes veröffentlicht, der gleichzeitig dem Rat von 
Dorvlaion und Nikaia angehörte. Zu beachten ist die Bezeich- 
nung des Grabmals als ß(0[jL6(;(Z. ß), obwol es nicht die Form 
eines Altars hat umgekehrt werden mitunter Steine in Altar- 
form Oüpai genannt'. Das Thor, durch das der Tote zu den 
Göttern eingeht, und der Altar, der seine Göttlichkeit bezeugt, 
sind die beiden üblichsten, aus der gleichen Vorstellung vom 
Wesen des Toten erwachsenen Formen phrygischer Grabdenk- 
mäler ; daher werden beide Bezeichnungen unterschiedslos für 
Grabmal gesetzt. 

46. Schar-öjük in der Süd-Mauer. Schlanke Marmorstele, 
die Spitze beschädigt, über der Inschrift Kreuz , im Giebel 
Rosette. Höhe 2,95"', Breite 0,93'", Dicke U,25"'. Buchstaben- 
höhe 0,035'". 

(xo; CUV Se'^TO) 
TW Tcaxpt- 'IöXy) [xr,- 
rpi yXuxuTdcTV) [Jt.viQ- 
5 [XYi; X^P^'' 

Die durch ihre Höhe auffallende Stele zeigt späte Buchsta- 
benformen für CO und ^. Vor 'IöXyi ist ein Punkt, um den Na- 
men des mitweihenden Vaters von dem der verstorbenen 
Mutter zu trennen. 

47. Ebenda. Altar aus graublauem Marmor. Höhe 1,23"", 
Breite 0,85'". Buchstabenhöhe 0,04'". 

SepaTriöSwpoi; 
OuiyYiXXitoi Tva- 



* Vgl. Ranisay Journal uf Iwlleuir slmlies 1884 S. '251 und Cities and bi- 
shoprics of Phrygia I S. 3G7. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN VI. 429 

5 a? X'^^P'^* 

FlervorzAilieben ist an fler sorgfältig geschriebenen Inschrift 
die dreimalige Anwendung des Iota adscripliim. 

48. Eskischehir, bei einem Barbier gegenüber dem Bahn- 
hof. Stele, unten gebrochen, über der Inschrift Adler mit 
Blitz in den Fängen. Höhe 0,95"', Breite 0,63'". Buchstaben- 
höhe 0,04"". 

'EXTTiSia M«- 
^i[jLO'J 'Ovyi- 
ni^M *I>povT6- 
ivou ävopt yXu- 
xuTjaTü) {/.vri|xy)(; 

Späte Buchstabenformen z n , 

49. Ebenda. Stele mit Giebel, in diesem rohe Büste, über 
der Inschrift Tänie. Höhe 1,15'", Breite 0,5i"'. Buchstaben- 
höhe 0,035'". 

©eoyevYi; 06- 
oyevoug 'Pou- 

<p(i) TEXVü) TCpO- 

|xoip(i) xal EuTtp- 

5 TCT) ji.Y)Tpi ^aXJY) 

avearviCEv. 

In Z. 5 ist das N vom Steinmetzen aus H verbesscrl. 

50. Karadscha-öjük, 8'"° östlich von Eskischehir, auf dem 
Friedhof. Unten gebrochene Giebelstele aus blaucin Mai inor, 
über der Inschrift Lorbeerkranz. Höhe 0,7 V", Bivite (l.5->"', 
Dicke 0,19'". Buchstabenhöhe 0,0 '.5'". 



£T£ip.Yl«TaV 



430 ALFRED KOERTE 

[/[et]« T£)CV(i)V 

Aup. SxJpaTov- 
sixov]. 

Diese Insclirit'l ist schwerlich von Dorylaion verschleppt, 
denn dicht bei dem Dorfe fand ich Spuren einer alten Ansiede- 
lung. Topf'schcrhon und Zici>elbrocken. Überhaupt muss man 
mit der Annahme von Verschleppungen in diesem Teile des 
Hochlandes sehr vorsichtig sein, denn die Dörfer waren im 
Altertum hier sehr zahlreich und wolhabend genug, um Grab- 
und Votivsteine in Menge zu setzen. 

51. Tschaulum , IS"^'" östlich von Eskischehir. Giebelstele 
aus Marmor, in der Vorhalle der Moschee als Pflasterstein 
benutzt, sehr abi^etreten. Höhe 1,35'", Breite 0,'i8'". Buch- 
stabenhöhe 0,045"'. 

. . . A A . . M . . . 

[ <jÜv yu-] 

vaixt 'A(j(.aia )t£ 
TJe'xvwv (?) "Epf^-o- 
5 Ye]v[6t daJuToi? xe 
AI ßp[o]vTüiv[Tt 

Der letzte Buchstabe von Z. \ könnte auch Q sein. Am An- 
fang der Z. 5 las ich ~C Da es («inen griechiscluMi Namen, 
der mit Nepjxo- beginnt, nicht giebl, habe ich dem Steinmetzen 
lieber den Fehler teävwv für t£x,vg) zugetraut. 

52. Kara-öjük (Midaion?). lU)*"" östlich von Eskischehir. 
Stele aus blauem Marmor, oben gebrochen, sehr abgetreten, 
als IMlaslerstein im Hof der Moschee benutzt. Höhe 0,88'", Breite 
0,f)0"'. Buchstabenhöhe 0,0V". 



.... V 
. TOUV 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 4!^! 

p]ia«; y^apt- 
5 v] AI ßpov- 

TÖVTl £^/^- 
YIV. 

Am Scliluss der Zeile 3 las ich NH, aber das wird ein Irr- 
tum sein. In Z. ß ist üJ^ ügirt. 

53 Alpu köi, zweite Station der Eisenbahnlinie Eskis(3hehir- 
Ani^ora. auf dem Friedhof. Altar aus bläulichem Marmor, 
liölie 1,35'". Breite 0.44"', Dicke 0,47'". Huch.slabeiihöh.- 
0,0^5'". Über der Inschrift rohe weibliche (?) Büste, an der 
rechten Seite Stierkopf. 

MevocvSpo; )t£ 'AttoIX- 
Xwvio; Ol aSsX(p[oi 
xaxa x.£Xeo5iv I[tci 
Tvi? uyta? /te c7(i)Tirip[t- 
5 a];. 

Am Schluss der Z. 3 ist 61 ganz deutlich auf dem Ab- 
klatsch zu lesen, ^tcI also wol sicher. 

54. Baschören, 45^"" nordöstlich von Eskischehir. ebenso 
wie die fol^^enden Steine im Orte selbst gefunden. Stele aus 
Kalkstein. Höhe 1,10'", Breite 0,37"'. Dicke 0,-?7'". Buchsta- 
benhöhe 0,025"'. Vorn oben in verlieller Nische bärtige Büsle 
ohne Attribute, also wol menschlich, im Hauptfelde Beiler 
mit Strahlenkranz, milder Linken die Doppelaxt schulternd. 
Auf der linken Schmalseite ein Krater, auf der rechten oben 
ein Adler, darunter ein Stierkopf. 

Unter der Büste: 

(xya09i TuyTi 
Unter dem Beiter: 

MivY); )tai *A(J)t>ai_; 
Ol AojAvo'j 06i(j) )tai 
'AzöXXwvt 6\jyrin\ u- 
5 Tcep TT,; £auT(I)v tco- 
TYipia?. 



432 ALFHED KOERTE 

Plumpe Schrift fast ohne IJgaturcn. öeio ist nach dem Ab- 
klatsch ij;anz sicher, das nahelieirendc 'Oaioi ausiiicschlossen. 
Mir ist sonst kein Beispiel für appellativischen Gebrauch von 
Osio; bekannt; auf einer VVeihuni!; aus Plianagoria(C./.6r. 2119) 
'.T/'jpö Osicp Savtpyei -Axi 'Aaxxpa ist Otio? sicher adjectiviscil zu 
fassen. In unserer Inschrift ist das Adjeclivum ji;enau so zum 
Götternamen geworden wie so oft ocio; mit oder ohne Sixaio?*. 
Wenn ausser Theios auch noch Apollon genannt wird, so sind 
das parallele Bezeichnungen, die beide das Wesen des über 
der Inschrift dargestclllon Gottes nicht erschöpfen. Dieser Rei- 
ter mit Strahlenkranz und Doppelaxt ist jener alte im In- 
nern Kleinasiens so viel verehrte Gott, dessen Wesen in allen 
i^ricchischen Namenshüllen doch immer seine barbarische 
Eigenart bewahrt. Mag er Apollon heissen, wie hier und z.B. 
auf zwei ans Kula (Koloe) ins berliner Museum gelangten 
Reliefs^, oder Ares, wie auf der Felswand von Zekeria-köi^, 
oder "Odio? xal Aixaio?, wie in der folgenden Nummer, in Do- 
rylaion und anderwärts'', oder mit dem besonders beliebten 
Namen !i^w^wv bezeichnet werden ^, er bleibt doch immer der 
Gleiche*^. Dies proteische Wesen tritt meist als Einheit auf, 
kann aber auch in zwei Personen gespalten werden. Mordt- 
mann a. a. 0. hat bereits auf die Oeoi "Oatoi xal Atx,atoi einer 
phrygischen Inschrift C.I.G. 3830 hingewiesen ; auf dem in 



' "O^toc allein ii) zwei von .1. II. Murdlmann M.A.l. 188,") S. 1 1 1'. gut l>c- 
haiKlclleii InschrilU-n. 

2 Beschreibung der antiken Skulpluren des berliner Museuni.s ß80 und 
681; vgl. auch Benndorf, Reisen in Lykicn und Karlen S. 153 und M.A.l. 
1887 S. 250. 

3 Vgl. Sarre, Archäol.-epigr. IMillheihmgen 18!l(; S. 4811'. 

'• In Dor.ylaion Archäol.-ei»igr. Mitlhcilungen 1883 S. 177 Nr. 2't, Göllingi- 
scbc gel. Anzeigen 18!)7 S. i08 Nr. .')(), sonst vgl. Monllinann a.a.O. 

■■' Über Süzon handeln am ausführlichsten Ramsay Cilies and bishopricsof 
l'hrijtjia I S. 262 11'. und Usener, Göllernamen S. 174 IT. Ramsays Einfall, 
v;oj^wvsei eine griechische Umbildung von Xlauä^io; wird von Usener sicher- 
lich mit Rechl abgelehnt, ab(!r irrtiinilich Lanckoronski zugeschrieben. Über 
das Vorkommen des Sozoii ;iiil' Münzen vgl. auch Drexler, Niimismalische 
Zeilscbrill 1886 S. 23/i. 

^ Noch andere Gleichungen bei Lanckoronski, .Städte I^isidiens und Tam- 
phyliens II S. 8 f. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 433 

den Göttingisclien gel. Anzeigen 1897 S. 'i08 besprochenen 
Stein aus Dorylaion ist ein Reiter mit Strahlenkranz und Beil 
und ausserdem ein Gott mit Strahlenkranz und Fackel auf 
dem Viergespann dargestellt, ohwol die Inschrift 'Oniiii Au.eoj 
gilt'. Ahnlich werden in einer von Hamsay Journal of hell, 
studies 188'i S. "JoS verr)ITentlichten Inschrift "Ogio? Aix.eo? 
und "HXio? K'jpio? zusammen angerufen, und in unserer In- 
schrift stehen 0eio; und 'A-oXXcjv neben einander, obgleich nur 
ein Golt abgebildet ist. ßin besonders gutes Beispiel für die 
Spaltung des Gottes, das auch das Ineinanderfliessen aller Na- 
men und Beinamen vortrefflich erläutert, ist endlich das un- 
ten Nr, 70 mitgeteilte Epigramm aus Philomelion. Dem A-/i- 
toiSy)? l^w"C(«iv gilt die Weihung und dem "IlXtoi; ßaoiXeüi;, und 
beide zusammen sind die Oeoi SucaioxaTot xal oaioi : Sozon ist 
zum Sohn der Leto, also zu Apollon geworden, oder wenn 
man lieber will, Apollon hat den Namen jenes Gottes als Bei- 
namen angenommen; er ist vereinigt mit dem König Helios 
und jene Eigenschaften werden ihnen beiden geliehen, die so 
oft allein zur Benennung der Gottheit ausreichen-'. 

55. Ebenda. Stele aus llalbmarmor. Höhe 1'", Breite 0,3 '«"", 
Dicke 0,27'". Buchstabenhöhe 0,025'". Über der Inschrift ein 
stehendes Götterpaar in Vorderansicht : Der rechts stehende 
Jüngling in kurzem Chiton mit Strahlenkranz auf dem Haupte 
und Speer in der Linken fasst mit der Rechten die Linke der 
neben ihm stehenden Göttin (?), die gleichfalls einen kurzen 
Chiton und den Strahlenkranz in den langen Locken trägt; 
ihre Rechte hält eine brennende Fackel. An den Schmalseiten 
Bukranien. 



' Auch l»ci Benndorf, Reisen in Lykicii und Karicii Fig. 77 (vgl. S. 1,")3) 
glaube ich heidc Jiinglinj,'e,auch den sitzenden, für (üiUer halten zu müssen. 

2 Aus dem Angel'ührten gelil wol zur llenüge hervor, dass Puehslein auf 
falschem Wege isl (Reisen in Kh-inasien und Niudsyrien b^. 3il), wenn er 
denoatoi St'xaiojin Phrygieii und l-ydicn mildem Milliras^gleichsetzt. Woder 
Milhraskull eindrang, kann natürlich auch dieser Gull dem alten Kleinasia- 
t<Mi gleichgesetzt werden hczw. seine Reinamen üliernehmen (vgl. Mordt- 
inann a a.O.I, aber bekanntlich spielt Milhras in IMirygien eine sehr uiibcT 
deutende Rolle. 



434 alfhp:d koerte 

AijJ.vn<; uTrep ea[u- 
Toö Kai Tcjv eiot- 
(ov TcavTWv ,5^ 
5 Ooiü) xat Atx£(i) 

Ob das Y am Scliluss der Z. '2 geschrieben war oder die 
häufige Korm iaToO vorliegt, ist nicht sicher zu enlsclieiden. 
In Z. 3 ist O) iiiit N ligirl. Über "Otio; kolI At^taio? vgl. das 
zur vorigen Nummer Gesagte; nachzutragen bleibt nur, dass 
dieser Name in Dorylaion oflizielier Kultname ist, denn ein 
Heliet' ist dort von den TrpwToiEpsi; Hermedion und seiner Frau 
Nana geweiht (Gott. gel. Anzeigen 1897 S. 'i()8). Auffallend 
ist, dass auf unserem Stein die eine Gottheit anscheinend weib 
lieh gedacht ist ' ; dem « Künstler» hat wol das Paar Apol- 
lon und Artemis vorgeschwebt. 

56. Ebenda auf dem Friedhof. Sehr verwitterter Altar, über 
der Inschrift zwei stehende, kaum erkennbare Figuren. Höhe 
0,92'", Breite 0,38'", Dicke 0,35'". Buchstabenhöhe 0,03"'. 



'llllill:il^^ X6 Aüp. TäT[iov(?) 

ijauTOi? ot.\)Xilllli 
eJTEu^av >c£ Ai[t 

ßpoJvTWVTl O 

mm oeoc 



In der übel zugerichteten Inschrift, von der ich keinen Ab 
Bronton sicher. 



klatsch nehmen konnte, ist nur die Erwähnung des Zeus 



' Bei der rohen Arbeit ist eine siclicrc Entsclieifluiip; kaiini möglieli ; ich 
habe mir aber vor dem Stein die Figur als weiblich nolirl und die TholQ- 
graphie scheint diese Notiz zu bestätigen. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 435 

57. Ebenda in einer Hausmauer. Rings gebrochene Platte 
aus Kalkstein. Iföhe 0.50™, Breite 0,'t5'". Buchslabenhöhe 
0,025"'. Viele Ligaturen. 



A'Jp. AnM-Tirpia Tüi äfvSpl 
'A]xo>.X(i)v{ü) x£ OuyaTyip jBt- 

p]0V£ix,Y) X£ yau-^pö; 'ATCO»[(d- 

58. Ebenda. Stele aus Kalkstein mit Giebel und Seilen- 
pfeilern, über der Inschrift ein Kranz. Höhe 0,81'", Breite 
0,'»0"', Dicke 0,18'". Buchstabenhöhe 0,02'". Zahlreiche Li- 
gaturen, darunter N und A in Z. 6. 

£T6i(j!.r)<iav 
MaVYJV TOC T£)tva 

'A<T)c>oc? )t£ Ma- 

vn? y.1 Nava(;, 
5 lT£t(jLri«Tav uiöv 
'AXfi^avSpov 

TcaTYjp M[Y)v]6(p[iX]o(;. 

59. Hügel amSary-su, 5*"° von Boja-Tokat. Beim Bau der 
Chaussee h^skischehir - Tschifleler 180'» gefunden. Oben ge- 
brochener roher SäuIcnsUinipf aus Marmor. Il()he 0.50'", 
Durchmesser 0,25"'. Buchstabenhöhe 0,03-0,0 '.5'". 

V Ou£t€[lOU 

TpE^wv'.a- 
voO TaXXou 

KOlI O'!)£l^l0U 

5 räXXou ( )'jo- 
"Xoaiiavoü 
i^£€€{aaTcüv) 
{x(iXia) i€' 



436 ALFRED KOERTE 

Die Schrift nimmt auf Verletzungen des Steins Rücksicht, 
daher sind nacli den drillen Ruchstaben der Zeilen '?, 3 und 
7 kleine Lücken. Aus der kurzen Regirung der beiden Kai- 
ser C. Vibius Trebonianus Gallus und C. Vibius Afinius Gal- 
lus Veldumnianus VoiusianusC^Sl -553) sind verhältnissmässig 
viele Meilensteine erhalten, von den kleinasiatischen Provinzen 
jedoch nur in Kappadokien (vgl. Prosopograp/iia Imperii 
Romani \\\ S. IlSf. und 426f.). Die Schreibung OuoXooaia- 
vö; für V^olusianus kehrt auf Münzen von Tarsos wieder'. Die 
Strasse, zu welcher der sicherlich nicht weit verschleppte, 
wahrscheinlich sogar in situ gefundene Stein gehört, ging 
jedenfalls, wie die heutige Chaussee, von Dorylaion aus. Als 
Ziel würde man nach dem Gang der modernen Strassen gern 
Pessinus annehmen, aber das ist durch die bestimmte An- 
gabe der Peutingerschen Tafel ausgeschlossen, dass der Weg 
von Dorylaion nach Pessinus über Midaion führte. Midaion 
lag nach Ausweis der iVJünzen am Tembris (Porsuk)-, aller 
Wahrscheinlichkeit nach bei Rara-öjük, 30""" östlich von Do- 
rylaion •', und zwischen diesem Punkt und dem Fundorte der 
Inschrift liec;t der unweafsame Odschak-da^h. Ich halte es des- 
wegen für höchst wahrscheinlich, dass die Inschrift einem di- 
rekten Weg Dorylaion-Amorion angehört, der in der Peutinger- 
schen Tafel fehlt, aher von Ramsay Historical geograp/uj of 
Asia Minor S. 198 mit Recht vorausgesetzt ist. Die Verwir- 
rung in der Peutingerschen Tafel, die auf Pessinus Abrostola- 
Amorion-Abrostola folgen lässt, erklärt sich, wenn in der 
Vorlage zwei gesonderte Strassen Dorylaion-Pessinus und Do- 
rylaion-Amorion in Abrostola zusammentrafen-'. Der Ort, auf 
den sich die Meilenangabe \1 (=17,70'"") bezieht, ist nicht zu 
ermitteln. 



' Imhoof-Bluinrr, Zeitschrift für Numismatik 1876 S. .341. 
2 Head Hisluria nuininorum S. .567. 

■' Vgl. Ramsay Historical geography of Asia Minor S. 239 und oben S. 430. 
•'' Anders Ramsay a. a. O. 8. 237, dessen spätere Argumentation mir 
weniger einleuchtet als seine frühere Ansicht. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 437 

60. Ebenda. Altar aus Kalkstein. Höhe 0,98™. Breite 0,41"'. 
Dicke O.^S*". Buclistabenhölie 0,03'". 

MYiv6(piXo? 
'AXs^avSp- 
ou All ßpo- 

VTüiVTl eÜj^TiV. 

61. Ebenda. Marmorner Altar, sehr abfj;esclieuert; Höhe 
0,*)8'", Breite 0,35'", Dicke 0,30'". Buchstabenhöhe 0,03'". 
Oben an der Vorderseite Gefäss mit Trauben, auf der liück- 
seite Stierkopf, auf der rechten Stern, auf der linken Traube. 

rioUfja CUV T£- 

xv[o]i? avSpl 

)tS A[ll ßpo]vT(iv- 
Tt euji'TjV. 

6^. Ebenda. Marmorne Giebelstele, unten gebrochen, ibdip 
0,36'", Breite 0,28'", Dicke 0,05'". Buchstabenhöhe 0,0-25"'. 

AäSv)? 

Myivo(pü)- 

VO? (!) UTTEp 



Pessinus (Nr. 63-69). 

63. Siwrihissar, auf dem armenischen Friedhof. Marmor- 
platte ; Höhe i),!!"", Breite 0,46"\ Dicke 0,20'". Buchstaben- 
hohe 0,017-0,02'". 

Tißepiov KXaüSiov "Atteiv lepea 
'Hpä ulöv Kupeiva AiritoTapov, eva- 
Tov (xexa tov apj^iepEa, xtrap- 
Tov Se TaXaTüiv, xal Si<; ap/'t- 



438 ALFRED KOERTE 

5 pe'a Toiv SE^aGTäiv tou xoi- 

Tü)V T'fi(; OsOÜ |/.'JCTYipiü)V 

Tuv[xü«7Tai tÖv eauTüiv (pt- 
1 U Xov y.ai eüspytTriv apervii; k'- 
v£)t£v y.ai E'jvoia; Tri^ eI? I- 
x'JTOu;' dTrifxeXYiöevTo; Map- 
xou Mayiou Neavi^^öpou. 

Soi'ofältige ziemlich einfaclie Schrift, E und H mit frei- 
schwebendem Querstrich. 

Die Inschrift ist eine wertvolle Ergänzung zu dem M.A.l. 
1897 S. 38 Nr. "23 veröffentlicliten Steine, durch den wir die 
Attabokaoi zuerst kennen gelernt haben. Die neue Insclirift 
gilt dem Sohne des dort geehrten, von dessen Namen auf je- 
nem Stein nur die Tribus Quirina und das Cognomen Heras 
erhalten sind, den wir nun aber Tiberius Claudius Heras wer- 
den nennen dürfen. Die militärische l^aufbahn des Vaters hat 
der Sohn nicht betreten, auch communale Eiirenämter erwäh- 
nen die Mysten bei ihm nicht, aber die geistlichen Ämter sind 
bei beiden ziemlich dieselben. Neben der Wurde des fiamen 
Augustalis und der des Oberpriesters im Kaiserkulte der 
Provinz, welche der Vater sechsmal, der Sohn zweimal be- 
kleidet hat, nahmen beide auch einen lUng in der Hierarchie 
der pessinuntischen Göttermutter ein. Ramsays Folgerung aus 
der älteren Inschrift', dass die allen phrygischen Familien 
die Priesterstollen der GiUtermuttor mit den t!:alatischen Fro- 
berern geteilt hätten, wird durch die jüngere Urkunde glän- 
zend bestätigt. Nach dem Oberpriester gab es zehn Prieslerstel- 
len, von denen die fünf ersten den Phrygern blieben, wäh- 
rend die fünf folii;enden den Galatern zufielen. Heras hatte die 
zehnte Priesterstclle d.i. die fünfte der Galater inne, sein Sohn 



* Vgl. W'ocliciisclin'li liii- klass. l'liilologic 18'J8 S. W und Uamsay Uislo- 
rical cummetilary un llic Ejiisüc tu Ihr Cnlalians S. G2. 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 439 

Deiotaros ist eine Stufe höher gerückt. Besonders wichtig ist 
die Art der Namengehung : "Attk; hpt(j<; ist ein Teil des Na- 
mens, eingerückt zwischen den Gesclilechtsnamen und den 
Vatersnamen, dem dann noch Tribus und Beiname folgen. 
Damit ist ein neuer klarer Beweis für die llieronymie der pes- 
sinunlischen l^riester gegeben'. Allerdings legt in der Zeit 
unserer Inschrift der Priester seinen alten Namen nicht mehr 
zu Gunsten des Gottesnamens ab, wie das im zweiten Jahr- 
hundert V. Chr. der Fall gewesen zu sein scheint 2, aber da- 
für ist der Name Allis auch nicht auf den Oberpriester be- 
schränkt, auch alle zehn Priester nach dem Archiereus sind 
anscheinend in gleicher Weise "AttiSe?. 

Da der eigentliche Hufname des Mannes Deiotaros ist, liegt 
es nahe, in ihm einen Spross der alten Rönigsfamilie zu sehen. 

G'i. lUjenda. Fünf Bruchstücke eines marmornen gut gear- 
beiteten Architravs. Buchstabenhöhe 0,185'". 
a b. c. 

A]ÜTO>cpaTo|pt TiTfa) 0[Ü6]'77ra(jia[v(]i SeSaaxüi 

d. e. 

'AvTi[yov]o; (?) Ns . . . 

Dass in den Bruchstücken d und e Teile des Stifternamens 
enthalten sind, ist sehr wahrscheinlich, die von mir gegebene 
Verbindung freilich willkürlich. Die Ausdehnung dieses dem 
Kaiser Titus gewidmeten Gebäudes muss ziemlicli gross ge- 
wesen sein. 

05. Ebenda. Grabstein in Altarlbrm ; Höhe 0,85'". Breite 
0.31'". Buchstabenhöhe O,Ü'25-0,ü3"'. 

Saroupvivo; 
'AXe^avSpeix; 



* Vgl. U.A.l. 1897 S. 16. 

* Üif Altalicli'nhiicre lialioii nur »lii* Adit'sse BaaiXEj? . . . "Attioi (ttdcr 
"AxTioi itpeT) yai'pEiv. Alicr den Midaslolseii wt'ilil der 'Ati; 'AcxiacFaij 'Axe- 
vavoXaFos; vgl. M. A. I. KS9S S. 97. 



440 ALFRED KOERTE 

5 afjLEvn eTY) 

.xy'- Süpa av£- 
0T7](TEV (xvr)- 

Ungewölinlicli ist bei Inschriften dieser Gegend die Angabe 
der Heimat. Saturninos, der sein Leben selbst als einen Feld- 
zug bezeichnet, mochte auf* seine Herkunft aus Alexandreia 
und die seiner Kameradin aus Syrien stolz sein. 

(36. Ebenda. Gesimsblock eines grossen Grabmals, an bei- 
den Seiten unvollständig. Höhe Ü,3Ü"', Breite IjöG"". Buch- 
stabenhöhe 0,025"". 

xai "HXio? xal Ai[jlvJ? Aijjlve'w tw lauiöv 7:aTpi [j.vr5ij.r]5 /^apiv ot ä 



Das ? von "H'Xto? ist über der Zeile nachgetragen. 

In dem Nominativ Aiavs; für Aip-veo? (Aipato?) ist die En- 
dung -aio;, -eo? gerade so in -e; verschliffen wie die Endung 
-10? schon seit dem ersten Jahrhundert vor Chr. in Rleinasien 
mitunter in -iq verschliffen wird (vgl. besonders Buresch, Aus 
Lydien S. 73 und M. Ä. I. 1899 S. 419 Anm. 1). 

67. Balahissar, Nekropole auf einem Plateau im S. 0. des 
Dorfes. Aufrechlstehende Marmorplatte, zum Teil in der Erde 
steckend, verziert mit zwei sorgfältig ausgeführten Thüren, 
auf denen Schlösser und Zugringe angegeben sind, zwischen 
den Thüren ein Weinstock. Sichtbare Höhe 1,28'", F5reite 
2,10"\ Dicke 0,4V". Buchstabenhöhe 0,03"\ 

IIoXuSwpos Ai6avou x£ 'A[j.[j.!a «l'tXo?^vou yuvt) auTOu ^wvte? zaxEaxeuaaav k\ 

Das letzte A ist in C eingeschrieben. 

Dieser und der folgende Stein scheinen noch in situ zu 
stehen, sie sind erst kürzlich von Steinhändlern freigelegt 
worden; ein dritter derselben Form, dessen Standort noch 
erkennbar ist, wurde nach Siwrihissar gebracht und nach Aus- 
meisselung der Inschrift in die Fassade einer neuen Schule 
eingelassen. 



KLEINASIA'I'ISCHI-: STUDIEN. VI. 



0(S. Khenda, gpjj;pniiljer der vorigen Nummer in iMillVr- 
nung von I, .")()'". I)it> Weinrebe zwischen dtMi Ixiden in glei- 
cher Weise ansgdVihrLen 'l'liiiren ist etwas reicher. Siehlhare 
IJölie 1 ,08'", Breite 1 ,8U"', Dicke 0,1 V". Buclistahcnhölie 0,0'2"'. 

Atoy^'v?^!? Xlayapiou lauTÖi ^öiv [y.aTJHaxEÜaaev TÖvxdipov xattTJ laufroü] Yuv£xi<t»£i).i;:t'ot(!) 

Es verdient Beachtung, dass in Stein- und Münzinschriften 
der phrygische Fluss um\ die von ihm ahgeh'ileten Namen, 
so viel ich sehe ansnahmsh)S, mit einem y gescliriehen wer- 
den'. Die aiudi in (hu* Litteratur vertretene Form ^ Sagaris, 
die (h'ui uKxh'rnen Namen Sakaria näher steht, hat also min- 
destens ehenso viel Berechtigung wie die hei Homer (T 187, 
II 719) vorkommende und sciion deshalli in der späteren Lil- 
leralur-^ vorwiegende Sangarios. 

69. Rhenda, in derselben Nekropole. Marmorne (irablhür. 
grösstenteils in der Rrde. Breite l,r>;V". Buchstabenhöhe 0,0v>"'. 

Fo'jvg'ptoi;* 'AyaOÖTco'j«; 7rat5ov6u.o; ^(iv 67r6y)U£v 
la'jTöi xai 'AyäOri äv£']/ia y.^r,u.r,^ xipiv (!) Jc) 

Nakoleia (Nr. 70-75). 

70. Sidi-Gasi, Friedhof oberhalb des Derwischklosters. 
Sorgfältig gearbeiteter Altar aus bläiilicthem Marmor; Hohe 
0,8V", Breite 0,.^:)"', Dicke 0,^r."'. Buchstabenhöhe 0,0'2"'. 
Viele Ligaluren. 

OÜV T£)tVOt; 'OvY)- 

c]itjLO'j(!) xfi XaptS'/)- 
, J^^^^^'^Krater) ''^^ ''^,^- 

TWV ioicüv TVXV- 



* Vgl. tlt-n Iiidi'x (li's C. I. Ci. und Ilcad llislorin nummorum S. li;!. 

a Ovid. /«,s/. iV, ;';".), r.v Ponlu IV, Kl. 'iT, IMiii. ttal. Itisl. VI, I, i, Ei.mii. 
Map. s. V. 
3 P(.l.yl.. XXK, ;'(). Slralio olt, I,iv .WWlIl. IS und sonst. 

* Üoch wol r. ()u(aX)^pio,-. 

ATHKN. MITTHKILUNUK.N -X.VV. 'i\) 



44i? AI.FIlKn KOEIITF. 

TCOV atoTYipia? 

Ali [ipOVTWVTl £U- 

10 ■/>. 

71. KImmkI;!. Allar ans Marmor; lli.lic 1'". liivile 0/i5"'. 
Dicke 0,3«)'". linclislalxMiliölio (l,(i;V". \'iele Lioaluren. 

KapiKo; BwXo'j aü[v 
tekvok; 7C£pt lau- 

Toiv X,£ T(ÖV lOl(i)V 

(Krater) 

AÜ ßpOVTüiVTl euyY;V 

T) 5tai "Atutt"/) T'jv6((o. 
7"2. I^benda. Allar aus l)laiiem Marmor, unter der Insclirill 
tlacli emgeritzt ein grosser Kraler und jederseils ein I^aum. 
Midie 1/2^2"', lireile 1,5^'", Dicke O.-U)'". Huclistahenliölie0,03"'. 
Sehr sorglällige Selirift. In Z. 3 NWC ligirt. 
AiöSwpoi; 'AXe^av- ^ 
Sp(i) Traxpl Y>.'j)C'jTäT(i) 
jxvin}ji.Y)(; J^äpiv. 
73. Ebenda. Allar aus blauem Marmor; Höbe !'", I^reite 
0,G5"', Dicke Ü/i3"'. Bucbslabenböbe 0,03'". Derselbe Sclirifl- 
charakler wie bei der vorigen Nummer. 
OuaXspio; 'Etcivi- ^ 

XO? 'EtTIVEIXü) T£X.V(ü 

jxvY)p.yi(; 'fif.i^K'^. 
7'». Ebenda, in einer neuen Mauer des Klosters. Unlerleil 
einer Stele aus Tracbyt(?); Höbe 0.51'", Breite 0,50'". Bueli- 
slabenböhe 0,03'". 

At ßpOVTÖiv- 

xat TraTpi Oe- 

(ö. 

Die Ki')|)re der Biicbstal)en in /. I Irlden. aber die {'Ergän- 
zung ist sicher. Vermutlich ist die Inscbrüt identisch mit der 
von \\\\\w'f>A'j Journal of hell, stndies I.S.S-2 S. 1^23 mit fol- 
gender Bemerkung mitgeteilten: ' the beginnin tj;. . . i.s lost, 
the end is Ail ßpovTüvTi xal Ilaxpi ©ecö". Es fehlt in Bamsays 



KLEINASIATISCHE STUDIEN. VI. 443 

Kopie (las Wort euj^yiv , das aber für den Sinn wichtig ist. 
Ständen Zilx^ ßpovTcJv und IIaTr)p (-)£Ö<; als zwei GTilter neben 
einander, sj) würde £u^y;v am Schlüsse stehen. Duicli tO/r^v wird 
öfter die Weihunji; an den (Jott ab«^esch Jossen und dann mit 
xai der Tote hinzugefügt, der an der VVeihung Anteil haben 
soll'. Dies scheint mir auch hier geschehen zu sein . nur ist 
der Vater nicht mit Namen genannt, sondern nur als das, was 
er durch den Tod geworden, als Gott bezeichnet; möglicher- 
weise war sein Name schon im verlorenen Eingang erwähnt, so 
dasseine Wiederholung am Schluss überflüssig erschien. Dass 
der Tote geradezu Gott heissl, entsprich tphrygischem Glauben^. 
Sollte aber auch die von Ramsay kopirte Inschrift von dieser 
verschieden und der zaTvip ein wirklicher Gott sein, so ist 
dennoch die Gleich.setzung von Zeus Bronton und Pater Theos 
irrig. denn durch dasxat bezw. iw/r,^ xatwerden beide ja deut- 
lich als gesonderte Individuen geschieden"'. Damit ist Hamsays 
religionsgeschichtlichen Kombinationen der Boden entzogen. 

75. Ebenda, in der kleinen Moschee verbaut. .VItar aus vul- 
kanischem Stein (Trachyt?); Höhe 1.30'", Breite 0,G0'". 
Buchstabenhöhe 0,0 i'". 

ripivxn}/ ['Pou- 
90; xe 'Pou[(piv7i 
'louXiavy) 

'AvT(j)VtCi) ripiVXl- 

5 Tri x£ 'AvT(i)vtX>Yi yo- 
veOiTi yX[u]xuTäTOi; 
(xvr)(jt.Y]5 yäpiv. 

76. Akschehir (Philomelion) in der Mauer der Tasch-Me- 
dresseh. Altar aus blauem llalbmarmor, links besehädi'n ; 
Höhe l"', Breite 0, '.0'", Dicke 0,47'". Buchslabenhöhe 0,015'".' 
Feine sorglältige Schrift :z , 0, cra. 



• Vgl. Nr. 71 und Göüiiigische gol. An/.igL'ii 18'.t7 ö. 4U'J Nr. Oj. 

•^ Vgl. besoiult'is Güningische gel. Anzeigen 1897 S. 411 Nr. til r;8r, «p^ 

■^ Das lial anch Cumuiil übersehen, iloi Kauisays weiteren Folgerungen 
enlgegeiUriU. 



444 Al.FHKn KOKHTK, KI.EINASIATISCHE STUDIEN. VI. 

Ayi]TOiSy) Stö^ovTi xai. 'Heaico ßaiTt>.r/i 

eu^jacTO (iwuov äv^p uioi; 'E7raT6piYO(; 

Up]öv äOavicTOici MsveiTparo?, ov At- 

oSwpo?] övixe SiKaioricTOt? 'öS' ociokji <^6£0i)>?. 
Am Scliliiss der Zeile i sind die niichslaben Ssoi durch ein Ver- 
sehen des Stein nielzon l'()i'li;"olallen. die l^^riijänzuni»; ist siclier. 
Über die reli^ionsijescliichlliclie Bedeiiliini; des Steins habe 
ich oben zu Nr. 54 gehandelt. Obwoi am Anfang jeder Zeile 
nur wenige Buchstaben fehlen, kann man über die ]^]rgiinzung 
im Zweifel sein. Ich bin von der Krwägung ausgegangen, dass 
zu den beiden Verben -xzo und hrix.s. verschiedene Subjecle ge- 
hören müssen, und dass 'Sohn des Epatorix' als Bezeichnung 
des Weihenden nicht ausreicht. Dann muss Menestralos eben 
der Sohn des Epatorix sein, und der Name des Vollziehers 
des Gelübdes mit A-.- beginnen (l)iomedes und Diodoros sind 
gleich möulich). Das Vorkommen des echt kellischen Namen 
Epatorix' in der nicht mehr zu Galatien gehörenden, aber 
freilich der Grenze dieser Provinz sehr nahe liegenden Stadt 
verdient Beachtung. 

77. Ebenda , bei der armenischen Kirche. Marmorne 
Grabthür; Höhe 0,70'", Breite 0,50'", Dicke 0,11'". Buchsta- 
benhöhe 0,02'". 

"ATTa>,0; 'Api^TO^YlfJLOU . . . 

-a TirevGspx [).-^■ri^.r,(; 
yxptv. 
Der Name der Schwiegermutter kann nur vier Buchstaben 
enthalten, Taxa, Nava oder dergleichen. 

Greifswald. 

ALFRED KotlTß. 



' In Holdcrs Allkellisclieni Sprachseli.il/ (indol sich der Name niclil, wol 

aller i'j|taltMi und Epaliceiis; er ist mit dem lii-kaimleii Siillix -rei\, -rix ge- 

liildi-l und enls|irieiiL dem Sinne naeli /.icmlieli ;;t>nau dem ^rifcliiselirn 

iTinoxpotTi);. leli liemrrki! Iiiei lKM,dass Iluldcr den Ainrix der Atlalidenhriel'e 

(Arcliäülügiscli-epiyr. Miilln'il. 188'» Ö. 'J.') II'.) übersehen hat. 



RIMXGUIS AUS DOFIYLAION 



Bei gelegentlicli erneutem Stiidimn der Bilin^^uis von |)o- 
rylaion. die in diesen Mitteilungen XXIll S.'M'r! nach AIj- 
sclirift und Aliklatsch von 'I. M-oXiötto-Ao? verölTenllicIil ist, 
ei'gal) siel) inireine teilweise veränderte AulTassunj^MJcs plirv- 
gischen Textes. Z. 8 giaube ich die aus den pliry-isdien Grab- 
schriften römischer Zeit bekannte Verbalform aSSa/ceT erken- 
nen zu müssen. Da nun durch die von Chantre, Mission en 
Cappadoce, Paris 1898, S. 169 miloeteilte ahpliryuisciie In- 
schrift, wie ich in der Wiener Zeilschrift Cur die Kunde des 
Morgenlandes XIII S. 359 dargelegt habe, erwiesen ist, dass 
phrygisches xe griechischem rf, lateinischem <y//^', skr. ca ent- 
spricht und enklitisch nachgeslellt wird, hj muss EvcrTapv(a) 
SouaO Z. 0/7 das lelzic der durch Ke veibundonen Glieder sein. 
Ich schlage also vor Z. 6 IT. zu lesen: 

EvcTapva- 
??] Sou{/.6 v.l. OiO'jO 
ßav aooa)C6T opou 
av. 

In M'.Tpa^paxa, Mx? TeapoyE-.o?, Ilouvraiga; sind doch wol nicht 
vergötterte Tote, sondern wirkliche Oeot zu erkennen, denn 
TuapeeefATiv entspricht doch sonstigem TiapaSiScout. das die For- 
mel einleitet, mit der ein Grab dem Schutz der unterirdiscJitMi 
Götter anomplohlen wird, z. 13. C.I.A. III I i-.);{: IIapaSiSa)ai 
TOi; xaTa;(^Oovioi? ^i^lc, toüto t6 yjpwov cpu^jcaaeiv, UXoÜtcjvi xal A-/)- 
fXYiTpi xat Il£p<T£(pövY) )cai 'EpivvÜTiv xxi TCXTiv Toi; xaTa;^Ooviot; Oeois. 
Auch krmnte Ma; Tejxpoygto?, Genitiv von Mx Teupoygi; (i;ebil- 
del wie Bx^et? Einleitung in die Gesch. der griech. Sprache 
S \VM\, AxSek 33T. Mx^maei; HI^S, Txtc-.; ;r.8. lia!:^.; U.S.W.), 
'der Ma vom Tembrogius- Flusse' bedeuten. Mtrpa^xxa (oder 



446 P. KRETSCHMER, RILINGUIS AUS DORYLAlON 

MiTpa(paTa[;] ?) erinnert in seinem zweiten Teil an den Bei- 
namen des Mitlira, Cautopates. Unklar ist mir, ob riouvra; 
Ba? (vgl. Bx? Einleitung S. 336) oder FIouvTaaSag abzuteilen 
ist; letzteres würde an den reitenden 6eö; Kaxaoßoc; in Lykien, 
an KäXXioTCo;, Herzog, Koiscbe Korscbungen S. 80, sowie an 
die iraniscben Namen auf - r?.v/>rt =:skr. acva erinnern. 

Da im griechischen Text zu Toi<; TcpoytYpajy.p.evoi; Öeoi? hinzu- 
gefügt ist x(ai) Trj y.ü)u,y), SO wird man aiu'h im pln^gischen 
Text eine Erwähnung der xöp.?) suchen und in dem letzten 
der mit xe verbundenen Glieder, Evjrapva So-jaO erkennen dür- 
fen. Sonderbar und im Wortauslaut wenig glaublich erscheint 
in dem zweiten Wort die Konsonaniengruppe [xO. Vielleicht ist 
© verschrieben für O oder O und ^oj[7.o, So-jw-w oder dergleichen 
zu lesen : dann wäre hier das phiygische f^o'ju.o; zu erkennen, 
das auf einer Inschrift aus Maionia vom Jahre 173 nach Chr. 
in der Bedeutung aüvoSoi;, GÜy^XoTo;, o'jj^.Siwtii; vorkommt und 
zu got. d()ms 'Satzung. Gericht ' = asi. dumn 'Bat* gehört 
(Bezzenberu;ers Beiträge XIV S. 51. Kuhns Zeitschrift 34 S. 
53). Hier müsste es Kwjxyi entsprechen oder etwa 'Gemeinderat, 
Gemeindeversammlung' bedeuten und Evirapvalj;?] dann der 
Name des Ortes sein. 

Über den Schluss des phrygischen Textes Oio'j9Sav aS^axer 
opo'jxv lässt sich wol nur soviel sagen, dass er vielleicht dem 
Schluss des griechischen Paralleltextes Taö9' 6 •n:aTr)p 'A<7x>.y)- 
TTio; entspricht, aSSa^ET also ein hier fehlendes und zu orgän- 
zendes Verbum in der Bedeutung hat tesigesetzt, angeordnet' 
wiedergiebt. 

Wien. 

P.\UL KRETSCHMER. 



ZUR POROSSTATUE IN MÜNCHEN 
(AUien. Milleiliiiigen 1896 Taf. I) 

Die in diesen Milteiliini;en 1800 Tai'. I. abgeljiklele und 
von Fui'lNviin^lei' S. 1 lY. bcspiocliene Porossluliie eines Krie- 
gers in iMiinclien, in der er ein alLj^riecliiselies, walirsclieinlicli 
aus Mykenai slaniinendes Werk der /eil um GOO erkennt, ist 
bereits vor ihm veröfVentlicIit gewesen und stammt ausChiusi. 
Der durch seine Arbeiten auf dem Gebiete römiscli-germani- 
scher Forschunj^ und durch seine Heziehun«;en zu vielen be- 
rühmten Männern seiner Zeit bekannte Hol'rat Dorow be- 
schreibt in seinem 1829 in Paris erschienenen Buche Voijage 
arclieolov^iquc dans Vancienne Etrnrie die Statue eines Krie- 
gers aus 'l'utTslein, die er in Chiusi als daselbst gefunden im 
August des Jahres 18'27 erworben halte, und bildet sie in 
zwei Ansichten nach einer ergänzten Zeichnung des Malers 
Lucherini, der ihn auf seiner Reise begleitete, auf Taf. XI 
Fig. 1 ab. Zur besseren Veranschaulichung gebe ich die bei- 
den Ansichten wieder (S. i i8). Die Beschreibung S. 25 f. lautet 
folgendermaassen : Dans lartroisieme de ces chambres sepul- 
crales, il y avait une statue gatee entierement par le temps et 
riiumidile . . . Dans la collection de M. Paolozzi, on voit une 
Statue semblable; j'ai obtenu la possession de la troisieme de 
ce genre qui ait ete trouvee a Chiusi. Cette derniere repre- 
sente je crois un guerrier; c'etait sans doute aussi un inouu- 
ment sepulcral, peut-etre destine ii servir de gardien aux tom- 
beaux . . . Ce soldat a un casque pareil ä celui des guerriers 
qui sont representes sur les vases noirs. II tient devanl sa poi- 
trine un bouclier avec la tele de Meduse, et di' la iiiain droite 
une lance qui ressemble de mßme a Celles (|ue Ion voit sur 
les anciens vases. C'est d'apres ces modeles que j'ai fail re- 
staur(M- c«'lte slatue de guerrier. (\'(»vez la pl. \l. lig. M ; il y 
est, comme dans l'original, dilTornu' el mal fail II rrgiif dans 
loutes les parties de celte ügure uu inaiupu' absolu de propor- 



4'i8 



C. WATZINGER 



tions : je crois qiie, de meine qiie les deux autres de Cliiiisi, 
eile n'a pas eii de jamlies, qiie la slaliie n'etait Iravaillee que 
jiisqu'a la pailie iiilericiire du lioiic, et que plus has eile se 
leiiiiiiiait <mi Hermes, ou pluliU (|ircllt' pcul av(»ir servi de 
couvercle a une ui'iu'. IMusicurs savans de h'lorence out voulu 





__.J 



reconnailre uu Persee dans celle figure ; mais je ne puis par- 
tager ceLle opinion. Qaoiqu'il en puisse elre, le travail mc 
semble appailenir au temps le plus ancien. l^a figure a jus- 
qu'au nomhril dix-liuil [)Ouces six lignes. Die IdenliläL der 
Porosstalue in München und der TulTslalue in Dorows Besitz 
springt oline Weiteres in die Augen. Die Grösse von 50"", die 
Purtwängler angiebt, ist dieselbe wie I (S /oll T» Linien bei 
Dorow ; der Bruch des Schildes mit dem Gorgoneion stimmt 
genau überein. In der Wiedergabe der ganzen Figur hat der 
Zeichner zerslossene und beschiidigle Teile, z. B. die Lanzen- 
spitze soweit ergänzt, als sich die l^rgünzung mit Sicherheit 
geben liess. Bei dem Schilde, dessen Ergänzung er in fei- 



7.V\'. POrmSSTATUE IN MIJKNr.HF.N '|49 

neieii Slriclien ausführt, j^nebt er die Linie des Bruclies an. 
Das Malerial der Slalue, das Dorow hier niclit besonders, aher 
in der Besehreibimi^ der Tafeln als ////" bezeichnel, ist eben- 
falls dasselbe. Denn der Stein, den man in I lallen mit grie- 
chischem Lehnwort infus neimt, plle^t in Griechenland Tcwpo; 
zu heissen. Die von L(!psius festo;estellte Übereinslimmung 
mit mykeniscdiem (lestein ist daher rein zulälliii, und man 
sieht daraus, wie j^elährlich es ist, aus solchen Übereinslim- 
mun^en weitgehende Schlüsse zu ziehen. Dass die Statue aus 
Chiiisi slaiumt und wenn nicht dort, so doeh sicher in Etru- 
rien gefertigt ist, wird man also keinen Grund haben zu be- 
zweifelt«. Denn während das W erk in der allgriechischen Kunst 
trotz der Heziehinigen, die h'urtwängler findet, bisher ganziso- 
lirt gestanden hat, ordnet es sich unter die Werke etruskischer 
Kunst ohne Schwierigkeit ein. Abgesehen von dem unge- 
schickten und plumpen Gesanileindruck, den bereits Dorow 
hervorgehoben hat, hat die llelmibrm gerade in Ltrurien die 
besten Analogieen •. Am nächsten scheint mir der Kriegerkopf 
aus Orvielo [iih^.Notizie 1887 Taf. VII, 9) im Museum zu Flo- 
renz zu stehen, bei dem auch der plumpe breite Hals und das 
stark vortretende Kinn sieh wiederlinden. Mit der Bildung des 
Gorgoneions auf dem Schilde kann man ebenfalls elruskische 
Denkmäler vergleichen. Der breite Wulst über den Augen und 
die Locken, die auf den von Furtwiingler citirten griechischen 
Denkmälern nicht erscheinen, kehren ganz entsprechend auf 
der etruskisehen \'ase bei Mieali Moniitnenti (inticln incditi 
Taf.XXXVI und auf der bei Dorow a.a.O. 1'af. IX Kig. 1h 
abgebildeten Beliefattasche wieder. I']s bleibt also mir die von 
Furtwängler S. 8 hervorgehobene stilislisehe ('hereinslinimiin^ 

' Vf,'!. den llclin Hill l'iisch aiil' diT Sldc des Aiiln llliiski's in l'ldrenz 
NoUzie 1887 Taf. Vll,',) und drn Urlni mit Na-soiisciiii ni und Uum'Ii auf oi- 
lUT lioliffstole ausOiviclo liri Marllia L'art ('■Irtisijur >'•. „Mi! I'ip;. ilii. llaulip 
sind {^anz onlsitnuiicndc llolnnr mit Hu^cli Itoi den Iteliidü^utoii v<»ii Kiic- 
gorn auf lJiii'iii'ni\asiMi, vgl. Mieali Miiiiinnntli per scrrirc alasloiia'Ynf. 
XXll, Dorow, a a.O. 'i'af. I\ lig. I.;'..!. .\linlicli, alter mit <|uadra(iscln'in 
Aus.scliiiill vcrsolicii sind die Ilidnic IjL'i Mioali Munumenli anliclii inedili 
Taf. XXV, 1. 



450 C. WATZINGEK, Zrii POHOSSTATUE IN MUENCHEN 

mit dem Helief von Clirysaplia übrijj;, die sich mir am ein- 
fachsten aus (h'm Material der Statue zu erklären scheint, das 
man wie Holz mit Messer und Siiij;e hearheilen kann. 

Zusammen mit i\ev Kriei;erstatue hat Dorow in Chiusi drei 
etruskische lielielTra^menlc erworhen', uher (h-i-en Verbleib 
icii nichts bah«' leststellen können. Seine Vasensammlun«; bat 
er an den Maler Magnus verkauft, aus dessen Hcsilz sie in 
das berliner Museum über^ei:;an^en ist ''. Dort belindct sich 
]v\/.\ juirli der 'Taf. XV V\'^. \,a6 abgebildete Broncespieü;el '^ 
und ein kleiner Broncreimer, von den) di«; eine Maske Taf. 
XVI Fio; /, abi;('bildet istv l)aj;e-eu ist die Taf. IV Fij; 10 
wiedert^egebene Bruncescbale nicht in das berliner Museum 
gelangt ^. Wann Üorow die TulTstatue verkauft hat und auf 
welchem Wege sie schliesslich in das Nationalniiiscum gelangt 
ist. wo Furtwiin2;ler sie wiederentdeckte und zu allerdings all- 
zu hoher Rhre gebracht hat, haben auch Nachforschungen in 
Dorows übrigen Schriften nicht feslslellen können. Jedenfalls 
aber bleibt das Ergebniss bestehen, dass die Statue in Mimchen 
aus der Reihe der altgriechischen Porosskulpturen zu strei- 
chen ist. 

Athen. 
CARL WATZINGER. 

' Es .sind: !) Tal'. X Fig-. .3 ( = Iii};liiiaiiii (jallcvia utncrira H Taf. '.!I0 ) 
zwei stellende, und zwei sil/.onde Krief;er, sicli nnleilialtcnd, von Ingliiiaini 
auf di<^ lllas l)ezoj;en, in UveibeL'l\s Sa-^entiicis niclit erwiilinl ; 2) Taf. XII 
l'ig. 1, a. b.c. Lager, an dem sicli vier i'rauen lielinden, anf den Seilen- 
lläclien nueli je eine l'i^'ur; 3} Taf. XII Fig. 2 (= Mieali Mitinancnli per 
servire alla sloria Taf. Llll.i ) Silen und Mänade. 

2 Vgl. Furlwängler, Katalug der Vastuisaniudung im Antii|uariuin, Ein- 
leitung S. XVI und die durl eilirle Liileralur. 

^ Vgl. Friederielis, Berlins antike Bildwerke II S. .Vi Nr. r>l ; Gerhard, 
Elruskisclie ^^piegel I Taf. üO. 

•» Vgl. Friederielis a.a.O. S. 278 Nr. 1323=« . 

s Alle diese Broncegefässe stammen aus einem Gral)e in Chiusi, das 
kurz vorder Ankunft Dorows geülfnel wenden war ( Dorow S i',S». Ausst;r- 
dem fanden sieh darin ein Tigerkopf ans Bronce, zwei korinlliiselie Ary- 
l.alloi, al..u.-hil<l.t Taf. IV Fig. 'J, Jetzt in Berlin I Fnrtwiingler a.a.O. 1;';35. 
IV.''l<i mit ili-r l;i|sc|i('M l'iovenienzaiigalie N'iilri ) und rinc pmlnknriMthisehe 
Lekjlhos, ahgehildel Taf. IV Fig. 1 I , jelzl elienlalls in l'..iliii ll in I wängicr 
a.a.O. IVOH mit der.selljeii l'roveuieiizangabe ). 



LITTERATUR 

A. S. Arvanitopullo, Qiiestioni di diritto altico. I. 

A. 2::. ApbANITOIIOVAAOS, Zy)Ty)axTa toO otTTiy.oO cJi/.aioj. II. 
Athen lOOO. 

Anp.odtt'jj^.aTa Toö Tay)[j.aTog Tri; S'oiJ.oaiai; ot>covop.ixc, 5: O Tr- 

nos EN Eaaaai. Athen 19(10. 

B. AorSMANHS, U'xpoL-cripri'jiK; iizl toO TCpooSiopirju.O'j toO tte^io-j 
\i.i-fr\c, p.ETa^'j riot;.7CY)io'j )iat Kai(7apo(; iv öerroaXia. Athen 1900. 

E. I. Apakos, AeiSiaK« TOTroypa'piy.a xat Ex./.^Yi-jia'jTi/'.ä. 11,1. 

Athen 1899. 

n. KaBBAAIAS, 'IiTopia T-o; äp/aioXoyi/.r,? 'Eratpeiac (XTrö Tr,(; 
£v exei 1837 iSp'jijeoj; aurric {^-e/pi toO 1900. Athen 1900. 

r. A. KaPAMANO^:, Ta Apx.aSix.o. ctTrö xcjv äpva'.OTZTcuv yoö- 

vu)v jU.e/p'. Tüjv )(.a6' /if/.ä;. Tripolis 1900. 

n. N. IlAnATEÜPriOr, Aöyo? p-oÖet; ETui TOi(; äyy.aivioig toG le- 
poO vaoO Tri; 'Ayta; Ilapa'Tx.e'jri; toO ev tw vexporafpeiü) tri; öpOo- 
SöQO'j )coiv6TriTO; ÖeaTaXovijtn;. Athen 1900. 

N. r. IlOAITHS, MEXerat Ttept toO ßio>j xal rri; "yXaxKjrK; toij 
'EXXnvDtoö XaoO. IIapoi[y,iai. II. Athen 1900. 

A0HNA, <5ijyypa[i.aa 7V£pioSi)töv tt,; ev 'AO/^vat; ETriTTr^u.ov.x.ri; 
Ixaipeia?. XII, 3, 4. Athen 1900. 

Darin u. a. S. 285. P. N. Xat^iSä)'.'., rispt tou (jx^rj(j.aTio(Aou twv ovofiaTtuv £•; 
-i; -IV ävTi -tos -tov ev TT) |i.£TaY€v£aTEpa 'EXXtjvut). — S. .34'». Derselbe, Wic,\ 
ToCi Toviajxo'j TüJv ouvÖ£T(uv ei{ -o; ovo|j.äTtüV. — S. 300. i]. MsväpSou, FaX^ixai ixe- 
aaiüjvtxat Xe'^Et; ev K'jRpo). 

ApmüNia, £7riTTnp,ovix6v TTEpioStJtöv «jüyypa(jL|xx. 1,7-1-?. Athen 
1900. 

Darin u.a. S. iOI. W. Dailli, 'H öurjpixfi 'lOxxr).— S. 436. 0. «tiXaoeA-jeJ;, 
T« IlapaoEiata xai ö orj|jLo; Barrj. — S- 'ilii, 58i uiul (J3I. Naciilrag zur In- 
sclirill aus Tliyrreion (v;;!. ölten S. 113).— S. 50'i. K. M. KtüvjTavTonoJXoj, 
'Ap/^iTEXTovixr) TOJ vaoü EV xf) [lovjj Aa^viou.— 8. "i-^l'J. I. XaxCiSaixi, 'Ap/aioXoYt- 
xal epeuvat ev Kprix/). — S. 1)33. N. I. riavvoTcoüXou.'H "l'reäxr, xaxi xJjv ip/aid- 
xr)ia. — 8. 7(tr). K. M. KwvaTavco;ioüXoj, T/jiptotijxa Aaifvlou. — S. Ti;". I. i^. 
ij«pp^, MeXe'xi) Jiepi xoü KopivOiaxoO xöXnoy. 



452 FUN OK 

lU i.LKTiN de la s(»('i('((' ar('li('ul()<;i(jiie crAlexandrie, rediy^o 
|»ar lo \y G. Botli. III. MiiiicIkmi 1<M)(). 

Darin II. Tliioiscli, Zwri (Ir.ilicr der liiiiiisclu'n Kaisoizeit in Galibari 
(Alc\aii(liial. Mil 8 To\tal»l)iMiiiij;<Mi, II Talclii und I Li(.'lil(li iiek. 

AkatkjN Tri<; £v 'AXf^-uptö (ptXap^aiou eraipeia; « tt)? "OOpuoi » 

Ttuyo? V. Allicii 1900. 

Nach tieiii Hciii'lil ülier den Verein veröHentlicIit N. I. riavvo7:ouXo; neue 
Ihessali^clic Insclirillen. — S. 3^. l'liuinikisolie Insclirili aus Fiatanns. 

AEATION Tili: li:T()PIKIIS KAI EöNOAOriKHS ETAIFlAi] TIIS 

EAAAAOi:. V, 'i (^.>0). Atlion I'.IOO. 

N.vcHiucHTEN dps riissisclieii ai'cliiiologisclipn Instituts in 
KonstantinojH'l. VI 1. Sophia 11)00. jKiissisciri. 

lll'AKTlKA TT]; äpjraioXoyixyii; 'ETaip£ia(; toO exQu«; ItS'JÜ. Allieil 
1900. 

To IlKi'ioAiKüN MAi]. I,8-^2i. PirUiis 1900. 1901. 



FUNDE 

In Athen sliess man beim Fundamenlgrahen in der JNähe 
des Lysikrates-Denkmals auf ein antikes Grab, über dem eine 
Marmorslele mit Inschrift lag. In dem Grabe ist nichts von 
Bedeutung gefunden worden. (""Acttu, 27. ^CeTTTsaSptou 1900). 

Der iVJerkwürdigkeit halber sei auch erwähnt, dass bei der 
Restauration des Partiienon zwischen .Marmorbl()cken am Gie- 
bel eine Py\is, die noch Beste roter Farbe enthielt, niul ein 
Broiice-Untersatz für ein Gefäss entdeckt wurden, die wol noch 
aus der Zeit des Partiienonbaues stammen. ("Aaru, 2(S. I^ett- 
TEugpiou 1900). 

W^ichtiger ist ein grosser Vasenfiind, den ein Privatmann 
in einem verschütteten Brunnen gtMnaclit hat und von dem 
Proben in das Museum gelangt sind. I']r besteht in mehr als 
bun(l(Mt Gelassen meist iiMuischer Z(!it, deren Formen an die 
von Grenfell und Hunt im Fa^'üm gefundenen römischen Ge- 



FUNDR 453 

fasse erinnern und zum Teil nncli mit lieutzulage gebrauchten 
Formen üliereinstimmcn. Als Ornamonle flienen einjjjeurahpne 
geometrische Muster; nur ein Stück maciit eine Ausnahme, 
das mit gelb und braun aufgemalten Ornamenten verziert ist 
und zur Klasse der sog. koptischen Vasen geliiirt, die bis jetzt 
nur aus Ägypten bekannt sind. 

Bei den südwestlich von Athen geiegent'ii Schlaclithäusern 
hat mit Erlaubnis» derRegirung ein Privatmann Ausgrabun- 
gen veranstaltet, die zur Aufdeckung eines grossen Friedhofes 
geführt haben. Diesei- h'riedhof befindet sich am llissos an der 
Stelle, wo die mittlere lange Mauer den Fluss kreuzte, west- 
lich von dem Ausliiuler des Mii.seionhügels. an dessen Süd- 
abhang ein grosses Felsengrab liegt (vgl. Curtius, Atlas von 
Athen lil. III, A.5. iil. VII, 1.2.). NacJi den bisherigen Fun- 
den ist er in das Rnde des V. und den Anfang des IV. Jahr- 
hunderts zu setzen. Die Toten waren bestattet in llolzkis- 
ten, von denen sich noch die Bronceniigej erhalten haben, 
in Thonladen länglichei' und viereckiger Form oder einfach 
innerhalb eines von Marmorrpiadern gebildeten Beclileckes. 
Zur Aufnahme der Asche dienton innen ausgehithlte Mar- 
morgelässe, die Ijald die F^orm von Kesseln bald von Säu- 
le/itrommeln haben. In diesen Behältern liegt gewöhnlich ein 
Bronc(^-oder Terrakotlakessel, der die Asche enthält. Die 
Hauptmasse der in den Gräbern gefundenen N'asen bilden Le- 
kythen, Aryballen und Py\iden mit den gewöhnlichen Dar- 
stellungen. Dazu kommen Lutrophoren , unter denen zwei 
von besonderer Grösse und mit grossen, die ganze Bildhöhe 
einnehmenden Fimiren «•eschmückt sind. Auf der einen ist 
ein Amazonenkauij)!', auf der anderen sind stehende Krieger 
dargestellt. Unter den Kesseln trägt dereine um den Band ein 
weiss aufgesetztes Lorbeerband, der andere ist mit einem aus- 
gesparten Fpheuband verziert, ein dritter zeigt das Bild eines 
Flötenbläsers im langen (lliilon, umgeben V(M1 lanzenden ('ho- 
reuten mit Schurz um die Müllen. l'.inePelike zeigt den Kampf 
desTlieseus mil dem marallionisehen Stier, l ntcr den Tena- 
kolten sind hervorzulud)en kleine \eruolilele ScheibiMi mil Bo- 



'i;»'l FUNDE 

seilen oder MedusenkiipIVn, ein knieender Silen. ein syrinx- 
blasender l^an , reiner eine Keilie kleiner Vögel und llnnde, 
die aus einem Grabe slanimen sollen, und ein schöner Lö- 
wen köpf. 

Gegenstände aus lironce sind die sclion erwälinlen Kessel, 
Spiegel oline Darslelinngen. zwei Pliillelien mit den Inschrü'len 

NIKOTEAH^ und APOAAOAQPO^ 

AXAPNEY^ XOAAEI(Sy)?)<|)Y. 

Ausserdem landen sieli dr(u ßl(!ipl;illclien mit Verllucliungs- 
inselirif'len. Über den Gräbern slanden bisweilen Stelen oder 
iVlarmorgefässe , mit Darstellungen in Malerei oder Relief 
oder nur mit Inscliririen. Dazu kommt ein kleiner reeblecki- 
ger Stein mit der Inscbrift opo<; }xv7)(Jt.aTo;. Insclirilten linden 
sich auf rolgenden Stelen und iMarmorgelässen: 

1) Stele, daraufsitzende Frau, die einem vor ihr stehenden 
Jüngling die Hand reicht; blauer Grund. Über dem Jüngling 
steht (t)IAINO^, über der Frau AFNO^TPATH. 

'2) Stele, deren Darstellung gemalt war und jetzt vollkom- 
men verschwunden ist. Oben TPITIA^ links, KH4)I^O<|>n N 
rechts. 

3) Kleine Stele, oben die Inschrift : 

'A7vo>>>.6Sfa)po<; I — tatovo? | Ku9y)ppio<;. 

4) Lekythos, vornsilzender Mann, der einer vor ihm stehen- 
den Frau die Hand reicht, hinter ihm und hinter der Frau steht 
noch je eine Frau. Oben die Inschrift 

links <t)AINOMAXH rechts POAYNIKH. 

AY^IAEQ^ 

5) Lekythos, die Bemalung ist verscliwiinden. Oben nur 
noch die Inschrift (A)Y^IAEQ€ MYPPINH, sehr llüchtig 
eingehauen. Dazu kommt eine Lekythos, die nur mit dem 
Relief von zwei stehenden sich die Hände reichenden Mädchen 
verziert ist, Grund rosa. 



FUNDE 455 

Die Ausgrabungen, die fortgesetzt werden sollen, verspre- 
chen noch interessante Ergebnisse. Da die Aurdeekiing dieses 
\vichti'!;en Friedhofes in den Händen eines Privatmannes liest, 
der auf Grund des neuen Antikengesetzes dazu die l*]rlaubniss 
erlialten hat, so lässt sie in der Sorgfalt des Grabens und in 
der Beobachtung der Pundunistiinih^ leider Alanclies zu wün- 
schen übrig. (Vgl. die Berichte in der Wochenschrift für 
klass. I*liih)l, 1900 S. 1413 und in der Deutschen Litteratur- 
zeitung 1900 S. 3331). 

Im PirUus ist beim Fundamentgraben in der öSö? 
To(j.7U(xCyi eine antike Wasserleitung gefunden worden. Sie 
hat diei Abzweigungen und erhielt ihr Wasser vermutlich 
von den Hügeln der Halbinsel, an deren Abhängen schon IVu- 
her Spuren von W'^as.serleilungen entdeckt worden sind. ("A(ttu, 
30. 2£7rT£u.€piou 11)00). Ebenda wurde in einem Privat hause 
ein römisches Grabrelief mit Beschlai' belebt, das eine stehende 
Frau in langem Gewand darstellt. Fs ist gut gearbeitet, die 
obere Hälfte mit dem Kopf der Frau ist abgebrochen. ("Aotu, 
25. 'louXioo 1900). 

In Keratea hat ein Bauer in seinem Acker eine mar- 
morne Grabhydria und ein grosses Grabrelief mit Giebel ge- 
funden, die beide in das Nationalmuseum gelangt sind. Auf 
der Hydria, deren Hals und Fuss fehlen, ist in l\elief ein auf 
einem l^ehnstuhl sitzender Mann dargestellt, vor dem auf- 
recht stehen ein iMann, ein Kind und eine Frau. Über dem 
Relief befindet sich die Inschrift : 

NAYCiriTOAEMH A YK OPTO^ I EP OTTTO 
4)AINITTTTH lEPOOTH^ 

Aufdem Grabrelief, das zur Hälfte erhalten ist, ist eine sitzende 
Frau dargestellt, hinter der eine Dienerin steht. Oben steht 
die Inschrift 

H AHMAFOPA 

Bechler Unterarm und Beine vom Knie an waren auf der an- 



456 FimoK 

ileren FliilflP. auf der nach »Ifin liiicIistalHMirosl links sich nocli 
eine zweile I^^ran hel'and. Hciile Shicke sind i!;iil i;cai'heilet und 
gehiM'en in die ersle Hälfte des l\'. .lahihundei'ls. ( vgl. 'Edxia, 
-23. 'Iou"Xio'j l'.KHI). 

In der Pa n s i; i'o 1 1 e am l'arnes hat der l^phoros Skias Aiis- 
iii'alHinijjen Vfranslailcl, die fitrliieselzl werden S(>Men. Ris jetzt 
sind W eiiiinschriflen. ein Helicf und in den Trnpfslein ein- 
ojeschlossen eine iiohlene Cikade und eine winzige goldene 
Klinc iicfnndcn hcides olTenhar Weihe^^ahen. 

In l'lrclria hat der l'][)h(tr()s Knrnniotis seine eri^ehnissrei- 
chrn Ans^rahnni^en lortiicsetzt (Vi^l. ohen S. 3111'.). Nene 
Gräher sind aul'i;edeckt worden, ans denen Lekylhen des V. 
.lalii liiinderls zu Ta^t' kamen. Aiu'h Goldl'unde wurden darin 
üemacht , darnnler zwei Halskellen, deren Glieder die Korni 
von Eicheln li;d»en ; in der Mitte dereinen helindet sich ein 
kleiner Löwenko|)l',(ler anderen ein Stierkopf; ferner ein Dia- 
dem, verziert mil Sphingen. Pegasoi u. s. w. in Uelief, und 
zwei goldene Fingerringe. An einer anderen Stelle entdeckte 
Juan Gräher des Vll..lahrlninderts,in denen unter anderem zwei 
alteretrische Amphoren gefunden wurden. InGrähern im Nor- 
den der Stadt, die ehenfalls der älteren Zeit angeln'u'en, wurde 
eine grosse geometrische Amphora mit der Darstellung eines 
Leichenzuges, Wagen unil Kriegern gefunden. Ein vierter Eried- 
hof, aus dem h^nde des \. oder dem Anfang des IV. Jahrhun- 
derts, spendete eine ganze Anzahl prachtvoll erhaltener weiss- 
und hraungrundigcr Lekythen, von denen einige Heischriften 
tragen. Die eine zeigt die Darstellung von Hypnos und Thana- 
tos. Begonnen ist mit der Aufdeckung eines grossen rinni- 
sehen Bades, das am ImkIc des Sommers gefunden wurde. Bis 
jetzt sind zwei kreisrunde Bäume mit niedrigen Sitzen aus 
Ziegeln ausgegrahen, deren Eusshoden mit weissem Mosaik 
belegt ist. Kanäle ans Tlionrohren,tlie das Wasser zuführten, 
und marmorne Wannen haben sich noch erhalten. ("A'jt'j, 3Ü. 
'Io-j>to'j, 1 . ^üe-TEaßpio'j 11)00). Im Osten von l^^relria in einer 
Magula genannten Gegend isl ein weiblicher Kopf ( Artemis ?) 
gefunden : man vernuilet daher in dieser Gegend das lang 



FUNDE 457 

gesuchte Heiligtum der Artemis Amarysia. Ein Teil der bis 
jetzt in Eretria gemachten Funde wird später in dem Museum 
in Chalkis Aufstellung finden. ("Acvtu, 17. A£>c£{x€pio'j 1900). 

in Chalkis ist ein grosses Mosaik entdeckt worden, das 
zum Fussboden eines Gymnasions gehörte. Auf ihm sind 
Faustkämpfer und andere Athleten in den verschiedensten 
athletischen Übungen dargestellt. ("AdTu, 24. 'Iou>.io'j 1900). 

Die Nachrichten von der Entdeckung eines mykenischen 
Kuppelgrabes in der Nähe von Megalopolis und des Gra- 
bes des Aipytos bei Pheneos haben sich als irrtümlich her- 
ausgestellt. (Vgl. "AdTu, 2. SeTCTefxßp. und 14. NoefiL^p. 1900). 

An der Nordküste von Antikythera liatten am Ende des 
Jahres 1900 Taucher, die auf dem Meeresgrund nachschwäm- 
men suchten, in einer Tiefe von etwa 60™ einen Schatz von Mar- 
mor- undBroncestatuen entdeckt und zum Beweise der Glaub- 
würdigkeit ihrer Angaben eine Broncehand hervorgeholt und 
nach Athen gebracht. Die Anfangs mit begreiflichem Miss- 
trauen aufgenommene Nachricht veranlasste die griechische 
l^egirung, von den Tauchern an der von ihnen bezeichneten 
Stelle mit Unterstützung zweier Kriegsschiffe Bergungsarbeiten 
vornehmen zu lassen, die bis jetzt von grösstem Erfolge wa- 
ren. Eine ganze Reihe von Statuen aus Bronce und Marmor, 
die zuerst dem Meere entrissen wurden, waren leider voll- 
kommen zerstört ; ausser den allgemeinsten Umrissen der 
menschlichen Figur war nichts mehr an ihnen zu erkennen. 
Dagegen ist der grösste Teil der seitdem gefundenen Stücke 
vortrefflich erhalten. Von einzelnen Fragmenten aus Marmor 
ist zu nennen ein grosser Halbmond, ein Knabenfuss mit 
Stütze unter der Ferse und dem Best der Marmorbasis, auf 
der er stand , Hinterbeine und Füsse eines Pferdes. Diese 
Teile sind olTenbar von den Statuen abgebrochen und im 
Sande vor dem Seewasser geschützt wol erhalten geblieben. 
Nur eine Marmorstatue ist fast unversehrt gefunden worden. 
Der linke Arm, das linke Bein und die linke Körperseite sind 
stark zerfressen ; dafür ist der grösste Teil des Kopfes, der 
Kücken und die ganze rechte Körperseite vollkommen frisch 

ATHKN. MITTHEILUNGEN .V.W. 'M) 



ifiS FUNDE 

und glatt erlialton. Dor Ohorkopf ist angostiickt. Die Statue 
slollt einen .liingling dar mit ausserordentlieli krarivolleni 
inuskui()sen Körper, der sich ganz zusammenduckl und in die 
Kniee herunlerlässt. Der rechte Arm hängt schhiff und unlhä- 
tig bis heinahe auf die Evi]c. herah, der linke war nach vorn 
ausgestreckt. Der Kopf ist zurückgenommen , der Blick richtet 
sich scharf in die Höhe, der i^ichtung des linken Armes ent- 
sprechend. Unter dem rechten Knie, zwischen dem rechten Arm 
und dem rechten Oberschenkel, zwischen Daumen und Zei- 
gellnger der rechten Hand sind Stützen angebracht. Besonders 
aulTallend ist die Bildung des Kopfes; die niedrige Stirn, der 
phitt gedrückte Oberkopf, das viereckige, plumpe und bau • 
rische Gesicht erwecken den Eindruck eines realistischen Por- 
träts. Das Haar ist ganz kurz und liegt fest am Kopf an i)is 
auf eine kreisrunde Stelle am Hinterkopf, wo es länger ge- 
lassen ist und einen etwa 1*"" hohen Wulst bildet. Von den 
bisher vorgebrachten Deutunoren scheint die auf einen Pan- 
kialiasten den Vorzug zu verdienen : für sie spricht die Hal- 
tung, die an die Statue eine Bingers im Konservatorenpalast 
Nr. 'i3 (Helbig Führer'^ I, 59'2. i\\)<^vh. Bullcttino communalr 
1876 Taf. 11) erinnert, bei der die Haltung der Arme umge 
kehrt und der Körper nicht so stark zusammengedrückt ist. 
Ferner spricht für sie der Haarwulst am Hinterkopf, der viel- 
leicht mit dem rirrits der Pankratiasten identificirt werden 
darf, wie ihn Visconti auf einem Athleten-Beliel [Miiseo Pio 
Clcnientino V Taf. 36) wiedererkannt hat. Wegen der etwas 
trockenen Behandlung des Marmors, wegen der an Gravirung 
erinnernden Ausführung der Ilaare imd der vielen, zum Teil 
sehr hässlich wirkenden Stützen scheint das Werk kein grie- 
chisches Original, sondern die sehr getreue Kopie einer Bronce 
Statue hellenistischer Zeit zu sein. Der schlatT herabhängende, 
viellei(;lit durch einen Schlag gelähmte rechte Arm weist wol 
darauf hin, dass der dargestellte Pankratiast der unterliegende 
ist und dass zu iinn ein siegreicher Gegner zu ergänzen ist. 

Viel reicher als dir h'uudc! aus Marmor sind die aus Bronce. 
Von einzcinrn Bnicdistücken, die besser erhallen sind, sind zu 



FUNDE 450 

erwähnen der reclite Fuss und die Solilo eines linken Fusses, 
die mit Stiefeln bekleidet waren, und drei Paar Füsse mit 
Sandalen von drei verschiedenen Statuen, die mit Bleiver- 
j^uss in steinerne ßasen eingelassen waren. Die eine Stalue 
ist nach dem ohen erhaltenen Gewandrest eine Gewandstatue 
gewesen. Ferner fanden sich zwei Schwerter, eine kleine 
hroncene Leier, zwei kleine Löwenköpfe, die an den noch 
in Resten erhaltenen Seitenlehnen eines Thrones aus Bronce 
mit gravirten und eingelegten goldenen Ornamenten ange- 
hracht waren, dann drei rechte Arme, unter denen einer 
durch vortremiche Frhallung und Feinheit der Arbeil her- 
vorragt, und der linke Arm t'ines Faustkämpfers mit dem 
Riemengeflecht um Unterarm und lland. Dieser Arm gehört 
vielleicht zusammen mit einem bäitigen Porträlkopf, dessen 
Arbeit auf das II . Jahrhundert vor Chr. hinweist. Fast un- 
versehrt erhalten sind drei etwa -iO"" hohe Statuetten und 
eine überlebensgrosse Statue. Die eine Statuette stellt ein Mäd- 
chen dar, das fest auf dem rechten Bein steht, das linke 
Bein etwas zurückzieht und mit einem langen dorischen 
Chiton mit Überschlag bekleidet ist. Der Imke Arm häiiu:t 
herab, die vorgestreckte olVene linke lland hielt vielleicht 
eine Schale. Die Statuelte gehiu-t noch in d'w erste Hälfte 
des V. Jahrhunderls. die Arbeit ist nicht hervorragend. Die 
vordere Hälfte des Kopfes ist leider nicht gefunden; das 
Haar ist hinten in einen Kntjteu gebunden und nur durch 
fluchtige, gravirte Stricht" angedeutet Weit feiner ist die Sta- 
tuette eines Jünglings aus dem i*]nde des \'. Jahrhunderts mit 
linkem Standbein und rechtem Spielbein, das etwas zur Seite 
gestellt ist. I']r blickt g»'rade aus, hielt auf der ein wenig vor- 
gestreckten rechten lland wahlscheinlich eine Schale und in 
der iicscnkteii linken ebenfalls einen Gegenstand (Bo^en?), 
vnn dem noch ein liest erhallen ist. Brustwar/.en . Lippen, 
Augen waren wie bei der Broncestatuelle des Hermes mit dem 
Widder (J:dirbncli des Insl. 1SS7 Taf. 9) aus anderem Ma- 
terial, W(»l Silber, eingesetzt. In der llallnng .sieht die Sta- 
tuette der kleinen l'ronce aus der Nähe \(Hi Curium (abg. 



4G0 FUNDE 

Ce&no\a Ci/pritsS. 345), die vielleicht einen ApoUon darstellt, 
am niiclislen. Die dritte Statuette aus hellenistischer Zeit stellt 
einen Jiinglino; dar im Motiv des mimchener Diomedes mit 
rechtem Standbein und linkem etwas zurückgezoijjenen Spiel- 
bein. Der Kopf ist nach links gewandt, über der linken Schul- 
ter hängt die Chlamys. In der rechten, etwas vorgestreckten 
Hand ist wol ein Schwert zu ergänzen, der linke Arm ist im 
Ellenbogen gekrümmt und etwas zurückgezogen. In mehrere 
Stücke gebrochen, aber sonst wol erhalten ist die überlebens- 
grosse Statue eines nackten Jünglings, der auf dem linken 
Bein steht, während das rechte Hein ein wenig zur Seite ge- 
stellt ist. Der linke Arm hängt herab; in der Hand hielt er 
einen Gegenstand, dessen Ende nach unten gerichtet war. Der 
rechte Arm ist weit ausgestreckt, die Hand hielt wie die Stel- 
lung der Einger deutlich zeigt, einen runden Gegenstand, also 
etwa einen Apfel oder einen Ball. Der Kopf ist nach rechts 
gewandt, der Bichtung des rechten Armes entsprechend. Die 
Statue, die man bei der Auflindung als einen zweiten Hermes 
des Praxiteles begrüsste, ist naclipraxitelisch und wol in das 
Ende des IV. Jahrhunderts zu setzen. Je nach der Ergänzung 
des runden Gegenstandes in der rechten Hand könnte man an 
einen Sieger, der den Apfel als Siegespreis erhalten hat, den- 
ken (vgl. Furwängler, 50. berliner Winckelmannsprogramm 
S. 13*2 f.) oder sich erinnern, dass die Athener einmal dem Ari- 
stonikos aus Karystos, dem Ballspielgenossen Alexanders des 
Grossen, wegen seiner Kunst eine Statue errichtet haben (.Athen. 
I, 34). Doch ist damit die Beihe der Möglichkeiten nicht er- 
schöpft. 

Mitden bisher beschriebenen Antiken zusammen fanden sich 
auf dem Meeresgründe Gegenstände, dio der riunischen Zeit 
angehören, mehrere Scherben von Glasgefässen, eine kleine 
Alabasteramphora mit eckigen Henkeln, ein kleines Thon- 
fläschchen, mehrere Spilzamphorcn und eine lluMierne Flasche. 
Wegen der guten Form des Amplioiiskos und der Wiederkehr 
der gleichen Flaschenform in ptolemäischer Zeit im Fayüm 
(vgl. Grenfell und Hunt Fayoum /oavi.v Tal". XI, b, Fig. 15) 



FUNDE -461 

wird man inil der Dalirung dieser Funde nicht unter das er- 
ste vorclirislliclie Jahrhundert heruntergehen können. In die- 
ser Zeit ist also ein römisches Schiff hei Anlikythera gestran- 
det, das aus dem griechischen Osten gerauhte, von ihren Po- 
stamenten herahgenommene Staluen mit sich führte. Nach 
Lukian (Zeuxis 3) soll ein Schiff des Sulla, das ausser ande- 
ren Kunstschätzen auch die berühmte Kentaurin des Zeuxis 
aus Athen weggenommen hatte, in der Gegend des Vorgebir- 
ges Malea untergegangen sein. Ein von Griechenland kom- 
mendes Schiff kann sehr wol vom Nordslurm an die Nord- 
küste von Antikythera getrieben und dort gestrandet sein. Es 
bleibt allerdings auch die Möglichkeit bestehen, dass die hier 
gefundenen Staluen aus dem Osten stammen, da Antikythera 
auf der direkten Verbindungslinie von Uhodos oder dem süd- 
lichen Kleinasien mit Italien liegt. 

Da die Bergungsarbeiten fortgesetzt und schon wieder neue 
Funde gemeldet werden, stehen wol noch weitere Überraschun- 
gen bevor. (Vgl. "AaTu, vom fi Nosp-Spiou 1900 an ; Bericht 
von B'j^avTivo; in der Zeitschrift Ilava8rivaia, Athen 1900 S. 
198, 224, 278, 316, 358 mit Abbildungen). 

Auf Thera nahm lliller von Garlringen seine Ausgrabun- 
gen im Gebiet der allen Stadt wieder auf und führte sie in 
den Monaten Mai und Juni 1900 zu einem gewissen Abschluss. 
Es wurde vor allem die Oberstadt zwischen dem Platze vor 
dem Plolemäergymnasium, der Basilike Sloa, dem Heiligtum 
des Apollon Pylhios und dem steilen Südweslabhang fast voll- 
ständig ausgegraben. Staalsgebäude,die man benennen könnte, 
und grössere Heiligtümer fanden sich in diesem Bereich nicht, 
wol aber eine Anzahl von Privatliiiusern , deren Grundrisse 
trotz vielfacher späterer Umbauten noch herzustellen sein wer- 
den. Für die Aufnahme dieser Mauern ist durch Landmesser 
IV W ilski adcli diesmal wieder der Grund üolej^t, doch wird 
hier auch der Architekt noch manche lohnende Aufgabe lin- 
den, bis das Neben- und Nacheinander aller Mauerzüge auch 
nur einigei'uiaassen gcsichcrl ist. Besomlers interessant durlte 
ein sehr stattlicher Komplex sein, der nördlich an den höhe- 



'iO? FUNDE 

ren Platz vor dem Gymnasium grenzt, im Süden durch einen 
freien Hol' und eine Stützmauer gegen das henacliharte nocli 
liefere Grundstück aligesclilossen , im Osten und Nordosten 
durch Strassen l)egronzt wird, während am Abhänge litder 
iieleiienc Zimmer ani^renzen, deren eines wol wegen früher 
Verschütlung noch eine An/.ahl guter hellenistischer Terra- 
kotten bewahrt hat Im Hof liegt eine grosse Cisterne, deren 
teilweise noch erhaltenes Dach von sechs Säulen getragen 
wurde. Von den Zimmern sind namenllich zwei grosse Säle 
bemerkenswert, deren Wände mit Ix inalictn Stuck geschmückt 
waren. I^eider gelang es nicht diesen iiuvt'rs«'hrt zu erhalten; 
doch hatWilski von R. Preuner unterstutzt gcnaiie Aid'nahmen 
angefertigt. Der erste pompejanische Stil durfte in mancher 
Beziehung die nächste Analogie bilden . Auch ein besonderer 
Abtritt, wieder an der Strasse, fehlte diesem Hau nicht. Weiter 
südlich scheint eine kleine unregelmässige Heilanstalt gewe- 
sen zu sein, nach einer Inschrift wol des HI nachchristlichen 
Jahrhunderts zu schliessen: ©i-wv jj.eyaXwv £7i;Y)>c6a)v 'A(jx,Xy)7nü)v 
TTcaraiMv (Beziehung auf das öläische Hypata wie in Päros und 
Epidauros). Östlich davon liegt eine kleine, im Gegensatz zur 
Naclibarschaft stark südiistlich orientirte Kirchenruine, und 
etwas tiefer nach Osten ein Bau. aus zwei grossen Bäumen und 
einer Doppelkammer bestehend Der Mittelraum hatein Mosaik 
aus Marmorsteinen, die eine Kammer eine bogenförmig abge- 
schlossene Wandnische. Nicht innerhalb, aber sämtlich in der 
Nähe sind gefunden : 1) zwei Artemisstatuetten, "2) ein Altar 
mit AprajAiTo;, 3) ein Fragment: 

['ASp-yitJo? (?) 'AY>.(dcpavE['j(;] 

[xpcjoSeiTiv frei 
["ApT6]{^.iv £v Optv)c[<i> eiiaTo oder ähnlich]. 

4) eine kleine Basis : 

EivoSia StÖTEipo. 'pO(i)T['pöpe -^ «./] 



FUNDE 463 

Noch weiter nach Siuleii ist ein uiicrkliirtei', nach Norden 
und Süden von hochaltertünilichen l'olyi^onalinaiiern iK'j^renz- 
ler Hau, mit Innenliol und kleinen Zimmern an den Seilen. 
Die UmL!;«!hunn der j^rossen hvzantinischen Kirche wurde i^e- 
säuhert und (hihei eine Basis gefunden, die man wegen der 
maruKH'nen, I.S'.JI) in detselhcn Gegend ausgcgrahcnen Diosku- 
renkappe vielleicht ergänzen darf: 

Mxminzoi; IIoX[uoüj^ou Upeü;] 
o'-ä yi'jrj'Ji Aio[Tx.o'jpoi{]. 

Rechts vom llauptwege zum Ptolemiieraltar liegt ein Hau mit 
zwei grossen Hiiumen, deren innerer, an der dem Eingang ge- 
genüberliegenilen Seite, einen prolilirten Marmorsockel hat. 
der sich an der rechtenWand in gleichartigen erliahenen Stuck 
fortsetzt. Links ( nordiistlich ) in derselben Strasse wurde eine 
Seilengasse verfolgt, um hier womöglich die Ausdehnung der 
Stadt nach unten feslzuslellen. In einem durch späte Umhauten 
entstellten Hause fanden sich'29 Silhermünzen des KaisersTlieo- 
philos (8-29-<S'j5) und eine Goldmünze des Kaisers Michael 
(8 '»'2- 867). Man könnte denken, dass die Münzen zur Zeil des 
Sarazeneneinfalls von 80 'i ( vgl. My)Xiapic>cTo;, Kj)tXaSi)ti S. 371) 
vergraben seien. Jeilenfalls liefert der Fund ein späteres Da- 
tum für die Hewohnung der Stadt als die sonst so natür- 
liche Annahme \(»n WOIlers (Arch. Anzeiger 1899 S. 187), 
der an den furelilbar(Mi \ulkanischen Ausbruch von 7*^6 erin- 
nert Noch weiter unterhalb, zwischen dvn .\ckerlerrassen 
über dem Evangelismos. \Nurde ein ihurmai'liger, zweistöcki- 
ger Hau mit vielen kleinen Gemiichern freigelegt. Darin lamlen 
sich viele Hruchslücke von Slatuellen, ein Plolemäerallar und 
mehrere kleine llausaltäie, so: 'Eixia; xxt Zr,vö; SwTTipo;, Ztü(; 
KTy)('Jio<;). Überhaupt haben sich diesmal sehr viele solcher 
Altäre gefuntlen, wtdelie ganz offenbar die Hedürfnisse des 
privaten Kultus erfulllen, meist aus hellenislischer oder rii- 
miseliei' /eil. Sehr liäulig isl verlrelen 'EaTia?, "AyaOoü Asti- 
[JL0V0(;, Tu^^a;, auch diese beiden kotnbiiiiil ; ferner Ai6; -wtt,- 



464 FUNDE 

po; Jtal 'AyaOoö Aaiaovoi;. Neu sind KoupYi(5[i ?] |7r£Xav[o(;], STpoipeo; 
(das ist 'EpfjLYi; ^Tpo'pxio;). Jener ''riitirin' hesclieerle auch 
einen archaischen Ge\vichlsleiu mit InschrilL, üher den C V. 
Lehmann im Hermes 1001 S 115 IT. berichtet hat. 

Wie im Herbst ISOO die Geilend unterhalb der Aj^ora, so 
wurde diesmal der Wci; von der Ai^ora nacli der Nekropo- 
lis auf der Sellada i^enau untersucht. Das erste l^]rj:;ebniss 
war, dass die A^ora nicht aus einer, sondern aus drei durch 
W^ege getrennten Terrassen bestand und eine Gesamtaus- 
tiehnung von 1 10 Metern von Süden nach Norden hesass. An 
der millhM'en Terrasse liegt der hohe Unterbau des Ptolemäer- 
und Cäsarentempels, an der nördlichen landen sich drei tem- 
peiförmige reclileckige Kxedren, welche Denkmäler von rei- 
chen Privatpersonen etwa aus der augusteischen Zeit dar- 
stellen. I^iue Inschrift diene als Piobe: 



'0 da.{y.o; ETeif/.aTEv 

riavTOc^svov MsXll-KTZQu , ävafJTaTavTOc; 
'ApiiTO^ävou; Toö Eifxt'pTOu, x,a9' uloSsTiav ^e llavTa^e- 
vou xaro. Ty}v TeOetaav utc' auroö 6ia6y))(.r,v. 

Dieser Platz war nach Norden wol ehemals durch ein Thor 
abgeschlossen. Da wo die Strasse ihn verlässt, sind zwei hohe 
Pfeiler gefimdon, deren einer eine Rhi-eninschrift für einen 
Syrakusaner und den Anfang einer Liste von Proxenoi enthält; 
der andere bringt die Fortsetzung der Liste, die wol aus dem 
11. .lahrhundert vor Chr. stammt. Unter den Proxenoi befin- 
den sich besonders viele FopTÜvioi, auch je ein oder mehrere 
K'jSwvtarai, MäXiot (iMelos). 'läxai, Aiyia>6i;, 'Ap^Eiivei?. Na- 
^lot, TiQvtoi, KviS'.oi, Küjioi, ein(?) 'Pcüixaio; U.S.W. 

Von dieser Stelle geht der Weg in Zickzacklinie bergab, um 
ein gleichmässiges Gefälle zu sichern. Bald nach Verlassen der 
.\gora nimmt er den steilen, geraden Stufen weg auf. der di- 
rekt von der sogenannlen Kaserne oder Kouiniaudaulur der 
Ptolemäer herabkommt. Ein wenig oberlial!» des l<S9fl ganz 
erforschten Temenos des Arlemidoros, zu drui eine schmale 



FUNDE 465 

unregelmässige Treppe hinabführte, geht er auf die Kapelle 
des H. Stephanos zu. deren Lage einen natürlichen, von den 
alten Theriiern obendrein noch befestigten Thurrn darstellt. Von 
dort geht nun, wie erst jetzt klar geworden ist, eine zwar in 
byzantinischer Zeit vielfach erweiterte und veränderte, aber 
im Kern sehr alte Befestigungsmauer am Westabhange herum 
bis etwa unterhalb des Chrislos, um den Zugang noch schwie- 
riger zu machen. Die Strasse überwindet auch hier in grossen 
Kurven das Gelälle und liess den antiken Wanderer sehr viel 
bequemer auf die Sellada kommen, als es dem modernen ver 
gönnt ist VVilski, dem diese Rntdeckung verdankt wird, hat 
sie praktisch verwertet, indem er einen bequemen Saumpfad 
auf das Eliaskloster absteckte und zu einem Drittel als Probe 
für den Demos Kallisle selbst bauen liess. Seine Untersuchun- 
gen haben sich aber auch auf die Zugänge zur Sellada von den 
anderen Seiten ausgedehnt. Am Nordostabhange des Rliasber- 
ges liegt eine ausgedehnte Nekropole, Plagades genannt, mit 
zahllosen in den Felsen eingehauenen Grabstätten. Der Ver- 
messung mussle hier eine kurze Reinigung vorangehen, welche 
die AulTindung einiger hellenistischen Vasen und Inschriften 
ergab. Zu dieser Anlage führte eine Strasse von der Sellada 
her an der Hauptquelle der ganzen Insel, der ZwoSö/o; Tryiyy), 
vorbei. An der Strasse fand sich zwischen der Quelle und ei 
ner schrofFen Felswand, an der der Weg künstlich durch Stu- 
fen hinaufgeführt war und jetzt gänzlich unterbrochen ist, ein 
ganzes Nest archaischer Felsinschriften, von denen die wichtig- 
ste in jambischen Trimetern eines von Agioteles veranstalte- 
ten Karneenmahles gedenkt ( vgl. Hermes 1901 S. 13'i). 

Die Darstelluni!; ties "[csamlen Stadtbildes, wie es sich nach 
den beiden letzten Ausgrabungen zeigt, ist einem kleineren, 
drillen Bande desThera-Werkes vorbehallcn Schliesslich sei 
noch erwähnt, dass diesmal die Kurven des Luftdrucks, der 
Temperatur und der relativen Feuchtigkeit während der Mo- 
nate iMai bis .August durch selbslregisli'irende .Apparate auf- 
gezeichnet und durch iiiialiliängige Beobachlungon konlrollirt 
sind, so dass unsere meteorologischen Terminbeobachtungen 



466 FUNDE 

vom Sommer 1896 eine Rr2;iinziin£; erfahren werden. Die Be- 
miilmnjion um den Bau eines Lokalmuseums sind wegen ört- 
licher Seh\vierij;keilen noeli zu keinem Ahscliluss gediehen, 
doch ist ein solcher l'ur das Jahr lUül sehr zu erhoffen. 
[F. V. Hiller]. 

In Siphnos isl von Herrn Dragalsis ein kleines Museum 
zur Aufnahme der heimischen Altertümer gegründet worden. 
Unter den Inschriften hefinden sicli 4 bisher noch nicht be- 
kannte ; unter den übrigen Altertümern werden ein Hermes- 
relief und eine .lunglingsstatue als besonders wertvoll hervor- 
gehoben. Herr Dragatsis beabsichtigt, im nächsten Jahre Aus- 
grabungen auf Siphnos zu veranstalten. 

Bei Ausgrabungen in C hania auf Kreta ist man auf zwei 
mykenische (?), in den Felsen gehauene Gräber gestossen, von 
denen das eine ein Frauenskelett enthielt Die Beigaben be- 
standen in zwei goldenen l^^ingerringen, einem grossen Bronce- 
spiegel, Bronceringen, einem Steingefäss und drei zerstörten 
Broncegefiissen. In derselben Gegend hat man auch römische 
Gräber aufgedeckten denen ausser Vasen und broncenen Fin- 
gerringen nichts Nennenswertes gefunden worden ist. ("Aot-j, 
28. 'OKTojgpio'j 1900). 

Bei Karditsa in einem "Ayio^ 'Iwocwn? genannten Bezirk 
des Demos Töu-cpoi ist eine wolerhallene Aphroditestatue ge- 
funden, die in das dortige archäologische Museum gebracht 
werden soll. ("Actu, 6. 'louXio'j 1900 ). 

Aus Kons tan za in Rumänien kommtdie Nachricht von dem 
Kunde eines grossen Grabes mit Wandgemälden, über das in 
der 'E'jTia(30.'Iouviou 1900) genauer berichtet wird h]s besteht 
in einer rechteckigen 2.2'" langen, 1 . V" breiten und 1,05'" hohen 
Kammer, deren vier Seitenwände je durch eine grosse Stein- 
platte gebildet sind. Das Dach ist aus zwei giebelf()rmig gestell- 
ten Platten zusammengesetzt, vondenen dieeine eine Inschrift 
tragen soll. Die Wände sind stuckirt und mit Gemälden ver- 
ziert, die leider durch das eingedrungene Wasser zum grossen 
'Teil zcrsliut sind hincrliaih des Grabes wunlen die Knochen 
eines männlichen Leichnams, eine griechische Münze und eine 



FUNDE 467 

kleine Thonvase gefunden ; es war wol schon im Altprtiirn 
^«'plündprt. Auf der doni Ringange gegonühorliegenden Wand 
sind no(di drei Figuren erhallen, Herakles mil Keule und Lö- 
wenfell, links nehen ihm eine stehende Prau mil KoUe in der 
rechten Hand und erhohener Linken uiul eine auf i'inem Thron 
sitzende Prau, hinter der sich ein Llefaul hefinden soll. Von 
den atuieren Darstellutmen sind noch zwei ^eflüuelte Niken, 
ein nehen einem SchilV sitzender und mit dem Doppelheil 
hantirender Jüngling und ein Knahe vorhanden, der auf dem 
Rücken einen Korh mit Früchten trägt Aus der uii vollkom- 
menen Besehieihung lässt sich leider kein Urleil üher die 
/eil hilden. 

Im Folgenden veröffentlichen wir im Anschluss an den ohen 
S. 398 IT. ahgedrucklen Aufsatz Körles noch einige phrygi- 
sche Insch rillen, die his auf die zwei letzten von G. Weher 
im Sommer 181)0 ahgeschriehen worden sind. 

Akmonia. Marmornes Grahmouumenl in Gestalt einer 
'riiur, 1.65'" hreit, 50'" hoch. 0.0^'" dick, mit Palmetten, 
Kierslah und Perlenschnur reich verziert, aus Ahalkiöi nach 
Uschak gehrachl, wo es als RiMinuentrog dient. 

'!>>.. TevQpavTi; L,ü)rsx ioL'jTrii /.oii 'Epuoye'vei 'Epaoyevo'j; tu) avSpi 
tÖ (j.vrip.eiov y.aTeTJceüxTev. | aexk Se xö roü; Süo xeOriva'. ei xi; 
avot((;)ei ri ETrtßo'jXe'jTS',. Z '^ O N 'TiSapouv etire^Qov xöv oix.ov. 

Z. 'i ANOIZEI Weher Für die Fluchformel verweist We- 
her auf die ähnliche hei Ramsay Cities (Uid bis/ioprivs of 
P/iri/i^i(i S. 565 und 6 5 '2. 

Temenothyra i (Uschak). I) Kiishunu Djami; Rloek 
1,10'" lang, 0,50'" hreit. rechts gehroehen, in der Mauer ver- 
haut. Das Wort ttöXi; ist radirt. 

II 1 £ €x T T O N T O N y75(; xal 
AAACCf-CAeCnO xYiv 
HAAl^inPOTATHTH p.evo 

OYPecüNnoAic 



468 FUNDE 

5) Grabstein in Geslalt eines Tliores, an einem Brunnen; 
die Inschrift auf einem 'l'äfelclien über dem Tliore. 

K[l]. Mnpeu« (?) >cal KX. 
. p . . 61J.Y) KX. Kaa- 

xpiriltOi T£)tVti> 

piv. 

Kotyaeion (Kutahia). I) Grabstele in Gestall einer Tliür 
an einem Brunnen als Pacade verwendet. 

i/l/i'/liii I A N I I A O C x.at "AfJifj.ia IlavcpiXo) inb x.at Tepxia tyj 
vüv(pir) ^.^riy.rit; /_äptv. 

•i?) Grabstele mit dem Relief eines Mannes in der arme- 
nisclien Kirche. 

[Tajra; Taxav ^ai BaSoöv yovsi; iTil^ri- 

TEv ETI C<iJvTs; ( SO Weber). 
[o](; av ^([p^oiToi TaTa; x.al 

(j£i /^eipa Trj- Taxiov toi- 

5 V ßatpu-pOo- Relief a xe^vo) {/.- 

vov, ouxw; virif^-oaüv- 

äwpoi; Tcepi- y) Sa)tpiiti)[v]. 

7r£(T)0lT0 rju- 

[[xjipopai?. 

Z. 3 CANTTOCOI und Z. 8 TTGAOITO Weber. 
3) Grabstele in Geslalt einer 'riiür, neben der vorigen. Der 
Schluss fehlt. 

'Av^pct;,ay(_o; y.1 (T)ax£'i; 'AXe^avf^pov xöv 
iauxcäv uiöv xe eauTOu; tri ^wvxe? 
eTeijXYioav x.£ 'ExivEiKo; xoui; yov£i(; ke xo 

Z. 1 M ATeiC Weber. 



FUNDE 469 

In dem Idadieli-Garlen von Kutaliia befinden sich eine An- 
zalil Grabstelen.die küi'zlicli ans dem Mudiri<!L von Allinlascli 
in Tsclierkesskiöi (an der Strasse von KuLaliia nacli Afinn- 
Karaliissar) dortliin gebraclit wurden. 

1) Grabstele, 1,50'" hoch, oben Kranz mit Kreuz, dann 
Uelief von Mann und Prau, darunter die InscIiriCt, ganz un- 
ten sechs Ochsen in llachem lieiief. 

Aüp. " K%-r:-()c, ävSpi Tpo(pi)[^.(i) tö) >ce Kpaiw y^uxuralTO) v.\ tä 
T£xva auTüJv Tp6(pi|u.0(; X£ Nix,6|JLaj(^0(; xai Aö|iJ.va xe "Atutttj^ xaToi 
K£ [X7)|Tpl ^(I)oy)v (!) ^pYiCTTtavoi yp-ojiTtav(i. 

*2) Grabstele mit Relief von Mann und Prau. 

TÖV {JLY) 
06- iSt- 

6v XY)- "Atctttj Mnvo(piXcii avSpi xs Eutuj^o) <(T)>E)tv((i)) X£ tau- 
Go(u)oei- TTJ C<^ca x£ Ta xEXva aÜTüivTaTia x£ NEixävwp x£ 'Ap-uia 
; vuvipY) x£ T£1{jl66£0? yavSpö? ETfiijXYioav |AVY)(x-y5? X^'P'^- 

Z. 1 KEYT YXWEK NOKEAI,/; Weber. 
3) Grabstele 1,30'" hoch; Relief von Mann und Prau, dar- 
unter: 

*A]<TxXa; 'Ajxia cjvSiü) x£ £auTü) e'ti X,Ci^ xk Ta TExva au- 
T(üv Tpöipiuo; xl Aöfxva .^f xal Nuv<pai[o? xal 
Na]va^ X6 Aö[Ava £T£iu.YiTav {/.v/)[xy)? X^P'^* 

Vom IJ i n d y m o n ( Murad - Dajjjh ) stammen fcdj^^ende zwei 
Grabstelen in Thürform mit Reliefbüsten von Mann und Prau 
in einem Bogen darüber, di»; auf der Station Kütschük- küu 
von Herrn Gaudin pholographirt sind (nach IVoundlich uber- 
lassener Pholographi»^ und Abklatsch Gaudins): 

1 . Maöioi; TaTia auvSicj x£ EauTcü ^(üv x£ Aauöc; j xou; iauToG 
YOV£i(; £T£i(Ji.iria£v p.vy;{JLr,; X*P'"'" 



470 FUNDE 

"2. Auf dem Rand des Bo<i;ens über dem Relief: <l>t>>£TEpo<; 

Ki Tpö(piixo; xs Aioya; - - - //// 

Unter dem Reliel": Aioya Tra-rpi xk 'I>aÜ7TYi i/.'/iTpl tri ^(hcri \ 
i-Koinnxw u.vr,iji,Yi; /^äptv. ö; xv 7rpO'ji:^(£)i | /_ipa Tr,v ßapu^Oovov, te- 
/cv(üv äcöptov TTSpilirfTOiTO GijvcpopaC(;. 

Unler der 'riiürfüllung rechts von einem von zwei Stieren 
gezogenen Plluge : 

'EvÖaSe Kiiat Aioyai;, noc^oq | ävY)p y)Su; aTrajciv. 

Z. 3 7vpoffa^i;i. 

Endlicli ist zu erwälinen, dass ein nacliträglich zugeseliick- 
ter Abklatsch als richtige Lesung in der Inschrift oben S. 'i I 7 
Nr. 'iS 'OvTicifjLw Kxi Atoaa ergiebt. 



~0»r*T«<0— 



SITZUNGSPROTOKOLLE 



5. Dez. 1900. Festsitzung zur Feier von Winekolmunns Ge- 
hurtstng ^^^ Döiu'FELD gieht eine Übersicht über die Thiilig- 
keil (los Instituts im abgelaufenen Jalire. — P. K.\vvadi.\s, Neue 
Ileil-Inseliriricn von Fpidauros. — W. Dörpfeld, l^ergamon. 



ERNENNUNGEN 

Fs sind ernannt worden zu ordentlichen iVJitgliedern die 
Herren J. Dragatsis im Piräus, V. Leonardos in Ahen, V. 
Stais in Athen, Chr. Tsundas in Athen, zu correspondirenden 
Mitgliedern die Herren G. Boni in Hom, G. Byzantinos in 
Atlien, A. Schill' in Athen, P. Wilski in Liegnitz, W. /ahn 
in Berlin. 



Geschlossen I i Miirz 1901 



TAKELN 



I. Grabstein derSlci liiiia iiiul Pdiilia Successa in Paros 

II. IM. Art'iiiltK'lKts - Iiis(!liiiri in Faros 

IV. Elircnilekrot für Ilipposlratos ans Milet . 

V. Karle von Paros nach Bnondelnionte .... 
Vi. Parisciie Reliefs nach Zeichnungen des Cyriacus 

VII. Üliersichtsplan der WasserUMlung des Tlieat,'enes in 

VIII. Brnnnenhaus des Theagenes 

IX. Ausgrahungen in Alcxandrien ; Ubersichlsplan . 

X. Ah^xaiidrien ; Querstdinitle durch das Sladlferrain 

XI. Ausgrabungen in Alexandricrt ; Quersciinitle . 

XII. Apollonlorso in Samos, Weihung des Leukios . 

XIII. Volivrelief in Samos 

XIV. Reliefs mit der Fusswaschung dos üdysseus . 
XV. XVI. Jünglingsslaluen von der Akropolis .... 



Megara 



'239 



Seile 
k 
?, 

iUO 

348 

355 

23 

26 

223 

265 

.252 

149 

169 

325 

373 



VERZEICHNTSS 
DER MITGLIEDER 

DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN 
ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS 



DEZEMBER 1900 



CENTUALI)IK*EKTION 



Herr A. Conze, General-Sekretär 

„ 0. llirschfeld 

„ R. Kekule von Stradonitz 

„ A. Kirclihoff 

„ Graf von und zu Lerclionfeld 

„ R. Schöne 

„ U. von Wilamowitz-MöUendorff 

„ F. Hettner in Trier. 

„ G. Kürte in Rostock. 

„ A. Michaelis in Strassburg i. E. 

^ 0. Puchsteiu in Freiburg i. Br. 



in Berlin. 



SEKRETARIAT 



IN KUM 



IN ATHEN 



Icvr !•;. Petersen, Erster Sekretär. 
„ ( li. lliilseii, Zweitor Sekretär. 



Herr W. Dürpfold , Erster Sekretär 
Zweiter Sekretär fehlt zur Zeit. 



MITGLIEDER DES INSTITUTS 



EHREN-MITGLTRDER 

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedricli. 
Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Kainer. 
Seine Königliche Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern. 
Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. 
Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen. 
Seine Durchlaucht der Fürst Johann von und zu Liechtenstein. 
Seine Durchlaucht Fürst von Radolin, Paris. 
Herr R. von Kcudell, Berlin. 
„ H. Lehmann, Halle a. S. 
„ Graf von und zu Lerchenfeld, Berlin. 
Donna Ersilia C'aetani, contessa Lovatelli, Rovi. 
Herr Graf von Plessen-Cronstern, Atlicn. 
„ J. von Radowitz, Madrid. 
„ A. von Swenigorodskoi, Aachen. 



ORDENTLICHE MITGLIEDER 



Herr F. Adler, Berlin. 

„ Conte A. Antonelli, Tcrracina. 

„ B. Arnold, München. 

„ E. Babclon, Paris. 

„ F. Barnabei, Rom. 

„ Barone G. Barracco, Rom. 

„ A. de Barthelemy, Paris. 

„ 0. Benndorf, Wien. 



Herr j\l. R. de Herlanga, Malaga. 

„ .1. .1. Hcrnoulli, Basel. 

„ H. Blümner, Zürich. 

„ J. Boehlau, Cassel. 

„ L. Borchardt, Cairo. 

„ E. Bormann, Wien. 

„ R. Borrmann, Berlin. 

„ M. Botkin, St. Petersburg. 



Herr K. Brizio, Bolo<jna. 
A. Brückner, Berlin. 
„ F. Büclieler, Bo)in. 
^ F. Bulic, Spalato. 

- R. Cagnat, Paris. 

- V. Calvert, Dardanellen. 
A. Castellaiii, Rom. 

,, G. Calderini, liom. 

W. von Christ, München. 
~. March. B. C'Iiigi, Sie?ia. 

31. Collignon, Paris. 
r, S. Colvin, Londori. 
„ A. Conze, Berliti. 
„ F. Cumont, Gent. 
„ H. Dessau, Berlin. 
^ II. Diels, Berlin. 
„ C. Dilthey, GiJttingen. 
„ W. Dittenbergcr, i/a//e «. 6'. 
„ W. Dürpfeld, Athen. 
„ A. von Doniaszcw.ski, Heidelberg. 
„ 0, Donner-von Ricliter, Frank- 

fui-t a. M. 
„ J. Dragatsis, Piräm. 
„ St. Dragumis, Athen. 
-, H. Dressel, Berlin. 
„ L. Dnchosne, 7?ow. 
y, F. V. Dulin, Heidelberg. 
„ F. Ehrle, 7?o//^ 
„ R. Kngelniann, Berlin. 
r, A. Krman, Berlin. 
y, A. J. Evans, Oxford. 
., E. Fabric'ins, Freiburg i. llr. 
.. J. Fickcr, Strassbiirg i. K. 

A. Flasch, Erlangen. 

- Iv. Fürster, Breslau. 
,, 1*. Foucart, Pa/Vi-. 

- M. Frärikol, Berlin. 

li. Fricdlänilcr, Sfrassburg i. E. 
W. Frölmor, Paris. 
y, A. Furtwängler, München. 



Herr R. Gädechens, J^wa. 
., G. F. Gamurrini, ^dr^eeo. 
., E. A. Gardner, London. 
„ P. Gardner. Oxford. 
., G. Gatti, Rom. 
., G. Gherardini, Padiia. 

- W. W. Goodwin, Cambridge, 

Ma.sx. 
II. Grimm, Berlin. 
„ \V. Gurlitt, G/'as, 
., 0. Hamdy-Bey, Konstantinopel. 
„ J. Hampel, Budapest. 
., A. Ilarnack, Berlin. 
,, W. von Ilartel, Wien. 
„ B. Haussoullier, Paris. 
,, B. V. Head. London. 

- Fv. Ileberdey, Smgrna. 

- J. L. Heiberg, Kojyenhagen. 
„ W. Heibig, /?om. 

,, Th. von Ileldreicli, Athen. 

„ E. von Herzog. Tübingen. 

„ F. Hettncr, Trier. 

„ L. Ileuzey, Paris. 

„ F. Hiller von Gärtringen, Berlin. 

„ 0. Ilirsclifeld, Berlin. 

„ A. ITohverda, Leiden. 

„ Tb. Homolle, Athen. 

E. Hiibner, Berlin. 
„ C'li. Hülsen, 7?o/«. 

., L. Jacobi, Homburg v. d. H. 

F. Imhoof-Bliimcr, Winterthur. 
.. ('. Justi, Bonn. 

„ (i. Kaibcl, Göttingen. 

E. Kaiinka. Czernowitz. 
r, A. Kalkmann. Berlin. 
_ P. Kavvadias, Athen. 

\\. Kekulc von Stradonitz, Berlin. 
., V. Kenner, Wien. 
- G, von Kieseritzky, <SV. Peters- 
burg. 



— r, — 



A. Kirolihüff. Berlin. 
W. Klein, Fray. 
U. Kollier, Berlin. 

F. Koepp, Miinster i. \V. 

G. Körte, Rostock. 

\\. Koldewey, Berlin. 

A. Kondostavlos, Athen. 
W. Knbitscliek, Wien. 
Sp. Lambros. Atlien. 

R. A. Lauciani, Rom. 

Graf C. Lanckoronski, W-Vf/i. 

B. Latyschev, St. Petemhiinj. 
U. Leliner, Bomi. 

F. Leo, Göttimien. 
\. Leonardos, Athen. 

G. Löschcke, Bonn. 
E. Löwy, Rom. 

0. Luders, Athen. 

G. Lumbroso, i?o?«. 

0. Marucclii, Rom. 

G. Maspero, Paris. 

A. Mau, 7?o>«. 

A. Meletopulos, Piräus. 

E. Meyer, Halle a. S. 

A. Michaelis, Strasshury i. E. 

L. A. Miiani, Florenz. 

A. Mik-hhilfcr, Kiel. 

A. Mommsen, Hamburg. 

Th. Monimseii, Berlin. 

0. Montelius. Stockholm. 

J. II. Mordtuuimi. Salonlk. 

\\. Mowat, l'ari.s. 

N. Müller, Berlin. 

E. Miintz. Paris. 

A. S. Murray, London. 

K. Mylonas, Athen. 

G. Nieniaiin, V^'/^w. 

ß. Niese, Marlnmj. 

II. Nissen, Bonn. 

eil. 1']. Norton, Cambridge, Mass. 



V. Olilcnsclilaifor, München. 

J. Oppert, Paris. 

V. Orsi, Si/rakus. 

J. Pandasidis, Athen. 

\]. Pais, Neapel. 

E. 0. Penrose, London. 

E. Pernice, Berlin. 

G. Perrot, Paris. 

E. Petersen, jRo/n. 

G. de Petra, Neapel. 

Flinders Petrie, London. 

I). Philios, J/A^'H. 

L. Pigorini, 7?o?/^ 

\V. Pleyte, Leiden. 

C. Popp, München. 

E. Pottier, Paris. 

A. Prachov, Kiew. 

0. Puchstein, Freiburg i. Br 

W, JI. Ramsay, Aberdeen. 

E. Reiscli. ll'iVn. 

]?. Richardson, Athen. 

0. Richter, Berlin. 

C. Robert, i/aZ/e «. »S. 

II. von Rohdcn. Hagenau. 

E. de Ruggiero, A'o/«. 

A. Saliaas, Palermo. 

R. von Schneider, ^FifVn. 

R. Schöne, Berlin. 

Th. Schreiber, Leipzig. 

J. Schubring, Lübeck. 

K. Schuchhardt, Hannover. 

II. Schuermanns, Lüttich. 

('. Schiiniachcr, Karlsruhe. 

\j. VOM Sclnval)(>, Tübingen. 

A. II. Smith, London. 

Cecil II. Smith, London. 

A. Sogliano, Neapel. 

W. Soldan. Darmstadt. 

V. Sta'is, Athen. 

V. Studniczka, /jcipzig. 



— 7 — 



Herr L. von Sybel, Marburg i. H. 

,, G. Tocilesco, Bukarest. 

„ A. Trendelenliurg, Berlin. 

^ G. Treu, Dresden. 

Ch. Tsiindas, Athen. 

„ H. Usener, Bonn. 

„ L. Ussing, KopenhayeJi. 

„ J. Vahlen, Berlin. 

A. Heron de Villefosse, Paris. 

„ G. Vitclli, Florenz. 

„ Graf M. de Vogüe, Paris. 

„ C. Wachsmuth, Leipzig. 

„ E. Wagner, Karlsruhe. 

^ Graf H. W'alderdorff, Regenshury . 

„ Ch. Waldstein, Cambridge. 

„ G. Weber, Smyrna. 



Herr R. Weil, Berlin. 

„ C. Wescher, Paris. 

^ .1. W. White, Cambridge, Mass. 

„ Th. Wiegand, Konstantinopel. 

„ F. Wickhoff, ir^Vw. 

^ U. von Wilamowitz-MöUendorff, 

Berlin. 

,, A. Wilhelm, Athen. 

,, A. Wilmanns, Berlin. 

„ J. Wilpert, Rom. 

„ ir. Winnefeld, Berlin. 

,, F. Winter, Innsbruck. 

„ G. Wissowa, Halle a. S. 

,, P. Wolters, Würzburg. 

„ G. Zangemeistcr, Heidelberg. 



III 



CORRESPONDIRENDE MITGLIEDER 



1. Belgien. 
Brüssel: Herr A. van Branteghem. 

„ J. Vollgraff. 
Gent: -, A. van Ceuleneer. 

2. Bulgarien. 
Soßa: Herr W. Dobrusky. 

„ H. Skorpil. 
Varna: ., K. Skoriiil. 

3. Dänemark. 
Kopenhagen: Herr Ch. Blinkcnbcrg. 

„ C. Jacobsen. 
„ S. Müller. 

4. Dentschland. 
Berlin: licir I".. .\ssiiiann. 

_ C. I'.anlt. 
„ Ch. iiolgor. 



Bei'Un: 



Bamberg : 

Bonn : 



Braunschircit/ 
Breslau : 
Calw : 



Herr C. Fredrich. 

„ B. Graf. 

„ F. von Luschan. 

„ L. Pallat. 

„ 0. Rubensohn. 

„ H. Schmidt. 

„ H. Schrader. 

„ L. Stern. 

„ R. Zahn. 

„ J. Führer. 

„ C. Künen. 

„ 11. Lehncr. 

„ A. Philippson. 

., II. L. Strack. 

^ A. Wiedomann. 

: _ P. J. Meier. 

.. ('. Masner. 

_ r. Weizsäcker. 



Cleve: llcvr ¥ 


Sdincidor. 


München : 


Hon 


F. 


von Rebor. 


Deutz: 


„ 


F. 


Wolff. 




„ 


F. 


von Thiersch 


Dresden: 


^ 


P. 


llerrmaun. 




., 


11. 


L. Urlichs. 




n 


F. 


Hultsch. 


Oberlcüinstein 




R. 


Bodewig. 




•n 


L. 


Otto. 


Oldenburg: 


"1 


11. 


Stein. 




•n 


C. 


Wörmann. 


Potsdam: 


•5 


R. 


Schillbach. 


Elbcrfeld: 


1 


L. 


Martens. 


Rostock: 


■5 


0. 


Kern. 


Franhfurta.M 


• y> 


A. 


Hammcran. 


Schwerin: 


.. 


F. 


Schlie. 




V 


G. 


Wolff. 


Stettin: 


*^ 


G. 


Kawerau. 




- 


J. 


Ziehen. 


Strassburgi.L 


•• ^ 


15. 


Keil. 


Freiburg i. Er.: 


:■> 


F. 


Baiimgarteii. 




55 


K. 


Schwartz. 


Gebweiler: 


-> 


J. 


Sihluniberger. 


Stuttgart: 


.. 


G. 


von Alten. 


Giessen: 


rt 


Bi- 


. Sauer. 




55 


J. 


Merz. 


Glückstadt: 


y> 


D. 


Detlcfsen. 




55 


E. 


Paulus. 


Gotha: 


r> 


B. 


Pick. 




.. 


G. 


Sixt. 




n 


C. 


Purgolcl. 


Tübingen : 


•5 


K. 


Lange. 


Göttingen: 


55 


W. 


Meyer. 


Wiesbaden: 


55 


K. 


Ritterling. 


Grei/hcald: 


55 


A. 


Gercke. 


Wittenberg : 


_ 


11. 


Guhrauer. 




55 


A. 


Körte. 


Worms : 


55 


C. 


L. Koehl. 




55 


A. 


Prcuner. 




55 


A. 


Weckerling. 


Gr. Lichter- 
















felde: 


55 


R. 


Oeliler. 










Halberstadt: 


55 


H. 


Röhl. 


5. 


Frankreich. 


Hannover: 


55 


H. 


Graeven. 


Paris : 


llen 


11 


Daumet. 


Jena : 


55 


H. 


Geizer. 




55 


P. 


Decharme. 




55 


F. 


Noack. 




r> 


S. 


Reinach. 


Karls)'uhe: 


55 


11. 


Luckenbach. 


Algier: 


55 


St. 


Gsell. 


Kiel: 


•n 


A. 


Schöne. 




55 


V. 


AVaiUe. 


Königsberg i. P. 


n 


0. 


Rossbach. 


Bordeaux : 


55 


c. 


Jullian. 


Leipzig : 


55 


E. 


Kroker. 


Constantine: 


55 


A. 


Poulie. 




55 


F. 


Marx. 


Embrun 










55 


A. 


Schneider. 


(Haute.sAlpe.s) „ 


J. 


Roman. 


Liegnitz: 


55 


P. 


^vilski. 


Clermont- 








Lübeck: 


55 


C. 


Curtius. 


Ferrand (Puij 






Marburg i.H.: 


55 


E. 


Maass. 


de Dome): 


55 


A. 


Tardieu. 


Metz: 


55 


B. 


Kenne. 


Jj])on : 


55 


P. 


Dissard, 




55 


C. 


Wiclunann. 




n 


M. 


Molleaux. 


München: 


55 


P. 


Arndt. 




55 


11. 


Lechat. 




55 


E. 


Bodensteincr. 


Moidins : 


55 


A. 


Bertrand. 




55 


11. 


Bulle. 


Narbonne: 


55 


L. 


Bcrthoinieu. 



— f» 



Nizza: Herr F. Briin. 

Poiticrs: ^ C. de la Croix. 

Sdi/ites: . \j. Audiat. 

St. Maiueiit: „ E. Esperandieu. 



6. 


Griechenland. 


Athen: 


Herr 


D. Vikelas. 




r) 


Vyzantinos. 




n 


M. Deffner. 




n 


M. Diniitsas. 




n 


E. Gillieron. 




n 


K. Karapanos. 




r) 


P. Kastrlotis. 




•n 


J. Kokidis. 




n 


K. Kuruniotis. 




v 


J. A. Londos. 




V 


A. Pliiladelplievs. 




n 


N. G. Po]itis. 




n 


H. von Prott. 




n 


A. Schiff. 




r> 


A. Skias. 




^ 


G. Sotiriadis. 




n 


J. N. Svoronos. 




n 


E. Ziller. 


Chalkis: 


_ 


A. Matsas. 


Delphi: 


n 


A. Kondoleon. 


Mjjkonos : 


» 


D. Stavropulos. 


Faros: 


- 


J. Navpliotis. 


Syra: 


r) 


P. Serlcndis. 




1 


A. Vhistos. 


Thera: 


_ 


M. Vassiliii. 


Trikkala : 


» 


M. Krispis. 


Tripolis: 


r> 


N. StcphanopuK)S 


Volo: 


n 


N. Georgiadis. 




» 


D. T.sopotos. 


7. 


Grossbritannien. 


Lo}idon : 


Ilcri 


.F. Tliaolier Clarke 




i?ir 


J. Evans. 



London: Herr F. 

« P- 
. W 

Cambridge: Sir R. 
Miss J. 

Manchester: Herr E. 

Newcastle- 
iipon-Tijne: „ T. 

Oxford: -, F. 

Salisburij: „ J. 

South-Shields : „ R. 

Swanseombe: - G. 



M. Nichols. 
le Page Renouf. 
. C. Perry. 
C. Jebb. 

Harrison. 

L. Ilicks. 

Hodiikin. 

Havcrfield. 

AVordswortli. 

Blair. 

C. Renouard. 



8. Italien. 

Rom: Herr R. Ambrosi. 

„ W. AmelunLr. 

„ Fr. Azzurri. 

„ G. Boni. 

„ L. Borsari. 

„ G. Calderini. 

„ L. Cantarelli. 

„ Conte A. Cozza. 

„ D. Gius. Cozza- 

Luzi. 

„ D. Farabulini. 

„ A. Galli. 

„ G. B. Giovenale. 

„ P. des Granges. 

., F. Halbherr. 

„ P. Hartwii:. 

„ A. de Lorenzo. 

^ E. Piccolomini. 

„ L. Pollak. 

„ L. Savignoni. 

„ C. Stornaiuolo. 

„ G. Tomassetti. 

^ P. di Tucci. 

^ D. Vaglicri. 



— 10 — 



Alatri: 


Herr (U 


Persiis. 


hola (It'lLiri: 


lleri 


G. Nicolucci. 


Albisaola- 








Macer ata: 


., 


Conto A. Silveri- 


Marinu: 


n 


St. 


Grosso. 






Gentiloni. 


Anagni : 


» 


E. 


Martinolli. 


Feltria: 


51 


March. G. Antinii- 


A )U'ona : 


"^ 


C. 


Ciavarini. 






Clari. 


Appiynano (bei 






Marsala : 


n 


S. Struppo. 


Maceratci): 


n 


ConteE.Tamlironi- 


Marzabotto: 


n 


Conte Aria. 






Armaroli. 


Messiiia : 


•■> 


G. Tropea. 


Aquila: 


n 


N. 


Persichetti. 


Milano: 


., 


S. Ricci. 


Arce: 


n 


F. 


Grossi. 




n 


C. Ruga. 


Ascoli Piceno. 


■n 


G. 


Gabrielli. 


Monopoli di 








r) 


G. 


Paci. 


Valdarno: 


n 


J. Falchi. 


Bari: 


n 


M. 


Mayer. 


Montenero di 








~) 


G. 


Milella. 


Bisaccia: 


:i 


Xi. Caraba. 


Bcjievento: 


_, 


A. 


Meomartini. 


Muro: 


7) 


L. Maggiulii. 


Bergamo: 


r) 


G. 


Mantovani. 


Neapel: 


n 


A. Bourguignon. 


Bologna: 




L. 
A. 


Frati. 
Zannoni. 




1) 


PrincipeF.CoIonna- 

Stigliano. 


Brcscia : 


r> 


P. 


da Ponte. 




;■> 


i). de Guidobaldi 




M 


P. 


Rizzini. 




;•) 


C. Mancini. 


Brindisi: 


n 


G. 


Nervegna. 




•1 


G. Patroni. 


Cagliari: 


rt 


F. 


Nissardi. 




V 


M. Spinelli, Prin- 


Caiazzo : 


r> 


G. 


Faraone. 






cipe di Scalea. 


Chieti: 


r> 


R. 


Gavarocchi. 




:i 


P. Stettiner. 


Chiusi: 


r> 


P. Bonci-Casuccini. 


Narni: 


r> 


March. G. Eroli. 


Este: 


n 


A. 


Prosdocinu. 


Nocera Umhrc 


i: „ 


R. Carnevali. 


Florenz.: 


r> 


D. 


Comparetti. 


Orvieto : 


55 


Conte E. Faina. 




■n 


F. 


Corazzini. 




55 


R. Mancini. 




r) 


G. 


Pellegrinl. 


Osimo: 


55 


G. Cecconi. 




n 


March. Kidolfi. 


Padiia : 


n 


F. Cordenons. 


Fori): 


V) 


G. 


Mazzatiiiti. 


Palermo: 


55 


L. Mauccri. 




V) 


A. 


Santarelli. 


Palest rina: 


55 


V. Cicerchia. 


Formia : 


» 


A. 


Rubini. 


Parma: 


j. 


G. Mariotti. 


Fossomhronc : 


» 


A. 


Vernarecci. 


Pavia: 


55 


G. Canna. 


Gemia : 


n 


G. 


Oberzincr. 




55 


L. Mariani. 


Geaualdo: 


n 


F. 


Catone. 


Perugia: 


55 


G. Bellucci. 


S. Giovanni 










55 


Conte G. B. Rossi- 


Incarico: 


n 


1). 


Santoro. 






Scotti. 


Girgenti: 


n 


G. 


Picoiie. 


Pesaro: 


1 


Mardi. C. Antaldi. 


Grosseto: 


n 


A. 


15arl)iiii. 


Portici: 


:5 


V. Saivatore J)ino 



- 11 — 



Rvijijio (Lala 
hria) : 


Herr 


G. Cauiiniti. 


Wien: 


Herr 


W. Wilberg. 
F. Zamboni. 




n 


A. de Lorenzo. 


Budapest: 


» 


V. Kuzsinsky. 


lSaco7ia: 


:7 


V. Poggi. 


Cittavecchia: 


:: 


S. Ljubic. 


Ruvo: 


n 


A. Jatta. 


CzernoiL'itz: 


^1 


11. Dell. 


Sanijioiyio a 








-, 


"W. Jiideich. 


Liri: 


n 


G. Lucciola. 


Görz: 


51 


11. Majonica. 


Scafati: 


n 


F. Morlicchio. 


Graz: 


- 


F. Pichler. 


Sezze: 


n 


F. Loinbardini. 




- 


J. Strzygowski. 


Siena : 


•n 


G. Porri. 

F. Donati. j 


Klagenjnrt: 
Prag: 


r 


K. V. Häuser. 
H. Swoboda. 




^ 


I>. Zdokauer. 


Raqusa : 


_ 


G. Gelcich. 


Spoleto : 
Spongaiio : 
Sidmona : 


•n 
n 
n 


G. Sordini. ; 
F. B. Castiglioni. 
A. de Nino. 


Sarajevo: 
Triest : 
Zara: 




G. Patsch. 
A. Puschi. 
G. Alaeevic. 


Tareiit: 


r> 


L. Viola. 




-> 


L. Jelic. 


Tcrranoca Fau- 










sania: 
Turin: 


n 


P. Tamponi. 
E. Ferrero. 


11. 


Portugal. 


Trevico: 


•n 


A. Calabrese. 


Lissabon: 


Hon 


• A. Coelho. 


Umhertide: 


■n 


A. Lupatelli. 




T) 


J. L. de Vascon- 


Urhisaglia: 


n 


F. S. Palazzetti. 






cellos. 


Vcuafro: 


-1 


S. Vitali. 


Braga : 


^ 


J. J. da Silva 


Verona : 


n 


A. Spagnuolo. 






Pereira Galdas. 


Volter ra : 


r> 


E. Solaini. 


Guimaraens: 


•■ 


F. Martins Sar- 
jnento. 


9. 


Niederlande. 


Oporto: 


r> 


J. de Vasconcellos, 



Haag: Herr .1. Rutgers. 

Amsterdam: _, .1. Six. 
Groningen: „ U. Hoisscvain. 

10. Österreich-Ungarn. 
Wien: Herr S. Frankfurter. 

., M. Hürncs. 
„ P. KrotscliMier. 
,, E. Hoinisch. 
^ A. Kiegl. 
« A. Schindler. 
- E. Szanto. 



St. Peters- 
burg : 



12. Russland. 

Herr .1. .lernstedt. 
N. Kdiidakuft'. 
_ 1\. Eüpcr. 
_ A. Papadopulos 

Keranievs. 
., Poniialowsky. 
,. M. Ixostowzcw. 
.. \. Stsclmkareff. 
.. r. Zielin,>ikv. 



Dorpai : 
lldsincjfoi's: 
Moskau: 
Odessa : 
Wai'.schdii : 



llorr W. Malinborg. 

« H. Graser. 

.. liiislaiotY. 

„ A. Nildtsky. 

., N. Novossadskv. 



13. Schweden und Norwegen. 
Lpsala: Herr S. "Wide. 

Södcriuniiu : .. .1. Conterwall. 

14. Schweiz. 
Basel: Herr K. Bcthc. 

^ IT. Dragendorff. 

„ J. "Wackernagel. 

St. Bcniliard: .. II. Liigon. 

Lausanne: ., "NV. Cart. 

15. Serbien. 
Belgrad: Herr M. ^Valtro^vitz. 



Madrid : 



Barcelona: 
Cadix : 
Elche: 
Granada: 
Malion: 
Malaga: 
Medina Si 
donia : 

Viitoria : 



16. Spanien. 

Herr R. P. Fidel Fita. 
,, J. R. Melida. 
„ Marques de Mon- 

salud. 
„ I. F. Riano. 
„ E. Saavedra. 
„ A. Elias de Molins. 
„ F. A. Vera. 
„ P. Ibarra y Riiiz. 
„ M. G. Moreno. 
„ S. D. G. Llabres. 
„ G. Loring. 

„ M. Pardo de Fi- 

gueroa. 
V, F. Baraibar. 



I Consta n- 
tinopel: 

Aidin: 

Alexandrien. 

Artake: 
! Beirut: 
\ Cairo : 
': Candia : 
' Chalki: 
I Chics: 

Kalymnos: 

Rhodos: 

Samos : 



Samothrake . 

Smijrna : 



17. Türkei. 

Herr Halil-Kdliein. 
„ A. Mordtmann. 
., M. Pappa-Konstan- 

diiui. 
, G. Botti. 
N. Limnios. 
P. Schröder. 

F. von Bissing. 
J. Chatzidakis. 

, 0. N. Askitis. 

G. J. Solotas. 
"\V. R. Paton. 

, A. CasiUi. 

, St. Saridakis. 

. Tli. Sophulis. 

, A. Stergioglidis. 

, E. Stamatiadis. 

, N. B. Phardys. 

, A. Fontricr. 

, P. Gaudill. 

. G. Sotiriu. 



18. Tunis. 
Carthago: Herr A. L. Delattrc. 



Tunis: 



P. Gauckler. 



19. Vereinigte Staaten von Amerika. 

Berkeleg: Herr 1'.. .T. Wheelcr. 

Chicago: „ W. (\. Haie. 

Meadcille, 

Fenns. : „ 

Amhcrst, Mass.: . 
Princeton, 

N. J.: 
Wa.'ihington : y. 



G. F. Comfort. 
.1. R. Sterrett. 

A. \j. Frothingliam. 
Vau Marter. 



— i:-; — 



Publikationen 
des Kaiserlicli Deutsclien Arcliäologisclieu Instituts. 

h. I'. = herabgesetzter Preis (uur bis auf Weiteres gültig;. 

A. Periodische Publikationen. 

1. =-=Monumeiiti iiicditi. 12 IJände. Hoin 182!»— 1885. Suppleineuto Berlin 1891. 

Gr. Folio. Berlin, Georg Reimer. — Jeder Jahrgang bis 1860 M. 12, h. P. 
M. 6, von 1861—1885 M. 20, h. P. M. 10. Das Snpplemeutlieft M. 40, h. P. 
-M. 20. Die ganze Serie M. 444. 

2. *Anuali. 54 Bände. Rom 1829 — 1885. 8^. Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang l.is 1860 M. 8, h. P. M. 4, von 1861 ah 31. 15, h. P. M. 7,.50. Die 
ganze Serie M. ;)0;>,50. 

3. *Bullettino. 55 Bände. Hoiii 1829-1885. S\ Berlin, Georg Reimer. — 

Jeder Jahrgang bis 1860 M. 4, h. I'. M. 2, von 1861 ab M. 5, h. P. M. 2,50. 

Die ganze Serie M. 122,.50. 
Annali, Bulletino und Monumenti 1854 u. 1855. — Je M. 24, li. P. M. 12. 
Annali und Monumenti 1856. — M. 24, h. P. M. 12. 

4. '*Uepertorio universale (Inhaltsverzeichnis zu 1,2,3). Berlin, Georg Reimer. 

— Band I, Rom 1834—1843. 8». M. 8, h. P. M. 4. Band II, Rom 1844— 
1853. 8». M. 8, h. P. M. 4. Band 111, Uom 1854—1856. Folio. M. 2,40, 
h. P. 31. 1,20. Band IV, Rom 1857—1863. 8". 31. 4,80, h. P. 31. 2,40. 
Band V, Rom 1864—1873. 8". 31.5,60, h. P. 31. 2,80. Band VI, Rom 1874 

— 1885 und Supplement, Berlin 1891. 8«. 31. 4,60, h. P. 31. 2,30. 

5. *31emorie. Rom 1832. 8». Berlin, Georg Reimer. — 31. 12, h. P. 31. 6. 

6. *Nuove Memorie. Leipzig 1865. 8^ Berlin, Georg Reimer. — 31. 18, h. P. 31. 9. 

7. Archäologische Zeitung. Berlin, Georg Reimer. 1843 — 1885. 43 Bände. 

4". — Jeder Jahrgang 31. 12, soweit noch vorhanden. Die ganze Serie 31. 600. 
Register dazu 1886. 31. 12. 

8. Antike Denkmäler. Berlin, Georg Ueimer. 188611. Iinp. -Folio. — Jedes 

lieft 31. 40. Bisiier erschienen Band I, Heft 1—5. Band II, Heft 1—3. 

9. Jahrbuch und Anzeiger. Berlin, Georg Reimer. 1886 IT. 8". — Jeder 

Jahrgang M. 16, Der Anzeiger von 1896 an allein 31. 3; ai> 1901 Jahrbuch 
31. 20, Anzeiger 31. 4. 
10. Jahri)uch, F<rgänzungshefte. Berlin, tioorg Riimer. 

1, J. Strzygowski, Die Calenderliilder des Chronographen vom Jaiire 354. 

1888. 8". 31. 30. 
II, R. Bohn, Alterthümer von Aegae. 1889. 8'\ 31. 24. 
111, II. Winnefeld, Die \illa des Iladrian. 1895. 8". 31. 20. 



* Einzelne Bände und Eiuzelserieu nur nach 31assgabe des Vorraths. 



— 14 — 

IV, C. Humann, C. Cichoiius, W. .Tudoioli, F. Winter, Alteithüinor von 
llicrapolis. 1808. 8". M. '_'4. 
11. Mittheilungeii. Rüinisclio Al>tlioiluiii;- (Biillettiuo, Sezioue Hoinaiia). Rom, 

Loescher & Comp. ISSGft". S". - Jeder .Talirgang M. 12. 
1-2. Mittheilungen. Athenisclio Abtlieilung. Athen, Karl Wilt.erg. 187611". 8". 

— .lahrgang 1— X M. 15. Jahrgang XI IV. M. 12. 
1."^.. Kpiiemeris epigrapliica. Corporis luscriptionum I.atiuaruiii Supplemeutum, 

edita iussu Institut! Archaeologici Roinani. 8 Bände. Berlin, Georg Reimer. 

1872 ff. — Band I, M. 6. Band II, M. 8. Band III, M. 10. Band IV, M. 16. 

Band V, M. 20,20. Band VI, M. 8. Band VII, M. 18. Band VIII, M. 25. 

B. Serien-Publikationen. 

14. I Rilievi delle Urne Etrusche. Band I von H. Brunn. Rom 1870. 4". 

Berlin, Georg Reimer. — M. 60, h. P. M. 40. — Band 11, 1 von G. Körte. 
Berlin 18'J0, Georg Reimer. 4". — M. 40, 1:. 1'. M. 30. — Band II, 2 von 
(i. Körte. Berlin 1896. M. 40. 

15. E. Gerhard, Etruskische Spiegel. Band \', heurbeitet von G. Körte und 

A. Klügmann. Berlin, Georg Reimer. 1884—1897. 4«. M. 144. 

16. R. Kekule, Die antiken Terrakotten. Berlin \iud Stuttgart, W. Spemann. 

Fol. Band I, Die Terrakotten von Pompeji, bearbeitet von II. von Roh den. 
1880. M. 60. — Band II, Die Terrakotten von Sicilien, liearbeitet von 
R. Kekule. 1884. M. 75. 

17. C. Robert, Die antiken Sarkophagrcliefs. Band II, Mythologische Cyklen. 

Berlin, Grote. 1890. Fol. M. 225. — Band III, erste Abtheilung. 1897. 
Fol. M. 160. 

18. A. Eurtwängler und G. Loeschckc, Mykenische Tliongc lasse. 15erlin, 

1879. Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. ÖO. 

19. A. Furtwängler und G. Loeschckc, Mykcnische Vasen, vorhellenische 

Thongefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres. Berlin, 1886. Georg Reimer. 
Fol. M. 115, h. P. M. 75. 

20. E. Curtius und J. A. Kaupert, Karten von Attika. Berlin, Dietrich 

Reimer. Gr. Fol. 1881 — 1895. - Heft I, mit Text von E. Curtius, G. von 
Alten und A. M ilelihö fcr, M. 12. Heft II, mit Text von A. M ilchhöfer, 
M. 16. lieft III, M. 12. lieft IV, M. 10. Heft V, M. 8. Heft VI, mit Text 
zu Heft Ill-Vl von A. Milchhöfer, M. 7. Heft VII, M. 6. Heft VIII, M. 13. 
Text zu Heft MI— \11I von A. Milchhöfer, M. 2. Heft IX (Übersicht- und 
Gesamtkarte von Attika) im Massstab 1 : 100000. Mit Text und Register. 
M. 17. 

(J. Einzelwerke. 

21. Steffen, Karten von Mykenai. Berlin, Dietrich Üeimer. 1884. 4". Text von 

Steffen und LoUing. — Mk. 12. 

22. R. Koldewey, Antike Baureste der Insel Lesbos. iMit 29 TatVlu und Texl- 

abbildungen, 2 Karten von II. Kii'pert. Berlin, Georg Reimer. 1890. Fol. 
M. 80, h. P. M. 40. 



— lo — 

23. Das Kuppelgial) von Meiiidi. Atlien, Wilberg. 1880. 4". — M. 8. 

24. G. B. de Rossi, Plante Iconografiche e Prospettiche di Roma auteriüri al 

Secolo XVr. Koma 1879. 4«. Berlin, Georg Reimer. M. 32, h. P. M. 18. 

25. lt. Schöne, Le Anticliitä de! Museo Bocchi di Adria. Koma 1878. Berlin, 

Georg Keimer. 4«. M. 24, h. P. M. 12. 
2G. Kelleniiauu, Vigilum Komanorum latcrcula duo Caelimontana. Roma 1835. 
4«. Berlin, Georg Reimer. M. 6,40, h. P. M. o,20. 

27. W. llenzen, Scavi nel bosco sacro dei Fratelli Arvali. Roma 1868. Fol. 

Berlin, Georg Reimer. M. 16, h. P. M. 8, 

28. H. Jordan, De formae Urbis Romae fragmento novo. Roma 1883. 4". Berlin, 

Georg Reimer. M. 1,60, h. P. M. 1. 

29. A. Michaelis, Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts 1829 bis 

1879. Berlin 1879, Georg Reimer. 8". M. 6, h. P. M. 3. — Italienische 
Ausgabe M. 4,80, h. P. M. 2,40. 
;i(». .1. Lessing und A. Mau, Wand- und Deckenschmuck eines römischen Hauses 
aus der Zeit des Augustus. Berlin 1891, Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 25. 

31. Alexander Iwanoff, Darstellungen aus der heiligen Geschichte. 14 Liefe- 

rungen zu je 15 Blatt. Berlin, Georg Reimer. Fol. — Jede Liefeiiing 
M. 80, h. P. M. 20. (Lieferung 2 ist vergriflfen.) 

32. Sergius Iwanoff, Architektonische Studien. Heft I. Aus Griechenland. Mit 

Text von K. Bohn. Folio und Quart. 1892. M. 96. — Heft IL Aus 
Pompeji. Mit Text von A. Mau. Folio und Quart. 1895 Dazu Nachtrag. 
Folio und Quart. 1898. M. 40. — Heft III. Aus den Thermen des Cara- 
calla. Mit Text von Chr. Hülsen. Folio und Quart. 1898. M. 120. 

33. M. Botkin, Biographie A. Iwanoffs. Berlin, Georg Reimer. 1880. 4«. 

M. 10, h. P. M. 5. 

34. A. Mau, Katalog der Bibliothek des Kaiserlich Deutschen Archäologischen 

Instituts in Rom. Band I. Rom, 1900. Loescher & Co. 8». M. 6, 

D. Schul-Wand tafeln. 

35. Grabstelc der Hegeso. 

36. Sog. Alexander-Sarkophag aus Sidon. 

37. Augustus-Statue von Prima Porta. 

Deutsche und österreichische l'nterrichtsanstalten, welche ihre Bestellungen 
an den (ieueralsekretar des Instituts (Berlin W. Corneliusstr. 2) richten, erhalten 
jede dieser Tafeln zum Preise vun 5 Mark 80 Pfennigen (einschliesslich der Ver- 
packung, ausschliesslich des Porto) direkt von der Verlags-Anstalt Fr. Bruckmann 
AG. -München zugesandt, an welche dann auch der Preis direkt einzuzahlen ist. Bei 
Bestellung mehrerer Exemplare für dieselbe Adresse crmässigt sich der für \ er- 
packung lierechnele Betrag. 






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